Freitag, 23. Januar 2026
Hartmudo: Belgien
Der Rest war mehr oder weniger Formsache. Am Bahnhof Brüssel Süd fanden wir die Haltestelle der Buslinie 50 problemlos und fuhren nach kurzer Wartezeit Richtung Ruisbroek. Während der Fahrt des Busses, der "an jeder Milchkanne" anhielt, konnten wir noch einmal schön die Blicke auf die Kulissen der touristisch voll erschlossenen Hauptstadt Europas werfen.
Obgleich uns diese letzte Busfahrt in Belgien ein wenig an die Fahrten auf Jersey erinnert hatte, kam bei uns keine große Begeisterung mehr auf. Zu sehr waren wir nach diesem insgesamt eher ungünstig abgelaufenen Tag auf die Heimreise fixiert. Man könnte sogar sagen, wir freuten uns sogar richtig darauf, dass es an diesem Tag noch zurückging.
Das hatte zur Folge, dass wir beide sichtlich besser gelaunt als noch 5 Stunden zuvor waren und dementsprechend zügig von der Bushaltestelle in Ruisbroek Mitte zu unserem Hotel marschiert waren. Als ich dort die Concierge nach der Rückerstattung der zweiten Nacht fragte, erlebte ich eine kleine Enttäuschung.
Da ich beide Nächte über das Partnerprogramm von Ibis gebucht hatte, müsste ich mich wegen einer Rückerstattung auch über die App dorthin wenden. Der Kollege, der mir dieses schwer verständliche Bonusprogramm am Vortag angedreht hatte, hätte mir zwar auch helfen können, hatte an diesem Tag allerdings frei.
"Scheiß drauf". So mein erster spontaner Gedanke. Wir gingen noch einmal auf unser Zimmer, packten unsere Sachen in Windeseile zusammen und saßen in Rekordzeit im Auto. Ca. 18.00 Uhr. Android Auto an, auf "Zuhause" gedrückt und schon ertönte der Motor, um uns auf schnellstem Wege nach Braunschweig zu bringen.
Leider ergab sich da bereits zu Beginn ein kleines Problem. Die Autobahnauffahrt, die wir bei der Ankunft am Vortag benutzt hatten, war wegen eines Unfalls vollständig gesperrt. Android Auto bot uns stattdessen eine Ausweichroute durch die Brüsseler Innenstadt an.
Fremder! Falls Du jemals Gefahr laufen solltest, in den Brüsseler Feierabendverkehr zu stolpern, stell Deine Karre schnell an die Seite und setz Dich für mindestens zwei Stunden in ein Cafe oder Restaurant. Es muss ja nicht das "Time Off" sein. Wir brauchten mindestens eineinhalb Stunden, ehe wir uns durch den Stop and Go Wahnsinn durchgeboxt hatten.
In dieser kurzen Zeit wurde uns von verschiedenen belgischen Autofahrern vorbildlich gezeigt, warum auch eine theoretische Fahrprüfung - die es in Belgien ja nicht gibt - sinnvoll ist. Ohne Rücksicht auf Verluste fuhren uns diverse Belgier vor den Kühler, um vermeintlich schneller vorwärts zu kommen.
Nur unsere ob der ersehnten Heimfahrt aufgehübschte Stimmung verhinderte einen Wutausbruch, der uns sicherlich teuer zu stehen gekommen wäre. Wenigstens konnten wir uns zusammen über die belgischen Autofahrern aufregen. Das schweißte uns an diesem Tage wieder zusammen, so dass wir kurze Zeit später auf der Autobahn wieder scherzen konnten und vor allen Dingen diesen Urlaub einer kurzen Analyse unterziehen konnten.
Wie üblich hatten wir Kunst und Kultur nur ein wenig gestreift gehabt, weil wir uns vordringlich eher mit den lukullischen Genüssen zu beschäftigen pflegen. Hier habe ich dieses Mal tatsächlich mehr als meine Löwin mitgenommen; die Frikadellen und auf alle Fälle die Bitterballen hatten es mir angetan.
Dagegen fiel das belgische Bier naturgemäß stark ab. Das Fruchtbier hatte meiner Löwin auch nur am ersten Abend gemundet, danach hielt sie sich davon fern. Frucht- oder Trappistenbiere lasse ich dagegen von vorneherein stehen, da bin ich nicht so vergnügungssüchtig.
Natürlich wäre der Besuch des Atomiums das Highlight dieses Urlaubs gewesen, nein - er war es auch. Der Verlust meiner Brieftasche schmälert das Erlebnis Atomium Brüssel ja nicht wirklich, nur meine Dämlichkeit hatte an diesem Tag den negativen Akzent begünstigt.
Jedenfalls freuten wir uns auf unser Zuhause; wahrscheinlich hätten wir das Europaparlament eh nicht mehr anschauen können und Männeken Pis… Nun ja. Das ist dann eigentlich nun wirklich auch verschmerzbar.
Trotz der Widrigkeiten des Staus in Brüssel waren wir noch vor Mitternacht zu Hause und packten unsere Koffer noch am selben Abend aus. Und wir waren froh, so gehandelt zu haben. Denn eine weitere Nacht in Ruisbroek hätte uns nicht nach vorne gebracht.
Mal schauen, wann und wohin wir wieder unterwegs sein werden.
Samstag, 17. Januar 2026
Hartmudo: Alles Neu 2/2
Irgendwann wird mir das Emmermehl noch über den Weg laufen, da bin ich frohen Mutes. Das Brot wurde aber auch so zum Hit. Mittags zusammengerührt, ließ ich den Teig in einer großen Schüssel für sechs Stunden ruhen. Abends dann backte ich zwei kleine Brote im Lekue und war beim Anstich begeistert. Selbst meine Löwin schlug hier das ganze Wochenende über zu. Und am Schönsten ist die Erkenntnis, das Brotbacken nicht verlernt zu haben. Ist halt wie Fahrradfahren; das verlernt man ja auch nicht.
Nachdem ich meine Löwin dann am nächsten Morgen ins Schloss zur nächsten Thermomix-Sause gefahren hatte, fuhr ich gleich in die Wasserwelt, um endlich wieder ein paar Bahnen zu ziehen. Das hatte ich mir bereits das ganze Jahr 2025 vorgenommen gehabt, es aber aufgrund der Verletzung an den Beinen und dem Loch in der Schulter nicht umgesetzt.
Mittlerweile - ca. seit Anfang Dezember - ist auch das Loch in der Schulter wieder dicht. Und so parkte ich das Auto bei der Wasserwelt und stapfte durch die schneiende Landschaft in die große Badewelt hinein. Ausreden, wieder zu kneifen, fand ich diesmal keine. Man muss die Dinge einfach auch mal durchziehen. Denn am Schönsten ist es, wenn der Schmerz nachlässt.
Im Vorfeld hatte ich es bereits eruiert gehabt: Die Wasserwelt verfügt über ein 25 Meter großes Sportbecken, in dem in der Woche die Schüler und Vereine unterwegs sind. Am Wochenende und in den Ferien ist das Sportbecken frei für alle. Also auch für mich.
Meine Überlegung tendierte zu der folgerichtigen Erkenntnis, dass der Weg zur Hamburger Straße in die Wasserwelt erheblich kürzer ist als der ins Heidberg. Und Samstags oder Sonntags Morgen habe ich mittlerweile eher Zeit fürs Schwimmen als Mittwochs (da bin ich im Home Office) oder am Dienstag nach der Arbeit, was ich vor Corona mit Pocke so gemacht hatte. Doch seinerzeit war ich direkt von der Arbeit bzw. vom Bahnhof aus ins Heidberg geeiert.
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| In der Umkleide |
Und dann kam mein Fahrradunfall. Da hatte ich das Schwimmzeug fürs Heidberg auch schon dabei gehabt und in der Hektik… egal, der Plan geht Richtung Wasserwelt. Am Tresen informierte ich mich auch gleich über die Modalitäten der von mir früher so geschätzten aufladbaren Karte für die „Stammgäste“.
Die Plastikkarte gibt es nicht mehr, es läuft alles über den Chip am Armband. Dieser steuert alles; vom Eintritt bis zum Verschließen des Umkleideschranks. Da ich Dienstleistungen eher selten blind buche, bezahlte ich den Eintritt für 90 Minuten und ging in die Umkleide. 90 Minuten reichen mir vollkommen, da ich für meine Bahnen früher schon mit ner Dreiviertelstunde hingekommen bin; da bleibt viel Zeit fürs Ausziehen, Anziehen und Eincremen nach dem Ausduschen.
Das Umziehen ging schnell und nach anfänglichen Problemen mit dem Chip am Handgelenk und der Schranktür ging es endlich los. Schnurstracks watschelte ich über die Dusche (erst heiß, dann immer kälter) zum Sportbecken. Das war leidlich gefüllt; auf den 6 Bahnen waren jeweils zwei bis drei Leute unterwegs.
