Montag, 12. März 2018

Contramann: kurz gesehen im März

https://www.heise.de/tp/features/Der-eigentliche-Skandal-120-Millionen-Tote-durchs-Auto-3956020.html
Franz Alt, die alte Säule. 120 Millionen Verkehrstote seit 1945 allein durch Verkehrstote sind schon mal ne Hausnummer. Auch 4000 Tote jährlich allein in Deutschland durch nicht eingehaltene Dioxin-Grenzwerte sprechen eine deutliche Sprache. Wo bleibt der empörte Aufschrei der Politiker, Medien oder wenigstens des Teils der Bevölkerung, die sich sonst auch immer über Umweltverschmutzung, Fremdenfeindlichkeit oder Benachteiligung von Frauen aufregen?
Es ist wohl leider so: In Deutschland hat die Automobilindustrie alles im Griff. Selbst der letzte Hippie fährt nen Daimler mit Atomkraft nein Danke Aufkleber am Heck. Und der deutsche Michel kauft auch immer schön die fetten Karren.

https://www.heise.de/tp/features/Das-Scheitern-der-Neuen-Linken-3964243.html?seite=all
Dazu passt diese Meldung ganz gut. Diese Abrechnung mit den neuen Linken ist absolut lesenswert. Nach einem schönen historischen Abriss über die Linken nach den 60er und 70er Jahren sind wir heute beim Gendern, Hipstern und einer veganen Lebensweise angekommen. Alles weichgespült, von Klassenkampf kann da keine Rede mehr sein.
Die Unterschicht, für die einzutreten man doch mal angetreten war, stört da nur. So begnügen sich moderne Linke mit dem Kampf für Feminismus oder gesellschaftliche Minderheiten wie Homosexuelle oder Vegetarier. Von ihrer eigentlichen Basis, den ungebildeten Hilfsarbeitern, Arbeitslosen oder wenigstens Arbeitern, halten sie sich fern.
So bleibt die Antifa die einzige Gruppierung, die sich aktiv um eine andere Gesellschaftsform bemüht. Leuten wie Frau Kipping ist dieses Engagement verlorengegangen. Da macht man es sich lieber mit erhobenen Zeigefinger bequem. Hauptsache, man muss nicht wirklich linke Ideale umsetzen.
Was Antifa wie Neo-Linke allerdings wieder verbindet, ist der strikte Hass auf die „Anderen“, die nicht so denken. Die sind dann pauschal Arschlöcher oder Nazis, egal ob ihre Kritik an linken Idealen fundiert ist oder nicht, egal ob gerechtfertigt oder nicht.
Ich sehe da schwarz für eine andere, bessere und vor allem gerechtere Gesellschaft.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/andrea-nahles-die-letzte-hoffnung-der-spd-kommentar-a-1193370.html
Au Weia, Kuzmany. Frau Nahles als letzte Hoffnung der SPD… Ausgerechnet die alte Bratze (um mal im „Bätschi“ Jargon zu bleiben). Ich zitiere Kuzmany nur mal kurz: „Die ehemalige Juso-Vorsitzende hat sich aus jungen Jahren eine große Klappe und ihr linkes Herz bewahrt.“ Große Klappe unterschreibe ich sofort, aber linkes Herz… Was reitet diesen Spiegel Redakteur, eine derart falsche Wahrheit in die Welt zu setzen. Wenn Rudolf Augstein noch leben würde, hätte er Kuzmany aus der Redaktion entfernt.
Sehr dämlich dann noch die Charakterisierung des Martin Schulz als alter (der 100% Martin mit anschließend krachender Wahlniederlage und Verzicht auf Regierungsverantwortung, der nicht Minister werden wollte) und neuer Schulz (der Wendehals zur neuen GroKo mit Ambitionen zum Außenminister). Schulz war eben von Anfang an nicht die treue Seele und ehrliche Haut, es ging da immer nur um Posten um jeden Preis. Alles Kalkül, selbst die vorschnelle Absage an eine GroKo unmittelbar nach der Bundestagswahl.
Schulz schaffte die Nachfolge von Juncker im Europaparlament nicht und brauchte eine neue Aufgabe, so schaut das aus. Und jetzt schreibt Kuzmany mit Frau Nahles eine weitere Krachlatte aus dem Stamm der Apparatschiks zur großen, gar letzten Hoffnung der SPD hoch. Meine Fresse, 20 Semester Germanistik und Politikwissenschaften! Warum verschont uns niemand vor solchen verkrachten Existenzen? Nichts gegen Germanisten oder Politologen (oder doch?), aber sollen diese Leute doch auf kleiner Flamme den realen „High Performern“ zuarbeiten oder in die Medienwelt abtauchen. Anne Will oder Maybrit Illner können Konkurrenz notfalls ertragen.
Aber Frau Nahles, Herr Kuzmany, kann keiner ertragen. Auf keinen Fall die SPD, wenn sie sich wirklich erneuern will. Da braucht es frisches und vor allem unschuldiges Personal. Und Andrea Nahles ist keins von beiden, im Gegenteil. Bei der Agenda 2010 war sie mit im Boot und hat sich bis heute nicht davon distanziert. Wie es im Kölner Karneval schon auf einem Wagen stand: Das Ende ist Nahles.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kostenloser-nahverkehr-holen-wir-uns-die-welt-zurueck-a-1193916.html
„My Car is my Castle“. Nur noch geil, dieser Kommentar, obwohl ich Stöcker sonst nicht so mag. Stöcker schafft es, den richtigen Ansatz zu treffen. Denn darum geht es doch letztendlich. Die Innenstädte müssen von den Autos (nahezu) vollständig befreit werden, damit sie wieder menschenwürdig werden.
Auf dem Land würde es sicherlich mit einer Ausweitung des ÖPNV nicht getan sein, dazu wäre das zu erwartende Fahrgastaufkommen zu gering und die benötigten Verbindungen zu umfangreich, als das es sich lohnen würde, diese zu betreiben. Mir schwebt da als Lösung so etwas wie ein Dolmus vor. Die könnte man auch mit Rentnern oder Uber-mäßig mit irgendwelchen Fahrern bestücken.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/essen-die-tafeln-koennen-nicht-die-arbeit-der-politik-uebernehmen-kommentar-a-1195161.html
Hier macht es sich der Kommentator mit dem Rassismus Vorwurf etwas zu einfach. Natürlich kommt eine Zurückweisung von Flüchtlingen bei den Essener Tafeln zugunsten der „deutschen“ Bedürftigen bei den Medien und den von ihnen abhängigen Politikern schlecht an. Toll ist das nun wirklich nicht und auch ich fände es besser, wenn solche Verbote unterbleiben würden.
Aber den üblichen Antirassismus um jeden Preis lehne ich auch ab. Ich habe jeden Tag mit alten Menschen zu tun, die verarmt und auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind. Die Bescheidenheit der meisten dieser Menschen, die die staatlichen Hilfen eher beschämt annehmen, berührt mich nach all den Jahren weiterhin. Auch die in den letzten 2-3 Jahren angekommenen Flüchtlinge habe ich überwiegend als höflich und freundlich empfunden. Nicht als fordernd, wie sie von der AfD gerne hingestellt werden, aber eben häufig auch nicht bescheiden.
Und hier liegt die wahre Trennlinie zum Rassismus: Flüchtlinge treten eben nicht pauschal fordernd auf und drängen die Deutschen in die Ecke, nehmen ihre Arbeit und ihre Frauen. Dieser falsche Eindruck lässt sich leider gut propagieren, weil niemand, der nicht in einer solchen Notlage ist, begreifen will („betrifft mich nicht“), dass gerade ältere Leute Scham haben, diese Leistungen anzunehmen. Bei den im Vergleich jüngeren Flüchtlingen besteht diese Scham nicht mehr, da sie in den Flüchtlingslagern schon lange auf diese Art von Speisungen angewiesen waren.
Vielleicht erklärt sich dadurch auch eine etwaige, vereinzelt auftretende Aggressivität zuungunsten der verhuschten Rentner. Mag sein, das das jetzt verharmlosend oder verniedlichend ist. Aber die Rassismuskeule ist hier nicht zielführend. Es kann eben nicht sein, dass Flüchtlinge einerseits willkommen geheißen werden und andererseits sich selbst überlassen bleiben. Hier hat sich der „Staat“ fein herausgehalten und schaut lediglich noch, dass keine Negativschlagzeilen in der Presse auftauchen. Geld wurde hier teilweise hanebüchend rausgehauen und damit verbrannt. Wo bleiben denn die konkreten Ansätze zur Integration?
Dass dies jetzt die Rentner und Obdachlosen in Essen ausbaden müssen, dass die ehrenamtlichen Helfer der Tafeln in Essen dafür am Pranger stehen und die Presse wie Politik dazu Entsetzen heucheln, finde ich ehrlich gesagt zum Kotzen.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-der-streit-zwischen-bremen-und-dfl-um-polizeieinsaetze-ist-populistisch-a-1194639.html
Meine vollste Zustimmung zu diesem Kommentar. Denn die Vereine können eben nicht die Gewalt außerhalb des Stadions eindämmen. Die Städte wie Bremen oder Hamburg nehmen genug Geld über Steuern und höhere Umsätze des Einzelhandels ein.
Das Problem liegt doch einfach nur darin, dass die öffentliche Hand zu wenig Polizisten beschäftigt. Da wurde – wie in der öffentlichen Verwaltung allgemein üblich – alles kaputt gespart. Jetzt wird wie üblich ein Schuldiger gesucht.
Mir ist aber auch klar, dass ein Fußballhasser dies anders sieht. Sei es drum, warten wir mal ab, wie es weitergeht.

