Samstag, 28. September 2019

Uncle Fester: grad gelesen September 2019


Pierce Brown - Red Rising
Bereits nach den ersten Seiten war mir klar, dass ich hier ein ganz großes Ding vor mir habe. Die Vergleiche auf der Buchrückseite mit „Tribute von Panem“ und „das Lied von Eis und Feuer (Game of Thrones)“ sind nicht aus der Luft gegriffen. Wobei sich Tribute (ähnlich wie Harry Potter) eher an ein jüngeres Publikum richtet und Game of Thrones ein religiös verbrämtes Fantasy Spektakel darstellt, ohne den Charme von „Herr der Ringe“ zu erreichen.
Darrow ist ein Roter. Diese Farbe klassifiziert ihn als Minenarbeiter auf dem Mars, der sich dort unter der Erde abplagt, um der herrschenden Oberschicht, den Goldenen, das Terraforming des Mars zur Besiedelung zu ermöglichen. Von Beginn an wird deutlich, dass die Roten als Sklaven ihr kärgliches Dasein fristen und jeglicher Widerstand erbarmungslos von den Grauen (der Polizei) bestraft wird.
So stirbt dann auch Eo, die geliebte Ehefrau des lediglich 16jährigen Darrow, am Anfang des Romans, nachdem beide in einer versteckten Kammer die begrünte Oberfläche entdeckt hatten. Dabei sollte die angeblich doch noch unbewohnbar sein. Stattdessen haben es sich die Goldenen und die anderen Farben dort bereits bequem gemacht.
Eo hängt kurz danach am Galgen, allein weil sie einen verbotenen Tanz aufführt. Seiner dort sterbenden Frau verspricht Darrow noch, sich dem Widerstand anzuschließen. In der schönen Welt auf der Oberfläche angekommen, kümmern sich Dancer, Harmony und Mickey um den hasserfüllten jungen Mann.
„Die Söhne des Ares“ statten Darrow mit einer gefälschten Identität als Sohn einer unbekannten Familie aus dem Asteroidengürtel aus, damit er als Mitglied dieses „Hauses“ im Institut von Agea eine Ausbildung durchlaufen kann, die die Elite der Goldenen absolviert. Hier entscheiden sich die zukünftigen Karrieren des goldenen Nachwuchses. Darrow soll die Goldenen unterwandern und aus hoher Position die Revolution der Roten ermöglichen.
Schon die erste Prüfung ist mehr als grausam. Die Schüler werden zu tödlichen Duellen gezwungen. Darrow wird notgedrungen so zum Mörder an dem Mitschüler, mit dem er sich als Einzigem verstanden hatte. Danach werden alle Überlebenden von den Proktoren in verschiedene Häuser einsortiert.
Darrow kommt ins Haus Mars des Proktoren Fitchner. Dort setzt er sich u.a. gegen Cassius, dem Bruder seines Opfers, als Primus des Hauses durch und versucht, die anderen Häuser zu unterwerfen und deren Mitglieder zu Sklaven zu machen. Nach einem kompletten Jahr in einem abgeschiedenen Tal winkt dem „Gewinner“ als Belohnung eine entsprechend hochrangige Stellung in der Gesellschaft der Menschen auf einen der bewohnten Planeten, Monde oder Asteroiden.
In der Folge treten eine Vielzahl an Freunden und Feinden auf. Sevro, Sohn von Fitchner, wird am Ende der treuste Verbündete Darrows beim Kampf um die Vorherrschaft im Institut sein. Cassius dagegen mutiert zum Todfeind, als er herausfindet, dass Darrow seinen Bruder getötet hatte. Mustang (Virginia) und der „Schakal“ sind die Kinder des verhassten Erzgouverneurs des Mars. Während der Schakal, heimlich und wider den Regeln dieses „Spiels“, von den Proktoren beim Kampf um den Sieg unterstützt wird, verliebt sich Darrow in Mustang, die ihn anscheinend kurz vor Ende des Romans an ihren Bruder verrät, tatsächlich jedoch diesen überwältigt und dadurch Darrow den Sieg schenkt.
Mustang brachte Darrow auch die wesentliche Erkenntnis, dass es klüger ist, die Menschen als gleichrangig und nicht wie Sklaven zu behandeln, weil diese besser mitarbeiten bzw. ihrem Führer folgen, wenn sie sich frei fühlen. Diese wohl wesentliche Botschaft des Romans erklärt dem Leser, wie der Kapitalismus funktioniert.
Nachdem Darrow und seine Getreuen entgegen der vorgegebenen Regeln den „Olymp“ der Proktoren Jupiter, Apollo, Minerva und Co erstürmt hatten und schließlich selbst der Schakal aufgeben musste, ist das Spiel beendet. Als Belohnung tritt Darrow dem Haus des verhassten Erzgouverneurs bei, was ihm dem Ziel der Söhne des Ares näher bringt.
Wie eingangs schon beschrieben, erkennt man bei Red Rising viele Parallelen zu berühmten Zyklen. Stellenweise wirkt dieses Werk stark von den Vorbildern abgekupfert, hat aber im Gegensatz zu Harry Potter oder den Tributen eine stärkere Kritik an bestehenden politischen Systemen zu bieten. Darüber hinaus liest es sich gut. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

                               

Pierce Brown - Im Haus der Feinde (Red Rising 2)
Der Roman beginnt nach einem Zeitsprung von ca. 2 Jahren. Darrow hat die Akademie, eine weitere Bildungsstätte der Goldenen, fast erfolgreich absolviert. Als Lanzenreiter (Ritter) des Hauses Augustus und Kommandant eines Raumschiffs jagt er zu Beginn den letzten Gegner. Dies ist natürlich Cassius aus dem Hause Bellona.
Die Clans der Bellona und des Erzgouverneurs Augustus ringen schon seit Jahrhunderten um die Macht auf dem Mars. Bislang konnte das Haus Augustus seine Vormachtstellung immer behaupten, aber nun ist es Oktavia de Lune, die Herrscherin der Weltengemeinschaft und damit des Sonnensystems, die einst durch den Mord an ihrem Vater an die Macht kam, welche die Bellonas protegiert, weil ihr der Erzgouverneur zu mächtig geworden ist.
Der letzte Gegner missachtet leider die Spielregeln. Anstatt anständig in der Simulation eines Raumgefechts zu kapitulieren, lässt Cassius sein Schlachtschiff in das von Darrow rammen. Dieser stirbt dabei allerdings nicht, verliert aber neben Tausenden an Besatzungsmitgliedern auch sein Ansehen im Hause Augustus.
Darrows Ziel, die Herrschaft der Goldenen zu beenden, ist in immer weitere Ferne gerückt. Zumal sich die Söhne des Ares jahrelang nicht gemeldet haben. Erst jetzt, als Darrow im Palast von Augustus quasi unter Arrest steht, nimmt Harmony zu ihm Kontakt auf.
Darrow soll mit einer Bombe die Köpfe der Goldenen anlässlich eines Balls, bei dem auch Oktavia anwesend ist, ausschalten. Doch als er überraschenderweise Dancer, den Stellvertreter von Ares, trifft, der doch nicht tot ist, wird ihm klar, dass terroristische Akte nicht der Weg sind, die zum Ziel führen - nämlich die Beendigung der Herrschaft der Goldenen.
Dazu sammelt er eine Gruppe von Getreuen um sich. Da ist zunächst einmal Mustang, mit dem ihm eine seit langem unerfüllte Liebe verbindet, zumal sie auf dem Ball als Freundin von Cassius auftaucht. Als Darrow Cassius im Duell auf dem Ball fast tötet, gehen die Bellonas und Augustus aufeinander los.
Zusammen mit Mustang sowie Sevro und seinen Heulern, einer wolfgleichen Meute, erobert Darrow ein Kriegsschiff von Oktavia und benennt es nach seinem im ersten Band gestorbenen Freund Pax um. Die blaue Orion und vor allem der Obsiane Ragnar schließen sich nun Darrows Truppe an. Selbst der Schakal kämpft notgedrungen an Darrows Seite; schließlich ist Augustus sein Vater.
Schon ziemlich bald stellt sich heraus, dass Sevro von Darrows eigentlicher Herkunft als Roter weiß. Was auch kein Wunder ist, da Fitchner, Sevros Vater, Ares ist. Dieser wiederum hatte sich Darrow gegenüber bereits nach dem Ball auf Luna offenbart. Ach ja: Auf dem Ball entzieht Oktavia Augustus das Mandat über den Mars und bestimmt Tiberius von Bellona zum neuen Gouverneur des Mars.
Zusammen mit seinen Getreuen greift Darrow die Bellonas im Auftrag von Augustus den Mars an, zumal es den Bellonas gelungen ist, Augustus gefangen zu nehmen. Als ob das nicht verwirrend genug wäre, thematisiert Brown auch noch die unerfüllte Liebe von Victra, einer alten Weggefährtin unseres Helden, zu Darrow. Dazu wird die Entfremdung zwischen Roque und Darrow immer größer. Brown investiert sehr viel Zeit in diese zwischenmenschlichen Probleme, ehe er den Schluss einleitet.
Darrow besucht sogar das Dorf seiner roten Kindheit und trifft seine Mutter und den Bruder wieder. Bei dieser Gelegenheit offenbart sich Darrow Mustang als Roter, die ihn daraufhin stehen lässt und verschwindet.
All diese Verästelungen lassen auf eine Verwertung des Zyklus als Serie a la Game of Thrones schließen. Der Lesbarkeit tut das nur dann keinen Abbruch, wenn man 50 und mehr Seiten am Stück lesen kann.
Mir aber fehlte dazu leider häufig die Zeit. Deswegen kommen wir gleich zum Finale in der Zitadelle. In der Stunde seines großen Triumphes wird Darrow ausgerechnet von Roque verraten und vergiftet. Der Schakal tötet seinen Vater Augustus und übernimmt absprachegemäß den Gouverneurposten von den Bellonas, die dank Oktavia mit dem Schakal zusammenarbeiten.
Am Ende ist Darrow ein Gefangener des Schakals und seine Träume von der Beendigung der Herrschaft der Goldenen sind anscheinend passe. So spannend wie die Story auch ist, so ärgerlich werden die vielen Wendungen, die zumeist der Vielzahl an Charakteren geschuldet ist. Brown hat hier eine Vielzahl von Treueschwüren und Verrat eingebaut. Auch scheint die Struktur der Gesellschaft eher zu einem Fantasyzyklus zu passen. Die Science Fiction Elemente sind hier eher rar gesät.

