Freitag, 9. Januar 2026

Hartmudo: Alles Neu 1/2

1
Für mich begann 2026 Silvester kurz nach Mitternacht, als wir mit Jela nach draußen auf die Straße traten, um mit ihr ein paar Raketen abzufeuern. Wir taten dies garantiert nicht, weil meine Löwin und ich so geil aufs Böllern sind, sondern um unserer Enkelin das "Erlebnis" der Knallerei an Silvester zu vermitteln, ehe es verboten wird.
Und das hoffentlich bald. Schon nach wenigen Metern, kurz nach der Einfahrt zu unserem Hof, zuckte ich nach der Explosion eines brutal lauten (polnischen?) Knallers zusammen. Unwillkürlich musste ich an den Krieg in der Ukraine denken. Und an all die Leute, die das sinnlose Töten dort und die unsinnige Aufrüstung hier befürworten.
Die sollen alle zusammen vielleicht mal in das Freiwilligen-Korps der Ukraine eintreten. Vielleicht merken sie dann ja endlich, dass das tausendfache Sterben in der Ukraine - und auch im Gazastreifen - der angeblichen Wertebasierten Ordnung des Westens widerspricht, zumal eben dieser Wertewesten die Konflikte dank permanenter Waffenlieferungen auch noch anheizt. Und wenn es um Gespräche mit dem "Aggressor" Putin geht, herrscht bei unseren "Eliten" absolute Funkstille.
Ich für mein Teil möchte auch einen nur konventionellen Krieg um keinen Preis der Welt erleben, einen dann wahrscheinlichen Atomschlag dagegen schon eher. In dem Falle wäre es wenigstens schnell vorbei. Meine Güte, diese ganzen Bengels, die da in dieser Nacht schon seit dem Nachmittag rumgeballert haben, leben wohl in ihrer Playstation Traumwelt.
Nach dem ersten Schreck gingen wir aber zügig weiter zur Straße, um die Sch… Raketen schnell wegzuballern. Wie gesagt, die Kleine.... hatte sich schon seit Wochen drauf gefreut. Sieben ist sie jetzt, die kleine Prinzessin. Und bekam von all dem lauten Geballer Angst.
Leute! Schlagt mich mit nassen Handtüchern, nennt mich bei Tiernamen. Aber: Ja - das Verteufeln des Ballerns und gleichzeitig dieses der Enkeltochter zuzumuten… ist konträr gegensätzlich. Äh, was? Widerspricht sich. Das ist mir eben beim Schreiben gerade selbst aufgefallen. Und dennoch, so bin zumindest ich der Meinung, war diese Vorgehensweise richtig.
Denn es ist gut, wenn Jela beim Ballern von polnischen Böllern und Raketenbatterien Angst verspürt. Denn jetzt hat sie zumindest einen groben Eindruck bekommen, wie lebensbedrohlich es sich anfühlt, wenn echte Raketen herum schwirren und man selbst der / die / divers nächste ist, der / die / divers getroffen wird.
Und jetzt alle: NIEDER MIT DEN WOKEN! So, das musste mal raus.
Ganz schnell waren wir wieder in unserer sicheren Wohnung gelandet. Die letzten 2 Raketen hatten wir den Nachbarn geschenkt. Meine Löwin und ich wären gerne noch bei unseren netten Nachbarn zum Plauschen stehen geblieben, aber Jela hatte die Paranoia gepackt. Sie wollte einfach nur noch weg, hatte Angst.
Nochmal: Das Szenario erwies sich als durchaus stimmig. Es knallte und zischte; auch fühlte es sich temperaturmäßig wie in der ukrainischen Tundra an. Meine Hoffnung ist jetzt, dass Jela sich in ihrem weiteren Leben der fortschreitenden Militarisierung verweigert. Das sie aktiv gegen diese Militarisierung demonstriert, mag ein Träumchen von mir bleiben.
Ihr geht es aber jetzt wieder gut, was mich zugegebenermaßen beruhigt. Im neuen Jahr. Hey - in diesem Jahr! Und da sind wir nun (endlich!) bei den guten Vorsätzen, welche es umzusetzen gilt und zumeist zum Scheitern verurteilt sind.
Als erstes: Brot backen. Bis ins neue Jahrtausend hinein hatte ich alle zwei Wochen zuhause ein Brot gebacken. Zumeist mit Dinkelvollkorn, eventuell mit Sonnenblumen- oder Kürbiskernen verfeinert. Auch sparte ich nicht am Brotgewürz, welches meine Löwin sehr schnell ablehnte, weil überwürzt.
Da wir alsbald unsere Kisten zusammen geschmissen hatten, fehlte mir irgendwann die Zeit zum Brotbacken. Und die Akzeptanz meiner Löwin; wenn sie es gut gefunden hätte, wäre die über 20jährige Pause beim Brotbacken nicht eingetreten. Und dann backte ausgerechnet meine Löwin irgendwann selber Brot. Mit Hilfe von Tuppers Ultra oder ihrem Thermomix, und das schmeckt zugegebenermaßen nicht schlecht.
Kurz gesagt: Das frustrierte mich die ganze Zeit. Und dann fand ich im November letzten Jahres diese Backmatte von Lekue, bestellte sie bei Amazon und ließ mir das Ding von meiner Löwin zu Weihnachten schenken.
Und Voila, am Freitag dem Zwoten, nach meinem ersten Arbeitstag im neuen Jahr, ging es dann mittags los. Schon Tage vorher hatte ich nach Rezepten im Internet geforscht, hatte Anfang der Woche bei Edeka noch Mehl und Trockenhefe gekauft. Puristen nehmen Sauerteig oder frische Hefe, doch ich hatte früher schon mit Trockenhefe positive Erfahrungen sammeln können, zumal diese die Arbeitszeit verkürzt und den Zeitaufwand in Grenzen hält.
Dazu hatte ich beim Anbremsen (ich war mit dem Wagen zur Arbeit gefahren) bei Edeka, also dem After-Work-Shopping, noch eine Flasche Dithmarscher Dunkel gekauft. Das gesuchte Emmermehl war bei Edeka leider nicht erhältlich, aber ihr merkt schon, dass ich mich sofort für ein Bierbrot entschieden hatte.
Die Hefe des Bieres sowie das Gerstenmalz fördern das Aufgehen des Brotteiges enorm, wobei das Malz den Geschmack idealerweise abrundet. Das von mir eingesetzte Dinkelvollkornmehl ist hierbei Weizenvollkorn stets vorzuziehen; geschmacklich ist Weizenbrot eher nicht so intensiv. Bei Brot ist dies schlecht, bei Brötchen dagegen ist Weizenmehl unschlagbar. Zumindest, wenn man dort noch eine Bratwurst einklemmen kann.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen