Samstag, 23. September 2017

Hartmudo Spezial: Mutter

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Obwohl ich heute frei hatte, war der ganze Tag gut mit Terminen gefüllt. Die Beerdigung von Jopi's Vater und das Gespräch mit Mutters Hausarzt standen ganz oben an. Obwohl der Anlass des von mir genommenen Urlaubstages nicht so schön war, war ich trotzdem guter Dinge am frühen Morgen. Ich konnte endlich ausschlafen, was ganz gut kam nach all dem Stress gestern.
Nachdem meine Löwin zur Arbeit weggeritten war, machte ich es mir mit einem Kaffee und Toast gemütlich. Dazu schaute ich die vierte Staffel von House of Cards weiter, denn ich hatte noch genügend Zeit bis zur Trauerfeier von Jopi's Vater. Die war ja erst so gegen 11.00 Uhr angesetzt.
An diesem Vormittag schaffte ich zwei Folgen von House of Cards, dieser göttlichen Serie, die meiner Ansicht nach die Wahl von Hillary Clinton zur US Präsidentin verhindert hatte. Claire und Frank Underwood erinnern halt sehr stark an Hillary und Bill Clinton. Unmittelbar danach warf ich mich in Schale. Schwarzes Sakko, schwarze Hose, schwarze Schuhe, schwarzer Binder und natürlich das weiße Hemd von Walbusch.
Zwischendurch erhielt ich zur Abwechslung eine WhatsApp von Sunny. Sie und Berta wollten an diesem Nachmittag Mutter besuchen. Sie wies mich an, auf keinen Fall beim Arzt eine Einweisung von Mutter ins Hospiz auch nur zu fordern, geschweige denn zu veranlassen. Für Sunny lag Mutter noch nicht im Sterben. Den Wunsch, eine eventuelle Einweisung in ein Hospiz mit Mutter vorher noch selbst besprechen zu wollen, konnte ich nachvollziehen und schluckte meinen leichten Groll hinunter, weil Sunny mir schon wieder vorschrieb, was ich zu machen habe, anstatt es selbst zu erledigen, denn mitzukommen hielt sie ja auch am Vortag nicht für nötig.
Mitten in einer Folge House of Cards, als sich Francis und Claire Underwood gerade mal wieder angifteten, rief auf einmal Berta an. Ich hatte sie am Vorabend noch aus dem Keller von Herbert während dessen Geburtstagsfeier angerufen, aber es war andauernd besetzt.
Jetzt erfuhr ich endlich, warum ich Berta am Donnerstag Abend nicht erreichen konnte. Berta hatte am frühen Abend mit Gundula gesprochen und hinterher den Telefonhörer nicht richtig aufgelegt. Da konnte ich ja lange anrufen. Auch Berta bot ich an, heute zum Hausarzt um 14.00 Uhr mitzukommen. Gerade wenn es um eine mögliche Überstellung ins Hospiz geht, wäre es sicherlich für meine Schwestern interessant gewesen.
Und zumindest Berta hatte Interesse, beim Hausarzt mit dabei zu sein. Gerade wegen einer möglichen Überstellung von Mutter in ein Hospiz wollte Berta unbedingt mitkommen und schaufelte sich den Termin frei. Um 14.00 Uhr wollten wir uns vor dem Eingang des Arztes im Einkaufszentrum von Melverode treffen. Ich war hocherfreut, das Berta mich begleiten wollte. Vier Ohren hören halt mehr als zwei.
Da ich dankenswerterweise den Polo von Phil noch zur Verfügung hatte, konnte ich zielgenau losfahren und war ca. 5 Minuten vor Beginn der Trauerfeier in der Bonhoefferkirche in Melverode, wo ich seinerzeit auch konfirmiert wurde. Als ich kurz danach vor der Kirche stand, wunderte ich mich. Nanu, alles dicht? Was war denn jetzt los?
Da fiel es mir wieder ein: Die Trauerfeier fand nicht in der großen Kirche im Einkaufszentrum, sondern in der kleinen Nicolaikapelle an der Leipziger Straße statt. Blitzschnell ging ich zum Polo, fuhr die kurze Strecke dorthin und hatte noch riesiges Glück, dass ich genau gegenüber dem Eingang zur Kapelle einen freien Parkplatz erwischen konnte. Schnell huschte ich in die Kapelle rein, gleich nach mir wurde die Tür geschlossen.
Der nächste freie Platz war meiner. Ich schnappte mir eins von den Gesangbüchern und lauschte gedankenverloren der Andacht des Pastors. Ja, ich kannte Jopi's Vater, aber dank der liebevollen Zusammenfassung seines Lebens durch den Pfarrer habe ich Sachen über ihn erfahren, die ich als Kind oder auch Jugendlicher nie wusste. Der „Herr Doktor", wie mein Vater ihn immer spöttisch ob seiner akademischen Bildung und offensiv zur Schau gestellten Intellektualität nannte, war begeisterter Wanderer und jahrelang Kirchenvorstand in Melverode gewesen. Nach dieser Rede habe ich dank des Pfarrers ein rundes Bild von Jopi`s Vater gewinnen können.
Nach ca. einer halben Stunde war die Show vorüber und es kam zum großen Handshaking vor der Kirche. Die Trauerfeier, landläufig auch Leichenschmaus genannt, hatte Patti für Jopi und Edith in Helenas Bistro organisiert, da beide dies von Köln bzw. Aachen aus schlecht organisieren konnten.
Gerne setzte ich mich noch mit dazu und versuchte, an den toten Vater im Gespräch zu erinnern. Jopi's Sohn konnte hierbei kurz bestätigen, das sein Opa früher gerne Sportschau geguckt hatte. Diese mir sympathische Seite des Verstorbenen war mir völlig neu. Leider konnte ich diese Unterhaltung nicht am Laufen halten, was auch meiner eigenen Nachdenklichkeit wegen Mutter geschuldet war. Mit Jürgen, der ja Schwiegersohn ist und neben mir saß, konnte ich dafür wenigstens noch über alte Geschichten aus unserer Jugend schwätzen.
Kurz vor 14.00 Uhr verabschiedete ich mich und brachte noch kurz Patti und den Vater von Ronja nach Stöckheim. Anschließend fuhr ich direkt zum Hausarzt von Mutter. Im Einkaufszentrum Melverode angekommen, stürzte ich überfallartig in die Pizzeria La Vita, weil ich ganz dringend puschern musste. Das La Vita ist gegenüber vom Hausarzt gelegen. Ich bot dem Wirt 50 Cent fürs Pinkeln an, die dieser aber nicht annehmen wollte. Lachend winkte er ab.
Berta trudelte gerade ein, als ich nach dem Toilettengang aus der Pizzeria in Richtung Hausarzt gehen wollte. Das passte ja vorzüglich. Die Sprechstundenhilfe platzierte uns ins Wartezimmer. Hier erzählte mit Berta, das sie Sunny gegen 15.00 Uhr von zu Hause aus abholen wollte, um mit ihr Mutter zu besuchen. Als wir schon mehr als eine halbe Stunde im Wartezimmer herumsaßen, rief ich Sunny an, damit sie wusste, warum sich Berta verspäten würde.
Unmittelbar nachdem ich ihr erzählt hatte, wo Berta und ich waren, fing sie sofort an zu hyperventilieren. Sie beschwerte sich lauthals darüber, das Berta mit dabei war und fühlte sich mal wieder übergangen. Auf einmal wäre sie doch mitgekommen. Genervt reichte ich mein Smartphone an Berta weiter, die ihrerseits begann, ins Handy zu brüllen.
Sie erklärte Sunny das Malheur mit ihrem Telefon am Vorabend, weil sie den Hörer falsch aufgelegt hatte, aber Sunny zeigte sich zickig. Um es kurz zu machen: Die beiden waren hinterher wohl noch bei Mutter in dem Heim und konnten sich davon überzeugen, das die Spritzen notwendig waren. Mutter dämmerte nur noch gedankenverloren vor sich hin, heute weiß ich, dass da schon der Sterbeprozess begonnen hatte.
Der Arzt erschien erst nach einer Stunde Verspätung und erklärte Berta und mir in einem längeren Monolog den Krankheitsverlauf von Mutter. Der Leberkrebs hatte mittlerweile Metastasen gebildet. Die Haut war derart brüchig, das das Abreißen eines Morphiumpflasters die empfindliche Haut mit heruntergerissen hätte. Von schwächeren Tabletten wie z.B. Ibuprofen und ähnlichen Dingen war gar nicht mehr zu reden, dazu war die Leber zu schwach und die Wirkung nicht mehr ausreichend.
Es sei ein Wunder, das sie überhaupt noch so lange schmerzfrei geblieben war. Bei diesem Satz dämmerte mir endlich, das Mutter wahrscheinlich schon die ganze Zeit unter Schmerzen litt und dies nicht zugeben wollte, weil sie den Tod kommen sah, es aber nicht wahr haben wollte. Vielleicht aber wollte sie uns Kinder nicht beunruhigen.
Als ich nach dem Hospiz fragte, schüttelte der Arzt nur mit dem Kopf. Denn der Sterbeprozess habe noch nicht angefangen. Es könnte gut sein, das Mutter noch ein paar Monate zu leben hat. Oder Wochen, Tage... Auf die nüchterne Art, wie er dies beschrieb, machte er auch Berta klar, das wir uns nicht mehr lange an Mutter erfreuen dürften.
Und da er dann noch davon abriet, Mutter in ein anderes Heim - also das Curanis in Stöckheim - zu verlegen, auf keinen Fall ins betreute Wohnen, weil nunmehr ein erhöhter Pflegebedarf besteht, da war eigentlich alles klar. Für mich reichten diese Ansagen, ich brauchte Mutter nicht zu sehen, um mir über das Für und Wider einer Morphiumspritze Gedanken zu machen.
Da Mutter wahrscheinlich nur noch ein paar Wochen zu leben hatte, sind Morphiumspritzen besser, als wenn sie (weiter) Schmerzen leiden müsste.Der Hausarzt erklärte sich sogar bereit, bei Bedarf eine Einweisung in die Palliativmedizin in den Marienstift zu helfen. Im Marienstift fühlte sich Mutter in der Vergangenheit bekanntlich immer gut aufgehoben.
Im Nachgang war es 100prozentig schade, dass Sunny bei diesem Gespräch nicht zugegen war. Vielleicht hätte Berta Sunny einfach nur 4 Stunden früher anrufen sollen, als dass ich Sunny ein paar Minuten, bevor Berta sie abholen wollte, alibimäßig anklingelte. Dann wäre Sunny auch mit dabei gewesen und wäre wie Berta und ich mit der bitteren Wahrheit konfrontiert worden.
Der anschließende Besuch beider Mädels bestätigte letztlich die Einschätzung des Arztes. Aber Sunny fehlte wohl genau dessen Ansagen, die sie so nur aus „zweiter Hand" erhielt. Es kann gut möglich sein, das sich anschließend vieles anders entwickelt und wir in der Folge unseren Familienfrieden nicht zerstört hätten.

