Freitag, 30. Oktober 2020

Uncle Fester: grad gelesen Oktober 2020

Thariot – Nebula Rising Code Red (Band 1)
Hinein ins Getümmel. Auf diesen vierbändigen Zyklus habe ich mich zum Ausgang des Sommers gefreut. Und Thariot hat mich, wie schon bei „Genesis“ und „Solarian“, ab der 1. Minute fesseln können. Ich bin erstaunt, wie der Typ das schafft, in so kurzer Zeit so viel und vor allem guten Output zu produzieren. Vielleicht weil Thariot auf Malta lebt?
Die einzelnen Handlungsstränge dieses Romans steuern auf einen Punkt im Urwald des neu entdeckten Planeten Nebula zu. Dieser Planet ist der erste, der mit der aufgrund Umweltzerstörung aufgegebenen Erde vergleichbar ist. Die ausgewanderte Menschheit konzentriert sich auf die Planeten Sigma und Zeta. Die Wasserwelt Sigma mit seinen zwei kleinen Kontinenten beherbergt 14 Milliarden und der extrem gebirgige Zeta 8 Milliarden Menschen. Besiedelt sind noch weitere Welten, wie der Wüstenplanet Exillium. Diese sind aber eher lebensfeindlich zu nennen und benötigen ein jahrhundertelanges Terraforming.
Die Menschen reisen mit Raumschiffen zwischen den Sternen, die bis zu 0,99 % der Lichtgeschwindigkeit erreichen. Die Zeitdilatation bewirkt hierbei, dass z.B. während der zweiundfünfzigjährigen Reise nach Nebula lediglich 5 Stunden im Raumschiff vergehen. Lediglich die Kommunikation verläuft dank des Tridateriums, welches Wurmlöcher schafft, aber nur mühsam künstlich hergestellt werden kann, überlichtschnell.
Kommen wir zum Schlüsselpunkt. Im Urwald auf Nebula liegen vier tote Marines der Administration, der KI-gesteuerten Regierungsgewalt der Menschen, neben ihren noch schwebenden Landefahrzeug. Hinzu kommt ein leicht bekleideter Mann im Dress der Radicals. Das ist eine Gruppe a la Greenpeace oder Fridays for Future, die notfalls auch mit Waffengewalt gegen die allmächtige Corporation kämpfen.
Neben ein paar zerstörten Drohnen haben wir auf dem Urwaldboden noch die Leiche einer jungen Frau; dass Kind wurde ihr aus dem Mutterleib gerissen. Ach ja: Ein totes, frisch geborenes Kind liegt auf dem Leib des Radical, der selbstverständlich ebenfalls getötet worden ist. Es kamen eine Menge an Schusswaffen zum Einsatz.
Der Roman startet mit Kenan, einem Marine. Er gehört zum Kampftrupp der USS Crimson, die die 52 Lichtjahre nach Nebula gereist ist, um den Planeten für die Corporation in Besitz zu nehmen. Leider waren die Radicals zuerst da und haben deshalb die Rechte zur Ausbeutung. Das passt Theo, einem Großinvestor a la Elon Musk, natürlich gar nicht. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass der Planet vor lauter natürlichem Tridaterium nur so überquillt.
Das will sich die Corporation nicht entgehen lassen; Zeugen wie die Radicals stören da nur. Die Marines fangen dann auch unverzüglich mit der „Säuberung“ des Planeten an, während sich die Radicals erbittert wehren. Ihr Kampf erinnert an die Indianerkriege, zumal ihre Waffen unterlegen sind. Kenan wird hierbei von seinen Leuten getrennt und überlebt nur dank der hochschwangeren Leia und ihrer zwei kleinen Söhne.
Mit ihnen zusammen durchstreift er den Urwald in der Hoffnung, wieder zu seiner Einheit zurückkehren zu können. Schließlich trifft er auf eine abgestürzte Rettungskapsel mit einer hochschwangeren und sterbenden Frau. Zeitgleich trifft ein Platoon der Marines ein, welches ihn als Verräter brandmarkt. Und schon ist eine Ballerei im Gange, bei der bis auf Kenan alle sterben und die Kampfdrohnen zerstört werden.
Aber auch Kenan ist dem Tod geweiht. Er kann gerade noch das Kind, aber nicht die Mutter, retten. Da zuvor schon Leia ihr Kind bekommen hatte, welches aber tot geboren wurde, bittet der sterbende Kenan Leia, das Neugeborene der Fremden als eigenes Kind anzunehmen. Nebula soll das Mädchen heißen. Die arme Leia, die kurz zuvor schon ihre beiden Söhne beim Angriff eines Platoons verloren hatte, flieht mit Nebula in den Dschungel.
Die Tote hieß Felicitas und war Polizistin auf Sigma. Sie untersuchte den Tod der Systembetreuerin Annika Boergaard. Die Leiche der Frau klebte an der Decke; die Chefin von Felicitas erlitt ein ähnliches Schicksal. Von einer abtrünnigen Administrations-KI mit Sondervollmachten ausgestattet, soll Felicitas den Mord aufklären. Als diese KI jedoch von den anderen KIs abgeschaltet wird, ist Felicitas auf einmal die Gejagte.
Die KI wiederum bietet Felicitas kurz vor der Abschaltung einen bizarren Ausweg: Sie soll ein Kind, welches die Persönlichkeit von Annika Boergaard enthält, austragen. Mit dem wachsenden Foetus in ihrem Leib kann Felicitas dank der KI in einem Schnellgleiter nach Exilum fliehen, wo sie bereits von einer Armada an Schiffen erwartet wird. Das selbständig agierende Schiff flieht erneut und landet schließlich auf Nebula, wo Kenan gerade noch das Kind retten kann. Die sterbende Felicitas hält nur kurz ihr Baby, dann steigt sie aus der Geschichte aus.
Die Corporation wird durch Kono repräsentiert. Kono ist eine menschgewordene KI mit lasziven Zügen, die die Geschicke vor Ort auf Nebula leitet. Ihr Chef Theo ist ihr sexuell hörig und kriegt nicht mit, wie Kono einen Vernichtungsfeldzug gegen die Radicals führt. Doch Kono hat ein Problem.
Die Administrations-KI Casper setzt sie unter Druck. Entweder sie liefert ihm Felicitas nach ihrer Ankunft oder Casper macht die Anwesenheit der Radicals auf Nebula publik, was die schon laufende Vermarktung des Tridaterium beenden würde. Im Zuge der Ankunft von Felicitas wird die USS Crimson fast zerstört. Die vier verbliebenen Marines fliegen mit dem Lander in den Urwald von Nebula, um Felicitas zu holen.
Es kommt zum Kampf mit Kenan, weil die Marines Kenan als Verräter ansehen. Da alle hierbei sterben, kommt Kono in eine unangenehme Situation. Mit einer Rettungskapsel fliegt sie zum Lander, um von Felicitas und ihrem Kind DNA Proben zu entnehmen. Casper stellte diese Minimalanforderung; die Kono gesetzte Frist ist fast um. Als Kono am Lander angekommen ist, taucht auch noch Jonah auf.
Jonah ist der ältere Bruder von Kenan und lebt als Dieb auf Exillium. Von seiner Schwester Liz per Fernüberwachung geführt, kann er der Polizei jedes Mal ein Schnippchen schlagen. Bis Casper seine Schwester gefangen nimmt. Casper zwingt Jonah mit Liz als Druckmittel, Felicitas bei ihrem Anflug auf Exillium aufzuhalten, was aber misslingt.
Trotzdem schwingt sich Jonah in eine Rettungskapsel und bleibt Felicitas auf den Fersen. Auf Nebula notgelandet, steht er bald bei den Leichen und vor Kono mit gezogener Waffe. Dank der Zeitdilatation dürfte seine Schwester schon steinalt sein; Caspers Druckmittel zieht also nicht mehr. Aber Jonah will an seinem Versprechen zu helfen festhalten.
Für Kono wie für Jonah ist diese Begegnung die Rettung. Sie beschließen eine Zusammenarbeit. Kono fliegt aufs Schiff zurück und zwingt Casper, ihr mit seinen Administrationsrechten Zugriff auf die „Wurstpresse“ (Maschine zur Herstellung von Androiden) zu gewähren und der Öffentlichkeit auf Sigma vorzugaukeln, dass es keine Radicals auf Nebula gibt und das Tridaterium problemlos abgebaut werden kann. Sie hat herausgefunden, dass das Blut in Felicitas` Baby einen Datenspeicher darstellt, auf dem Codes gesichert sind, mit denen sich die Administrations-KIs hacken lassen.
Jonah findet Leia und die kleine Nebula, wie das kleine Baby heißt. Kono verlangt von ihm, beide zu töten. Jonah weigert sich strikt und Leia kann mit Nebula von dannen ziehen zu einer Familie, mit der sie davonsegelt. Jonah und Kono müssen nun 21 Jahre warten, bis die ersten Schiffe der Corporation eintreffen werden.
Faszinierend und fesselnd wie immer, dieser erste Band. Schön fand ich auch die drei verschiedenen Zeitebenen auf Sigma, Exillium und Nebula. Das Paradoxon der Zeitdilatation wird hier hervorragend geschildert. Ich bin wieder mal restlos begeistert.

