Sonntag, 18. Dezember 2011

hartmudo: Der Abszess


Schon die Schreibweise mußte ich im Net nachschlagen. Zu mehr „Lektüre“ konnte ich mich nicht durchringen, denn ich habe einen Abszess bzw. gehabt. An einer Stelle, an der Männer sie in meinem Alter wohl häufiger bekommen. Frauen weniger. Ich spreche vom Enddarm; besser gesagt vom Ausgang.
Ende Oktober hatte ich wohl eine Magen- und Darmgrippe. Der Durchfall war ja nicht so schlimm, Bier- und Schnapstrinker kennen das ja. Aber das der Schließmuskel dauernd zucken wollte, obwohl schon alles draußen war, kannte ich noch nicht. Als die Sache immer schmerzhafter wurde, ja sich sogar neben dem „Ausgang“ so eine bald taubeneigroße Beule bildete, die beim Gehen und Sitzen schmerzte, war Hartmudo beim Arzt.
Nach ausführlichen Bluttests stand fest, dass es weder ein Geschwür noch irgendwelche Würmer, Bakterien, Viren etc. waren. Jetzt ist mein Hausarzt zwar Internist, aber kein Spezialist der Gastrologie. Da ich mein Problem auch nicht deutlich genug umrissen hatte, lautete die Vermutung auf Hämorrhoiden (Schreibweise musste ich eben im Net ...). Wenn es nach Auftragen der Salbe nicht besser werden sollte, wäre ein erneuter Besuch beim Arzt ratsam.
Dann ging noch ne Woche ins Land, dann die BiRe. Schon vor der BiRe wußte ich, dass ich bei Rückkehr sofort zum Arzt muß. Während der BiRe lief ich in 2 Nächten durch mein Schlafzimmer in unserer Ferienwohnung; Jeweils von Mitternacht bis 4. Nach dem Ausduschen hatte ich großes Aua beim Sitzen. Schmerzfrei war ich nur ab dem 2. Bier.
Kaum war ich also Montags in der letzten Novemberwoche zuhause zurück, fuhr ich schon zum Doc. Der verwies mich an einen Spezialisten, der die vermeintlichen Hämorrhoiden wegmachen sollte. Dienstags morgens beim Gastro beugte ich mich also auf einem Spezialstuhl so weit nach vorne, dass der Ausgang oben war und durch die Biegung meines Körpers frei zugänglich war. Der Gastro mit den blauen Gummihandschuhen diagnostizierte einen Abszess nebst Hämorrhoiden. Er empfahl mir, dies umgehend entfernen zu lassen. Am Besten im Krankenhaus.
Ohne lange zu überlegen, fuhr ich zum Ortsteil meiner Kindheit. Nach Melverode in die HEH Klinik. Als Kinder sind wir dort nen Hügel runter Schlitten gefahren. Jetzt ist dort die HEH, ein großer Krankenhauskomplex. An der Information verwies man mich an die Notaufnahme. Bis dahin glaubte ich an eine ambulante, schnelle OP und gut ist. So langsam wurde ich unruhig. Nach einer geraumen Wartezeit wurde ich in ein Zimmer geführt, bekam dieses Nachthemd, welches hinten offen ist. Dazu nen Einmalslip und Thrombosestrümpfe (Google …. Trombose …).
Kochsalzlösung träufelte in eine Vene, ich lag auf nem Krankenhausbett und schaute Two and a half man. Miten in der Sendung wurde ich Richtung OP geschoben. Vorher gab es noch die blaue Pille.
Ich vergaß zu erwähnen, dass vorher eine Auszubildende – ein sehr attraktives Mädel - die zu operierende Stelle ausrasierte. Ein skurriler Moment, noch dazu an dieser Stelle des Körpers. Fast so skurril dann die Fahrt in den OP: Ich sah nur die Decke – war wie im Film.
Das Betäubungsmittel ließ mich schnell einschlafen. Beim Aufwachen – gefühlt gleich danach – war ich schmerzfrei. In den kommenden 3 Tagen wurde meine 3 mal 4 cm große Wunde von den Schwestern mit Mullbinden verstopft. Die kleinere wurde vorher mit Kochsalzlösung getränkt. Nach jedem Duschen wurden mir die Strümpfe vom Azubi (männlich) wieder angezogen.
Ich sollte eigentlich schon Donnerstag entlassen werden, blieb aber noch einen Tag länger, weil ich Angst vor dem ersten Stuhl nach der OP hatte. Der erste Stuhlgang war der schlimmste. Ich hatte Angst ohne Ende. Beim Wischen blutete es sehr stark. Ich drückte unter der Dusche die Notruftaste. Die Schwester meinte aber, das wäre normal. Auf alle Fälle war ich sehr deprimiert. Diese Stimmung hielt sich auch am Wochenende.
Montags war ich wieder beim Gastro. Die Schwester schrieb mir kleine und große Mullbinden auf. In der Apotheke hatten sie diese nicht da, wollten sie abends aber liefern. Dann die Frage der Apothekerin: „Solen es elastische Binden sein?“
Häh? Elastisch? Hallo – die steck ich vor den After. Was soll ich da mit elastischen Mullbinden? Das sagte ich natürlich nicht, ich dachte es nur. Jedenfalls stellte sich dann heraus, das ich Mullkompressen brauchte. Wieder was dazugelernt.
Der Gastro entschuldigte sich, weil er es falsch aufgeschrieben hatte. 2 Wochen später kam auch eine Entschuldigung des operierenden Docs, weil die Mannschaft mich bei der Nachsorge im Warteraum vergessen hatte. 2 Stunden saß ich da rum!
Der Rest kurz: Die Fistel (ohne Google) wird wohl im März operiert. Bis dahin dusche ich die Wunde (wird immer kleiner) bzw. den rausguckenden Gummischlauch, der den Eiter der Fistel ableitet,morgens und abends aus. Muß ich zusätzlich noch „groß“ machen, dusche ich nochmals. Nach dem Duschen erst die kleine Kompresse mit Kochsalzlösung auf die Wunde. Dann wird die große Kompresse davorgeschoben. Damit das Höschen nicht zusuppt, klemme ich noch ne Vlieswindel davor. 4 Wochen nach der OP habe ich dann anfangs beim Sitzen noch Aua.
Aber Montag gehe ich wieder arbeiten. Zuhause wird es nicht besser. Und das Lebbe geht weider. Im März – oder später – kommt dann der nächste Schnitt. Und dann ist der Gummischlauch weg, der jetzt beim Sitzen immer so zwickt.
Und wenn das dann auch vorbei ist, dann kann ich endlich wieder radeln. Wenigstens habe ich bei dieser Aktion nochmals 2-3 Kilo abgespeckt.
Jetzt aber Schluß mit dem Jammern. Andere hatten dieses Problem auch. Und noch andere … siehe Achim.

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