Donnerstag, 28. Mai 2026

Uncle Fester: grad gelesen Mai 2026

Heute berichte ich über einen glatten Dreier von drei der führenden deutschen Science Fiction Autoren; Andreas Brandhorst macht den Anfang:

Origin 1 Die Entdeckung - Andreas Brandhorst
Im Kuipergürtel entdeckt eine Sonde einen Schrein, der nicht natürlichen Ursprungs ist. Wir befinden uns im 23. Jahrhundert. Auf der Erde sind die meisten Landflächen im Meer versunken, auf riesigen künstlichen Inseln leben vielleicht noch 4 Milliarden Menschen - die „Nassen“. Die Privilegierten auf den wenigen verbliebenen Landflächen sind die „Trockenen“, die sich laufend Attentaten der Terrorgruppe Aurora ausgeliefert sehen.
Die Paläontologin Lea Lehora macht sich auf den Weg, um das Artefakt im Kuiper Gürtel zu erforschen. Der skrupellose Wissenschaftler Conrad Sorensen ist jedoch schneller und öffnet den Sarkophag, in dem ein Mensch seit 20 Millionen Jahren im Kryoschlaf geschlummert hatte. Durch das unbedachte Vorgehen von Sorensen stirbt der Mensch beim Aufwachen.
Die spannende Frage lautet: Woher kamen die ersten Menschen? Haben sie die Erde besiedelt? Sorensen jedenfalls wollte den Ruhm einheimsen, um sich Meriten für die Aufnahme in das Generationenschiff Wayfarer zu verdienen. Auch Lea Lehora möchte mit dabei sein, wenn die Wayfarer Hunderte von Jahren unterwegs ist, um eine neue Erde zu besiedeln.
Aber es führt eine Spur in die Tiefen des Neptun, wo ein Raumschiff der ersten Menschen nur darauf wartet, in Betrieb genommen zu werden. Die Forscherin Flora Martens wird von diesem magisch angezogen, stirbt im Schiff. Aber ihr Bewusstsein wird von der Quantenintelligenz dieses Schiffes absorbiert.
Der Showdown dann in dem druckgeschützten Schiff. Sorensen stellt sich als Mann hinter Aurora heraus und wird von den „Guten“ mit vereinten Kräften getötet. Und Lea findet noch etwas heraus: Der Ursprung der ersten Menschen ist ca. 900 Lichtjahre entfernt.
Dorthin geht dann jetzt die Reise der Wayfarer; und Lea Lehora ist mit dabei.

Origin 2 Die Erweckung - Joshua Tree
Hunderte von Jahren sind vergangen, als die Wayfarer im Zielsystem eintrifft. Omikron - die Heimat der ersten Menschen. Als Lea Lehora aus dem Kyroschlaf erwacht, gerät sie als erstes in die Streitigkeiten zwischen Nassen und Trockenen. Der Befehlshaber, Captain Grant, errichtet relativ schnell ein Militärregiment, um die protestierenden Nassen einzuschüchtern.
Im Omikron-System sind keine Anzeichen von Leben zu entdecken. Der als Heimatplanet der ersten Menschen in Frage kommende Omikron 2 ist allerdings mit einer Phalanx von vierzig Meter langen Stelen umgeben und vollkommen abgeschirmt. Lea untersucht die Stelen mit Hilfe ihrer Freundin Kathy und dem ersten Offizier James Franklin. Kathy stirbt hierbei.
Zurück auf der Wayfarer, eskaliert dort der schwelende Konflikt mit den Nassen. Doch bevor Grant Lea aus der Luftschleuse befördern kann, erfolgt der Angriff durch eine der Stelen, welche die Wayfarer letztendlich vernichtet. Zuvor werden noch Aurora Terroristen, hier der Top-Mann Jossa Jorsil aus dem 1. Band, ausgeschaltet.
Lea und James Franklin schaffen es aber mit ihrem Schiff, der Triton, zu einer Raumstation der ersten Menschen in der dichten Atmosphäre des Gasriesen Omikron 6. Captain Grant stellt sich im Nachhinein als Guter heraus, der sich opfert, um möglichst vielen Menschen die Flucht in Barken zu ermöglichen. Mehr hierzu im famosen 3. Teil.
Lea trifft in der Station aber lediglich auf Doctor Marc Laton, der dort in Stasis liegt und kurz nach der Wayfarer nach Omikron aufgebrochen war. Somit kommen wir zur parallel erzählten Story von Marc Laton.
Der Physiker bricht kurz nach Lea und Co mit der Pangaea in Richtung Omikron auf. Ausgestattet mit dem Antrieb des Raumschiffs der ersten Menschen, trifft die Pangaea 200 Jahre vorher dort ein und findet dort ebenfalls nichts vor. Zwischenzeitlich verbringt die Mannschaft der Pangaea 150 Jahre in Stasis. Beim Aufwachen sind bis auf Laton alle tot. In seiner Verzweiflung baut sich Laton einen einfachen Roboter zusammen.
Ein Kamerad, der verhindert, dass er über die Jahrzehnte nicht vollkommen abdreht. Der auf der ebenfalls von den Stellen angegriffenen Pangaea verbleibt, um die Wayfarer warnen zu können (vergeblich halt), während Laton sich zu der Station begibt, wo er dann von Lea entdeckt wird. Ein richtiger Cliffhanger also zum Schluss.

