Samstag, 30. September 2023

Die Clans des Alphamondes 1/2

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Einer meiner Lieblingsromane von Philipp K. Dick. Den hatte ich bereits vor bald 50 Jahren gelesen gehabt. „Kleiner Mond für Psychopathen" hieß die deutsche Übersetzung seinerzeit und wurde profan als Gesellschaftsatire angepriesen. Diese neue, mehr an das Original von 1964 angelegte Übersetzung wird der Intention des Autors eher gerecht.
Nach der alten Rückseitenbeschreibung erwartete man vielleicht einen lustigen Roman im Stile eines Robert Sheckley, der zu der Zeit eine große Popularität genoss. Doch die Schenkelklopfer oder den subtilen Humor von Sheckley sucht man hier vergebens. Im Gegenteil: Das Lachen bleibt einem eher im Halse stecken.
Der Simulacrum Programmierer bei der CIA Chuck Rittersdorf ist ein gebeutelter Mann. Nach der Scheidung hat sich seine Ex Mary alles unter den Nagel gerissen. Haus, Auto... alles weg. Chuck muss in einem heruntergekommenen Wohnblock einziehen und darf auch noch für den Unterhalt seiner Frau aufkommen. Also der Albtraum jedes Mittelklasse Amerikaners in den 60er Jahren. Philipp K. Dick selbst konnte ein Lied davon singen.
Doch natürlich ist Chucks Ex nicht dumm. Als Psychologin weiß sie, dass Chuck einen besser bezahlten Job braucht, um ihren extravaganten Lebensstil finanzieren zu können. Da kommt ihr der bekannte Fernsehkomiker Bunny Hentman, der dringend einen Gagschreiber braucht, ganz gelegen.
Hentman wiederum wird von der CIA der Spionage für die Alphaner verdächtigt. Mit dem Volk der Alphaner hatten die Menschen gerade einen interstellaren Krieg geführt. Der Frieden ist äußerst brüchig; schon allein deshalb drängt die CIA Chuck Rittersdorf zur Annahme des Jobs bei Hentman.
Und dann sind da noch zwei weitere Bewohner der Mietskaserne, die Chuck sowohl beraten als auch in ihrem Sinne beeinflussen. Hierbei entpuppt sich die Telepathin Joan Trieste gegen Ende des Romans als Spionin der Alphaner, die den Kontakt zwischen Chuck und Lord-flieh-den-Geiz, einem ganymedischen Schimmelschleim und damit auf der Erde ungern gesehenen Alien, vermittelt.
Joan Trieste kann den zutiefst frustrierten Chuck von seinen Selbstmordabsichten abhalten und Lord-flieh-den-Geiz schließlich überredet Chuck zur Annahme des Jobs bei Hentman. Und als Dr. Mary Rittersdorf im Auftrag der Regierung einen von den Menschen kontrollierten Mond im System der Alphaner aufsucht, um das Funktionieren der Selbstverwaltung der Kolonisten zu beurteilen, bekommt auch Chuck von der CIA einen besonderen Auftrag.
Er soll das Simulacrum steuern, welches von der CIA zur Begleitung und Kontrolle seiner Ex mitgeschickt wurde. Zur näheren Erklärung: Auf jenem Mond hatten die Menschen ursprünglich lediglich eine psychiatrische Anstalt untergebracht, normale Kolonisten wurden von den Alphanern nicht geduldet.