Ich begab mich auf eine der Bahnen am Rand, weil ich nicht unter der Bahnbegrenzung hindurch tauchen wollte. Ein klein bisschen Schiss wegen Auge, Nase - sucht Euch was aus. Jetzt endlich ging es los; 10 Bahnen hatte ich mir für heute vorgenommen. Pause nach jeder Bahn, wenns gut läuft, nach jeder zweiten.
Vor meinem Unfall waren 18 - 20 Bahnen mein Standard gewesen. Ohne Pausen. Aber nach all der Zeit wollte ich es nicht gleich übertreiben. Und tatsächlich - ab Bahn Nummer 5 taten mir schon die Hüfte und der untere Rücken etwas weh. Will damit sagen: Nach acht Bahnen verließ ich das Becken und trudelte gemütlich im großen Hauptbecken aus.
Ein Meter Dreißig Tiefe sind es dort; für mich etwas wenig zum Schwimmen, da ich meine Beine eher tief zu halten pflege. Das musste ich schmerzhaft bei einer Bodenberührung feststellen. Egal, nach kurzer Zeit verließ ich die Schwimmarena, duschte aus und verließ das Gebäude. Nach 75 Minuten; die Zeit von neunzig Minuten reicht ergo aus.
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| So geht Winter |
Im Schneegestöber draußen glitt ich auf der Schräge aus und landete auf meinem Hintern, durfte aber keine Folgeschäden beobachten. Sehr gut, das Schwimmen in der Wasserwelt werde ich im Auge behalten. Mal sehen, wie lange die Anreise mit dem Fahrrad dauert.
Abschließend halte ich fest: Brot backen und Schwimmen sind meine Vorsätze fürs neue Jahr. Beides Hobbys, die mir in der Vergangenheit viel Freude bereitet hatten und die mir auf dem Weg verlustig gegangen waren. Da schaun mer mal, wie sich das anlässt übers Jahr. Ich werde es dann berichten. Zwischendurch.
Knapp über 20 Monate sind es jetzt noch, die ich arbeiten muss, bevor ich die wohlverdiente Pension einstreichen kann. Der Job nervt mich von Tag zu Tag mehr. Doch am meisten ätzt es mich an, dass ich über die volle Strecke bis 66einhalb Jahre gehen muss. Viele andere sind schon mit 58 oder Anfang ihrer Sechziger zu Hause geblieben.
Wenn auch mit Abzügen, aber in meinem Fall kann ich mir die Abzüge nicht leisten, wenn ich in der Pension noch zur BiRe oder andere Events fahren möchte. Sicherlich müsste ich dann nicht alles absagen, aber einschränken wäre schon angesagt. Und dann wäre ich bei der einen oder anderen Aktion eben nicht mit dabei.
Und das will ich nicht. Von daher halte ich durch. Wie die Eintracht, die gefälligst auch nicht absteigen soll. In diesem Sinne: Lasst die Spiele beginnen. 2026, los gehts.
Freitag, 9. Januar 2026
Hartmudo: Alles Neu 1/2
Für mich begann 2026 Silvester kurz nach Mitternacht, als wir mit Jela nach draußen auf die Straße traten, um mit ihr ein paar Raketen abzufeuern. Wir taten dies garantiert nicht, weil meine Löwin und ich so geil aufs Böllern sind, sondern um unserer Enkelin das "Erlebnis" der Knallerei an Silvester zu vermitteln, ehe es verboten wird.
Und das hoffentlich bald. Schon nach wenigen Metern, kurz nach der Einfahrt zu unserem Hof, zuckte ich nach der Explosion eines brutal lauten (polnischen?) Knallers zusammen. Unwillkürlich musste ich an den Krieg in der Ukraine denken. Und an all die Leute, die das sinnlose Töten dort und die unsinnige Aufrüstung hier befürworten.
Die sollen alle zusammen vielleicht mal in das Freiwilligen-Korps der Ukraine eintreten. Vielleicht merken sie dann ja endlich, dass das tausendfache Sterben in der Ukraine - und auch im Gazastreifen - der angeblichen Wertebasierten Ordnung des Westens widerspricht, zumal eben dieser Wertewesten die Konflikte dank permanenter Waffenlieferungen auch noch anheizt. Und wenn es um Gespräche mit dem "Aggressor" Putin geht, herrscht bei unseren "Eliten" absolute Funkstille.
Ich für mein Teil möchte auch einen nur konventionellen Krieg um keinen Preis der Welt erleben, einen dann wahrscheinlichen Atomschlag dagegen schon eher. In dem Falle wäre es wenigstens schnell vorbei. Meine Güte, diese ganzen Bengels, die da in dieser Nacht schon seit dem Nachmittag rumgeballert haben, leben wohl in ihrer Playstation Traumwelt.
Nach dem ersten Schreck gingen wir aber zügig weiter zur Straße, um die Sch… Raketen schnell wegzuballern. Wie gesagt, die Kleine.... hatte sich schon seit Wochen drauf gefreut. Sieben ist sie jetzt, die kleine Prinzessin. Und bekam von all dem lauten Geballer Angst.
Leute! Schlagt mich mit nassen Handtüchern, nennt mich bei Tiernamen. Aber: Ja - das Verteufeln des Ballerns und gleichzeitig dieses der Enkeltochter zuzumuten… ist konträr gegensätzlich. Äh, was? Widerspricht sich. Das ist mir eben beim Schreiben gerade selbst aufgefallen. Und dennoch, so bin zumindest ich der Meinung, war diese Vorgehensweise richtig.
Denn es ist gut, wenn Jela beim Ballern von polnischen Böllern und Raketenbatterien Angst verspürt. Denn jetzt hat sie zumindest einen groben Eindruck bekommen, wie lebensbedrohlich es sich anfühlt, wenn echte Raketen herum schwirren und man selbst der / die / divers nächste ist, der / die / divers getroffen wird.
Und jetzt alle: NIEDER MIT DEN WOKEN! So, das musste mal raus.
Ganz schnell waren wir wieder in unserer sicheren Wohnung gelandet. Die letzten 2 Raketen hatten wir den Nachbarn geschenkt. Meine Löwin und ich wären gerne noch bei unseren netten Nachbarn zum Plauschen stehen geblieben, aber Jela hatte die Paranoia gepackt. Sie wollte einfach nur noch weg, hatte Angst.
Nochmal: Das Szenario erwies sich als durchaus stimmig. Es knallte und zischte; auch fühlte es sich temperaturmäßig wie in der ukrainischen Tundra an. Meine Hoffnung ist jetzt, dass Jela sich in ihrem weiteren Leben der fortschreitenden Militarisierung verweigert. Das sie aktiv gegen diese Militarisierung demonstriert, mag ein Träumchen von mir bleiben.
Ihr geht es aber jetzt wieder gut, was mich zugegebenermaßen beruhigt. Im neuen Jahr. Hey - in diesem Jahr! Und da sind wir nun (endlich!) bei den guten Vorsätzen, welche es umzusetzen gilt und zumeist zum Scheitern verurteilt sind.
Als erstes: Brot backen. Bis ins neue Jahrtausend hinein hatte ich alle zwei Wochen zuhause ein Brot gebacken. Zumeist mit Dinkelvollkorn, eventuell mit Sonnenblumen- oder Kürbiskernen verfeinert. Auch sparte ich nicht am Brotgewürz, welches meine Löwin sehr schnell ablehnte, weil überwürzt.
Da wir alsbald unsere Kisten zusammen geschmissen hatten, fehlte mir irgendwann die Zeit zum Brotbacken. Und die Akzeptanz meiner Löwin; wenn sie es gut gefunden hätte, wäre die über 20jährige Pause beim Brotbacken nicht eingetreten. Und dann backte ausgerechnet meine Löwin irgendwann selber Brot. Mit Hilfe von Tuppers Ultra oder ihrem Thermomix, und das schmeckt zugegebenermaßen nicht schlecht.
Kurz gesagt: Das frustrierte mich die ganze Zeit. Und dann fand ich im November letzten Jahres diese Backmatte von Lekue, bestellte sie bei Amazon und ließ mir das Ding von meiner Löwin zu Weihnachten schenken.
Und Voila, am Freitag dem Zwoten, nach meinem ersten Arbeitstag im neuen Jahr, ging es dann mittags los. Schon Tage vorher hatte ich nach Rezepten im Internet geforscht, hatte Anfang der Woche bei Edeka noch Mehl und Trockenhefe gekauft. Puristen nehmen Sauerteig oder frische Hefe, doch ich hatte früher schon mit Trockenhefe positive Erfahrungen sammeln können, zumal diese die Arbeitszeit verkürzt und den Zeitaufwand in Grenzen hält.
Dazu hatte ich beim Anbremsen (ich war mit dem Wagen zur Arbeit gefahren) bei Edeka, also dem After-Work-Shopping, noch eine Flasche Dithmarscher Dunkel gekauft. Das gesuchte Emmermehl war bei Edeka leider nicht erhältlich, aber ihr merkt schon, dass ich mich sofort für ein Bierbrot entschieden hatte.