Dienstag, 24. September 2019

Contramann: Aus dem Forum zu…


…Telepolis zu diesem Artikel vom 7.8.2019:
https://www.heise.de/tp/features/Italien-verschaerft-die-Abschottung-gegen-NGO-Seenotretter-4489413.html

„Mit Seenotrettung hat das was dort geschieht in den meisten Fällen nichts zu tun
.....eher schon mit der massenhaften Schleusung illegaler Migranten.
Ansonsten könnte man die "Geretteten" ja auch wieder dorthin verbringen von wo sie einst herkamen. Aber das will man ja gar nicht.
Dass man die Menschen dort nicht absaufen lässt, dass ist die eine Sache.
Das man sie aber per Schleuserboot nach Europa holt, dass ist wiederum die dunkle Kehrseite der Medaille.
Vielleicht sollte ich auch mal in den Bodensee springen, und mich dann von den Schweizern dort "retten lassen", nur um so an die Schweizer Staatsbürgerschaft zu gelangen, bzw. dort im Land auf Dauer geduldet zu werden.
Nur mal so als Beispiel........
Und deshalb kann ich die italienische Regierung in gewissen Weise schon verstehen, wenn sie derartigen Schleusern das Leben zumindest etwas schwerer macht.
Das unsere Olivgrünen Gutmenschen diese Haltung nicht verstehen können, ist mir dabei durchaus bewusst.
Aber aus ihnen spricht oftmals eher das eigene schlechte Gewissen, wenn sie tags zuvor noch die eigenen Kinder mit dem Monster-SUV zur Schule gefahren haben, obwohl die Kinder den kurzen Weg durchaus auch hätten laufen könnten, und sich somit ihrer eigenen Schuld an der Zerstörung der Umwelt (auch der in Afrika) bewusst sind, dies aber nicht zugeben können oder wollen.
Oder wenn jene Leute Parteien wählen, die dann aus fadenscheinigen Gründen irgendwelchen Kriegseinsätzen der Bundeswehr in den entsprechenden Ländern zustimmen, bei denen es in Wahrheit um die Sicherung der dort vorhandenen Bodenschätze geht, welche die deutsche Automobilindustrie benötigt um daraus z.B. angeblich saubere Elektroautos zu bauen.
Jede Wirkung hat nämlich auch irgendwo ihre Ursache, nur das verkennen solche Leute oftmals, dass sie selber die Ursache für all das Leid und Elend auf der Welt sind, und das es nicht selten besser wäre sie selber würden ins Mittelmeer springen, um somit der Welt ihre weitere Anwesenheit auf diesem Planeten zu ersparen.
Und nein, auf irgendwelche dusseligen Kommentare von jenen schon erwähnten "Gutmenschen" werde ich nicht reagieren.
Ist zumeist eh sinnlos sich mit solchen Leuten zu unterhalten, da solche Leute zumeist nicht in der Lage sind eine Sache bis zu Ende zu denken.“

„Die richtige Frage darfst du ja gar nicht stellen und die richtige Antwort heißt: Du bist mitschuldig weil du wie ein Wahnsinniger konsumierst, dich politisch dummgestellt hast, ne Dreckschleuder alle 3 Jahre neu kaufst und 5t Heizöl verballerst. Den Sojadreck aus der 2. Welt, den du im Aldi kaufst, hat ganze Gegenden zerstört. Das Schrottfleisch, das bei deiner Hähnchenbrust Produktion anfällt, hat die Hühnerzucht in ganz Afrika zerstört.
Nun klopfen halt die Jungs und Mädels bei dir an die Tür und wollen auch etwas ab.“

Die Klischees über die „Gutmenschen“ mal beiseite gestellt, wird in diesen Kommentaren darauf hingewiesen, worum es eigentlich geht. „Wir“ leben alle ganz gut auf Kosten der 3. Welt. Egal, ob man AfD oder die Grünen oder sonst wen wählt. Und von unserem Wohlstand würde wohl keiner (oder kaum einer) freiwillig etwas abgeben.
Ein „Gutmensch“ will i.d.R. nicht verstehen, dass es nicht ausreicht, Kriegseinsätze und vor allem Ausbeutung in der 3. Welt zu stoppen. Denn erst die dort gezahlten Dumping Löhne ermöglichen hier das billige Smartphone; allgemein müssten hier die Lebenshaltungskosten steigen, auch der Preis einer Mango.
Mit Klimaschutz hat die Flüchtlingsproblematik direkt zwar nichts zu tun, jedoch bedingt unser, in den Kommentaren beschriebene, überbordende Konsum ein erhöhtes Aufkommen an Schiffs- und Flugverkehr (Flugmango). Wer sich also für Klimaschutz UND Schutz von Flüchtlingen engagieren möchte, sollte auf Luxusartikel verzichten und auch immer zu regionalen Produkten greifen. Ansonsten wäre selbst ein persönliches Engagement scheinheilig.
Dann wären Handeln und Ansicht eines AfD Fans zwar immer noch nicht akzeptabel, aber wenigstens ehrlich.