In den Wirren des Krieges brachen die Psychopathen aus der Anstalt aus und verteilten sich auf sieben Städte, welche jeweils die bekannten Persönlichkeitsstörungen wie Depri, Manische oder Paranoiker abbilden. Der Roman beginnt dann auch mit einem Treffen des Rates der sieben Städte, in welchem deutlich wird, dass sich die sieben Clans untereinander ablehnend gegenüberstehen.
Insbesondere Gabriel Baines, Delegierter der Paranoiker aus Adolfsville (sehr schön) und Howard Straw, Delegierter der Manis aus Da Vinci Heights, beharken sich voller gegenseitiger Abneigung. Falls Dr. Mary Rittersdorf nachweisen kann, dass die sieben Clans sich nicht selbst verwalten können, verlieren die Clans ihre Freiheit und könnten zur Erde deportiert werden. Die Menschen würden den Alphamond nun endgültig nach ihrem Gutdünken nutzen können.
Vor der drohenden Deportation stehend, finden die Clans auf rührende Weise zusammen und kämpfen mit ihren begrenzten Mitteln für die Erhaltung ihrer Freiheit. Doch auch Chuck möchte die Ziele seiner Ex durchkreuzen. Mit Hilfe des Simulacrums Dan Mageboom möchte er seine Ex-Frau umbringen. Diese weiß nicht, dass ihr Begleiter ein Simulacrum ist und schläft sogar mit ihm.
Chucks Job bei Bunny Hentman ist der eines Gagschreibers. Um das Chaos perfekt zu machen, soll Chuck für Hentman eine Gagserie schreiben, in der ein vertrottelter CIA Agent seine Ex-Frau mittels eines Simulacrums ermorden will.
Das ist zu viel für Chucks angeknackte Psyche. Er verrät Hentman an seinen Chef Jack Elwood. Im Gegenzug erhält er ein Raumschiff, mit dem er sofort seiner Ex zum Alphamond hinterher eilt, um den Mord persönlich ausführen zu können. Bei ihm sind die Reste von Lord-Flieh-den-Geiz, welcher bei einer Schießerei im Wohnblock zu Schaden gekommen war.
Nach der Landung auf dem Alphamond muss Chuck feststellen, das auch dort die Luft bleihaltig ist. Insbesondere die Manis von Howard Straw verspüren keine Lust, sich weiterhin von Dr. Mary Rittersdorf einseifen zu lassen, die mit dem von Jack Elwood gesteuerten Simulacrum durch die Gegend streift. Gegen einen drohenden Aufmarsch von Erdstreitkräften hätten sie keine Chance, doch diese nutzen sie und gehen aggressiv gegen das „Forschungsteam" der Erde vor.
Die Reste des Schimmelschleims wiederum können Lord-Flieh-den-Geiz erneuern und Chuck davon überzeugen, seine Ex nicht zu töten, weil dies schließlich seine Probleme nicht lösen würde. Aus der unübersichtlichen Situation auf der Mondoberfläche kann Chuck ins Raumschiff zu Bunny Hentman fliehen und wird dort über die politischen Zusammenhänge aufgeklärt.

