Freitag, 10. Mai 2019

Contramann: kurz gesehen im Mai

https://www.heise.de/tp/features/Greta-Thunberg-kritisieren-4357644.html
„Fridays for Future“ ist ja seit Anfang diesen Jahres in aller Munde. Letzten Monat hatte ich auf Fleischis Kommentar verwiesen, heuer habe ich sogar bei Telepolis Kritisches zu dieser neuen Bewegung gefunden. Der Kritik möchte ich mich anschließen, denn der Artikel ist meiner Ansicht nach sehr erhellend.
Fleischi hatte es angedeutet, hier ist es besser ausformuliert. „Fridays for Future“ ähnelt immer mehr einer religiösen Erweckungsbewegung mittelständischer Gymnasiasten, die einfach nur „ihre“ Jugendrevolte ausleben. Sehr schön das Beispiel des Kindes eines linken Elternhauses, welches aus Protest Polizist statt Punk werden möchte und letztendlich als Sozialpädagoge endet. Ein bisschen was von allen Drei nämlich, dafür aber wischiwaschi nichtssagend.
Und: Wenn sie sich wirklich um ihre Zukunft sorgen würden, müssten sie ihre Smartphones und den sonstigen Schnickschnack verteufeln. Denn am Ende ist es dieses Wirtschaftssystem, welches Ressourcen frisst und damit die Zukunft der Kids zerstört. Im Übrigen wird der Protest größtenteils von weißen Kids in der ersten Welt getragen. In Mali, Jemen oder Syrien haben sie andere Probleme.
Mir tut es auf alle Fälle um Greta Thunberg leid, die im Moment vielleicht noch hochgejubelt wird (Friedensnobelpreis, gehts noch?), aber bald vielleicht am Pranger steht, wenn sich die Bewegung totläuft, zumal sie wohl bis Anfang diesen Jahres mit Hilfe eines schwedischen Geschäftsmannes im CO2 Handel Geld verdiente.

https://www.heise.de/tp/news/Schulstreiks-Gruener-Ministerpraesident-fordert-Sanktionen-4358506.html
Passend dazu Herr Kretschmann, der grüne Ministerpräsident in Baden Württemberg. Der Mann, der Stuttgart 21 eben nicht stoppt und seine Hände schützend über die Diesel von Daimler hält. Bei ihm erkennt man, wie glaubwürdig Grüne sind, wenn sie in politischer Verantwortung stehen. Da werden grüne Ideale schon mal vergessen, nach dem Motto: „Wenigstens etwas Einfluss, ansonsten wäre es noch schlimmer.“
Der allererste Bundeswehreinsatz im Ausland ausgerechnet unter dem grünen Außenminister Fischer war da schon ein Fingerzeig gewesen. Und der aktuelle grüne Star, Robert Habeck, der ehemalige Energiewendeminister in Schleswig-Holstein, brachte dort die Windtechnologie nicht wirklich voran.
Zu den Grünen im Allgemeinen hier noch der passende Spruch, im Forum gefunden:
.. und wieder diskutieren und wählen die Massen, die einen verbissen "Grün", die anderen genauso verbissen dagegen.
Zum Kern des Problems kommen sie alle nicht:
Es gibt keinen grünen Kapitalismus (und es kann auch keinen geben).
Wer also - natürlicherweise - die Welt retten will, muss die Gesellschaft ändern, muss wirklich die Machtfrage stellen.

https://www.elektroauto-news.net/2019/toyota-widerspricht-vw-wasserstoff-technologie
Die deutschen Automobilkonzerne rechnen damit, dass die Preise von Akkus für Elektroautos schneller fallen als die Preise für Brennstoffzellen. Deshalb wird das Netz an Tankstellen für Wasserstoff hierzulande nur zögerlich ausgebaut. Mit bundesweit 60 Tankstellen für Wasserstoff haben Toyota oder Hyundai, die auf die Brennstoffzelle setzen, wenig Argumente, um ihre Karren in Deutschland zu verkaufen.
Das Ganze ist bedauerlich, weil das Netz an Ladestationen für Elektroautos erst noch ausgebaut, ja eigentlich entwickelt werden muss, während an jeder Ecke Tankstellen stehen, die schnell und kostengünstig auf Wasserstoff für Brennstoffzellen umgerüstet werden könnten. Dazu bezweifele ich auch, dass die Akkus irgendwann einmal schneller geladen werden können als ein Wasserstofftank.
Die deutsche Automobilindustrie hatte bereits die Rußpartikeltechnologie bei Dieselkarren verschlafen, weil sie ihre Produktion nicht umstellen wollten. Deutet sich hier bereits das Fiasko an, welches der deutschen Automobilindustrie den Todesstoss versetzt?