Montag, 23. September 2019

Hartmudo: Mutter


49
Nach dem Fiasko mit der Wohnungsauflösung von Mutters Heim hatte ich Sunny gegenüber ein schlechtes Gewissen. Wütend war ich dazu noch auf mich selbst, weil ich Sunny mal wieder nicht vertraut hatte. Wobei mein Misstrauen natürlich nicht gänzlich unbegründet war, wie ich bereits geschildert hatte. Aber anstatt das Heft selber in die Hand zu nehmen und zu handeln hatte ich gar nichts gemacht, sondern Sunny einfach gewähren lassen.
Und als ich endlich reagierte und Sunny mit der Wohnungsauflösung dank Siggis Tipp ausstechen konnte, da war es auch noch falsch. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn Berta das Angebot nicht auf den Stand von Sunnys Deal gebracht hätte. Sunny wäre uns mit beißendem Spott entgegengetreten. Und das mit Recht.
Dazu kam an diesem Freitagabend erschwerend noch dazu, dass Sunny mir ein wirklich niedliches Foto von einem ihrer Pferde mit einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf per WhatsApp als Weihnachtsgruß schickte. Mein schlechtes Gewissen meldete sich sogleich zu Wort und qüälte mich. Dass meine Löwin auf ihrer Weihnachtsfeier verweilte und ich allein zuhause mit den Katzen saß, half mir auch nicht weiter.
Am Samstag dann waren meine Löwin und ich auf der Weihnachtsfeier des VdK in Salzgitter. Das brachte mich vorübergehend auf andere Gedanken, denn dort ist es immer ganz nett. Wir sitzen dort mit Dora und Herbert zusammen und hatten hinterher wohl auch noch Solo gespielt. Der Schlachter dort in Salzgitter Bad, der auch das Catering für die Feiern des VdK übernimmt, ist preiswert, dafür aber sensationell. Das Thüringer Mett ist zum Niederknien, davon nahmen wir gleich ein ganzes Kilo mit.
An diesem Samstagabend schaffte es Sunny mal wieder, meinen Puls hochzutreiben. Sie überraschte mich mit einer WhatsApp. Wir hatten uns zwischenzeitlich zu einem Treffen am Sonntag durchgerungen, weil Sunny die Wohnung noch einem Nachbarn von Mutter anbieten wollte.
Berta und ich waren damit einverstanden, allerdings vorrangig wegen Sunny. Sie war schon beim Treffen mit dem Makler unzufrieden mit dem Verkaufspreis gewesen. So wie Berta und ich blind auf Siggis Tipp bezüglich der Wohnungsräumung gehört hatten, so hatte sich Sunny auf die unqualifizierte Aussage der Freundin von Dörte bezüglich eines möglichen Verkaufspreises der Wohnung verlassen.
125.000€ waren als Verhandlungsbasis bzw. ersten Preis eines Wohnungsangebotes mit dem Makler vereinbart. Den schriftlichen Auftrag an ihn hatte ich bereits formuliert und ausgedruckt. Es fehlte lediglich noch Sunnys Unterschrift, dann könnte ich den Auftrag an den Makler erteilen. Beim Termin mit dem Nachbarn am Sonntag wollte ich den Schrieb mitnehmen, das wäre ja eine passende Gelegenheit.
In der WhatsApp ätzte Sunny wegen des eventuellen Verkaufspreises an den Nachbarn rum. Sie beklagte sich darüber, dass wir bislang keinen Preis für den Nachbarn abgesprochen hatten. Da hatte sie zweifelsohne recht, das hätten wir ja mal machen können. Berta und ich hatten uns aus den bekannten Gründen - also weil wir von Sunny genervt waren, sie nicht mal mehr sprechen wollten etc. - mit dem Preis nicht auseinandergesetzt.
Sunny hatte eine Preisvorstellung von 135.000€, was meiner Meinung nach utopisch war. Dann beklagte sie sich sogar noch darüber, dass ihre Meinung nicht zählen würde und Berta und ich mich abgesprochen hätten. Wir wären uns „mal wieder einig" gewesen.
Übrigens habe ich diese WhatsApp nicht mit zweien meiner Freunde, die beide seit Jahren als Psychotherapeuten tätig sind, durchgesprochen. Denn die Paranoia, die aus Sunnys Sätzen sprach,war mehr als augenfällig. Zugegebenermaßen war mir das egal; ich dachte nur so bei mir, dass ich sie deswegen nicht zurückzurufen brauchte, wenn Sunny eh schon der Meinung ist, dass Berta und ich alles ohne sie absprechen würden. So weit kommt es noch,dass ich mich für ihre Paranoia rechtfertige, indem ich sie anrufe. Anderen ein schlechtes Gewissen durch solche Ansagen einzureden war auch eine „Stärke" von unserer Mutter gewesen. Dem Affen geb ich doch keinen Zucker!
Statt mit Sunny hatte ich dann wohl noch mit Berta gesprochen und ihr die WhatsApp vorgelesen. Ich konnte durch den Telefonhörer förmlich spüren, wie Berta mit dem Kopf schüttelte. Dass wir uns gegen Sunny verbündet hätten, war einfach lächerlich. Berta und ich hatten uns die ganz Zeit bemüht, auf Sunnys Eskapaden einzugehen. Es war ja im Gegenteil so, dass Sunny - wohl wegen ihrer Paranoia - Berta und mich mit Beschimpfungen und aggressiver Mimik unter Druck setzte.
Und irgendwann zieht dieses Verhalten nicht mehr, besonders dann, wenn man es wie wir von unserer eigenen Mutter her kennt. Selbst dann noch hatten Berta und ich versucht, Sunny zu informieren oder mit einzubeziehen. Den großen Knackpunkt, als Berta den Schmuck aus Mutters Wohnung in Sicherheit brachte, muss ich mir zwar auf die Fahnen schreiben, weil ich es schlichtweg vergessen hatte, Sunny davon zu informieren. In der Folge versuchte ich mehr als einmal Sunny zu erklären, dass es keine Absicht war, sondern ich es schlichtwegergreifend versäumt hatte, sie informieren.
Heute glaube ich, dass mein kleiner Fauxpas eigentlich egal war. Sunny war vielmehr froh, endlich einen Grund zu haben, um vor allem Berta etwas vorwerfen zu können. Dank ihrer Paranoia brauchte Sunny ein Arschloch, dass ihr übel mitgespielt hatte. Mit der Maske eines unschuldigen Opfers ist Sunny bereits ihr ganzes Leben durch die Welt gegangen. Bislang hatte ich das nur nicht gesehen, weil sich die Kontakte zu Sunny auf wenige Male pro Jahr in sehr engen Grenzen hielten.
Auf alle Fälle war ich an einem Punkt angelangt, an dem mich die Streitereien mit Sunny richtig fies belasteten, so dass ich den kompletten Schriftkram liegen ließ. Nach den vielen Auseinandersetzungen mit ihr raste mein Puls häufiger in schwindelerregende Höhen. Immer dann, wenn sie mal ansprechbar war und phasenweise ruhig wie freundlich agierte, war ich davon total überrascht und freute mich wie ein kleiner Junge. Wenn ich glaubte, jetzt verlaufen unsere Gespräche im zivilisierten Rahmen, da holte sie die Peitsche raus und schrie rum wie eine Furie.
An den Tagen, an denen ich mich mit Sunny beschäftigen musste, fehlte mir die Kraft für andere Sachen. Weder für meine Betreute, die Gräfin, um die ich mich per Amtsgerichtsbeschluss kümmerte, noch Rechnungen oder sonstige Schreiben wegen unserer eigenen Wohnung etc. konnte ich da abarbeiten. Viele wichtige Tätigkeiten blieben da einfach liegen. Als ich an diesem Samstag Berta alles ausführlich schilderte, machte auch sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube und schilderte mir ihre Sorgen frei heraus.
Am Montag , also in zwei Tagen, hätte sie einen Termin zur Lymphdrainage gehabt, diesen aber wegen der Eierei mit Sunny abgesagt. Es ging dabei um eine Lymphdrainage ihrer Brust als Kontrolluntersuchung, denn Berta hatte vor 15 Jahren Brustkrebs gehabt. Die Metastasen sind seitdem nicht wieder aufgetaucht, aber wegen des tierischen Stresses dank Sunny befürchtete Berta ein Wiederausbrechen ihrer Krebserkrankung.
Nicht zum ersten Mal erzählte sie, dass sie von Sunny in ihrer Kindheit unterdrückt wurde. Die kleine Berta drückte sich schon Ende der 50er Jahre still und leise in die nächste Ecke, machte sich ganz klein. Sunny dagegen schrie sie an und drückte immer ihren Willen durch. Erst wenn Sunny irgendwann mal nicht weiterwusste, war Berta gut genug, um ihr aus der Klemme zu helfen. So ging das über Jahrzehnte; sowohl in der Kindheit als auch später im Erwachsenenalter. All die Jahre hatte Berta sich das gefallen lassen und Sunny nach Kräften unterstützt. Schließlich ist Sunny ihre Schwester. Aber jetzt sollte endlich damit Schluss sein. Berta hatte es nach den letzten Streitereien noch schlimmer erwischt als mich. Denn sie war das Hassobjekt, an dem sich Sunny abarbeite. Die Fratze,die Sunny bei ihren aggressiven Anfeindungen gegen Berta immer in ihr Gesicht zauberte, sah schon sehr bedrohlich aus.
So etwas geht auf die Psyche. Durch Stress hätte der Krebs bei Berta schon wieder ausbrechen können, er tat es aber gottlob nicht. Vielleicht war diese Befürchtung von Berta tatsächlich etwas übertrieben, aber die schlaflosen Nächte nach dem einen oder anderen Streit der letzten Monate, bei denen sich Sunny extrem daneben benommen hatte, sind dennoch bedenklich. In diesen Nächten schlenderte Berta dann durch ihr abgedunkeltes Haus und glotzte Fernsehen bis zum Anbruch des nächsten Tages.
Berta und mir fiel dann noch auf, dass Sunny erst ab letzten Sommer, als es Mutter schlechter ging, alleine zu Mutter mit dem Auto fahren konnte, um sie zu besuchen. Erst als es etwas zu holen gab, so frotzelten wir, hatte sie angefangen, sich um Mutter zu kümmern. Davor waren nur Berta und ich dafür zuständig gewesen, sich um Mutter und/oder Walter zu kümmern. Ich selber allerdings eher weniger nach dem Streit wegen Walters Tod.
Sunny warf mir in der WhatsApp vor, dass Berta und ich uns gegen sie verschworen hätten. Ironischerweise hatte Sunny dies allein durch jene Whatsapp erreicht, dass sich dies hinterher auch tatsächlich so entwickelte. Das Ganze nennt man wohl selbsterfüllende Prophezeiung.