Origin 3 Die Erlösung - Brandon Q. Morris
Dieser Roman ist etwas Besonderes. Erzählt werden hier die Schicksale der Besatzungen einzelner Barken nach der Vernichtung der Wayfarer. Wir reden hier über eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten zwischen 50 - 100 Seitenlänge. Doch so nach und nach lüftet sich das Geheimnis um das Omikron-System.
Zunächst war ich vollkommen enttäuscht, weil ich endlich der Auflösung des Rätsels um die erste Menschheit näher kommen wollte. Doch nach zwei bis drei Geschichten über die jeweils kleinen Grüppchen checkte ich, dass mit jeder Geschichte ein Puzzlestück mehr in das Gesamtbild passte. Und in der Mitte des Buches tauchten Lea, Laton und James Franklin kurz auf.
Aber erst am Ende - quasi als letzte Story - übernimmt Lea das Ruder und führt einzelne Storys zusammen. Wer ist der Bösewicht? Die Quantenintelligenz ORB oder Marc Laton? Die ersten Menschen haben sich Millionen Jahre vor ihren künstlichen Intelligenzen verstecken müssen. Jetzt ist es ORB, die das Werk der künstlich aufgemotzten ersten Menschen-KIs vollenden wollen.
Und ja, es gibt ein Happy End. Als Quintessenz der Story bleibt die Warnung, künstlichen Intelligenzen keine unbeschränkte Macht zu verleihen. Angesichts der aktuellen Kriege in der Ukraine und Iran, welche verstärkt mit KI Unterstützung erfolgen, ist dies eine reale Bedrohung. Von wegen Science Fiction ist Kinderkram…
Als Nachschlag gibt es einen „historischen “ Abriss zur Geschichte künstlicher Intelligenzen bzw. automatischer Maschinen. Von der Antike bis zum 28. Jahrhundert. Sehr lesenswert.