Donnerstag, 8. März 2018

H Lecter: Onkel Hotte 13/x

13
Morgens, ach was sag ich - am frühen Nachmittag! - wachte ich endlich auf und fühlte mich so richtig durchgemüllert. Ich realisierte, dass es ja bereits taghell war, als ich aus dieser schönen Bar mit dem Flair einer Rockerkneipe wie dem alten Kottan hinausstürmte, um in das Appartement zu fahren. Wobei der Begriff „Flucht" hier wohl eher passt.
Mühsam öffnete ich die Augen und schaute auf meine Uhr. Drei Uhr am Nachmittag, oh Mann. Mir war richtig kodderig, ich zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Immerhin war ich wenigstens soweit klar, dass ich nur noch zwei Stunden zur Verfügung hatte, um meine Klamotten zusammenzuräumen. Außerdem musste ich unbedingt noch zwei Stangen Kippen, vorzugsweise Camel ohne, kaufen. Die Kippen waren in den Läden auf der Insel noch einmal billiger als am Flughafen. Das wusste ich genau, war ja nicht das erste Mal auf Granni. Kippen aus dem Urlaub mitzunehmen, war selbstverständlich Pflicht gewesen in den 90ern.
Wo sich Onkel Hotte aufhielt, war nicht schwer herauszufinden. Aus dem Schlafzimmer hörte ich die Holzfäller bei der Arbeit. Hotte hatte offenbar mit Wastl auch ohne mich den einen oder anderen sichergestellt. Doch zumindest hatte ich einen schönen Ausklang dieses denkwürdigen Urlaubs auf Granni gehabt, das war es, was zählte.
Wenn ich nun bald 20 Jahre später an diesen Urlaub zurückdenke, hatte es mit Onkel Hotte sehr viel Spass gemacht, obwohl ich mit ihm in den Jahren noch am wenigsten zu tun gehabt hatte. Hey, der Krankenkassenangestellte zählt nicht! Wastl war so souverän wie immer, die anderen blieben dagegen blass in diesem Urlaub. Eigentlich verband mich mit Mike eine enge Freundschaft, wie ich seinerzeit zumindest dachte. Doch in diesem Urlaub war er eigentlich nur mit seiner Freundin unterwegs gewesen; auch die Anderen waren diesbezüglich nicht besser drauf gewesen.
Für unsere Mitreisenden war dieser Granni Urlaub halt mehr eine Reise für Pärchen. Hotte und ich harmonierten da allerdings besser als die Paare, bei denn die üblichen Sticheleien am Start waren. Wahre Liebe gibt es eben halt doch nur unter Männern. Allerdings wohl nur unter denen, die sich nicht streicheln und zusammen Plasticant spielen. Oh, das schreibt man ja mit „c"! Wusste ich auch noch nicht...
Mit letzter Kraft erhob ich mich von der Matratze und schlüpfte schnell in meine Turnschuhe, die heutzutage Sneaker heißen. Meine Hände zitterten dermaßen stark, dass ich das Feuerzeug mit beiden Händen umfassen musste, um die Flamme halbwegs ruhig zu halten. Nur so ging es - Kippe im Mund und die Sonnenbrille vor den Augen. Draußen gab es die gleißende Sonne, vor der ich mich glücklicherweise mit meinem Käppi schützen konnte.
Zu meiner nicht geringen Verblüffung hatte ich nicht einmal mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Allerdings... Ich sage es mal so: Gran Canaria war schon damals ein Rentnerparadies. Und genau wie ein Rentner ohne Rollator schlurfte ich zum nächsten Supermarkt, um mir zwei Stangen Camel ohne zu kaufen. Gebückt und schlurfend wie ein Zombie schaffte ich es zurück.
Diese Reise hätte aber auch keinen Tag länger dauern dürfen. An diesem Nachmittag rächten sich die Exzesse der letzten Tage, ich würde in Braunschweig eine Pause einlegen müssen. Am letzten Abend hatte ich noch einmal alles gegeben, war jedoch geistesgegenwärtig genug, um nicht vollkommen zusammenzuklappen wie am ersten Abend auf dem Balkon, bewusstlos in der Abstellkammer.
Onkel Hotte wirkte auch irgendwie gerädert, schaffte es aber wie meinereiner, die Klamotten rechtzeitig zu packen, bevor wir mit einem Taxi zum Flughafen kutschiert wurden. Wastl war natürlich auch etwas grau im Gesicht, dafür aber längst nicht so in Trümmern wie Onkel Hotte und ich.
Den Krankenkassenangestellte sollte ich nicht mehr wiedersehen, war zumindest auch kein Verlust. Mike... Nun ja, das hatte ich bereits angedeutet. Dass er jetzt auch schon ein paar Jahre tot ist, ist bedauerlich, da er leider viel zu früh von uns gegangen ist. Es ist aber bezeichnend, dass ich zum Tod von Onkel Hotte so viel mehr zu berichten habe als im Zusammenhang mit dem Ableben von Mike. Frauen waren ebenfalls auf Granni mit dabei gewesen, aber allesamt im Gegensatz zur blonden Rockerbraut etwas fad.
Die Woche Granni mit Onkel Hotte wird mir immer unvergeßlich bleiben und für mich als Mitglied der deutschen Trinkerjugend war es eine Ehre, mit einem derart professionellen Trinker unterwegs gewesen zu sein. Nochmals Prost, Onkel Hotte, wo immer Dich der große Fährmann hingefahren haben mag.

Dienstag, 6. März 2018

Uncle Fester: grad gelesen März 2018

Greg Bear: Die War Dogs Trilogie

Band 1: Die Flammen des Mars Da hat der Altmeister der Science Fiction eine kleine Minserie aus dem Bereich der Military SF rausgehauen. Respekt. Das hätte ich von Greg Bear am wenigsten erwartet. Dank seiner schriftstellerischen Qualitäten und des wissenschaftlichen Hintergrunds stechen diese Romane zunächst aus dem Einerlei der „Aliens erobern der Erde“ Romane heraus.
Sergeant Michael Venn, genannt Vinnie, wurde mit seiner Crew und ordentlicher Waffenpower auf dem Mars abgesetzt, um den Antags, einer Alien Spezies, den Garaus zu machen. Diese waren Feinde der Gurus, einer freundlichen Alien Spezies, die zu den Menschen auf die Erde vor den Antags geflohen sind. Freundlich gesonnen, weil sie die Menschen technisch aufrüsten, damit diese gegen die Antags anstatt der nur wenigen Gurus kämpfen können.
Die Landung geht schief, auch andere ausgesetzte Teams haben schwere Verluste zu verzeichnen, obwohl die Antags nicht angreifen, sondern lediglich Kometen auf die Oberfläche regnen lassen. Nur dank Teal, einer menschlichen Siedlerin der 2. Generation, können die „Skyrine“ genannten Marines zum Drifter fliehen, einem uralten Splitter eines geborstenen Mondes, in dessen Innern eine Atmosphäre vorhanden ist und der die Saat des Lebens in sich trägt.
Es wird angedeutet, dass der grüne Staub einst auch das Leben zur Erde gebracht hatte. Uralte Roboter sind nach Millionen von Jahren mit Grabungen beschäftigt. Ihr zentraler Sammelpunkt wird von einer Kristallsäule umgeben, die Opfer eines Bombenanschlags durch das Platoon von Captain Daniella Coyle werden soll. Dieses Platoon hatte den Auftrag von den Erdstreitkräften, den Drifter mit den Resten der uralten Zivilisation um jeden Preis zu zerstören, auch auf Kosten der anderen Skyrine. Doch kurz bevor die Bombe explodieren kann, wird das Platoon durch den grünen Staub ausgeschaltet.
Der Rest der Skyrine kann aus dem von einer großen Streitmacht der Antags umstellten Drifter fliehen. Teal verbleibt bei den Voors, einheimischen Treckburen, die sie eigentlich verfolgt hatten und von Vinnie aufgehalten werden konnten, da sie Teal ermorden wollten. Unter der Führung vom spät ins Geschehen kommenden Lieutenant Colonel Joseph Sanchez können die meisten der Skyrine ins All und zur Erde zurück fliehen. Vinnie wird von Sanchez gebrieft, bei der Rettung
eine falsche Identität anzunehmen.
Sanchez entpuppte sich aber schon vorher als der „Joe“ der Parallelstory, die eigentlich danach auf der Erde spielt. Vinnie hat sich vor den Erdstreitkräften in die Wohnung seines alten Freundes Joe retten können und wird dort von Alice Harper aufgesucht, der er seine Geschichte (siehe oben) erzählt und die ihn zu Joe bringen soll. Kurz vor der kanadischen Grenze werden beide aber geschnappt – das war es mit dem ersten Teil der Trilogie.
Kurzweilig. Auch die Sprache der handelnden Figuren entspricht dem „Speech“, den wir aus diversen Vietnam Filmen kennen. Charaktere wie DJ, Tak, Kazak oder Wee-Def würzen das Ganze zu einer richtigen Kriegsgeschichte. Ich musste stark an Heinleins „Starship Troopers“ denken. 


                                  


Band 2: Im Schatten des Saturn 
War der erste Band schon mit kurzen Kapiteln gesegnet, steigert Bear dieses Stilelement zu Beginn des zweiten Teil ins Extreme. Stellenweise haben die ersten Kapitel nur ein bis zwei Seiten. Der Band beginnt in der Isolierstation des Madigon Hospitals. Der grüne Staub – auch Eismondtobak genannt – bringt den gefangenen Vinnie zum Träumen; von einer Existenz als Käfer.
Es waren vor Jahrmillionen diese Käfer, die in den Eismonden des Saturns lebten und von den Gurus seinerzeit zum Krieg untereinander aufgestachelt wurden. Die Käfer erhielten hierzu von den Gurus die notwendige Technologie und zerstörten dabei ihre Monde, aus denen das Ringsystem des Saturns entstehen konnte. Splitter der Monde wurden weiter ins Innere des Sonnensystems geschleudert. Auf den Mars und gar bis zur Erde, was zur Entstehung des Lebens auf der Erde führte.
Vinnie träumt als Käfer die Erinnerungen an die Geschichte der untergegangenen ersten Zivilisation des Sonnensystems, aber auch Captain Daniela Coyle spricht noch zu ihm. Sie ist noch nicht tot, nur kurz davor, endgültig ins „Archiv“ einzurücken, welches die Käferzivilisation auf Titan angelegt hatte, um die Erinnerungen ihres Volkes zu bewahren.
Kurz bevor man Vinnie beseitigt, da er den Gurus keine Informationen bieten kann, wird er von Commander Frances Borden und dem Wissenschaftler Kumar, beide von der 4. Abteilung (?) und damit mal keine Soldaten, gerettet und zurück zum Mars gebracht. Dort schlagen sie sich zu einem anderen Überbleibsel der Käferzivilisation durch. Zusammen mit versprengten russischen Soldaten unter Colonel Litwinow und einer Schar weiblicher Skyrines, darunter mit Ischida eine Frau mit halben Metallskelett, können sie DJ, Tak und den unsäglichen Joe aufnehmen. Zusammen fliehen sie vor den Antags und den Gurus ergebenen menschlichen Verbänden mit einem neu entwickelten Schiff nach Titan. Nebenbei tauchen noch Teal und eine Handvoll überlebender Voors auf, die zusammen mit Alice Harper kurzerhand zur Erde evakuiert werden. An dieser Stelle hat Bear diese Figuren noch mal schnell erwähnt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, das fand ich dann doch enttäuschend. Im ersten Teil waren diese Figuren prägend, im zweiten störten sie eher.
Auf Titan schließlich bohren sich Vinnie und seine Mitstreiter durch das Kilometer dicke Eis, dicht gefolgt von den menschlichen Verbänden unter Anleitung der Gurus. Vinnie soll sterben, denn dank den Käfern und Doyle hat Vinnie herausgefunden, warum die Gurus die Menschen und die Antags aufeinander gehetzt haben: Der Krieg dient anderen Aliens in der Galaxis als Unterhaltung! Die Gurus sind lediglich die Vermarkter dieser Show.
In der fantasievoll erzählten Unterwasserwelt erreichen unsere Helden das Archiv der Käfer. Doyle kann endlich in die ewigen Jagdgründe verschwinden. Die Antags sind auch schon vor dem Archiv. Ein Weibchen dieser Vogelwesen wurde wie Vinnie von einem Käfer kontaktiert und nimmt daher mit Vinnie Kontakt auf.
Die menschlichen Verbände kommen immer näher; kurz bevor es zum Kampf kommt, ergibt sich Vinnie mit seinen Leuten den Antags, gegen die sie im Kampf keine Chance gehabt hätten. Sie retten sich auf ein kleineres Schiff der Antags und verlassen mit ihnen Titan zu einem unbekannten Ziel.
Ende Band 2. Über die Landschaft im Ozean von Titan hätte ich gerne mehr gelesen, hier hatte Bear sehr schöne Ideen gehabt, aber leider viel zu schnell weggeworfen. Auch ist der militärische Jargon auf Dauer etwas lahm. Aber auf Seite 352 wurde Vinnie in einer Traumsequenz von einem Guru angesprochen. Er solle Joe fragen, welchen Ort er mit Corporal Grover Sudbury aufsuchte und was sie dort gemacht haben.
Das will ich jetzt wissen.