Samstag, 23. September 2023

Warum spielt denn der Poldi nicht?

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Mo. Immer noch 27. Juni

Aber kurz darauf war ich zu Hause und hocherfreut, das sie schon wieder besser laufen konnte. Das Punktieren des Knies hatte also schon etwas gebracht.
Wir saßen dann um halb sechs vorm Fernseher und damit vor Opdenhövel und Scholli. Italien gegen Frankreich stand an. Um 18.00 Uhr gab es also eine Wiederholung des letzten EM Endspiels, dies schon im Achtelfinale. Das versprach eine spannende Angelegenheit zu werden. Wir hofften auf das beste Spiel des bisherigen Turniers und drückten beide den Spaniern die Daumen.
Denn der Sieger würde auf Deutschland am Samstag treffen. Diese Paarung hatte meine Löwin schon einmal zu ihrer Geburtstagsfeier 1982 erlebt. Die Italiener gewannen damals das WM Endspiel mit dem legendären Dino Zoff im Tor. Mit 3:1 triumphierten sie seinerzeit die im ehrwürdigen Madrider Santiago Bernabeu Stadion.
Diese Historie ist nicht mein Beweggrund fürs Daumendrücken Richtung Spanien. Ich mag nur einfach die spanische Spielweise und den italienischen Catenaccio eben nicht. So hielten wir beide der „Furia Roja“ die Daumen und mümmelten das Mett und den Schinken nebenbei weg, während Opdenhövel und Scholli uns einstimmten. Die Italiener hatten wieder Buffon zwischen die Pfosten gestellt und traten mit Pelle und Eder im Sturm an. Bei den Spaniern gab es keine großen Veränderungen.
Pünktlich mit dem Anpfiff setzte erst einmal strömender Regen ein, der die Zuschauer auf den vorderen Plätzen von ihren Sitzen trieb. Die Wasserdusche war nach ca. einer Viertelstunde beendet, nicht aber die Angriffslust der Italiener. Denn die gingen sofort aggressiv gegen den Ball und müde wirkende Spanier. Zunächst sprangen hierbei zwar keine zwingenden Chancen heraus, aber wir hatten schon den Eindruck, das die Italiener nicht auf ein Elfmeterschießen spielten.
Anders die Spanier. Pomadig und vor allem behäbig schlichen sie über den Platz, als ob sie gestern mehrere Liter Tequila vertilgt hätten. Sie kamen nicht mal zum Tiki Taka, die Furia Roja war ein zahnloser Tiger, bei denen Fabregas, Busquets und vor allem Iniesta nicht ins Spiel fanden. Insbesondere Iniesta hatten die Italiener komplett aus dem Spiel genommen.
Bei Ballbesitz Spanien gingen die Italiener sofort ran und so war der Ball auch relativ schnell verloren. Die Spanier erspielten sich in der 1. Halbzeit nicht eine Chance und der ansonsten gute Torhüter de Gea zeigte sich reaktionsschnell auf der Linie bei einigen Weitschusses, bis er nach 30 Minuten einen Schuss der Italiener nach vorne prallen ließ. Chiellini war zur Stelle und drückte das Leder über die Linie.
Wer jetzt ein Aufbäumen der Spanier erwartet hatte, wurde mehr als enttäuscht. Dachten die etwa, die nun nötigen ein, zwei Tore gehen von alleine rein? Bis zur Pause hatten wir nicht den Eindruck, das die Spanier es eilig hatten. Der 35jährige Aduriz, den del Bosque kurz nach der Pause einwechselte, brachte dann etwas Leben in die Bude.
Immerhin zeigten sich die Iberer jetzt zielstrebiger und kamen auch zu einigen guten Chancen. So prüfte Sergio Ramos Buffon mit einem strammen Weitschuss, aber der Altmeister (38 Jahre) flog wie eine Katze in seinem 160sten Länderspiel für die Squadra Azzurra in die richtige Ecke. Bei den wenigen Kontern über die starken Pelle und Eder konnte sich de Gea mehrfach auszeichnen.
In der 91. Minute war es dann so weit. Pelle vollendete einen Querpass von Darmian zum verdienten 2:0. Die weit aufgerückten Spanier kamen da gedanklich schon nicht mehr mit. Überhaupt schien es so, das die Spanier nach einer langen Saison ausgelaugt waren und einfach nur noch urlaubsreif waren. Wie Piquet, der Ehemann von Shakira, in einigen Szenen zum Ball ging... Mannomann.
So werden wir am Samstag Italien im Viertelfinale gegen "uns"sehen. Die Spanier hatten wohl schon vorher geahnt, das sie, wenn sie gegen Italien gewinnen würden, gegen Deutschland eine ähnliche Klatsche wie die Brasilianer bei der letzten WM kriegen würden. Das wollten sie sich ersparen, die alten Herren. Damit dürfte Spaniens große Zeit auf Jahre hinaus vorüber sein.
Nach dem Spiel gab es noch die üblichen Interviews und Analysen, dann schalteten sie um ins Studio zu Bommes und.... Stefan Effenberg! Fast hätten wir den Tiger nicht wiedererkannt, aufgedunsen, wie er neuerdings aussieht. Ich tippte augenblicklich auf Cortison, meine Löwin konnte und wollte meinen Verdacht nicht ausräumen.
Sehr emotionslos gab Effe seine Kommentare zum letzten Achtelfinale England gegen Island ab. 7:0 oder 8:0 für die Engländer - so unsere Befürchtung. Irgendwann müssen die Isländer ja mal in die Knie gehen. Apropos Knie: Die Schmerzen zogen bei meiner Löwin schon wieder an, aber immer noch erheblich besser als am Vorabend.
Arnd Zeigler schaffte es dann kurz vor dem üblichen Prozedere, als da wären Rundblick ins Stadion, Mannschaftsaufstellungen und danach die Nationalhymnen, uns zum Lachen zu bringen. Er hatte Videos von Youtube herausgekramt, auf denen isländische Fußballspieler einige höchst amüsante Jubelposen vorführen. Bei den Varianten Angeln, Toilettengang und Ballgeburt brach meine Löwin in schallendes Gelächter aus. Das sich der isländische Pokalsieger bei der Siegerehrung mit Milch übergießt, hatte auch mich stark beeindruckt. Schade, das sie heute rausfliegen werden.