Dienstag, 19. September 2017

Contramann: Autostrada 2

Kommen wir gleich zu meiner nächsten These, die da lautet: Kein privates KFZ mit einem Motor, der größer als 300 ccm ist. Meinetwegen auch 400, aber mir geht es einfach nur darum, den PS Wahnsinn einzudämmen. Wenn so ein Auto lediglich 20 - 30 PS hat und damit maximal 80 bis 100 km/h schnell fahren kann, dann wäre ich schon zufrieden. Oder hieße das gar 200 ccm? Das wäre noch ein Thema für die Techniker.
Mit Schrecken muss ich seit Jahren mitansehen, dass selbst ein popeliger VW Polo mit mindestens 90 PS unterwegs ist. Das so ein „schwacher" Motor überhaupt noch gebaut wird... 120 - 150 Pferdestärken sind bei Neuwagen ja schon Standard. Und hört mir auf mit Kilojoule! Diese Bezeichnung steht im Fahrzeugbrief / -schein, aber wer denkt schon in dieser Maßeinheit?
Als wenn das nicht genug wäre, kommen zu den hohen Preisen für einen Neuwagen noch die Reparaturkosten. Heutzutage muss man ja selbst mit einem Lampenwechsel in die Werkstatt fahren; selbst ein technisch Unbegabter wie ich konnte dies an seinem ersten VW Käfer noch selbst erledigen.
Reparaturen sind eben einfach zu teuer. Wir brauchen Autos, die man auch selbst reparieren kann. Auch wenn dies aus Sicherheitsaspekten weiterhin über Vertragswerkstätten, die für eine Verkehrssicherheit garantieren können, erfolgen sollte, gilt es auch dort, die Kosten für den KFZ Besitzer gering zu halten.
Dies alles ist für den Einzelnen auch stemmbar, wenn das KFZ im Neupreis wesentlich günstiger angeboten wird. Renault kann da mit seiner Marke Dacia als Vorreiter gelten. Allein das Beispiel Dacia zeigt auf, dass in der Preisgestaltung der anderen Fahrzeughersteller noch Luft sein müsste, um den Kauf eines Neuwagens attraktiv zu gestalten.
Dies alles wird im Moment noch durch ein verzwicktes Leasing-System der großen Hersteller übertüncht. Versteckte Kosten beim Beenden des Leasings, und seien es nur Lackschäden, werden auf den Leasingnehmer abgewälzt. Neuwagen zum Kaufen sieht man zumeist in Geschäftsflotten oder eben als Geschäftsfahrzeuge kleinerer Unternehmer, die diese Kosten wiederum über die Steuer absetzen können. So ist sichergestellt, dass die Automobilkonzerne ihre fetten Gewinne notfalls über eingesparte Steuern indirekt auch von Menschen erhalten, die gar kein Auto besitzen.
Es lassen sich sicherlich noch mehr Argumente finden, die gegen die momentan gängige Praxis der Nutzung privater KFZ sprechen. Aber eins dürfte festzustellen sein: Beschränkt man allein nur die Größe des Motors, so dass die Autos mit maximal 80 bis 100 km/h schnell sind, entfällt die Notwendigkeit der übermäßig großen Karosserien. Ob der KFZ Besitzer dann noch Schnickschnack wie heizbare Lenkräder oder Sitze braucht, wenn er begreift, dass ein Auto lediglich ein Transportmittel ist und eben kein zweites Wohnzimmer, wäre meine große Hoffnung. Am Schluss dieser Überlegung stünde dann ein total abgespecktes Produkt, welches nicht teurer als 3000,-€ sein sollte. Da gehen dann auch Reparaturkosten einer Werkstatt in Ordnung.
Ich bleibe bei meiner These: Innerhalb von Städten sollten Fahrrad oder öffentlicher Nahverkehr eine ausreichende Mobilität sicherstellen können. Mittelfristig sollten wir Städter uns schon mal von unserer Bequemlichkeit verabschieden, ehe diese vollends in den Blechlawinen versinken. Hierzu habe ich noch einen schönen Beitrag gefunden:
http://www.neulandrebellen.de/2017/09/frankfurt-den-frankfurtern/
Eine innerstädtische Maut zur Finanzierung eines kostenfreien Pendelverkehrs mit Bussen von großen Parkplätzen am Stadtrand in die Innenstädte wäre da vielleicht ein Ansatz, der die Pendler von außerhalb langfristig in den öffentlichen Nahverkehr treibt. Im Idealfall zahlt dann niemand mehr die Maut, weil alle die Pendelbusse nutzen. Dann würde halt die öffentliche Hand den Pendelverkehr finanzieren müssen. Die Gesundheit der Städter sollte uns das wert sein.
Ehe ich jetzt noch weiter aushole: Natürlich habe auch ich ein Auto und möchte nicht darauf verzichten. Aber ich pendle bereits mit dem Nahverkehr und Fahrrad ins Büro, möchte jedoch auf die Bequemlichkeit eines Autos und die daraus folgende Mobilität nicht verzichten. Das eine Fahrt zu Freunden nach hinter Hildesheim oder Bad Harzburg mit den „Öffis“ beschwerlich ist, weiß ich doch selber. Lediglich innerhalb der Stadt bin ich bereit, des nächtens ein Taxi zu bezahlen.
Doch irgendwo müssen diese Überlegungen zur Eindämmung des Autowahnsinns ja beginnen. Eine Karre mit den Ausmaßen eines Smart, nur mit geringerem Motor und einem entsprechend niedrigen Kaufpreis, würde mir schon reichen. Damit dauert es zwar länger bis hinter Hildesheim, aber das wäre zumutbar.
Das Problem mit gewerblichen KFZ- wie LKW-Verkehr habe ich mal vollkommen außen vor gelassen. Wie gesagt… erst mal anfangen, nicht gleich alle Probleme auf einmal lösen wollen. Die Zukunft stelle ich mir im Übrigen wie bei den Jetsons (geile Serie aus dem Jahre 1962) vor. Da werden die Städte nach oben gebaut, da braucht man eher Fahrstühle statt individuell überdimensionierter Luftverpester. Schade, dass ich diese Zukunft nicht mehr erleben werde.