Band 3: Die Rache des Titan
Die Antags haben Angst vor den gekidnappten Menschen um Vinnie und Co. Nach einem schnellen Umstieg im Orbit des Titan nehmen die Antags und Vinnies Leute auf einem mehrere Kilometer großen alten Raumschiff Fahrt auf. Immer weiter raus aus dem Sonnensystem. Von wem dieses Raumschiff wohl stammt?
Auch die „Hüter“, wie die Gurus von den Antags genannt werden, kennen wohl den Ursprung dieses Raumers nicht. Das Vogelmädchen hält weiterhin mentalen Kontakt zu Vinnie und DJ. Wichtiger wird aber eine weitere Soldatin: Uljanova hatte ich bisher nicht erwähnt, da sie keine herausragende Rolle spielte. Bislang. Denn im 3. Band stellt sie sich als Guru heraus. Auch sie kann mental mit DJ, Vinnie oder auch dem Vogelmädchen kommunizieren.
Sie ist von den Gurus ausersehen, auf diesem Schiff, mit dem die Gurus seit über 4 Milliarden Jahren durch das Sonnensystem und die nähere Umgebung unterwegs sind, das Steuer zu übernehmen. Dass intelligente Schiff ist darauf programmiert, sich ständig umzuformen. Zum Beispiel, um Waffen für die verschiedenen Völker zu produzieren.
In all den Äonen hatten die Gurus die Völker im Sonnensystem und im Kuiper Gürtel gegeneinander aufgehetzt, um die entstehenden Kriege in der Galaxis medientechnisch vermarkten zu können. Eine nette Idee von Bear, hätte ich gar nicht von ihm erwartet. Leider wird darauf im Laufe der 3 Bände nicht näher drauf eingegangen; hier hat der Autor die Chance zu einer ätzenden Mediensatire a la „Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute“ nutzlos verstreichen lassen.
In einer immer verworrener werdenden Umgebung und leider auch Story werden die Menschen schließlich von den Antags getrennt. Auf dem Weg zum Heimatplaneten der Antags im Kuiper Gürtel kommt eine Schar von Kämpfern aus der Gefangenschaft im Schiff frei, die fortan quasi wie Zombies durch das Schiff wandeln und von Zeit zu Zeit unerwartet angreifen. Grover Sudbury ist auch einer von ihnen und stirbt kurz vor Ende, von Litwinow aufgespießt.
Etwas lahm, wie dieses Rätsel um Sudbury verpufft. Er war einfach nur ein Vergewaltiger, der von Joe, Vinnie und den anderen Skyrines zusammengeschlagen und offensichtlich nicht getötet wurde. Überhaupt Joe: Ich dachte, der wäre insgeheim der Guru Agent. Pustekuchen! Der ist doch tatsächlich nur der alte Kumpel von Vinnie aus Kindheitstagen. Da war ich richtig enttäuscht. Erst anblasen und dann verpuffen lassen. Mann!
Am Schluss werden die letzten überlebenden Antags auf ihren sterbenden Planeten geflogen, der eine eigentlich interessante Geologie zu bieten hatte. Zerstört von einer feindlichen Streitmacht, die nur noch auf diese letzten Antags wartet, die sich in einer sinnlosen Heldenhaftigkeit in ihre Auslöschung stürzen.
Ein letztes Ei mit Nachkommen der Antags wird von Borden letztlich auf der Erde beschützt, während Vinnie rastlos auf einer von Gurus befreiten Erde nach Seattle trampt, um dort wieder auf Alice zu treffen. Mit Ischida hatte er anfangs dieses Buches ein kurzes Techtelmechtel. Klar, sie bleibt bei ihm.
Joe, DJ und Tak bleiben auf dem Mars, während Uljanova alle Gurus von der Erde einsammelt, bloß um sich mit ihnen nach viereinhalb Milliarden Jahren der Infiltration und Aufhetzung der verschiedensten Völker in die Sonne zu stürzen. Dass die letzten Reste an Menschlichkeit von Uljanova dieses Ende einleiten, muss man sich als Leser schon einreden, damit es halbwegs plausibel wird.
Was bleibt, ist eine Trilogie der verpassten Gelegenheiten. Die schönen philosophischen wie antimilitaristischen Ansätze können über logische Schwächen im Handlungsablauf nicht hinwegtäuschen. Schade.

Donnerstag, 1. März 2018

Hartmudo: train kept a rollin`

Als ich heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich schon unwohl. Danny hatte heute Geburtstag und ich würde meine Löwin zu seinem Geburtstag allein hinfahren lassen, weil ich abends meine Doppelkopfrunde im Come In nicht sitzen lassen wollte. Zwar hatte Danny vor Wochen schon verlauten lassen, dass er aufgrund hohen Arbeitsanfalls seinen Geburtstag nicht feiern würde (nur deshalb hatte ich zum Doko-Termin überhaupt zusagen können), aber das tröstete mich jetzt auch nicht. Denn – wie ich eigentlich hätte vermuten müssen – vorgestern rief Danny an und lud uns spontan zu seinem Geburtstag heute ein. Ach ja: Eine Schokoladentorte wünschte er sich noch.
Missmutig schlich ich bei der heute beißenden Kälte um 5.15 Uhr zum Bus. Zweifelsohne steckte ich in einem Dilemma: Dannys Geburtstag auszulassen gehört sich für den Stiefvater nicht, aber die Jungs konnte ich doch auch nicht hängen lassen. So grübelte ich auf dem Weg zum Bus noch vor mich hin, immer wieder zog ich mich darauf zurück, dass Danny ja selbst im Vorfeld abgesagt hatte. Meine Gedanken kreisten und gebaren ein großes Loch.
Das Lesen im Bus entspannte mich ein wenig. Am Bahnhof zog ich mir wie gewohnt einen Kaffee bei Steinecke und wartete wie üblich fast 10 Minuten auf dem zugigen Bahnsteig, bis der Zug aus Lebenstedt endlich eintraf. Dort konnte ich in Ruhe weiterlesen, da Sybille sich ein Auto gekauft hatte und nicht mehr pendeln muss sowie Kati heute ihren ersten Urlaubstag hatte. Nach Dublin wollte sie, dort ist es sicher wärmer als hier.
Ich saß bereits einige Zeit mit meinem Buch, als der Fahrer mittels Lautsprecher die folgende Info verbreitete: „Meine Damen und Herren, wegen eines technischen Defekts an einem liegengebliebenen Zug ist die Strecke vorerst gesperrt. Sowie ich näheres weiß...“
Na Super! Das jetzt auch noch! In der Arbeit haben wir im Team eine Menge an Rückständen aufgrund zwei langzeit erkrankten Kollegas, dazu sind zwei Kollegas noch neu und brauchen Unterstützung. Nebenbei ist heute noch Streik, an dem der Sozialarbeiter, der uns heute Nachmittag das Publikum abnehmen sollte, sicherlich teilnimmt. Aber andererseits…
im Zug angekommen

Falls Ihr Euch erinnert: Ich hatte bereits früher schon mal einen Tag frei nehmen müssen, weil der Zug nicht gefahren war bzw. in Drütte einfach kommentarlos zurückfuhr. Würde ich Danny vielleicht doch noch persönlich zum Geburtstag gratulieren können? Der zuvor düster beginnende Tag schien mit der aufgehenden Sonne zunehmend freundlicher zu werden. In aller Ruhe las ich mein Buch zu Ende, ich war jetzt tiefenentspannt.
Ein schon gut angesoffener Fahrgast masselte gerade den Strahlenschützer voll, während eine Dreiviertelstunde ereignislos verstrich. Ich schaute noch in meiner „DB Navigator“ App hinein und musste feststellen, dass die beiden uns nachfolgenden Züge bereits gecancelt waren. Erst nach etwas Nachdenken schaltete sich bei mir die Logik ein. War ja schon so spät und wir standen immer noch am Bahnhof. Da sind wir der aktuelle Zug; der Rest muss ja ausfallen, Zeit war schon vorbei.
Als der Besoffski endlich ausgestiegen war, um den Bus zu nehmen, fuhr der Zug doch tatsächlich keine Minute später los. Schade eigentlich, denn ich hatte schon auf einen freien Tag gehofft, so dass ich zu Danny gekonnt hätte. So würde ich wenigstens meine Kollegen nicht im Stich lassen müssen.
Kurze Zeit später waren wir in Drütte angekommen, der Zug blieb urplötzlich stehen. „Meine Damen und Herren, der liegen gebliebene Zug versperrt immer noch das Gleis und wir können in Drütte nicht anhalten und die Fahrgäste aussteigen lassen. Daher fahren wir nach Braunschweig zurück.“ Die Ansage kannte ich doch! Unter den Strahlenschützern kam eine unruhige Stimmung auf. Sie fragten sich, wie sie jetzt zur Arbeit kommen sollten. Hierbei konnte ich ihnen behilflich sein, da ich die Fahrpläne gut kenne.
Zugegebenermaßen gutgelaunt telefonierte ich mit meinen Kollegas bzw. versuchte es, erreichte aber niemanden. Dafür konnte ich meiner Löwin Bescheid sagen, dass ich nun doch noch mit zu Danny fahren kann. Eine Rückfahrverbindung nach Braunschweig mit dem Zug hatte ich da bereits herausgesucht. Ich konnte doch tatsächlich beide Termine wahrnehmen. Meine Löwin zeigte sich erfreut. Ich musste nur noch am frühen Nachmittag mit dem Bus zu ihr auf die Arbeit kommen, weil sie direkt von dort aus zu Danny wollte.
In Braunschweig angekommen, ging ich als erstes zu McDonalds, um einen Kaffee zu trinken und auf der Arbeit anzurufen. Ich erreichte immer noch keinen und sprach dann mit einer Freundin von Roberta, die am Infoschalter der Verkehrs AG arbeitet. Ich erzählte ihr von meinem Unverständnis, dass der Zug nicht wenigstens so weit fuhr wie es ging, um dort die Leute aussteigen lassen zu können. Wahrscheinlich war der Vorgängerzug eh im Bahnhof Lebenstedt liegen geblieben. Die Fahrer dürften aber nur am Bahnhof halten, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Das hätte versicherungstechnische Gründe! - so Robertas Freundin. Das Argument leuchtete mir dann ein. Ich war beruhigt.
Im Bus nach Hause überlegte ich fieberhaft, was ich denn zum Frühstück essen wollte. Derweil erreichte ich wenigstens Detzer auf der Arbeit, nicht aber meine Kollegas. Erst als ich schon bei Rewe gewesen und von der Bushaltestelle zu Fuß nach Hause unterwegs war, rief mich eine Kollegin zurück, der ich kurz erklärte, warum ich heute nicht kommen konnte. Noch eine kurze Info über eine Kundin, die am Nachmittag noch erscheinen wollte, weil sie kein Geld erhalten hatte, dann verabschiedete ich mich in einen freien Tag.
Mit fast abgefrorenen Fingern. Meine Güte, das war ja wirklich kalt an dem Tag. Aber… Mein schlechtes Gewissen wegen Danny war verflogen. Und das wegen der Arbeit hielt sich in Grenzen, da uns jüngst dank einer Besprechung bewusst wurde, dass es nicht darum geht, den bei uns seit eineinhalb Jahren vorherrschenden Personalmangel zu beheben, sondern bei Bedarf einen Schuldigen für die Misere benennen zu können. Bedauern habe ich lediglich für meine Kollegen übrig.
Doch jetzt… was essen, später zu Danny und hinterher zum Doppelkopf. Arbeit ist Morgen.