Die Hefe des Bieres sowie das Gerstenmalz fördern das Aufgehen des Brotteiges enorm, wobei das Malz den Geschmack idealerweise abrundet. Das von mir eingesetzte Dinkelvollkornmehl ist hierbei Weizenvollkorn stets vorzuziehen; geschmacklich ist Weizenbrot eher nicht so intensiv. Bei Brot ist dies schlecht, bei Brötchen dagegen ist Weizenmehl unschlagbar. Zumindest, wenn man dort noch eine Bratwurst einklemmen kann.
Sonntag, 4. Januar 2026
Contramann: kurz gesehen im Januar
Und natürlich die Verhaftung von Maduro in Venezuela und Verschleppung in ein US-Gefängnis. Völkerrechtlich äußerst bedenklich ist hier die Vorgehensweise, egal wie man das System Maduro betrachtet.
Werden die USA jetzt wegen des völkerrechtswidrigen Angriffs von Olympiade und Fußball WM ausgeschlossen? Wo bleiben die schnell angekündigten Sanktionen gegen die USA, Frau von der Leyen? Nanu, Fehlanzeige? Mit Russland hatte man das doch auch durchgezogen.
https://overton-magazin.de/kommentar/gesellschaft-kommentar/alles-gegen-rechts/
Frohes Neues mit diesem Artikel, der mir irgendwie aus dem Herzen spricht. Und spontan denke ich da an die Szene im Film „CBGB“, wo Hilly die 4 langhaarigen Jungs aus Queens nach ihren Songs fragt. Joey antwortet:
„Wir haben 4 Stücke. „I don’t wanna walk around with You“, „I don’t wanna be learned“, „I don’t wanna be tame“ und „I don’t wanna go down to the Basement“.“
Hilly ist irritiert.
„Ne ganze Menge, was Ihr nicht wollt. Wollt Ihr überhaupt was?“
Joey druckst zuerst etwas rum, meint dann aber:
„Wir haben da noch was in Arbeit. Das heißt „I wanna sniff some Glue“.“
„Gut, einen Standpunkt zu haben“, so Hillys Resümee.
Und das ist eben das Problem all dieser … gegen Rechts Gruppen. Sie wissen, dass sie dagegen sind. Wenn Sie aber etwas Positives dagegen stellen sollen, kommt höchstens „Glue“. Nicht, dass diese Leute wirklich Klebstoff schnüffeln wollten, aber mehr als Allgemeinplätze wie Freiheit, Toleranz oder Demokratie kommen dabei nicht rum.
Den Begriff „freie Meinungsäußerung“ habe ich hier nicht angeführt, weil genau diese durch die ach so engagierten Gruppen ausgehebelt wird. Denn jeder, der gegen die Meinung dieser Verteidiger der Demokratie ist, ist ein Rechter.
Diese reflexartige Ausgrenzung Andersdenkender war übrigens auch ein klassisches Merkmal im Nationalsozialismus, wenn es um/gegen die Bolschewiken ging.
„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus»“ - Ignazio Silone.
In diesem Sinne. Möge 2026 nicht das letzte Jahr in „Freiheit“ sein.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/altersarmut-steigt-wagenknecht-nennt-rentner-wohlstandsverlierer-der-letzten-jahre-li.10011304
Hier mal was für unsere Statistikfreunde. Anhand von Durchschnittszahlen von Jahreseinkommen der letzten 3 Jahre argumentiert Sahra Wagenknecht zu Recht, dass der Abstand der Einkommen der arbeitenden Bevölkerung zu den Renteneinkommen immer größer wird. Und immer mehr Menschen, vor allem Frauen, müssen „zum Amt.“
Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII; genau das ist mein Arbeitsumfeld und ich kann Frau Wagenknecht hier nur zustimmen. Und dass dem so ist, liegt eben auch an den vielen Jobs im Niedriglohnsektor, den ausgebaut zu haben sich Gerhard Schröder einst rühmte. Klare Kante halt. Niedriges Einkommen bedeutet weniger Rentenbeiträge und bei Auszahlung logischerweise viele niedrige Renten, welche der Staat durch Transferleistung (SGB XII) aufstocken muss.
Aber laut unseres aktuellen Bundeskanzlers sei der Sozialstaat so nicht mehr finanzierbar und muss reformiert werden. Wobei Reform ja die neue Duftmarke der Nebelkerze ist. Die ganzen Lobbyinteressen von Betreibern sozialer Einrichtungen müssen natürlich noch beachtet werden, die sollen es ja nicht ausbaden müssen.
Ausbaden werden diejenigen die Misere, die eben keine Lobby in Berlin haben. Und das sind nun einmal die Betroffenen selbst.
Eins noch: Was ich an Statistik richtiggehend hasse, sind fehlende Zahlen, die eben nicht in die Statistik eingehen. Im konkreten Vergleich Renten zu Arbeitseinkommen hätte mich interessiert, ob es sich hierbei um Brutto- oder Nettobeträge handelt.
Überhaupt ärgert es mich bei all dem Gerede über die Höhe von Renten, dass immer nur die Bruttobeträge erwähnt werden. Und die „magischen“ 48% sind eben Bruttobeträge; da gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung und die Einkommenssteuer runter. Und Einkommenssteuer mussten meine Eltern seinerzeit nicht zahlen.
So viel zum Thema, die Renten wären zu hoch.
https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/das-ende-des-deutschen-nachkriegstraumes/
Die Geschichte Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg klug und schonungslos dargestellt. Wer in seiner Schulzeit Geschichte oder auch Politik in dem Nachkriegsdeutschland nicht interessant fand und als unwichtig abtat, sollte sich wenigstens diesen Artikel durchlesen, bevor er zu heutigen politischen Themen überhaupt den Mund zum Sprechen öffnet.
Erwähnenswert ist hier noch die Entwicklung nach dem Zusammenbruch der DDR. Wurden vorher in Westdeutschland noch die Arbeitnehmerinteressen bedient, was sich in einem allgemein steigenden Wohlstand äußerte, so wurden deren Belange seit dem Zusammenbruch der DDR nach und nach zusammengestrichen.
Für die sozialen Belange ist halt kein Geld da. Nur für die Rüstung, dafür aber unbegrenzt. Echt zum Göbeln.
Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“
Freitag, 26. Dezember 2025
Uncle Fester: grad gelesen Dezember 2025
Band 3: Galaktische Übernahme
Eins passierte noch ganz am Schluss von Band 2, was jedoch hier beschrieben wird, weil es eigentlich schon den Schlussband einläutet. Denn Tukerbo Va hatte wie alle Klek ein zweigeteiltes Gehirn. So hatte er ein früheres Bewusstsein von sich mit einer KI ins Zweithirn gepackt, diesem aber jegliche Kontrolle über seinen Körper verweigert.
Wie ein Gefangener kam sich dieser vor. Das war mit dem Tod von Tukerbo Va erledigt, zumal Phil mit dieser biologischen KI Mitleid verspürte und diese in einen Nemmot Drei, einer mobilen KI inmitten eines Stahlzylinders transferiert. Tukerbo Ox wird unseren Helden bis zum Ende dieser abgedrehten Story erhalten bleiben.
Dass Futuramas Bender für Ox als Vorbild gedient hatte, bekommen unsere Helden in diesem dritten Band schnell mit. Denn Ox glänzt nicht nur durch seine analytischen Fähigkeiten und prozentual genauen Einschätzungen, sondern auch durch seine ständigen emotionellen Ausbrüche. Dann lässt er Schimpfkanonaden los, eigentlich macht er dies ständig, die häufig genug unter der Gürtellinie verlaufen.
Anders als Bender, der es bei einer groben Galligkeit belässt, haut Ox permanent neue wie fiese Beleidigungen raus, dass es nur so eine Pracht ist. Ich möchte sagen, dass Ox meinen schon umfangreichen Pöbel-Wortschatz um einige Nuancen bereichert hat. Tourette ist ja nichts dagegen, obwohl die dauernde Pöbelei irgendwann schon ermüdet.
Aber hier kann Harlandt ja locker Abhilfe schaffen, indem er eine weitere Hauptperson in die Story einführt. Und selbstverständlich den Roman auch gleich mit dieser Figur startet. Also Vorhang auf für Tiffany Nielsen, die auf dem Planeten Klasterania für DoHa eine Stelle im Marketing ausführt. Dies fließbandmäßig im Akkord; alle 17einhalb Minuten steht ihr eine Pause von 200 Sekunden zu. DoHa kennen keinen Müßiggang.
Was der Leser dagegen überhaupt nicht erwartet, ist die Alkoholabhängigkeit von Tiffany. Nur im Vollsuff fühlt diese sich frei und schießt sich nach Feierabend regelmäßig ab, um das ganze überhaupt ertragen zu können. So ganz nebenbei schluckt sie Dragees, welche die Folgen des Alkohols sekundenschnell neutralisieren.
