Sonntag, 13. Oktober 2013

Bobby Charles 1/2

Am 21. Februar 1938 wurde Robert Charles Guidry in Abbeville, Louisiana geboren.
Dort verbrachte er auch die meiste Zeit seines Lebens. Auf einem abgelegenen Grundstück lebte er abgeschieden wie ein Eremit in der Nähe dieses Kaffs. Umringt war er von einer Horde von Tieren, darunter auch ein zahmer Alligator.
Dies ist erwähnenswert, weil Bobby Charles im Alter von 14 Jahren ja auch einen der wichtigsten Songs der Rockgeschichte geschrieben hat: „See you later, Alligator.“ Da fragst Du Dich, warum Du Bobby Charles nicht kennst.
Tja nun, einigen Musikern ist es halt nicht vergönnt, im Rampenlicht zu stehen. Und Bobby Charles ist ein Paradebeispiel dafür. Außer dem Megakracher schrieb er noch „Walking to New Orleans“ oder auch „But I Do.“ Gut, diese Titel sind heuer dann doch nicht so bekannt.
Aber auch wenn man sich an Bobby als Sänger vieler guter Songs erinnert: Als Performer bzw. Künstler, geschweige denn als Star, hat sich Bobby nie selbst gesehen. Bobby Charles war ein Cajun (Nachkomme aus der ehemaligen nordostkanadischen Provinz Akadien nach Louisiana (USA) gezogenen Franzosen) mit lässigem, lakonischen Gesang. Er erklärte später, das sich sein Leben nach dem Hören von Fats Domino geändert habe. Der Bengel hatte das elterliche Radio auf einen örtlichen Cajun-Sender umgestellt, um Fats lauschen zu können.
Bobby war so begeistert von dem Rhythm `n` Blues Sound, das er einer Band namens „the Cardinals“ (später „the Clippers“) als Sänger beitrat. Und schon kommt die Geschichte zum Song.
Nach einem Gig stoppte die Band an einem Diner für nen Kaffee als Abschluss des Abends. Als Bobby sich von der Band verabschiedete, sagte er zu einem seiner Mitstreiter: „See you later, Alligator.“
Bobby Charles ging nach Hause und schrieb um diese 2 Phrasen einen Song innerhalb von 20 Minuten. So werden die Songs geschrieben, die Geschichte machen. Dies hörte eine betrunkene Frau an einem anderen Tisch und nuschelte etwas, das Bobby zwar hörte, aber nicht verstand. Auf seine Nachfrage hin wiederholte die ihm unbekannte Frau: „After a while, Crocodile!“
Während eines Schulabschlussballs in Crowley spielten die Clippers diesen Song. Der Inhaber des örtlichen Record Shops, der auch Talente für Chess Records suchte, war von dem Song begeistert. Er überredete Bobby Charles, Leonard Chess in Chicago anzurufen und ihm den Song übers Telefon (!) vorzusingen.
Chess gefiel der Song und er lud Bobby ein, den Song in Cosimo Matassa`s J&M Studio in New Orleans aufzunehmen. Und so nahm Bobby 3 Songs in dieser Session im Oktober 1955 in diesem Studio auf. Leonard Chess änderte vorsichtshalber Bobby Guidry zu Bobby Charles und veröffentlichte die Single im November 1955.
Bobby war daraufhin entsetzt, das die Single unter dem gekürzten Titel „Later Alligator“ veröffentlicht wurde. Er redete auf Chess ein, denn die komplette Phrase war in der Jugendkultur von Louisiana ein gängiger Begriff. Chess hatte ein Einsehen und korrigierte das auf den nachfolgenden Pressungen.
Die Ballade „On bended Knee“ auf der B-Seite gilt heute als erster Swamp Pop Song und war 1961 als Cover von Clarence „Frogman“ Henry ein mittlerer Pophit (#64 Billboard Charts). „See you later, Alligator“ verkaufte sich zwar sehr gut in Louisiana, aber als Bill Haley den Song am 12. Dezember 1955 coverte, wurde dessen professionellere Version berühmt und stürmte landesweit auf Platz 6 der Billboard Pop Charts. Das Original von Bobby Charles schaffte es immerhin auf Platz 14 der R&B Charts für eine Woche im März 1956. Der Nachzieher „Only Time will tell“ stieg dann auf Platz 11 der R&B Charts im August 1956, aber in die von weißen Musikern bestimmten Billboard Charts schaffte es Bobby Charles nicht.
Während der ehemalige Jodelweltmeister also einen weiteren Riesenhit landen konnte, geriet der Name Bobby Charles mit den Jahren in Vergessenheit, noch bevor er richtig durchstarten konnte. Es sollte wohl so sein.
Doch vorher, im Januar 1956, war Bobby Charles noch voll dabei und nahm eine zweite Session auf. Diesmal wurde er in Chicago von Sessionmusikern des Chess-Labels begleitet. Hierbei begegnete Bobby Charles den Chess Brüdern das erste Mal persönlich. Die Brüder waren total überrascht, hielten sie doch Bobby 3 Monate lang für einen Schwarzen. Wenn sie dies von Anfang an gewußt hätten, dann hätte es wahrscheinlich die Session in New Orleans und damit diesen wunderbaren Song auf Platte nie gegeben.
So wurde Bobby Charles unverhofft der erste weiße Künstler auf dem damals schon erfolgreichen und wichtigen schwarzen Label. Denn die Chess Brüder waren selbst Rassisten und hatten grundsätzlich nur schwarze Künstler beschäftigt. Chess Records schielte auf den schwarzen R&B Markt. Ein paar Jahre vor Martin Luther King gab es insbesondere in den Südstaaten nach wie vor diese strikte Trennung, die an die Apartheit in Südafrika erinnert.

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