Freitag, 23. Oktober 2020

Hartmudo: Mutter

63
Nach dem Kaffee war es an der Zeit weiterzuziehen. Mein Weg führte mich ins Wolters im Heidberg. Quer durch das ganze Einkaufszentrum, kurz vor dem Schwimmbad, dort ging ich hin. Ein paar Meter daneben befindet sich die Filiale der Nord/LB. Hier war ich seit über 35 Jahren nicht mehr gewesen, ein idealer Ort also, um die elendig lange Wartezeit bis zum Termin bei der Bank zu überbrücken.
In dieser Kneipe hatte ich seinerzeit mit 16 oder 17 mein erstes Bier getrunken. Zu der Zeit befand ich mich in der Oberstufe der Raabeschule; diese befindet sich nur einen Steinwurf vom Einkaufszentrum entfernt. Unsere aus Polen stammende Englischlehrerin ging mit uns ins Wolters am Heidberg, wahrscheinlich war es das Ende dieses Kurses.
Für mich war es seinerzeit noch etwas schwierig, mich auf das ungewohnte Kursmodell der Oberstufe umzustellen. Denn die meisten meiner Mitstreiter kannte ich vorher nicht, da sie in eine der 3 Parallelklassen gingen. Und Tesla, der wie Pocke bei diesem Kurs ebenfalls mit an Bord war, kam überhaupt erst jetzt mit hinzu - zur Raabeschule.
Bis zu jenem Nachmittag hatte ich mich der Aufnahme von Bier verweigert. Mein Vater hatte es schon mehrmals versucht, mir dieses Grundnahrungsmittel geschmacklich näher zu bringen. Jedoch mochte ich diese bittere Brause nicht; lieber trank ich das Malzbier von Aldi, weil es so schön süß war.
Als ich nun mit der Englischlehrerin und den anderen mit im Wolters war, musste ich natürlich Flagge zeigen. Die Blöße, dass ich gar kein Bier mochte, konnte ich mir selbstverständlich nicht geben und bestellte dann auch eins. Zu meiner großen Verwunderung konnte ich es gut trinken, es schmeckte gar köstlich. In den folgenden Jahren sollte dies zu meinem Lieblingsgetränk mutieren.
35 Jahre später bestellte allerdings kein Bier im Wolters, sondern einen Kaffee. Das sich abzeichnende Drama in der Bank wollte ich nüchtern erleben. Auch hier packte ich nebenbei mein Tablet aus, um noch etwas an diesem Text zu schreiben. Übrigens: In den Wochen nach dem Treffen mit meinen Sestras in der Nord LB besuchte ich das Wolters im Heidberg noch einige Male, um an diesem Text zu schreiben und vor allem zu warten. Nicht auf einen Termin bei der Bank, sondern auf Pocke, weil wir nebenan schwimmen gegangen waren. Irgendwann im Laufe desselben Jahres machte das Wolters im Heidberg endgültig zu, was mich etwas traurig gestimmt hatte.
Sei es drum. Ich schlürfte an meinem Kaffee, während ich die ganze Zeit lang (ca. eine Stunde) auf mein Tablet einhämmerte, weil ich an dieser Story weiterschrieb. Die Zeit schritt unerbittlich voran und einige Zeit vor halb Sechs packte ich meine Plünnen zusammen und verließ die Schenke.
Bald 17.30 Uhr, noch einmal tief durchseufzen... und los! Auf den 25 Metern bis zum Eingang der Nord LB Filiale gingen mir alle möglichen Sachen durch den Schädel und auch irgendwie nicht. Ich war fast euphorisch, weil nach dieser Aktion der ganze Streit mit Sunny endlich vorbei wäre und ich mich endlich nicht mehr mit ihr auseinandersetzen müsste; mein Blutdruck freute sich schon.
Andererseits war ich gleichzeitig traurig, weil es mir weh tat, dass wir Geschwister uns wegen der blöden Kohle zerfleischten. Man gut, dass unsere Eltern dass nicht miterleben mussten. Oder hocken sie auf einer Wolke und beobachteten uns? Nein, ich bin nun wahrlich nicht gläubig, aber angesichts des Verlustes meiner Mutter gingen mir in jenen Monaten häufiger mal komische Sachen durch den Sinn.
So lagen dann doch gewaltige Mühlsteine auf meinen Schultern, als ich die Schwingtür der Bank aufstieß und den Innenraum betrat. Sunny saß im Eingangsbereich auf einer Bank, Berta war nirgends zu sehen. Nach einem kurzen Hallo fragte ich Sunny nach Berta. Und siehe da, Sunny wusste zu berichten, dass Berta ebenfalls bereits anwesend war.
Berta hatte sich bloß woanders hingesetzt, wollte laut Sunny "wohl nichts mit mir (also Sunny) zu tun haben." Schulterzuckend ließ ich mich neben Sunny nieder, es gab hier nichts, was mich weniger interessiert hätte als die Differenzen meiner Sestras. Mehr oder weniger stumm warteten Sunny und ich auf die Mitarbeiterin der Bank.
Es dauerte tatsächlich noch bald 10 Minuten, bis die Sparkassenangestellte erschien und uns in einen Raum hinter den Schaltern bat. Fast zeitgleich kam Berta aus dem Hintergrund angerauscht. Die Zeit und Gelegenheit nutzend, raunte mir Berta im Hineingehen noch zu, dass sie sich mit Sunny im Eingangsbereich bereits heftigst gestritten hatte.
Berta hatte daraufhin wohl die Sparkassenangestellte gebeten, ihr einen anderen Platz weitab von Sunny für die Wartezeit anzubieten, weil sie "mit diesem Menschen" nicht zusammen sitzen wollte. Was da genau passiert war, erfuhr ich erst später von Berta, deren Sicht ich mich eher anschließen kann als Sunnys. Dies dürfte wohl jedem nach Lektüre dieser Story einleuchten.
Kurz dargestellt, hatte Sunny bereits beim Betreten der Bank (Berta war schon da) ihr hassverzerrtes Gesicht gezeigt und Berta zunächst mit Missachtung bestraft. Meine beiden Sestras kamen dann aber wohl trotz der eisigen Begrüßung ins Gespräch, welches dann leider eskalierte.
Worum genau es in dem Gespräch ging, hatte ich bereits vergessen, kurz nachdem Berta mir von dem Streit erzählte. Der Tenor jedoch war, dass Sunny Berta derart getriezt hatte, dass diese in höchste Aufregung geriet und Sunny Schläge androhte. Gottseidank beruhigte sich Berta rechtzeitig und wechselte den Raum.
So saßen wir nun im Büro der jungen Schickse der Sparkasse vor ihrem Schreibtisch. Ich natürlich in der Mitte; zum Glück befanden sich keine spitzen Gegenstände im Raum. Nach noch nicht mal einer Minute stieß noch eine zusätzliche Kollegin - aah, Frau Peters! - der Schickse zu uns ins Büro - ob sie wohl in ihrem Rock eine Schusswaffe verbarg? Jedenfalls beschwor sie uns, die nun folgende Angelegenheit in Ruhe durchzuziehen.
Die Banktussen machten es uns diesbezüglich allerdings schwer. Wir Geschwister waren selbstverständlich davon ausgegangen, dass die leider nötige Überweisung an den Makler bereits ausgeführt worden war. Weit gefehlt. Wie Frau Peters uns lapidar mitteilte, konnte die Überweisung nicht ausgeführt werden, weil meine Unterschrift noch fehlte. Und da wir uns jetzt ja sowieso hier trafen, ersparte sich Frau Peters das Porto für Zuschicken an meine Adresse. Toll.
Das ich die Überweisung auch unterschreiben musste, erfuhr ich hier zum ersten Mal. Berta hatte die Kontovollmacht, Sunny widersprach dieser. Dass ich deshalb Bertas Vollmacht quasi auch widersprochen hatte, überraschte mich doch sehr.