Samstag, 23. Mai 2026

Hartmudo: Edinburgh

4
Diese Nacht hatte ich noch besser als in der davor geschlafen. Gegen 8.00 Uhr wachten wir auf und machten uns reisefertig. Heute war es kälter als am Samstag, das sahen wir beim ersten Blick aus dem Fenster. Der Himmel schien nicht mehr hell-, sondern eher dunkelblau. Die Kraft der Sonne hatte eindeutig nachgelassen. Dennoch sollte dies für schottische Verhältnisse immer noch ein schöner Tag werden.
Nach dem Frühstück, bei dem ich mir dieses Mal die Riesenportion Rührei ersparte, fuhren wir wieder los. Mit der 19 zum Westend, dann zu Fuß die Princess Street entlang bis zur Waverly Bridge, wo wir uns eine Tageskarte für die Edinburgh Tour kauften. Diese „Hop on Hop off“ Tour kostete uns 16 Pfund pro Nase, aber dieses Geld war gut angelegt. Noch einmal bestaunten wir die Princess Street Gardens, dann kam unser Bus auch schon.
Selbstverständlich nahmen wir auf dem Oberdeck Platz. Die erste Reihe am Frontfenster war leider besetzt, denn dort saß die mollige Fremdenführerin mit ihrem Mikro und erklärte den Anwesenden die Sehenswürdigkeiten dieser Strecke. Die Dame nahm ihren schottischen Akzent zurück, so dass wir keine Probleme hatten, sie zu verstehen.
Dies war uns sympathischer als eine simultan übersetzende Bandansage, die mehrsprachig über Kopfhörer empfangbar ist. Dies kann man wohl auch buchen, aber daran hatten wir zum Glück nicht gedacht, als wir uns spontan zu dieser Linie entschieden. Die Fremdenführerin spulte ihr Programm eben nicht emotionslos wie ein Band herunter, sondern sang sogar einen alten Schlager aus den 50ern an, bei dem der halbe Bus mitsingen konnte.
Von den insgesamt 4 Touren des Unternehmens hatten wir uns für diese Tour entschieden, weil sie lediglich New Town und Old Town umfasste und wir uns damit nicht verzettelten. Als erstes fuhren wir für eine komplette Runde mit, um uns zunächst einen Überblick zu verschaffen. Erst danach, als der Bus für eine kurze Pause vor der Waverly Bridge hielt und wir drin sitzen blieben, planten wir unser weiteres Vorgehen.
Wir genossen so zu Beginn der Runde den Anblick des Balmoral Hotels am Ende der Princess Street. In diesem historischen Hotel im viktorianischen Stil waren bereits Laurel & Hardy sowie Michael Palin abgestiegen. Hier interviewte Oprah Winfrey J.K. Rowling im Jahr 2010, da diese im Balmoral den Harry Potter Zyklus beendet hatte.
Während einer längeren Strecke mit Blick auf Arthurs Seat erfuhren wir auch von den 17 Gräbern mit kleinen Holzfiguren, die fünf Jungen 1836 dort fanden. Lange Zeit brachte man den Fund mit den Serienmördern Burke und Hare in Verbindung, die 8 Jahre zuvor eben diese Anzahl an Menschen getötet und die Leichen zu anatomischen Zwecken verkauft hatten.
Doch da die Holzpuppen alle männlich waren und die Fasern der Kleidchen erst ab 1930 entwickelt wurden, schied diese Theorie aus. Dafür können wir alle heute noch rätseln, warum jemand 17 kleine Holzsärge mit Puppen auf Arthurs Seat verbuddelt hatte. Von 17 sind leider nur noch 8 erhalten geblieben.
Arthurs Seat, von dem man einen wunderschönen Blick auf Edinburgh haben soll, bestiegen wir dann doch nicht, obwohl wir es ursprünglich geplant hatten. Laut Fremdenführerin war eine der zwei Wege hinauf zum Gipfel gerade gesperrt. Und die dunklen Wolken, die sich am Himmel auftürmten, gemahnten uns, auf einen Aufstieg zu verzichten.
Im Vorbeifahren erhaschten wir einen schnellen Blick auf den „Palace of Holyroodhouse“. Dies ist die offizielle Residenz der Queen, wenn sie sich in Schottland aufhält. Es folgte eine kurze Umrundung des Dynamic Earth, in dem man die Natur unserer Erde mit allen Sinnen interaktiv erleben kann. „Family Fun“ also; dieses Mal nicht, vielleicht bei unserem nächsten Besuch von Edinburgh.
Wieder zurück um Dynamic Earth erreichten wir in unmittelbarer Nähe des Dynamic Earth das futuristisch anmutende schottische Parlament. Sollten die Schotten tatsächlich die Unabhängigkeit erreichen und in der EU bleiben - Bestrebungen hierzu sind immer noch im Gang, dann spielt die Musik in diesem Gebäude.
Es folgt die Royal Mile, die nur so von kleinen Läden wimmelt, die Tweed oder auch Kilts verkaufen. Wir waren hier auf eine Seite der Old Town gestoßen, die wir am Vortag noch nicht entdeckt hatten. Diese Straße mündet in die Esplanade, an deren Ende sich Edinburgh Castle befindet. Wir bogen jedoch vorher ab und fuhren südlich des Castle die Esplanade wieder an. Kurz vor dem Vorplatz von Edinburgh Castle, auf dem alljährlich das Royal Edinburgh Military Tattoo stattfindet, war doch tatsächlich ein Haltepunkt... den wir uns für später vormerkten. Ach ja: Das Military Tattoo ist das größte Musikfestival Schottlands. Wer kennt sie nicht, die Militärkapelle im Kilt mit all den Dudelsäcken.
Jetzt hielten wir es doch nicht mehr aus und verließen den Bus, um uns das Castle anzusehen. Der gesamte Vorplatz war relativ leer, bis auf die japanischen Touristen. Und uns. Wir schauten auf beiden Seiten des Vorplatzes über die Mauern auf die Stadt hinaus. Bereits hier genossen wir einen schönen Ausblick auf Edinburgh, so dass wir ein wenig für den Wegfall von Arthurs Seat entschädigt wurden.
Das Castle selbst betrachteten wir lediglich von Außen, da wir nicht den ganzen Tag dort verbringen wollten. Beim nächsten Mal können wir das gern mal machen, aber an unserem letzten Tag wollten wir doch noch etwas umher schlendern. So stiegen wir kurze Zeit später wieder in den Bus und fuhren weiter.
Um Princess Street Gardens herum gab es dann keine „Highlights“ mehr zu begutachten, so dass wir während der Pause des Fahrers vor der Waverly Bridge in Ruhe unsere weiteren Schritte planen konnten. Wir entschieden uns, bei der nächsten Runde zuerst beim schottischen Parlament auszusteigen. Ein zweiter Halt war für die Royal Mile vorgesehen. Vom Verzicht auf Arthurs Seat hatte ich ja schon berichtet.

