Freitag, 17. Mai 2024

Hartmudo: Superwumms

22
Die nächsten Tage verliefen relativ ereignisarm. Sonntagabend war wieder Kegeln angesagt gewesen. Da hatte Ralle mir noch gesagt, dass ich an dem Abend außergewöhnlich still gewesen sei. Ich konnte da nur mit den Schultern zucken, von dem Schock des Vorabends mit dem üblen Stimmungsumschwung dank Tillmanns Vortrag über seine Kreislaufprobleme wollte ich beim Kegeln nichts erzählen.
Bis heute habe ich darüber mit Niemanden außer meiner Löwin gesprochen und das wird wohl auch so bleiben. Auf der Rückfahrt nach Hause genoss ich die wärmende Heizung im Auto und das sanfte Gleiten des Wagens über den regennassen Asphalt.
Die letzte Nacht war mit ängstlichen Gedanken gefüllt gewesen, da sehnte ich mich am Sonntagabend nicht gerade danach. Zum Glück gab es ja noch Alan und Charlie, 4 Folgen davon brauchte ich schon zum Runterkommen am Sonntagabend. In der Nacht zuvor musste das TV-Erlebnis ja ausfallen, weil die Doppelkopfrunde so lange getagt hatte. Und tatsächlich brachten mich 4 Folgen am Stück etwas nach vorne, besser in die Waagerechte.
Dienstag, 21. Februar. Heute stand wieder eine Aktion „außer der Reihe“ an. Nein, ich meine nicht den schon gewohnten Termin bei meinem HNO. Über Vitamin D3, Algenöl und lange Vorträge über das Vermeiden verarbeiteter Lebensmittel brauche ich an dieser Stelle sicher nichts mehr zu erzählen.
Abends waren wir zum Essen im Greekhaus am Frankfurter Platz mit meinen alten Freunden Roberta und Randy verabredet. Mit beiden hatte ich bereits in den 90ern jeden Dienstag dort zusammen gesessen, wahrscheinlich sogar schon in den 80ern. Da war dieses Restaurant noch kein Grieche gewesen, sondern das Gambit.
Jener legendäre Laden hatte ab Ende der 80er Jahre mehr als 2 Jahrzehnte lang die Studenten der Künste und Sozialpädagogik geprägt, natürlich auch die Leute in meiner „Blase". Blumenkohl in Käse-Sahne-Soße mit Käse überbacken; diese Gericht hatte die gemütliche Kneipe mit den Halbliter Steinkrügen zu einer Institution in der Braunschweiger Gastronomie gemacht.
An unzähligen Abenden hatte ich mich dort mit meinen Freunden getroffen, der Laden war nahezu mein Wohnzimmer gewesen. Was auch kein Kunststück war, da ich genau gegenüber im 1. Stock gewohnt hatte.
Und nun war diese Zeit mit Corona vorbei gewesen und ein Grieche rückte nach - auch mit weißen Tischdecken. Ich fühlte mich gerade aus diesem Grund im falschen Film, aber das Essen des Griechen war an diesem Dienstag wirklich gut.
Randy kam etwas später, derweil meine Löwin und ich die Speisekarte sondiert hatten. Für mich gab es an diesem Abend aus schon genannten Gründen Wasser mit Kohlensäure - als Tellergericht blieb ich bei Gyros mit Pommes. Mein erstes Gyros mit Schweinefleisch seit langem übrigens.
Normalerweise meide ich Schweinefleisch Gyros, weil ich das häufig zähe Fleisch nicht weichkauen mag. Im Greekhaus hatte ich dieses zweifelhafte Vergnügen nicht, allein schon deshalb empfehle ich diese Lokalität gerne.
Auf die Bestellung des Essens warteten wir über eine halbe Stunde, da Roberta nicht an Land kam. Dann rief Randy sie an und musste feststellen, dass Roberta den Termin vergessen bzw. an einem anderen Tag vermutet hatte. Wenn ich mich recht entsinne, hatte sie das Treffen im Greekhaus überhaupt angeregt gehabt, aber vielleicht irre ich mich da.
Jedenfalls unterhielten wir uns angeregt und waren auch früh zu Hause gewesen, so dass ich mein liebgewonnenes Einschlafritual durchziehen konnte.
Mittwoch, 22. Februar. Gleich um 8.00 Uhr hatte ich den ersten Termin bei meinem Hausarzt. Man gut, dass es beim Greekhaus nicht so lange gegangen war. Mein Jahrescheck stand an, beginnend mit der Blutabnahme, Urinprobe, Belastungs-EKG und abschließend Ultraschall mit Herrn Doktor persönlich.
Das mache ich jedes Jahr, insofern war das keine große Sache. Der nächste Termin schon, denn den hatte ich um 13.30 Uhr in Salzgitter Lebenstedt. Da ich dorthin mit dem Zug anreiste, hielt ich mich nach dem Jahrescheck zu Hause nur äußerst kurz zur Nahrungsaufnahme auf, bevor ich wieder Richtung Bus eilte, um zum Bahnhof zu kommen.
Im Terminkalender hatte ich Dr. Vogel notiert, dies sollte der Arbeitspsychologe im Gesundheitsamt der Stadt Salzgitter, meinem Arbeitgeber, sein. Allerdings wusste ich aufgrund eines telefonischen Kontaktes ein paar Tage zuvor bereits vorher, dass ich mich nicht mit einem Dottore, sondern einer Sozialpädagogin treffen würde.
Das dieser Kontakt überhaupt zustande gekommen war, hatte ich meinem Teamleiter Buck zu verdanken. Dieser wusste ja um meine Problematik und hatte mehr oder weniger durch Zufall erfahren, dass unser Arbeitgeber für seine Bediensteten eine psychologische Unterstützung anbietet, um betroffenen Kollegen mit psychischen Problemen - in erster Linie wohl durch Burnout oder Mobbing - helfen zu können, damit diese nicht so lange arbeitsunfähig sind.
Zumal die Wartezeiten bei Psychiatern doch sehr lang sind. Was ich nur bestätigen konnte - ich hatte zu dem Zeitpunkt lediglich einen Termin im Mai ergattern können und hing demzufolge völlig in der Luft.
Egal in dem Moment, ich war ja für jede Hilfe dankbar in den Tagen. Bedauerlich fand ich höchstens, dass mein Arbeitgeber dieses Hilfeangebot nicht gerade stark beworben hatte, um es mal niedlich auszudrücken. Auf jeden Fall bin ich Buck immer noch dankbar, dass er mich Zuhause angerufen hatte.
Ich nahm den Zug kurz vor 13.00 Uhr und fuhr dann mit dem Bus zum Krankenhaus in Lebenstedt. Dort, und nicht im Gesundheitsamt in Bad, hatte ich glücklicherweise den Gesprächstermin, denn das sehr abseits gelegene Gesundheitsamt in Bad ist mit dem Bus eher schwer zu erreichen.
Wie zuvor telefonisch verabredet, holte mich die Sozialarbeiterin vor einem Nebeneingang ab und führte mich übers Treppenhaus in ihr Büro im Nebengebäude. Hier befand sich also eine kleine Außenstelle des Gesundheitsamtes, welche geheimnisvollen Vorgänge werden in den fünf bis sechs Büros wohl bearbeitet werden?