Montag, 19. Oktober 2020

Contramann: Nachdenken angesagt ...einen noch

Gerrit Wustmann schiebt noch einen nach und setzt sich mit der Kritik an seinem Artikel über die positiven Aspekte eines Home Office Arbeitsplatzes auseinander. Das ehrt ihn natürlich, doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er hier über etwas schreibt, wovon er aus eigener Tätigkeit heraus selber keine Ahnung hat.
Ein wesentlicher Kritikpunkt an seinem ursprünglichen Artikel war die fehlende soziale Interaktion der Mitarbeiter untereinander. In einer Gesellschaft, in der eine Vielzahl von Menschen ihre sozialen Kontakte wie Beziehungen und Freundschaften über ihren Arbeitsplatz aufbauen, haben die Menschen bei verstärktem Home Office Einsatz leichte Probleme mit den Folgen. Sie vereinsamen spürbar, zumal die sozialen Medien wie Instagramm oder Whatsapp in der heutigen Zeit die sozialen Kontakte sowieso schon mehr als ergänzen, stellenweise gar komplett ersetzen.
Ich finde es da auch nur logisch, dass sich überwiegend ältere Menschen, die ihre sozialen Kontakte schon gefunden haben und auf eine Ausweitung ihres Freundeskreises getrost verzichten können, für eine möglichst 100prozentige Beschäftigung im Home Office aussprechen. Schließlich müssen sie all die vereinsamten Soziopathen auch nicht ertragen.
Wustmann versteigt sich nach kurzer Zeit in der These, dass Vorteile für extrovertierte Mitarbeiter, die sich besser darstellen können, im Home Office wegfallen würden. Wovon träumt der Mann nachts? Gerade extrovertierte Typen, die auch schon mal dazu tendieren, Mimik und Gestik vor dem heimischen Spiegel einzustudieren, können sich im Home Office gut präsentieren.
Nur in einer Videokonferenz habe ich schließlich die Möglichkeit, das Sichtfeld der Teilnehmer einer Besprechung auf einen für mich vorteilhaften Blickwinkel einzuengen. Mit einer derartigen Fixierung auf meine Mimik / Gestik kann ich eine positive Wahrnehmung meiner Person gezielt optimieren. Das „fleißige Bienchen“, welches lediglich durch gute Arbeit glänzen kann, unternimmt diese Anstrengungen eher nicht.
Und machen wir uns nichts vor: Arbeitseinsatz wie auch Arbeitsergebnisse lassen sich zuhause leichter vortäuschen bzw. „optimieren“ als im Büro, wo der Chef jederzeit um die Ecke gucken kann. Im Home Office bestimme ich, was mein Chef von mir wahrnimmt. Wenn ich ein Lowperformer wäre, müsste ich lediglich einen finden, der die Arbeit für mich unauffällig erledigt und mir diskret zukommen lässt.
Für einen Journalisten wie Wustmann, der sicherlich nicht 40 Stunden in der Woche in einem Bürogebäude sitzen muss - vielleicht sogar noch in einem Großraumbüro - müssen die an solchen Orten stattfindenden gruppendynamischen Prozesse fremd erscheinen. Hier kann ich immer wieder nur betonen, dass „Stromberg“ zwar in Art einer Mockumentary abgedreht wurde, die dort geschilderten Intrigen und menschlichen Tragödien aber durchaus real sind.
Man darf nur nicht vergessen, dass solche zwischenmenschlichen Kontakte sowohl negativ wie positiv ablaufen - wie im richtigen Leben halt. Leider reduzieren manche Zeitgenossen ihre Kontakte zu Kollegen auf überflüssigen Smalltalk und erkennen gar nicht, dass ihnen ein Mesch gegenüber steht.
Ich möchte es mal so formulieren: Wenn ich meine zwischenmenschlichen Kontakte auf Freunde und Verwandte, bzw. mir genehme Leute, beschränken würde und Gespräche mit fremden Leuten, selbst mit Kollegen, mit denen ich jeden Tag zusammenarbeite, als unnötige Last und lästig empfinden wollte, wäre ich ein armer Wicht.
Wir „alle“ sind doch immer so weltoffen, politisch stets im Bilde und tun immer das Richtige. Wie kann man da Menschen, die ein anderes Weltbild als man selbst, haben, als unwürdig für ein persönliches Gespräch ansehen? Aber ich schweife schon wieder ab. Mein Fazit: Der Blender kommt im Gegensatz zur Meinung von Herrn Wustmann im Home Office besonders zur Geltung. Stromberg lässt grüßen.
Viel wichtiger als die Karrierechancen im Home Office dagegen finde ich die Gefahr einer weiteren Spaltung unserer Gesellschaft in eine Zweiklassengesellschaft. Denn dank der fortdauernden Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus werden Tätigkeiten mehr und mehr ins Home Office verschoben. Doch dies ist nicht überall möglich.
Gerade im sozialen Bereich als auch im Einzelhandel geht es in der Regel nicht ohne eine Präsenz des Arbeitnehmers vor Ort; ein Arbeiten im Hintergrund ist dort häufig (noch) nicht machbar. Und wenn dann dereinst die technischen Voraussetzungen geschaffen sein sollten, werden diese Arbeitsplätze nicht im Home Office verschwinden, sondern in der Versenkung.
Gleiches gilt selbstverständlich auch für Arbeitsplätze wie Hausmeister und Reinigungskräfte in den vielen Bürogebäuden, die dann im Extremfall leer stehen. Ganz so schnell geht das natürlich nicht, denn dies ist ein schleichender Prozess. Ich sag nur: Das Kapital in seinem Lauf hält weder Gender noch ein Öko auf.
Bereits jetzt ist eine Spaltung in „Homies“ und systemrelevante „Vor-Ort-Larries“ sichtbar. Und während die Leute, die eh kaum aus ihren Büros rauskamen und ansonsten in ihr Büro mit dem eigenen PKW fuhren, in Coronazeiten mit Home Office belohnt werden, darf sich der Rest als systemrelevant fühlen und ist ansonsten einem erhöhten Risiko der Infizierung in freier Natur ausgesetzt.
Da fordern die Homies gar noch Telefon- und Stromkosten in ihrem Home Office, wo sie doch bereits die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz sparen. Mein Vorschlag hierzu: Zulagen und Prämien bekommen all diejenigen, die aufgrund ihres Jobs „vor Ort“ arbeiten müssen, da sie ja einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Dann brauchen die Homies auch nicht mehr auf ihren Balkonen zu klatschen.
Du merkst schon, aus mir spricht der Neid, weil ich nicht im Home Office arbeiten kann. Viele Menschen empfinden Neid auf die vermeintliche Elite im Home Office, das geht mir natürlich ebenfalls so. Ich würde einerseits gerne zu Hause sitzen und die Freiräume, die eigentlich (fast) jeder Bürojob mit sich bringt, für sinnvolle Beschäftigung nutzen, statt mit Kollegen übers Wetter zu reden. Als älterer Mensch würde ich deshalb gerne zu dieser Elite zählen.
Andererseits sind die Gespräche mit Kollegen natürlich nicht wirklich schlimm, wie ich weiter oben bereits erwähnte. Zumindest bekomme ich dabei zusätzlichen fachlichen Input, den ich im Home Office nicht bekomme, weil ich dort einfach abgehängt bin. Und wer jetzt immer noch meint, dass ein Vorteil im Home Office sei, dass man sich nicht mehr mit den vielen Idioten aus dem Büro auseinandersetzen muss, dem rufe ich entgegen: Herzlichen Glückwunsch! Wer den Umgang mit seinen Mitmenschen als schwere Last erlebt, mag ja auch einen großen Freundeskreis haben, hat aber gleichfalls noch Optimierungsbedarf im zwischenmenschlichen Bereich.
Das möchte ich für mich nicht so akzeptieren, obwohl ich im Alter zunehmend störriger werde.
So - Und wenn ich im Home Office bin, dann schreibe ich eine Fortsetzung und behaupte das Gegenteil. Komm, komm, schnell .... Ich will das Gegenteil behaupten können...