Donnerstag, 14. September 2017

Contramann: Autostrada 1

Das kennen wir doch alle. Du sitzt als Beifahrer im Auto, oder auf dem Rücksitz. Plötzlich klingelt Dein Smartphone, weil Dein Kumpel Dir eine WhatsApp Nachricht geschickt hat. Auf die möchtest Du natürlich sofort antworten. Die Tastatur klappt am unteren Rand des Bildschirms auf und Du schreibst Deinen Text.
Das heißt... Du möchtest Deinen Text schreiben, aber der Fahrer muss bremsen, in die Kurve fahren oder fährt auch einfach nur auf der Straße, die immer ein wenig die Stoßdämpfer reizt. Der Fahrer merkt es nicht, da er das Lenkrad fest umschlossen hält.
Sicherlich ist dieses Beispiel mit dem Handy an sich ein Luxusproblem. Aber an diesem Beispiel ist mir nach der ganzen Diskussion um „Dieselgate“ erst so richtig bewusst geworden, dass in der Entwicklung des Automobils noch viel Luft nach oben ist. Oder um es überspitzt zu sagen: Über die Jahre und Jahrzehnte sind die Autos immer mehr vergrößert und stärker motorisiert worden. Die stärkere Motorisierung wurde wegen der größeren und damit schwereren Autos notwendig. Denn da mittlerweile jede Nuckelpinne mindestens 160 km/h schnell ist, musste der Schutz der Autofahrer (Seitenairbag & Co) verbessert werden. Also wurden die Karren breiter und schwerer, wodurch wiederum ein stärkerer Motor…
Wir haben hier also die Geschichte von der Henne und dem Ei. Das sich diese hochwichtigen Verbesserungen natürlich auch im Pricing der Neuwagen bemerkbar macht, verwundert da nicht. Doch anders noch als im wundervollen Citroen DS, wo ich, hinten rechts sitzend, auf der relativ breiten Türablage auf der Autobahn noch einen dreiblättrigen Joint drehen konnte, kann ich heutzutage selbst in teureren Kisten nicht einmal mehr eine Whatsapp fehlerfrei eintippen. Diesbezüglich ist in der Autoentwicklung bislang nichts passiert. In meinem ersten Auto, einem VW Käfer 1302 mit Baujahr 1971, saß ich nicht schlechter als in einem Passat oder Daimler neueren Herstellungsdatums. Und trotz der von außen sichtlich größeren Karosse habe ich im „optimierten“ Innenraum nicht nur gefühlt weniger Platz als vor 40 Jahren.
Der einzige Vorteil, den ein neues Vehikel überhaupt haben könnte, wäre ein geringerer Spritverbrauch und eine bessere Umweltverträglichkeit. Der geringere Spritverbrauch ist durch die immer stärkeren Motoren und das größere Gewicht nicht wirklich realisiert worden, und wenn, dann überhaupt marginal. Jetzt kommt noch das Rumgeeiere um die Abgaswerte, insbesondere beim Diesel, hinzu, woran man die Farce um die angeblich guten Abgaswerte als eine ebensolche erkennen kann.
Völlig losgelöst von jeglicher Sachkenntnis und technischem Know How erlaube ich mir die Feststellung, dass die momentane Diskussion um eine Verbesserung der Abgaswerte von Dieselmotoren durch ein Softwareupdate am Thema vorbei geht. So ist bislang in keinster Weise berücksichtigt worden, wie sich die Softwareänderung auf einzelne Teile der Abgasanlage auswirken wird. Wenn dann einzelne Verschleißteile deshalb schneller abrauchen sollten, kommen auf den Fahrzeugbesitzer zusätzliche Ausgaben hinzu. Die Vertragswerkstätten mögen sich ja freuen, aber ob dies alles so umweltgerecht wäre, bezweifle ich stark.
Dies nur am Rande, wie gesagt. Denn das Übel geht schon damit los, dass die Autos einfach zu groß geworden sind. Die Einstellplätze in Garagen wie Parkhäusern werden ja nicht breiter, bloß weil die Karren dank der sich ausdehnenden Karossen immer protziger aussehen müssen. Selbst normalgewichtige Menschen haben inzwischen im Parkhaus beim Aussteigen das Problem, dass sie die Tür nur noch einen Spalt öffnen können, um sich dann mit gequältem Gesicht aus ihrem Auto zu zwängen. Von der permanenten Angst, dass irgendjemand eine Schramme beim Aussteigen in das eigene, sehr teure Auto rammt, mal ganz abgesehen.
Da zahlen die Leute ein Heidengeld für so eine Karre, und am Ende können sie damit nicht einmal mehr in die Stadt zum Einkaufen fahren. Abgesehen davon, dass diese Autos auf den schmalen Seitenstraßen in den Städten schlecht manövrieren können. Da kommt häufig selbst der Gegenverkehr nicht dran vorbei. Sollten derartig überdimensionierte SUVs aufgrund der fehlenden Abgas Norm einem Fahrverbot für den Stadtverkehr erhalten, kann ich das nur begrüßen.
An dieser Stelle möchte ich noch das Klischee von der Helikoptermutti ausreizen. Egal, ob diese lediglich die 500 Meter bis zum Bäcker mit dem Tiguan zum Brötchenholen oder ob sie das 12jährige Kind zum Sport fährt. Solch unnötige Fahrten gilt es zu vermeiden, dann bräuchten wir uns auch nicht über erhöhte Stickstoff- oder CO2-Werte zu unterhalten. Himmel Sakra! Wir gingen zu Fuß oder fuhren Rad, als wir 12 waren!
Und da haben wir es auch schon, das eigentliche Problem. In den Städten ballt sich der Autoverkehr. Wenn ich morgens um 5.30 Uhr (!) auf die Hannoversche Straße latsche, um den Bus zum Bahnhof zu erwischen, rauschen die Autos an mir auf ihrem Weg in die Innenstadt vorbei. Berufsverkehr; Immer nur eine Person im Auto, allerhöchstens jeder fünfte hat noch mindestens einen Beifahrer an Bord.
Die 5 - 6 großen Einfallstraßen meiner Heimatstadt sind allesamt im Berufsverkehr übermäßig ausgelastet. Wenn man jetzt am Stadtrand große Parkplätze zur Verfügung stellt und einen Pendelverkehr mit Bussen und Bahnen in die Innenstadt einrichtet, könnte man eine Menge Abgase vermeiden. Das mal nur so als Denkanstoß. Das würde natürlich nur bei einem Fahrverbot für private PKWs Sinn machen. Ausnahmegenehmigungen sollten aber machbar sein.
Die Stadtverwaltung hat im übrigen auch schon Fahrradstraßen eingeführt. Das bedeutet zwar lediglich, dass Fahrradfahrer im Zweifel Vorfahrt haben, aber ein Anfang ist gemacht. Um eine Verwaisung der Innenstädte würde ich mir bei Fahrverboten weniger einen Kopf machen. Gut, als Anwohner fände ich das jetzt auch unschön, aber Probleme löst man mit These - Antithese - Synthese. Die These habe ich gerade formuliert, die gilt es zu optimieren.

