Mittwoch, 10. Juni 2026

Contramann: kurz gesehen im Juni

https://overton-magazin.de/kommentar/gesellschaft-kommentar/nicht-mehr-sagen-was-ist-wegen-euch-ihr-systemfeinde/
„Sagen, was ist“ war immer das Motto des Spiegel gewesen. Sein Gründer Rudolf Augstein hatte diesen Begriff geprägt. Der Spiegel von heute erfüllt diesen Grundsatz bereits seit längerer Zeit nicht mehr. De Lapuente bezeichnet die aktuelle Gefühlslage beim führenden deutschen Magazin als „Sagen, was sein soll“ und trifft das sehr passend.
Er führt in seinem Artikel auch schöne Beispiele dafür an. Claas Relotius war demnach nicht lediglich ein bedauerlicher Einzelfall, sondern hat sich bloß als Einziger “erwischen lassen“. Wenn man dies mal außer Acht lässt, so springt doch der in den letzten Jahren zunehmend auffallende Haltungsjournalismus direkt ins Auge.
Dies verwundert aber auch nicht, sind doch so einige Journalisten aus der Springerpresse in der Redaktion des Spiegel gelandet. Ohne jetzt hier eine Liste dieser Personen aufzuzählen: Rudolf Augstein und Springer zusammen… ging früher gar nicht. Der Spiegel ist mittlerweile wirklich zur Bildzeitung des Kleinbürgers bzw. Möchtegern-Intellektuellen mutiert.
Das Ansinnen, die Politik nicht mehr „überkritisch“ zu begleiten, um Systemfeinde nicht zu stärken, wäre einem Rudolf Augstein nie in den Sinn gekommen. Und überhaupt: Wer definiert denn wen als Systemfeind? Der Spiegel etwa den „Coronaleugner“, „Putinversteher“ oder einfach nur den „Nicht-gendernden-Schwanzträger“?
Zum Glück regt es mich immer weniger auf, dass ich im Land der (Selbst)Gerechten lebe. Dann ist das bestimmt auch richtig, dass wenn jeder an sich denkt, an alle gedacht ist. Aufklärung hierzu würde ich ja im Spiegel erhalten.
Haltung, Männer! Hat mein Hauptmann damals immer schon gesagt.

https://test.rtde.me/meinung/279171-karaganow-wie-russland-im-neuen/
Wer jetzt meint, Putin wäre ein böser Diktator und der Nachfolger von Stalin und Hitler, der sollte sich mal diesen Text von Karaganow durchlesen. Kostprobe gefällig?:
„Es ist klar, dass eine solche Linie gegenüber Deutschland absolut notwendig ist. Ein Land, das zwei Weltkriege entfesselt und sich des Völkermords schuldig gemacht hat, hat kein Recht auf die "stärkste Armee Europas" und schon gar nicht auf Massenvernichtungswaffen. Sollte es danach streben, müssen die deutschen Bürger verstehen, dass ihre Heimat zerstört wird, damit nie wieder von deutschem Boden eine Bedrohung für den Frieden ausgeht.“
Selbst in meinem engeren Umfeld hatte ich in den letzten Jahren schon vernehmen müssen, dass es gut sei, wenn „einer den Putin weg macht“. Diese Leute haben zugegebenerweise noch nie etwas von Karaganow gehört oder gelesen, sonst würden sie Putin ebenso wie Selenskji als Helden verehren.
Aber Spass beiseite: Diese Ansichten von Karaganow über uns Deutsche waren bereits unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg „State of the Art“ gewesen - bei ALLEN Siegermächten. Und komm jetzt bitte keiner mit „das hat nichts mit mir zu tun, da habe ich noch gar nicht gelebt“. Der Makel, deutsch zu sein, steht bereits auf dem Perso. Und wenn ich die momentane deutsche Außenpolitik betrachte, durchaus zu Recht.

