Sonntag, 18. Februar 2024

Hartmudo: Superwumms

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Die Brötchen wurden stilgerecht in einem Bastkörbchen serviert. Wurst, Käse und Marmelade wurden hingegen auf einer Etagiere kredenzt. Begleitet wurde das Ganze von den liebevollen Erklärungen der Wirtin, die aber nun wirklich mit extrem viel Herzblut bei der Sache war.
Während unseres Frühstücks blieb der Gastraum angenehm leer, es verirrte sich lediglich ein anderes Pärchen an diesen heimeligen Ort. Was mich dann doch verwundert hatte, denn hier wurde keine Aldi-Aufreißware serviert. Im übrigen vermisste ich die gemütliche Bahnhofs Atmosphäre so mancher Bäckerei Cafés in keinster Weise, im Gegenteil.
Die modern wirkenden Holzstühle mit weißen Bezügen kontrastierten hervorragend mit den kleinen Deckchen und den Blümchen auf den dunklen Holztischen. Ich denke, dass dieses Frühstück zwei Tage vorher an unseren Kennenlerntag angemessen gewesen wäre. Und dann entdeckten wir noch diesen Flyer mit einem schönen Event im Panorama Café.
Am Dienstag in der Folgewoche veranstalteten die Betreiber anlässlich des Valentinstages ein besonderes Frühstück; Eine Voranmeldung wurde erbeten. Da hatten wir doch gleich die passende Aktion für unseren Tag mit Dora und Herbert am Dienstag in der Folgewoche gefunden.
Nach dem Frühstück hielten wir uns auch nicht mehr lange in Gifhorn auf und wir begaben uns auf den Rückweg. An der Schwedenkanzel in Veltenhof legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp für einen Spaziergang ein. Die Wiesen dort waren mir bis dato gänzlich unbekannt gewesen, da fühlte ich mich, wie so häufig in jenen Tagen, wie in einer mir unbekannten Stadt.
Achtsam nahm ich die Atmosphäre in mir auf, das wirkte sich positiv auf mein Stimmungsbild aus. Dass ich dies erst Monate später hatte erkennen können, war schon in Ordnung gewesen. Abends ergab sich das übliche Bild aus Angstanfällen, Serie gucken zur Beruhigung und der Kampf ums Einschlafen nach der Buchlektüre.
Samstag, 11. Februar. Nach einem kurzen Frühstück, welches zu mir zu nehmen immer noch Probleme bereitete, hatten wir um 9.30 Uhr gleich wieder einen Termin: Das Outlet-Center in Wolfsburg mit unseren Freunden Mary und Charles.
Pünktlich holten uns beide ab und erneut war ich ob des Termins, dieser willkommenen Ablenkung von den tristen Tagen ohne wirkliche Aufgaben mit viel zu viel Zeit zum Grübeln, guter Laune und unterhielt mich schon auf der Fahrt angeregt mit meinen Mitstreitern.
An jenem trüben und nasskalten Wintertag waren wir ganz früh dran gewesen - quasi zur Ladenöffnungszeit - und Charles ergatterte einen Parkplatz direkt am Outlet-Center. Für Charles und mich war es keine Überraschung - unsere Frauen zeigten sich in der gewohnten Shoppinglaune.
Bei Lindt und Storck waren wir selbstverständlich auch „on Fire", doch ansonsten ließen wir unsere Frauen gerne allein umherziehen und setzten uns alsbald in das Café. War wohl ein Starbucks; ein Laden, den ich normalerweise meide wie der Teufel das Weihwasser.
Die verkaufen eigentlich ungenießbaren Kaffee, der lediglich durch verschiedene „Flavour" genießbar ist. Da Charles und ich so neumodischen Krams ablehnend gegenüber stehen und lieber nen guten alten Pott Kaffee schätzen, war ein Cappuccino das Getränk unserer Wahl. Das ist noch o.k., aber Haselnussaroma oder ähnliche Sirups gehen gar nicht.
Die Amis und die zahlreichen Jugendlichen im Starbucks des Outlets sind leider stark degeneriert, die merken doch nichts mehr.
Schließlich hatten unsere Frauen alsbald alles abgeklappert, so dass wir in der Wolfsburger Fußgängerzone noch ein Ristorante - Pizza! - aufsuchen konnten. Fürs Protokoll: Das Essen hatte keinen bleibenden Eindruck hinterlassen können.
Natürlich gehörte ein Besuch in der Einkaufspassage der Innenstadt als Abrundung dieses Ausflugs dazu. Mithin eine Aktion, auf die Charles und ich gut hätten verzichten können. Das sagt „Mann" dann so und läuft trotzdem immer wieder mit. Das Leben an sich ist halt ein Mysterium und reich an Widersprüchen. Was ja auch das Schöne daran ist. Da ist es doch Quatsch, Angst vor dem nächtlichen Schlaf zu haben. Schade, dass ich im Februar diese Gedanken nicht entwickeln konnte.
Am frühen Nachmittag waren meine Löwin und ich wieder zu Hause und hatten noch eine Aktion vor der Nase: H. G. Butzko um 20.00 Uhr in der Brunsviga. Einer der etwas bekannteren politischen Kabarettisten, wenn auch nicht eins der ganz großen Schwergewichte. Die Karten hatte ich uns wohl zu Weihnachten geschenkt.
Das passte ja auch gut zu unserem Kennenlerntag. Dunkel erinnere ich mich, dass wir mit Bus und Straßenbahn in die Brunsviga gefahren waren. Ohne weitere Mitstreiter durften wir einen hervorragend aufgelegten Butzko erleben, der sich wohltuend unaufgeregt zur da immer noch grassierenden Corona Hysterie äußerte.
Zu der Zeit standen sich ja Befürworter und Gegner von Coronaschutzmaßnahmen unversöhnlich, mitunter gar hasserfüllt, gegenüber. Mir selber hatten die Streiten um diese Thematik zwei Jahre lang sehr viel Stress bereitet, weil ich mich dermaßen stark in das Thema hineingesteigert hatte und ja auch jede Woche bei den Montagsspaziergängen dabei war, dass ich oft aggressiv in Diskussionen reagierte.
Zusätzlicher Stress im Job und (eher seltener) im privaten Bereich hielt meinen Puls häufig genug bei hoher Drehzahl. Und ich Dummerchen fand das auch noch geil, weil ich es ja „rausließ". Stattdessen hätte ich mich besser zurücklehnen und zurücknehmen sollen. Oder bei der Schwedenkanzel spazieren gehen.
H.G. Butzko: Er nahm nicht direkt eine Position gegen die Corona Maßnahmen ein, sondern eher indirekt, indem er sich bewusst sachlich zum Thema äußerte. Er zeigte Verständnis für beide Seiten, ließ aber dankenswerterweise kein gutes Haar an all den Leuten, welche kein Problem darin sahen, Grundrechte außer Kraft zu setzen.
Genau meine Meinung, ich war begeistert gewesen. Butzko bot keine Schenkelklopfer, sondern regte eher zum Nachdenken an. Dies zu einer Zeit, in der Künstler schon aus dem TV entfernt wurden, weil sie als Coronaleugner dank kritischer Äußerungen verleumdet wurden. Hut ab, dass Butzko noch einen Arsch in der Hose hat.
Gutgelaunt fuhren wir nach Hause und ich freute mich tatsächlich schon auf meinen Termin am Montag beim Neurologen, der mich psychologisch unterstützen sollte. Ich sah meine Leidenszeit schon zu Ende gehen. Da war also Licht am Ende des Tunnels.

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