Samstag, 9. September 2017

Contramann: kurz gesehen im September

Diesen Monat ist es soweit. Der neue Bundestag wird gewählt. Das ist die einzige Gelegenheit alle 4 Jahre, der Politik ijn diesem Land eine andere Richtung zu geben. Dies sage ich, obwohl ich weiß, dass sich nichts ändern wird. Frau Merkel wird ihr Amt weiter ausüben und die Alternativen sind, bis auf die Linkspartei, auch nicht besser. Aber die Linken fordern wenigstens noch eine Veränderung der Politik.
Ob sie eine Veränderung auch wirklich durchziehen würden, weiß ich zwar nicht. Aber die Konkurrenz gibt ja schon vorher auf. Da habt ihr also meine Wahlempfehlung.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autokrise-nach-dem-diesel-skandal-fahrt-fahrrad-a-1162436.html
Zuerst etwas zur Konsequenz aus dem unsäglichen Dieselskandal. Der Kommentator Hasnain Kazim hat hier ein wunderschönes Plädoyer für das Fahrradfahren als Autoersatz geschrieben. Und wie recht er hat, zumindest für den Stadtverkehr.
Akribisch beschreibt er die Vorteile des Fahrrads gegenüber dem Auto. Geringer Anschaffungspreis, niedrige Instandhaltungskosten und gesund ist es auch noch! Hartmudo setzt sein Bike bereits seit Jahren auf der Fahrt zur Arbeit ein. Natürlich nicht die komplette Strecke, denn 25 km schafft der alte Sack morgens nicht mehr.
Fahrradfahren ist natürlich nur eine Möglichkeit, das eigene Auto stehen zu lassen und den Stickstoffausstoß (Diesel) oder CO2 Nebel (Benziner) minimieren zu helfen. Das ist besser als jede Softwarelösung, mit der die Automobilindustrie uns auch weiterhin verarschen will, um uns auch in Zukunft unnötig große SUVs andrehen zu können.
Denn: Genau wie bei den Wahlen haben WIR es selbst in der Hand, Änderungen herbeizuführen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rente-mit-70-top-oekonomen-kritisieren-merkels-nein-a-1166122.html
Es ist Wahlkampf, sehr geehrte Mitbürger/-innen. Da ist unsere Noch- und sicherlich auch Weiterhin-Kanzlerin schnell mit den Versprechungen. Mit ihr wird es keine Rente mit 70 geben. Total glaubwürdig, die Frau. Sie hatte ja bereits gesagt, dass es mit ihr keine Autobahnmaut geben würde. Und schwupps, bald haben wir eine.
Aber schön an diesem Aufmacher von SPON fand ich, dass sich „Top-Ökonomen“ über diese Aussage aufregen. Michael Hüther und Marcel Fratscher, beides Lakaien der Kapitalisten (ja, ich habe meinen Lenin nicht vergessen), werden hier als Beispiele angeführt. Die „demografische Entwicklung“ sowie die „längere Lebenszeit“ würden dies erforderlich machen. Einfach so, als ob eine Finanzierung der Renten nicht anderweitig machbar wäre.
Diese Aussagen sind also eines „Top-Ökonomen“ nicht würdig. Denn fairerweise müssten diese Spezialisten dann auch erklären können, weshalb eine andere Finanzierung der Rente, sei es aus Steuermitteln oder höherer Beiträge oder was auch immer, nicht möglich sei. Sie ziehen diese Möglichkeit noch nicht einmal in Betracht. So sind ihre Aussagen unseriös.
Ich für mein Teil halte eine Maschinensteuer für alternativlos. Denn man sollte auch die zu erwartende Entwicklung des Arbeitsmarktes bedenken. Immer mehr Arbeitsplätze werden automatisiert werden, vor allem in den Büros und allgemein in der Dienstleistungsbranche. Dadurch ist auch die Mittelschicht in Deutschland bedroht, die bislang mit ihren Beiträgen Renten- wie Krankenversicherung gestützt hat.
Übrigen geht es längst nicht mehr darum, länger zu arbeiten, sondern weniger Rente zu beziehen, weil man nicht bis 70 durchhält (Altenpfleger, Bauarbeiter, etc.) oder vorher arbeitslos wird und keinen neuen Job findet, weil man angeblich zu alt ist. Dieses wurde weder von Frau Merkel noch Herrn Schulz in ihrem großen TV Duell thematisiert, so wie auch sämtliche andere sozialpolitischen Fragen ausgeklammert blieben.
Wer rettet uns vor solch unfähigen Politikern?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/populismus-wirtschaft-gut-stimmung-schlecht-wieso-eigentlich-a-1126427.html
Kurz vor Weihnachten 2016 zieht der SPON Kolumnist Henrik Müller eine Jahresbilanz und verkündet, dass es der Wirtschaft gut geht. Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt und der deutsche Staat baut Schulden ab. Und trotzdem gibt es immer wieder diese Miesepeter, die alles schlecht reden müssen. Das kann der Müller nicht verstehen.
Da helfe ich ihm gern auf die Sprünge.
Der Staat baut zwar Schulden ab, investiert aber nicht mehr in die Infrastruktur. Ob Schulen oder Instandhaltung der Verkehrswege – überall ist dringender Ausbesserungsbedarf, aber das Geld hierzu fehlt. Deutschland zehrt von der Substanz, und zumindest in der Bildung, damit auch Forschung und Entwicklung, ist der Mangel schon sichtbar. Mittelfristig verliert die deutsche Wirtschaft so den Anschluss an die anderen Nationen der 1. Welt.
Jawohl, die Arbeitslosigkeit sinkt. Im Gegenzug wächst der Bereich der Niedriglöhner bzw. Aufstocker durch Hartz IV, hinzu kommt ein Anstieg der Leiharbeit und Zeitarbeitsverträge. Wer derart prekär beschäftigt ist, vermag sich nicht wie Herr Müller an den Wirtschaftsdaten des Ifo-Instituts aufzugeilen.
Und das die Wirtschaft wächst – na und? Die Menschen, die dieses Land bevölkern, haben davon primär nichts. Nur die Investoren, die häufig genug im außereuropäischen Ausland sitzen. Erst wenn wir uns angewöhnen, die Zufriedenheit der Bevölkerung nicht mehr mit einem imaginären Wirtschaftswachstum zu verwechseln, werden wir die tatsächliche Lage einschätzen können.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fake-news-bundesinnenministerium-will-abwehrzentrum-einrichten-a-1127174.html
Dies war vor dem letzten Weihnachten nicht eine Jux Meldung a la 1. April. Nein, Thomas de Maziere, unser Innenminister, will tatsächlich eine Einrichtung im Kanzleramt aufbauen, welche die Gefahren (für wen?) durch Fake News bekämpfen soll.
Was soll denn das. De Maziere sollte lieber Chuck Norris um Hilfe bitten. Bekanntlich kann der ja das Internet abschalten. Hat unser Innenminister denn keine Berater, die ihn dahingehend mal aufklären können?