https://www.stern.de/politik/deutschland/-von-oben-herab--wagenknecht--linke-hat-sich-von-den-aermeren-entfremdet-8655844.html?utm_campaign=politik&utm_medium=rssfeed&utm_source=standard
Da kann ich Sahra Wagenknecht nur Recht geben. Das sich die Linke von ihrem ursprünglichen Klientel, der Armen und Benachteiligten in diesem Land mittlerweile verabschiedet hat, unterschreibe ich sofort. Insbesondere die „Hartzer“ haben in diesem Jahrtausend erleben müssen, dass sich ihre Situation nicht bessert.
Angeblich wäre kein Geld da - doch für höhere Rüstungsausgaben oder eben Flüchtlinge ist sofort Geld da. Das spielt die „Hartzer“ gegen die Flüchtlinge aus, was allein schon ziemlich übel ist. Aber dass linke „Salonlöwen“ häufig in dieselbe Kerbe schlagen wie die Regierung, macht es für mich unerträglich.
Damit wir uns richtig verstehen: Ich will keine Flüchtlinge benachteiligen, ausgrenzen oder sonst irgendwie den Nazi raushängen lassen.

https://www.heise.de/tp/features/Die-Mieterbewegung-stellt-die-Eigentumsfrage-4365532.html
Geilomat. An Beispiel der Mietpreise, die dank der Interessen von Investoren explodieren, kann man erkennen, dass zur Demokratie, auf die wir alle zurecht stolz sind, auch die Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit gehört. Ein Grundrecht unserer Verfassung, dass von den herrschenden Parteien regelmäßig ignoriert wird.
Sicherlich ist das Eigentum ein geschütztes Gut im Grundgesetz, das dort aber ihre Grenzen im Artikel 15 gesetzt bekommt. Bei der Abwägung zwischen Eigentum und Gemeinnutz sollte sich jeder mal die Frage stellen, in was für einem Staat man leben möchte.
In der Frage von überteuerten Mieten in den Innenstädten deutscher Metropolen können sich die meisten Menschen solidarisch erklären, da sich die Kritik an überwiegend ausländische Investoren richtet. Ist das deshalb schon Rassismus? Ist eigentlich auch spaßig, da die Protestler zum Großteil politisch eher links orientiert und sich daher strikt gegen Ausländerfeindlichkeit stellen. Den Widerspruch kann der Abiturient natürlich schnell auflösen, hinterfragt dann aber wenigstens seinen Dogmatismus in Rassismusfragen.
Und dann kam gerade der Juso Vorsitzende Kevin Kühnert um die Ecke. Bei Anne Will überlegte er gar eine Enteignung und Vergesellschaftung von BMW. Da war sie also, die Bedrohung des Systems. Jetzt hagelte es pflichtbewusst Kritik von allen Seiten. Medien, Politik und Wirtschaft waren sich einig. Sogar der Betriebsratsvorsitzende von BMW entrüstete sich und verwies auf sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze im Konzern.
Kühnert konterte dies souverän:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kevin-kuehnert-attackiert-bmw-betriebsratschef-manfred-schoch-a-1265877.html
Das sich der Betriebsratsvorsitzende derart outet und Eigentumsverhältnisse mit der Fähigkeit zur Innovation (dazu brauchen die Arbeiter keine Familie Quandt) verwechselt, ist schon heftig.
Aber ob es um Wohnungen oder BMW geht - die Botschaft, die uns die Medien zu vermitteln versuchen, ist klar. Jede Art von Enteignungen führt zwangsläufig zu Verhältnissen wie in der DDR, und da wissen wir ja alle, wie schlecht es den Menschen dort ging. Doch Moment: Auf eine Anfrage der Grünen musste der Verkehrsminister Scheuer gerade eingestehen, dass die Bundesrepublik 62 Verfahren zur Enteignung von Grundbesitzern betreibt, um die eine oder andere Autobahn bauen zu können.
Da schließt sich der Kreis. Wenn es ums Auto geht, ist eine Enteignung durchaus im öffentlichen Interesse. Ein BMW braucht halt Auslauf. Bezahlbare Mieten in der Innenstadt sind nicht so wichtig. Arbeitslose und Rentner bauen - und kaufen! - keine Autos. Und die Arbeiter und Angestellten sollen gefälligst weit weg wohnen und sich ein Auto kaufen.
Eins noch: Natürlich weiß ich auch, dass durch Enteignungen allein keine dringend benötigten neue und preiswerte Wohnungen zur Verfügung stehen. Aber die Leute, die in diesen Wohnungen leben, wären vor den üblich gewordenen saftigen Mieterhöhungen geschützt.
Das habe ich jetzt arg verkürzt dargestellt, aber mir fehlt gerade der Platz und die Geduld, das sauberer zu formulieren. Hoffentlich demnächst kann ich das nachholen.

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