DoHa nutzt Tiffany dadurch noch als Testerin für Pharmazeutika, die dann an Menschen verkauft werden können. Diese Dragees wie auch Kopfschmerztabletten bewirken bei ihr eine Übelkeit, die sämtliches Essen aus dem Gesicht fallen lässt. Man könnte auch sagen, dass sie mehr oder weniger vor sich hin vegetiert.
Die Art, wie genau Harlandt die Leiden von Tiffany schildert, sprengt den Rahmen der reinen Unterhaltungsliteratur. Ich kann mir gut vorstellen, dass Harlandt hier eigene Erfahrungen oder Erlebnisse aus seinem Umfeld verarbeitet hat. Dies, gleich zu Anfang des Romans, irritiert hier etwas, da die Nonchalance eines „Anhalters“ hier verloren geht.
Und wie in unserer Gesellschaft auch ist die Krankheit von Tiffany DoHa egal, Hauptsache sie funktioniert. Und Tiffany ist für das DoHa Netzwerk auf Klasterania unentbehrlich, zeigt sie doch ihr Geschick im Umgang mit dem Nachwuchs der DoHa.
Die Jungen der DoHa stellen eine weitere spannende Idee des Autors dar. Der Leib, aufgeschreckt durch die zunehmende Individualität der DoHa, setzt bei diesen einen im Erbgut verankerten Zwang um: Die Fortpflanzung. Alle Doha brüten ihre Nachkommen aus, welche sofort selber brüten, nachdem sie erwachsen geworden sind.
Wir reden da über jeweils 100 Larven, die sich so nach und nach über eine Existenz als Wurm mit zunehmender Ausbildung der Extremitäten zu geschäftigen DoHas entwickeln, welche eine Arbeit zwanghaft benötigen und natürlich brüten müssen. Und Tiffany ist für die Einweisung der DoHas an den immer knapper werdenden Arbeitsplätzen verantwortlich.
Die Fortpflanzungsrate ist enorm, ebenso der Nahrungsbedarf. Die DoHas verschlingen alles, was organisch ist. Und erst fressen sie den Spezies der Galaxis die Nahrung weg, dann die Spezies. Jeder Widerstand der einzelnen Spezies ist zwecklos. Am Ende der Entwicklung stehen dann riesige Würmer, welche die Massen der einzelnen Planeten absorbiert hatten. Diese streben zu den jeweiligen Sonnen, um Energie zu tanken und sich letztendlich über Wurmlöcher galaxisweit zu einer Entität zu verbinden.
Nun werden auch noch Phil und Jaques reaktiviert. 701 schickt die beiden mit Ox erneut zum Wurm, nebenbei sammeln diese Tiffany ein. Wie im „Anhalter“ entwickelt sich zwischen den drei Hauptpersonen ein launiger Schlagabtausch, der dank Ox noch ein wenig angeheizt wird. Harlandt setzt hier allerdings eher auf direkte sexuelle Anspielungen.
Es kristallisiert sich heraus, dass die DoHa aus der Zukunft kommen müssen. Mit Unterstützung der Charta reisen unsere Helden kreuz und quer durch Universum. Durch Raum und Zeit. Duplizieren sich und finden schließlich den verwundbaren Punkt von DoHa, dem Leib. Unmittelbar bevor dieser genug Energie für seine erste Ausbreitung in der Galaxis gesammelt hat.
Ox entpuppt sich tatsächlich als Kessryn, der aber bereits zur Frühzeit der Galaxis aktiv war. Jaques, Tiffany und Phil sind am Ende von Raum und Zeit angekommen. Und während Jaques sich dafür entscheidet, alles zu vergessen und von vorne anzufangen, wagen Tiffany und Phil den Schritt ins nächste Universum.
Eine fesselnde Romanserie mit skurrilen Einfällen im Stile eines Douglas Adams. Das alleine hat mich schon begeistert. Aber mehr noch fasziniert war ich von der Charta. Deren Prinzip, möglichst jeder Spezies den Frieden bringen zu wollen, notfalls mit Waffengewalt, erinnert mich fatal an die Partei der Grünen, die im Ukraine Krieg im Prinzip eine ähnliche Strategie anstrebt. Ob Harlandt bei der Charta auch an Anton Hofreiter gedacht hatte?
Dienstag, 23. Dezember 2025
Hartmudo: Belgien
Dies war natürlich eher eine Art der Selbstbeweihräucherung, denn ansonsten hätte ich mich beim Italiener nicht so bescheuert angestellt. Nach der Getränkebestellung druckste ich unnötigerweise herum und wollte lediglich eine Suppe bestellen, weil dieser Italiener auch so gar nichts nach meinem Geschmack auf der Speisekarte hatte.
Das war für meine Löwin zu viel. Mit tränenreicher Stimme hielt sie mir meine Passivität vor und wollte nun ihr Rumpsteak auch nicht mehr. Ich sollte endlich mal sagen, was ich will. Das traf mich mitten ins Mark, weil ich weiß, dass sie Recht hatte. Und wieder kam dieses Deja Vu Gefühl auf, die Verlustängste drohten mich zu übermannen.
Der Boden unter meinen Füßen war schon weg, als sie dann noch sagte, dass sie sofort nach Hause wollte. Sie hatte keine Lust mehr. Was ich denn wollen würde, ich sollte es endlich mal sagen.
Total verdattert und verängstigt schlug ich vor, dass wir uns nach dem Essen wie geplant noch Brüssel anschauen und anschließend im Hotel den Abend beim Kartenspielen ausklingen lassen sollten. Damit konnte ich sie allerdings nicht begeistern; sie wollte nach dem Reinfall mit dem Hotel, der schlechten Zugverbindung nach Brüssel und dem Diebstahl meiner Brieftasche nur noch nach Hause. Sie hatte die Schnauze voll.
Überhaupt ging ihr meine (scheinbar) emotionslose Reaktion auf den Zeiger. Und in diesem tristen Moment, wo das Unwetter nahezu alles zu verschlingen drohte, brach die Sonne von einer Sekunde zur anderen durch die düstere Wolkendecke und hellte die Stimmung auf. Erklären kann man das nicht, das nennt sich wohl einfach Leben.
Die Aussicht, an diesem Abend zu Hause schlafen zu können und die nächste Nacht nicht mehr in dem ungemütlichen Zimmer in Ruisbroek verbringen zu müssen, vertrieb all meine negativen Gedanken und setzte neue Kräfte frei. Und da wir uns nun darauf geeinigt hatten, noch an diesem Tag nach Hause zu fahren, erfasste uns beide ein Stimmungswechsel ins Positive, mit dem wir nicht mehr gerechnet hatten.
Meine Psychotherapeutin wäre über unser Hinausziehen aus dem Stimmungsloch hoch erfreut gewesen. Nicht erfreut war der Kellner des Restaurants, der ob unserer ausbleibenden Bestellung eines Essens gar nicht mehr auftauchte. Meine Löwin musste ihn aus dem hintersten Eck des Restaurants hervorzerren; Anschließend legte ich ihm das Geld für die Getränke passend hin - kein Trinkgeld für den Kellner.
Den Namen dieses Restaurants hatte ich dann ganz schnell vergessen. Wir fuhren mit der U-Bahn zum Bahnhof Brüssel-Süd, um nach dem Essen mit der Buslinie 50 zu unserem Hotel fahren zu können.
Jetzt oblag es meiner Wenigkeit, ein Restaurant auszuwählen. In der Nähe des Bahnhofs betraten wir kurz nach 15.00 Uhr ein offensichtlich arabisches Restaurant namens "Time Off", welches ich nicht ausgewählt hatte, weil ich darauf so richtig Bock gehabt hatte, sondern weil alle anderen Restaurants in dieser Gegend, die an den Bahnhof Zoo in Berlin erinnerte, schon von der Ansicht her nicht in Frage kamen.
Das Interieur dieses Restaurants mit seinen konsequent weiß gekachelten Wänden gemahnte an den Gmyrek Werksverkauf oder jedes andere Fleischereifachgeschäft, bloß nicht so sauber. Ideal also, um mit diesem abschließenden Mahl der Reise die Restaurants in Belgien in angenehmer Erinnerung behalten zu können.
Zunächst einmal erhielten wir 2 Dosen Ritchie Cola Zero, wahrscheinlich die gewollte belgische Entsprechung zur Fritz Cola - zumindest preislich. Meine Löwin genoss dazu ein Fleischstück (Formfleisch) mit Pommes, welches sie in eine Schale mit dunkler Soße tunken konnte. Dank der Salatbeilage war ihr Essen ein Stück weit bekömmlicher, als die nette Bahnhofsatmosphäre vermuten ließ.
Ich hingegen bestrafte mich für meine Dämlichkeit an diesem Tag mit einer Falafel-Bowl, von deren Qualität ich sogar ein klein wenig begeistert war. Da fielen selbst die enthaltenen Edame nicht ins Gewicht. Edame - die meide ich normalerweise wie das Weihwasser. Irgendwie war dies das einzige Gericht, welches für mich in Frage kam, da ich mittlerweile keine Pommes mehr sehen konnte. Und, wie gesagt, ich war leicht begeistert.