Dienstag, 27. Februar 2018

Hartmudo: Jersey 11/x

11
Der Leuchtturm von La Corbiere wurde vor 150 Jahren auf einer kleinen, der Küstenlinie vorgelagerten Gezeiteninsel errichtet. An diesem südwestlichen Zipfel der Insel Jersey sind extreme Schwankungen der Tiden an der Tagesordnung. Für die Seefahrt Mitte des 19. Jahrhunderts ergaben sich an dieser Stelle tückische Seeverhältnisse, so dass hier so einige Schiffswracks aus jener Zeit liegen. Zuletzt 1995 lief hier ein französischer Katamaran auf Grund. Zum Glück konnten von der St. Malo dank des beherzten Einsatzes der Küstenwacht alle Passagiere gerettet werden. Ein Denkmal an der Küste erinnert an dieses Ereignis.
La Corbiere bedeutet eigentlich „ein Platz, wo Krähen nisten.“ Die karge Landschaft, wo auf den Hügeln lediglich Moose und Flechten wachsen, hat aber selbst die Krähen vertrieben. Statt ihrer tummeln sich an diesem schönen Platz Massen an Seemöwen. Und das nicht zu knapp.
der Leuchtturm

Als wir oben auf dem Hügel standen, uns die herbstliche Sonne ins Gesicht schien und der Wind um die Ohren blies, spürten wir endlich wieder, was Wetter eigentlich ausmacht. Der Blick aufs Meer oder an der Küstenlinie entlang zeigte uns eine weitgehend unbebaute Natur, deren wenige Häuser auf den umliegenden Hügeln wohl eher nicht vom Ackerbau zeugen. Aber wir sahen auch keine weidenden Tiere, für die Betreibung einer Viehzucht fehlt es an der Südküste dann wohl an Mutterboden und damit am Gras.
Langsam arbeiteten wir uns über das weiche Moos in Richtung des Leuchtturms vor. Dabei marschierten wir erst einmal mehr auf die linke Seite der Küstenlinie zu. Einen Aussichtspunkt an der Seite der Straße beachteten wir nicht. Wir gingen gleich weiter in die von den Gezeiten angenagten Felsen hinein. Unterhalb dieser Felsen brandete die Gischt mit lautem Rauschen an dem Gestein. Die vielen kleinen Riffe vor der Küstenlinie brachen die Wellen auf; dass hier in der Vergangenheit die Schifffahrt nicht einfach war, leuchtete uns unwillkürlich ein.
Auf einer schönen alten Holzbank ließen wir uns kurz nieder und blickten eine Zeit lang auf den Atlantik hinaus; ist doch irgendwie anders als an der Ostsee. Die Sonne tauchte ab und an aus den Wolken auf und warf lange Schatten auf die Felsen. Ein wunderbarer Anblick, aber wir wollten uns doch noch zum Turm vorarbeiten, den wir von der Bank aus auf einem Felsen am Ende einer schmalen Landzunge verorten konnten.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer alten Bunkeranlage vorbei. Diese war ein Teil des von Hitler errichteten Atlantikwalls, der die Wehrmacht vor einer Invasion der Alliierten schützen sollte. Bekanntlich kam es anders; die Alliierten landeten in der Normandie und ließen die Kanalinseln außen vor. So kam es, dass die von den Deutschen seit 1940 besetzten Inseln erst einen Tag nach der Kapitulation, also am 9. Mai 1945, aufgegeben wurden. Noch heute feiern die Kanalbewohner den „Liberation Day“ alljährlich an diesem Tag.
Zwangsarbeitern aus ganz Europa bauten die Insel für die deutschen Besatzer mit Bunkern, Wallanlagen und Kasematten zur uneinnehmbaren Festung aus, 12.000 deutsche Soldaten sollten einen erwarteten Angriff der Engländer und Amerikaner stoppen, doch diese konzentrierten ihre Bemühungen wohlweislich auf die Normandie 1944 und ließen die Kanalinseln in Ruhe, da diese abseits lagen und somit nicht kriegsentscheidend waren. Die Inseln blieben aus diesem Grund auch von Bombardierungen durch die Royal Air Force verschont. Nicht verschont leider wurden die Zwangsarbeiter und ca. 2000 Inselbewohner, die ins KZ nach Deutschland verschleppt wurden. Volle 5 Jahre mussten die Inselbewohner außerdem noch erdulden, dass die Besatzer den Rechtsverkehr einführten, dann war der Spuk vorbei. Die Deutschen ergaben sich kampflos, einen Tag nach Kriegsende.
Die Bunkeranlagen, insbesondere ein eingerichtetes Krankenhaus für verwundete Soldaten, welches nie benötigt wurde, sind heute eine touristische Attraktion und auch hier bei La Corbiere zu besichtigen, allerdings nicht zu der Zeit, an dem wir die Insel besuchten. So blieb mir die aufgetürmte Schutzmauer aus mittlerweile versteinerten Sandsäcken am besten in Erinnerung.
Die Inneneinrichtung dieser Betonbunker ließ sich zwar nur erahnen, aber ausgehängte Pläne über die Anordnung dieses verzweigten Systems von Bunkern und Wällen zeigten eine voll durchdachte und lückenlose Absicherung dieses Zipfels von Jersey. Doch warum die deutschen Befehlshaber damals glaubten, dass die Alliierten ausgerechnet an dieser Stelle landen würden, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.
beim Bunker

Auf dem Dach eines Bunkers haben die Tommys noch eine Parkbank hingestellt. Auf ihr sitzend, konnten wir zusätzlich noch den weiteren Verlauf der Küstenlinie einsehen. Nun war es aber Zeit, zum Leuchtturm zu gehen, wenn wir noch unseren Bus kriegen wollten. Denn zwei Stunden an diesem Flecken sollten genug sein; eine weitere Stunde wäre etwas zu viel des Guten gewesen.
Vom Bunker aus konnten wir noch ein Gehöft vor der Landzunge erkennen. Wie es wohl so sein mag, einerseits einsam und abgelegen zu leben und andererseits dauernd die Touristen am Haus vorbei latschen zu sehen? Und genau vor der Landzunge stand noch ein letzter vorgeschobener Bunker. Sollte der mal die Landzunge bewachen?
Wir gingen los. Am Haus vorbei – die Besitzer hatten ein Schild aufgestellt mit der Bitte, das Grundstück nicht zu betreten. Der große Bunker wirkte zwar imposant, aber Informationen über Sinn und Zweck dieser Monströsität waren nicht zu bekommen.
Rau pfiff uns der Wind um die Ohren, als wir den betonierten Gehweg zum Leuchtturm betraten. In dieser unwirtlichen Landschaft liefen wir quasi mitten in den Atlantik hinein, denn links wie rechts kam nach wenigen Metern die Wasserlinie. Der Weg bestand nicht aus Holzplanken, wie so häufig an der Ostsee zu beobachten. Nein, das Material heißt Waschbeton. Das ist auch wirklich angebracht, denn allein auf dem kurzen Weg in Richtung des Leuchtturms schlug das Wetter seine Kapriolen.
Vielleicht 20 – 25 Minuten lang hielten wir uns auf diesem Weg auf, während wir zum Einen den tiefblauen Himmel mit weißen Wolken bewunderten und zum Anderen unsere Kapuzen hochziehen mussten, weil sich eine dunkelgraue Wolkendecke nebst einigen Regentropfen darunter schob. So war es mal schön hell und dann leider gruselig düster, aber der Wind blies uns immer frisch um die Nase. Das Wasser klatschte dazu lautstark an die Klippen. In dieser zerfurchten Mondlandschaft wuchs garantiert nichts; einige Möwen verirrten sich höchstens auf der Suche nach Nahrung in den versandeten Zwischenräumen inmitten der Felslandschaft.

