Mittwoch, 4. Februar 2026

Hartmudo: Winter 1/2

Montag, 26. Januar. Noch knapp zwei Monate bis zu meinem nächsten halbrunden Geburtstag, doch darüber wollte ich hier nicht berichten. Stattdessen ärgerte ich mich heute wegen des erneuten starken Schneefalls, oder auch kurz über den Winter.
Der Wochenanfang begann zunächst in gewohnter Weise. Um 6.00 Uhr stand ich auf und machte mich reisefertig, denn heute ging es wieder ins Büro nach Salzgitter Lebenstedt. Ich freute mich bereits auf eine einstündige Busfahrt, in der ich ausreichend Gelegenheit zum Lesen in einem absolut packenden Roman erhalten würde.
Dies beinhaltet natürlich den Verzicht aufs Radeln zum Bahnhof; bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt ist das einerseits schwierig, andererseits aufgrund des kaputten Fahrrads eh keine Option, hatte ich mich doch mit diesem am Wochenende zuvor auf die Erde geschmissen - nach meinem Besuch der Wasserwelt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun gut. Ich schaute während des Ankleidens aus dem Fenster und konnte bereits erkennen, dass der von unserer Hausgemeinschaft teuer bezahlte Winterdienst seine Arbeit noch nicht verrichtet hatte (dieser kam erst irgendwann am späten Vormittag). Eine wunderhübsche Schneedecke hatte sich über die Landschaft und unserem Hof gelegt, da wurden gleich Erinnerungen an die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel am Samstag wach.
Schon beim Raustreten aus dem Haus rechnete ich mit Verzögerungen im ÖPNV, denn da bin ich ja gebranntes Kind. Ich würde wohl auf meinen geliebten Kaffee mit Hafermilch vom Backwerk auf dem Damm vor dem Schloss verzichten müssen, da ich den Kaffee an der Bushalte mit Blick aufs Schloss zu konsumieren pflege und Kaffee im Bus nicht gern gesehen wird.
Ich schlurfte noch über die von einem Nachbarn in den Schnee gebrannte Fahrrinne auf den Gehsteig unserer Nebenstraße und ärgerte mich noch über den nicht gefegten Zustand des kompletten Fußwegs, als ich bereits ausrutschte und in den Schnee greifen musste. Zum Glück hatte ich mir nichts getan; ich kam mit dem Schrecken davon.
Ich klopfte den Schnee ab und weiter gings durch den vielleicht 5 Zentimeter hohen Schnee; eine Wohltat für meine Michael Ballack Schuhe (Skechers Slip-ins). Richtige Winterschuhe besitze ich seit meiner Kindheit nicht mehr. Wozu auch, wann schneit es denn schon mal?
Heute zum Beispiel, an diesem Morgen immer noch leicht. Und bis zur Autobahnbrücke war nirgendwo der Fußweg gefegt worden, lediglich einzelne Fußstapfen verrieten, dass die weiße Schneedecke hier bereits entjungfert worden war. Na klasse, ich würde mit nassen Füßen im Büro sitzen müssen. Eine Erkältung würde mich ereilen, keine Frage.
Wenigstens war eine kleine Fläche beim Wartehäuschen an meiner Bushalte schon gefegt worden. Mehr Leute als gewöhnlich drängelten sich dort auf engstem Raum zusammen und warteten wie ich auf einen Bus, der uns unseren geliebten Arbeitsplätzen näher bringen würde. Der leichte Schneefall hatte mittlerweile ausgesetzt, die Autos fuhren behutsam über die abgefahrene wie nicht geräumte Fahrbahn.
Eingedenk dessen bestieg ich den ersten Bus Richtung Münzstraße, der selbst schon stark verspätet auftauchte. Ein schneller Blick auf meine App zeigte mir zwar schon eine 7minütige Verspätung des Salzgitterbusses am Schloss an, aber Nummer Sicher ist angesichts der heutigen Wetterlage die Gewinnerkugel der heutigen Lostrommel.
Im Bus sitzend checkte ich noch schnell die BahnApp - 5 Minuten Verspätung. Diesbezüglich hatte ich mit dem ehemaligen Staatsbetrieb schon genügend schlechte Erfahrungen sammeln dürfen, dass ich mich angesichts der erfreulich frühen Ankunft in der Münzstraße auf meinen Pott Kaffee mit Hafermilch freute.
Da stand ich denn nun an der Bushalte vorm Schloss und vermisste die 620 für den Ritt nach Lebenstedt auf der Anzeigetafel. Ah, endlich! In 20 Minuten sollte sie hier anbremsen. Nach all den Bussen Richtung Wolfenbüttel, die davor angekündigt waren. Genügend Zeit also, um meinen Pott auszuschlürfen.
Nach 20 Minuten Wartezeit war der Bus zwar immer noch nicht angekommen, dafür hatte sich die Anzeigetafel dazu durchgerungen, die 620 zu ignorieren. Das roch nach einem Komplettausfall des Busses und ließ mich automatisch zum Phone greifen. Tatsächlich erreichte ich meinen Teamleiter sofort. Ich schilderte kurz die Problematik und nahm mir den Tag auf Überstunden frei. Allerdings behielt ich mir die Rücknahme von der Absage vor, weil weiter hinten urplötzlich noch ein Bus an der Haltestelle vorm Lindi zu erkennen war.
10 Minuten gab mir der Teamleiter. Geschlagene zwei Minuten später rief ich ihn noch mal an. Mittlerweile saß ich in der 620 und befand mich auf dem Weg Richtung Lebenstedt. Circa zwanzig Minuten später als gewöhnlich; zusätzliche 20 Minuten plante ich schon einmal als zusätzliche Verspätung bis zum Büro ein, will sagen: Ankunft Büro kurz vor 9.00.
Mein Teamleiter freute sich auf meine Anwesenheit, bei mir selbst ist es schwierig, die Begriffe „Freude“ und „Arbeit“ in einen direkten Bezug zueinander zu setzen. Aber egal. In vergangenen Jahrzehnten bin ich bei so einem Wetter mit dem Auto nach Lebenstedt geeiert. Als Highlight kann hierbei mein Fiat Panda gelten, der unverwüstlich auch bei klirrender Kälte fuhr. Einzig und allein eine hohe Luftfeuchtigkeit - gern auch mal im Sommer - hielt ihn mit großer Beständigkeit davon ab, anzuspringen.
Oder: Ich bin ja nicht aus Zucker, obwohl ich gestern zur Nacht nach einigen Bierchen noch eine komplette Packung „es steckt viel Spaß in…“ eingeatmet hatte. Und die machte mir schon auf dem ersten Kilometer im Bus Sorgen. Krampfartige Schübe in meinem Unterleib regten mich zum Rechnen an.

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