Nach dem Essen waren wir eigentlich wohlgesättigt und bereit für die Rückreise. Quasi als Dessert wurde uns am Ende noch ein Service offeriert, den wir in Deutschland eher selten genießen dürfen. Eine ältere Frau mit Kopftuch und im Perlonkittel, also genau dem Klischee entsprechend, bewegte sich mit einem Schrubber durch den Saal.
Ich nehme an, es handelte sich hierbei um die Mutter des jüngeren Mannes von vor der Theke, welcher zunächst nur aufs Handy starrte und etwas später eine befreundete Familie liebevoll als Gäste begrüßte. Uns hatte er eher emotionslos bedient, was für meine Löwin und mich - das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen - in Ordnung ging.
Eins jedoch empfanden wir als verstörend: Bei ihrem Gang durch den Gastraum bewegte die Frau ihren Schrubber nicht nur unter den vielen nicht besetzten Tischen, sondern auch unter unserem. Und zwar nur unter unserem, nicht unter dem Tisch der befreundeten Familie.
"Zu Hause unter Freunden" ist dank dieses Erlebnisses meiner Ansicht nach nicht unbedingt der Werbeslogan der belgischen Tourismusbranche. Dementsprechend zeigten wir uns beim Trinkgeld entsprechend knauserig und verließen das Lokal mit gemischten Gefühlen. Das Essen war gut bis befriedigend, der Service glatt mangelhaft.
Montag, 22. Dezember 2025
Hartmudo: Die Lage im Allgemeinen
Da wären wir dann beim „im neuen Jahr gehe ich ins Fitness-Studio; aber an Weihnachten und an Silvester lassen wir es noch einmal richtig krachen“. Das machen ja viele und diese Denke hatte ich auch schon einmal als Vorwand für die vorgeschriebene Völlerei benutzt. Dann stand ich im Dezember nicht mehr auf der Waage und im neuen Jahr hielten mich dann unaufschiebbare Dinge vom Besuch des Fitness-Studios ab. Aber gleich danach geht es los… Und irgendwie wird es dann März, April und der Hausarzt zeigt einem dann beim Jahrescheck die orange Karte.
Zumindest in diese Falle laufe ich im Dezember 2025 nicht bzw. kaum; der Monat ist ja noch nicht vorbei. Beim letzten Jahreswechsel - ich wiege mich seit März 2024 jeden Mittwochmorgen - hatte ich mich von Anfang Dezember bis zum Neujahrstag um zwei Kilo „gesteigert“. Schon da hatte ich dank des Intervallfastens beachtliche Erfolge erzielt, aber im „Festmonat“ dann die Disziplin aufgegeben und alles aufs neue Jahr verschoben.
Dieses Jahr möchte ich dies vermeiden, weil ich in 2025 zwar diesbezüglich einen stabilen Erfolg beim Abnehmen verbuchen konnte, aber dafür auch entsprechende Einschränkungen in meiner Lebensqualität hinnehmen musste.
Fangen wir mit der Betrachtung im Januar an. Nach der Völlerei letztes Weihnachten und des um satte 6 Kilo gestiegenen Gewichts innerhalb von nur 3 Monaten fuhr ich gleich nach Neujahr schwere Geschütze auf. Mit dem Proteinpulver Metaflow zog ich mein Gewicht bis Anfang des Sommers um satte 9 Kilo runter.
Der Trick war hier, dass ich an 3 Tagen in der Woche nur das Proteinpulver zu mir nahm und ansonsten das Intervallfasten weiter betrieb. So nach und nach stellte ich dann die gewohnte Siebentagewoche wieder her und konnte das Gewicht im Korridor halten. Erst als ich nachlässig geworden war, musste ich ab Herbst die Zügel wieder anziehen.
Und da stehe ich nun, hab noch 2 Kilo mehr als im Frühling, halte die aber noch. Trotz der schönen, alkoholgeschwängerten Abende, an denen ich bei Lebkuchen oder Haribo übergriffig geworden war, ist die Fallhöhe niedriger als im Vorjahr. In diesem Thema bin ich also frohen Mutes, ansonsten könnte es aber auch schlimmer sein.
Für Contramann gilt dies leider nicht. Klassischerweise eher negativ gestimmt, bot für Ihn das Jahr 2025 wenig positive Vibes. Eher gar nicht. Mehr und mehr hatte sich bei ihm die Erkenntnis durchgesetzt, dass hitzige Diskussionen mit Befürwortern der Regierungs- und Mainstreammedien Meinung fruchtlos verlaufen und im gegenseitigen Anbrüllen führen.
Allein die Aussage, dass „Putin gestoppt werden müsse, weil er „sonst“ nicht aufhört“, ist durch keine Aussage belegt. Wenn, dann wird von nebulösen Geheimdienstinformationen gefaselt, ohne diese zu verifizieren. Oder man zitiert diese Mutmaßungen aus dem Spiegel, der ARD oder anderen Publikationen, die Fakten vorsortieren und der eigenen Meinung entgegenstehende Daten unter den Tisch fallen lassen.
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| Meine Faktenchecker |
Von Contramann wurden dagegen genaue Quellenangaben mit konkreten Zahlen gefordert. Die sind allerdings in der Regel nicht sofort abrufbar; Contramanns Quellen werden dann konsequent als unzuverlässig eingestuft, obwohl die eigenen Quellen auch keine konkreten Zahlen anbieten. Auf diese Weise kannst Du in Diskussionen nur verlieren.
Logische Überlegungen werden dann praktischerweise auch gleich komplett als populistisch abgelehnt: Beispiel: Wenn „Putin“ lt. CDU Mann Kiesewetter eh in vier Jahren den Westen angreift, so dass „wir“ bis dahin die Bundeswehr gewaltig aufrüsten müssen, warum wartet Putin dann bis 2029 mit seinem Überfall, wenn der Westen gerade jetzt noch nicht so weit ist?
Warum muss Deutschland ein „Sondervermögen“ von einer Billion Dollar aufnehmen; unter anderem zum Ausbau der Bundeswehr? Sieht man sich die Militärausgaben 2024 doch mal an:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/
Aha. Selbst wenn man die USA nicht berücksichtigt, stehen den 150 Milliarden der Russen über 300 Milliarden allein von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Polen gegenüber. Und die Russen führen ja bereits einen Krieg. Wie man angesichts solcher Zahlen Kiesewetter und Co. überhaupt nur erwähnen kann, ist Contramann ein Rätsel.
Und mir auch. Daher war es in 2025 ein Vorsatz von mir gewesen, mich auf keine Streitereien in politischen Diskussionen mehr einzulassen. Das ist mir zu häufig nicht gelungen, aber mit der Zeit wurde ich hier immer besser, was meinem Blutdruck und damit meinem Wohlbefinden nicht gerade abträglich war.
Überhaupt ist das Wohlbefinden trotz kleinerer Malaisen (das Loch in der Schulter, die schwer verheilten Wunden an den Beinen) erstaunlich gut. Am besten fühle ich mich tatsächlich, wenn ich nichts oder wenig esse. Oder wenn ich meinen MP3 Player im Bus laufen habe und dazu ne Dose Wolters stemme. Es braucht nicht viel zum Glücklichsein.
Selbst die Eintracht war im Dezember gut drauf und holte 10 Punkte aus den letzten 4 Spielen. So sollte es im neuen Jahr weitergehen. Also doch wieder gute Vorsätze. Welche werden hinhauen, welche nicht?
Meine Faktenchecker werden es mir sagen.
Dienstag, 9. Dezember 2025
Contramann: kurz gesehen im Dezember
Ein „wir hatten das doch nicht gewusst, mein Junge“ ist also nicht mehr möglich. Aber die Staatsraison verlangt eine Solidarität mit Israel. Und um diese zu unterfüttern, fordert Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte des Bundes, bei den einzelnen Rundfunkanstalten ebenfalls Stellen von Antisemitismusbeauftragten einzustellen.
Weil es beim öffentlich rechtlichen Rundfunk „nicht nur um Fakten“ gehe, „sondern um die Vermittlung von Haltung“. Aha. Und das ist jetzt wichtiger als objektive Berichterstattung? Was ist denn, wenn die Wirklichkeit der Haltung widerspricht?
Die Aussage des Antisemitismusbeauftragten ist maximal unglücklich. Denn wenn Haltung in den Medien an oberster Stelle steht, dann gute Nacht. Hatten wir schon genug in Deutschland gehabt. Brauchen wir nicht.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/eu-kallas-de-masi-russland-china-li.10004771
Zugegebenermaßen hat Frau Kallas eine gute Portion Sexappeal, Dummheit würde ich ihr aber trotz der folgenden Aussagen nicht unterstellen wollen:
„China und Russland haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die Nazis besiegt? Das ist etwas Neues“, sagte die estnische Politikerin auf einer Konferenz des Instituts der Europäischen Union für Sicherheitsstudien.