Samstag, 16. Mai 2026

Hartmudo: Superwumms

37
Trazodonneurax. Diese Tabletten, mein Anker und mein Rettungsboot. Beim Einschlafen fiel mir sehr schnell die Verwandtschaft mit den Schlaftabletten auf. Anstatt längere Zeit zu grübeln und mir die schlimmsten Szenarien vorzustellen, um meinen Puls ungewollt in die Höhe zu treiben, war ich viel zu matt, um meiner Paranoia frönen zu können.
Der Puls blieb unten und irgendwann dämmerte ich halt weg. Pinkeln in der Nacht? Na Klaro, dann schleppte ich mich geradezu wie ein Untoter aufs Klo und schlich wieder zu Bett, bloß um dort schnell wieder einzuschlafen, anstatt noch ein bis zwei Stunden im Zimmer auf und ab zu wandern. Nach einer gewissen Eingewöhnungsszeit, in der ich die Dosis auf 250 mg pro Tag geschraubt hatte, steigerte ich meine gewöhnliche Schlafdauer auf acht Stunden pro Nacht.
Einen Nachteil hatte das Ganze allerdings: Morgens blieb ich nach dem Aufstehen immer noch müde und stumpf. Wie ein Ghoul taperte ich ich den Tag hinein, fühlte mich schwindlig und schlaff. Als ob ich total zugedröhnt gewesen wäre. War ich ja auch, aber ohne schönes Rauscherlebnis.
So gesehen änderte sich nichts Grundsätzliches an meinem Tagesablauf. Irgendwann vormittags wie gerädert aufstehen, mit meiner Löwin zum Frühstück eine Serie schauen , z. B. Watzmann ermittelt - und danach raus aus dem Haus. Spazieren gehen, Radfahren oder am Donnerstag meine Löwin beim Einkaufen für die ältere Dame unterstützen.
Der einzige Unterschied und damit auch Lichtblick war ein verbessertes inneres Gleichgewicht, da ich nachts besser schlafen konnte. Zum Pinkeln musste ich zwar immer noch raus, aber dieses starke Herzrasen, verbunden mit Existenzängsten, plagte mich nicht mehr. Dazu war ich zu kaputt. Langsam aber sicher ging es nach vorne.
Samstag, 11. März. Dieser Tag war ein richtiges Highlight gewesen. Mehr oder weniger kurzfristig hatte ich mich mit dem Langen zu einem Spaziergang verabredet. Ich wollte aus dem gewohnten Trott heraustreten; was gibt es da Besseres, als mit einem alten Freund abzuhängen? Die Gänge mit Charles oder Pocke hatten mich ja auch nach vorne gebracht.
An diesem Tag war der Frühling noch nicht ausgebrochen gewesen. Will sagen: Grauer Himmel und ein wenig Niesel. Der viel beschworene "Irish Mist" eben. Von daher war ich auch nicht bestrebt, den etwas weiteren Weg zum Langen mit dem Rad anzutreten. Hier waren Bus und Bahn das richtige Transportmittel. Danach noch ein kurzer Gang durch den Vorort zum Haus des Langen und schon betrat ich seine Bude.
Wir stärkten uns zunächst mit einem Kaffee, bevor wir losgingen. Schon während unseres gemütlichen Plauderns fühlte ich mich rundherum wohl. Meine negativen Gedanken der letzten Wochen plagten mich ausnahmsweise mal nicht; ich konnte dem Langen gegenüber sogar freimütig von meinen Nöten erzählen. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen; Denn all der Kopfkäse, der mir durch den Kopf gegangen war, ist für einen Außenstehenden nur schwer erträglich und hätte mich selbst eher weiter runtergezogen.
