Samstag, 5. Juli 2014

Hartmudo: An der Kasse

Also wirklich. Am Montag Mittach bei Kaufland an der überfüllten Kasse ist mir da was passiert. Ich hatte bezahlt und die Waren auf der schmalen Ablagefläche in meine Tasche gepackt, da sprach mich die ältere Dame , die nach mir dran war, von der Seite an:
„Mit einem Einkaufswagen wäre es schneller gegangen!“
Spontan antwortete ich:
„Sie sind doch Rentner. Sie haben Zeit. Ich nicht!“
Passte vielleicht nicht ganz, aber so einfach wollte ich die alte Urschel nicht davonkommen lassen. Da war ich dann doch etwas stinkig. Immer diese Rentner mittags.
bei Beginn des Berichts
Vielleicht kennst Du das ja auch, wenn Du in der Mittagspause einkaufen gehst. Wie, da hast Du keine Zeit für? Schläfst Du oder was? Gehst in die Kantine eventuell oder bist meilenweit vom nächsten Supermarkt entfernt. Dann natürlich nicht. Solltest Du allerdings lieber im Büro hocken, weil Du Dir von zuhause was mitgebracht hast, dann wirst Du meinen Ärger nicht oder nur schwer nachvollziehen können.
Macht nix, ich erzähls trotzdem. Und wo fang ich an? Mit dem Essen und Trinken natürlich, denn das braucht der Mensch auch während er arbeitet. Viele nehmen sich ja Stullen von zuhause mit. Einer meiner Kollegas z.B. kriegt Weißmehlbrötchen mit Wurst und Butter als Unterlage von seiner Frau geschmiert. Die Inbrunst, wenn er kräftig in das Brötchen beißt, als ob er 2 Tage nichts gegessen hat, finde ich immer wieder faszinierend.
Dieses Bild hat etwas Anrührendes, weil ich kann förmlich sehen, wie es ihm schmeckt. Bei einem anderen Kollegen mit den selbstgeschmierten Leberwurstbroten sieht dies anders aus. Er verwendet schon seit über 20 Jahren die gleiche Sorte vorgeschnittenes und abgepacktes Kastenbrot einer Billigmarke. Wenn er die Brotdose nur öffnet, stellen sich bei mir schon die Nackenhaare auf. Es sieht eben nicht appetitlich aus, wenn er die Brote aus dem fettverschmierten Butterbrotpapier auswickelt und dann in seine Stulle beißt.
Ich meine eine Stulle, bei der sich aufgrund des relativen Alters des Brotes die Ränder schon wellen. Brrrr …..
Früher hatte ich Brot selbst gebacken und dann mit Frischkäse oder auch vegetarischer Gemüsepaste, abgekürzt Tartex, beschmiert und dann mit zur Arbeit genommen. Da das Brot frisch war, wellte sich da nichts. Im Gegenteil. Jetzt schmeckte es erst richtig und ich biß immer gerne herzhaft hinein – ungefähr so wie der erstgenannte Kollega.
Irgendwann vor knapp 15 Jahren hörte ich jedoch mit dem Brotbacken auf, weil die einzeln gekauften Zutaten teurer als ein fertiges Brot vom Bäcker waren. Im Hier und Jetzt nehme ich meist Knäcke, aber auch schon mal Peter und Harry. Das schmier und belege ich jedoch nicht mehr zuhause, sondern im Büro.
Da ich Wurst und Streichfette aber nicht täglich von zuhause mitbringen möchte, kommt der Supermarkt ins Spiel, hauptsächlich Kaufland. In der Mittagspause … Die ganzen Rentner …
Klaro habe ich die Möglichkeit, frische Lebensmittel am Arbeitsplatz in einem Kühlschrank zu packen. Wurst, Käse, Joghurt, Streichfett und natürlich kalte Getränke, die gerade jetzt im beginnenden Sommer unerläßlich sind.
