Donnerstag, 29. Januar 2026

Uncle Fester: grad gelesen Januar 2026

Dominik A. Meier - Die verschollene Station (Bände 1 und 2)
Noch ein für mich neuer Autor. Meier lebt in Oberfranken und betätigt sich wohl auch als Coach fürs Schreiben. Laut Biografie einer der bekanntesten deutschen Science-Fiction Autoren. Und sein Output ist beängstigend hoch. Tatsächlich schafft er es, den Leser mitzunehmen und diese gewisse Spannung aufzubauen, die einen noch ein Kapitel weiterlesen lässt.
Ende des 23. Jahrhunderts sind William Trent und seine Assistentin Melanie Harrison Spezialisten in der Demontage von nicht mehr tauglichen Raumschiffen. Sie sollen aber die alte Raumstation Svarog, die 50 Jahre lang als verschollen galt und mit einem Mal mitten im Asteroidengürtel auftaucht, in Einzelteile zerlegen und aus dem Gürtel bringen.
Dort mutet die Szenerie kurzzeitig wie die Alien-Filmreihe an, doch entpuppt sich die schwarze Flüssigkeit nach und nach als Maschinenintelligenz namens Materia, welche von einer längst untergegangenen Zivilisation erschaffen worden war. Ausgestattet mit unendlicher Macht, wurde Materia von ihren Erbauern versklavt und dazu benutzt, sämtliche biologischen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Vernunftbegabt ist Materia trotzdem und benötigt die Hilfe der Menschen, um sich von ihren Zwängen befreien zu können. Bis zum 12 Lichtjahre entfernten System von Tau Ceti reisen Trent und Harrison durch eine Reihe von Toren, die Materia aufgebaut hatte. Dort stoßen sie auf das Wrack der Helmholtz. Dieses Schiff und dessen Besatzung galt ebenfalls als verschollen.
Und noch eine Überraschung: Die erste Offizierin der Helmholtz namens Freymarr hat die Zeiten überlebt, ohne zu altern; dank Materias Hilfe. Hier endet quasi der erste Band. Und, wie ich beim Beginn des zweiten Bandes feststellen musste, setzt der neue Band unmittelbar am Ende des ersten wieder an.
Oder anders: Ein Roman, auf zwei Bücher aufgeteilt. Finde ich eigentlich nicht so gut, aber andere Autoren tarnen dies lediglich besser. Die Menschen haben sich auf Tau Ceti inzwischen eingerichtet. In einem Intermezzo reißt der unsympathische Captain Daalgard noch kurz die Kontrolle vor Ort an sich; im Auftrag der Regierungen von Erde und Mars, scheitert aber.
Am Ende entpuppt sich Materia als „Kind“ von der eigentlichen Maschinenintelligenz Ordnung. Diese ist so stark mit ihren Schöpfern verwoben, dass sie sich nicht von diesen trennen kann und deshalb Materia schuf, damit die wenigstens frei sein könnte.
Die tragische Erkenntnis am Ende ist, dass selbst die Schöpfer von Ordnung Sklaven des von ihnen selbst geschaffenen Systems geworden waren und in Ordnung aufgegangen sind. Die Botschaft des Romans besteht in der Erkenntnis, dass wenn eine Zivilisation zu alt geworden ist und alles erlebt hat, vergehen muss. Oder emotionslos als Maschinenintelligenz endet.
Oder hat Materia die Menschen sogar belogen? Trent dämmert es am Ende, dass die Menschen dank der Technik von Materia den Schöpfern von Ordnung folgen wird. Das dauert zwar Äonen, aber das Ziel ist vorprogrammiert. Sind die Menschen also nur die x-ten Nachfolger der Schöpfer? Offene Fragen am Ende, da kann man selber spekulieren.
Insgesamt lohnt sich der/die Roman(e). Ich werde den Autor weiter verfolgen.

Martha Wells - Der Netzwerk Effekt (Killerbot Roman)
Jetzt endlich starte ich in die weiteren Bände der Killerbot Reihe. In den zweiten Band, um genau zu sein. Der erste bestand ja eigentlich aus 4 Novellen, wobei mich die letzten 3 ja nicht überzeugt hatten. Verfilmt wurde bekanntlich der erste von diesen Teilen. Die grandiosen Schauspieler gaben dem Szenario ein verständlicheres Bild von den woken Menschen einerseits und der stets schlecht gelaunten SecUnit andererseits ab.
Und dieser zweite Band, ein kompletter Roman, knüpft an die Personen des ersten Bandes an und hat mit Fifo (Fieses Forschungsschiff) die witzige Bord KI der zweiten Novelle am Start. Dank der TV-Serie habe ich jetzt zuverlässige Bilder vor Augen, die mich in die Story hineinziehen konnten. Ein ganz klein wenig „Alienreststoff“ spielt hierbei auch eine Rolle, wenn auch klein.
Die SecUnit begleitet Amena, die Tochter von Dr. Mensah, auf einer Forschungsmission, als dieses von Fifo mit dessen Schiff gekapert und durch ein Wurmloch in ein System entführt wird, dessen Kolonisation schon lange gescheitert war (bzw. als gescheitert galt) und vor kurzem von einem Konzern neu besiedelt wurde. Der SecUnit gelingt es aber, Fifo von einer Alienkontamination zu befreien. Jetzt soll SecUnit die Besatzung von Fifo vom Planeten befreien.
Barish-Estranza als Konzern verliert am Ende die Rechte am Planeten, da sich die alte Kolonie dort doch gehalten hatte. Nur hatte die Schwarmintelligenz der Aliens einen Teil der Menschen über externe Interfaces kontaminiert, ein regelrechter Bürgerkrieg fand auf dem Planeten des Systems statt. Und SecUnit mittendrin.
Die lässt eine Kopie von sich mit Fifos Hilfe in das zentrale Computersystem übertragen und kann am Ende die Alienware besiegen. Die Beziehung zu Fifo wird witzig geschildert, es ist eine Hassliebe zwischen SecUnit und Fifo. Am Ende steht wieder mal die Erkenntnis, dass menschliche Reaktionen für SecUnit zwar unverständlich sind, er selbst aber ebendiese Gefühle verspürt, ohne diese einordnen zu können.
Wie bei Data also. Der Roman hat mir beim Lesen viel Spaß bereitet, keine Frage. Allerdings würde ich es nicht für schade halten, hätte ich den Roman nicht gelesen. Herausragend ist er sicherlich nicht; Da haben deutsche Autoren aktuell mehr zu bieten.

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