Samstag, 13. Oktober 2012

Bill Haley 3/3


Seine Filme „Außer Rand und Band“ - beide Teile – wurden im Ausland, insbesondere Deutschland zum Renner. Bill Haley war denn auch im Ausland populärer als in den Staaten. Dort dominierte Elvis die Szene. Im Ausland aber lag der Erfolg sicher nicht in der Sexy Ausstrahlung von Haley, sondern eher am neuen Sound der Musik. Die Agressivität übertrug sich häufig aufs Publikum. Die folgenden Jugendkrawalle führten in Deutschland häufig zum Abbruch oder Verbot der Filme.
Im Januar 1957 brach Bill Haley als erster Rock `n` Roller zu einer Tour ins Ausland auf. In Austrlien kam es so zur Geburtsstunde der „Open Air Konzerte“. 3 Tage hintereinander füllte er das Stadion in Melbourne mit jeweils 40.000 begeisterten Fans. Danach war der „Haley-Sound“ und die hervorgerufene Hysterie kreischender Teenager und gewalttätiger Jugendlicher in Europa eine Bedrohung der bestehenden Ordnung.
Für die Musikindustrie war das egal. „Bill Haley and the Comets“ waren die ersten Superstars einer neuen Musikrichtung, die sich ausschließlich an Jugendliche richtete. Bis heute ist die Musikindustrie von dieser Strategie beseelt.
Die Medien jedoch zerrissen den Sound jedoch in der Luft. „Krawallmacher“, Radaumusik“ oder auch „nur für Underdogs“ waren Bezeichnungen, um Haley zu verunglimpfen. Wenn man heute alte Videos mit dem dicklichen Haley sieht, muten diese Beschimpfungen umso lächerlicher an.
Negativer Höhepunkt waren die Vorkomnisse vom 26.10.1958 im Berliner Sportpalast. Das Rock `n` Roll begeisterte Publikum bestand aus kreischenden Mädchen und „Halbstarken“. Die glorreiche Idee der Veranstalter, den 1. Teil des Abends vom Orchester Kurt Edelhagen bestreiten zu lassen, würde heutzutage niemand mehr haben. Hatten bereits vor Konzertbeginn ca. 1000 „Halbstarke“ den Eingang gestürmt und sämtliche Scheiben eingeschmissen, so wurden jetzt Kurd Edelhagen und sein Orchester von der Bühne geprügelt. Der Schutz durch einen Ordnungsdienst war damals wohl nicht existent.
Die Veranstalter waren ratlos. Bill Haley mußte vorzeitig aus dem Hotel geholt werden, damit er sein Konzert vorzog und so das Publikum beruhigte. So der Plan. Zum „Abkühlen“ wurden Schlager von Bill Ramsey aufgelegt. Bill Haley kam auch, mußte aber nach 40 Minuten den Gig abbrechen, da sich das Publikum nicht mehr beruhigte. Jetzt war das Publikum nicht mehr zu halten; Sozusagen außer Rand und Band. Die Zuschauerrän ger wurden kaputtgetreten, Lautsprecheranlage und ein Konzertflügel kurz und klein gemacht. Die wenigen Saalordner wurden von den enttäuschten Jugendlichen vor sich hergetrieben. Ziel: Die Künstlerkabinen. Zum Schlimmsten kam es dann doch nicht, weil die Polizei anrückte und die Jugendlichen auseinanderdrosch. 50 Verletzte und 18 verhaftete „Halbstarke“ schockten die junge Republik.
Bill Haley hat dies nicht geschadet. Artur Brauner baute Haley sogar noch in einen Film ein, in dem es zu einem wunderbaren Duett mit Catarina Valente (Viva la Rock and Roll) kam.
Aus dem Jahr 1958 datiert auch Haleys letzter großer Hit in den Staaten - „Skinny Minnie“. Er wechselte zu Wqarner Bros., aber in den USA kam er nie mehr in die Charts. Er konzentrierte sich in den 60er und 70er Jahren auf Tourneen im Ausland, wo er in all den Jahren eine große Fangemeinde hatte. 1964 gab es ein „Wiedergutmachungskonzert“ im Berliner Sportpalst. Und 1968 landete Haley vollkommen überraschend mit „Rock around the Clock“ in England und Deutschland in den Charts. Das „Rock `n` Roll Revival“ vom 5.8.1972 im Wembley mit Little Richard, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Bo Diddley war der Höhepunkt dieser Phase und gleichzeitig sein letzter großer Auftritt.
Es gab zwar 1974 noch eine kurze Tour durch Australien und Neuseeland mit seinem Saxophonisten Rudy Pompilli. Dieser verstarb leider 1976, woraufhin sich Haley depressiv zurückzog. Am 26.11.1979 spielte er nochmal im Londoner Theater Royal vor der Queen, aber ein inoperabeler Hirntumor durchkreuzte Haleys weitere Pläne. Am 9.2.1981 verstarb Bill Haley in seinem Haus in Harlingen, Texas.
Meine persönlichen Lieblingssongs von Bill Haley sind „Thirteen Women“ und Skinny Minnie“. Letzterer wurde mir von meiner älteren Schwester nahegebracht; den Gitarrenlick finde ich immer noch unerreicht. Aufgrund seines großen Erfolges und der stark am Mainstream orientierten Produktion seiner Songs schon in den 50ern wird er heuer erst in zweiter Linie genannt, wenn man Musiker nach ihren Vorbildern fragt. Aber Bill Haley war es zu verdanken, dass Rock and Roll weltweit zu einer neuen Musikrichtung wachsen konnte. Ein Sound mit erheblichen kommerziellen Potential. Leider taugte der dickliche Familienvater schon in den 50ern nicht als Rock-Idol a la James Dean oder Marlon Brando.
Hörenswert sind auch die 1955 aus den Comets hervorgegangenen Jodimars. Obwohl sie es nie in die Charts schafften, zeigte die Band durch ihren Sound eindrucksvoll, warum man Bill Haley nicht vergessen sollte, wenn man über die Roots des Rock `n` Roll redet.
Zum Schluß noch Bill Haley himself, aus seinem Fan-Mag „Haley News“:
Ich dachte mir, wenn ich eine Dixieland-Melodie nehme und den ersten und dritten Rhythmusschlag weglasse, dafür aber den zweiten und vierten betone und einen Beat hinzugebe, nach dem die Zuhörer klatschen oder auch tanzen können – das wäre dann genau nach ihren Wünschen“.

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