Freitag, 23. Februar 2018

Hartmudo Spezial: Mutter


22
Nacheinander erhoben wir uns von den Stühlen, Berta als Älteste stand zuerst auf. Wir legten noch jeweils eine Rose auf die purpurne Decke. Mit gekreuzten Armen hielten meine Löwin und ich noch einmal inne. Dabei nahm ich lediglich eine nicht zu definierende Stimmung auf, an irgendetwas zu denken oder mich zu erinnern gelang mir nicht. Leer fühlte ich mich, anders kann ich es nicht beschreiben.
Nach und nach gingen wir zur Orgelbegleitung aus der Kirche hinaus. Dem Pastor drückte ich noch kurz die Hand; Etwas in die Kollekte zu legen, hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Draußen stellten wir uns auf der rechten Seite auf und nahmen die Beileidsbekundungen der Trauergäste entgegen.
Nach kurzer Zeit waren alle aus der Kirche heraus und ich erhob meine Stimme, um alle noch zum Imbiss ins La Vita im Einkaufszentrum von Melverode zu bitten. Leider war Krolls Mutter da schon verschwunden bzw. sie ging ihres Weges. Sie wollte nicht mit zum sogenannten Leichenschmaus, ich hatte sie bereits vor dem Trauergottesdienst gefragt. Die Abordnung des Pflegepersonals aus dem Heim hatte sich nach dem Handshaking augenblicklich verdrückt. Die hatten bestimmt Feierabend und wollten schnell ins Wochenende.
Da sich das Einkaufszentrum mit dem La Vita gut einen Kilometer entfernt befindet, bot sich ein kurzer Spaziergang durchaus an. Denn es war ja ein sehr sonniger Tag an diesem 30. September. Allerdings bedeutete dies auch, dass man anschließend den Weg zurück zum Auto laufen musste.
Ich bot laut an, voraus zu fahren. Für diejenigen, die nicht wussten, wo der Laden ist. Wahrscheinlich war ich aber zu leise, denn ein paar der Gäste hatten sich bereits weggedreht und waren schon an ihren Autos, fuhren bereits los. Sunny wollte zu Fuß gehen, der Großteil ihres „Clans" schloss sich ihr an. Aber wenigstens war meine Löwin die ganze Zeit bei mir. Sie ließ ich auch am Einkaufszentrum raus, weil es natürlich keinen Parkplatz gab.
Ich musste ziemlich weit weg parken und kam dann gerade noch kurz vor den Spaziergängern im La Vita an. Der Chef hatte uns nicht zu viel versprochen. Die Tische waren schön eingedeckt, auch draußen vor dem Lokal war ein großer Tisch für die Raucher präpariert.
Gleich von vornherein setzten sich Frankie und Grace nach draußen. Eigentlich gehörten sie ja nicht zur Familie und wollten wohl deshalb auch nicht stören. Das fand ich schade, denn auf die beiden hatte ich mich wirklich gefreut. Spätestens nach kurzer Zeit, noch vor dem Essen, gesellten sich auch Reiners Bruder und dessen Frau nach draußen und waren die ganze Zeit über nicht zu sehen.
Leider hatten meine Schwestern und ich uns nicht vorher über eine ungefähre Sitzordnung unterhalten. Denn dadurch saßen meine Schwestern an einem Tisch mit Dörte und Wolfgang. Auch Harald und Maria saßen dort, Eveline ebenfalls. Meine Löwin und ich hockten mit „unserem Clan" am zweiten Tisch, verstärkt durch Gundula und Gerd. Wie eine Woche zuvor bei der Trauerfeier für Jopi's Vater gelang es mir auch dieses Mal nicht, das Gespräch nachhaltig auf die Verstorbene zu lenken.
So plauderten wir vor uns hin, während wir auf die Tomatensuppe warteten. Die Aioli mit dem Brot war immerhin schnell da und fand in uns begeisterte Abnehmer. Vor allem Gerd war sehr angetan von diesem Appetizer, hatte er es sich doch in der Vergangenheit nicht nehmen lassen, ab und an diese Aioli im Ivent zu bestellen und selbst abzuholen, wenn er zuhause seine Pokerrunde veranstaltete.
Ich selbst bestellte mir bald das erste Bier und achtete tunlichst darauf, die Schlagzahl niedrig zu halten. Meine Löwin hatte mich richtigerweise zuvor darauf hingewiesen, das es sich nicht gut macht, wenn ich mich total zulöten würde. Wie ich nebenbei beobachten konnte, hielten sich auch die anderen Trinker unter den Trauergästen beim Bier zurück. Daher war mein Bierkonsum am Höchsten, blieb aber gottlob im Rahmen.
Und endlich kam irgendwann die Tomatensuppe. Diese war bei den meisten schon kalt, da muss es also ein Problem in der Küche gegeben haben. Jetzt weiß ich wieder, das das auch so war. Der Wirt hatte uns das beim Bezahlen hinterher auch gesagt, ich weiß aber den Grund nicht mehr. Rosin wäre jedenfalls nicht begeistert gewesen.
Für meinen Geschmack war die Suppe zu fruchtig, die Säure der Tomaten kam voll zur Geltung. Schmeckte zwar edel, aber kalt... Egal, der eine oder andere fand die Suppe trotzdem gut, so wie z.B. Danny. Ich bestellte mir noch ein Bier und hoffte, das wenigstens die Pizzen heiß waren.
Und das waren sie. Sehr schnell servierte der Wirt mit seiner Servicekraft zwei Pizzen pro Tisch, jeweils in Achtel vorgeschnitten. Jeder griff zu und war sogleich begeistert, denn die Pizzen waren richtig Klasse. Herbert vermisste zwar seine vegetarische Variante, aber nachdem meine Löwin den Wirt hieran noch einmal erinnerte, ging es zügig und auch Herbert, genau wie meine Löwin, hatten etwas zu essen.
Ich habe noch das Bild vor Augen, wie wir alle bereits satt waren und Danny, der in meiner Nähe saß, sich noch ein letztes Stück gab, einfach nur, weil es so gut schmeckte. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, kam kurz danach der Kuchen auf den Tisch. Dazu erhielt jeder noch eine Schale mit dem hausgemachten Tiramisu.
Zu jenem Zeitpunkt hatte ich mich kurz an den Nebentisch begeben, weil ich mich als Hinterbliebener dazu verpflichtet fühlte, mich mit allen Gästen noch ein wenig zu unterhalten. Jopi und Edith hatten dies eine Woche zuvor auch sehr nett gemacht, ich wollte daran anknüpfen. Deshalb setzte ich mich neben Harald, als dort frei wurde, weil Eveline sich bei uns dazu gesellte.
Genau der richtige Platz, denn mit Harald konnte ich mich noch am Besten aus dem Zweig der Familie unterhalten. Das Maria etwas stumm blieb, ist nicht weiter schlimm. Schließlich kannte sie keinen von uns. Toll, das sie überhaupt mitgekommen war. Mit Dörte und Wolfgang kam ich wie immer nicht ins Gespräch.
Es ist ja auch schwierig, wenn die Initiative nur von einer, nämlich meiner Seite ausgeht und die Mannschaft höchstens antwortet, aber nichts, aber auch gar nichts zum Fortgang des Gesprächs beiträgt. Wahrscheinlich dachten die noch „Oh Gott, warum masselt der uns denn jetzt voll. Und so wirr". Noch ein Bier mit Harald.
Kurz darauf saß ich wieder an meinem alten Platz und gab es auf. Außer Harald hatte offensichtlich keiner Interesse an einem Gespräch mit mir und meine Schwestern waren beide nicht in der Lage, mal ihren Arsch zu bewegen und sich an unserem Tisch blicken zu lassen. Halt, Berta war kurz da, nicht nur, weil sie Dora und Herbert zum 70. Geburtstag von Bud einlud, sondern weil sie die beiden mag.
Und wieder wurde mir heute aufgezeigt, das sich die Familien von mir und meiner Löwin schlecht vermischen. Immerhin waren selbst die Geschwister meiner Löwin gekommen. Beim Tod meiner Schwiegermutter, also der Mutter meiner Löwin, war niemand aus meinem Kreis dabei gewesen. Bud hatte aber beim Ausräumen ihrer Wohnung geholfen, das muss ich hiermit nachträglich noch einmal würdigen.
Wenigstens haben sich Berta und Bud in den letzten Jahren anlässlich von Geburtstagen oder auch Theaterbesuchen Mühe gegeben, in eine Konversation mit der Familie meiner Löwin einzusteigen. Von Sunny war da gar nichts zu sehen gewesen, die hatte sich schon seit Ewigkeiten ins Abseits begeben.
Derart enttäuscht, nahm ich letztendlich davon Abstand, mich etwas mit Frankie und Grace zu unterhalten. Reiners Bruder gegenüber war ich immer höflich gewesen, aber gerade bei ihm blitzte das nackte Desinteresse permanent dank seines süffisanten Grinsens durch. Das ist ein Mensch, mit dem ich nicht einmal anlässlich des Todes meiner Mutter ein persönliches Wort wechseln möchte. Schade fand ich es nur wegen Frankie und Grace, beide sind wirklich nett und beim Boozeln im Frühjahr hatte ich beide liebgewonnen.
Zu einem weiteren Pils gesellte sich noch eine Schale Tiramisu, die ich dann auch artig auslöffelte, obwohl ich sie gar nicht brauchte. Selbst Danny konnte nach 2 Schälchen nicht mehr, obwohl er vom Tiramisu restlos begeistert war. Vielleicht verabschiedete er sich deshalb auch als erster, ehe er doch noch eine Schale angepackt hätte und geplatzt wäre.
Nach und nach leerte es sich dann, der Clan von Sunny verabschiedete sich als nächstes. Sunny blieb dagegen mit Reiner bis zum Schluss, der, wie bei solchen Veranstaltungen wohl üblich, urplötzlich kam. Quasi gleichzeitig brachen dann alle auf.
Im Vorfeld dieser Veranstaltung hatte ich bereits die Geldautomaten nach und nach bemüht, um einen Tausender für die Rechnung parat zu haben. Als mir der Wirt dann den Preis mit 330,-€ angab, war ich so überrascht und begeistert, das ich gleich auf 350 erhöhte. Die Rechnung wurde auf Berta ausgestellt, da sie die Rechnung noch am ehesten von der Steuer absetzen kann, weil sie eh immer außergewöhnliche Belastungen angeben kann. Selbstredend, das auch die Rechnung des Bestatters auf ihrem Namen läuft.

Montag, 19. Februar 2018

Hartmudo: Jersey 10/x

10
Kurz nach 17.00 Ortszeit fuhr unser Schiff zurück nach Jersey. Der „Commodore Clipper“ war eine sehr viel größere Fähre als der Katamaran auf der Hinfahrt am Morgen und würde demzufolge auch 2 Stunden lang unterwegs sein. Im Endeffekt waren es weit über 3 Stunden, da sich das Wetter wieder verschlechterte. Starke, böige Winde kamen auf und der Himmel öffnete dazu passend sämtliche Schleusen.
Zu unsere großen Überraschung durften wir die Fähre nicht zu Fuß betreten. Aufgrund der starken Winde wurden wir mit Minivans abgeholt und die knapp 100 Meter aufs Schiff gefahren. Sie hatten wohl Angst, dass die Passagiere vom Kai geweht wurden. Innendrin gab es auf diesem Schiff rote Plüschsessel sowie blaue Sofas. Auf einem davon machten wir es uns gleich bequem. Ich orderte erst einmal Kaffee und Tee.
Leider hatten wir noch eine richtig lange Wartezeit vor uns; um uns herum wuselten die Passagiere über das Deck. Gegenüber an den Tischen saßen irgendwann diverse Leute, bei einigen war sogar „Hoch die Tassen“ angesagt. Endlich – nach gefühlten 2 Stunden auf dem Dampfer, legte der Kahn endlich ab und wir waren auf See.
In Jersey gelandet, mussten wir feststellen, dass mittlerweile ein unangenehm peitschender Regen hernieder prasselte. Auch hier mussten wir wieder einen Minivan entern, der uns zum Elisabeth Harbour Terminal brachte. Von dort aus tapsten wir im Regen den Weg zurück in die Liberty Wharf Appartements. Wir wollten jetzt bloß noch raus aus den Klamotten und eine Tasse Tee trinken.
So ein schönes Appartement wie unseres ist bei so einem Schietwetter noch einmal um eine Kante besser als sowieso schon. Nach dem Essen spielten wir wieder Karten und ich arbeitete mich am Bier ab. Zum Abschluss des Abends gab es diesmal keinen Tatort, sondern die Anstalt im ZDF. Auch diesmal wieder mehr als hervorragend diese Jubiläumssendung mit Priol, Schramm und Malzheimer als Gästen. Pelzig nicht zu vergessen.
Meine Löwin schlief dann schnell ein, wir waren auch an diesem Tag viel gelaufen. Ich blätterte anschließend noch in meinem Buch und trank die vierte Dose auch noch leer, bevor ich das Licht ausknipste und mich zur Ruhe begab.
Am folgenden Morgen konnten wir es etwas ruhiger angehen lassen. Tee und Toast zum Frühstück, ich glaube, daran könnte ich mich sogar auf Dauer gewöhnen. Zur Abwechslung würde ich Porridge gern akzeptieren können, oder auch Rührei mit Bacon… Da gerate ich gleich wieder ins Schwärmen, doch ich weiß aber auch, dass Black Pudding, diese schmierigen und vor allem fettigen Würstchen sowie diese gekochte hautlose Tomate ebenfalls zum englischen Frühstück gehören; Diese in meinen Augen ungenießbaren Leckereien sind sogar eher prägnant auf der Insel.
Auch gerade deshalb war ich froh, dass wir unseren Urlaub in einer Ferienwohnung statt in einem Hotelzimmer verbrachten. Ein Hotelzimmer ist in der Regel lediglich zum Schlafen zu benutzen, das Frühstück dort ist, gerade bei den Briten, immer auch ein klein wenig Glückssache. Im Appartement untergebracht, musst Du halt alles im Supermarkt selbst einkaufen, dafür hast Du keine nervigen Tischnachbarn und isst, was Dir schmeckt.
Nach dem Frühstück wollten wir uns noch etwas auf Jersey umsehen. Meine Löwin hatte die Idee, an diesem Abschlusstag auf Jersey mal mit dem Bus in die andere Richtung zu fahren. An der Südwestküste gab es einen schönen Aussichtspunkt namens La Corbiere, dort wollten wir hin. Der an diesem Ort stehende Leuchtturm ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Insel.
der Friedhof beim Strand