Freitag, 20. September 2019

Hartmudo: Vitalium


15
Eine Dreiviertelstunde lang quälten wir uns diesen Hang hinauf und standen endlich vor dem Bismarkturm. Die letzten paar Schritte schafften wir auch noch. Die ersten Gebäude, die wir erreichten, waren natürlich die Toiletten. Wir wunderten uns... Draußen, nicht drinnen? Wir gingen weiter, erst einmal am Gasthof vorbei, um auf einem kleinen Plateau von oben auf Bad Lauterberg hinab sehen zu können. Wir hatten einen herrlichen Blick auf die Odertalsperre hinunter.
Blick auf die Odertalsperre

Zwei bis drei Minuten ließen wir das auf uns wirken, danach gingen wir in den Gasthof hinein. In dem mit dunklem Holz ausstaffierten Gastraum waren nur zwei Tische belegt, an einem saß das Gastwirts Ehepaar. Normalerweise hätte ich ein Bier bestellt, doch an diesem Tag war es selbstverständlich anders. Meine Löwin und ich bestellten ayurvedischen Tee. Orange Ingwer, der geht immer. Patti begnügte sich mit einem stillen Wasser, Cooper ebenso.
Ich konnte einen schönen Platz am Fenster ergattern. Als ich dort aus dem Fenster hinaus späte, konnte ich draußen ein sehr schönes Vogelhäuschen erspähen, direkt am Fenster. Blaumeise, Rotkehlchen und Dompfaff gab sich ein Stelldichein und pickten an den ausgelegten Körnern und am Meisenknödel herum. Das war so schön, dass ich ein Foto davon schießen musste und es Pocke per WhatsApp direkt zuschickte. Wir waren froh, die schwere Strecke geschafft zu haben und unterhielten uns in ausgelassener Stimmung.
In meinen Gedanken war ich hoch erfreut, dass ich trotz des ganzen Fastens die extreme Steigung geschafft hatte. Meiner Löwin und Patti wird es wohl ähnlich gegangen sein, Cooper sagte wie üblich nichts dazu. Nach dieser Stärkung bezahlte ich und wir machten uns auf den Rückweg, nicht ohne nach dem besten Weg zu fragen. Denn meine Löwin konnte nicht denselben Weg zurückgehen, da sie um ihr Knie Angst hatte. Berg runter ist für ein Knie schlimmer, besonders, wenn es auch so schon angeschlagen ist. Nach der Verabschiedung von den Gastwirten gingen wir alle draußen noch einmal auf die Toilette. Cooper ging natürlich nicht dorthin.
Als ich da so in der Arschkälte stand, war ich froh, jetzt nicht dort sitzen zu müssen. Die Mädels konnte ich da nur bedauern. Nachdem wir den Parkplatz verlassen hatten, trennten sich unsere Wege. Patti ging mit Cooper denselben Weg zurück, meine Löwin und ich nahmen die Wirtschaftsstraße, die zum Gasthof führte, um nach Bad Lauterberg zurückzukehren. Diese Straße verlief relativ flach.
Auf den Weg machten wir Pläne für die Zeit nach dem Heilfasten. Wir wollten dies bezüglich am Ball bleiben und unsere Ernährung auf die gesunde Schiene weiter umstellen. Jessica hatte sich zwischendurch noch schnell gemeldet, am Sonntag sollten wir zu ihr und Danny kommen. Dora und Herbert waren so frei,sich bei ihnen anzukündigen, um Jela, unser gerade geborenes Enkelkind, zu sehen. Danny und Jessica kennen die beiden nicht so gut, da sollten wir Sie unterstützen.
Unser Plan für die Zeit nach dem Fasten sah wie folgt aus: Meine Löwin und ich würden zu Hause mit dem Heilfasten noch eine ganze Woche weitermachen. Die beste Ehefrau von allen war total begeistert, dass sie während der Kur nicht mehr die ganzen Tabletten nehmen musste, selbst auf das Insulin konnte sie verzichten. Dank ihres Sensors konnte sie es überprüfen. Die Zuckerwerte waren seit Beginn dieser Kur ständig im grünen Bereich - und das ohne Tabletten und Injektionen.
In jener Folgewoche wollten wir morgens Säfte mit zur Arbeit nehmen. Für mich sollte das bis zum Abend reichen, da wollten wir zusammen Gemüsebrühe trinken. Nach der dann zweiten Woche ohne feste Nahrung sollte es zum Ausfasten mittags Salat geben, welchen wir am Abend vorher zubereiten würden. Danach wollte ich auf der Arbeit immer morgens mein Hafermüsli genießen. Den kleinen Hunger zwischendurch könnte ich mit Nüsschen versüßen, Scheiß-egal, was Frau Wacker dazu sagt.
Witzigerweise gingen wir denselben Weg nach Bad Lauterberg zurück, den ich 3 Tage zuvor mit Pocke und Patti ein Stück weit gegangen war. In Bad Lauterberg angekommen, wanderten meine Löwin und ich noch zu Rossmann in die Fußgängerzone weiter, kauften dort hochmotiviert Gemüsebrühe und Heilerde für die Woche zu Hause. Mühsam kämpften wir uns danach den Hügel hinauf, betraten nach den letzten 48 Stufen endlich das Vitalium.
Meine Güte, mein Pullover war vollkommen durchgeschwitzt. Kaputt und müde setzten wir uns im Eingangsbereich auf die Bank und tranken Gurken- bzw Zitronenwasser. Wir hatten gerade noch Zeit, unsere Jacken aufs Zimmer zu bringen, danach war es bereits Zeit für das Abendessen. Pocke und Patti kamen auch gleich hinzu. Es gab wieder Gemüsesaft und Excelsior Suppe, dazu natürlich den üblichen Tee und Orangenspalten. Meine Löwen war so freundlich, Patti eine Orangenspalte zu überlassen, weil Patti darauf Appetit hatte. Bereits kurz nach dem Bismarkturm hatte Patti meine Löwin per WhatsApp gefragt, ob wir aus der Stadt eine Orange mitbringen könnten. Doch leider hatten wir diese Nachricht nicht gelesen, so dass Patti auf ihre Orange verzichten musste.
Ab halb Sieben gingen Patti und Pocke in die Sauna. Derweil gingen meine Löwin und ich in den Aufenthaltsraum zum Take Five. Nach nur einer Partie, welche ich auch noch verloren hatte, wurde es Zeit für den Vortrag des Doktors über Basen und Säuren. Der Beginn war um 19:45 Uhr angesetzt. Der Saal war richtig voll, das Interesse offenbar groß. Pocke zeigte sich auch interessiert, nur Patti blieb zum Stricken im Appartement.
Ausführlich schilderte der Doktor das Leben und Wirken von Sebastian Kneipp, ehe er in den letzten 20 von 60 Minuten zur Basen- und Säurenernährung überschwenkte. Auf Pockes Frage, wie genau die Säuren den Körper schaden würden, blieb der Doktor eine genaue Antwort schuldig und flüchtete sich ins Allgemeine. Nicht allein deshalb verließen wir den Saal mit gemischten Gefühlen.
Hinterher beim Kartenspielen (11 nimmt) erklärte Pocke den Grund seiner Frage näher. Auch die Eskimos oder die Asiaten sind für gesunde Ernährung berühmt, essen aber vor allem säurelastig. Fisch und Reis sind doch eigentlich auch gesunde Lebensmittel. Meine Löwin meinte hierzu, dass sich der Doktor im Vortrag auf verarbeitete Lebensmittel bezog. Beide waren sich jedoch einig, dass sein Vortrag nicht so toll war, so do I.
Wir spielten schnell unsere 2 Runden 11 nimmt, dann zogen wir uns in unsere jeweiligen Refugien zurück. Immerhin war es bereits 22.30 Uhr - die Frau mit den Wickeln erschien bekanntlich früh. Selbstverständlich brachte ich zuerst meine Löwin ins Bett, bevor ich mich selbst hinlegte.
Wir unterhielten uns noch ausgiebig über das Basenbuch, denn nach kurzem Blättern in jenem Buch wurde ich richtiggehend sauer. Adressat meines Unmuts war Frau Wacker, die Autorin dieses Machwerks und „Päpstin“ des Basenfastens. Das man den nach der Schulmedizin gesunden Knoblauch meiden soll, obwohl er in einigen unabhängigen Listen an Lebensmitteln als basisch aufgeführt ist, hatte mich bereits am vorigen Abend genervt.
Jetzt musste ich sogar noch lesen, dass Hirse als Getreide sauer sein soll, Buchweizen dagegen nicht. Das verstehe wer will. Dann empfiehlt Frau Wacker gar noch Trockenfrüchte als „gesunden“ Snack zwischendurch im Büro; das ist doch Zucker pur! Da passt es sich, dass im Glas eingelegte Oliven mit Knoblauch und Essig selbstverständlich zu vermeiden sind. Dillgurken im Glas dagegen sind wieder in Ordnung. Auch die sind sauer eingelegt - o.k. milchsauer vergoren, sagte meine Löwin. Trotzdem Schwachsinn!
Da hinter Frau Wacker merkwürdigerweise auch noch eine Reformhauskette gleichen Namens steht, war der Drops für mich gelutscht. Meine Löwin pflichtete mir bei und begab sich zur Ruhe. Hey, wir hatten an diesem Abend sogar einmal die Glotze ausgelassen! Ich huschte in mein Zimmer, las noch ein paar Seiten in meinem Buch und knipste kurz vor Mitternacht das Licht aus.

