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Der Rest war mehr oder weniger Formsache. Am Bahnhof Brüssel Süd fanden wir die Haltestelle der Buslinie 50 problemlos und fuhren nach kurzer Wartezeit Richtung Ruisbroek. Während der Fahrt des Busses, der "an jeder Milchkanne" anhielt, konnten wir noch einmal schön die Blicke auf die Kulissen der touristisch voll erschlossenen Hauptstadt Europas werfen.
Obgleich uns diese letzte Busfahrt in Belgien ein wenig an die Fahrten auf Jersey erinnert hatte, kam bei uns keine große Begeisterung mehr auf. Zu sehr waren wir nach diesem insgesamt eher ungünstig abgelaufenen Tag auf die Heimreise fixiert. Man könnte sogar sagen, wir freuten uns sogar richtig darauf, dass es an diesem Tag noch zurückging.
Das hatte zur Folge, dass wir beide sichtlich besser gelaunt als noch 5 Stunden zuvor waren und dementsprechend zügig von der Bushaltestelle in Ruisbroek Mitte zu unserem Hotel marschiert waren. Als ich dort die Concierge nach der Rückerstattung der zweiten Nacht fragte, erlebte ich eine kleine Enttäuschung.
Da ich beide Nächte über das Partnerprogramm von Ibis gebucht hatte, müsste ich mich wegen einer Rückerstattung auch über die App dorthin wenden. Der Kollege, der mir dieses schwer verständliche Bonusprogramm am Vortag angedreht hatte, hätte mir zwar auch helfen können, hatte an diesem Tag allerdings frei.
"Scheiß drauf". So mein erster spontaner Gedanke. Wir gingen noch einmal auf unser Zimmer, packten unsere Sachen in Windeseile zusammen und saßen in Rekordzeit im Auto. Ca. 18.00 Uhr. Android Auto an, auf "Zuhause" gedrückt und schon ertönte der Motor, um uns auf schnellstem Wege nach Braunschweig zu bringen.
Leider ergab sich da bereits zu Beginn ein kleines Problem. Die Autobahnauffahrt, die wir bei der Ankunft am Vortag benutzt hatten, war wegen eines Unfalls vollständig gesperrt. Android Auto bot uns stattdessen eine Ausweichroute durch die Brüsseler Innenstadt an.
Fremder! Falls Du jemals Gefahr laufen solltest, in den Brüsseler Feierabendverkehr zu stolpern, stell Deine Karre schnell an die Seite und setz Dich für mindestens zwei Stunden in ein Cafe oder Restaurant. Es muss ja nicht das "Time Off" sein. Wir brauchten mindestens eineinhalb Stunden, ehe wir uns durch den Stop and Go Wahnsinn durchgeboxt hatten.
In dieser kurzen Zeit wurde uns von verschiedenen belgischen Autofahrern vorbildlich gezeigt, warum auch eine theoretische Fahrprüfung - die es in Belgien ja nicht gibt - sinnvoll ist. Ohne Rücksicht auf Verluste fuhren uns diverse Belgier vor den Kühler, um vermeintlich schneller vorwärts zu kommen.
Nur unsere ob der ersehnten Heimfahrt aufgehübschte Stimmung verhinderte einen Wutausbruch, der uns sicherlich teuer zu stehen gekommen wäre. Wenigstens konnten wir uns zusammen über die belgischen Autofahrern aufregen. Das schweißte uns an diesem Tage wieder zusammen, so dass wir kurze Zeit später auf der Autobahn wieder scherzen konnten und vor allen Dingen diesen Urlaub einer kurzen Analyse unterziehen konnten.
Wie üblich hatten wir Kunst und Kultur nur ein wenig gestreift gehabt, weil wir uns vordringlich eher mit den lukullischen Genüssen zu beschäftigen pflegen. Hier habe ich dieses Mal tatsächlich mehr als meine Löwin mitgenommen; die Frikadellen und auf alle Fälle die Bitterballen hatten es mir angetan.
Dagegen fiel das belgische Bier naturgemäß stark ab. Das Fruchtbier hatte meiner Löwin auch nur am ersten Abend gemundet, danach hielt sie sich davon fern. Frucht- oder Trappistenbiere lasse ich dagegen von vorneherein stehen, da bin ich nicht so vergnügungssüchtig.
Natürlich wäre der Besuch des Atomiums das Highlight dieses Urlaubs gewesen, nein - er war es auch. Der Verlust meiner Brieftasche schmälert das Erlebnis Atomium Brüssel ja nicht wirklich, nur meine Dämlichkeit hatte an diesem Tag den negativen Akzent begünstigt.
Jedenfalls freuten wir uns auf unser Zuhause; wahrscheinlich hätten wir das Europaparlament eh nicht mehr anschauen können und Männeken Pis… Nun ja. Das ist dann eigentlich nun wirklich auch verschmerzbar.
Trotz der Widrigkeiten des Staus in Brüssel waren wir noch vor Mitternacht zu Hause und packten unsere Koffer noch am selben Abend aus. Und wir waren froh, so gehandelt zu haben. Denn eine weitere Nacht in Ruisbroek hätte uns nicht nach vorne gebracht.
Mal schauen, wann und wohin wir wieder unterwegs sein werden.
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