Egal. Wir plauderten über alte Krimiriserien und die gute alte Rockmusik, auch über Freunde und Verwandte. Wir verstanden uns prächtig und machten uns nach einem Pott Kaffee auf die Socken. In der Nähe vom Langen hatten sie gerade eine Neubausiedlung hochgezogen; dort sah alles noch nach Baustelle aus und deshalb schauten wir uns dies als erstes mal an. Waren ja auch nur ca. 200 Meter bis dahin. Nur kurz, versteht sich. Alles noch etwas unasphaltiert mit dem einen oder anderen Schlammloch. Lecker.
Strammen Schrittes latschten wir danach Richtung der Brücke nach Leiferde, welche über ein Jahr gesperrt gewesen war und aktuell lediglich zu Fuß überschritten werden konnte. Bis zur Wiedereröffnung sollte es also noch etwas dauern. Und noch einmal: Das Ganze bei so richtig nasskaltem Wetter, ohne Schauer und Regenschirm.
Ja, wir waren aber gut unterwegs und mittlerweile „Ready for Lunch". Hochmotiviert begaben wir uns auf den Weg nach Rüningen zum Starenkasten. Tatsächlich die einzige Gastwirtschaft in unserer Laufrichtung. Hinter der Brücke, in Leiferde, ist nun wirklich der Hund begraben und die Pizzabude am Anfang von Rüningen war Geschichte.
Entspannt überquerten wir den Schenkendamm und ließen Leiferde hinter uns. Dieser Stadtteil, der sich laut Wikipedia seinen dörflichen Charakter trotz zweier Neubaugebiete erhalten konnte, "glänzt" durch die Abwesenheit des Einzelhandels und fühlt sich so lebendig an wie weite Landstriche in Brandenburg.
Erst am Ortsausgang von Rüningen - diesen Stadtteil betraten wir quasi "through the Backdoor" - kam etwas Leben in die Bude. Denn dort am Kreisel ist Ditzinger, der Großhandel für Industrie und Handwerk. Die besorgen Dir alles, Im- und Export. Von hier aus zog sich der Weg an der Thiedestr. Entlang bis zum Starenkasten, aber wir unterhielten uns prächtig.
Kurz nach 12.00, also zur besten Sendezeit,erreichten wir den Starenkasten und freuten uns auf die gute deutsche Küche. Es fiel uns sofort auf, dass wir beim Betreten über den Haupteingang keiner Menschenseele begegneten. Links ging's zum Restaurant, rechts zum Hotel. Also links. Auch hier war niemand zu sehen. Im Gastraum des Restaurants angekommen, wunderten wir uns dann auch nicht mehr. Gähnende Leere.
Wir waren baff erstaunt, denn vor einer Schließung hätte ich zumindest entsprechende Hinweise an der Eingangstür erwartet. Und immerhin konnten wir die Gaststube ja ungefragt betreten. Das wirkte nun nicht gerade professionell.
Eine Möglichkeit zur Informationsgewinnung gab es noch und die nutzten wir. Im Hotelbereich an der Rezeption erwischten wir eine Mitarbeiterin. "Samstag Mittag hat das Restaurant immer zu." Sagte sie zu uns, konnte uns aber nicht wirklich überzeugen. Montags, mein Grieche sogar Dienstags. Das sind die klassischen Ruhetage. Aber Samstag Mittag? Hallo? Das müsste doch eigentlich gleichbedeutend mit Geschäftsaufgabe sein, oder?
Wir grübelten aber nicht lange, denn wir hatten Hunger. Und waren in Rüningen gestrandet. Mir fiel da nur eine Busfahrt in die Innenstadt ein. Zu Fuß über die Gartenstadt war mir da zu strange. Der Lange willigte sofort ein, auch für ihn war dies alternativlos. Das neue Ziel war jetzt das Play Off im Schloss, der Amerikaner. Mit der Buslinie 413 wären wir direkt zum Schloss unterwegs, mussten allerdings noch eine halbe Stunde auf diesen warten.