Donnerstag, 12. September 2019

Hartmudo: Vitalium


14
Für dieses Frühstück hatte ich erneut wenig Zeit, da um 9.00 Uhr der beliebte Wechselarmguss anstand. Zudem musste ich wieder eher los, weil ich noch die Toilette aufsuchen wollte. Gerade so rechtzeitig stürmte ich in Bad 2, um beim fröhlichen „Ein - at - men... Aus - aaaat - men!“ wieder dabei sein zu dürfen.
Nach diesem kurzen, fünfminütigen Event hetzte ich zurück in den 3. Stock, weil ich meine Löwin zum Schwimmen abholen wollte. Jawoll, statt Frühsport wollte ich ins Schwimmbad. Da freute ich mich richtig drauf. Wer jedoch nicht da war, war meine Löwin. Sie war beim Frühstück sitzen geblieben und hatte sich wohl mit Patti und Pocke verquatscht.
Mir blieb nichts anderes übrig, als den momentanen Schwung mitzunehmen und ohne meine Löwin in das Schwimmbad im 1. Stock zu gehen. Ich würde schon mal loslegen, meine Löwin fing halt später an. Ein schneller Blick ins Bad überzeugte mich, dass meine Löwin nicht schon vorgegangen war.
Klar, das Bad war mit einer Schwimmerin besetzt. Doch statt meiner Löwin schwamm dort die bereits erwähnte Frau mit schwarzer Dauerkrause im Becken herum. Egal, meine Löwin würde halt etwas später auftauchen. Vor dem Raum mit dem Becken hatte ich rechts eine Dusche entdeckt, die ich augenblicklich in Beschlag nahm.
Meinen Bademantel packte ich dann neben das Becken auf eine Ruheliege und ging über die Stufen ins Becken. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur, die Wassertiefe betrug leider nur 1,30 Meter. Das ist sicher für die dort stattfindende Wassergymnastik von Vorteil, weil dann keiner absäuft.
Hartmudo jedenfalls ist ein Fan der geschwommenen Meter. Deshalb musste ich in diesem 12 mal 15 Meter messenden Becken leider im Kreis schwimmen. Das bedeutete: Immer der Dauerkrause hinterher. Da ich schneller als meine Mitschwimmerin durch das Wasser pflügte, musste ich öfters halbe Runden einbauen, da das Becken zu klein zum Überholen war.
Meine Löwin gesellte sich nach vielleicht 10 Minuten zu uns, was meine Streckenführung zusätzlich verkomplizierte. Hinzu kam, dass ich bereits nach 5 Minuten gemerkt hatte, dass mich das Schwimmen richtig anstrengte, nicht zuletzt, weil ich permanent darauf achten musste, dass meine Beine nicht zu tief im Wasser lagen. Sicherlich war ich auch ein wenig kraftlos. Karottensaft ist zwar sehr lecker, aber davon kriegt Mann keine Tinte auf den Füller.
Deshalb änderte ich meine Taktik und ging alle 5 Minuten meine Runden zu Fuß im Wasser. Dabei vergaß ich nicht, Arme und Schultern zu dehnen. Das sah bestimmt affig aus; so etwas machen normalerweise nur die Typen mit den Rasierklingen unter den Achseln gerne. Ob die Dauerkrause wohl deshalb nach kurzer Zeit verschwand?
Nach einer Dreiviertelstunde hatte auch ich keine Lust mehr, im Gegensatz zu meiner Löwin, die jetzt erst so richtig loslegte. Bevor ich ging, gab sie mir noch den Tipp, mich in einem Nebenraum auf die Waage zu stellen, um mein Gewicht zu kontrollieren. So lernte ich den Saunaraum auch mal kennen. Wenig spektakulär, aber an der Seite stand doch tatsächlich eine alte Waage mit Schiebereglern, ganz so wie beim Doktor.
Wer braucht schon digital, wenn er die Waage auch analog auspendeln lassen kann? 106,5 kg zeigte das Ding an, dass bedeutete einen Gewichtsverlust von 2,5 kg für mich. Beim „Biggest Looser“ wäre das nicht so toll gewesen, doch hier bedeutet dies ein gutes Ergebnis. Ich war hoch erfreut; Meine Motivation, das Fasten auch in der folgenden Woche fortzusetzen, während ich wieder zur Arbeit musste, wuchs dank dieses Ergebnisses stark an. Auch meine Löwin freute sich für mich.
Platz zum Relaxen