Sonntag, 17. September 2023

Contramann: kurz gesehen im September

https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/auf-der-reise-nach-nirgendwo/
Carola Rackete als Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl im nächsten Jahr. Nein, das ist kein Scherz. Ich empfinde es wirklich als sehr bitter, dass diese Lifestyle-Linke, die anscheinend immer noch an ihrer pubertären Rolle als Revoluzzerin festhält, jetzt für die Partei in den Ring steigt, die sich ursprünglich mal den Kampf um soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hatte.
Rackete selbst befürwortet den ökologischen Klassenkampf, aber sozial soll er sein. Ernsthaft? Wie bei den Grünen auch vernebelt das Geschwafel um den Klimawandel den Umstand, dass sich die „herrschende Bourgeoisie“ längst die Energiewende und umweltfreundliche Technologien auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Allein das Beispiel E-Auto: Da gibt es bald eine starke staatliche Förderung für E-Autobesitzer, die über ihre Photovoltaikanlage die Karre noch als Speicher nutzen. Die sprichwörtliche Verkäuferin bei Aldi hat davon nichts - im Gegenteil: Zu den immer teureren Mieten (nicht zuletzt dank der umweltgerechten Modernisierung) kommt der hohe Preis eines E-Autos, den sich die Verkäuferin einfach nicht leisten kann.
Wenn die Linke jetzt mit solchen Traumtänzern wie Rackete punkten möchte, treibt sie fatalerweise nur noch die letzten „Proletarier“ zur AfD.

https://www.telepolis.de/features/Stress-Existenzangst-Personalmangel-Immer-mehr-Beschaeftigte-psychisch-krank-9238986.html
Statt meines Geschreibsels hier eine Meinung aus dem Telepolis-Forum:
„Nach dem Krieg wirds wieder besser. Das langsame tröpfchenweise Erleiden von Begrenzung, Beengung, einschränken von kleinen und großen Freiheiten, die scheinbare Unmöglichkeit irgendetwas an seiner persönlichen Situation zu ändern ist eine große psychische Herausforderung für die meisten Deutschen.
Da haben sie klaglos unter Corona gelitten, alle Freiheiten ohne Gegenwehr sich nehmen lassen, haben in den Chor der Kriegstreiber miteingestimmt und gespendet, mit der Inflation 10-20 % ihres Einkommens an die tumbe Soldateka in der Ukraine geschickt. Und nun werden sie dafür mit Verarmung, drohender Arbeitslosigkeit und dem Verschwinden eines Gesundheitssystems, das aus babylonischer Sprachverwirrung zu bestehen scheint, aber nicht aus medizinischer Kompetenz, konfrontiert.
Stell dir vor, du hast Austauschschüler aus einem beliebigen Land Europas bei dir zu Gast, und sollst Ihnen erklären warum du auf dein heutiges Heimatland stolz bist?
Die innere Kündigung haben die meisten nicht nur in Bezug auf Ihren Arbeitgeber vollzogen, sondern auch dem Staat in dem sie leben ausgesprochen.“