Samstag, 9. Mai 2026

Contramann: kurz gesehen im Mai

https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/rentenrettung-in-der-simulation/
Basisabsicherung könnte das Wort des Jahres 2026 werden. Bzw. eher das Unwort des Jahres. Der Kanzler benutzte diesen Begriff, um die gesetzliche Rente zu diskreditieren. Das Credo: Eine zusätzliche Absicherung im Rahmen der Altersvorsorge ist vonnöten. Hier reden wir schnell mal über die aktiengestützte Vorsorge.
De Lapuente befasst sich mit dieser Nebelkerze von Merz. Denn die heutige Rente ist ja bereits eine Basisabsicherung, wenn über 50% der aktuellen Renten unter der Armutsgefährdungsgrenze liegen. Hinzu kommt dann noch die Entnahme aus der Rentenversicherung für sachfremde Leistungen, die eigentlich aus Steuermitteln zu tragen sind. Die Mütterrente sei hier als Beispiel genannt.
Er erinnert auch daran, dass das Rentenniveau bei Regierungsantritt von Gerhard Schröder 1998 noch bei 53% gelegen hatte. Seitdem war die SPD fast durchgehend mit in der Verantwortung gewesen, spielt sich jetzt aber als Rentenretter auf. Das aktuelle Rentenniveau liegt bei 48% und soll tendenziell weiter abgesenkt werden.
Geringverdiener wählen mittlerweile verstärkt AfD. Warum wohl?

https://www.focus.de/politik/meinung/sind-wir-zu-weich_9bb9843a-d05a-48f3-a9a2-2b8dfa79ec22.html
Mal wieder der Fleischhauer. Mit etwas Gesellschaftsdingerich. Ich war bisher ja immer ein Freund der konservativen Ansichten von Fleischi gewesen, aber seine Attacke gegen das Sparen von Spritkosten durch Umstieg aufs Rad gehe ich nicht pauschal mit. Schließlich habe ich als Pendler diesen Umstieg vor 17 Jahren selbst vollzogen.
Es gibt individuell sicherlich viele Gründe, die einen Umstieg aufs Rad unmöglich machen. Jedoch ist aus meiner Erfahrung heraus, gerade in meinem persönlichen Umfeld, ein Umstieg weitaus häufiger machbar als immer behauptet wird.
Meine Meinung, zugegeben. Aber wir jammern alle viel zu sehr. Leute! Wenn erst der Russe vor der Tür steht, dann ist es mit dem eigenen Auto eh vorbei.

https://globalbridge.ch/butscha-vier-jahre-fabrizierte-narrative-statt-fakten/
Kürzlich jährte sich das russische Kriegsverbrechen von Butscha zum vierten Mal. Wobei mich immer gewundert hat, dass die angebliche Tötung von ukrainischen Menschen – mithin Zivilisten – bereits nach kurzer Zeit aus den Schlagzeilen verschwunden war und irgendwann nicht mehr als Argument für die militärische Unterstützung der Ukraine und damit der Verlängerung des immer noch andauernden Krieges angeführt wurde.
Es könnte ja sein, dass dieses Kriegsverbrechen gar keines war. Mehrere Indizien weisen darauf hin; nachzulesen in diesem Artikel. Ich kann mich noch erinnern, dass die vielen Leichen mit den weißen Armbinden seinerzeit von unseren Leitmedien als Angehörige ukrainischer Sanitätstrupps bezeichnet wurden, was die Abscheulichkeit eines Kriegsverbrechens natürlich steigert. Zur selben Zeit hatte ich damals schon in Alternativmedien gelesen, dass der Sinn der weißen Armbinden ein Ausdruck der Neutralität oder auch der Sympathie mit den russischen Truppen gewesen sei.
Hhm. Weiße Armbinde, weiße Fahne. Es gibt viele Ungereimtheiten zu diesem Kriegsverbrechen, aber gar keine Erklärungen hierzu von unseren Leitmedien oder gar den Politikern. Wie bei Nord Stream 2; Wie damals bei den angeblichen Biowaffen von Saddam Hussein , die zum zweiten Irak-Krieg 2003 geführt hatten. Letzteres ist heute als Lüge entlarvt. Werden wir in ein paar Jahren Ähnliches über Nord Stream 2 oder Butscha sagen müssen?