Das Wetter auf dieser Busfahrt mit der Linie 12a war wunderschön. Es waren viele weißgraue Wolken am Himmel, aber immer wieder brach die Sonne durch und ließ die durchaus nassen Wiesen und Straßen hell erstrahlen. Ende Oktober, ein wunderschöner Herbsttag halt. Gerade hinter St. Aubin, einer größeren Ansammlung von Häusern wie Geschäften westlich von Saint Helier, war die Fahrt besonders sehenswert. Wir fuhren an einer längeren Bucht entlang, der vorgezogene Strand mit den vielen Palmen vermittelte uns tatsächlich ein mediterranes Flair, zumal die Sonne noch richtig kraftvoll schien. Auf dieser Fahrt hätte ich eine meiner vielen Sonnenbrillen, die allesamt in Deutschland geblieben waren, gut gebrauchen können.
Am Ende dieser Bucht entdeckte meine Löwin dann noch eine Kuriosität. Einen Friedhof, der eine direkte Strandlage sein eigen nennen durfte. Das bringen aber auch nur die Tommys: Das beste Grundstück der Bucht wird normalerweise mit Hotels oder wenigstens von gutbetuchten Mitbürgern in Beschlag genommen. Nicht so auf Jersey!
Nach einer guten halben Stunde und mehreren Ein- und Ausstiegen der unterschiedlichen Fahrgäste verließen wir den Bus mit den meisten anderen auf einem Parkplatz aus. So alle Stunde würde wieder einer fahren, das konnten wir sehr gut am Anschlag im Wartehäuschen erkennen. Gegenüber auf der anderen Straßenseite befand sich eine große Hotelanlage, die war aber nicht unser Ziel. Stattdessen folgten wir den anderen Gästen eine kleine Anhöhe in Richtung des Meeres hinauf; In der Ferne konnten wir bereits den Leuchtturm erkennen, im Vordergrund fuhr unser Bus die Straße weiter. Immer an der Küste entlang.

Dienstag, 13. Februar 2018

Sparkle Moore


Am 6.11.1936 wurde Barbara Morgan, wie Sparkle Moore bürgerlich heißt, in Omaha, Nebraska, geboren. Als eine der wenigen Frauen bewegte sie sich in der Szenerie des Rockabilly der 50er Jahre. Sie veröffentlichte lediglich 2 Singles; ein fünfter Song wurde nicht veröffentlicht und tauchte erst später aus dem Archiv ihres Labels auf.
Bereits im jungen Alter von 10 Jahren interessierte sich Sparkle ernsthaft für Musik. Sie erstand in einem Pfandhaus eine akustische, stählerne Hawaiigitarre, mit der sie sich voller Leidenschaft selbst begleitete. Bald darauf jodelte sie zu den Melodien von Jimmie Rodgers oder arbeitete sich an Hank Williams ab.Bereits in der Grundschule spielte sie im Orchester ein Cello, später wechselte sie im Orchester der Highschool auf Bass und Fagott.
Schon zu Zeiten der Highschool trafen sich die Musiker in ihrem Keller, um dann ab 1954 – mit dem Erfolg von Bill Haley – den Fokus auf diesen neuen Sound namens Rock 'n' Roll zu richten. Sparkle war verrückt nach Rock and Roll und lief einmal sogar von zu Hause weg, um in New Orleans einer Rock 'n' Roll Band beizutreten. Dies war natürlich nur ein kurzer Versuch, welcher mit der Rückkehr ins Elternhaus endete.
Aber immerhin, ab 1955 war Sparkle Moore endgültig auf den Zug aufgesprungen und trat in Clubs und auf Veranstaltungen in Omaha auf, wo sie die neuesten Hits des Rock 'n' Roll spielte. 1956 nahm sich der Disc Jockey des lokalen Radiosenders KOWH, Graham „Crackers“ Richards, ihrer an und übernahm Sparkles Management.
Richards brauchte gerade einmal eine Woche, um sich 5 Angebote von Major Labels an Land zu ziehen, die Sparkle Moore unter Vertrag nehmen wollten. Schließlich unterschrieb Sparkle einen Vertrag beim kleineren Label Fraternity Records aus Cincinnatti. Ich denke mal, weil Cathy Carr gerade bei Fraternity mit „Ivory Tower“ in den Billboard Charts bis auf Platz 2 geschossen war, sahen Richards und Sparkle hier die besten Chancen, ebenfalls einen Hit landen zu können.
Erst bei Fraternity entschied sie sich für den Künstlernamen Sparkle Moore. Abgeleitet hatte sie dies von der Figur „Sparkle Plenty“ aus den Dick Tracy Comics, da Sparkle eine ähnliche Frisur trug.
Noch im selben Jahr erschien Sparkle Moore's erste Single. „Rock-a-bop“ / „Skull and Crossbones“ glänzte mit einer professionellen Produktion und dem abwechslungsreichen und rauen Gesang von Sparkle. Die Songs waren beide gut, doch für damalige Verhältnisse boten sie kein Potential für einen Hit. Ihr Gesangsstil war von allen damaligen Sängerinnen des Rock 'n' Roll dem eines Elvis Presley am nächsten. Egal ob Peggy Lee, Janis Martin oder Wanda Jackson, um nur 3 zu nennen: Alle wurden als „Female Elvis“ bezeichnet, einfach nur, weil sie sich im Rock 'n' Roll Zirkus bewegten.
Aber nur Sparkle Moore verdiente diesen Titel wirklich, dank Schluchzen, Wimmern und Verschlucken von Silben hatte sie Elvis' Gesangsstil perfekt abgebildet. Dazu trat sie als einzige Frau wie ihre männlichen Kollegen in Herrenhosen und Sakkos auf. Dies ging 1956 in den USA schon mal gar nicht, das war selbst den jugendlichen Rockabilly Enthusiasten zu viel. Fast bin ich geneigt, Sparkle Moore als den ersten weiblichen Punk zu bezeichnen.
Die zweite und letzte Single erschien im Mai 1957 und hieß „Killer“ / „Tiger“. Das Songmaterial war hier schlechter und führte auch deshalb wieder nicht zu einer Chartplatzierung. Die erste Single wurde wenigstens noch im Billboard rezensiert, wenn auch als „Rock 'n' Roll Liedchen“ verrissen. Erst Jahre später tauchte mit „Flowers of my Heart“ noch eine Ballade aus den Archiven auf. Die dank Orchesterbegleitung für Sparkle untypische Aufnahme wurde später auf diversen Samplern veröffentlicht.
Sparkle ging auf Touren mit anderen Musikern, um ihre Singles zu bewerben. In dem schon beschriebenen Outfit spielte sie auf Teenager-Bällen, in Clubs, Schulen und Tanzlokalen. Auch in Plattenläden und Events wie Ladeneröffnungen war sie zu sehen. Sie spielte zur Eröffnung einer Tommy Sands Show und tourte mit Ronnie Self und Gene Vincent. Sie knüpfte sogar Kontakte in die Prominenz, Sammy Davis Jr. Wird hier als Beispiel angeführt.
Als ihr auch noch ein Auftritt in der „Grand Ole Opry“ angeboten wurde, schien sie es endlich geschafft zu haben. Doch leider musste sie diesen wegen einer Kehlkopfentzündung absagen. Sparkle Moore beendete ihre Karriere als Berufsmusikerin nach lediglich 2 Jahren, weil sie schwanger war und ihr Kind groß ziehen wollte.
Das lässt selbstverständlich genug Raum für Spekulationen. Ende der 50er Jahre gehörten Frauen noch an den Herd, das war selbst in dem schon etwas toleranteren Metier des Musikbusiness nicht anders. Eine Frau in Männerkleidung; das gerade mal mit 20 Jahren, war nicht nur den etablierten Plattenfirmen zu freizügig, sondern sicherlich auch dem Publikum. Mit 20 durfte sie ja noch nicht mal Alkohol trinken. Eigentlich.
Um so erstaunlicher ist es, dass Sparkle Moore 2011 nach 45 Jahren (!) quasi aus dem Nichts eine CD mit eigenen Songs präsentierte. Der gar nicht mal schlechte Country Pop verkaufte sich natürlich auch nicht und Sparkle versank wieder in der Versenkung. Könnte aber auch an einem Herzinfarkt im Sommer 2012 liegen. Ob sie noch lebt, eventuell in einem Heim, ist ungewiss.
Abschließend bleibt noch eine kleine Anekdote aus der Biographie von ihrer zur CD eingerichteten Webseite. Angeblich war sie als erster Hippie mit einer umgeschnallten Gitarre auf einer Harley in Kalifornien angetroffen worden. Da dies damals in der Presse keine Erwähnung fand, ist der Wahrheitsgehalt dieser Anekdote zumindest zweifelhaft. Allerdings würde so eine Aktion zu Sparkle Moore passen.