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Contramann: Nachdenken angesagt 2/2

2
Ob Mercedes, Deutsche Bank oder Conti - Englisch wird zur Firmensprache gemacht, was die einzelnen Arbeitsabläufe natürlich wesentlich vereinfacht. Selig sind hierbei natürlich die schon beschriebenen alten Buddys, die man möglichst kostenneutral in den Ruhestand schicken möchte. Die sind eh bald weg; und dann kommen die „jungen Wilden“.
Diese wiederum sind bereits ans vernetzte Arbeiten mit Laptops und Co. gewöhnt. Die vernetzen sich schnell international. Das hat den Vorteil, dass diese in unterschiedlichen Staaten leben und sich daher schwerer mit gemeinsamen Forderungen tun. Oder anders: Sie können zwar auf Englisch kommunizieren, finden aber eher weniger zu gemeinsamen Ansätzen gegenüber ihrem Arbeitgeber, um eigene Rechte durchzusetzen.
All das, wofür Gewerkschafter über 100 Jahre gekämpft haben, stellenweise auch über die Ländergrenzen hinweg, droht endgültig den Bach hinunterzugehen, da jeder isoliert nur für sich die Arbeitsbedingungen aushandelt. Wer da langfristig den Kürzeren zieht, sollte offensichtlich sein. Es dürfte zu einem Unterbietungswettbewerb der Arbeitnehmer untereinander führen.
Der sprichwörtliche „Inder“, der genügend ausgebildet ist und einen höheren sozialen Druck verspürt als der deutsche Hänger, wird in dem Fall zur Konkurrenz, wo das Home Office zu 100% - also ohne Büro - umgesetzt werden kann. Schon vor 15 Jahren hatte ich einen Bericht über eine indische Großraumhalle aus Wellblech gesehen, in dem Hunderte von Indern Telefondiktate für amerikanische Zahnärzte protokollierten. Die Sekretärin war dadurch beim Zahnarzt überflüssig geworden.
Nun ist dies vielleicht doch schon zu weit gedacht; im Moment geht es wohl eher um einzelne Arbeitstage. Das direkte Aufeinandertreffen im Meeting wird bei qualifiziert hochwertigen Tätigkeiten, erst recht bei Leitungsfunktionen, noch sehr lange unverzichtbar sein. Die Frage, die Du Dir stellen solltest, lautet: Wie qualifiziert ist Deine Tätigkeit wirklich?
Ein weiteres Argument von Wustmann ist das Wegfallen der Fahrten zur Arbeit, das Pendeln also. Bus und Bahn werden ja nicht nur wegen Corona gemieden; die leider allgegenwärtigen E-Roller sind anscheinend bei den jungen und aufstrebenden Menschen beliebt. Selbst in Braunschweig werden diese Dinger immer beliebter. Aktuell zählt man wahrscheinlich schon zum Pöbel, wenn man sich in den Bus setzt.
Eine spürbare Entlastung des Berufsverkehrs träte natürlich erst auf, wenn die Arbeitsanteile im Home Office entsprechend hoch sind und genügend Leute überhaupt die Gelegenheit dazu erhalten.
Heißt das dann nicht aber auch, dass die Innenstädte verwaisen und nur noch so vor leeren Bürotürmen strotzen? Da könnte man doch Wohnungen draus machen; für die Leute mit wenig Geld. Das Problem der hohen Mieten wäre gelöst. Hätten wir da nicht eine wunderbare Win-Win Situation?
Träum weiter. In den Innenstädten kommt höchstens ein Umbau zu Luxuswohnungen in Betracht, damit der Weg zum wöchentlichen Meeting nicht zu lang wird. Dienstleister und Handwerker, die nicht im Home Office arbeiten können, dürfen gerne auch weiterhin in die Stadt mit ihren Verbrennern, bald auch Elektromobilen, fahren.
Dabei dürfen sich diese dann noch die Beschwerden der Leute im Home Office anhören, dass sie mit ihren Karren die Luft verpesten. Da kann man ja auch leicht lästern, wenn man im Home Office weniger Kosten hat und in der Regel auch noch einen höheren Verdienst als der Verkäufer im Einzelhandel oder ein Pfleger, ein Tischler usw.
Wir bewegen uns da auf die wahre zwei Klassen Gesellschaft zu: Die (vermeintlich) Privilegierten im Home Office mit einem sehr guten Lebensstandard und die Dussel, die für entsprechend weniger Geld die Arbeiten machen, die eben noch händisch erledigt werden müssen. Ärzte wie Pfleger wird man nicht komplett wegrationalisieren können.
Und damit - Du registrierst sicherlich meinen Neid, weil ich trotz meiner fast 60 Jahre nicht im Home Office bin - kommen wir zu einem Vorschlag von mir. Die arbeitenden Menschen, die nicht im Home Office sind (ich zum Beispiel) bekommen eine spürbare steuerliche Erleichterung oder eine andere Art der Förderung; notfalls finanziert durch die Leute aus dem Home Office.
Wie? Das findest Du ungerecht? Bloß weil Du im Home Office bist? Da hast Du selbstverständlich recht, aber verstehst hoffentlich die verschnupfte Stimmung, die Dir von den Leuten ohne Home Office mit der täglichen Fahrerei entgegenschlägt.
In der Regel sind dies nämlich tatsächlich die Menschen, die noch wirklich produktiv tätig sind. Wir reden hier über die „systemrelevanten“ Jobs. Diese Leute arbeiten entweder mit Menschen (Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte...) oder sind manuell wirklich am arbeiten (Handwerker, Verkäufer, etc.).
Häufig werden diese Jobs auch noch schlechter bezahlt, dafür sind diese Jobs aber unverzichtbar. Denn wie ich bereits zuvor sagte, stehen die Arbeitsplätze im Home Office in Konkurrenz zu preiswerteren Kollegen in Asien, bald auch Afrika. Hinzu kommt der immer stärkere Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Ich selbst gehöre zwar auch eher zu den „Homis“, was den Job angeht, aber da mein Arbeitgeber technisch eh nie auf dem neuesten Stand ist, erfolgt die zu erwartende Automatisierung der Bürotätigkeiten erheblich später als in der Privatwirtschaft. Und selbst wenn....
Wir 60jährigen sind arbeitstechnisch eh safe, auch die in der freien Wirtschaft. Von daher könnte ich den verrauchten Tagträumen eines Gerrit Wustmann natürlich zustimmen. Aber da gehen dann die Pferde mit mir wie immer durch. Für einen Intellektuellen und wohl auch vergeistigten Menschen wie Wustmann muss die Aussicht auf ein eigenes Büro zu Hause - seine Wohnung ist wahrscheinlich groß genug, wie ich jetzt einfach mal unterstelle - sehr verlockend sein.
Leider haben nicht alle „Homis“ eine solche Raumfülle zu ihrer Verfügung. Egal, ich könnte hier noch mehr schreiben, aber ich stoppe lieber. Zu große Wiederholungsgefahr. Und nach dem nächsten Bier muss ich mich hinlegen. Ich muss morgen früh raus - bin ja nicht im Home Office!