https://fromrussiawithlove.rtde.world/meinung/275496-butscha-die-propaganda-wird-nicht-besser/
Zumindest Außenminister Wadephul hält die Erinnerung an Butscha am Leben. Russian Today (RT) wird ja gern als Sprachrohr russischer Propaganda eingeschätzt. Dann schauen wir doch mal, was die russische Propaganda so über Butscha zu berichten weiß.
31. März 2026. Zum vierten Jahrestag der Befreiung von Butscha hält der derzeitige deutsche Außenminister vor Ort - also in diesem Vorort von Kiew - eine gefühlvolle Rede; mit einer Kerze in der Hand. Russische Gräueltaten sollten nicht in Vergessenheit geraten. Das Ganze vor einer Mauer mit vielen Namen, so RT. Die Namen der Opfer, welche die Ukraine bis heute nicht veröffentlicht hat?
Dagmar Henn erinnert in diesem Kommentar auch daran, dass Butscha vom Westen stets als das Argument für den Abbruch der kurz vorm Abschluss stehenden oder zumindest fortgeschrittenen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Istanbul angeführt wurde. Unter Hinweis auf vergangene vorgeschobene Begründungen z.B. im Irak-Krieg zweifelt sie die hier immer wieder betonte Völkerrechtsverletzung an.
Sie schildert Ungereimtheiten wie die Untersuchung italienischer Forensiker, die in den Toten Schrapnelle von Granaten vorfanden, die in der russischen Armee nicht mehr, in der ukrainischen jedoch nach wie vor verwendet wurden.
Zudem erwähnt sie andere Gräueltaten wie 2014 das Verbrennen russischer Separatisten im Gewerkschaftshaus von Odessa durch ukrainische Nationalisten oder das jüngste Ausbomben der Mädchenschule im Iran. Hier sind die deutschen Leitmedien nicht bestrebt, die Ereignisse in der Erinnerung zu lassen.
Erinnert sei daran, dass im Krieg die Wahrheit zuerst stirbt. Und es kein Schwarz-Weiß gibt. Aber es gibt immer ein Interesse daran, die eigene Bevölkerung von dem richtigen Tun des eigenen Handelns zu überzeugen. Wichtig ist hierbei immer der „richtige“ Blickwinkel. Auf beiden Seiten.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Sonntag, 3. Mai 2026

Hartmudo: Superwumms

36
Ich lass mich zu sehr stressen. Und mache einfach nur zu viel; kann nicht nein sagen, wenn mich jemand um Hilfe bittet oder einfach auch nur eine Freizeitaktion sucht. Das alles, weil ich niemanden enttäuschen möchte. In der Folge verzettele ich mich nicht nur, sondern komme auch nicht zur Ruhe und laufe die ganze Zeit im hohen Gang.
Dauernd ist irgend etwas los. Von daher kommt bei mir nie Langeweile auf - leider. Denn durch die permanente Überreizung kann ich mich gar nicht mehr richtig freuen, wenn etwas Schönes passiert. Negative Erlebnisse werden dagegen übermäßig stark wahrgenommen. Und es ist dieses Missverhältnis, was mir auch gerade nach dem Unfall die Beine weggezogen hatte.
Meine Löwin konnte diesen Eindruck nur bestätigen und so plauderten wir noch ein Weilchen weiter, bis der Kanonier auch ins wohlverdiente Wochenende verschwinden wollte. Wie bereits Tage zuvor angekündigt, stattete er mich mit einer richtigen Psychopharmaka Keule aus. Das Medikament, welches ich mir noch am selben Tag anfing reinzuschrauben, hört auf den rationellen Namen Trazodonneurax.
Die vom Kanonier verordneten 200 mg täglich (kurze Zeit später erhöhte er die Dosis nach einem Telefonat auf 250) hielt ich auch brav ein. Wobei mich der Kanonier darauf hinwies, dass es egal sei, zu welchen Tageszeiten ich mir das Medikament reinschrauben würde. Hauptsache, ich halte mich an die vorgegebene Tagesdosis. Neben dem Rezept versorgte er mich auch gleich mit einer Probe des Medikaments, auf das ich gleich beginnen könnte.
Meine Löwin und ich fuhren nach diesem Gespräch auch nicht gleich nach Hause, sondern gönnten uns in der Innenstadt von Alfeld noch einen Kaffee und ließen das Geschehene beim Kanonier noch einmal Revue passieren. Und nicht nur ich, sondern auch meine Löwin war vom Gespräch beeindruckt gewesen. Somit hatte es uns beiden etwas gebracht. Mit guter Laune fuhren wir nach Hause.
Im eigentlich sehr schönen Cafe in Alfeld und danach auf der Rückfahrt hatten wir viel zu bereden gehabt. Ich war auch baff erstaunt darüber, dass die Ausführungen des Kanoniers meiner Löwin augenscheinlich mehr gebracht hatten als mir selber. Diese Story "allein auf der Insel" hatte es ihr sichtlich angetan, während ich mich ob der Einschätzung des Kanoniers schon gefragt hatte, ob er unsere spontanen Antworten nicht doch überinterpretierte.
Entscheidend für mich bleibt dieser doch spürbare Ruck, den der Kanonier in mir entfachte und der mich langfristig wieder in die Spur bringen sollte. Ganz wichtig für mich war es auch, in Form dieser Tabletten eine Hilfskrücke zur Verfügung zu haben. Siehe hierzu auch Baldriparan "stark für die Nacht".
Der Kanonier hatte sofort schallend gelacht, als ich völlig unbedarft von meiner Selbstmedikation berichtet hatte. Er bezeichnete es als Placebo, dass keinerlei Wirkung zeitigen würde. Mir diente es jedoch als moralische Stütze, sozusagen. Das Schlucken des Baldriparans beruhigte mein aufgewühltes Gemüt und regelte somit schon einmal den Puls runter. Zugegebenermaßen wars das dann auch schon. Aber immerhin; ich schlucke Baldriparan heute immer noch.
Eine weitere wichtige Hilfestellung stellte die weitere Krankmeldung für die nächsten beiden Wochen durch den Kanonier dar. Denn die bisherige Krankmeldung über meinen Hausarzt war mittlerweile abgelaufen gewesen; rein körperlich war ich zwar annähernd wiederhergestellt, aber mental war ich einfach nicht so weit, was sich an diesem Wochenende auch noch dank unserer Enkelin Jela zeigen sollte.
Dennoch ging ich mit dem Kanonier konform, als er mir bei der Medikation und Krankschreibung unmissverständlich klar machte, dass ich mich möglichst schnell wieder mein altes Leben in Angriff nehmen sollte. Das und die Medikation würden mich wieder in die Spur bringen. Praktisch bedeutete dies einen Wiedereingliederungsplan, den er für mich erstellen würde. Dieser war zur Vorlage bei meinem Dienstherren bestimmt, auf dass ich sanft in den Job einsteigen könnte.
Dank all dem sah ich endlich wieder Licht am Ende des grauen Tunnels und entspannte mich auf der Rückfahrt vom Kanonier zusehends. Meine Löwin und ich gönnten uns gar noch einen Abstecher zum Ramba Zamba Markt in Bad Gandersheim. Ohne Frage ein Geheimtipp für alle Shoppingkünstler. Alexander Walzer - bekannt aus den einschlägigen Trash TV Sendern - ist der einzig wahre Ramschkönig.
Ich hatte bei ihm mal eine 500 Gigabyte externe Festplatte für 11,73 € gekauft; 2021 oder 22 war das ein sensationeller Preis gewesen und ich habe die Platte heute immer noch im Gebrauch. Da kannst Du Tedi, Action oder auch Kik vergessen. Irgendwas findet man da immer, und sei es bei den Knabberartikeln.
Gut gelaunt kamen wir danach Zuhause an. Und kaum waren wir da, wurde uns auch schon Jela fürs Wochenende zum Einhüten überstellt. Freudenstrahlend tobte unsere frohgemute Enkelin durch unsere Wohnung und ließ sich das Wochenende über bespaßen. Da blieb mir keine Zeit zum Grübeln, im überwiegenden Teil dieses Wochenendes schwappte ihre Begeisterung auch auf mich über.
Genau wie ihre Erkältung, die sie die ganze Zeit mit sich herumschleppte. Niesen oder Abhusten? Kein Problem, stört ja auch nicht beim Herumtollen. Und dass man den Mitmenschen zuliebe die Hand vor Mund oder Nase hält, wenn es überfallartig aus einem herausbricht, weiß ein fünfjähriges Mädchen eben noch nicht.
Das Wochenende war ergo vorbei und ich am Montag richtig verrotzt. Das ganze Wochenende hatte ich deswegen Paranoia geschoben und mir bereits wieder wilde Horrorszenarien ausgemalt. Endlich ging es dank des Kanoniers wieder aufwärts, und schon ereilte mich der nächste Schicksalsschlag. So zumindest meine Befürchtung.
Und wie üblich gingen meine schlimmsten Befürchtungen nicht in Erfüllung. Das Nasenbluten durch die vertrockneten Schleimhäute war zwar ärgerlich, weil ich tagsüber durch die dann leider geschwollenen Schleimhäute eh durch den Mund atmen musste, aber des Nächtens konnte ich diese dank eines Nasensprays freibekommen und blieb diesbezüglich beschwerdefrei; des Nächtens. Dann ist das leidige Mundatmen tagsüber aushaltbar.