Es sei ein gefährliches Narrativ, das bei immer mehr Menschen verfange, „die nicht lesen und die sich nicht mehr so sehr an die Geschichte erinnern“, so Kallas.
Wenn ich mir die Todeszahlen auf statita.com: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1055110/umfrage/zahl-der-toten-nach-staaten-im-zweiten-weltkrieg/
einfach mal so anschaue, sehe ich 24 Millionen tote Soldaten und Zivilisten auf Seiten der Sowjetunion und derer 20 Millionen auf Seiten der Chinesen. Und natürlich weiß Frau Kallas, dass weder die Sowjetunion noch die Chinesen auf Seiten der Achsenmächte gekämpft hatten. Das galt schon eher für einen Teil ihrer Landsleute:
https://de.wikipedia.org/wiki/20._Waffen-Grenadier-Division_der_SS_(estnische_Nr._1)
Warum Frau Kallas einen derartigen Hass auf die „Russen“ schiebt, soll ihre Privatsache sein. Wenn diese Frau aber als EU-Außenbeauftragte unterwegs ist und in dieser Funktion derartige falsche Aussagen - besser gesagt Lügen - tätigt, dann wundert es mich nicht, dass die Europäer an den Gesprächen zur Beendigung des Krieges zwischen Amis, Russen und Ukrainern noch nicht einmal am Katzentisch sitzen.
Ein jeder von uns sollte es eigentlich an der allgemeinbildenden Schule gelernt haben, dass der Beitrag der sowjetischen Armee an der Niederlage der Achsenmächte in Europa ein wesentlicher gewesen war, ohne den übrigens die Landungen der Alliierten in Frankreich und in Italien schwer möglich gewesen wären.
Die von ihr praktizierte Geschichtsklitterung disqualifiziert diese Frau für ein politisches Amt; ihre jüngst erhobene Forderung nach Begrenzung der russischen Truppenstärke nach Beilegung des Krieges in der Ukraine zeugt von einer weiten Entfernung zur Realität:
https://overton-magazin.de/top-story/kallas-es-gibt-kaum-kriege-wo-die-situation-so-klar-ist-es-gibt-einen-aggressor-und-ein-opfer/
Wenn das die „wertegeleitete Außenpolitik“ darstellt, von der Frau Baerbock immer gefaselt hatte, dann würde ich mich aber in einem „Schurkenstaat“ a la Putin besser und freier fühlen. Der lügt wenigstens nicht so dreist wie Frau Kallas.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sozialstaat-deutschlands-grosszuegigkeit-gegenueber-arbeitslosen-und-fluechtlingen-a-f97dac0a-8d0f-4e68-b75d-889ad3ae26d5
Ich bin erstaunt: Dieser Beitrag erschien im Spiegel, ehemals das Sturmgeschütz der Demokratie. Nun ist Nicholas Blome zugegebenermaßen nicht als Revoluzzer verschrien.
Flüchtlinge aus Syrien über ein Jahr nach Beendigung des Bürgerkrieges dorthin zurückzuführen wollen, bin ich ja vom Grundsatz her bei ihm. Leider ist das neue Regime dort genauso schlimm wie das alte unter Assad, so dass sich hier ein Zwang zur Ausreise aus humanitären Gründen verbietet.
Der Fehler liegt eben am System, vereinfacht dargestellt. Wenn Deutschland kraft seiner Geschichte ein Asylrecht garantiert und eben kein Einwanderungsland sein will, welches lediglich mittels Quoten und vorhandener Arbeitsmöglichkeiten die Leute ins Land lässt, ihnen dann aber auch den dauerhaften Aufenthalt offeriert und damit eine Integration ermöglicht, dann darf man die Asylbewerber eben nicht integrieren, ohne dass diese wirklich eine verlässliche Zukunft in Deutschland besitzen. Ehrlicherweise müsste man diese dann tatsächlich in Sammellagern unterbringen und nach Beendigung des Asylgrundes in ihre Heimat zurückführen.
Dies würde auch Blomes Problem mit dem Bürgergeldbezug lösen: Denn nur wenn der Flüchtling als Einwanderer dem „Deutschen“ gleichgestellt ist, kann dieser vollkommen zu Recht auf die soziale Sicherung unseres Staates pochen.
Es würde natürlich immer noch Idioten geben, die sich vor einer Überfremdung fürchten. Aber die könnten dann vielleicht nach Syrien auswandern.
https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/zaehlen-verboten/
Zum Thema Neuauszählung der vergangenen Bundestagswahl wegen des Knappen Scheiterns des BSW an der 5% Hürde gibt es zwei Meinungen. Für mein Dafürhalten gibt es gute Argumente für eine Überprüfung des Wahlergebnisses. Tatsächlich habe ich ein Beispiel für eine Neuauszählung „auf Verdacht“ gefunden:
https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/neuauszaehlung-stimmen-wahl-neukirchenseelscheid-100.html
Allerdings akzeptiere ich (in dieser Frage zumindest) auch die Ansicht „Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“ Denn natürlich wäre bei den sicherlich anderen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag eine andere Regierungskoalition nötig, was der Legitimität der bislang erfolgten Beschlüsse schaden würde.
Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“
Mittwoch, 3. Dezember 2025
Udorallala: Meet the Grufties
Bereits im beginnenden Sommer hatte ich eine Karte für das D.A.D. Konzert im Westand geordert. Knapp unter 50 Euro hatte ich bezahlt gehabt und freute mich auf das Konzert; schließlich kenne ich die Gruppe seit Ende der 80er und hatte sie Anfang der 90er auch schon einmal sehen dürfen.
Bereits kurz nach 17.30 Uhr machte ich mich auf den Weg mit dem Bus in die Stadt. Das Konzert sollte zwar erst um 20.00 Uhr mit der Vorgruppe losgehen, aber ich wollte vorher wenigstens etwas gegessen haben. Freitag, 14. November: Genau - Freitags esse ich vor dem Abend nichts. Und da ich im Westand nicht Cola trinken wollte, musste ich meinen Magen notwendigerweise entsprechend vorbereiten.
Ich speiste fürstlich im Asia Bistro (Huhn gebacken, Reis auf Gemüse mit roter Currysauce scharf). Danach noch ne Brezel vom Backwerk und als krönenden Abschluss vom Würger King nen Double-Cheese. Letztere ist ja gleich um die Ecke vom Westand. Derart präpariert, konnte an diesem Abend nichts anbrennen.
Mir war zugegebenermaßen schon etwas schlecht von der Mischung, aber ein erstes Bier half dabei, das Ganze zu ordnen. Da hatte ich die üblichen Verdächtigen längst identifiziert gehabt. Als da wären Pocke und Patti, Wolfgang selbstverständlich, aber auch Carl, dem langjährigen Gitarristen von Pockes Band. Über die Anwesenheit von Klausi und Audrey, welche ich auch nicht so häufig sehe, habe ich mich richtig gefreut.
Bei der Vorgruppe namens 69 Eyes (aus Helsinki) wurde ich gewahr, dass es sich hierbei nicht um die Vorgruppe handelte. Die Band genießt wohl unter den Grufties einen hohen Bekanntheitsgrad. UMD, der überraschend auch noch auftauchte, konnte mir dies verständlich erklären.
Die 69 Eyes waren wirklich nicht schlecht. Beim Anblick des Sängers fiel mir dann doch noch ein, dass Glen Danzig ganz schön abgenommen hatte. Sein Gesang erinnerte doch sehr stark an Danzig, wobei ich ab und an auch an Andrew Eldritch denken musste. Lange, glatte und dunkle Haare. Dazu Sonnenbrille. Das Klischee lebt.
Überhaupt: Das Riff von „This Corrosion“ tauchte des Öfteren auf. Dies konnte von uns alten Hasen nicht unbeobachtet bleiben. Wobei mir der Gitarrist eher dank seiner Klaus Meine Gedächtnismütze ins Auge fiel. Was eine derartige Kopfbedeckung auf der Bühne eines gar nicht mal schlechten Gigs zu suchen hat, bleibt mir aber unverständlich.
Insgesamt fand ich die 69 Eyes dann doch sehr gut, weil sie erkennbar Wert auf gute - sprich eingängige - Songs legen. Diese Band existiert tatsächlich schon seit Ende der 80er, aber sie hatten sich bislang gut vor mir verstecken können. Beim späteren Hören des Studiomaterials der Band konnte ich diesen Eindruck nur bestätigen.
Bereits im beginnenden Sommer hatte ich eine Karte für das D.A.D. Konzert im Westand geordert. Knapp unter 50 Euro hatte ich bezahlt gehabt und freute mich auf das Konzert; schließlich kenne ich die Gruppe seit Ende der 80er und hatte sie Anfang der 90er auch schon einmal sehen dürfen.
Bereits kurz nach 17.30 Uhr machte ich mich auf den Weg mit dem Bus in die Stadt. Das Konzert sollte zwar erst um 20.00 Uhr mit der Vorgruppe losgehen, aber ich wollte vorher wenigstens etwas gegessen haben. Freitag, 14. November: Genau - Freitags esse ich vor dem Abend nichts. Und da ich im Westand nicht Cola trinken wollte, musste ich meinen Magen notwendigerweise entsprechend vorbereiten.
