Montag, 13. April 2015

Dale Hawkins 1/3

In der Regel wird Dale Hawkins verkannt oder übersehen, wenn es um die Gründungsväter des Rock `n` Roll geht. Seine Verdienste um diesen Sound ebenso wichtig wie die von bekannteren Interpreten und lassen sich nicht auf seinen einzigen Hit „Suzie Q“ reduzieren, der noch dazu für europäische Ohren erst durch das Cover von CCR bekannt wurde.
Seinen Ruf erarbeitete sich Dale als einer von nur zwei weißen Musikern beim Checker Label aus Chicago, einem Unterlabel von Chess. Der andere Weiße dürfte Bobby Charles gewesen sein. Der Schlüssel zu seinem Sound ist eine besondere Fähigkeit von Dale. Er war es, der große Gitarristen wie Roy Buchanan, Carl Adams , Kenny Paulsen oder auch James Burton entdeckt und gefördert hatte. Und als seine eigene Plattenkarriere in den frühen 60ern versandete, da machte er als respektierter Produzent von sich reden für Interpreten wie Bruce Channel, the Five Americans, John Fred usw.
Delmar Allan Hawkins Jr. wurde am 22. August 1938 in Goldmine, Louisiana geboren. Sein Vater Delmar war selbst Musiker und seine Mutter Estelle Taylor Phillips arbeitete als Lehrerin und Tagelöhner(in). Offenbar haben seine Eltern erst 1962 geheiratet, so steht es zumindest im Netz. Die Reduzierung auf Dale geschah schon in der Kindheit.
Jedenfalls wuchs Dale auf einer Baumwollplantage mit schwarzen und weißen Arbeitern auf. Schon mit 13, 14 Jahren pflückte er die Baumwolle, wenn er von der Schule nach Hause kam. Hier hörte Dale zum ersten Mal die Arbeiter jenen typischen Bluesgesang intonieren, mit denen sie sich die harte und monotone Arbeit auf den Feldern halbwegs erträglich gestalten konnten. Sie brachten Dale nicht nur das Gitarre spielen bei, sondern lehrten ihn auch harmonisch zu singen. Sie vermittelten dem jungen Dale etwas von der Seele des Blues, auf das dieser nur noch den Beat bzw. Drive in seine Songs hineinpacken musste. Kein anderer weißer Musiker des frühen Rock `n` Roll entwickelte ein derart tiefes Verständnis für den Blues wie Dale Hawkins. Einfach nur deshalb, weil niemand in den Jahren an der schwarzen Kultur so nah dran war wie Dale.
Sein zumeist besoffener Vater war mit diversen Country Bands dauernd auf Tour, seine Mutter arbeitet Vollzeit. Deshalb verbrachten Dale und sein Bruder Jerry die Kindheit mehr oder weniger bei ihren Großeltern.
Hawkins erinnerte sich später, das er als Kind schon die verschiedenen Musikstile gehört hatte.
Sein Großvater war Sheriff in einigen Gemeinden von Louisiana und nahm den kleinen Dale Samstags manchmal auf Nachtstreife mit. So hörte er ländlichen Country wie erdigen Blues oftmals zusammen an einem Platz.
„Du hörtest Elmore James im Hintergrund und Hank Williams vorne. Und alle mussten ja in die Kirche...“ meine Dale später hierzu. Er sang dann wohl auch gern mit den Musikern in der Kirche mit. Als andere frühere Vorbilder nennt Hawkins Hank Williams, Hank Snow, Lonnie Johnson und Sister Rosetta Tharpe. Mit dem Verkauf der Wochenzeitung „Grit“ verdiente Dale genug Geld, um sich mit 7 Jahren seine erste Gitarre kaufen zu können. Gefördert von seinem Schulleiter und mit Hilfe eines Notenbuchs für Mundhaarmonikas lernte Dale die Grundlagen des Blues.
Schwierig ist die Teenagerzeit, wenn man permanent von zuhause fortläuft. Schon mit 16 schrieb er sich bei der US Navy ein, denn schließlich kam er aus einer armen Familie und das Gehalt ermöglichte es ihm, etwas zu lernen. Nach seiner Entlassung 1955 begann er, Musik professionell zu spielen.
Als erstes nach seinem Abschied von der Navy gründete Dale Hawkins eine Band mit dem jungen Ausnahmegitarristen James Burton sowie dem Drummer A.J. Tuminello. Die Jungs fuhren öfters mit dem Fahrrad zu ihren Auftritten im „It`ll Do Club“ am Bossier Strip in Bossier City. Später borgten sie sich Autos ahnungsloser Verwandter; Logischerweise lassen sich Instrumente und Anlage mit einem Auto besser transportieren als mit dem Fahrrad. Die Jungs sahen etwas älter aus als 16, sonst hätte das auch nicht klappen können.
Die Club Besitzer wussten Bescheid und ließen die Jungs durch die Hintertür in ihre Clubs, da sie jegliche Aufmerksamkeit für die blutjungen Musiker vermeiden wollten. Denn die Musiker waren zu jung, um sich legal in Nachtclubs aufzuhalten, in denen Alkohol verkauft wurde. Aber die Band war gut und gefiel dem Publikum. Sei es mit wüstem Country oder auch mit bodenständigen Blues, der die Leute zum Trampeln animierte.
Gerade für Dale waren die rauhen Sitten in diesen Nachtclubs eine gute Vorbereitung für seinen langen Weg im Musikbusiness. So wurden die Jungs schon mal gerne um die vereinbarte Gage betrogen. Gegen die ausgebufften Clubmanager waren die Jungs chancenlos; Sie konnten nur hoffen, das sie beim nächsten Gig in einem anderen Club bezahlt wurden.

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