Beschwingt ging ich auf mein Zimmer zum Ausduschen, während meine Löwin das Becken für sich alleine hatte. Nach dem Duschen verblieben mir noch bald 2 Stunden bis zum Mittagessen, in denen ich ein wenig chillen konnte. Ich relaxte im Sessel vor den beiden Fenstern des Erkers. Da ich beim Schreiben auf Reihe war, hatte ich genügend Zeit und Muße, um in meinem Buch weiter zu lesen. Dazu arbeitete ich mich am Volvic ab.
Wie üblich holte ich meine Löwin kurz vor 12.00 Uhr zum Mittagessen ab. Außer einem Glas Saft gab es nichts, aber das waren wir ja schon gewohnt. Ungewohnt war allerdings der Geschmack, der war uns neu. Wir hatten Schwierigkeiten, die dazugehörigen Früchte zuzuordnen. Nach langem Überlegen kamen wir auf eine Mischung von Wassermelone, Birne und Gurke. Von der Farbe her kam das ungefähr hin.
Patti hatte nicht so ein schönes Getränk zu Mittag. Sie musste mit einer Kohlroulade vorlieb nehmen, die mit einer Mischung aus Quinoa und Möhren gefüllt war. Dazu eine helle Soße und der Quinoa Möhren Mix nebendran noch bei. Sie fand es lecker, es schmeckte sogar genau wie eine Hackfleischfüllung.
Als Patti dies erwähnte, bekam ich auch Appetit drauf. Ich konnte mich nur schwer beherrschen - meine rechte Hand zuckte schon, und fast hätte ich den Rest, den Patti wieder mal übrig ließ, zu dem Saft in meinem Magen hinzugefügt. Doch meine Tränen trockneten schnell, und schon war das Mittagessen auch wieder vorbei.
Denn es war wieder die Zeit für den Heuwickel gekommen. Für mich hieß das: Ich habe genug Zeit zum Schreiben und zum Lesen, bis sich irgendeiner wieder meldet. Nach kurzer Zeit war ich beim Schreiben wieder auf der Höhe des Geschehens, so dass ich einige Seiten in meinem Buch schaffen konnte. In dem Sessel war es aber auch wirklich bequem; ab halb Zwei döste ich dort friedlich vor mich hin, das Buch hatte ich kurz zur Seite gelegt.
Meine Löwin meldete sich heute kurz vor Zwei und weckte mich auf. Sie hatte bereits mit Patti gesprochen und die Nachmittagsaktion klargesprochen. Wir würden mit Cooper in den Wald gehen. Pocke konnte leider nicht mitkommen, weil er noch einige Dinge mit seiner Tochter klären musste.
In dem Waldspaziergang ergab sich für meine Löwin und mich die Gelegenheit, endlich einmal unsere neuen Wanderschuhe von Skechers einlaufen zu können. In diesen Pötten holten wir Patti und Cooper aus dem Appartement ab. Pocke saß zwar ganz entspannt im Sessel, aber wer ihn kennt, weiß, dass dies ein untrügliches Zeichen für eine innere Unruhe ist, weil er sehr einsilbig blieb.
Wir ließen Pocke mit seinem Vater Tochter Ärger in Ruhe und setzten uns in Bewegung. Anders als zwei Tage zuvor gingen wir diesmal nach rechts den Hang am Vitalium hinauf. Unser Ziel war der Bismarkturm; Patti hatte beim Gassigehen mit Cooper herausgefunden, dass der Weg auf dieser Seite zum Turm führt. Meine Löwin war auch sofort begeistert, konnte sie sich doch noch gut daran erinnern, dass wir dort im letzten Jahr mit Dora und Herbert in der Seilbahn von der Ortsmitte heraus hingefahren waren.
Doch der Weg war nicht nur steil, sondern auch anspruchsvoll. Während Cooper erfreut durch das Gehölz rannte, quälten wir uns mühsam hinauf. Patti und meine Löwin tauschten sich ausführlich über Kindererziehung aus. Beide hatten da als Alleinerziehende genügend Erfahrungen gesammelt.
Meine Wenigkeit dagegen kämpfte mit der Kondition. Am Anfang ging es nach einem ersten steilen Anstieg noch gemächlich bergauf. Links von uns standen noch einige Häuser. Als wir an denen vorbei gingen, wurde es wieder richtig steil. Und nur noch steil. Da kam ich immer mehr ins Hecheln und hing bald hinter den Frauen zurück.
Cooper war immer noch begeistert. Dauernd lief er zwischen den Frauen und mir hin und her. Mit der Zeit wurden unsere Pausen häufiger. Auch die Frauen kamen gewaltig ins Schwitzen. Da kam es mir zupass, dass die Skechers ihren Job machten . Die Knöchel wurden gut gehalten, das „Memory Foam“ Fußbett federte meine Schritte auf der Steigung besser ab als Turnschuhe von Nike oder Adidas. Meine Löwin sah das ebenso; Patti ihrerseits war schon immer mit Wanderschuhen gesegnet gewesen.

Sonntag, 8. September 2019

H. Lecter: Alf


7
Es gibt noch ein weiteres Etablissement in El Arenal, welches wir bei unseren jährlichen Besuchen auf Malle aufgesucht hatten. Ich meine den grünen Esel. Oder hieß es doch grüner Kaktus? Nein – es war die grüne Eule! Jedenfalls landeten wir dort eines Abends mehr aus Zufall heraus. Nachdem wir nämlich bei unserem ersten Malle Aufenthalt zunächst die Balnearios (Ballermänner) am Strand der Reihe nach abgegangen waren, stellten wir schnell fest, dass nur zwischen den Balnearios 5 bis 7 der Bär steppte.
Ab Balneario 8 wurde es ruhiger, danach herrschte quasi Totentanz. Ich denke, dass dort allerhöchstens in der Hauptsaison ein wenig Stimmung einkehrte. Das war dann aber auch eher schon eine Ecke von Arenal, in der die Holländer oder Engländer anzutreffen waren. Dort ging es sichtlich gemächlicher zu, bedient wurden wir trotzdem. Ich kann mich dunkel noch an eine Bar im englischen Teil hinter der Strandpromenade erinnern, in der wir nach langem Fußmarsch und daher halb verdurstet eingekehrt waren.
Alf war hier schon weit vorangeschritten und verhielt sich auffallend still; Ein sicheres Anzeichen dafür, dass er nicht mehr viel Mischungen brauchte. Den Rückweg an der Strandpromenade entlang schaffte er dennoch ohne Hilfe. Die Anstrengung dieses Spaziergangs tat ihm sichtbar gut.
Mittlerweile waren wir wieder im deutschen Viertel angekommen und überraschenderweise durstig. Da traf es sich gut, dass wir zwischen all den Bars und Mercados (Supermärkte) einen Stichweg ins Landesinnere entdeckten, in dem – fast versteckt – ein deutsches Lokal schlummerte, in dem man Samstag Nachmittags Bundesliga live sehen konnte. Dazu wurden auch Schnitzel mit Pommes gereicht. Yes, wir waren bei „Marlies und Klaus“ gelandet.
In diesem von einem älteren deutschen Ehepaar geführten Lokal ging es gesittet zu, also ganz nach unserem Geschmack. Es gab deutsches Bier und deutsches Essen. Auf den Außenplätzen (Innen waren wir nur zum Pieseln) standen Blümchen auf schönen Platzdeckchen. Eine dunkle Holzvertäfelung gehörte ebenso dazu wie die rustikale Bierzeltgarnitur. Das freundliche Wirtsehepaar ließ bei uns dank des trockenen Humors heimatliche Gefühle aufkommen. Kurz gesagt, hatten wir eine typisch deutsche Eckkneipe gefunden.
Und im selben Gebäude, kurz hinter „Marlies und Klaus“, da ging eine Treppe in den Keller runter. Über der Treppe hing ein Schild, auf dem stand: „El Buho Verde“. Ja was könnte das denn bedeuten? Genau, wir reden hier über die grüne Eule. Darunter stand, etwas kleiner, „Oben Ohne“ – für jeden Deutschen gut verständlich.
Ich bin immer noch der Meinung, dass es noch hell war, als wir die Treppe in dieses Etablissement hinuntergingen. Unten standen wir dann in einem größeren Raum, der von der mitten in den Raum ragenden Theke dominiert wurde. Dominierend war auch der auf den Sitzpolstern und Vorhängen zu mehreren gemütlichen Nischen vorherrschende dunkelrote Plüsch. Wir waren auch nicht die ersten Gäste.
Vor uns waren bereits einige adrett gekleidete junge Damen anwesend. Ihre Freunde, sämtlich kräftig gebaut und an den Armen tätowiert, standen diskret an der Seite herum. Die Damen hatten Durst und wollten etwas Sekt trinken. Offenbar waren ihre Freunde nicht bereit oder in der Lage, ihnen einen Sekt auszugeben. Da nahmen die Mädchen all ihren Mut zusammen und fragten die deutschen Touristen – also uns, ob wir nicht bereit wären, mit ihnen ein Gläschen Sekt – gern auch Flasche in einer der Nischen – zu trinken.
Höflich wie wir nun mal waren, tranken wir mit den Mädchen den erbetenen Sekt. Ein Gläschen, wohlgemerkt. Bis auf Alf, denn der begab sich mit einer jungen Dame in eine der Nischen mit einer ganzen Flasche. Jedenfalls sind wir nach dem Sekt – draußen war es schon dunkel – nicht zusammen ins Hotel gegangen. Also wir Jungens jetzt.
Die Lady, der ich das Glas Sekt ausgegeben hatte, kam aus Tschechien oder Polen, war damals ja noch Ostblock. Ob sie zum Studieren auf Mallorca verweilte oder irgendeiner anderen Tätigkeit nachging, weiß ich gar nicht mehr. Ich gewann den Eindruck, dass sie sich einfach nur etwas unterhalten wollte. Doch meine Sinne hatte ich trotz des vielen Alkohols noch einigermaßen beisammen. Je länger wir uns mit den Mädels unterhalten würden, umso größer wäre die Gefahr, dass die Freunde der Mädels unsere lauteren Absichten falsch verstehen könnten. Eifersüchtige Männer können rabiat werden und die Jungs guckten von Minute zu Minute grimmiger, obwohl sie sich diskret im Hintergrund hielten.
Mit Klaus-Ewald war ich alsbald aus dem Laden verschwunden, nicht ohne meiner Lady alles Gute für ihr weiteres Leben zu wünschen. Buck und Max waren wohl fast zeitgleich mit uns draußen, inwieweit Moritz da auch gleich mitkam… Richtig, Alf! Der blieb noch da. Er hatte mir vor Betreten des „Bucho Verde“ noch leise zugeraunt, dass er seine Geldscheine im Socken versteckt hätte. Was er mir wohl damit sagen wollte?