Dienstag, 13. Oktober 2020

Warren Smith 4/4

Die im Februar veröffentlichte Single „Sweet sweet Girl / Goodbye Mr. Love“ (Sun #314) war perfekt produzierter Country Pop ohne Ecken und Kanten, wie er 1959 schon angesagt war. Pat Boone, Rick Nelson oder Bobby Darin bieten sich da als Vergleich für das „Sweet sweet Girl“ an. Mit aller Gewalt versuchte Warren hier, einen Hit zu landen.
Doch trotz aller Kommerzialität des Songs floppte die Single in den Läden und Warren Smith sah sich gezwungen, seine Zusammenarbeit mit Sam Phillips und Sun zu beenden. 1959 war die kurze Blüte des Rockabilly eh bereits wieder vorbei und die zuvor genannten Teenieidole mit ihren geföhnten Haaren angesagt.
Die gern aufgestellte These, dass er schon immer lieber Country gespielt hätte aber Sam Phillips daran nicht interessiert gewesen sei, bestritt Warren Smith in einem späteren Interview. Sicherlich hatte Warren Smith einige Country Songs in seinem Repertoire, von denen einige Songs auch nicht schlechter waren als Songs, die Ende der 50er aufgenommen worden waren.
Dennoch wusste er, dass Sam Phillips ihn richtigerweise als Rock `n` Roller produziert hatte, da seine Stimme perfekt zum Rockabilly Sound passte. Sun Records hatte wohl auch Singles für den Hillbilly Markt produziert. Jedoch waren in den fraglichen Jahren die Chancen zum Durchbruch als Star eher im Rockabilly als im Country gegeben. Ein Ernie Chaffin z.B. hatte ebenfalls 4 erfolglose Singles im gleichen Zeitraum bei Sun veröffentlicht.
Warren Smith war sich dessen wohl bewusst gewesen und merkte aber auch nach dem erneuten Flop mit „Sweet sweet Girl“, dass die Zeit für seine Art des Rockabillys mittlerweile vorbei war. Daher folgte er nach der Trennung von Sun Records seinem Freund Johnny Cash nach Kalifornien und ging einen Deal mit Warner Brothers ein, für die er im November 1959 eine Weihnachtssingle (the Meaning of Christmas) unter dem Namen Warren Baker einspielte.
Warren Smith ließ sich in Sherman Oaks nieder und verbrachte viel Zeit mit den Cash`s. Er hätte wohl in irgendeiner Band einsteigen können, aber für das Spiel der zweiten Geige war Warren Smith nicht geschaffen. Und er hatte Glück, denn anlässlich eines Auftritts auf der legendären Town Hall Party in Compton, Kalifornien, entdeckte ihn ein führender Manager von Liberty Records, der noch Künstler für die Abteilung Country suchte.
Warren Smith hatte endlich wieder einen Plattendeal und konnte am 9. März 1960 in den Radio Recorder Studios in Hollywood eine Platte einspielen. Er war 2000 Meilen von Memphis nach Kalifornien gereist, um sich endlich voll und ganz dem Country zu widmen. Da wurde reichlich gefiddelt und gejault; Warren Smith konnte mit den besten Pickern der Westküste 3 Songs einspielen.
Diese Single (I don`t believe I`II fall in Love today) stieg im Spätsommer bis auf Platz 5 der Country Charts. Der Nachzieher „Odds and Ends“ stieg Anfang 1961 auch noch bis auf Platz 7 dieses Genres hinauf. Ob es wohl daran lag, dass Jerry Lee Lewis zu jenem Zeitpunkt gerade nicht mehr en Vogue war?
Leider hielt sein Erfolg nicht lange an. Als er dank Johnny Cash`s Einfluss von Amphetaminen abhängig wurde, begann sein langer Abstieg, der ihn Mitte der 60er Jahre bis ins Staatsgefängnis von Huntsville, Alabama, brachte. Er berappelte sich danach und heiratete eine neue Frau. Er arbeitete als Sicherheitsdirektor in Longview, Texas, und trat nur noch an Wochenenden als Sänger auf.
Im April 1977 spielte er eine Show im Rahmen des Rockabilly Revivals in England mit den alten Recken Jack Scott, Buddy Knox und Charlie Feathers. Warren Smith war von dem Erfolg vollkommen überwältigt. Vielleicht realisierte er, dass er 1960 nicht nach Kalifornien, sondern nach England hätte gehen sollen.
An die Qualitäten von Eddie Cochran oder Gene Vincent wäre er sicherlich auch herangekommen. Leider war Warren Smith dieser späte Erfolg im Rockabilly Revival nicht lange vergönnt gewesen. Am 31. Januar 1980 wurde er mit Brustschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb dort dank eines schweren Herzinfarkts mit gerade mal 47 Jahren, kurz vor seinem 48. Geburtstag.
Warren Smith war wohl zeitlebens ein schwieriger Charakter und hatte trotz großem Talents leider das Pech, dass er in Jerry Lee Lewis im eigenen Label einen noch erfolgreicheren Künstler vor der Nase hatte, der seine beiden unsterblichen Hits ausgerechnet zur gleichen Zeit wie Warren Smith veröffentlicht hatte.
Die Ressourcen von Sun Records reichten eben nicht aus, um zwei Musiker auf einmal zu pushen. Bei einem anderen Label in einer anderen Stadt hätte Warren Smith wohl eine Chance gehabt, der Star zu werden, der er immer sein wollte. Warren Smith`s Rockabilly Songs hatten die Qualität dazu. Seine Hillbilly Songs, die wohl seine eigentliche Leidenschaft darstellten, waren dagegen nicht wirklich erwähnenswert.

