Dienstag, 28. Juli 2026

Uncle Fester: grad gelesen Juli 2026

Martha Wells - Übertragungsfehler (Killerbot Band 3)
Weiter gehts mit der hochgelobten amerikanischen Autorin; die Killerbot Reihe besticht ja durch die frischen Charaktere. Ideal als TV Serie - läuft ja auch auf Apple Plus. Die Romane dagegen fand ich bislang eher so naja. Gute Ideen halt, aber die Storys waren bislang jeweils sehr dünn, sprich eher als Spielfilm denn als Serie. Es fehlt an einer komplexen Handlung.
Dieser lediglich 190 Seiten umfassende Band schlägt irgendwie aus der Reihe. Auf Preservation Station, der Heimat von Dr. Mensah und der SecUnit, wird eine Leiche gefunden. Es entspinnt sich ein relativ normaler Kriminalroman, in dem die SecUnit mit einem menschlichen Ermittlerteam zusammenarbeiten muss.
Das Interagieren mit den verschiedenen künstlichen Intelligenzen , welche für einen sauberen technischen Ablauf sorgen, und den menschlichen Charakteren steht in diesem Band absolut im Vordergrund. Die vielen neuen Charaktere machen ein Verfolgen der einfachen Story äußerst schwierig, ja fast schon zur Qual, wenn man andauernd zurückblättern muss.
Der Tote gehörte zu einer Aktivistengruppe, welche als Fluchthelfer für versklavte Minenarbeiter in einem entfernten System agiert hatten. Als Mörder stellt sich ein Bot des Raumhafens heraus. Dieser ist normalerweise für schwierige mechanische Arbeiten, vergleichbar mit Lastenkränen, zuständig. Allerdings war dieser unter seiner „Haube“ als Combatbot ausgelegt, so dass SecUnit beim Besiegen dieses Geräts gehörig ins Schwitzen geriet.
Zuvor allerdings galt es, die in einem Container festsitzenden Flüchtlinge, welcher am Raumschiff der Menschenhändler angeflanscht wurde, mit einer waghalsigen Rettungsaktion in Sicherheit und ins Asyl auf Preservation Station zu bringen.
SecUnit und die leitende Ermittlerin necken sich während der Ermittlungen, gelangen am Ende aber zu einem gegenseitigen Respekt. Wie ein einem amerikanischen Buddy Movie. Hier wird schon deutlich, dass die Autorin eine mögliche Verwertung der Killerbot Reihe fest im Blick gehalten hat. Die Filmrechte waren wohl auch schon ziemlich früh veräußert worden.
Aufgrund der Kürze des Romans, welcher mit einem Handlungsstrang auskommt, und der typisch amerikanischen Charakterisierung der Personen hatte ich gar noch überlegt, mal wieder einen Jerry Cotton Sonderband zu lesen.
Ich bleibe dabei: Die Killerbot Reihe ist einzig und allein aufgrund des originellen Szenarios zu empfehlen.

Martha Wells - Systemkollaps (Killerbot Band 4)
Bisschen dicker als der dritte Band. Ist das der krönende Abschluss? Außerdem ist das Setting verwirrend. Dieser Band schließt sich quasi nahtlos an die Storyline nach dem zweiten Band an. Der dritte Band hängt so gesehen richtig in der Luft.
Aber zur Sache. Der Konzern Barish-Estranza versucht imm er noch, die Kolonisten vom Planeten Adamantine wegzubekommen, um den Planeten nutzen zu können. Die Kolonisten könnten dank unserer Freunde frei über den Planeten verfügen, leiden aber unter der Kontaminierung durch eine Alienware, die Mensch und Maschine ausrasten lässt und eine Nutzung des Planeten erschwert. Unsere Freunde haben die Alienware noch nicht beseitigen können.
Barish-Estranza kämpft also um das Eigentumsrecht an der Kolonie, während Mensah und die anderen von Preservation dies für die Kolonisten juristisch anfechten wollen. Fieserweise drohen die Kolonisten zu Sklaven von Barish-Estranza zu werden; hier gilt es entgegenzuwirken und notfalls die Kolonisten vorübergehend zu evakuieren.
Bei der Diskussion hierüber mit den verschiedenen verfeindeten Fraktionen der Kolonisten, die sich dank der Kontaminierung gebildet hatten, stellt sich heraus, dass sich eine Fraktion schon seit Jahrzehnten aus Angst vor Kontaminierung in Richtung Pol abgesetzt hatte, um dort abseits der anderen Kolonisten eine Kolonie zu betreiben.
Damit diese Menschen auch gerettet werden können, begibt sich SecUnit mit drei Leuten von FiFos Schiff, samt einer Inkarnation Fifos in einer Drohne, zum Pol. Existiert die Kolonie dort noch? Tatsächlich ja - und sie hausen in den Resten einer einst gescheiterten Kolonialisierung aus der Zeit vor der Herrschaft der Konzerne.
Als SecUnit und sein Team die Kolonie entdecken und Kontakt aufnehmen können, ist ein Team von Barish-Estranza dort bereits zugegen und stellt SecUnit und seine Leute in einem extrem schlechten Licht dar. Zum Glück sind die Leute von Barish-Estranza selbst in zwei Koalitionen gespalten.
Dadurch findet das Preservation-Team Unterstützer beim Gegner und kann somit den Erfolg des Konzerns verhindern. Die Siedler werden über sich selbst bestimmen können. Der Zyklus endet (momentan?) mit der Absicht von SecUnit, mit Fifo irgendwohin zu fliegen. Das riecht nach einem weiteren Teil.
Insgesamt hat Martha Wells hier ein interessantes Universum vorgelegt, in dem die Unterschiede zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz - ob Android, Bot oder Schiffs-KI - verschwimmen. Die Kls erscheinen im Gegenteil sogar menschlicher mit all ihren Gefühlen, zumal die Geschichte aus Sicht der SecUnit erzählt wird.
In der TV-Serie wirkt das richtig überzeugend, obwohl die Handlung an sich ereignisarm zu nennen wäre. Dies wirkt sich im Buch fatal aus, da die endlosen eingeschobenen Monologe und Ansichten der SecUnit schnell ermüden und den Handlungsablauf stören. Stellenweise wird die Handlung für eine ganze Seite mit SecUnits Gedanken unterbrochen, ehe sie auf eine Frage antwortet. Auf Dauer finde ich das ermüdend.
Ich freu mich dennoch auf die nächste Staffel der TV-Serie, da die Schauspieler bildhaft darstellen, was die Autorin in Worten nicht vermitteln kann.

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