Samstag, 7. September 2019

Contramann: kurz gesehen im September


https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/monster-unter-artenschutz
Kathrin Hartmann zeigt hier prima auf, dass die (künstlich) erzeugte Euphorie um die Entwicklung von E Autos sich selbst ad Absurdum führt. Der Automobilindustrie geht es lediglich darum, ihre SUVs auch zukünftig noch verkaufen zu können. Denn dort lauert der Gewinn. Je dicker die Kiste, desto größer ist der Gewinn pro Karre.
Diese Karren können sich in der Regel nur Leute leisten, die das Ding von ihrem Arbeitgeber gesponsert bekommen oder selbst derart viel Geld über haben, dass 50.000 bis 60.000 Euro Preisunterschied zum Kleinwagen Peanuts sind.
Doch leider... je dicker die Karre, desto größer die Batterien. Da fällt der viel gepriesene CO2 Vorteil gegenüber Verbrennungsmotoren natürlich nicht nur weg, sondert verkehrt sich ins Gegenteil.
Mein Fazit: Dicke Karren sind keine Lösung, wenn wir über zukünftigen Individualverkehr reden.
ein Zitat hierzu:
Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der gutsituierten Öko-Gläubigen tatsächlich glaubt, dass sie die Umwelt effektiv entlastet, wenn sie so ein E-Auto zusätzlich als Drittwagen in die Garage stellt und damit 500 km im Jahr fährt. Das ist wie ein teilmobiler Hausaltar.
Aus dem Forum auf tichyseinblick.de zu
https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/bmw-niemand-will-elektroautos/

https://www.heise.de/tp/features/Schweinefleisch-und-Kindergarten-4480850.html
Schweinerei! Da streichen zwei Leipziger Kindertagesstätten Schweinefleisch von ihrem Speiseplan, da sehen die Springer Presse, auch die CDU unisono mit der AfD, die deutsche Leitkultur in Gefahr – so der Tenor dieses Kommentars auf Telepolis.
Leider ist der gesamte Kommentar – vor allem zum Ende hin – nur so gespickt mit Hasstiraden auf deutsche Traditionen, dass es mir fast die Sprache verschlagen hätte. Wenn man Bild und Co Hetze vorwerfen möchte, sollte man selbst sich allerdings auch sprachlich mit Gegenvorwürfen zurückhalten. Nicht zuletzt solch dogmatische Hasstiraden eines „Gutmenschen“ sind es, die mehr und mehr Leute der AfD zutreiben.
Ich verstehe auch nicht, wieso solch schlecht recherchierten (gab wohl keine Polizeiautos zum Schutz) Artikel bei Telepolis überhaupt veröffentlicht werden. Leider ist dies dort nicht zum ersten Mal passiert. Die Qualität bei Telepolis lässt leider nach.

https://www.focus.de/finanzen/nobelpreis-gewinner-paul-krugman-welt-hat-ein-deutschland-problem-star-oekonom-mit-harter-attacke-gegen-schwarze-null_id_11055534.html
„Deutschlands „schwarze Null“ bedrohe die Weltwirtschaft, die deutsche Austeritätspolitik der gekürzten Ausgaben und Niedriglöhnen hätte die südeuropäischen Staaten beschädigt.“ Der Focus zitiert hier Paul Krugman und bezeichnet diesen als „renommierten Ökonom.“ Das hat mich dann doch ziemlich überrascht.
Es ist ja nicht so, dass Krugman sein keysianisch geprägtes Bild der Volkswirtschaft erst seit gestern publiziert. Alternativmedien wie die Nachdenkseiten oder Telepolis haben Krugman immer wieder gern seit bereits 10 Jahren angeführt, wenn sie z.B. die Finanzkrise von 2008 bewertet hatten.
Ganz im Gegensatz natürlich zu den sogenannten Qualitätsmedien wie Spiegel oder auch den Focus, die mehr oder weniger, zumindest von Jahr zu Jahr mehr, auf Regierungslinie eingeschwenkt waren.
Die Erkenntnisse in diesem Artikel sind mir mitnichten neu. Bloß - warum berichtet der Focus auf einmal so positiv darüber? Ich denke, die wollen einfach nur den SPD Finanzminister Scholz (zu Recht) beschädigen. Dabei führt er nur exakt die Schäuble Linie weiter.

https://www.achgut.com/artikel/wie_richard_nixon_mich_lehrt_mich_die_gruenen_zu_waehlen
Was man im Netz doch so für Perlen finden kann! Bestechend in seiner logischen Argumentation erklärt der Autor Thilo Schneider kurz und knapp, warum man seiner eigenen Meinung diametral entgegengesetzt wählen sollte.
Bist Du für deutsche Soldaten im Ausland? Dann wähle Grün. Atomausstieg und „Ehe für Alle“? Das ging nur mit der CDU. Und Lohngerechtigkeit, Rentner und Frauenrechte? Hier wäre dann die AfD die richtige Partei. Wobei letzteres erst bei einer tatsächlichen Regierungsbeteiligung zu verifizieren wäre. Oder anders: Das Risiko wäre mir zu groß, dann meckere ich lieber weiter über die ungerechte Verteilung im Neoliberalismus rum.
Die SPD dann für Aktienbesitzer (da geh ich noch mit), Freunde des unbegrenzten Waffenbesitzes und ein Deutschland in den Grenzen von 1942? Da hakt die Argumentation des Autors. Aber insgesamt ist dieser Artikel des Nachdenkens wert, da er auch impliziert, dass die Parteien die jeweiligen Ideale ihren Wählern gegenüber nur überzeugend rüberbringen können, wenn sie in der Opposition sind.
In Regierungsverantwortung ist immer der große Kompromiss angesagt, zumal ja auch immer irgendwo Wahlkampf ist.

https://www.heise.de/tp/features/Es-begann-mit-einem-rechten-Picknick-4501348.html
Zur Aufarbeitung der Ereignisse von 1989 – grüne Grenze Ungarn, Fall der Mauer – ist dieser Kommentar mehr als geeignet. Er beleuchtet sicherlich nur einige Teilaspekte der damaligen Ereignisse, stellt aber unmissverständlich klar, dass die „friedliche Revolution“ von 1989 eben mitnichten ein Erfolg für Frieden und Freiheit und damit ein Sieg linksliberalen Gedankenguts war.
Die Öffnung der ungarischen Grenze im Vorfeld des Zusammenbruchs der DDR wurde nach Peter Nowak durch die paneuropäische Union eines Otto von Habsburg und anderer Gestalten mit NS Vergangenheit geprägt. Hierzu fehlen mir allerdings die Belege, die bleibt der Nowak schuldig. Insofern halte ich seine Schlüsse hierzu zumindest nicht für zwingend.
Beim Zusammenbruch der DDR sieht das anders aus. Allein mit einem kurzen Artikel aus dem Telegraph, einer Zeitung in der Tradition linker DDR Oppositioneller, die einfach nur Freiheit, aber keinen Kapitalismus wollten, zeigt er, dass die Menschen der DDR in großer Mehrheit nicht nur ihr Deutschland wieder haben wollten, sondern auch Konsum, Konsum, Konsum. Da waren Polen und Tschechen auch nicht mehr Freunde und gute Nachbarn.
Hier greift die Intention des Nowak: Aufzeigen, dass die Ereignisse von 1989 kein Sieg des linksliberalen Lagers darstellten und die Fremdenfeindlichkeit auch damals bereits fröhliche Urständ gefeiert hatte.

