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Diese Nacht hatte ich noch besser als in der davor geschlafen. Gegen 8.00 Uhr wachten wir auf und machten uns reisefertig. Heute war es kälter als am Samstag, das sahen wir beim ersten Blick aus dem Fenster. Der Himmel schien nicht mehr hell-, sondern eher dunkelblau. Die Kraft der Sonne hatte eindeutig nachgelassen. Dennoch sollte dies für schottische Verhältnisse immer noch ein schöner Tag werden.
Nach dem Frühstück, bei dem ich mir dieses Mal die Riesenportion Rührei ersparte, fuhren wir wieder los. Mit der 19 zum Westend, dann zu Fuß die Princess Street entlang bis zur Waverly Bridge, wo wir uns eine Tageskarte für die Edinburgh Tour kauften. Diese „Hop on Hop off“ Tour kostete uns 16 Pfund pro Nase, aber dieses Geld war gut angelegt. Noch einmal bestaunten wir die Princess Street Gardens, dann kam unser Bus auch schon.
Selbstverständlich nahmen wir auf dem Oberdeck Platz. Die erste Reihe am Frontfenster war leider besetzt, denn dort saß die mollige Fremdenführerin mit ihrem Mikro und erklärte den Anwesenden die Sehenswürdigkeiten dieser Strecke. Die Dame nahm ihren schottischen Akzent zurück, so dass wir keine Probleme hatten, sie zu verstehen.
Dies war uns sympathischer als eine simultan übersetzende Bandansage, die mehrsprachig über Kopfhörer empfangbar ist. Dies kann man wohl auch buchen, aber daran hatten wir zum Glück nicht gedacht, als wir uns spontan zu dieser Linie entschieden. Die Fremdenführerin spulte ihr Programm eben nicht emotionslos wie ein Band herunter, sondern sang sogar einen alten Schlager aus den 50ern an, bei dem der halbe Bus mitsingen konnte.
Von den insgesamt 4 Touren des Unternehmens hatten wir uns für diese Tour entschieden, weil sie lediglich New Town und Old Town umfasste und wir uns damit nicht verzettelten. Als erstes fuhren wir für eine komplette Runde mit, um uns zunächst einen Überblick zu verschaffen. Erst danach, als der Bus für eine kurze Pause vor der Waverly Bridge hielt und wir drin sitzen blieben, planten wir unser weiteres Vorgehen.
Wir genossen so zu Beginn der Runde den Anblick des Balmoral Hotels am Ende der Princess Street. In diesem historischen Hotel im viktorianischen Stil waren bereits Laurel & Hardy sowie Michael Palin abgestiegen. Hier interviewte Oprah Winfrey J.K. Rowling im Jahr 2010, da diese im Balmoral den Harry Potter Zyklus beendet hatte.
Während einer längeren Strecke mit Blick auf Arthurs Seat erfuhren wir auch von den 17 Gräbern mit kleinen Holzfiguren, die fünf Jungen 1836 dort fanden. Lange Zeit brachte man den Fund mit den Serienmördern Burke und Hare in Verbindung, die 8 Jahre zuvor eben diese Anzahl an Menschen getötet und die Leichen zu anatomischen Zwecken verkauft hatten.
Doch da die Holzpuppen alle männlich waren und die Fasern der Kleidchen erst ab 1930 entwickelt wurden, schied diese Theorie aus. Dafür können wir alle heute noch rätseln, warum jemand 17 kleine Holzsärge mit Puppen auf Arthurs Seat verbuddelt hatte. Von 17 sind leider nur noch 8 erhalten geblieben.
Arthurs Seat, von dem man einen wunderschönen Blick auf Edinburgh haben soll, bestiegen wir dann doch nicht, obwohl wir es ursprünglich geplant hatten. Laut Fremdenführerin war eine der zwei Wege hinauf zum Gipfel gerade gesperrt. Und die dunklen Wolken, die sich am Himmel auftürmten, gemahnten uns, auf einen Aufstieg zu verzichten.
Im Vorbeifahren erhaschten wir einen schnellen Blick auf den „Palace of Holyroodhouse“. Dies ist die offizielle Residenz der Queen, wenn sie sich in Schottland aufhält. Es folgte eine kurze Umrundung des Dynamic Earth, in dem man die Natur unserer Erde mit allen Sinnen interaktiv erleben kann. „Family Fun“ also; dieses Mal nicht, vielleicht bei unserem nächsten Besuch von Edinburgh.
Wieder zurück um Dynamic Earth erreichten wir in unmittelbarer Nähe des Dynamic Earth das futuristisch anmutende schottische Parlament. Sollten die Schotten tatsächlich die Unabhängigkeit erreichen und in der EU bleiben - Bestrebungen hierzu sind immer noch im Gang, dann spielt die Musik in diesem Gebäude.
Es folgt die Royal Mile, die nur so von kleinen Läden wimmelt, die Tweed oder auch Kilts verkaufen. Wir waren hier auf eine Seite der Old Town gestoßen, die wir am Vortag noch nicht entdeckt hatten. Diese Straße mündet in die Esplanade, an deren Ende sich Edinburgh Castle befindet. Wir bogen jedoch vorher ab und fuhren südlich des Castle die Esplanade wieder an. Kurz vor dem Vorplatz von Edinburgh Castle, auf dem alljährlich das Royal Edinburgh Military Tattoo stattfindet, war doch tatsächlich ein Haltepunkt... den wir uns für später vormerkten. Ach ja: Das Military Tattoo ist das größte Musikfestival Schottlands. Wer kennt sie nicht, die Militärkapelle im Kilt mit all den Dudelsäcken.
Jetzt hielten wir es doch nicht mehr aus und verließen den Bus, um uns das Castle anzusehen. Der gesamte Vorplatz war relativ leer, bis auf die japanischen Touristen. Und uns. Wir schauten auf beiden Seiten des Vorplatzes über die Mauern auf die Stadt hinaus. Bereits hier genossen wir einen schönen Ausblick auf Edinburgh, so dass wir ein wenig für den Wegfall von Arthurs Seat entschädigt wurden.
Das Castle selbst betrachteten wir lediglich von Außen, da wir nicht den ganzen Tag dort verbringen wollten. Beim nächsten Mal können wir das gern mal machen, aber an unserem letzten Tag wollten wir doch noch etwas umher schlendern. So stiegen wir kurze Zeit später wieder in den Bus und fuhren weiter.
Um Princess Street Gardens herum gab es dann keine „Highlights“ mehr zu begutachten, so dass wir während der Pause des Fahrers vor der Waverly Bridge in Ruhe unsere weiteren Schritte planen konnten. Wir entschieden uns, bei der nächsten Runde zuerst beim schottischen Parlament auszusteigen. Ein zweiter Halt war für die Royal Mile vorgesehen. Vom Verzicht auf Arthurs Seat hatte ich ja schon berichtet.
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