Donnerstag, 9. Mai 2024

Hartmudo: Superwumms

21
Bereits beim Rausgehen war mir sogleich klar, dass ich nicht noch 3 Monate auf Hilfe warten konnte und wollte. Als ich wieder Zuhause angekommen war, hängte ich mich sofort ans Telefon und kontaktierte die Adressen, welche der Hausarzt mir gegeben hatte. Die wiederum erwiesen sich als komplette Nieten.
Die eine Praxis z.B. lehnte mich mit der Begründung ab, dass eine Psychiaterin aufgehört hätte und sie daher im Moment keine neuen Patienten annehmen könnten. Da blieb mir vorerst keine Wahl mehr - die Hilfe befand sich 3 Monate entfernt. So lange würde ich die Tristesse wohl ertragen müssen, ehe es wieder bergauf gehen konnte.
An die Arbeit dachte ich in diesem Moment schon gar nicht mehr, dass blendete ich komplett aus. Wohl bis Anfang März hatte mich mein Hausarzt krank geschrieben gehabt. Frühes Aufstehen und nach Salzgitter zur Arbeit zu fahren... Mitte Februar war dies für mich eine irreale Vorstellung gewesen.
Was blieb, war der mittlerweile gewohnte Rhythmus aus matschigem Gefühl nach dem Aufstehen, Frühstück bei „Watzmann ermittelt", anschließend Aktion oder längere Spaziergänge und zum Abschluss Charlie Harper und Lesen. Und nach dem nächtlichen Pinkeln der Kampf, wieder einzuschlafen.
Samstag, 18. Februar. Heute morgen waren wir mit Biggi und Britt zum Frühstück bei Caldera in Cremlingen verabredet gewesen. Mit beiden verbindet uns eine Spielrunde, in der wir dem Doppelkopf frönen.
Das Frühstück war mal ein Geschenk an meine Löwin oder mich zum Geburtstag gewesen. An wen von uns Beiden, weiß ich schon gar nicht mehr. Jedenfalls hatte Biggi am Vorabend angerufen, um die Teilnahme von den Beiden aufgrund Krankheit kurzfristig abzusagen.
Das war zwar schade, hinderte meine Löwin und mich aber nicht, nach Cremlingen zum wirklich guten Bäcker Caldera zu fahren, um dort zu frühstücken. Ich weiß noch, dass ich mich wieder sehr matschig gefühlt hatte, doch trotzdem die frische Luft vor Caldera „achtsam" aufgesaugt hatte. Erwähnte ich schon, dass es in Strömen geregnet hatte?
Meinen Appetit konnte man ja dieser Tage nicht als übermäßig bezeichnen, dazu muss ich dann noch erwähnen, dass jeglicher Vergleich zum Frühstück am Valentinstag ein paar Tage zuvor schlecht abschneiden muss.
Daher ließ ich mir mit dem Essen Zeit, unterhielt mich lieber angeregt mit meiner Löwin. Ganz allmählich kam ich dann doch noch in die Spur, selbst den Orangensaft trank ich ohne Murren aus. Nach dem Frühstück kauften wir schnell noch beim Rewe um die Ecke ein, wenn wir schon mal da waren.
Derlei Aktivitäten taten mir tagsüber gut, denn ich konnte ja nicht von morgens bis abends spazieren gehen. Zudem wir tatsächlich noch einen Einkauf tätigen mussten. Denn wir brauchten Bier, Chips und andere Lebensmittel, da wir abends noch Gäste erwarteten. Es war mal wieder Zeit gewesen für die andere Doppelkopfrunde: Die mit Pocke, Wolfgang und Tillmann.
Diesmal war es an uns, dieses Event auszurichten. Für die drei Freunde sollte eine Kiste Bier ausreichen, aus schon genannten Gründen wollte ich abstinent bleiben. Daher war alkoholfreies Hefe mit Grapefruit aus der 0,33 Liter Flasche von Franziskaner das Getränk meiner Wahl. Diese Art von Blubberlutsch passte wenigstens noch halbwegs ins Bild dieser Kartenrunde.
Die Jungs schauten auch nur kurzzeitig etwas schräg ob meiner Getränkeauswahl, aber nachdem ich es ihnen erklärt hatte, fanden sie sich damit ab und störten sich nicht weiter daran. Wir hatten auch so viel gelacht an diesem Abend, den Alkohol vermisste ich in keinster Weise.
Meine Löwin hatte mal wieder etwas zu essen gezaubert und Schnaps stand auch auf dem Tisch. Ich fühlte mich rundherum wohl, positiv gestimmt wie selten, als Tillmann unbedingt noch einen raushauen musste.
Auf Nachfrage von Wolfgang, auf welche Weise sich meine Missstimmungen denn äußern würden, erzählte ich den Jungs von dem mich ereilenden Herzrasen aus heiterem Himmel. Da fühlte Tillmann sich bemüßigt, mir eine Diagnose zu erstellen. Er selbst ist zwar kein Mediziner, aber unter Herzrasen leidet er wohl auch schon seit Jahren.
Bei ihm hat das körperliche Ursachen, lässt ihn nachts auch nicht schlafen. Er muss Blutverdünner ohne Ende zu sich nehmen und rechnet auch mit einem frühzeitigen Ableben. Da sei er erblich wirklich vorbelastet, was das angeht. Als Tillmann dies nüchtern und sachlich erklärte, bekam ich ganz schnell Puls und drohte zu hyperventilieren.
Da war er wieder da, der Felix Unger. Urplötzlich war meine Stimmung umgeschlagen, ein derartig starkes Herzrasen hatte ich zuvor noch nie erleben müssen. Ganz klar- ein operativer Eingriff am Herzen stand unmittelbar bevor und ich würde unter Qualen verrecken müssen. Nur mit äußerster Willensanstrengung blieb ich sitzen und spielte weiter, verbannte die wilden Emotionen aus meinen Gedanken und konnte schließlich wieder normal atmen.
Meine Stimmung verbesserte sich und die Jungs waren nach diversen Schnäpsen zumindest alkoholtechnisch vorne. Wer gewonnen oder verloren hatte, das war derzeit noch egal gewesen. Erst gegen Ende des Jahres fingen wir an, auf Kasse zu spielen.
Der am Ende richtig straffe Tillmann musste noch von seiner geliebten Heidi abgeholt werden. Erst als alle weg waren, kehrten meine Gedanken zu den Blutverdünnern von Tillmann zurück. Meine körperlichen Reaktionen fielen zum Glück nicht mehr so heftig aus wie zuvor, jedoch kreisten meine Gedanken noch beim zu Bett gehen um dieses Thema.

Sonntag, 5. Mai 2024

Contramann: kurz gesehen im Mai

https://taz.de/Oktober-in-Europa-der-Antilopen-Gang/!6000435/
Ein guter Kommentar in der TAZ. Das ich das noch erleben darf. Die Antilopengang positioniert sich in ihrem neuen Song „Oktober in Europa“ eindeutig pro Israel (hier der Staat, was entscheidend ist) nach dem brutalen Terror-Überfall der Hamas. Beklagt wird das Schweigen der anderen Kulturschaffenden und auch der linken Szenerie. Doch das schlägt eher auf sie selbst zurück.
Weil ich es nicht besser schreiben kann, zitiere ich hier wörtlich:
„…der Reduzierung Zehntausender Toter auf die Funktion eines Schutzschildes: Die „Nachfahr'n der Juden Vergaser“ – sorry für den Spoiler – sind in erster Linie Deutsche. Wer dazugehört, sollte klarstellen, dass darin ein „Wir“ steckt und nicht „die anderen“. Die Täter-Abstammung jemand anderem anhängen zu wollen, die deutsche Schuld und Täterschaft also abzuwälzen, kann nicht im Sinne des Kampfs gegen Antisemitismus sein.“
Ich drücke es mal eine Spur härter aus: Lebt die Antilopengang in ihrem Song eine rassistische Einstellung gegen Muslime aus, indem sie den Konflikt im Gazastreifen auf den Hamas-Überfall vom 7. Oktober reduziert? Das glaube ich natürlich nicht, aber die Band hat sich mit diesem Song auf dünnes Eis begeben. Airplay ist ihnen jetzt zumindest sicher, die Kasse wird klingeln. Campino-Style halt.
Und was das Beklagen zum Schweigen anderer Künstler angeht: Wo waren denn die Statements der Antilopengang zur Corona-Pandemie oder zum Ukrainekrieg? Peter Hein hatte sich mit den Fehlfarben dank einer Single gegen die Coronamaßnahmen positioniert, was in den Mainstreammedien natürlich niemanden interessiert hatte. Im Falle der Antilopengang sieht es vor allem die Springerpresse anders – da wird der Song ohne Ende gepusht.
Allein das sollte einem schon zu denken geben.

https://www.hintergrund.de/politik/welt/deutschland-und-die-nato-bei-kriegsplanung-ertappt/
Ich fand es schon verdächtig, dass die Bundesregierung und die ihr nachgeordneten Medien bei dem abgehörten Gespräch der Luftwaffenoffiziere ständig darauf herumgeritten hatten, dass die von russischen Medien veröffentlichte Telefonkonferenz lediglich einen Versuch der Desinformation darstellen, um Olaf Scholz zu schaden. Gleichzeitig musste allerdings die Echtheit des Gesprächs bestätigt werden.
Wo ist da die Desinformation? Dass unsere Mainstreammedien sich nicht mit dem Inhalt des Gesprächs auseinandergesetzt hatten, ist noch eine Spur schlimmer. Man muss sich das einmal vorstellen: Da überlegt die Spitze der deutschen Luftwaffe, wie man (also die Ukraine) die Taunus-Raketen auf Ziele in Russland abfeuern kann, ohne dass eine wohl notwendige deutsche Beteiligung (Bedienung der Waffe, Zielkoordinaten) nachgewiesen werden kann. Wer es noch nicht gelesen oder gehört hat, bitte hier:
https://free21.org/das-taurus-gespraech-hoher-deutscher-militaers/
Das bedeutet doch im Klartext, dass sich die Generäle über die Rechtmäßigkeit und die möglichen Folgen eines Taurus-Einsatzes bewusst gewesen sein müssen. Doch anstatt dass der Verteidigungsminister diese Generäle beurlaubt, meint er sie noch in Schutz nehmen zu müssen. Schlimm. Die preußischen Junker reiten Deutschland zum wiederholten Male ins Unglück. Dazu:
„Hoch zu Ross, den Bundesgeier am Gewand.
Herrenreiter haben wieder zu sagen im Land“
Mittagspause – Herrenreiter (1979)

https://www.telepolis.de/features/Niemand-weiss-etwas-Genaues-nur-das-deutsche-Fernsehen-weiss-fast-alles-9664581.html
Während die Russen noch die Täter des Attentats auf den Konzertsaal in Moskau vom 22.3.2024 suchten, wusste es das ZDF schon genau: Der ISIS war‘s.
Es gab hierzu wohl auch ein Bekennerschreiben des ISIS, was schon mal ein Indiz für die Täter sein könnte. Dennoch vermuteten die russischen Sicherheitsbehörden, dass die Ukraine am Attentat beteiligt war, zumal die Täter nach kurzer Zeit an der ukrainischen Grenze geschnappt worden waren.
Das ZDF jedoch focht das nicht an: In einer Täter-Opfer Umkehr (die haben alle 1984 gelesen) wird Putin gleichzeitig vorgeworfen, dass Attentat propagandistisch auszunutzen. Ja nicht mal eine „False Flag Aktion“ der Russen sei auszuschließen.
Leute geht’s noch? Das ist ja nun wirklich „Aktuelle Kamera at his Best.“

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-03/katrin-goering-eckardt-aufarbeitung-corona-pandemie
Eine der stärksten Hetzerinnen gegen Andersdenkende, sprich Kritikern, in der Corona-Pandemie zeigt sich besorgt, dass eine Aufarbeitung der Corona-Politik missbraucht werden könnte, um die seinerzeit handelnden Personen zu diffamieren und damit auch die parlamentarische Demokratie zu diskreditieren.
Ja, Frau Göring-Eckardt. Wer hat denn da Personen in Politik, Wissenschaft und Ärzteschaft diffamiert, weil deren Ansichten den Meinungen der Regierung und Pharmaindustrie zuwider lief? Auch hier eine Täter-Opfer Umkehr.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Mittwoch, 1. Mai 2024

Hartmudo: Superwumms

20
In freudiger Erwartung überquerte ich also die Saarstraße und bog in den spitzen Winkel der Mettlacher ein. Und hier betrat ich eine vollkommen neue Welt, fühlte mich sofort wie in einer unbekannten Stadt.
Die für mich neuen Eindrücke saugte ich förmlich in mich auf. Das war schon erstaunlich, vielleicht 300 Meter Luftlinie von unserer Wohnung entfernt und ich war noch nie hier gewesen! Am Ende der Mettlacher ging es im 90-Grad Winkel leicht bergauf in Richtung Bortfelder Stieg und damit zur Saarbrückener Straße, wo sich unser Lieblingsgrieche befindet.
Mit mächtig viel Aahs und Oohs blickte ich von links nach rechts, passierte einen Kleingartenverein sowie einen Kindergarten und umrundete letztendlich den alten Stammsitz vom Schlachter Osterloh, der schon kurz nach unserem Umzug in diese Gegend die Segel streichen musste. Auf kürzestem Weg war ich anschließend wieder zu Hause. Dieser Walk bei schlechter Witterung hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen und die grüblerischen Gedanken zumindest für kurze Zeit vertrieben.
Doch wir waren beim 15. Februar. An diesem Abend war unsere Solo-Runde bei Dora und Herbert angesetzt. Nach der schönen Aktion mit dem Valentinsfrühstück am Vortag freute ich mich auf den Abend in Salzgitter.
Nahezu euphorisch ließ ich mich in den Spieleabend fallen. Mit besserer Laune, als ich sie normalerweise bei unserer Solo-Runde verspürte, legte ich die Aktionskarten ab oder zog die zusätzlichen Strafkarten. Alles wie immer also - da gönnte ich mir gern 3 Halbliter Paderborner über den Abend.
Als wir diesen wunderschönen Spieleabend kurz vor Mitternacht beendet hatten, hatte ich dank der Schnapszahlen noch drei vierstöckige Hefebrand intus. Zur Nacht entspannte ich mich noch etwas mit Alan und Charlie, bevor ich mich mit einem Buch ins Bett legte.
Bier treibt, deshalb war ich nach vielleicht zwei Stunden Schlaf zur Toilette aufgebrochen. Im Gegensatz zu den Nächten in den Wochen zuvor halfen mir die Schlaftabletten diesmal nicht beim Wiedereinschlafen.
Stattdessen drehte ich unendlich viele Runden in meinem Schlafzimmer, dank Angstattacken und pochendem Herzen war ans Hinlegen nicht zu denken. Dieses Gefühl, im Bett zu liegen und zu fühlen, keine Luft mehr zu bekommen, kann man jemanden, der dieses Gefühl nie kennengelernt hatte, nicht vermitteln.
Dieses Feeling ist so bedrückend, dass ich dabei nur heftig atmend aufstehen kann, nein - aufspringen!, und auf und ab gehen muss, um die Herzfrequenz wieder herunterziehen zu können. Mit Glück kann ich dann später in der Nacht wieder schlafen, aber eine Stunde „Glockenwach" ist dann schon ein Segen.
Wenn ich gar nicht mehr in den Schlaf finde, ist der folgende Tag und vor allem die nächste Nacht besonders „schön". Irgendwann später hatte ich mir aus dem Gedächtnis heraus notiert, dass ich während jener Nacht mit dem Ausschleichen der Schlaftabletten begonnen hatte.
Aber das kann irgendwie nicht stimmen, da ich gar nicht so viel Tabletten gehabt hatte und deshalb mit dem Ausschleichen schon früher begonnen haben musste. Dies ist an dieser Stelle erwähnenswert, weil ich nach dieser Nacht für längere Zeit keinen Alkohol mehr zu mir genommen hatte.
Ich weiß nämlich noch genau, dass ich in der Nacht, als ich nur noch eine halbe Schlaftablette genommen hatte, keine Schwierigkeiten mit der Nachtruhe erleben musste. Fazit: Übermäßiger Alkoholgenuss ist in der allgemein schlechten Gemütslage meinereiner ganz schlecht.
Um es vorwegzunehmen: Ich vermisste es in den folgenden Monaten auch nicht. In dieser Nacht jedenfalls schaffte ich es irgendwann mit großer Anstrengung, mich hinzulegen und nach langem Wachliegen einzuschlafen.
Donnerstag, 16. Februar. Gleich am frühen Morgen tauchte ich bei meinem Hausarzt auf, extrem matschig nach der anstrengenden Nacht. Da hatte ich schon einen längeren Spaziergang in meinem Schlafzimmer „genießen" dürfen.
Dass ich in der Straßenbahn trotzdem nicht eingeschlafen war, lag an meinem kleinen Hoffnungsschimmer, den ich diesem Besuch beigemessen hatte. Ich erhoffte mir von einer Beratung durch meinem Hausarzt Lösungsansätze und auch weiterführende Adressen. Mit den Schlaftabletten hatte er mir ja schon weiterhelfen können, nun bräuchte ich wohl oder übel einen Psychiater.
Ich hatte mich noch gut an meinen Besuch bei einem Psychiater im Jahr 2012 erinnern können. Der konnte mir seinerzeit nicht mehr helfen, weil meine Angstattacken und die nächtliche Schlaflosigkeit - was ja gerade auch aktuell mein Problem war - sich bereits von selbst erledigt hatten.
Voller Optimismus betrat ich die Arztpraxis. Nun bin ich bekanntlich ein eher widersprüchlicher Typ; eine Mischung aus Felix Unger und Oskar Madison. Einerseits weinerlicher Hypochonder, der sehr schnell mutlos in Selbstmitleid zerfließen kann, und andererseits der hyperaktive Wüterich, der auch nach Rückschlägen wieder aufsteht und unerwartete Aktivitäten entwickelt.
Mein Hausarzt, der mir die neurologische Praxis empfohlen hatte, hörte sich meine Version des Besuchs in jener Arztpraxis ruhig an und suchte sofort im Netz nach einem Psychiater, leider erfolglos. Jedoch konnte er mir aus seiner Erinnerung von einem Psychiater ca. einen halben Kilometer in Richtung Hagenmarkt entfernt berichten. Ob es jene Praxis noch gab, konnte er mir nicht sagen - ist ja auch nicht seine Baustelle.
Ein oder zwei andere Adressen gab er mir noch mit, dann war ich wieder unterwegs. Ca. einen halben Kilometer in Richtung Hagenmarkt bewegte ich mich mit wilder Entschlossenheit und landete kurz darauf vor dem Tresen das Psychiaters mit griechischem Namen. Die Arzthelferin hörte mich geduldig an und bot mir einen Termin Mitte Mai (!) an, den ich ohne mit der Wimper zu zucken festzurrte.

Dienstag, 23. April 2024

Warum spielt denn der Poldi nicht?

29
Sa. 2. Juli

Zu meiner Überraschung schlief meine Löwin noch, als ich heute morgen wach wurde. Und das an ihrem Geburtstag. Ganz leise verrichtete ich meine Morgentoilette und schlich dann aus der Wohnung, um Brötchen zu holen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich hierzu das Auto nahm. Es regnete sehr heftig, und da ich nur ein Eintracht T Shirt angezogen hatte, wurde ich schnell feucht.
Es sollte ja auch die 11er Tüte sein und der Steinecke bei Bauhaus macht nicht vor Acht auf. Die nächste Filiale, die vor 8.00 Uhr auf haben könnte, ist beim Real in der Frankfurter. Als ich dort vorfuhr, war natürlich noch alles dicht. Das Glück zieht mich heuer ja wieder magisch an, dachte ich bei mir. Als Alternative bot sich der Meyer, seines Zeichens der Heidebäcker schlechthin, beim Penny hinter dem Hornbach, gleich um die Ecke vom Real, an.
Schnell eilte ich nach Hause, denn an diesem ihren Geburtstag wollte ich meine Löwin nicht lange warten lassen. Tatsächlich war sie schon wach und dazu auch noch ansprechbar, also nicht unterzuckert. Jetzt endlich stand der Moment, auf den ich mich schon die ganze Zeit gefreut hatte, unmittelbar bevor. Die Geschenkübergabe.
An dieser Stelle muss ich meinen heutigen Traum zum Verständnis kurz anreißen. Meine Löwin war außerhäusig und ich wunderte in der Bude herum. Phil war auch da, und zwar im Wohnzimmer, jedoch war er schon sehr müde (es war dunkel, also Nacht) und er wollte nur noch Fußball EM sehen, ergo ließ ich ihn in Ruhe.
Dann verließ ich für einige Zeit die Wohnung, warum auch immer. Als ich nach Hause kam, war meine Löwin zugegen. Ich wusste noch, das bei uns vor Tagen eingebrochen worden war. Wir hatten unsere Kegelfreunde "heute" zu Besuch gehabt, also als ich jetzt absent war. Jedenfalls kam einer unserer Kegelbrüder auf die glorreiche Idee, den materiellen Schaden durch den Einbruch mittels des Verkaufs meiner Pappkiste, in dem ich die Geschenke für meine Teuerste gepackt hatte, zu vermindern.
Freudestrahlend berichtete mir meine Löwin, das sie 6 € für die Pappkiste bekommen hätten. Ich hatte allerdings 400 € für die Geschenke bezahlt! Bevor ich drohte, ob dieses schlechten Geschäfts so richtig griffig zu werden, wachte ich schweißgebadet auf.
Ein beängstigender Traum, denn tatsächlich hatte ich die Geschenke in einen Amazon Pappkarton gepackt. Auch wird Phil heute Nacht bei uns pennen, weil er noch zu einem Geburtstag seines Kollegen in Braunschweig geht. Aber vorher wird er bei uns noch vorbeischauen. Als einzig weiteren Besuch erwarteten wir Danny und Jessica mit Deva am Nachmittag. Sonst hatten ja alle wegen Krankheit abgesagt.
Meine Löwin erfreute sich sehr an den Geschenken. Das Weber-Buch über den Burger an sich wollte sie erst gar nicht aus der Hand legen. Der batteriebetriebene Pedikür-Roller der Firma Scholl fand ebenso ihre Zustimmung, den wollte sie sich schon fast selbst kaufen. Als letztes Geschenk hatte ich ihr "die dicke Wade", meinen Erzählband aus Beiträgen meines Blogs, überreicht.
Dass man diesen Band auch bei Amazon käuflich erwerben kann, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Meine Löwin fand den Band auf Anhieb gut, genau wie die Veröffentlichung über Amazon. Das war meine größte Sorge der letzten Wochen gewesen, das sie etwas dagegen haben könnte. Daher auch die Alpträume in den letzten Tagen.
Vor dem Frühstück wollte meine Liebste noch die Morgentoilette erledigen. Sie stand gerade unter der Dusche, als das Telefon klingelte. Da musste ich also den Hörer ergreifen. Es war Dora, die mit Herbert gleich vorbei kommen wollte. Sie nahm mir das Versprechen ab, meiner Löwin nichts davon zu erzählen. Eine nette Überraschung hatte sie sich da ausgedacht, die ich meiner Löwin nicht verderben wollte.
Deshalb sagte ich nichts, als wir uns zum Frühstück vor die Glotze setzten, um Brett Sinclair und Danny Wilde bei ihrem nächsten Abenteuer beizustehen. Diesmal schlitterte Brett in eine Agentenstory, bei dem er für Richter Fulton den Lockvogel spielte. Ich hatte ja gehofft, das Dora noch vor Beginn dieser Folge kommen würde. Die angekündigte halbe Stunde war schon mehr als vorbei, als die Türklingel anschlug.
Die 2 stoppen und zur Tür zu laufen war für mich eine fließende Bewegung. Und siehe da, Dora und Herbert hatten noch Frida und Harald mitgebracht. Sie trugen eine Käse- und eine Aufschnittplatte nach oben. Brötchen, Fleischsalat. Selbst an Krabbensalat und Kaffee hatten sie gedacht, eine wunderschöne Überraschung.
Ursprünglich hatten wir mal ein Brunch geplant, den wir aber wegen des Knies meiner Löwin vorsorglich absagen mussten. Um so mehr freuten wir uns jetzt über die Initiative von den Geschwistern meiner Liebsten, obwohl wir bereits 1 - 2 Brötchen verspeist hatten.
Wir wechselten in die Essecke und ich deckte schnell den Tisch ein. Nebenbei kochte ich noch eine Kanne Kaffee. Dazu gab es die von der Mannschaft mitgebrachte Frischmilch. Ich weiß schon gar nicht mehr, vor wie vielen Jahren oder Jahrzehnten ich das letzte Mal Frischmilch hatte.
Natürlich übernahm ich automatisch die meisten Laufwege zwischen Küche und Essecke. Nur die meisten deshalb, weil man meine Löwin genau wie Ronaldo nicht ausschalten kann. Irgendwie schafft sie es immer, sich einzuschalten und doch noch etwas zu erledigen. Aber Hauptsache war, das meine Löwin Spaß hatte und unsere Gäste sich wohlfühlten.
In die angeregte Unterhaltung mischten wir Jungs uns nur selten ein, hatten aber alle sichtlich Freude am Zuhören. Aufgrund jüngster Erfahrungen ging es überwiegend um das richtige Auftreten beim Arztbesuch. Meine Löwin hatte sich da ja vor ein paar Tagen richtig ärgern müssen, aber wurde trotzdem behandelt.

