Mittwoch, 4. Februar 2015

Contramann: kurz gesehen im Februar

Vorweg noch schnell eine Anmerkung: Das Wort „Lügenpresse“ wurde zum Unwort des Jahres 2014 gewählt. In der Jury wirkte auch Stefan Hebel mit, ein unabhängiger und kritischer Journalist, den ich ansonsten sehr schätze.
Doch in diesem Fall vertrete ich einen anderen Standpunkt. Sicherlich ist „Lügenpresse“ ein von den Nationalsozialisten häufig verwandter Begriff; ebenso wurde er wohl am Vorabend des ersten Weltkrieges zur Unterstützung der Kriegsbegeisterung verwandt.
Aber Hebel und auch die gesamte Journalistenschar von Bild über Spiegel bis TAZ haben übersehen, das dieser Begriff auch Mitte der 20er Jahre von den deutschen Kommunisten in Form der „Goebbels-Lügenpresse“ verwendet wurde. Der Begriff geht übrigens auf Karl Kraus zurück, dem bekannten österreichischen Schriftsteller und Publizisten der „Fackel“, der sich zeit seines Lebens vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod 1936 gegen die Macht der Presse wandte und zur Machtergreifung der Nazis 1933 sein Entsetzen äußerte.
Als Reaktion auf diese, meiner Ansicht nach falschen, Wahl habe ich mich entschlossen, das Wort „Volkswagen“ nicht mehr zu verwenden. Der Begriff des „Volkswagens“ wurde von den Nazis geprägt und gezielt aus Propagandazwecken zur Beruhigung und Gleichschaltung der „rein deutschen“ Bevölkerung verwandt. Dieser Begriff ist unter anderem eines der vielen Scheinargumente, die belegen sollen, das „unter Adolf“ ja „doch nicht alles schlecht“ war.

http://www.focus.de/politik/ausland/kommentar-zur-griechenland-wahl-nach-dem-syriza-sieg-europa-muss-einen-neuen-weg-finden_id_4429999.html
Aus aktuellem Anlaß beginnt der Rundumschlag mit der Wahl in Griechenland. Die Linken der Syriza haben die Wahl gewonnen und ihr Parteivorsitzender, Alexis Tsipras, wird neuer Regierungschef sein. Er hatte die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, das Spardiktat der Troika bzw. EU beenden zu wollen.
Das können die deutschen Leitmedien natürlich nicht gutheißen. Stellvertretend hieer ein Kommentar des Focus. Nicht nur, das Focus Tsipras eine Feindschaft zur Merkelschen anhängt, auch ein totaler Schuldenschnitt darf nicht sein.
Die Griechen brauchen nämlich Europa. Ist das so? Warum kein Austritt aus der EU und dem Euro, Staatsbankrott inbegriffen. Deshalb geht es den Griechen sicherlich nicht automatisch besser. Das ist aber auch nicht die Frage, denn die lautet:
Geht es für die Griechen eigentlich noch schlimmer? Ja, wenn sie weiterhin die Schuldenlast bei den Banken bedienen und ansonsten dies von der Bevölkerung bezahlen lassen und eben nicht von denen, die ihre Pfründe schon in Sicherheit bringen konnten.
Liebe deutsche Leitmedien: Syriza und eine konsequente Umsetzung der angekündigten Maßnahmen ist die letzte Chance für die Griechen, eine drohende Verarmung wie in einem Dritte Welt Land zu verhindern. Und mit Griechen sind die Menschen an sich und nicht die dortige Wirtschaft oder Elite gemeint.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-die-deutschen-sind-an-allem-schuld-fleischhauer-kolumne-a-1015230.html
Die führende Giftspritze der deutschen Kampfpresse möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Jan Fleischhauer von Spiegel Online ist der legitime Nachfolger eines Gerhard Löwenthal.
Das die Griechen die Deutschen als Schuldige ihrer misslichen Lage verorten, ist für Fleischhauer unverständlich und wird von ihm als Schutzbehauptung hingestellt, weil die bösen Griechen einfach nicht die 65 Mio € bezahlen wollen, mit denen sie bei „uns“ in der Kreide stehen. Fleischhauer nutzt auch gleich die Gelegenheit, die deutsche Linke mit seinem Hohn und Spott eindecken zu können.
Diese ist verständlicherweise hoch erfreut über den Wahlsieg von Syriza, verbindet sich damit doch die Hoffnung, dass eine Abkehr der fatalen Austeritätspolitik der deutschen Kanzlerin, die schließlich in den letzten Jahren von der Troika den Griechen auferlegt wurde im Gegenzug zu Milliardenspritzen, die hauptsächlich gleich an die (deutschen) Banken zur Schuldentilgung weitergereicht wurden. Die Troika ist ja auch von deutschen Spezialisten dominiert, also warum sollten die Griechen die Deutschen nicht als Feinde ansehen?
Schließlich hat die Troika dafür gesorgt, dass z. B. Ärzte entlassen werden mussten und die Kindersterblichkeit in die Höhe schnellte. Krankenhausbesuch in Griechenland? Wenn Du es bezahlen kannst...
Nein, Fleischhauer. Sicher ist es richtig, das Schulden zurückbezahlt werden müssen. Das dafür aber Menschen tatsächlich sterben müssen, weil das Geld für Ärzte nicht mehr da ist, kann nicht sein.
Im Übrigen zahlt mir auch keiner meine Verluste, wenn ich z.B. meine Einzahlungen bei einer Versicherung zurückhaben möchte, da diese grade pleite gegangen ist und mir die Lebensversicherung nicht mehr auszahlen kann.