Samstag, 10. Februar 2018

Uncle Fester: grad gelesen Februar 2018

James Corey: Nemesis-Spiele
Den fünften Teil der Expanse Serie musste ich jetzt endlich mal lesen, da ich jüngst die zweite Staffel der hervorragend gemachten Netflixserie gesehen hatte. Und bereits nach dem Prolog war ich sofort richtig angefixt wie schon lange nicht mehr. Das Autorengespann James Abraham und Corey Franck, welches sich hinter dem Pseudonym verbirgt, zeichnet ja auch für die TV Serie verantwortlich.
Dies ist der 5. Band der Expanse Serie; Diesen sowie den 6. Band hatte ich mir aufgehoben, da ich diese beiden erst nach der 2. Staffel der Serie auf Netflix durchlesen wollte, um mich gleich besser ins Expanse Universum eingrooven zu können. Das war die richtige Entscheidung. Denn die 2. Staffel der Fernsehserie war ein richtiger Burner und beim Lesen dieses Bandes hatte ich nun auch die Gesichter der Figuren aus der Fernsehserie vor Augen, was den Lesegenuß erhöhte.
Passig hierzu haben die Autoren diesen 5. Band der Serie in 4 Handlungsstränge aufgeteilt; lediglich das erste und das letzte Kapitel weicht davon ab. Jedoch reden wir hier von Prolog und Epilog; wie in einer guten Fernsehserie auch dienen solche Elemente dem Spannungsaufbau (auch für die Fortsetzung!). Der Roman wird somit abwechselnd aus der Sicht von Holden, Naomi, Alex und Amos erzählt. Die 4 Besatzungsmitglieder der Rosinante – spätestens in diesem Band sind sie zu einer Familie zusammengewachsen. Dies wird auch mehrmals von den Vieren betont.
Der Prolog schildert einen terroristischen Anschlag auf einen Stützpunkt der marsianischen Streitkräfte durch den 15jährigen Filip. Dank der erbeuteten Tarnfarbe ruft sich später eine Splittergruppe der APP zur Raumflotte der Gürtler aus und terrorisiert das Sonnensystem. Davon ist beim Beginn der eigentlichen Handlung noch nichts zu spüren.
Erde wie Mars hatten sich in den ersten Bänden gegenübergestanden und kämpften um die Vorherrschaft im Sonnensystem. Dank der durch das Protomolekül entstandenen Ringe, quasi Wurmlöcher, in Dreizehnhundert andere Systeme der Galaxie setzte eine starke Auswanderungswelle ein, wodurch die Macht von Erde und Mars mehr und mehr schwindet. Die Gürtler verlieren ihre Lebensgrundlage, da die Produktion von Gütern wie auch die Rohstoffgewinnung in die auswärtigen Sonnensysteme verlagert wurde.
Die Rosinante liegt in der Werft auf Tycho zur Reparatur fest. Nun haben unsere Helden Zeit, sich um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Oder Urlaub zu machen, wie Alex. Der besucht den Mars, um seine Exfrau wiederzusehen. Er möchte eine Aussprache mit ihr, wird aber barsch abgewiesen. Zum Glück hilft ihm Bobbie Draper aus dem Tief, zumal es zu Scharmützeln mit irgendwelchen Gangstern kommt. Auf Wunsch von Holden untersuchen Alex und Bobbie den Verbleib verschwundener Schiffe, wobei sie auf die getarnte Flotte der Terroristen treffen und fast dabei draufgehen. Gerettet werden Sie von der marsianischen Flotte, die allerdings von den Terroristen bedrängt wird. Zusammen mit dem Präsidenten des Mars, Nate Smith, können sie fliehen und mit Hilfe eines kleinen Gleiters zu einem Treffen auf dem Mond mit der Interimspräsidentin der Erde, Chrisjen Avasarala, aufbrechen.
Amos hat auch etwas Persönliches zu regeln. Eine alte Vertraute seiner Kindheit ist auf der Erde verstorben. Er besucht in Baltimore noch Erich, einen Gangsterboss und alten Freund aus Kindertagen. Danach stattet er Clarissa Mao im Gefängnis noch einen Besuch ab, als das Unglück beginnt. Die Terroristen lassen einen Hagel von Kometen auf die Erde niederregnen; Milliarden Menschen verlieren ihr Leben, die Infrastruktur des Planeten wird zerstört. Amos kann sich mit Clarissa aus dem unterirdischen Gefängnis befreien. In diesem dystopischen Erzählstrang kämpfen sich beide bis zu Erich durch und fliehen mit dessen Getreuen mithilfe eines geklauten Schiffs auf den Mond.
Der Handlungsfaden um Naomi ist der wohl interessanteste, da sie ein dunkles Geheimnis mit sich herumtrug, das hier gelüftet wird. Filip ist ihr Sohn, ihm eilt sie zu Hilfe und organisiert ihm ein Schiff, die Chetzemoka, um ihn und seine Mitstreiter vor der Gefangennahme durch die Polizei zu bewahren. Zum Dank wird sie betäubt und von den Terroristen zur Pella, dem Flaggschiff von Marco Inaros, dem charismatischen Anführer der Terroristen, gebracht. Der will Naomi dissen und ihr zeigen, wer die Cojones hat.
Machtlos muss Naomi mit ansehen, wie Marco die Erde bombardieren lässt. Durch einen Funkspruch kann sie Holden und die Rosinante retten (mehr im anderen Strang). Schließlich lässt Marco die Chetzemoka mit einer Bombe ausstatten und Richtung Tycho fliegen. Ein fingierter Hilferuf von Naomi soll Holden anlocken. In letzter Sekunde kann Naomi auf die Chetzemoka flüchten und den heranstürzenden Gleiter mit Alex vor der Bombe warnen. Sie wird von Bobbie gerettet und fliegt mit Alex, Bobbie und Smith zum Mond.
Holden bleibt gelangweilt auf Tycho zurück und gibt der Journalistin Monica Stuart ein Interview. Diese wird entführt, kann jedoch von Holden und Fred Johnson befreit werden. Dabei wird noch die letzte Probe des Protomoleküls von Johnson gestohlen, was in diesem Band aber nicht mehr wesentlich ist. Marco Inaros hat sich das Alienmolekül gesichert.
Die Nachricht von Naomi, dass einer von Inaros` Agenten den Antrieb der Rosinante manipuliert hatte, rettet Tycho und Holden, der mit der reparierten Rosinante und Fred Johnson zur Konferenz auf den Mond aufbrechen kann. Dort kommt die Crew endlich wieder zusammen; Naomi kann eine Generalamnestie für die Besatzung der Rosinante erreichen, da sie Internes aus dem Zirkel der „freien Raummarine“, wie Marco Inaros seine Truppe großspurig nennt, verrät.
Beim Lesen des Buches hatte ich die Verfilmung schon gesehen, wenn ich die Augen nur kurz schloss. In diesem Band geht es um die Bedeutung von Freunden und Familie und das dies nicht Unterschiede sind, denn es geht um den Zusammenhalt einer Gruppe. Deshalb stellt die Besatzung der Rosinante eine Familie dar. Die Handlung selbst ist nicht so atemberaubend wie in den vorherigen Bänden, fesselt aber durch die Charakterisierung der einzelnen Figuren, insbesondere Naomi. Hollywood ist endlich in der Belletristik angekommen.

Sonntag, 4. Februar 2018

Contramann: kurz gesehen im Februar


https://www.welt.de/politik/article172118206/Beispiel-Niedersachsen-Zusammenhang-zwischen-Kriminalitaet-und-Fluechtlingszuzug-festgestellt.html#Comments
Aha. Jetzt also doch: In Niedersachsen stieg die Zahl polizeilich registrierter Gewalttaten um 10,4%, zu 92% wird dieser Anstieg Flüchtlingen zugerechnet. Wer dies vor 2 Jahren, kurz nach dem „Antanzen“ zu Silvester auf der Kölner Domplatte, gesagt hatte, wurde sofort als Rechtsradikaler verortet. Sind diese Leute durch diese Studie jetzt etwa rehabilitiert?
Mitnichten, die Erklärung liefert der unabhängige (?) Kriminologe Pfeiffer (SPD Mitglied und ehemaliger Justizminister in Niedersachsen) gleich dazu.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/einsamkeit-politiker-von-spd-und-cdu-fordern-mehr-einsatz-im-kampf-dagegen-a-1188664.html
O je, ist jetzt schon Saure-Gurken-Zeit? CDU/CSU und SPD sind kurz nach den „Sondierungsgesprächen“ zur nächsten GroKo schon dabei, die drängenden politischen Fragen wie Krankenversicherung, Verteilungsgerechtigkeit oder auch den Umgang mit der sogenannten „Flüchtlingsfrage“ in den Hintergrund zu drängen. In der Sondierung reichte es bei den erwähnten Themen nur zu nebulösen Absichtserklärungen, aber das eher gesellschaftliche Thema Einsamkeit will man krass konkret angehen.
Die Briten haben Mitte Januar einen Regierungsposten gegen Einsamkeit im Sportministerium eingerichtet. Die Bekämpfung von Einsamkeit wird damit zu einer politischen Verantwortung des Staates erklärt. Auch in Deutschland wollen jetzt Politiker der etablierten Parteien einen derartigen Posten im Bereich des Gesundheitsministeriums einrichten. Das hört sich ja erst einmal löblich an. Versteckt im Text steht dazu die witzige Aussage, dass einsame Menschen „Parteien wählen, von denen man sich nicht wünscht, dass sie größer werden“.
Darum geht es also. Dass die caritativen Organisationen auch gleich Beifall schreien, war mir klar. Da klingelt es wieder in der Kasse. Aber kann das denn wirklich eine politische Aufgabe sein? In caritativen Organisationen wie in den Behörden werden seit Jahren Anstrengungen unternommen, um einsamen Menschen zu helfen. Im Bereich der Senioren z.B. wird da eine bereits Menge von den Gemeindeverwaltungen angeboten, von Veranstaltungen bis Beratungen und Hilfestellungen bei Problemen des Alltags.
So ein Posten gegen Einsamkeit ist nur heiße Luft, da passiert nichts. Was der Artikel nämlich vollkommen ausblendet, ist die Tatsache, dass sich gerade ältere Menschen schwer tun mit Kontakten. Nicht weil sie es nicht mehr können, sondern weil sie es nicht mehr wollen. Angebote gibt es ja genug. Jetzt am Ende auch noch Leute dafür zu bezahlen, einsame Menschen gegen ihren Willen zu pampern, kann es nicht sein. Da gibt es wohl noch wichtigere Probleme in diesem Land.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/hexenjagd-ist-was-anderes-ihr-memmen-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1189301.html
In der leidigen #Metoo Debatte hatte nicht nur Catherine Deneuve mit dem Begriff „Hexenjagd“ davor gewarnt, dass jetzt (mal wieder) Männer per se als potentielle Sexualstraftäter verunglimpft werden. Als Beispiel mag da Kachelmann dienen, obwohl ich persönlich seine sexuellen Vorlieben nicht gutheiße. Auch meiner Meinung nach wird bei #Metoo die Grenze einer Sexualstraftat da schon aufs bloße „Anfassen“ reduziert. Das heißt selbst ungeschicktes, meinetwegen auch blödes wie nerviges Anbaggern soll schon bestraft werden, wenn es nach einigen Feministinnen geht.
Und genau das ist mit Hexenjagd gemeint, Frau Stokowski. Ihr an sich richtiger Einwand, dass das historische Vorbild der Hexenverfolgungen auch Männer zum Opfer fielen, also ermordet und gefoltert wurden, während jetzt z.B. über Dieter Wedel und Co. „nur“ schlecht geredet wird, ist irrelevant. Denn der Begriff der Hexenverfolgung ist nach allgemeinen Sprachgebrauch nur noch ein Synonym für eine pauschale Vorverurteilung von Gruppen wie Männer, Frauen, aber auch Ausländer usw.
Wahrscheinlich würde Frau Stokowski den Begriff für pauschale Anschuldigungen gegen Frauen oder Ausländer selbst verwenden. Meine Güte, was für ein verlogener Kommentar. Da hat Frau Stokowski eine schöne Nebelkerze gezündet, indem sie einmal ins Geschichtsbuch geschaut hat und sich jetzt am historischen Vergleich abarbeitet.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/warum-die-linke-den-kampf-gegen-rechts-verliert-kolumne-a-1189790.html
Fleischi mal wieder. Und zum wiederholten Mal schießt er wieder direkt gegen die „Linken" von SPD über Grüne bis zur Linken. Habe ich jetzt endlich mal wieder Gelegenheit, ûber Fleischi zu meckern?
Bedingt. Die Tatsache, dass bei den Linken durchaus auch Themen im Vordergrund stehen, die den „kleinen Mann" (und die kleine Frau...... gähn!) wirklich interessieren, ignoriert er. Als da wären Erhöhung von Mindestlöhnen, Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen, allgemein höhere Lohnsteigerungen; ja sogar Arbeitszeitverkürzungen sind immer noch Forderungen, die zumindest in Sonntagsreden selbst von Andrea Nahles (die ich mehr und mehr nicht mehr ertragen kann) gefordert werden.
Doch dies wird von den Wählern nicht ausreichend honoriert, wie man bei der letzten Wahl erlebt hatte. Und hier werden Fleischis Tiraden interessant. Sein Credo: Die Linken haben sich von ihrer Zielgruppe entfernt, deren Ängste und Nöte werden nicht wahrgenommen. Stattdessen stellen die Linken Themen wie Flüchtlinge oder #MeToo in den Vordergrund, was an der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen vorbeigeht. Es ist den Linken eher peinlich, sich mit diesen „Ungebildeten" zu beschäftigen. Stattdessen werden die Leser der Süddeutschen (und des Spiegels, Fleischi!) goutiert.
Das unterschreibe ich und ergänze es noch mit einem Beispiel. Lafontaine und Wagenknecht hatten öffentlich kritisiert, dass die Bundesregierung jahrelang (u.a. dank Hartz IV) die Sorgen und Nöte eines Großteils der Bevölkerung, also des kleinen Mannes, vernachlässigt hatte mit der Begründung, dass kein Geld da sei. Die schwarze Null soll stehen statt einer paritätisch finanzierten Krankenversicherung, bezahlbaren Wohnraum oder auch sicheren Arbeitsplätzen. Riestern und Altersarmut gehören zusammen und sind da auch ein Thema.
Darum verstehen viele Menschen halt nicht, dass die Regierung die Flüchtlinge mit hohem finanziellen Aufwand fördert. Auf einmal ist, ähnlich wie bei der Finanzkrise, das Geld in Hülle und Fülle da. Nur eben nicht für die zuvor erwähnten Menschen. Als Folge wurden beide Politiker selbst in der eigenen Partei gedisst. Ich bin mir sicher, dass beide bei einer Abspaltung von der Linken und dem unterstellten Populismus mehr Stimmen auf sich vereinigen könnten als die Linken unter Kipping.
Ob das die AfD endlich eingrenzen würde, weiß ich nicht, befürchte aber, dass es nicht reichen könnte. So aber bleibt mir nur, Fleischi dahingehend zuzustimmen, dass sich die Linken selbst im Weg stehen.

http://www.spiegel.de/karriere/rente-mit-63-arbeitgeber-beklagen-fachkraeftemangel-a-1144208.html
Aufgrund einer Verfassungsgerichtsentscheidung wurde die „Rente mit 63“ eingeführt; Nach 45 Jahren hat man eben Anspruch auf diese Versicherungsleistung, die da Rente heißt. Das dies den Arbeitgebern nicht schmeckt, war ja klar. Letztes Jahr schlugen sie Alarm: Die Facharbeiter fehlen (mal wieder)!
In diesem Spiegel Artikel steckt eine interessante Statistik. Bei Führungskräften und Hilfsarbeitern liegt die Quote an frühen Rentner lediglich bei 14 – 15%. Da der Spiegel dies nicht näher erklären wollte, macht Contramann das jetzt mal – polemisch. Führungskräfte hocken zumeist in (unwichtigen) Besprechungen und können Aufgaben delegieren, bevor der Stress zu groß wird. Der „normale“ Mitarbeiter kann das nicht, denn er macht ja schließlich die ganze Arbeit.
Und Hilfskräfte arbeiten lediglich deshalb bis zum Erreichen der „normalen“ Altersrente, weil die Rente eh nicht zum Leben ohne Amt reicht und sie somit wenigstens noch 2 -3 Jahre länger ohne Hilfe des Amtes leben können.
Sollen die Arbeitgeber mal aufhören zu jammern und endlich ausbilden; Beim Wiederaufbau gab es damals auch einen Facharbeitermangel! Wir schaffen das!

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Tierversuche-VW-BMW-und-Daimler-setzten-Affen-fuer-Diesel-Abgastests-ein-3952376.html
Zum Abschluss noch eine relativ aktuelle Meldung. VW, Daimler und BMW hatten die EUGT (Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor e.V.) gegründet, damit diese Organisation u.a. in Albuquerque nachweisen sollte, dass die Abgase aus neueren Dieselmotoren für Menschen ungefährlich seien.
2014 wurden im Test 10 Affen in luftdichten Kammern den Abgasen eines VW Beetle ausgesetzt. Ironie am Rande: Da der Beetle mit der von VW bekannten und kritisierten Abschaltvorrichtung manipuliert worden war (was BMW und Daimler nicht wussten), wurden (zum Glück) nicht die im Straßenverkehr üblichen Abgaswerte erreicht.
Was für eine Story! Und dann noch in Albuquerque. Dort spielt ja bekanntlich „Breaking Bad“, in der Walter White sein Drogengeld über eine Autowaschanlage wusch. (Menschen)Affen über Stunden Giftgas (denn das sind Autoabgase) auszusetzen, das auch noch von den DEUTSCHEN Automobilkonzernen…. Was geht da in den Köpfen der Verantwortlichen nicht nur bei VW, sondern auch bei Daimler oder BMW vor?
Sind ja nur Tiere, oder was? Tierversuche sind bislang nur in der Pharmazie üblich (gewesen) und sind selbst dort nicht mehr nötig, aber leider billiger. Und wir reden hier über Menschenaffen. Sollen die nächsten Versuche dann mit Flüchtlingen durchgeführt werden, wo ist denn die Grenze des moralisch Vertretbaren? Befürwortet die Autoindustrie deshalb die Aufnahme von Flüchtlingen?
Zitat Peter Hein (Mittagspause): „Herrenreiter haben wieder zu sagen im Land.“

Donnerstag, 1. Februar 2018

Hartmudo: Jersey 9/x


9
Auf dem Weg zum Busterminal von Guernsey fielen uns noch die Blumen angenehm auf. Auf der anderen, dem Inselinneren zugewandten Seite, sahen wir im Vorbeigehen eine wunderschöne Blumenrabatte. Die Schrift konnten wir zwar nicht lesen, aber die roten Blüten in der Mitte sind für den Monat Oktober zumindest ungewöhnlich. Auf unserer Seite wiederum waren an dem Geländer des Kais am Hafenbecken Balkonkästen angebracht, in denen die Blumen noch in aller Farbpracht blühten und über die Kästen hinaus wucherten. Der Golfstrom, dem die Inseln ihr mediterranes Klima verdanken, machte sich hier bemerkbar.
Aber genug der Blumen, wir hatten nicht so viel Zeit. Etwas weiter, an einer großen Statue irgendeines Menschen vorbei, lugten wir erfreut unter unseren Regenjacken hervor. Wir hatten das Busterminal erreicht! Nebendran, am Guernsey Information Centre, sahen wir uns den Busplan an und waren zufrieden, weil es eine Buslinie gab, die doch tatsächlich eine komplette Runde um die Insel dreht.
Blumenrabatte

Und jetzt kommt es: Jede Fahrt mit Guernsey Buses kostet 1 Guernsey Pfund pro Person, egal wie weit, also auch einmal rund um die Insel. Es sind diese Kleinigkeiten, an denen wir erkennen konnten, dass es im Königreich, der Geburtsstätte des Manchester Kapitalismus, stellenweise sozialer zugeht als in unserer „sozialen Marktwirtschaft“. Ca. 20 Minuten mussten wir noch ausharren, bis die Linie 91 am Stand A – das war genau im Blick auf diese eben erwähnte Statue – endlich losfuhr.
Die Fahrt um die Insel dauert ganze 97 Minuten; das wussten wir da aber noch nicht und konnten unsere Rückkehr zum „Town Terminus“ deshalb schwer abschätzen. Ich habe das eben nachträglich gegoogelt. Jedenfalls kam uns die Fahrt etwas länger vor. Ansonsten handelte es sich um dieselben Busse wie n Jersey, also baugleich, bloß die Farben waren andere. Die Straßen wie Häuser, ja die Bebauung insgesamt, sahen genau wie auf Jersey aus.
Insofern kann ich über die Rundstrecke nichts Außergewöhnliches berichten, außer dass das Meer auf Guernsey tatsächlich bis an die Insel rangeht. Wir sahen auf Guernsey eben keine riesigen „Schlammbänke“ mit trocken liegenden Booten wie auf Jersey. Schön war es jedoch anzusehen, dass sich der Himmel während dieser Tour vom deprimierenden Grau langsam in ein schönes Blau färbte. Die Sonne drohte durchzubrechen.
Mir selbst tat das linke Knie wegen des beengten Sitzens in diesem schmalen Bus irgendwann weh. Meiner Löwin fielen irgendwann die Äuglein zu, selbst ich blinzelte im Sekundentakt. Zum Glück habe ich nicht geschnarcht in diesem zeitweise vollen Bus. Wenn mein Knie nicht so übel geschmerzt hätte, wäre eine zweite Runde durchaus drin gewesen. So aber waren wir sehr zeitig wieder zurück am Town Terminus.
Die Frage, die sich uns jetzt stellte, lautete: Was tun wir mit dem angebrochenen Vormittag? Auch hier gibt es ein „German Occupation Museum“, das kam aber gar nicht in die Tüte, da wir eh so kurz auf der Insel waren. Das „Hauteville House“ in St. Peter Port dagegen war für uns zu Fuß erreichbar. Viktor Hugo schrieb einst hier im Exil „Les Miserables“, die Statue am Town Terminus ist ein Abbild dieses großen französischen Schriftstellers.
Leider gehören meine Löwin und ich nicht zum Berufsbildungsbürgertum und sind daher keine Freunde klassischer Literatur. Hugo ist für uns eher ein Getränk und dafür war es noch zu früh am Tage, so dass wir auf einen Besuch des „Hauteville House“ verzichten mussten. So blieb uns nur noch eins: Rein in die „City“ und schauen, was geht. War im übrigen auch gar nicht weit.
Zu unserer großen Freude kam jetzt die Sonne durch. So schlängelten wir uns durch eine langgezogene, schmale Gasse. Diese mit Kopfsteinpflaster versehene Straße war die Einkaufsmeile von St. Peter Port. Augenscheinlich war gerade „Sale“ und wir schauten uns links wie rechts um, bis ich schließlich fündig wurde. In einem kleineren Laden, einem edel aussehenden Herrenausstatter, hatten sie doch tatsächlich wunderschöne Hemden in meiner Größe zu erstaunlich guten Preisen. Ich bezahlte für 3 Hemden 42 Pfund, was in etwas knapp über 50 Euro entspricht. Die hervorragende Verarbeitung der Hemden ließ mich beim Kauf nicht zögern, so dass ich ab jetzt mit einer großen Plastiktüte herumlief.
Das Mittagessen nahmen wir dann im Cafe Emilia ein. Im ersten Stock hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Hafenanlage. Dies Essen war noch dazu hervorragend; Ich hatte einen Salat mit gegrillten Hähnchenstücken am Spieß (Sate), meine Löwin war ebenfalls sehr zufrieden mit ihrer Wahl, was auch immer es war, ich habe es leider vergessen. Draußen rauschte der Verkehr an uns vorbei; die Straße war fast abgetrocknet und am Himmel zeigte sich mehr und mehr eine weiße Wolkendecke.
Nach dem Essen fühlten wir uns gut gestärkt und in der Lage, noch ein paar Straßen in der City abzuklappern. Es blieb uns noch genügend Zeit, bis die Fähre uns zurückfahren würde. Wir schauten immer mal kurz in die vielen kleinen Läden hinein, unter anderem erspähten wir eine Lampe, die eine darunter stehende Blockkerze anleuchtete. Der Gang in den örtlichen 50 cent Laden durfte natürlich für uns Shopping Experten nicht fehlen.
Ich erstand dort zwei lang gesuchte Baskenmützen für jeweils 5 Pfund, eine schöne Pillendose für meine Löwin habe ich dort auch noch erworben und gleich an sie verschenkt. So ging dann der Tag auf Guernsey zu Ende. Zeit für die Rückfahrt.