http://www.spiegel.de/kultur/tv/martin-schulz-bei-anne-will-alles-astrein-menschlich-a-1132260.html
Zum Abschluss noch ein Kommentar von Herrn Kuzmany vom Spiegel aus dem Januar, der im Nachhinein, so kurz vor der Bundestagswahl, seine ganze Komik entfaltet. „Betont aufrichtig“, „außerordentlich schlagfertig“ und vor allem „menschlich“ sei er, der Schulz, da schon der Kanzlerkandidat der SPD.
„Dass das Rennen offener ist als bei den vergangenen Wahlen“ orakelte Kuzmany nach dem ersten Auftritt von Schulz bei Anne Will. Nutzte nur alles nichts, Herr Kuzmany. Der aufrichtige Herr Schulz hat die anfängliche Aufbruchsstimmung der SPD nicht mal über das Frühjahr retten können und läuft mittlerweile Gefahr, das schlechteste Wahlergebnis der SPD bei einer Bundestagswahl zu holen.
Dank seiner ewigen Phrasendrescherei und einem nicht vorhandenen Willen zur Veränderung der Merkelschen Politik hat er sich und die SPD ins Aus gedribbelt. Anders als seine Vorgänger bei der SPD hat er noch nicht einmal einen Aufbruch in neue Zeiten versprochen.
Noch nicht einmal das.

Tschüß, Martin. Ach nee, der kriegt ja in der großen Koalition noch nen Posten. Außenminister vielleicht? Oder doch CDU mit der FDP? Der Lindner, the sexiest Man alive. Oh Mann. Wie tief ist die Qualität deutscher Politiker gesunken. Wo sind die Wehners, Straußens oder wenigsten Genscher? Ich seh da schon den Karl-Theodor zu Guttenberg durch das Berliner Regierungsviertel irrlichtern. Hilfe!

Freitag, 8. September 2017

H Lecter: Onkel Hotte 10/x

10
Die Cita ist ja als Einkaufszentrum vorwiegend für die Touristen gedacht, welches terrassenförmig angelegt ist und überwiegend Kneipen und Essläden beherbergt. Vom „Pflaumenbaum" hatte ich bereits berichtet, da waren wir an diesem letzten Abend des Urlaubs aber nicht.
Stattdessen waren Wastl, Hotte und ich „bei Rosi". Hier gab es aus Deutschland importiertes Jever und als besondere Attraktion frisch aufgeschnittenen Serrano. Ich trank also mal nen Schluck Jever, nahm nen Bissen vom Baguette und schob mir anschließend eine Scheibe Serrano in den Mund. Seit diesem Abend kenne ich den Unterschied zwischen Serrano aus der Plastepackung im Supermarkt und der dickeren, weil mit der Hand und nicht Maschine geschnittenen Scheibe vom Schinken direkt.
Mein Trinktempo steigerte sich an diesem Abend noch einmal, denn ich wurde Zeuge und Adjutant des Versöhnungsgespräches zwischen Onkel Hotte und Wastl. Dieses Gespräch war am Ende unseres Urlaubs zwingend erforderlich, da Hotte dem Wastl am ersten Abend Schläge angedroht hatte, dies aber glücklicherweise nicht in die Tat umsetzen konnte. Es erwärmte mein Herz, dass ich mit dazu beitragen konnte, dass die zwei Schwerenöter Missverständnisse ausräumten und sich wieder vertrugen.
Vor wie nach diesem Gespräch habe ich die beiden zusammen eigentlich nur kabbelnd erlebt; Wie Feuer und Wasser waren die beiden. Wenn Wastl über Onkel Hotte erzählte, schlug da immer so eine unangenehme Häme durch. Als ob er ihn aufs Tiefste verachten würde. Umgekehrt war es natürlich haargenau so. Sicherlich gifteten sich beide niemals wirklich bösartig an, den ersten Abend im „Balkon" einmal ausgenommen.
Vorher hatte ich - wie die anderen auch - die ewigen Streitereien, Pöbeleien und Nickligkeiten als Show zwischen den beiden abgetan. Die brauchten das, um sich interessant zu machen. Ich kenne einige dieser Art von Leuten und habe diese wegen dieser Fähigkeiten auch immer sehr gern. Aber die gerade noch abgebogene Schlägerei des ersten Abends, die ich persönlich ja leider aus „gesundheitlichen" Gründen verpasst hatte, zeigte mir und auch Mike, mit dem mich seinerzeit eine, wie sich später herausstellte, eher flüchtige Freundschaft verband, dass dies ewige Angiften zwischen Onkel Hotte und Wastl eben doch nicht nur eine Show war.
„Bei Rosi" hatten wir drei so einige Jever verhaftet. Schnell dämmerte mir, dass der ganze Streit vom ersten Abend, den ich gegen Ende bekanntlich verpasst hatte, weil zumindest ein Ohr von der Theke zugehalten wurde, ein großes Missverständnis beinhaltete.
Onkel Hotte und ich hatten in den vergangenen Tagen bereits mehrfach geargwöhnt, dass wir bewusst in das Nebengebäude vom Balkon abgeschoben worden waren, weil die anderen, also Mike, Wastl und der Krankenkassenangestellte nebst ihren Frauen nichts mit uns zu tun haben wollten, galten wir doch in deren Augen als erbarmungslose Säufer.
Der geneigte Leser wird während der Lektüre dieser Reisebeschreibung bereits festgestellt haben, dass dies in keinster Weise zutraf. Wir tranken unsere Mixgetränke ab Mittags immer gesittet. Auch hatte ich damals noch nicht geschnarcht, nicht einmal, als mich am ersten Abend die Müdigkeit direkt an der Theke übermannte. Und dass sich Onkel Hotte an jenem Abend schwankend und lallend vor dem Wastl aufgebaut haben soll, mag ja sein. Eine Pöbelei im übelsten Gossenjargon, wie Wastl meinte.
Eine Folge des Alkoholgenusses, zweifelsohne, aber ist man deshalb gleich ein Säufer? Onkel Hotte schilderte Wastl noch einmal die Szene am frühen Abend nach der Ankunft, als die Mannschaft Onkel Hotte und mich an der Theke sitzen ließ und sich an einem Tisch versammelt hatte, an dem für uns keine Stühle oder sonst ein Platz mehr frei waren.
Wer jetzt denkt, dass Wastl dies als Zufall hingestellt und uns Paranoia unterstellt hatte, um das Missverständnis aufzuklären, der kennt den Wastl nicht. Dessen Erklärung zu dem Vorgang der Nichtbeachtung am ersten Abend war ebenso lapidar wie einleuchtend: „Ihr beide sauft doch sowieso nur und habt eh schon an der Theke gesessen. Was wollt Ihr denn da noch an einem Tisch sitzen?"
Ja wenn Wastl das so erklärt... Das hatten wir natürlich verstanden, die ganze Geschichte war gar nicht böse gemeint gewesen. Das reichte selbst Onkel Hotte als Entschuldigung, zumal Wastl dies mit einem augenzwinkernden Lächeln erklärte. Da konnte Hotte dem Wastl nicht mehr böse sein. Auf einmal waren die zwei „ein Kopp, ein Arsch".
Die Stimmung wurde von Minute zu Minute besser und auch ich fühlte mich gut. Dazu griff ich immer gerne in den Serrano hinein und orderte noch das eine oder andere Jever von Rosi, denn die Wirtin hieß natürlich so. Endlich hatten sich Wastl und Onkel Hotte ausgesprochen, das tat den beiden sichtlich gut.
Als sich beide schließlich am Ende umarmten und beruhigten, war die Versöhnung besiegelt und ich etwas erleichtert und zufrieden. Derart beseelt, verließen wir die Kneipe und gingen zum Taxenstand, um zum „Balkon" zurück zu fahren.