https://www.manova.news/artikel/die-sandkastengesellschaft
Ein fantastisch guter Artikel, der mir aus der Seele spricht. Die infantile Neigung vieler Mitmenschen, es sich einfach zu machen und immer auf „die da oben“ zu vertrauen, damit man selbst nicht nachdenken muss, ist auch mir schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Das folgende Textzitat drückt es vortrefflich aus:
„Sechzigjährige Männer tragen Baseballkappen und knappe Shorts wie es auch pubertierende Jungs tun. Manager fahren im Anzug auf Elektrorollern herum und wirken dabei wie Kindergartenkinder. Mütter kleiden sich wie ihre Töchter. Frauen jenseits der Fünfzig nennen sich stolz „Mädels“. Bloß nicht in den Verdacht geraten, Verantwortung übernehmen zu müssen.“

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/ricardo-lange-an-pflegekraefte-kaempft-selbst-dafuer-nicht-ausgebeutet-zu-werden-li.379568
Richtig so! Dieser Aspekt des Personalmangels und der damit verbundenen Überlastung der Pflegekräfte sowie des entsprechend schlechten Services für die Hilfebedürftigen wurde bislang noch gar nicht ins Spiel gebracht. Doch das Dilemma lässt sich aber auch mühelos auf andere Bereiche – z.B. meinen Arbeitsbereich – übertragen.
Dieser Artikel ist leider hinter der Bezahlschranke verschwunden. Sei es drum, nur wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Von allein werden die Arbeitsbedingungen in den sozialen Berufen nicht besser werden. Vor allem eines sollte jedem uns bewusst sein:
Eine gute Versorgung im Krankenhaus oder im Pflegeheim ist für Jeden bei weitem wichtiger als eine gendergerechte Sprache oder die Bestrafung Putins um jeden Preis. Denn wenn DU! Oder DU! Oder auch DU! später im Altenheim liegst und der Pfleger Dein vollgeschissenes Bett nicht vor 5 Tagen sauber macht, dann ist es zu spät, sich für eine menschenwürdige Versorgung in der Pflege einzusetzen.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“




Dienstag, 12. September 2023

Hartmudo: Corona

Am Mittwoch, dem 06.09., war es wieder so weit: Mein Schnelltest auf Corona ergab einen positiven Befund. Der 6. September ist für mich ein wichtiger Tag im Jahr. Nicht nur, dass Pocke Geburtstag hat - der 6. September ist auch der Todestag meines Vaters. Und dieses Jahr jährte er sich zum dreißigsten Mal. Jetzt kommt Corona hinzu.
Das Ganze hatte sich schon vorher angekündigt, ich habe es nur nicht deuten können. Bereits in den Tagen zuvor klagte ich über Schmerzen im linken Oberarm, die ich mir nicht erklären konnte. Dass einer meiner Kegelbrüder gerade erzählt hatte, dass sich bei Männern ein Schlaganfall durch Schmerzen am linken Arm ankündigt, war auch nicht gerade hilfreich gewesen.
Denn ich hatte mich mal wieder sehr viel Stress aussetzen müssen. Ab Freitag, dem 8. September, war der nächste eineinhalb-wöchige Urlaub eingeplant und ausgerechnet jetzt wurde ich auf der Arbeit mit komplizierten und zeitraubenden Fällen überhäuft, nachdem ich zuvor wochenlang Vertretung für teils mehrere Sachgebiete an der Backe gehabt hatte.
Diesen Stress hatte ich dank geänderter, weil verspäteter Anfangszeiten im Büro gut abmildern können, dadurch aber den Freizeitstress erhöht. So war ich am Dienstag nach einem erneut anstrengenden Tag im Büro sofort und abgehetzt zum Geburtstag von meinem Großneffen Cedric geradelt. Dort saß ich teilnahmslos am Tisch und hatte keine Möge, mich an den Gesprächen zu beteiligen.
Weder mit meiner Nichte Gundula noch ihrem Mann Gerd, welche ich zu meinem Leidwesen auch schon seit längerem nicht mehr getroffen hatte, konnte ich eine längere Unterhaltung aufrechterhalten, weil ich einfach nur ruhebedürftig war. In der Nacht schlief ich dann nicht und musste den lange geplanten Teamtag am Mittwoch, an dem eine Schnitzeljagd durch Braunschweig mit dem Team aus meiner Arbeit angesagt war, absagen.
Die Nase und Nebenhöhlen waren komplett zu; ich musste meine Kollegas nun wirklich nicht anstecken. Zugegebenermaßen hatte sich meine Lust auf den Teamtag in sehr engen Grenzen gehalten, da ich ja ab Freitag in Urlaub zum Cousinentreffen nach Bremen fahren wollte und mir dieser Tag zum Abarbeiten meiner Post auf der Arbeit fehlte.
05. September gegen 16.00 Uhr