http://www.welt.de/vermischtes/article133601746/Wenn-AfD-und-Linke-am-jeweiligen-Personal-zweifeln.html?wtmc=stickyticker2
Starten wir diesen Monat mal anspruchsvoll mit Maybrit Illner, die mit Ex Telekom Mann Rene Obermann verheiratet ist. Also eine Frau, deren wirtschaftliche Kompetenz allein damit schon bewiesen ist.
Im Oktober letzten Jahres, also kurz vor der Landtagswahl in Thüringen, war die Einlassung der Linkspartei zum Anerkennen der DDR als Unrechtsstaat gefordert,damit eine mögliche Koalition aus Linkspartei, SPD und Grünen unter dem allerersten Ministerpräsidenten der Linkspartei geduldet werden kann. Nicht nur von den Politikern, sondern auch von den Medien.
Den Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man hier die Fragestellungen von Frau Illner verfolgt. Überhaupt werden Linke und AfD immer gern zusammen genannt, um sofort kenntlich zu machen, woher die Gefahr für Deutschland kommt.
Was die Linke angeht, ist dies zumindest falsch. Aber Journalisten wie Illner haben ja nicht wirklich eine eigene Meinung und verbreiten lediglich die „Wahrheiten“ des Establishments, damit sich auch ja nichts ändert an den bestehenden Machtverhältnissen.