Sonntag, 3. September 2017

Uncle Fester: grad gelesen September 2017

Thariot – Solarian 5 - Tage der Suche
Wow. Es geht weiter in dieser phänomenalen Saga um das Ende – oder die Zukunft? - der Menschheit. Jawohl, auch die Kray gehören dazu. Denn die Zara, die das Volk der Kray unter Führung von Cer auf die Reste der Menschen der Erde gehetzt hatten, machten nicht nur den Fehler, die Menschen unter Tara Bagians Kommando zu unterschätzen, sondern verloren auch die Kray als Verbündete, weil sich deren Führer Pera Naga gegen die Zara stellte und den Menschen sogar Asyl auf den beiden Planeten des Solarian-Systems anbot.
Auf dem Hauptplaneten Tremborii erforschen Scott und Istari eine unterirdische Kammer, die komplett von einer dicken Eisenschicht umgeben ist. Scotts Team bohrt sich einen Durchgang hinein; der Raum ist ein absolut glatter Quader und dazu noch vollkommen leer. Plötzlich werden sie angegriffen, bis auf Istari und Scott wird das Team ausgeschaltet. Der sich zusammen faltende Quader verlässt schließlich mit den beiden das Solarian-System.
Irgendwo im Universum, fernab sichtbaren Lichts, wird dieses Rätsel um den Quader gelöst. Der Quader selbst ist ein Silikat, eine hoch entwickelte Lebensform, dessen Stoffwechsel auf Silizium und Methan basiert. Sauerstoff und Licht ist für diese Wesen tödlich. Diese langlebigen Wesen sehen die biologischen, auf Sauerstoff basierenden Lebensformen als feindselig an, seitdem die Zara die Silikate vor Äonen verarscht hatten. Die Zara wiederum sahen es als ihre Aufgabe, die Saat des Lebens, und zwar des menschlichen, im Universum zu verbreiten.
Der Silikat namens Xaliper ist ein Forscher, der sich für die „niederen“ Lebensformen der Biologischen interessiert. Den zerfetzten Arm von Scott ersetzt er durch Nanomaschinchen. Xaliper verspricht Scott und Istari, sie zum Solarian-System zurückzubringen, die Reise könnte allerdings einige Tausend Jahre dauern.
Start im Buch ist allerdings der Handlungsstrang um Cer. Pera Naga schickt Cer, seine Tochter, von Jutra, der Heimatwelt der Kray, ins Solarian-System, um Tara Friedensgespräche anzubieten. Die Kray haben den Menschen nichts mehr entgegenzusetzen, da die Menschen dank Leonie über eine Verbündete mit Zara-Kräften verfügen. Der Menschenhasserin Cer passt dieser Auftrag überhaupt nicht; sie versucht, die Friedensverhandlungen zu hintertreiben.
Fast hätte Cer es geschafft, beim Treffen mit Tara und Leonie diese beiden auszuschalten, aber sie muss dank Taras Informationen von Varian, dem ihr verhassten Bruder von Cer, erkennen, dass die Zara die Kray lediglich ausgenutzt hatten und Pera Naga in Wirklichkeit ein getarnter Zara ist, der die Kray bedenkenlos opfern will, um die Menschen um Leonie und Tara auszuschalten. Von da an kämpft Cer Seite an Seite mit Tara.
Varian ist anfangs im Knast auf Tremborii. Von Pera Naga wegen seiner Grausamkeit dorthin verstoßen, zettelt er einen Gefängnisaufstand an. Die Schilderung von N`her, dem vollkommen durchgeknallten Psychopathen im Knast, ist Thariot besonders gut gelungen. Von Varian angestachelt, zieht dieser den Wärtern und Angestellten der Verwaltung bei lebendigem Leib die Haut ab, weil diese angeblich Frauen sind und Gummimasken tragen, um sich zu tarnen. Die einzige Frau wird dann auch Opfer einer Massenvergewaltigung. Als Varian es schafft, zu Tara durchzudringen, weil er etwas anzubieten hat, tötet er N`her humorlos.
Dank der Info, dass Pera Naga ein Zara ist, kommt er auf die USS Durban als Gefangener. Mit diesem Schiff dringt Tara in das Heimatsystem der Kray um Jutra ein, um Pera Naga zu stellen. Dies gelingt ihr zwar mit Hilfe von Leonie, ab er anschließend wird das System von mehreren Wurmlöchern heraus von einem neuen, unbekannten Feind angegriffen.
Die Lage für die USS Durban und ihr Begleitschiff, der USS Kinshasa, ist hoffnungslos. Nur dank Varian, der als Einziger auf der Brücke der Durban handlungsfähig bleibt, überlebt das Schiff eine Angriffswelle. Varian hatte überraschenderweise die Menschen nicht verraten, wie es sonst seine Art gewesen wäre. Seine erste gute Tat in seinen Auftritten hier und im vierten Band, da denkt man schon, der spielt noch eine Rolle. Aber kurz vor Ende des Buches tötet ihn Cer, weil er ein unverbesserlicher Irrer ist und „Opfer“ seiner perversen Neigungen ist. Yasmin Tarik, die kleine straighte Majorin aus Teil 4, ist Ziel seiner abartigen Phantasien gewesen. Leider ist sie bei den Kämpfen gegen die Fremden gestorben.
Leonie verfolgt indessen Pera Naga auf Jutra durch geheime Gänge. Noch von dem Angriff von Cer geschwächt, kann sie Pera Naga nur durch den Einsatz von 2 Atombomben vernichten. Als sie den vermeintlichen Fluchttunnel von Pera Naga betritt, um den großen Unbekannten zu stellen, trifft sie auf Gabriel. Der ist der letzte Überlebende der Zara und überlistet Leonie, die sich schon über Gabriel triumphieren sah. In einer alten Raumstation im Nirgendwo der Galaxis soll Leonie 100.000 Jahr in Isolation bleiben. Als „Trost“ zeigt Gabriel ihr noch, wie Jutra von den unbekannten Angreifern zerstört wird, während die Durban und auch die Kinshasa überleben.
Dies ist im Handlungsstrang von Tara überraschend, da Tara die Kinshasa unter dem Kommando ihres Vertreters Steve Miller fliehen lassen will, um wenigstens einigen wenigen Überlebenden der Erde die Rettung zu ermöglichen. Im Solarian-System soll sich Miller verstecken, Tara würde seinen Rückzug decken. Die Lage der Durban ist hoffnungslos; Tara ist des Lebens müde. Neben ihrer Schwester Istari hat sie noch ihren Geliebten Scott verloren, auch Leonie scheint tot zu sein. Das dem nicht so ist, weiß der Leser. Tara nicht.
Thariot hat etwas Sensationelles geschafft: Über mittlerweile sechs Bände hat er ständig neue Hauptpersonen in die Handlung integriert. Die Hauptpersonen von Beginn an, Tara und Scott, auch Leonie und Istari, sind immer noch dabei. Andere, wie Varian oder auch Major Tarik, sterben bereits nach ihrem 2. Auftritt. Andere, wie Leonies Sohn Matthew oder Enya Farinora, rücken wieder ins zweite Glied zurück, zumindest vorerst.
Thariot veröffentlicht selbst über Amazon, bei einem der renoviertem Verlage hatte er wohl keine Chance. Schön zu wissen, dass es noch gute deutsche Autoren gibt bei der Science Fiction, abseits von Perry Rhodan.