Freitag, 9. Oktober 2020

Contramann: Nachdenken angesagt 1/2

1
https://www.heise.de/tp/features/Die-Zukunft-der-Arbeit-heisst-Home-Office-4921110.html
Der Autor Gerrit Wustmann schein ein Befürworter des Home Office zu sein und sieht fast nur Vorteile. Obwohl ich seine Ansichten für vollkommen falsch halte und seinen Artikel im Folgenden zerpflücken werde, möchte ich anmerken, dass Wustmann zumindest einige negative Aspekte erkannt hat. Hierzu zählen Schwierigkeiten für Leute mit schlechter Selbstorganisation. Aber auch Menschen, die eine klare Trennung von Beruf und Freizeit bevorzugen, werden mit einem Office nicht viel anfangen können.
Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte jetzt eine Reform angestoßen, nach der Arbeitnehmer ein Anrecht auf 24 Tage Home Office im Jahr beanspruchen können. Natürlich nur dann, wenn dies auch machbar ist (also, grob gesagt, in Büroberufen) und keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. So weit, so gut. Viele Leute sind dank Corona im Home Office gelandet und damit sehr zufrieden, da war dieser populistische Vorstoß des Ministers zu erwarten und ist meiner Meinung nach auch gerechtfertigt.
In meinem persönlichen Umfeld erlebe ich nur Leute, die mit der neu gewonnenen Freiheit im Home Office dank Corona glücklich sind. Alle von Wustmann beschriebenen Vorteile erleben diese Menschen auch und würden den Artikel zu 100% unterschreiben können. Jedoch sind diese Leute zum einen um die 60, stehen also kurz vor der Rente und sind dauerhaft im Home Office. Da könnte man auch böswillig unterstellen, dass der Arbeitgeber diese Menschen eh lieber gestern als morgen in Rente schicken möchte. Die sind dann quasi abgemeldet und stören den Betriebsablauf nicht mehr. Und das ist ihnen natürlich egal, da sie eh keine Karrierepläner mehr hegen und selbst einfach nur das Geld abgreifen wollen. Die Motivation ist hier nicht mehr sehr hoch; da würde ich mich gerne einreihen, aber leider ist es in der Sozialverwaltung des öffentlichen Dienstes mit Home Office nicht weit her.
Zum anderen kenne ich jüngere Leute von Mitte 30 bis Mitte 40, die arbeitstechnisch noch voll im Saft stehen und beruflich noch was reißen wollen. Die können mit einigen Tagen Home Office sehr gut leben und teilen viele Argumente von Wustmann. Jedoch möchten diese Menschen private Kontakte nicht missen; das Netzwerken ist für diese Menschen essenziell. Denn wenn man nur zu Hause „hockt“, ist man schnell abgehängt und das war es dann mit der Karriere.
Ich erzähle dies so ausführlich, weil ich den 38jährigen Wustmann einschätzen wollte. Als Journalist funktioniert bei ihm das Netzwerken sicherlich nicht im Büro, sondern über andere Kanäle, die nichts mit Arbeiten in einem Bürogebäude oder Home Office als Alternative zu tun haben. Ich will damit sagen, dass Wustmanns Ansichten wohl nichts mit eigenen beruflichen Erfahrungen im Bürobereich zu tun haben. Ich kann mich allerdings auch täuschen, aber egal.
Beginnen möchte ich mit einer typischen These aus dem Artikel: „Und wer nicht zigmal am Tag von Smalltalk oder sinnfreien Meetings von der eigentlichen Arbeit abgehalten wird, der wird schneller fertig und hat in der Folge mehr Freizeit, was wiederum die Zufriedenheit hebt.“
Meine böse Gegenthese: Wer nicht von Smalltalk oder Meetings, mögen diese auch noch so nervig sein, von der Arbeit für einige Momente herausgerissen wird, lässt mit der Zeit entweder im Arbeitstempo nach, was auch nicht unbedingt die Zufriedenheit steigert, oder hat mehr Zeit, Löcher in die Luft zu starren, worin manche durchaus einen Ansatz von Transzendenz erkennen mögen, andere dagegen eher von Gehirnerweichung sprechen.
Nun kann man im Home Office sicherlich entstandene Freiräume nutzbringend verbringen. Wäsche waschen, Bügeln oder gar den Garten umgraben. Das liegt sicher drin, ohne dass die Arbeitsleistung leiden muss. Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, solche Tätigkeiten einzuschieben, die man früher erst nach Feierabend machen konnte. Nur… was macht man dann, wenn es wieder Feierabend ist?
Dieser „Feierabend“ wäre dann sicherlich kürzer als früher – was bei einigen schon allein deshalb (unberechtigterweise) zu verminderten Glücksgefühlen führen dürfte. In diesem Fall wäre nichts gewonnen. Hat man allerdings effektiv Zeit gewonnen, weil der „Feierabend“ sogar noch länger ist, zumal ja auch die lästige Fahrzeit zum Büro und anschließend nach Hause wegfällt, dann steigt natürlich die Zufriedenheit und Wustmann hätte Recht.
Stellen wir uns das mal kurz vor: Sagen wir mal… eine Stunde mehr „Feierabend“ pro Arbeitstag, da werden wir doch gleich aktiv. Wir machen endlich Sport oder spielen so richtig lange mit den Kindern. Wir kümmern uns um Verwandte und Freunde, betätigen uns womöglich ehrenamtlich oder machen irgendwelche anderen nützlichen Dinge. Da fühlen wir uns doch gleich besser, oder?
Nein? Doch nicht? Ach, wir hängen diese Stunde vor dem Fernseher ab, legen uns hin oder machen das erste Bier vorsichtshalber eine Stunde eher auf. Wenn wir dann zu Bett gehen, haben wir in diesem Fall lediglich eine Stunde mehr rumgehangen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hierbei die Zufriedenheit spürbar steigt. Allerhöchstens die Trägheit.
Bei den etwas älteren Leuten in meinem Umfeld scheint das eher auf die zweite Möglichkeit hinauszulaufen. Aber vielleicht berappeln die sich noch. Ich selbst fühle mich von Tag zu Tag träger, obwohl ich kein Home Office mache. Ich denke, Herr Wustmann sieht die Präsenz auf einem Home Office Arbeitsplatz etwas zu optimistisch.
Lieber faselt Herr Wustmann etwas von Macht, den die Arbeitgeber dank ihrer „Tempel“ an Bürogebäuden gegenüber den kleinen Angestellten ausüben wollen. Da hat Herr Wustmann eindeutig zu viel Game of Thrones und ähnliche Kultur Highlights konsumiert, da rauchte wahrscheinlich nicht nur sein Kopf, sondern auch die dreiblättrige selbstgedrehte Zigarette. Oder sollte er zu lange in seinem Home Office verbracht haben?
Eins ist jedenfalls klar. In Ergänzung zum aktuellen Maskenzwang fördert die Abgeschiedenheit im Home Office eine stark zunehmende Vereinsamung der Menschen. Von einer dringend notwendigen Solidarisierung der Arbeitnehmer ist da nicht mehr die Rede. Dies wäre aber erforderlich, wenn sich die Träume von Herrn Wustmann erfüllen sollen. Andernfalls nämlich, und davon gehe ich stark aus, werden die Arbeitnehmer eiskalt abgekocht.
Denn je mehr Zeit der Arbeitnehmer im Home Office verbringt, desto größer ist die Gefahr, dass sein Arbeitsplatz andersweitig - und damit preiswerter - vergeben werden kann. So ist es bei den allgegenwärtigen Großkonzernen mittlerweile mehr und mehr üblich, international und gerne auch vernetzt zu arbeiten.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