Mittwoch, 17. April 2024

Hartmudo: Superwumms

19
Da traf es sich gut, dass ich Anfang der Woche dazu durchgerungen hatte, eine meiner alten Lieblingsserien noch einmal von vorne via Amazon Prime anzuschauen: Two and a half Men - zumindest die ersten acht Staffeln mit Charlie Sheen - ist bis heute unerreicht. Weder „eine schrecklich nette Familie", noch „Friends" oder „Big Bang Theory" können Charlie und Alan Harper das Wasser reichen.
Allerhöchstens „Männerwirtschaft", welche das Vorbild für „Two and a half Men" gewesen sein dürfte, kann da halbwegs mithalten. Die ewigen Stänkereien zwischen Charlie und Alan zogen mich an diesem Abend aus der Weltuntergangsstimmung heraus, so dass ich (auch dank der Schlaftabletten, die ich immer noch nahm) wenigstens wieder einschlafen konnte.
Mittwoch, 15. Februar. Zweifelsohne hatte mich Charlie Harper am Vorabend aus dem Angstanfall herausgeholt. Da hatte ich mir doch tatsächlich eingebildet, dass sich meine schlechte Phase urplötzlich in Luft aufgelöst hätte. Weit gefehlt, auch an diesem Morgen schlich ich nach dem Aufstehen missmutig ins Badezimmer, um mir anschließend beim Frühstück mit meiner Löwin eine Scheibe Brot reinzuquälen.
„Watzmann ermittelt" stand da noch immer auf unserer Agenda und brachte mir wie üblich Ruhe in meine wirren Gedanken. Nach dem Frühstück drohte mich auch wieder die große Mattigkeit zu übermannen; selbst mein Zimmer, mein Rückzugsgebiet, wurde mir zu klein. Da half nur eins: Raus an die frische Luft!
Wohin ich an diesem Tag gegangen war, weiß ich natürlich nicht mehr. Doch in diesem Winter und angehenden Frühling war ich beinahe täglich stundenlang unterwegs gewesen. Von den Walks mit Charles hatte ich bereits berichtet, aber mehr noch war ich alleine unterwegs gewesen. Hierbei setze ich mir in der Regel feste Ziele, um mich selbst zu den langen Spaziergängen motivieren zu können.
Z.B setzte ich mich einmal in Richtung des Ringgleises in Bewegung, um einfach nur Salami Snacks für unsere Katzen bei Globus zu kaufen. Das Wetter war leicht frostig, aber die Sonne strahlte schon kräftig über den wolkenfreien Himmel.
Eigentlich schon „achtsam" atmete ich auf dem Hinweg tief durch und kaufte tatsächlich nur die Katzen Süßigkeiten. Über den Ring ging ich zurück, da das Wetter inzwischen schlechter geworden war.
Dies war ein schöner Gewaltmarsch gewesen, bei dem ich die 10000 Schritte Marke weit überschritten hatte. Und das alles nur für zwei bis drei Packungen dieser Fleischstangen, auf die unsere Katzen so stark abfuhren.
Bei meinen Solo Spaziergängen brauchte ich zumindest äußere Anregungen; so funktionierte ich die Spaziergänge für mich quasi zu Events um. Hier ein Beispiel: Nach einem Besuch bei meiner Rheumatologin fasste ich spontan den Entschluss, anstatt des kurzen Fußweges zur Bushaltestelle am Rathaus einen längeren Weg ohne Busunterstützung einzuschlagen.
Ich entspannte mich zunächst noch bei einem Tee in der Teestube am Hagenmarkt, ehe ich mich über die Wendenstraße in Richtung Hamburger Straße in Bewegung setzte. Unterwegs ereilte mich die Dämmerung.
Interessanterweise blieben die Angstanfälle trotz nahender Dunkelheit aus, dies war gleichermaßen ungewöhnlich und erstaunlich. Ganz klar: Bewegung schlägt Düsternis. Dabei hing ich meinen Gedanken und auch alten Erinnerungen nach.
So fielen mir beim Gang um den Affenfelsen herum auch wieder die Zeiten Anfang der 80er Jahre ein, als ich mich aus meinem alten wie schmalen Umfeld in Melverode-Heidberg gelöst hatte und die schöne Welt der damaligen Alternativkultur kennenlernen durfte.
Anfang der 80er Jahre befand sich im Affenfelsen eine Disco; ein Besuch dort am Wochenende war zu der Zeit Pflicht. New Wave und Neue Deutsche Welle waren beim studentischen Publikum als Sound der Zeit angesagt gewesen.
Aber ehe ich mich in diesen Gedanken verlieren konnte, erreichte ich den Rewe an der „Hamburger unten", der dort seine Pforten bis Mitternacht geöffnet hält. Hier machte ich mich sofort auf die Suche nach unserer Nachbarin, welche in dieser Filiale arbeitet. Mit ihr hatte ich wenige Tage zuvor ein nettes Gespräch im Hausflur über meinen Fahrradunfall gehabt.
Zu meinem Leidwesen schien sie an diesem Tag nicht zu arbeiten, was ich schade fand. Hatte ich ihr doch versprochen, sie auf der Arbeit zu besuchen. Und als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, traf ich sie kurz vor der Kasse bei den Tiefkühltruhen. Sie war total überrascht und wir scherzten noch ein bisschen, dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Fast noch erfrischender verlief ein anderer Walk in jenen Tagen. Bei wirklich nasskaltem Wetter erkundete ich einen Bereich von Lehndorf, den ich in den mittlerweile 17 Jahren, die wir schon in Lehndorf ansässig sind, noch nie abgelaufen war.
Von der Saarstraße zweigt noch vor der Ottweiler eine Stichstraße ab, und zwar die Mettlacher Straße. Ich könnte mich noch gut daran erinnern, dass dort der erste Sanddornkrimi spielte. Oder war es der zweite?
Egal, gucken muss man alle. Alle Schauspieler sind reine Amateure und dass Niveau liegt trotzdem über „Lenßen und Partner". Und was das Storytelling betrifft, schlägt Sanddorn die meisten Tatorte um Längen, was zugegebenermaßen nicht sehr schwer ist.

Sonntag, 7. April 2024

Contramann: kurz gesehen im April

https://www.spiegel.de/panorama/will-botswana-wirklich-20-000-elefanten-nach-deutschland-schicken-a-1bfed407-19c0-4a05-bc4a-b77e2d65d8e0
Was war da denn los? Da plant wohl die EU, die Einfuhr von Jagdtrophäen gefährdeter Tierarten zu genehmigen (ist heute schon Pflicht) oder sogar verbieten zu lassen. Der Präsident von Botswana, Eric Masisi, befürchtet Letzteres und ist empört.
Hauptabnehmer der Jagdtrophäen (z.B. ausgestopfte Tierköpfe) ist natürlich Deutschland, in Europa (Russland gehört ja wohl nicht mehr dazu neuerdings) das Land mit den meisten bekloppten wie geltungssüchtigen Leuten, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld machen sollen.
Deshalb möchte Masisi jetzt 20.000 Elefanten nach Deutschland „ausbürgern“. Denn die Elefanten stellen in Botswana eine Plage dar, welche dank einer mittlerweile erreichten Überpopulation Ernten vernichtet und Menschenleben gefährdet. Er beklagt nicht zu Unrecht die Arroganz der ehemaligen Kolonialherren, die sich in ihrem vermeintlichen Engagement für bedrohte Tierarten sonnen, ohne sich um die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort zu kümmern.
Und dies ist das eigentlich Wichtige an dieser Meldung. Die Afrikaner haben schlichtweg die Schnauze voll und wollen sich von ihren ehemaligen Ausbeutern nicht mehr bevormunden lassen. Der schmähliche Rückzug von Franzosen und Deutschen aus Mali war hier ein erstes Ausrufezeichen; die Annäherung afrikanischer Staaten an chinesische Investoren ist ein weiteres.

https://weltwoche.de/daily/ausgerechnet-die-staatstreue-new-york-times-berichtet-ueber-die-seit-jahren-stationierten-cia-basen-in-der-ukraine-und-die-medien-schweigen-eisern/
Anfang des Jahres hatte die New York Times darüber berichtet, dass die CIA und der MI6 die Ukraine aufgerüstet, Soldaten ausgebildet und wohl auch sonst aktiv und passiv unterstützt hatte. Die New York Times ist ja nun wirklich nicht verdächtig, zu den Alternativmedien oder auch der Schwurbelpresse zu gehören.
Das Ganze ist zwar eigentlich nicht so wild - bei Geheimdiensten setze ich ein derartiges Verhalten voraus. Doch dass dies in der deutschen Mainstreampresse keinerlei Erwähnung findet, zeigt mir wieder die „Unvoreingenommenheit“ beim deutschen Qualitätsjournalismus.