                                                                             

Thariot – Solarian 6 – Tage der Ewigkeit
Und weiter geht die Saga um die Reste der Menschen von der Erde. Cliffhanger zu diesem Band war ja der wahrscheinliche Tod von Tara und der Besatzung der Durban. Aber Pustekuchen, die Durban überlebt dank Steve Miller, der nicht durch das geöffnete Wurmloch flieht, sondern 36 Nuklearminen auf ein entgegenkommendes, feindliches Großraumkampfschiff abfeuert und einfach durch das entstehende Trümmerfeld hindurchfliegt, was dank Leonies Umbauten für seine USS Kinshasa gut ausgeht.
Mit diesem kühnen Manöver verschafft Miller Tara und der USS Durban die notwendige Zeit, um die Überlebenden der Durban nach Bombarii, den zweiten Kolonialplaneten der Kray im Solarian System, zu evakuieren. Dort sammelt Tara die wenigen noch einsatzfähigen Verbände zusammen; ihre Gegner sind nach der Zerstörung und der Kollabierung des Wurmloches vom Nachschub abgeschnitten. Es ist eine Pattsituation entstanden.
Miller wiederum hat mit der Kinshasa den mutmaßlichen Heimatplaneten der Angreifer auf das Solarian System erreicht. Auf dem Planeten Achird lebt ebenfalls eine menschliche Zivilisation, die vom Leiter der Abwehr und Sicherheitschef Gabriel als Herrscher aller Reusen kontrolliert wird. Und Achird ist Gabriels letzte Rückzuglinie, wie Miller von Kaylin, der ehemaligen Dienerin von Cer, erfährt. Denn diese ist eine Zara, noch dazu die Schwester von Gabriel, und hatte sich ihr Gedächtnis löschen und einen jungen Körper geben lassen.
Miller sieht nur noch eine Chance: Er sendet 98 phasenverschobene Atombomben in den Orbit von Achird und will damit Gabriel zur Aufgabe zwingen. Ohne diese Bomben wäre das Schicksal der Menschen von der Erde endgültig besiegelt gewesen, da die Kinshasa zwar eins der nahezu unbezwingbaren Großraumschiffe mittels einer List besiegen konnte, aber es gibt noch 9 weitere davon. Die Bomben sind für Gabriel nahezu nicht auffindbar.
Und auch seine Schwester Kaylin kämpft mit ungeahnten Schwierigkeiten. Eine Stimme, die sich in ihrem Kopf eingenistet hat, zwingt sie zum Verrat an der Besatzung der Kinshasa. Es ist ihr altes Ich, von dem Kaylin sich eigentlich verabschieden wollte. Deshalb hatte sie ihre sämtlichen Erinnerungen an diese Persönlichkeit löschen lassen. Aber leider war dies nicht erfolgreich, jetzt kommt dieser Charakter wieder zum Vorschein und will sich an Gabriel rächen.
Und auch Tara hört eine Stimme in ihrem Kopf. Gerade als ihr klar wird, das ein auf Bombarii gefangener Gegner an der unheilbaren Seuche aus dem zweiten Band gestorben ist. Dieser Gegner, geborgen aus einem zerstörten Kampfraumer, ist von einer neuen Fraktion und kommt vom „Weltenbund der 7 Sonnen“. Die Stimme in Taras Kopf gehört natürlich Gabriel, der Tara mit der Seuche erpresst.
Tara soll Roni Biton, die Unterhändlerin von Achird, mit der Zündung der 98 Atombomben drohen, falls diese ihr nicht den Zugang zum tief im Planeten versteckten Archiv der Zara ermöglicht. Dort sind sämtliche jemals existierenden Zara gespeichert; Gabriel will dieses Archiv beschützen und in Sicherheit bringen, da er weiß, dass Achird für ihn verloren ist.
Und während der Planet Achird kurz vor der Explosion dank der Atombomben steht, spitzt sich die Lage immer weiter zu. Der Botschafter des Weltenbundes der 7 Sonnen, Leviator Par‘an, ist inzwischen auf Achird eingetroffen und droht dem Volk von Achird mit Krieg, falls er weiterhin auf Achird festgehalten wird. Denn Roni Biton, die endlich in Gabriel den Schurken erkannt hat, der er ist, hat alles abgeriegelt und sucht verzweifelt Tara.
Die ist im Showdown dieses Bandes im Archiv der Zara eingedrungen. An dieser Stelle kommen noch die anderen Handlungsstränge hinzu, Thariot hat sich diesmal selbst übertroffen. Diese ganze Vielfalt ist faszinierend, zugegebenermaßen aber auch unübersichtlich. Gute Science Fiction ist halt nichts für Leser, die zum Schlafengehen mal 3-4 Seiten lesen. Da muss man schon mehr am Ball bleiben.
Zu Beginn dieses Romans wird ein neuer Charakter eingeführt. Dale Zasson ist ein in Ungnade gefallener Polizist auf Achird, dessen Bewusstsein dank seiner Vorgesetzten, einer KI, in einen anderen Körper transferiert wird. Nach mehreren Körperwechseln landet er im Körper von Roni Biton, die anfangs voll im Bann des Gabriel steht. Als Biton Gabriels Verbrechen endlich erkennt, rehabilitiert sie Zasson und verhilft ihm zu einem neuen Körper.
Zasson schafft es, ein in das Sonnensystem eindringendes Objekt während einer Aufklärung zu stoppen. Auf diese Weise rettet er Scott, Istari und auch Leonie, die in kurzen Einblendungen zuvor lediglich eine Gastrolle einnehmen. Der Silikat Xaliper stirbt bei dieser Aktion.
Anschließend kommt es auf der USS Kinshasa, auf der die Geretteten gebracht werden, zu einem vorläufigen Höhepunkt. So etwas wird ja immer gerne genommen. Die ursprüngliche Kaylin hat die 98 Atombomben auf den Planeten Achird gejagt. Die Bomben bohren sich in die Erdkruste und Kaylin hat sich in einem tosenden Flammenmeer innerhalb der Kinshasa verschanzt. Für den Planeten scheint es keine Rettung zu geben. Kaylin will Gabriel um jeden Preis vernichten.
Aber Leonie rettet die Situation. In den kurzen Einblendungen während des Romans wird offenbar, dass sie ihr Gedächtnis während des Exils auf der verlassenen Raumstation verloren hat. Dank Istari kommt die Erinnerung soweit wieder, dass sie die „nette“ Kaylin aus der Flammenhölle retten und die Sprengung der Atombomben verhindern kann.
Und Leonie ist es am Ende auch, die Gabriel zu Fall bringt. Gabriel wollte und sollte, wie alle Zara vor ihm, das biologische Leben der Menschen eigentlich beschützen, verlor diese hehre Ziel jedoch im Laufe der Äonen aus den Augen. Das Archiv ist seine letzte Rückzugsmöglichkeit. Tara soll ihm helfen, die im Archiv gespeicherten Zara (alle, die jemals gelebt haben) zu retten.
Als Tara dies erkennt, weigert sie sich und will lieber sterben, als Gabriel zu helfen. Da kommt Leonie auf den Plan. Sie hatte wegen der Raumstation eh noch ein Hühnchen mit Gabriel zu rupfen. Das bedeutet das Ende von Gabriel und damit der Zara, die eine Bedrohung für die Menschenvölker darstellten.
Nun könnte diese schweinegeile Saga eigentlich beendet sein, oder? Doch Thariot hat sich natürlich eine Hintertür offen gelassen. Die Welten derSilikate… Irgendwo zwischen den Galaxien gibt es sie und sie sollten noch erforscht werden. Das Liebespaar Ztara und Scott wird übrigens von Leonie auf einem bräunlichen Planeten ausgesetzt. Die beiden sollen hier zusammen flittern. Und natürlich handelt es sich bei diesem Planeten um unsere gute alte Erde. Leonie sorgt für einen Zeitraffer, der den Planeten zum Blühen bringt.
Sind Scott und Tara jetzt in der Vergangenheit, also vor unserer Zeit? Oder wird die Erde neu gebootet? Fragen über Fragen. Genug Stoff für Band 7.
Solarian – Echt geil.