H. Lecter: Alf

20
Überhaupt sprach er von seiner Frau immer in den höchsten Tönen. Ich habe nie ein schlechtes Wort von Alf über seine Frau gehört, das ist schon außergewöhnlich. Natürlich war sie bei all unseren Touren nie mit dabei. Sicherlich hatte sie mit Alf schon einiges durch. Doch ich würde sie im Gegensatz zu Alf nicht als Partymaus bezeichnen. Da gingen die Ansichten der beiden Eheleute auf keinen Fall synchron.
Hierzu habe ich eine passende Szene parat. Ort dieser Szene war das bekannte und überaus beliebte Schadts Brauhaus in der Braunschweiger Innenstadt. Aus welchen Gründen auch immer – nach Feierabend hatte ich die Jungs mit nach Braunschweig genommen, wo wir es uns bei Schadts an der Theke gemütlich gemacht hatten.
Es war wohl die Zeit Ende der 90er Jahre. Zu der Zeit war ich stolzer Besitzer eines Fiat Pandas mit 1000 ccm. 45 PS und die Sitze konnte man getrost als Gartenmöbel bezeichnen. Wir saßen dort mit 4 Leuten in der Karre; Keiner von uns hätte beim Ringen oder Judo im Papier- oder Federgewicht antreten können. Wenn ich es mir recht überlege, wäre Sumo für uns die richtige Sportart gewesen.
Außer Alf und mir saßen noch die Kollegas Wastl und Mike mit in der Karre. Diese beiden Spezis hatte ich seinerzeit häufiger mit in die Braunschweiger Innenstadt mitgenommen, da sie dort montags mit Freunden in die Möwenpick Sauna zu gehen pflegten. Zuvor war natürlich erst einmal die eine oder andere Runde bei Schadts fällig. War ja auch praktisch, da der Laden gleich um die Ecke von der Sauna war.
Was da heute statt der Sauna drin ist, weiß ich jetzt gar nicht. Aber ich weiß, dass die Sauna irgendwann zu Beginn dieses Jahrtausends abgebrannt war. Und warum Alf da mal mitfuhr statt unseres Chefs Sylvester, weiß ich auch nicht mehr. Nur, dass Alf natürlich nicht mit in die Sauna ging. Ich übrigens auch nicht, das machte ich nie.
Ach ja, Alf wollte sich mit seiner Frau treffen, das muss es gewesen sein. Jedenfalls ging der Spaß bereits auf der A 39 los. Obwohl ich die vollbesetzte Karre auf 120 km/h hoch gekitzelt hatte, bekam ich beim „Thieder Berg“ natürlich Probleme. Dieser steile Hügel wurde in späteren Jahren abgetragen und durch eine längere, dafür sanfte, Steigung ersetzt. Die Jüngeren werden den Thieder Berg also nicht mehr kennen.
Oben, auf der Hügelkuppe… Dort, wo man die Hochhäuser der Danziger Straße gut sehen kann, war ich endlich im zweiten Gang angekommen. Fast hätten wir den Panda noch schieben müssen. Doch für uns 4 Schwergewichte war die Karre natürlich untermotorisiert und wurde in der Steigung schnell langsamer. Selbst mit durchgetretenem Gaspedal konnte ich das Tempo nicht halten.
Bergab, Richtung Braunschweig, brachte meine Rennsemmel dann doch glatt 140 Sachen. Da wirkten sich unsere Lebendmasse endlich mal positiv aus. Einen Parkplatz bekam ich bei Schadts um die Ecke, damals ging das noch. Laut ächzend quälten sich Alf und Mike von dem Rücksitz aus dem engen Zweitürer ins Freie.
Kurz darauf saßen wir auch schon im Schadts wie die Hühner auf der Stange an der Theke. Links, also quasi unterm Zapfhahn, saß Alf. Der Reihe nach folgten Mike, meine Wenigkeit und Wastl. Jeder von uns hatte ein naturtrübes Pils vor sich stehen, wenn auch nicht lange, da bei uns die Schlagzahl traditionell immer hoch war.
Schnell stand auch schon die zweite Rutsche auf dem Tresen und schon war Alf wieder in seinem Element. Jetzt hatte er seine Betriebstemperatur erreicht! Mir fällt da sofort dieser schöne Song von Marius Müller Westernhagen ein: „Hier in der Kneipe, da fühl ich mich frei…“ Ich glaube immer noch, dass dies bei Alf auch wirklich so war. Von all den Zwängen, die er glaubte, erfüllen zu müssen (Kirche, Umgang in vornehmen Kreisen etc.), wurde er in der Kneipe verschont.
Dank eines leicht beschwipsten Kopfes am Beginn der Zecherei verfiel er regelmäßig in einen euphorisierten Zustand und steigerte sich kontinuierlich in seiner Fröhlichkeit. Ab dem Zeitpunkt war Bier immer zu wenig gewesen. Alf musste dann immer die Oktanzahl in die Höhe schrauben. Da er leider eine Schwäche für süße Likörchen hatte, ging das dann in schöner Regelmäßigkeit übel aus. Denn die Likörchen pflegte er im selben Tempo wie das Bier zuvor zu trinken.
Dies bezeichnete er typischerweise immer als „Druckbetankung“. Dieser legendäre Begriff wurde von Alf erstmals urkundlich erwähnt und wird von mir noch heute verwendet, auch wenn ich mit ganz anderen Leuten am Zechen bin. Bei Alf führte dies zumeist dazu, dass seine gute Stimmung irgendwann endete. Einfach nur, weil er breit wie ein Pisspott war. In der Regel fiel er dann hin oder pennte im Sitzen ein.
Im Schadts bedeutete dies, dass Alf eine Rutsche Jägermeister für alle außer Wastl orderte. Wastl blieb aber nur außen vor, weil er kein Schnapstrinker war. Ich habe Wastl bis heute niemals mit einem Schnaps gesehen. Ein Jägermeister geht ja schnell – aus der Kühlung im geeisten Glas! Die einzige zivilisierte Art, das Gebräu zu konsumieren.
Zweite Runde… Dritte Runde… Schwupps – Alf hatte in kurzer Zeit 9 Striche für die Jägermeister auf seinem Deckel stehen. Die 2 oder 3 Kreuze für die Biere fielen da kaum noch auf. Jetzt kommt allerdings der Kracher: Alf nahm seinen Deckel von der Theke, drehte sich zu Mike herum und redete auf ihn ein, derweil ich mich mit Wastl in ein Gespräch vertieft hatte. Mike unterband dieses Gespräch.
Mit Alfs Deckel in der Hand hatte Mike sich zu mir umgedreht und erklärte mir die Situation. Alf wartete auf seine Frau, deren Ankunft er in den nächsten Minuten erwartete. Offenbar wollte Alf vermeiden, dass seine Frau die vielen Striche für die Jägermeister auf seinem Deckel bemerken könnten. Er bat mich, den Deckel für ihn zu bezahlen. Das Geld würde ich am nächsten Tag im Büro bekommen.
Ziemlich krude, oder? Um das Geld machte ich mir verständlicherweise keine Sorgen. So etwas ist Ehrensache, da gibt es keine zwei Meinungen. Krass ist das Argument, welches Alf an Mike noch nachgeschoben hatte. Falls seine Frau ihn allein schon wegen der Jägermeister maßregeln würde, dann könnte er ihr sagen, dass wir (Mike, Wastl und ich) ihn zum Saufen gezwungen hätten.
Was geht nur in einem Menschen vor, der seiner Frau mit solchen Argumenten kommt. Die müsste sich doch total verarscht vorkommen. Das ist so wie der Spruch „sie mag es halt etwas härter.“
Tja, unser Alf konnte noch so besoffen sein, aber seine Zwänge holten ihn immer wieder ein. Außer im Zustand des Verlustes der Muttersprache natürlich. Dabei wurde es gar nicht so schlimm. Seine Frau kam in die Kneipe und sagte uns allen höflich guten Tag. Ohne ein Wort der Kritik nahm sie ihn mit und ließ uns mit den Bieren allein.
Ohne Alf nahmen wir noch ne Runde Pils. Ohne Jägermeister.