https://www.berliner-zeitung.de/open-source/corona-aufarbeitung-und-die-ausgrenzung-andersdenkender-wie-entsteht-radikalitaet-li.2191422
Hier ein paar eher philosophische Betrachtungen zu Folgen der Coronazeit. Dieses Gefühl der erlebten Ausgrenzung kann ich gut nachvollziehen, finde mich darin teilweise wieder. Besonders stark ist der Kommentar in den Momenten, in denen die Autorin von heftigen Streitgesprächen unter Freunden berichtete. Vor der Coronazeit hatten die Streitenden hinterher zusammen gelacht und sich gut verstanden.
Seit Corona ist dies bei einigen Themen nicht mehr so. Egal ob Impfpflicht, Ukraine oder Gaza: Da geht man schweigend auseinander, eine erregte Diskussion wird häufig sogar gleich am Anfang abgebrochen. Es bleibt eine zunehmende Entfremdung untereinander.
Schlimm.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/schulen-lehrerverband-fuer-unterricht-ueber-krieg-a-666e39d7-2806-4c24-b0ff-a222517b7c9c
Wenn die Bildungsministerin des Bundes meint, die „Widerstandsfähigkeit“ der Kinder stärken zu müssen und ihnen ein unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr zu ermöglichen, dann hat sie ihren Job verfehlt. Solche Ansichten hätte ich eher im deutschen Kaiserreich am Vorabend des ersten Weltkrieges verortet.
Dass ihr da einige Bildungspolitiker gleich zur Seite springen, zeigt die Geschichtsvergessenheit der herrschenden Elite. Nicht nur an diesem Beispiel drängt sich mir die Frage auf, ob ich nicht lieber in den piefigen 50er Jahren aufgewachsen wäre. Denn die Menschen hatten zumindest die Schnauze voll vom Krieg – aus gutem Grund.
Viele Menschen meiner Generation der 70er und 80er Jahre hatten in ihrer Jugend gegen Atomraketenstationierung demonstriert und den „Kriegsdienst“ verweigert; Heute an den Schalthebeln der Macht angekommen, können sie gar nicht genug von einer Militarisierung der Gesellschaft bekommen. Stellvertretend sei hier der Ministerpräsident aus Baden-Württemberg genannt, allerdings laufen auch hier vor Ort genügend „besorgte Mitbürger“ herum.
Ich sehe das Ganze genau anders herum als der Pseudo-Punk Campino, der geistig eine unschöne Entwicklung genommen hat: Heute würde ich nicht mehr zum Militär (Bundeswehr) gehen, sondern den Militärdienst verweigern.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“




Donnerstag, 4. April 2024

guterPlatzzumBiertrinken: Saisonstart

Sonntag, 17 März. Endlich habe ich mal wieder die Zeit gefunden, um eine kleine Runde drehen zu können. Schließlich fand heute der Ostermarkt in Groß Schwülper statt. Wie üblich standen Mary und meine Löwin in der Fischbude des Angelvereins, um massenweise Fischbrötchen zugunsten der Vereinsarbeit zu verkaufen.
Zudem könnte meine Motivation heuer nicht größer sein: Vor zweieinhalb Wochen hatte mir mein Hausarzt eine ungezügelte Diabetes diagnostiziert und sogleich eine Hammerdosis Metformin verordnet, um die Krankheit einzudämmen. Da war ich zunächst arg konsterniert gewesen und hatte dann noch nicht einmal nach dem Langzeitwert des Zuckers gefragt, welcher ja der entscheidende Wert bei Diabetes Typ 2 ist.
Überraschen konnte mich diese Diagnose allerdings nicht, hatte ich doch seit dem Fahrradunfall und der langen Krankheitsphase Anfang letzten Jahres so ziemlich alles schleifen lassen, was eine Diabetes Erkrankung verhindert hätte. Dazu gehören neben sportlicher Betätigung noch das Vermeiden des Genusses von Haribo und Schokolade.
Chips und Schokolade waren schon die kleinen Tröster in meiner Kindheit gewesen. Ab sofort darauf zu verzichten, fiel mir dank der ärztlichen Diagnose nicht schwer. Beim Rauchen hatte es vor 20 Jahren auch geklappt, jetzt also auch mit süßen und salzigen Leckereien.
Eine Woche später hatte mich meine Psychotherapeutin dann auch noch davon überzeugt, es mal wieder mit Intervallfasten zu versuchen. Und siehe da: Ich mache das seit nunmehr eineinhalb Wochen und fühle mich zunehmend besser.
Von den vielen Möglichkeiten des Intervallfastens habe ich mich für das klassische „16/8" entschieden und esse nur noch zwischen 12 Uhr mittags und 8 Uhr abends. Überraschenderweise verspüre ich vormittags nur selten ein Magengrummeln. Mal schauen, wo mein Gewicht hinwandert. Abnehmen oder Metformin - dazwischen gibt es nichts.
Und heute konnte ich gleich mal austesten, wie es um meine mittlerweile schlechte Kondition bestellt ist. Auch das Ärgernis der letzte Nacht konnte mich von der heutigen Fahrradtour nicht abbringen.
Denn als ich mich gestern Abend ins Bett legte, musste ich feststellen, dass der Fußbereich nass gewesen war. Abby hatte schon wieder in mein Bett gepisst, das zweite Mal innerhalb einer Woche. Egal was für einen Stress unsere Katze hat, aber so etwas geht schon mal gar nicht. Ab sofort mache ich die Tür zu, wenn ich die Wohnung verlasse.
Wenigstens konnte ich dank zweier Tagesdecken in der letzten Nacht gut schlafen. Als ich heute morgen endlich aufgestanden war, brach meine Löwin gerade zum Ostermarkt auf. Einen Kaffee gönnte ich mir noch, bezahlte einige Arztrechnungen und verfrachtete dann meine angepisste Bettdecke in die Waschmaschine.
Nun denn, Fahrradhelm auf und los ging es. Sonnenschein bei 8° C - so ein Wetterchen verleitet dazu, mit offener Jacke zu fahren. Doch da bin ich mit über 60 Jahren doch „ein bisschen weise." Raumzeit 11:15 Uhr - Energie! Eine Metformin hatte ich soeben geschluckt gehabt, so dass das Frühstück in Form eines Fischbrötchens nach einer kurzen Fahrt von einer Dreiviertelstunde kommen konnte.
Obwohl ich am Vorabend zuletzt gegen 19 Uhr etwas gegessen hatte (beim Geburtstagsessen von Phineas Freak), kam ich zunächst gut voran. Aber dann, auf der lang gezogenen Steigung beim Lehndorfer Holz zum Kanzlerfeld hin. Dort, wo früher das Tam Tam gewesen war. Trotz eines niedrigeren Ganges brannten meine Oberschenkel, ich überlegte kurz, ob ich nicht besser absteigen sollte.
Schnell drängte ich aber diese negativen Gedanken zurück - Aufgeben ist halt keine Option. Ab Kanzlerfeld geht es über die PTB bis nach Watenbüttel hin bekanntlich überwiegend bergab, so dass ich dort gut ausruhen konnte. Und dann wurde ich am Ortsausgang von Watenbüttel beim Überqueren der Brücke über den Mittellandkanal für meine Hartnäckigkeit belohnt.
In einem niedrigen Gang fuhr ich die Steigung mit gleichbleibenden Tempo ohne Schwierigkeiten hoch. Ab diesem Moment waren alle meine Zweifel verflogen, dass ich eine längere Radtour nicht durchstehen würde.
Dennoch stand mir noch die Abkürzung nach Schwülper über den Wiesengrund in Walle bevor. Die dortige Steigung kurz vor Schwülper hatte mich in der Regel bei früheren Touren zum Absteigen gezwungen. Dies hätte ich heute bei aller Euphorie auch machen müssen.
Aber kurz vor Rothemühle hatte ich die richtige Idee: Ich würde einfach durch Rothemühle durchfahren und dann Groß Schwülper von der anderen Seite her anvisieren. Auf der Strecke gibt es keine nennenswerten Steigungen und ich könnte einfach durchfahren, ohne absteigen zu müssen.
So war es dann auch; gleichzeitig fuhr ich zum ersten Mal durch diesen langgestreckten Ort und hatte viel zu schauen. Beim Ostermarkt angekommen, begab ich mich sofort zur Fischbude des Angelvereins und mampfte zwei Matjesbrötchen weg. Die sind aber auch lecker!
Mit Angel-Arnd, dem Vereinsvorsitzenden, naschte ich noch ein gut gezapftes Bierchen und unterhielt mich anschließend kurz mit Charles und seiner Schwiegermutter. Danach sattelte ich mein Rad und begab mich auf den Rückweg. Es herrschte immer noch bestes Fahrradwetter vor, will sagen: Sonne, Wind und angenehme Temperaturen an die 15 Grad Celsius.
Bei Ziebart in Watenbüttel stoppte ich noch kurz für einen Milchkaffee, dann war ich auch irgendwann wieder zu Hause. Sicherlich hatte ich diese Strecke in der Vergangenheit eher schnell bewältigt gehabt, aber dass ich diese Tour heute ohne Probleme bewältigen konnte, hat mich mental weiter aufgebaut.
Dies sollte also nicht die letzte Tour in dieser Rubrik gewesen sein. Ich habe schon einige Ideen für Frühjahr und Sommer, der Kampf gegen Diabetes geht weiter.