Aber gegen 16.00 Uhr an diesem Tag war eh alles Makulatur geworden. Nachdem ich bereits den ganzen Tag an leichtem Fieber (Höchstwert 38,4° Celsius) gelitten hatte, führte meine Löwin einen Corona-Schnelltest bei mir durch. Sie hatte noch welche aus ihrer Tätigkeit im Testcenter, die Haltbarkeit war mit Januar 2024 angegeben.
Und Voila! - keine 10 Sekunden nach Beträufeln des Messstreifens waren die markanten 2 rosa Streifen eines positiven Coronatests sichtbar geworden. Als erstes informierte ich meine Kollegas über die Whatsapp-Gruppe, danach kontaktierte ich Gundula. Aber wie war jetzt weiter zu verfahren, die Pandemie war ja für beendet erklärt worden?
Im Netz bekam ich über Google Aufklärung: Zum Hausarzt gehen und sich krank schreiben lassen. Isolation nach eigenem Ermessen - die Pandemie ist schließlich vorbei. Aktuell wird Corona wie eine Grippe gesehen. Keine Maskenpflicht, kein Abgrenzen von seinen Mitmenschen vorgeschrieben.
Erstaunlich. Noch vor einem Jahr war das Weglassen einer Maske noch ein Frevel gewesen und jetzt auf einmal ist alles easy, Baby. Ich als Kritiker der Corona-Maßnahmen müsste darüber eigentlich erfreut sein, bin es jedoch nicht.
So hatte ich schon spätestens seit dem Ende der Pandemie mitansehen dürfen, dass ausgerechnet die größten Befürworter der jahrelangen Zwangsmaßnahmen häufig dazu neigten, die Sicherheitsstandards zu vernachlässigen.
War jenen vorausschauenden Bürgern im Jahr 2020 noch der Schutz „vulnerabler Gruppen“ am Wichtigsten gewesen, so führen dieselben Leute heuer häufig keinen Coronatest mehr durch (kann vom Hausarzt angeordnet werden, kostet dann auch nichts). So gesehen nehmen diese Menschen stillschweigend die Weiterverbreitung des Virus in Kauf.
Nein, ich habe mich jetzt nicht vom Saulus zum Paulus gewandelt. Mich ärgert nur diese Scheinheiligkeit in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft. Ich hatte mich 3 Jahre lang trotz so mancher Bedenken an Isolationsvorgaben, Maskenpflicht und selbst einer Grundimpfung beteiligt, meine Bedenken aber auch öffentlich formuliert. Bis zu dem Zeitpunkt, als mir selbst von engen Bekannten blanke Ablehnung entgegenschlug.
Nach weiteren emotionalen Auseinandersetzungen bzgl. des Ukrainekriegs habe ich inzwischen politische Diskussionen weitgehend vermieden. Der erlittene emotionale Stress war ein zu hoher Preis für meine Offenheit gewesen. Seit längerem äußere ich mich lediglich online offen über meine Ansichten, mögen sie auch noch so bescheuert sein.
Zurück zur Aktualität. Am Donnerstag schrieb mein Hausarzt mich gleich für 10 Tage krank, wie es in der Pandemie nicht unüblich war. Passt einigen wahrscheinlich auch nicht, ich jedenfalls bleibe seitdem zu Hause. Meine Löwin hatte sich am Wochenende positiv getestet und am Montag eine Krankmeldung vom Hausarzt geholt, um ihre Krankheit dokumentieren zu können.
Und jetzt kommts: Der Diagnoseschlüssel J00G auf ihrer Krankmeldung bedeutet schlicht „Erkältungsschnupfen“. Hammer! Im Wartezimmer traf sie gleich auf 3 (!) Patienten mit positivem Coronatest, aber keine Panik! Die Inzidenz von 13 an diesem Tag in Braunschweig wird schon stimmen.
Um es kurz zu machen: In den Medien wird schon von einer neuen Coronavariante berichtet, der entsprechende Impfstoff soll seit Anfang September zur Verfügung stehen. Sollte die ganze Angelegenheit wieder in Richtung Impfpflicht eskalieren, haben meine Löwin und ich keinen Nachweis über die bald überstandene Infektion.
Wir wollen uns nicht mehr impfen lassen; ich für mein Teil habe diesen Text veröffentlicht, um meine Erkrankung wenigstens so dokumentieren zu können.
Gute Besserung Euch allen, die am „Erkältungsschnupfen“ leiden.