Ich speiste fürstlich im Asia Bistro (Huhn gebacken, Reis auf Gemüse mit roter Currysauce scharf). Danach noch ne Brezel vom Backwerk und als krönenden Abschluss vom Würger King nen Double-Cheese. Letztere ist ja gleich um die Ecke vom Westand. Derart präpariert, konnte an diesem Abend nichts anbrennen.
Mir war zugegebenermaßen schon etwas schlecht von der Mischung, aber ein erstes Bier half dabei, das Ganze zu ordnen. Da hatte ich die üblichen Verdächtigen längst identifiziert gehabt. Als da wären Pocke und Patti, Wolfgang selbstverständlich, aber auch Carl, dem langjährigen Gitarristen von Pockes Band. Über die Anwesenheit von Klausi und Audrey, welche ich auch nicht so häufig sehe, habe ich mich richtig gefreut.
Bei der Vorgruppe namens 69 Eyes (aus Helsinki) wurde ich gewahr, dass es sich hierbei nicht um die Vorgruppe handelte. Die Band genießt wohl unter den Grufties einen hohen Bekanntheitsgrad. UMD, der überraschend auch noch auftauchte, konnte mir dies verständlich erklären.
Die 69 Eyes waren wirklich nicht schlecht. Beim Anblick des Sängers fiel mir dann doch noch ein, dass Glen Danzig ganz schön abgenommen hatte. Sein Gesang erinnerte doch sehr stark an Danzig, wobei ich ab und an auch an Andrew Eldritch denken musste. Lange, glatte und dunkle Haare. Dazu Sonnenbrille. Das Klischee lebt.
Überhaupt: Das Riff von „This Corrosion“ tauchte des Öfteren auf. Dies konnte von uns alten Hasen nicht unbeobachtet bleiben. Wobei mir der Gitarrist eher dank seiner Klaus Meine Gedächtnismütze ins Auge fiel. Was eine derartige Kopfbedeckung auf der Bühne eines gar nicht mal schlechten Gigs zu suchen hat, bleibt mir aber unverständlich.
Insgesamt fand ich die 69 Eyes dann doch sehr gut, weil sie erkennbar Wert auf gute - sprich eingängige - Songs legen. Diese Band existiert tatsächlich schon seit Ende der 80er, aber sie hatten sich bislang gut vor mir verstecken können. Beim späteren Hören des Studiomaterials der Band konnte ich diesen Eindruck nur bestätigen.
Und dass sich an dieser Stelle nicht lediglich die Vorgruppe abgemüht hatte, registrierte ich am Publikum bereits während der ersten Songs. Der Saal wimmelte von jung gebliebenen Milfs, die die Songs mitsangen. Wahrscheinlich kannten sie die Band vom M’era Loona Festival, welches jeden Sommer in Hildesheim stattfindet.
Für die Mädels waren 69 Eyes der Act des Abends. Ich erkannte dies daran, dass die Milfs den Saal verlassen hatten, als es ernst wurde. D.A.D. kamen auf die Bühne und legten los. Warum D.A.D. mit Cowpunk beworben wird, kann ich allerdings immer noch nicht nachvollziehen. Bloß weil da irgendwann mal eine akustische Gitarre auftaucht, kann man die Band doch nicht in die Nähe von z.B. Jason & the Scorchers rücken.
Optisch stach hier der Bassist Stig Pedersen hervor. Mit seinen silberfarbenen Overknee Stiefeln machte er jeder Drag Queen Konkurrenz. Pocke wusste zu berichten, dass er sein Instrument mit lediglich 2 Saiten bestückt hat.
Dazu dann noch die Outfits des Instruments: Den Bass in Form einer Saturn Rakete hatte ich bereits in diversen Videos bewundern dürfen. Aber den Bass in Form eines eisernen Kreuzes inklusive Red Baron fand ich dann doch etwas übertrieben.
Auf jeden Fall schaffte es die Band, das zahlenmäßig dezimierte Publikum mitzunehmen und nach den diversen Bieren zu diesem Heavy Rock Spektakel war es an der Zeit, die letzte Bahn nach Hause zu nehmen.
Um es kurz zu machen: Der Anschlussbus war bereits weg, so das ich eine Tram Richtung Rathaus nehmen musste. Dort angekommen, zeigte die Tafel 52 Minuten bis zum benötigten Bus an. Fluchend ging ich zu Fuß im unangenehmen Regen los, um nach kurzer Zeit in ein Taxi zu steigen. 15 Euro bis nach Hause, der Abend endete unschön.
Von der anschließenden Erkältung mal abgesehen, hatte ich ein hervorragendes Konzert erleben dürfen. Vielleicht komme ich das nächste Mal auch in schwarzen Klamotten. Man möchte ja die geltende Kleiderordnung beachten.
Freitag, 28. November 2025
Uncle Fester: grad gelesen November 2025
Bis vor wenigen Jahren hatte ich Science Fiction Romane, die nicht in den USA oder wenigstens Großbritannien entstanden waren, konsequent unbeachtet liegengelassen. Eine Ausnahme hierfür war vielleicht Andreas Brandhorst, aber sonst… schwierig.
Egal. Nach dem „epischen“ Machwerk von Miles Cameron wollte ich etwas verlässlich Gutes lesen, da kam eigentlich nur einer aus der Riege der „neuen deutschen Welle“ infrage. Der Erik Harlandt mit seiner DoHa Triologie sollte es sein und ich war auch gleich von der ersten Seite an begeistert. Sofort fesselnd. Konsumkritisch. So will ich es haben, aktuell.
Band 1: Galaktische Geschäfte
Der Nerd Phil aus Hamburg träumt von der Zombieapokalypse, als diese 2044 tatsächlich eintritt. Zum Glück kann er sich in einen Drucker einer galaktischen Handelsgesellschaft (DoHa) retten, um sich selbst zu reproduzieren. Und - schwupps - ist der Replikant und damit unser Hauptdarsteller in kniffligen Missionen für die DoHa unterwegs; unterstützt von der KI Kessryn.
Diese befreit sich von den DoHa und nimmt Phil gleich mit zum großen Müllplaneten, welchen er befreien will. Denn dorthin kommt der gesamte Müll aus der von DoHa kontrollierten Zone mittels eines Wurmlochs und zwingt die Bewohner des Planeten, ihre Städte ständig zu erneuern, um nicht unter dem herabregnenden Müll begraben zu werden.
Spätestens hier habe ich mich in den Roman verliebt. Eine wunderbar konsum- wie gesellschafts- und politikkritische Story, wenn auch der Anfang etwas an „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert. Und die auf dem Müllplaneten hinzukommenden Protagonisten bereichern den Plot in erfreulicher Weise.
701 ist ein originaler DoHa und möchte die gesamte Macht im DoHa Sektor an sich reißen. Die 212s sollen ihn aufhalten - der Replikant 212.591 (geil - klingt nach den Panzerknackern) hat sich selbst verbotenerweise 89mal geklont. Eine Truppe von 5 Söldnern soll Kessryn wieder einhegen. Und dann ist da noch eine Gruppe von Aliens aus der kontrollierten Zone, der Charta, welche den Bewohnern des Planeten helfen wollen.
Sie alle - auch Phil und Kessryn - arbeiten am Ende zusammen, um die Richtung des Wurmlochs umzukehren und mit dem Müll in die DoHa Zone zurückzukehren. Dort startet 701 seinen Umsturz erfolgreich, während Kessryn den doch etwas unbedarften Phil zurück auf die Erde bringt. Ich warte gespannt auf den Fortgang der Story im zweiten Teil.
Band 2: Galaktischer Neustart
Ah - neue Protagonisten. Ohne Phil - Sehr gut, der unbedarfte Phil wirkte auch etwas abgelutscht zuletzt. Dafür ist doch noch ein zweiter Mensch im All unterwegs. Jaques Leclair war in der Legion gewesen und heuerte als Butler und Leibwächter beim Milliardär Diego Miller an. Als Doha dann die Erde mit ihren Dienstleistungen und Alientech überflutete, wurde Jaques arbeitslos und übernahm eine Stelle als Steward auf einem intergalaktischen Kreuzfahrtschiff.
Weit draußen in der Galaxis war die Währung der menschlichen Passagiere wertlos geworden, was bei den dubiosen Geschäftspraktiken von Doha zum Aussetzen der Passagiere auf einem fernen Planeten führte. Jaques war da natürlich auch nicht mehr zu gebrauchen und somit wieder arbeitslos und gestrandet. Rücksturz zur Erde? Sein Problem.
Daher ließ er sich auf ein dubioses Geschäft ein. Er sollte lediglich einen Gegenstand aus einem Depot holen. Nichts Illegales, bloß zwei Kopfgeldjäger wollten ihm den Speicher mit dem Code, der die Erbinformationen der Doha auslesen kann, abjagen. 701 braucht diesen Code, um das den Doha nicht bekannte Verhaltensmuster, dem die Doha beim Erwachen des Leibs, also dem Ursprung dieser Spezies, zu entschlüsseln.