Der Gang zu Kaufland wurde bei mir seit Jahren zur Notwendigkeit, weil ich stilles Wasser zum Teekochen brauche. Bekanntermaßen ist das Leitungswasser in Salzgitter so hart, dass z.B. eine Kaffeemaschine, die bei mir in Braunschweig jahrelang ohne Murren lief, bereits nach 2 Monaten Leitungswasser in Salzgitter die Grätsche machte.
Nun trinke ich Tee. Aufgrund des harten Leitungswassers entsteht auf dem Tee und am Tassenrand ein ekliger Schmierfilm, als ob mein Hamster dort reingespermt hätte. Deshalb bin ich zum stillen Wasser für 19 cent pro 1,5 Liter Plasteflasche gewechselt. Bevorzugt Montags gehe ich dann in der Mittagspause zu Kaufland.
Knäckebrot, Frischkäse, Tartex, Joghurt … Mini Putenwiener im zarten Saitling … Kaufland ist schon topp ausgestattet. Da der Laden relativ groß ist, denkst Du beim Einkaufen gar nicht drüber nach, was Dich dann an der Kasse erwartet.
Dort angekommen, stelle ich immer öfter fest, das 3 – 4 Kassen (!) geöffnet sind und ich mich so als vierter oder fünfter in die Schlange an der Kasse einreihe. Kollegen oder auch andere Berufstätige holen dann ihr Essen so wie ich und das ist ja auch o.k.
Ob die Mütter mit den kleinen Kindern kurz nach 12.30 Uhr an der Kasse stehen müssen, weiß ich nicht. Ich bin da zwar auch skeptisch, aber nach dem Kindergarten einkaufen und Kinder danach abzufüttern, erscheint mir noch plausibel.
Die ganzen Rentner jedoch haben um diese Tageszeit dort nichts zu suchen. Und dann an der Kasse noch meckern! Da steh ich ja drauf. Soll`n se doch morgens um 9 oder kurz vor 15 Uhr einkaufen, wenn es leer ist oder nur noch die Mütter mit den kleinen Kindern unterwegs sind. Aber doch nicht während meiner Mittagspause.
Den insgeheimen Vorwurf der Rentnerin, dass ich diese Miniablagefläche nach dem Scanner der Kasse blockiere, weil ich meine Lebensmittel eben nicht in einen Einkaufswagen, sondern gleich direkt in die Tasche packe, hefte ich mir nicht an.
Am Ende des Berichts
Dass die Supermärkte seit Jahren dazu übergegangen sind, die großzügigen Ablageflächen nach dem Scanner zu entfernen, hat lediglich einen Grund: Die Kunden sollen alles in einen Einkaufswagen packen, damit die Kasse so schnell wie möglich wieder leer ist und so tatsächlich mehr Kunden durchgeschleust werden können. Das erhöht entweder den Umsatz oder senkt Personalkosten.
Als König Kunde ist mir das aber egal. Ich will meine Plünnen nicht hui hui hui in einen Einkaufswagen schmeißen und dann hinterher im Gang freihändig in die Tasche packen. Ich mache das gleich. Direkt und an der Kasse und wenn die Schlange noch so lang ist.
Bei DM oder Rossmann gibt es noch diese „Auslaufzonen.“ Wenn es dort geht, warum nicht auch bei Kaufland oder Real? Ich bin doch nicht im Supermarkt, um irgendwelche Kostenrechner eines Einzelhandelskonzerns glücklich zu machen!
Schlimm genug, das ich schon lange an der Kasse warten muß. Schließlich habe ich nur ne halbe Stunde Mittagspause. Ich glaube, das machen die Rentner extra. Die sprechen sich vorher ab und latschen dann exakt pünktlich um12Uhr zu Kaufland, um der arbeitenden Bevölkerung die Mittagspause zu versüßen.
Ich kauf ohne Einkaufswagen ein, wenn ich es für angebracht erachte. So weit kommts noch!

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