Sonntag, 3. September 2023

Hartmudo: Superwumms

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Donnerstag, 02. Februar. Bereits zwei Wochen zuvor war ich das erste Mal beim Orthopäden gewesen. Und der hatte mir eingeschärft, dass ich mir möglichst schnell Termine bei der Krankengymnastik besorgen sollte.
Ähnlich hatten sich meine Löwin, meine Kollegas und auch meine Schwester Berta geäußert. Der Termin zur Abnahme der Gipsmanschette stand nämlich bereits zu diesem Zeitpunkt fest. Und da ich ja auch mit reichlich Zeit gesegnet war, machte ich mich bereits kurz nach dem Besuch beim Orthopäden auf die Socken.
Hierbei war mir eine kurze Erreichbarkeit wichtig , denn ich wollte nicht mit dem Bus durch die halbe Stadt fahren müssen. Als erstes versuchte ich es in der Hilde 27 - eine Empfehlung von Berta, weil sie dort auch ihr Yoga absolviert. Ich ging da gleich persönlich vorbei. Wie gesagt, ich hatte viel Zeit zur Verfügung.
Die Dame am Tresen hörte sich meine Geschichte in aller Seelenruhe an, um mir dann zu erklären, das gerade eine Mitarbeiterin gekündigt hatte und sich die Praxis augenblicklich außerstande sehen würde, einen neuen Patienten anzunehmen. Freundlicherweise empfahl sie mir eine Praxis in der Nähe des Amalienplatzes.
Doch da hätte ich ja gleich wieder - wie schon Jahre zuvor - ins Weiße Ross gehen können. Den weiteren Weg wollte ich möglichst vermeiden, obwohl mir meine Löwin mehrfach versichert hatte, dass Termine zur Krankengymnastik gewöhnlich schwer zu bekommen sind. Als nächstes versuchte ich es in einem Nebengebäude der Roggenmühle, wo seit kurzem eine ebensolche aufgemacht hatte.
Dort bot man mir auch sofort einen Termin an - Mitte März, kurz vor meinem Geburtstag. Das ging ja nun schon mal gar nicht. Sechs bis sieben Wochen, nachdem der Gips abgenommen sein würde, bräuchte ich auch keine Krankengymnastik mehr.
So ging ich denn in die Roggenmühle zur „Krankengymnastik Kreisel", der Empfehlung einer Mitbewohnerin im Haus. Und voila, genau hier hatte ich an diesem Donnerstag meinen ersten Termin von Sechs der vom Orthopäden verordneten Krankengymnastik. Dieser Termin war mit 13.00 Uhr etwas spät angesetzt, doch diesen hatte ich nehmen müssen, weil ich ansonsten etwas länger auf diese notwendige Anschlussbehandlung hätte warten müssen.
Daher verlief der Beginn dieses Tages „entspannt" wie an vielen anderen Tagen in dieser anstrengenden Periode meines Lebens auch. Nachdem ich mich mehrmals hin und her gewälzt hatte, weil ich keine Lust zum Aufstehen verspürte, quälte ich mich aus dem Bett und schlich zum Klo, danach ins Bad.
8 Uhr morgens, meine Löwin wartete schon, auf dass wir zusammen frühstücken könnten. Dies war die Zeit, in der „Watzmann ermittelt". Meine Löwin und ich liebten diese Vorabendserie der ARD und streamten diese aus der ARD Mediathek. Der grantelnde Kommissar mit seinem dunkelhäutigen Assistenten faszinierte und entführte uns in die wunderschöne Landschaft des Königssees bei Berchtesgaden.