https://www.welt.de/kultur/article69f060f7129bffc049ee15b8/lastenraeder-und-kinderanhaenger-huetet-euch-vor-den-saenftenkindern-den-paschas-von-morgen.html
Hinter der Bezahlschranke, aber die paar Sätze am Anfang des Artikels reichen vollkommen aus, damit ich meine Hasstiraden loslassen kann. Nein - kleines Spässken, jetzt folgt keine 12-teilige Serie über Helikoptereltern und ihre missratenen Kindern.
Zum Verständnis meines Unmuts über dieses Feindbild: Der urbane Bildungsbürger, Mitglied der Gerechtigkeitsliga und übergroßer Beschützer*in des eigenen Sprösslings ist mir seit jeher ein Dorn im Auge. Speziell, seitdem deren Weltbild über den Erfolg der Grünen politisch hoffähig geworden sind, weil die Konservativen irgendwann sogar begriffen hatten, dass man grünes Gedankengut besser einbindet als bekämpft. Neue Kundensegmente und so. Ist halt gut fürs Geschäft. Die ehemaligen Protestierer für das Gute schlechthin (saubere Umwelt, Weltfrieden - ach ne, nicht mehr - und Zurückdrängung des Fremdenhasses) wollen ja auch nur dazugehören. Die brauchen keinen Mercedes, die brauchen ein Lastenfahrrad.
Nach der Einschulung hat mich meine Schwester Sunny einmal zur Schule gebracht; von da an bewältigte ich den Weg allein zu Fuß, bei Wind und Wetter. Mit 8 war ich Schlüsselkind und wärmte mir das Mittagessen selbst auf. „Kochen“ hieß für mich TK-Pizza oder Goldbackfisch von Iglo. Nach der Schule und Hausarbeiten (ohne Nachhilfe wohlgemerkt) ging es raus, um mit den Nachbarskindern draußen zu spielen. Zurück ging es mit der Dunkelheit.
Heute ist der 10. Juni. Na, Leute, wann wird es heute dunkel? Seht ihr. Ende der 60er Jahre lauerten wohl keine Kinderschänder hinter dem Kinderspielplatz (welchen wir nicht brauchten, da wir im Rohbau nebenan nach Feierabend der Bauarbeiter zu spielen pflegten), noch war ich im katholischen Knabenchor.
Kurz: Die Kiddies werden heute total verweichlicht. Liebe Lastenradfahrer, wie sollen diese Mimosen denn in mittlerweile 3 Jahren unser Land verteidigen, wenn der Iwan vor der Tür steht? Derart gestählt, konnten „wir“ sogar später gegen Aufrüstung und Faschismus demonstrieren, gegen Atomkraft auch.
Schaffen das diese kleinen Lappen, die, auf ihren Handys daddelnd, von ihren Eltern durch die Gegend chauffiert werden? Ich denke nicht.

https://overton-magazin.de/kommentar/gesellschaft-kommentar/ein-kranker-mensch-ist-zuerst-ein-kranker-mensch/
Ein sehr schöner Artikel, den ich mir sehr zu Herzen nehme. Der drückt aus, was beide "Seiten" des Corona-Wahnsinns beherzigen sollten: Die Meinung und Entscheidung des Andersdenkenden zu akzeptieren und nicht alle Folgen in das eigene Weltbild pressen.

https://www.berliner-zeitung.de/article/warum-europa-im-ukraine-krieg-kaum-noch-als-vermittler-infrage-kommt-10036396
Putin hatte letzten Monat doch tatsächlich Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen der Ukraine und Russland ins Spiel gebracht. Da hatten die Entscheidungsträger der EU, hier seien die Damen Kallas und von der Leyen genannt, und andere Bellizisten a la Kiesewetter gleich Schnappatmung gekriegt. Putin dürfe dies nicht bestimmen, da wollen die Europäer ein gehöriges Wort mitreden.
Putin erklärte hierzu, er wünsche sich jemanden, „der Russland nicht schlechtgemacht hat“. Für mich ist dies absolut nachvollziehbar. Die zuvor genannten Persönlichkeiten z.B. sind alles, bloß nicht neutral. Und das ist nun einmal die Voraussetzung, um als Mediator zwischen den beiden Kampfhähnen auftreten zu können.
Übrigens: Dass Putin bei dieser Gelegenheit die EU aufgefordert hatte, alternativ statt Schröder selbst einen Vermittler zu benennen, haben die deutschen Leitmedien gleich mal unter den Tisch fallen lassen. Denn da kam von der EU erwartbar nichts.
Wen wundert es da noch, das die Russen die EU und vor allem Deutschland mehr und mehr als Kriegsteilnehmer zugunsten der Ukraine betrachten. Ein Herr Kiesewetter ist da in keinster Weise hilfreich.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

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