Dienstag, 29. August 2017

Hartmudo: Diät 2

Zum ersten Mal kam ich mit dem Notieren der Punkte nicht mehr hinterher. Am Vorabend mit Ulli hatte ich das noch gepackt; doch jetzt gab ich dann auf, weil ich meine Punktzahl natürlich schon über Gebühr ausgereizt hatte. Nach dem Soldekk gingen wir noch schnell ins Come in, wo ich dann kurz nach Acht abreißen ließ und nach Hause fuhr.
Als wir das Come in betraten, saß Ulli schon an der Theke. Auf den Schirmen lief Union Berlin gegen Holstein Kiel. Dort stand es 3:3 nach einer halben Stunde, den Siegtreffer der Berliner bekam ich zwischen zwei Bieren gerade noch mit. Ulli war guter Dinge und tauschte mit Max ein paar alte Erinnerungen aus. Zuhause angekommen, hielt ich mich mit der Nahrungsaufnahme zurück, auch wenn es schwerfiel.
Die Belohnung gab es am nächsten Morgen. Mit 120,7 hatte ich einen neuen Spitzenwert erreicht. Würde ich sogar bald die 120er Schallmauer durchbrechen können? Das musste der Samstag zeigen, denn am ersten Samstag im August ging es natürlich auch diese Jahr zur Deutschen Biermeile nach Berlin. 2400 Biere im Ausschank. Hasi und Urmel waren schon heiß – denn die warteten schon am U Bahnhof auf Pocke und mich.
Auf der Biermeile das Beste

Nicht vergessen möchte ich meine Löwin und Patti, die ebenfalls mitgefahren waren. Selbst Ilka begleitete ihren Mann Urmel bis auf den Bahnsteig der U Bahn, um uns noch kurz Hallo zu sagen. Mit zur Biermeile wollte sie nicht, da sie nicht so die Biertrinkerin ist. Nach kurzer Zeit fuhren wir mit der S Bahn los und enterten nach kurzem Fußmarsch das Gelände.
Die ersten Biere lutschten wir schnell weg, das macht natürlich hungrig. Doch beim Essen auf der Biermeile wollte ich mich aus verständlichen Gründen zurückhalten. 2 Fischbrötchen schraubte ich mir rein, das musste reichen, da meine Punkte dank der vielen Biere in ungeahnte Höhe schossen. Zum Glück überwältigte mich auch nicht dieses gewisse Hungergefühl, nachdem man viele, nein sehr viele, Kohlenhydrate in sich reinschraubt.
Daher ging das Biertrinken ohne Probleme weiter, bis wir nach diversen Bieren wieder zurück zum Bus mussten. Gegen 22.00 Uhr fuhr der Flixbus Richtung Braunschweig los, da hatten wir nach der Rutsche mit dem Taxi zum ZOB noch Zeit für einen schnellen Snack. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir noch schnell zwei doppelte Cheeseburger bei McDonalds gegriffen und hinuntergeschlungen hatte. Wie in einem Blutrausch biss ich voller Glück in in die Burger hinein. Mann, tat das gut!
Meine Löwin und ich kamen in dieser Nacht spät ins Bett, ich selbst konnte gefühlt gar nicht schlafen, da ich meine Schlafmaske vergessen hatte. Stattdessen saß ich bereits vor 5.00 Uhr vor dem Rechner, um die Neuigkeiten des vergangenen Tages zu checken. Eintrachts 2:0 gegen Hoffenheim hatten wir auf der Biermeile noch mit Interesse verfolgen können; am Sonntagmorgen konnte ich endlich die bewegten Bilder dazu betrachten.
Beim morgendlichen Wiegen sank meine Stimmung gleich noch weiter in den Keller. 122,1 kg – die beiden Doppelcheeseburger hatten so richtig ins Mett gehauen. Mich hatte das so richtig runtergezogen, weil ich die ganze Zeit über Weightguard hart um jeden Punkt gefightet hatte. Aber ich wusste ja, woran diese kurzzeitige Gewichtsexplosion lag: Das viele Bier und zum Abschluss noch die Doppelcheese oben drauf.
Wenigstens gab ich jetzt nicht einfach auf und setzte meine Punktejagd weiter fort. Und siehe da – es klappte. Binnen weniger Tage hatte ich die draufgesattelten Kilos wieder runter. Erneut stand ein schweres Wochenende vor mir; Nach der Doko-Runde am Donnerstag war das Cousinentreffen in Quedlinburg am Freitag dran. Nach dem Doko konnte ich mein Gewicht halten, das war in der Vorwoche ja ähnlich gewesen.
Schwieriger bzw. gefährlicher erschien mir der Freitag in Quedlinburg. Wir waren am späten Nachmittag mit Harald und Frida nach Quedlinburg aufgebrochen. Meine Löwin und ihr Bruder Harald wollten von vornherein am nächsten Tag dort nicht mehr hin, was mit Erinnerungen aus der Kindheit zusammenhängt. Ich selbst kannte keinen der Anwesenden, schloss aber schnell Freundschaft mit einem sehr fitten Rentner. Trinker erkennen sich halt immer.
...vor der Rückfahrt

Der Abend war so schön, das auch Harald und meine Löwin am nächsten Nachmittag wieder dort hin wollten. Und auch am zweiten Abend hatte ich mich schnell mit den Verwandten meiner Löwin gut verstanden und fand es sehr schade, dass wir schon früh aufbrechen mussten. Und zu meiner großen Überraschung war mein Gewicht am Sonntag morgen auf 120,5 gesunken.
Ich könnte jetzt noch lange so weitererzählen, aber eines möchte ich zum Abschluss – nervt irgendwann, dieses Zählen der Kilos, oder? - noch erwähnen. Während der ganzen Zeit der Punktezählerei stand ich im Kontakt mit Pocke über Whatsapp. Denn auch er muss dringend ein paar Kilos entsorgen, was zu einem gegenseitigen Anfeuern und einem kleinen Wettstreit ausartete. Kein bösartiger Wettstreit, weil wir beide uns für den Anderen freuen, wenn wir die Kilos verlieren.
Das wir jetzt ja ständig Dienstags zusammen schwimmen gehen, hilft uns außerordentlich. Am Mittwoch hatte ich mit 118,4 meinen vorläufigen und absoluten Topwert erreicht, und auch Pocke hat eine kleine Schallmauer durchbrochen. Mögen wir beide lange durchhalten. Die bislang erzielten Erfolge lassen mich im Moment hoffen, das ich noch mehr Tabletten auch in Zukunft vermeiden kann.