Freitag, 29. März 2024

Hartmudo: Superwumms

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Ich erzählte Phineas Freak von meinem unerquicklichen Besuch beim Psycho Doc und konnte so schön einmal etwas Frust loswerden. Und verfiel eben nicht in Verzweiflung, wie bereits erwähnt. Anschließend liefen wir zu Fuß nach Hause, will sagen nach Lehndorf. Also ich nach Hause und er zu seinen Eltern.
Nasskaltes Wetter, grauer Himmel - doch mit ca. 10° Celsius zu warm für einen Februar. Auf dem Weg gerieten wir in ein richtig schönes Quatschen hinein; ähnlich dem Walk mit seinem Vater Charles eineinhalb Wochen zuvor.
Wie so häufig in meinem Leben sind es zumeist diese schönen Momente mit anderen Menschen, die mich aus schlechten Stimmungen oder vermeintlichen Schicksalsschlägen herausgeboxt hatten. Das ich hinterher, nachdem wir uns vor der Wohnung seiner Eltern verabschiedet hatten, zu Hause nicht vor Hoffnungslosigkeit zusammenbrach, hatte allerdings noch einen weiteren Grund.
Denn nach dem Verlassen der Praxis hatte ich noch im Gebäude des Schloss Carrees meinen Hausarzt angerufen und um einen kurzfristigen Termin gebeten. So niedergeschlagen ich in jenem Augenblick auch gewesen war, aber ich brauchte da sofort eine Lösung oder zumindest eine Aussicht auf diese.
Ich mag ein schlaffer alter Sack sein und äußerst faul obendrein, aber die Gene meiner Mutter brechen bei Druck oder Fehlschlägen automatisch durch, da kann ich nicht anders. Da werde ich zum unerbittlichen Kämpfer, insbesondere, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle oder verarscht vorkomme.
In diesem Fall hatte ich mir mit dem Termin beim Hausarzt am Donnerstag einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer verschafft. Dies und der angenehme Vormittag mit Phineas Freak hielten mich auch bis zur Nacht aufrecht.
Dienstag 14. Februar. Nach dem Schock vom Vortag hatte ich dann wohl doch noch halbwegs schlafen können, andernfalls hätte ich mir das gemerkt und aufgeschrieben. Zum Glück blieb mir auch heute keine Zeit zum Grübeln und Suhlen in meiner Angst. An diesem Valentinstag waren wir mit Dora und Herbert zum Frühstück verabredet.
Hierfür hatten wir vier Plätze im Panorama Café zum Valentinsfrühstück reserviert und Dora und Herbert im Vorfeld den Mund reichlich wässrig gemacht. Und auch ich durfte mich angedenk unseres Besuches in Gifhorn in der Vorwoche auf einen schönen Tag freuen.
Beim Einstieg in Herberts Auto strahlte ich über beide Backen und bekam fast schon einen Laberflash. Der verging glücklicherweise während der Fahrt; nicht, weil ich wieder panisch wurde, sondern weil es mir selbst schon etwas peinlich war und mich demzufolge zurücknahm. Ja, diese Stimmungsschwankungen. Typisch bei Depressionen - das wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Im Panorama Café angekommen, wurden wir von den Betreibern sehr herzlich begrüßt. Insbesondere die Chefin zeigte sich gutgelaunt. Ihre Freude war ansteckend, zumal unser Tisch auch sehr liebevoll eingedeckt worden war.
Für jeden am Tisch befand sich eine Lindor-Kugel in einem Schälchen in der Mitte des mit einem weißen Tischtuch eingedeckten Tisches. Als Starter gab es ein Gläschen Fruchtsekt; pro Paar war eine Flasche im Arrangement vorgesehen.
Nahezu gierig plünderte ich kurz darauf eine der Schalen mit dem Rührei. Wenigstens schaffte ich es noch, mir ein Brötchen mit Butter zur Begleitung des Rühreis zu schmieren. Die schönen Valentinskarten hatten wir nur überflogen und gleich eingesteckt.
Auch Dora und Herbert zeigten sich von der Qualität des Frühstücks begeistert, so dass wir alle das Frühstück genüsslich angehen konnten. Das wohl größte Lob erhielten die selbstgemachten Marmeladen. Spätestens seit dem Valentinstag im Panorama Café hatte ich meine alte Liebe für Marmeladenbrötchen neu entdeckt und greife da auch heute noch gern zu. Jahrelang hatte ich mir diesen kulinarischen Hochgenuss zur Zuckervermeidung verkniffen. Warum eigentlich?
Als Leckerei und krönenden Abschluss des Frühstücks gab es noch ein kleines, selbstgebackenes Törtchen in Herzform. Keksboden, Frischkäsecreme mit einer roten Fruchtglasur - genau das Richtige für uns vier Leckermäulchen. Nach dem Bezahlen des zugegebenermaßen nicht preiswerten Frühstücks gaben uns die Betreiber die zweite, nicht angefangene Flasche Fruchtsekt mit auf den Weg.
Das war schon mal ein guter Start in den Morgen gewesen, natürlich noch nicht das Ende des Tages. Da wir uns schon einmal in Gifhorn befanden und das Wetter klar und sonnig war, bot sich ein Verweilen in der Fußgängerzone an. Ich selber war schon längere Zeit nicht dort gewesen und unwillkürlich überrascht, dass dort noch einige vom Inhaber geführte Fachgeschäfte existieren. Aber wie das so ist: Ein knappes Jahr später kann ich mich lediglich an den örtlichen Woolworth erinnern.
Während Herbert und ich uns im Eingangsbereich angeregt unterhielten, befanden sich unsere Frauen auf Beutefahrt in der Billigkonsumhölle. Anschließend gingen wir die Fußgängerzone einmal rauf und runter. Irgendwann war mir aufgefallen, dass ich mich die ganze Zeit weder matt noch abgeschlagen gefühlt hatte, mein Puls lief ruhig, Herzrasen war absent.
Zum Abschluss unseres gemeinsamen Tages gönnten wir uns noch Kuchen vom Bäcker, den wir bei uns zu Hause verspachtelten. Es war noch hell gewesen, als Dora und Herbert nach Hause gefahren waren. Auch über die Dämmerung blieb ich vom Herzrasen verschont. Sollten sich meine Probleme wie schon 11 Jahre zuvor von alleine gelöst haben?
Weit gefehlt; als ich abends vor dem ZuBettgehen vor dem Fernseher gesessen hatte, erwischte es mich vollkommen unvorbereitet. Aus blitzheiterem Himmel ereilten mich Schnappatmung und Herzrasen.
Zunächst steigerte ich mich noch verstärkt hinein, weil ich von dem Ende meiner überaus guten Laune so richtig frustriert war. Ich zermarterte mir das Hirn, weil ich nicht begreifen konnte, woher dieser Stimmungsumschwung kam.