http://www.focus.de/politik/deutschland/kommt-bald-der-koalitionsbruch-spd-gruene-und-linke-wollen-noch-in-dieser-legislaturperiode-regierung-bilden_id_4225676.html
Dazu passt auch dieses Interview des Focus mit einem CSU Hinterwäldlers. Thomas Jahn aus Kaufbeuern, seines Zeichens Rechtsanwalt, schließt eine zukünftige Koalition mit der AfD im Kontrast zu Angie oder seinem Landeschef Horst, dem Seehofer, nicht aus.
Nur die Linkspartei oder NPD, auch hier in einem Atemzug genannt, ginge gar nicht. Hier liegt die Agitprop also wieder in dem Umstand, das die Linke durch diese Gleichstellung mit der NPD zu unzuverlässigen Radikalen und Staatsgefährdern diffamiert wird.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-10/die-gruenen-katrin-goering-eckardt-syrien
Katrin Göring-Eckardt hat hart daran gearbeitet, um von Contramann als eine der schlimmsten Politikverirrungen unserer Zeit anerkannt werden zu können. Und sie hat es geschafft.
Sie meint in diesem Interview, das die Grünen noch nie eine pazifistische Partei waren. Der Einsatz der Bundeswehr Ende der 90er in Albanien dank des Außenministers Fischer scheinen dies auch zu bestätigen, warum nicht auch jetzt, wo es gegen den IS geht? Für die überzeugte Protestantin (die waren schon immer schlimmer als die Katholen) ist das natürlich keine Frage.
Sie ist halt auch nur so ein Zonendödel(-in). Die Anfänge der Grünen lagen Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht nur in der Antiatomkraft Bewegung, sondern auch in den vielen Demonstrationen der Friedensbewegung, unter anderem gegen die Stationierung von Pershing Raketen. Die damaligen Aktivisten reiben sich heuer die Augen, sofern sie ihren alten Idealen treu geblieben sein sollten.
Zu diesen gehört der Joschka nicht und die Katrin erst recht nicht. Meine Güte, mit solchen Leuten wie der Katrinchen rückt eine schwarz-grüne Koalition 2017 immer näher.

http://www.heise.de/tp/news/Wie-viele-Amazon-Mitarbeiter-streiken-denn-nun-oder-Also-ver-di-hat-gesagt-2434962.html
Eins von Contramanns Lieblingsthemen des letzten Jahres war das Thema Amazon. Nahezu ständig, besonders stark aber vor Weihnachten, konnte man hierzu in der Presse einen Artikel finden. Verdi versucht ja nach wie vor, Amazon durch Streiks zur Anerkenntnis des Tarifvertrages für den Einzelhandel zu bewegen.
Auf Telepolis erschien Ende Oktober dieser wunderbare Beitrag, der die Berichte über die Streiks wunderbar als das enttarnt, was sie sind: Eine einzige Manipulation zugunsten der Auffassung der Gewerkschaft. Hier wird vorbildlich geschildert, warum hier eine Meinungsmache vorliegt und warum dies nicht unwichtig ist.
Was gerade diesen Artikel aufwertet, ist eben der Umstand, das er nicht Partei pro oder Contra Amazon ergreift. Davon abgesehen, ist mir auch aufgefallen, das die Anzahl der Streikenden in der Presse seltenst erwähnt wurde. Bei Recherchen im Netz fand ich dann in der Regel Belege für Zahlen von Teilnehmern, für die eher der Begriff Zigarettenpause statt Streik angemessen wäre.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-die-partei-will-sich-vom-veggie-day-verabschieden-a-999728.html
Zum Abschluß nochmals die Grünen. Den Vorstoß während des letzten Bundestagswahlkampfes eines Veggie Days, an dem es an einem Tag in der Woche in öffentlichen Kantinen nur fleischlose Kost geben sollte, haben die Grünen mittlerweile wohl aufgegeben.
Viel Freunde hatten sie sich damit eh nicht gemacht. Aber auch an dieser Thematik sieht man mal wieder das Dilemma der Grünen im Allgemeinen. Das Thema Umwelt, was die Grünen mal groß gemacht hatte, wird nur noch an unwichtigen Plätzen angegangen und schreckt – zumindest beim Thema Veggie Day – eher ab, weil es eine unnötige Bevormundung darstellt.
Wenns aber um Militäreinsätze geht, ja da sind die „Roots“ der Grünen auf einmal total unwichtig. Für mich sind die Grünen bald schon ärgerlicher als die Union oder die AfD. Von Menschen, die im SUV fahren und ihre Lebensmittel im Bio Markt einkaufen, möchte ich mir nichts, aber auch gar nichts im Leben vorschreiben lassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen