Jetzt mit Lars Kornetka als Trainer will Eintracht angeblich auch mal den Ball haben. Kornetka war ja der Co-Trainer der Österreicher gewesen, die ja ebenso wie die selbsterklärten WM-Favoriten des Herrn Nagelsmann im Sechszehntel-Finale die Segel streichen mussten. Und dies nicht gegen die Fußballzwerge aus Paraguay, sondern ziemlich chancenlos gegen den neuen und verdienten Weltmeister aus Spanien.
Die Furia Roja verdankte den Titel hauptsächlich einer Eigenschaft, welche die Spanier bereits in den frühesten Jugendmannschaften praktizieren. Wohl als einzige Fußballnation der Welt. Es ist ein einfaches Spielprinzip: “Wenn ich den Ball habe, kann der Gegner kein Tor schießen. Und wir machen irgendwann sowieso eins“.
Das sah zwar nicht immer schön aus, wenn die spanischen Ballkünstler das Leder quer um den gegnerischen Strafraum herum gespielt hatten oder durch Rückpässe den Gegner zum Angriff herausziehen wollten. Wer sich dann darauf einließ, wurde durch zwei oder drei schnelle Bälle schwer erwischt und konnte danach immer nur zuschauen, wie die Spanier gnadenlos ihren Vorsprung über die Zeit brachten.
OK - jetzt meine ewige Tabelle nach der WM:
Land | Titel | Vize | HF | 4telF | Punkte | |
1 | Deutschland/DDR | 4 | 4 | 6 | 5 | 63,0 |
2 | Brasilien | 5 | 2 | 4 | 7 | 62,0 |
3 | Argentinien | 3 | 4 | 0 | 5 | 46,0 |
4 | Italien | 4 | 2 | 2 | 2 | 45,0 |
5 | Frankreich | 2 | 2 | 4 | 2 | 36,0 |
6 | England | 1 | 2 | 1 | 9 | 23,0 |
7 | Uruguay | 2 | 0 | 3 | 2 | 22,0 |
8 | Niederlande | 0 | 3 | 2 | 2 | 22,0 |
9 | Jugoslawien/Kroatien | 0 | 1 | 4 | 5 | 20,5 |
10 | Spanien | 2 | 0 | 1 | 4 | 20,0 |
11 | Schweden | 0 | 1 | 3 | 3 | 16,0 |
12 | Ungarn | 0 | 2 | 0 | 3 | 13,0 |
13 | CSSR/Tschechei | 0 | 2 | 0 | 2 | 12,0 |
14 | Österreich | 0 | 0 | 2 | 2 | 7,0 |
15 | Polen | 0 | 0 | 2 | 1 | 7,0 |
16 | UDSSR/Rußland | 0 | 0 | 1 | 5 | 7,0 |
17 | Belgien | 0 | 0 | 2 | 2 | 7,0 |
18 | Portugal | 0 | 0 | 2 | 1 | 6,0 |
Die Norweger und die Marokkaner kamen hier nicht ganz ran; beide scheiterten im Viertelfinale an den eben genannten Kontrahenten. Dafür fegten die Norweger meine persönlichen Favoriten aus Brasilien aus dem Turnier. Und dann war da ja noch der Endspielgegner der Spanier. Argentinien holzte sich ins Finale, wäre im Sechszehntel-Finale fast an den Defensivkünstlern aus Kap Verde gescheitert. Schade.
Überhaupt waren die kleinen Fußballnationen eine Bereicherung des Turniers. Trotz der 48 Teams gab es kaum Kantersiege. Da war das 7:1 unserer Mannen gegen Curacao bereits als erster Schritt zum Titel abgefeiert worden, als dann wieder die deutsche Gemütlichkeit erkennbar wurde. Pomadig ohne Ende war dann selbst Paraguay zu stark. Im Elfmeterschießen tapsten verängstigte deutsche Millionarios zum Elfmeterpunkt und versemmelten es dann richtig.
Womit wir zu den Enttäuschungen des Turniers kommen. Die Urus und auch der Geheimtipp Türkiye durften bereits in der Vorrunde abkacken. Die Holländer scheiterten ja wenigstens noch an Marokko im Sechszehntel-Finale, aber die Mannen um Joshua Kimmich bekamen das Spiel nach dem Kantersieg gegen Curacao einfach nicht mehr in den Griff. Über den Sieg in der Nachspielzeit gegen meine Freunde von der Elfenbeinküste hatte ich mich schon geärgert - irgendwie äußerst glücklich, um nicht zu sagen unverdient.
Die Niederlage gegen Ecuador - man war ja bereits Gruppensieger, also Schonen der Kräfte oder was? Und dann gegen Paraguay die Dolchstoßlegende! Von wegen „vermeintliches“ Foul von Waldemar Anton an dem Torwart der Paraguayer, da hatte Anton mal so eben mit einem kurzen Buffer in der Drehung beim Hochspringen den Keeper am Hochspringen gehindert, so dass Tah zum vermeintlichen 2:1 einköpfen konnte.
Dass dann die schwer emotionalisierten Reporter des deutschen Fernsehens stark traumatisiert waren, überraschte mich nicht. Keine Qualität mehr hinter dem Mikro; Heinz-Florian Oertel wäre das sicher nicht passiert.
Der hochgelobte Julian Nagelsmann war also auch gescheitert, jetzt soll es Kloppo richten. Wenn der Trainerwechsel dann allerdings alles ist, was dem DFB zum Krisenmanagement einfällt, kann ich mir eine Besserung in Richtung Titelgewinn schwerlich vorstellen. Solange die Funktionäre ihr Süppchen weiter kochen und die Nachwuchsarbeit beim DFB wie auch im Ligabetrieb weiter vor sich hindümpelt, können „wir“ froh sein, wenn nächstes Mal erst das Viertelfinale die Endstation Sehnsucht bedeutet.
Von daher hätten sie in diesem Fall auch Heiner Backhaus zum Bundestrainer küren können, der ist wie Kloppo auch so ein Heringsbändiger. Bloß preiswerter. Aber ich hab da gut lästern; mal sehen, ob Lars Kornetka bei der Eintracht ein Team formen kann, welches bei Bedarf Ball und Gegner kontrollieren kann. Wie immer freue ich mich auf die neue Zweitliga-Saison und versuche, meinen Optimismus im Zaum zu halten.
Was gibt es abschließend noch zur WM zu erzählen? Die Halbzeitshow während des Endspiels war überflüssig; meinetwegen zwei Stunden lang VOR dem Spiel. Infantino! Seine Überlegung, das Turnier noch weiter auf 64 Teams aufzublähen, rief ja schon viele Kritiker auf den Plan. Doch sein Plan, Anteile der WM an private Investoren zu verschachern, motivierte die UEFA zum Widerstand. Jetzt steht ein möglicher WM-Boykott der Europäer im Raum, sollte die FIFA den Investorendeal nicht beerdigen.
Geprägt wurde dieses Turnier nicht zuletzt durch einige Altstars, die das 40. Lebensjahr erreicht haben oder kurz davor sind. Ob Christiano Ronaldo, Luca Modric, Lionel Messi oder gar Neymar. Einige von ihnen waren mehr als ein bunter Farbtupfer, aber alle spielten in ihren Teams eine tragende Rolle. Und dann war da ja noch Manuel Neuer…
Er gab eher eine tragische Rolle ab. Der Coca Cola Zero Mann (wer erinnert sich nicht an diese gelungene Werbekampagne) stand wegen seines kurzfristigen Auftretens und Inthronisierung als Numero Uno in der Kritik und brachte vielleicht auch die nicht benötigte Unruhe ins gesamte Team. Das ZDF wird hierzu in 32 Jahren eine Dokumentation fertigen - die diesjährige Doku über das grandiose Scheitern von Bertis Buben 1994 war ein Highlight dieser WM Wochen.
Jetzt aber genug - die zweite Liga ruft.