Samstag, 3. Oktober 2020

Contramann: kurz gesehen im Oktober

In diesem Beitrag wird gut geschildert, wie das Dissen der Demonstrationsteilnehmer der Protestveranstaltung vom 1. August in Berlin gegen die Hygienemaßnahmen während der Corona Pandemie der rechten Szene in die Hände spielt.
In der Vergangenheit, z.B. während der Hartz IV Demos 2004, hatten Protestbewegungen immer Wert darauf gelegt, die Rechten auszugrenzen. Aber im Gegensatz zu den Protesten gegen Hartz IV oder den Klimawandel ging es am 1. August eben auch um Grundrechte, die im Moment aufgrund eines Gesetzes (Infektionsschutzgesetz) - ja einer einfachen Verordnung der Exekutive - eingeschränkt werden.
Schon im Studium hatte mir ein ehemaliger Ratsherr aus den Reihen der CDU beigebracht, dass Einschränkungen der Grundrechte nur unter Beteiligung der Legislative, also des Parlaments, statthaft sind. Eine einfache Änderung des Infektionsschutzgesetzes ohne parlamentarische Aussprache, wie im Frühjahr geschehen, ist hier zu wenig.
Das mag man natürlich anders sehen, aber man muss dies wenigstens noch vertreten dürfen. Wenn dann die Teilnehmer der Demo vom 1. August von Politikern und den Leitmedien aus billigen Motiven pauschal in die rechte Ecke gestellt oder als tumbe Verschwörungstheoretiker hingestellt werden, darf sich niemand wundern, wenn für diese Menschen Unterscheidungen in Links oder Rechts nicht mehr so wichtig sind.
Ähnlich der Zeit in der Weimarer Republik wird hier die Spaltung der Gesellschaft billigend in Kauf genommen, weil die etablierten Parteien ihren Kurs nicht mehr glaubhaft verkaufen können. Heute wie damals reagieren die Menschen darauf mit Resignation und Flucht ins Unpolitische oder sie wenden sich rechten Demagogen zu.
Es ist zwar noch nicht ganz so weit, aber die Gefahr ist unübersehbar. Meine Befürchtung ist, dass sich unsere Regierung, angefeuert ausgerechnet durch die mit den Amerikanern gut vernetzten Spitzenpolitikern der Grünen, von den USA in eine Konfrontation mit Russland und China hineindrängen lässt, um die Bürger wieder auf Kurs zu bringen.
Einen 3. Weltkrieg würden die Deutschen auch diesmal wieder verlieren. Der „freie“ Westen ist wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten und wäre ohne seine Militärmacht schon abgeraucht. Das ist meine persönliche Verschwörungstheorie, zu kurz und knapp geschildert, aber ausführlich willst Du es eh nicht hören.
 
Zum Thema 3. Weltkrieg hier noch ein kleiner geschichtlicher Exkurs. So standen Dresden und Heidelberg 1945 dank der Kessellage zusammen mit Nagasaki auf der Liste der Städte für einen Atombombenabwurf ganz oben.
Dresden fiel aus, weil die Stadt im Februar 1945 durch die Royal Air Force massiv zerstört worden war und sich daher nicht zur Auswertung der Schäden einer Atombombe eignete. Und da die erste erfolgreiche Zündung einer Atombombe auf Plutoniumbasis erst am 16. Juli 1945 in New Mexico glückte, blieb Heidelberg dank der vorherigen deutschen Kapitulation die Auslöschung erspart.
Ich frage mich, wie die Geschichte in Mitteleuropa verlaufen wäre, wenn die Amerikaner die erste Atombombe nicht über Hiroshima, sondern über Heidelberg abgeworfen hätten. Zur Einschüchterung eines Josef Stalin wäre Heidelberg für die westlichen Alliierten sicherlich die bessere Option gewesen. Hätte es dann auch zwei deutsche Staaten gegeben?
 
Marcus J. Ludwig wählt einen eher philosophischen Ansatz, um seine Kritik an den Corona Schutzmaßnahmen zu untermauern. Er gibt nicht allein machtgierigen Politikern oder gleichgeschalteten Medien die Schuld an den seiner Meinung nach übertriebenen und unnötigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Krankheit, die - auch was die Höhe der Todeszahlen betrifft - eher einer Grippeepidemie ähnelt.
Wir Bürger selbst, die wir wie willige Schafe das nachbeten, was uns vorgekaut wird, haben eine Mitschuld daran. Wenn 90% der Menschen die Corona Schutzmaßnahmen gutheißen, dann kann Ludwig eine Mitschuld meiner Ansicht nach zu Recht behaupten.
„Die Begründungen, mit denen die derzeitigen Maßnahmen gerechtfertigt werden, müssten ja konsequenterweise auf jedes zukünftige Krankheitsgeschehen angewendet werden. Wie soll ein Politiker der Öffentlichkeit jemals wieder erklären können, dass er in diesem Jahr halt mal 5000 Leute an der Grippe sterben lässt?“
Diese letzte Argument lasse ich mal so unkommentiert stehen. Für die Zukunft.
 
Ein sehr lesenswerter Artikel. Bei einer von der Londoner Verkehrsbehörde beauftragten Untersuchung stellte sich heraus, dass Fußgänger und Radfahrer die lokalen Geschäftszentren der einzelnen Stadtteile wesentlich häufiger aufsuchen als Autofahrer. Daraufhin investierten die Verkehrsplaner in eine radfahrer- und fußgängerfreundliche Infrastruktur.
Als Ergebnis wurde nicht nur der Einzelhandel belebt. Auch die sozialen Aktivitäten nahmen vielversprechend zu. In Zeiten des Onlinehandels und zunehmender Verödung der Innenstädte wäre dies sicherlich auch für deutsche Städte ein zukunftsweisendes Modell. Einfach mal zwanglos in die Stadt, um Freunde im Cafe zu treffen oder Straßenmusikanten zu lauschen, gern auch andere Vorführungen.
Ich könnte mir das als tragfähiges Konzept vorstellen. Wenn man diese Art Infrastruktur fördern würde, finden sich garantiert pfiffige Leute, die entsprechende Events organisieren würden, gern auch kommerzieller Natur.
 
Am Anfang stellt der Autor die passende Geschichte eines französischen Schäfers, der anhand eines hochgeladenen Videos die momentane Coronapolitik unserer Regierung sehr gut beschreibt. Der Schäfer lockt seine Schafe zum Scheren, Impfen oder Schlachten in den Stall, indem er ihnen signalisiert, dass ein Wolf in Anmarsch sei.
Ob die Menschen also zu ihrem eigenen Schutz unter die Maske gebeten werden oder sie mundtot gemacht werden sollen, überlässt der Autor unserer Fantasie. Das er hiermit fleißig nicht haltbare Verschwörungstheorien befeuert, ist sicherlich kritikwürdig.
Ansonsten stimme ich ihm zu, dass die momentanen Zahlen an Covid Toten sowie der schwer erkrankten Fälle eher darauf hindeuten, dass wir uns im Moment ehr um die nächste Grippewelle als eine vielfach beschworene zweite Welle des Covid 19 kümmern sollten. Aus den momentanen Zahlen eine Impfpflicht oder gar einen Impfpass zu propagieren, halte ich wie der Autor bei diesen Zahlen für übertrieben.
Der Kommentar ist vom 1. September. Mein Geschreibsel hier vom 29. September. Da war die zweite Welle immer noch nicht da. Sollte sie wider Erwarten doch kommen, ist es immer noch Zeit für den totalen Lockdown. Ich warte zur Zeit noch auf ein Signal zur Normalisierung des Lebens.
Ein Fortbestehen der Maskenpflicht z.B. wegen der sich anbahnenden (und jährlichen, also nichts Neues) Grippewelle lehne ich ab. Ich erwähne dies, weil ich solche Vorschläge schon in den Medien gesehen habe.