Zwischendurch bemerkt: Am Geburtstag meiner Löwin Anfang Juli waren wir leibhaftig vor Ort. „Watzmann ermittelt“ war das Schöne an den frühen Morgenstunden dieser Tage, ansonsten ging es mir körperlich eher mies.
Zu der für mich ungewohnten morgendlichen Appetitlosigkeit gesellte sich eine bleierne Schwere, gepaart mit einem schwindeligen Gefühl. Besser kann ich es nicht beschreiben. Begleitet wurde das Ganze üblicherweise von verstärktem Grübeln.
Besser ging es mir erst, wenn ich mich ablenkte. Z.B, als ich meine Büchersammlung auf verzichtbare Exemplare durchforstete. Oder sonstwie abgelenkt wurde. Donnerstags war dies in der Regel das Begleiten meiner Löwin beim Einkaufen für zwei ältere Herrschaften im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.
Doch hierzu später etwas mehr, wir waren bei der Krankengymnastik. Freudestrahlend ging ich den kurzen Weg zur Roggenmühle an diesem wunderschön sonnigen Wintertag. Endlich war ich ohne die Gipsschiene unterwegs.
Weil ich es bis hierhin nicht besser gewusst hatte, betrat ich das Gebäude über den hinteren Eingang und benutzte den Fahrstuhl, um im zweiten Stock vor der Praxis der „Krankengymnastik Kreisel" zu stehen.
Am Tresen meldete ich mich an, um dann geschlagene 20 Minuten im Wartebereich vorm Tresen auf die Therapeutin zu warten. Und nachdem mich die Therapeutin endlich abgeholt hatte, gingen wir über einen langen Flur in einen der Behandlungsräume. An einem kleinen und quadratischen Ikea Tisch hatte setzten wir uns gegenüber.
„Endlich" hatte ich die Gelegenheit, meine Krankengeschichte zum hundertsten Mal zu erzählen. Meine Therapeutin richtete ihr besonderes Augenmerk auf die Narbe am rechten Unterarm, unter der die Titaniumschiene verbaut ist. Schnell hatte sie die Stelle eingeölt und diese mit einem Narbenroller voller Enthusiasmus bearbeitet.
Die ca 20 Minuten verliefen angenehm und entspannt; gegen Ende folgten diverse Dehn- und Streckübungen. Kurze Zeit später hatte ich das Gebäude verlassen und durfte auf dem Nachhauseweg feststellen, dass sich die Beweglichkeit meines rechten Handgelenks tatsächlich enorm verbessert hatte.
Und dies bereits nach der ersten Behandlung. Auch nach den folgenden fünf Terminen bei der Krankengymnastik Kreisel durfte ich mich stets über Verbesserungen am Handgelenk freuen, wenn auch nicht so wie nach dem ersten Mal. Einzig die Unregelmäßigkeit der sechs Termine ging mir gegen den Strich.
Acht Tage Pause bis zum zweiten Termin, anschließend sogar 12 Tage bis zum dritten Treffen! Die Termine 3 bis 6 fanden dann innerhalb von zwei Wochen statt. Genau umgekehrt wäre es ideal gelaufen, doch ich war ja bereits froh gewesen, die Termine noch vor dem Sommer zu bekommen.