Mittwoch, 27. März 2024

Uncle Fester: grad gelesen März 2024

Adrian Tchaikovsky - Die Feinde der Zeit
Vor zwei Jahren hatte ich die ersten beiden Bände dieser Triologie gelesen, jetzt endlich konnte ich diesen Zyklus zum Abschluss bringen. Zur Erinnerung: Der erste Band war noch gut, der zweite dagegen eher zäh und ledrig. Dagegen ist der Abschluss dieser Triologie äußerst gut gelungen. Selbst aktuelle Bezüge, hier: Fremdenfeindlichkeit eines Mobs aufgrund von berechtigten Existenzängsten, hat der Autor hier einarbeiten können.
Schauplatz des Geschehens ist der Planet Imir. Das vor Tausenden von Jahren begonnene Terraforming Projekt auf Imir erwies sich nicht als umfänglich erfolgreich. Der Kommandant Heroest Holt konnte nur wenige Crewmitglieder seiner Arche Enkidu auf den „halbfertigen“ Planeten bringen, denn der Arche ging die Energie aus, darüber hinaus wurde sie dank einer Kollision beschädigt.
Mit wenigen verbliebenen Ressourcen schaffte es die sechsköpfige Crew, eine Zivilisation zu begründen. Nach und nach konnten wenige der im Tiefschlaf befindlichen Menschen aufgeweckt und auf dem Planeten gebracht werden.
Flora und Fauna auf dem Planeten waren mit den Menschen nicht kompatibel gewesen; die aus dem geschädigten Genpool notdürftig eingebrachte irdische Flora und Fauna breitete sich zunächst gut aus, so dass die Zivilisation eine Blütezeit erlebte. Doch als die Mutationen unter der einzig ausgebrachten Käfersorte - die gesamte Artenvielfalt war immanent - sich dank fehlender Fressfeinde immer weiter ausbreitete und die Ernten der Farmen vernichtete, brach die Zivilisation nach und nach zusammen.
Und mitten im Niedergang kommen dann die bekannten Protagonisten aus den ersten beiden Bänden ins Spiel. Nicht in ihrer Gestalt als Insekten oder Tintenfische, sondern als Menschen. Denn nach den ersten beiden Bänden sind alle lediglich in digitaler Form existent. Deshalb konnten sie leicht in Androidenkörper geladen werden und sich unbemerkt unter die Bewohner von Imir mischen.
Angeführt von Miranda, welche als Lehrerin in der einzigen Stadt arbeitet, versuchen unsere Freunde des Portiiden-Schiffes Skipper die scheinbar letzten ursprünglichen Menschen vor dem Untergang zu bewahren. Hier baut der Autor einen beängstigend aktuellen Bezug in den Roman ein.
Denn die Bewohner von Emir haben sich mit dem zunehmend abnehmenden Lebensstandard immer weiter zurück entwickelt und sind abergläubisch geworden. Schließlich nehmen Sie die Crew der Skipper gefangen und lynchen sie auf dem Dorfplatz.
Auch in der Realität lässt sich aktuell leider beobachten, das die Masse der Menschen - aufgehetzt von Politik und Medien - dazu tendiert, andere Meinungen zu diskreditieren. Zum Glück sind wir hier noch nicht beim Lynchen.
Nur das Mädchen Liff hat Mitleid mit diesen Außenseitern; Miranda war nicht nur ihre Lehrerin, sondern auch eine gute Freundin. Die ganze Zeit träumt sie von ihrem Großvater Heroest Holt, der einst aufgebrochen war, um die Hexe zu jagen, welche für die Missernten verantwortlich sein soll. Doch diese ist lediglich die Inkarnation der Terraformerin Avrana Kern.
Der gesamte Plot ist verwirrend und erscheint diffus, doch am Ende erlöst uns Tchaikovsky und liefert uns die traurige Erklärung der Geschehnisse. Denn die gesamte Siedlung wurde von einer Maschine simuliert, welche sich auf dem Planeten befindet oder der Planet selber ist.
Die digitalisierte Crew das Skipper konnte hier gut eingebaut werden; auch die beiden Raben, welche eine neue Art der Intelligenz in die Geschichte einbringen. Und diese können zusammen mit Avrana Kern die Crew aus der Simulation befreien.
Das Mädchen Liff stellt sich als letzter lebender Mensch auf dem Planeten heraus und muss am Ende elend verhungern. Aber dies ist immer noch nicht das richtige Ende. Wenn du diesen Roman liest, wirst du den Rest noch erfahren.
Aufgrund des überraschenden Endes musste ich an Philip K. Dick's „Irrgarten des Todes" denken, welcher ebenfalls im Verlauf seiner Geschichte immer wieder unlogische Handlungsverläufe zu bieten hat. Und auch bei Tchaikovsky werden diese am Ende abrupt logisch verständlich. Ein würdiger Abschluss der Triologie, ohne allerdings die beklemmende Atmosphäre von Philipp K. Dick erreichen zu können.

Thomas Brussig - Mats Hummels auf Parship
Dieses dünne Büchlein mit knapp 140 Seiten hatte ich zusammen mit einem interessanten Roman dieses Autors auf Verdacht gekauft und musste es nicht bereuen. Das Buch beinhaltet drei Monologe des Autors, welche über die Jahre entstanden sind.
Ohne Absätze - quasi ohne Punkt und Komma - erklärt uns Brussig die Welt aus der Sicht eines ostdeutschen Fußballtrainers. Und dieser Amateurtrainer ist ein Wutbürger, wie er im Buche steht. Egal ob Corona, die Finanzkrise oder das allgemeine Zusammenleben in der Gesellschaft: Mit einer nonchalanten Leichtigkeit erklärt uns der Trainer anhand des Fußballspiels und seiner Protagonisten die Welt.
Und es passt, verblüffenderweise. Diese Sichtweise des Lebens ist ja genau meine, deshalb brauchte ich für die ersten beiden Monologe auch nur zwei Abende. Im dritten Monolog wird dies alles aus der Sicht eines Schiedsrichters geschildert. Dieser ist kein Wutbürger und schon ist der Zauber dahin.
Nach wenigen Seiten musste ich die Lektüre abbrechen, denn die schon klinisch zu nennende Objektivität langweilt ungemein. Mal sehen, wie der Roman so ist.

Samstag, 23. März 2024

Warum spielt denn der Poldi nicht?

28
Nach dem Wechsel brachte Wilmots mit Fellaini einen neuen Spieler. Der sah zwar aus wie eine laufende Klobürste, war aber dank seiner 1,93 Meter Körpergröße im gegnerischen Strafraum erster Abnehmer für die hoch hinein geschlagenen Flanken der Belgier.
Wieder starteten die Belgier besser ins Geschehen, Lukatu vergab aber völlig frei per Kopf aus 6 Metern. Bald darauf drehte ein Konter der Waliser das Spiel. Bale schlug einen langen Ball zu Ramsey auf den rechten Flügel, niemand hinderte diesen an der flachen Hereingabe zu Robson-Kanu. Das der überhaupt den Ball am Elfmeterpunkt bekam, war schon nachlässig. Als er dann noch mit einer simplen Körpertäuschung gleich drei Belgier ins Leere laufen ließ und den Ball trocken ins Tor schoss, stand es auf einmal 2:1 für den Außenseiter.
Ausgerechnet Robson-Kanu, der bei Reading in der 2. englischen Liga gespielt und für die neue Saison keinen Vertrag mehr erhalten hatte. Er hatte sich den Treffer durch seine ständigen Attacken über die rechte Seite verdient. Er versuchte es unermüdlich und war ein ständiger Unruheherd für die belgische Abwehr.
Spätestens jetzt waren die Belgier überfordert, sozusagen mit ihrem Latein am Ende. Ihnen fiel nichts mehr ein, außer den hohen Flanken auf Lockenköpfchen Fellaini passierte da gar nichts. Die Waliser standen im Gegensatz zu den Belgiern hinten sicher und zeigten ihnen 5 Minuten vor dem Abpfiff, wo der Frosch die Locken hat.
Gunter kam auf der rechten Seite ungehindert zur hohen Hereingabe für den kurz zuvor eingewechselten Vokes. Der Stürmer vom FC Burnley lief sich geschickt frei und brachte seinen Kopfball schulmäßig im gegnerischen Gehäuse unter. Der Jubel der walisische Fans, die auf dieser Seite des Stadions standen, kannte jetzt keine Grenzen mehr. Bis zum Schlusspfiff skandierten sie ihren Song. Mit dem 3:1 war klar, das sie noch nicht zur Arbeit müssen und weiter das französische Bier trinken dürfen.
Die trinken ja bekanntlich alles, diese Briten. Die Szenen nach dem Ende dieser sehr guten Partie waren herzzerreißend und zauberten nicht nur einigen Waliser, sondern auch uns die Tränen vor Rührung ins Gesicht. Wir haben es den Waliser von ganzem Herzen gegönnt. Trotz ihrer überschaubaren technischen Fähigkeiten arbeiteten sie als Team, jeder kämpfte für den anderen mit. Vor dem Tor agierten sie eiskalt und nutzten ihre Chancen.
Wales ist sensationellerweise das torhungrigste Team dieser Europameisterschaft. Alle Fachleute sagten vorher, das sie außer Bale nach vorne nichts bringen würden. Auch hier sieht man erneut, das gut dotierte Einzelkönner den Sieg nicht garantieren. Die Belgier mit ihren Stars spielten eher gegen- als miteinander, so kann das nicht funktionieren.
Mit einem Team aus Namenlosen hatte schließlich auch Leicester kürzlich den Titel in England geholt. Vor allem heute war von Superstar Bale nicht so viel zu sehen. Während des bisherigen Turniers hatte er sich immer dem Team untergeordnet, anders als Ronaldo. Und damit machte er seine Mitspieler stark.
Am Mittwoch kommt es im ersten Halbfinale beim Duell Portugal gegen Wales zum so nicht erwarteten Aufeinandertreffen beider Stars von Real Madrid. Ronaldo versus Bale, wer wird hinterher jubeln? Die Diva CR7 oder der Mannschaftsspieler Bale? Wir sind gespannt und freuen uns heute erst mal mit den Walisern.
Schade ist es um die Belgier, denen ich mehr zugetraut hätte. Aber heute hatten sie den Fehler gemacht, sich nach dem 1:0 hintenreinzustellen. Sie sind lediglich im Angriff stark, nicht in der Defensive. Das Ausscheiden haben sie sich selbst zuzuschreiben. Zum 2:1 noch ein Kommentar von Olli Kahn nach dem Spiel: "Das hätte der Holger Stanislawski mit seinen 46 Jahren noch besser verteidigt."
Genau so ist das. Morgen kommt dann mit Deutschland gegen Italien der Kracher schlechthin.