Montag, 2. September 2019

Hartmudo: Vitalium


13
Mitten in der Nacht, so ungefähr um zwei herum, wachte ich auf. Meine Nase juckte an diesem Mittwochmorgen wie verrückt. Außerdem musste ich ganz dringend die Toilette aufsuchen, weil ich von leichten Krämpfen wohl überhaupt erst aufgewacht war. Über eine halbe Stunde kämpfte ich um meinen Schlaf. Andauernd nahm ich die Maske ab, um zu niesen und zu schneuzen. Zum Glück schlief ich dann doch wieder ein.
Meinen Wecker hatte ich auf 5.45 Uhr gestellt. Als sich dieser zur richtigen Zeit mit der Titelmelodie von „Archer“ meldete, riss er mich aus einem höchst merkwürdigen Traum. In diesem war ich mit dem Rad auf dem Hagenring unterwegs und wollte Fanta Korn besuchen. Und das war ja das Merkwürdige: Fanta Korn, dem ehemaligen Mitstudenten von Kroll und zeitweisen Mitinhaber der Kneipe von Ulli am Mittelweg, hatte ich das letzte Mal per Zufall vor vielleicht 15 Jahren auf einem Parkplatz beim Einkaufen getroffen.
Dass ich anschließend plante, über das westliche Ringgleis Berta und Bud in Rüningen zu besuchen, kam mir im Traum selbstverständlich nicht komisch vor. Ach ja, vor dem Hagenring hatte ich noch Gundula belauscht, die sich bei irgend jemanden darüber beschwerte, dass ich mich zu wenig um ihren Sohn Cedric kümmern würde.
Fragt mich nicht nach einzelnen Zusammenhängen; das Ganze war halt ein Traum. Die Sache mit Cedric oder ein Besuch in Rüningen zähle ich nicht zu den Merkwürdigkeiten. Aber auch nur an Fanta Korn zu denken nach all den Jahren, dass konnte ich beim Aufstehen überhaupt nicht nachvollziehen.
Ich war noch mitten im Wundern; Dazu konnte ich mich vor lauter Niesen auch nicht aufs Lesen konzentrieren. Schon war es Punkt 6.00 Uhr, als die Tür aufging und mir die Frau mit dem Wickel ein fröhliches „Guten Morgen“ entgegen schmetterte. Heute war wieder der Beinwickel dran, das kannte ich ja bereits. Wieder verabschiedete sich die Frau nach kurzer Zeit und machte beim Rausgehen das Licht aus.
Mal wieder das Licht angenacht - von wegen „Weiterschlafen“ - und das Buch rausgekramt, so langsam schlich sich die Routine ins Tagesgeschehen. Da ich in der Nacht schon mal auf dem Topf war, fiel mir das Warten bis zum Ablegen der Beinwickel nicht allzu schwer. Zu meiner Verwunderung konnte ich immer noch etwas in die Schüssel loswerden. Die Tagesaufgaben von Angry Birds Go löste ich so nebenbei.
An den letzten beiden Tagen war ich zum Frühsport gegangen, doch heute ersparte ich mir das. Es wäre eh mein letzter Besuch dort gewesen; nur weil uns die Vorturnerin Übungen mit Therabändern zeigen wollte, war mein Interesse geweckt worden. Hier muss ich erwähnen, dass ich stolzer Besitzer zweier Therabänder bin, mir sich aber bislang nicht die Freude am Sport mit diesen Dingern einstellen wollte.
Doch meine Hoffnung, durch die Vorturnerin nochmal einen Drive zur Benutzung der Bänder zu bekommen, verflog bereits am Vortag, als ich nach dem Vortrag der Osteopathin gewahr wurde, dass diese die Vorturnerin am Mittwoch ersetzen würde. Keine Therabänder, kein Hartmudo beim Frühsport.
So konnte ich mich knapp eineinhalb Stunden lang voll aufs Schreiben konzentrieren. Dank der Beschränkung auf kurze Satzteile, die ich später ausformulieren würde, blieb ich in der Story zeitnah am momentanen Geschehen, wodurch ich mich gleich entspannter fühlte. Warum ich mir selbst so einen Druck aufbaute? Das weiß ich nicht. Ich kann irgendwie nicht anders.
Meine Löwin und auch Patti waren zum Sport gegangen, daher konnte ich die beste Ehefrau von allen auch erst um 20 nach Acht zum Frühstück abholen.
Das erste, was mir auf dem Frühstückstisch ins Auge stach, war das Glas mit Bittersalz, welches Pocke am Vorabend vergessen hatte, mit auf sein Zimmer zu nehmen. Bestimmt hatte er es schon vermisst. Doch weit gefehlt. Anstatt sich zu freuen, als er nach kurzer Zeit mit Patti zum Frühstück erschien, schaute er leicht säuerlich drein.
Ich wollte ihm schon Wasser zum Auflösen reichen, da winkte er nur ab. Er würde nicht nur jetzt auf das Bittersalz verzichten, sondern auch für den Rest unseres Aufenthaltes im Vitalium. Wenn wir das richtig verstanden hatten, war er von seinen nächtlichen Besuchen im Badezimmer total abgenervt, weil sie ihm in seiner gesegneten Nachtruhe empfindlich gestört hatten.
Bis zur Abreise 3 Tage später sollte Pocke das Bittersalz nicht mehr anrühren. Das Argument meiner Löwin, dass er dann verstärkt Hunger empfinden würde, weil der Darm eben nicht entleert sei, und darüber hinaus unter Kopfschmerzen leiden könnte, weil die Giftstoffe nicht mehr rausgespült werden würden, wischte er mit einem Achselzucken beiseite. Ich überlegte an diesem Morgen fieberhaft, welche Übel ihn da in den Nächten geplagt haben mögen. Diese Bilder, diese Bilder! Sie wollen einfach nicht aus meinen Gedanken verschwinden, Hilfe!
Dafür strahlte wenigstens meine Löwin eine positive Grundstimmung aus. Sie war noch ganz begeistert von der Osteopathin, die heute an Stelle der Vorturnerin den Frühsport abgehalten hatte. Sie meinte, das wäre auch etwas für Patti gewesen, die ebenfalls nicht hingegangen war.
Die Osteopathin hatte viele praktische Übungen im Angebot gehabt. So mussten die Teilnehmer einen Fuß quer auf einen Besenstiel stellen und dann Hacken und Zehen dieses Fußes gleichzeitig auf den Boden bringen. Sinn und Zweck dieser Übung war eine Anhebung des Fußgewölbes, was auf den gesamten Körper entspannend wirken sollte.
Interessant fand ich insbesondere das Ziehen oder Massieren an den Ohrläppchen. Diese einfache Übung soll sich äußerst positiv auf den Darm auswirken. Dies wäre genau Pattis Ding gewesen, da war ich mir mit meiner Löwin einig. Ich für mein Teil konnte dieser Tage meinem Darm mangelnde Aktivität nicht vorwerfen, daher merke ich mir die Übung nur vorsorglich für eventuell bevorstehende Verstopfungen.