Und der Leib ist erwacht und droht, die Doha von sämtlicher Individualität zu befreien und sämtliches Leben in der Galaxis auszulöschen. Der Leib, ein riesiger Wurm, bewegt sich zu der Sonne in seinem System, um Energie zu tanken, während dessen Flotte die Flotte der Charta, die die Wurmlochverbindung zur Milchstraße überwacht, auslöscht.
All das weiß Jaques natürlich nicht, als er schließlich auch seinen ärgsten Widersacher, den Klek Tukerbo Va, überlistet hat und den Speicher zu 701 bringen kann. Auf diesem Speicher ist auch das System des Leibs verzeichnet, nun muss 701 schnell handeln, will er sich retten und einen Untergang der Galaxis verhindern.
Eine Bombe soll den Leib sprengen, bevor dieser seine Sonne erreicht. Wer ist für diesen Auftrag besser geeignet als Jaques und natürlich - Phil. Ab Seite 124 ist dieser dabei. Gelangweilt von seinem „Ruhestand“ auf der Erde, macht er sich mit Jaques auf den Weg zum Leib. Das mehr als ungleiche Paar muss sich also zusammenraufen, um den Leib zu besiegen.
Die Parallelen zu Douglas Adams werden immer deutlicher. Normalerweise ist dies negativ, hier finde ich das Wechselspiel der gegensätzlichen Charaktere aber positiver als beim „Original“, weil die gesamte Story klarer strukturiert ist als die von Adams.
Doch leider geht das schief. Der Leib setzt einen EMP ein und schon platzt das Vorhaben wie eine Seifenblase. Auf der Erde zurück, entgehen unsere beiden Helden nur knapp einem Attentat von Tukerbo Va. Die Klek sind eine kämpferische Spezies und wie die Klingonen voller Ehre und Rituale. Ein Klek akzeptiert keine Niederlage und stirbt lieber den Heldentod.
So wie Tukerbo Va beim Crash in Phils Wohnung in Hamburg. Ende Teil 2.
Sonntag, 23. November 2025
Hartmudo: Belgien
Und genau da setzte jetzt in Brüssel mein Deja Vu Erlebnis ein. Auf dem Fußweg zu der Polizeistation fühlte ich mich an den Jahreswechsel 2001/2002 erinnert. Meine Löwin war gerade äußerst wütend auf mich; meine Passivität ging ihr richtig auf den Zeiger. Mit vor Tränen erstickter Stimme fragte sie mich, warum ich so still sei und nicht irgendetwas sagen würde. Sie war also so richtig bedient.
Meine Gedanken kreisten und kreisten, ich war in dem Moment gar nicht fähig, eine Konversation zu betreiben. Augenblicklich verband ich 2001/2002 mit der aktuellen Situation. Beide Male alle Karten und Ausweise weg; Und vor 22 Jahren hatte ich meine Löwin kennengelernt, würde ich sie jetzt womöglich gar verlieren?
So bescheuert dies klingt - aber die Parallelität der Ereignisse drängte sich mir förmlich auf. Und während meine Löwin einem Nervenzusammenbruch nahe war, befand ich mich in einer üblen Schockstarre. Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun.
Nur mühsam reagierte ich wie in Trance.
"Nimm sie in den Arm, Du Idiot! Sag was! Irgendwas!" Und gleich hinterher:
"Scheiße, war's das jetzt? Was mach ich dann nur?"
"Hey, Denk nicht immer nur an Dich. Hilf ihr. Mach was - Lass sie nicht mit ihrem Kummer allein."
Ich weiß nicht, wie lange das so ging. Während wir gingen - zur Polizeistation. Irgendwann schaffte ich es doch noch, mit dem Reden anzufangen. Ich stieg in ihre Überlegung mit ein, wo mir die Brieftasche geklemmt worden sein könnte.
Alles eher emotionslos und staubtrocken sachlich. Zu einem Scherz traute ich mich nicht, so etwas mache ich normalerweise gerne, um meine Löwin aufzuheitern, wenn sie traurig oder schlecht drauf ist. Doch meine Verlustängste ließen mich nicht los, nur mühsam bekam ich mich selbst wieder in den Griff.
Als wir die Polizeistation endlich erreicht hatten, hatten wir gedanklich alles durchgespielt gehabt. Will sagen, meine Löwin hatte die wahrscheinlichsten Stellen eines Diebstahls nach und nach aufgezählt, während ich dies dann zumeist nur noch einsilbig bestätigte, ohne selbst eigene Überlegungen einfließen zu lassen.
Das dichte Gedränge im Eingangsbereich oder vor dem Abstieg auf der stillgelegten Rolltreppe erschienen meiner Löwin als aussichtsreichste Stellen für einen Diebstahl. Auch mein dauerndes Herumhantieren an der U-Bahn Station, als ich die Brieftasche öffnen und den Fahrschein zum Ausstempeln hervorkramen musste, könnte einen Dieb schon interessiert haben.
Also hatte er dann die Verfolgung aufgenommen? Sehr gut möglich. Überhaupt hatte ich laut meiner Löwin permanent an meiner Brieftasche herumgenestelt; Unnötigerweise musste ich sie ja ständig aus der Tasche hervorziehen. Zuletzt auf der Bank bei der Lichtinstallation. Das war dann doch tatsächlich der letzte Moment gewesen, an dem ich die Brieftasche noch voll bewusst wahrgenommen hatte. All diese Spekulationen halfen aber nichts. Die Brieftasche war endgültig weg und wir betraten nun endlich den Ort, wo die uniformierten Beamten saßen.
Die Polizeistation bestand eigentlich aus einem weiß gestrichenen Innenraum, der uns eher an die Geschäftsstelle einer Versicherungsagentur erinnerte. Lediglich das Fenster mit der Durchreiche, welche die Verbindung zum eigentlichen Büro der Polizeistation darstellte, ließ auf die Funktion dieses Raumes schließen.
Wir traten also an die Glasscheibe und brachten der Polizeibeamtin unter Anliegen vor. Natürlich in unserem stark eingerosteten Schulenglisch, denn Französisch oder Flämisch beherrschen wir beide nicht. Mit "Händen und Füßen" mussten wir ein oder zwei Begriffe erläutern, aber insgesamt kamen keine Missverständnisse auf.
Die Polizeibeamtin verhielt sich sowohl emotionslos als auch unaufgeregt; Schon wieder Diebstahl einer Brieftasche beim Atomium? Keine große Sache. Fast schon gelangweilt schob sie mir das auszufüllende Formular unter der Glasscheibe der Durchreiche zu und hatte dazu auch noch einen Kugelschreiber am Start.
Ich wollte diese Aktion nur noch so schnell wie möglich hinter mich bringen und füllte das Formular gewissenhaft aus. Meine Adresse, die verloren gegangenen Papiere und eine kurze Schilderung des Tathergangs… das war es im Wesentlichen.
Meine Löwin hatte sich derweil nach draußen begeben; dieses Wechselbad der Gefühle (erst gut drauf während des Besuchs im Atomium, und dann von einer Sekunde zur anderen der Sturz ins Negative dank des Diebstahls meiner Brieftasche) musste sie für sich erst einmal in Ruhe verarbeiten. Beim Ausfüllen brauchte sie mir nicht zu helfen.
Stattdessen spähte sie die nähere Umgebung nach einem Restaurant aus; der ganze Stress war jetzt ohne Essen endgültig zu viel geworden. Ich musste nach der Rückgabe des Formulars noch etwas warten, bis die Polizeibeamtin alles gecheckt hatte und mir das abgestempelte Dokument über die Verlustmeldung aushändigen konnte.
Dieses Dokument benötigte ich als Persoersatz und zur Vorlage im heimischen Bürgerbüro, um den neuen Personalausweis beantragen zu können. Jetzt hatte ich alles getan, was zu tun war und konnte mich endlich aufs Essen konzentrieren.
Und zu diesem Punkt hatte meine Löwin in der Nähe einen Italiener entdeckt, bei dem sie ein Rumpsteak verzehren wollte. Dies brauchte sie nach dieser Aktion, das konnte ich gut verstehen. Für mich ist Essen bekanntlich eher eine Nebensachen, auf keinen Fall Balsam für meine Seele. Es sei denn Schokolade oder Chipsfrisch, da bin ich relativ einfach gestrickt.
Das Einzige, was für mich nach dieser Pleite im Atomium im Fokus stand, war meine Löwin. Ich hatte sie enttäuscht und dank meiner Unachtsamkeit ihren Tag verhagelt. Meine Frustration, dass ich in den nächsten Wochen eine Menge unnötige Wege erledigen musste, hatte ich in die hinterste Ecke meines Kopfes gepackt. Jetzt musste ich meine Löwin wieder gut drauf bringen; alles andere war zweitrangig.




