Sonntag, 3. Mai 2026

Hartmudo: Superwumms

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Ich lass mich zu sehr stressen. Und mache einfach nur zu viel; kann nicht nein sagen, wenn mich jemand um Hilfe bittet oder einfach auch nur eine Freizeitaktion sucht. Das alles, weil ich niemanden enttäuschen möchte. In der Folge verzettele ich mich nicht nur, sondern komme auch nicht zur Ruhe und laufe die ganze Zeit im hohen Gang.
Dauernd ist irgend etwas los. Von daher kommt bei mir nie Langeweile auf - leider. Denn durch die permanente Überreizung kann ich mich gar nicht mehr richtig freuen, wenn etwas Schönes passiert. Negative Erlebnisse werden dagegen übermäßig stark wahrgenommen. Und es ist dieses Missverhältnis, was mir auch gerade nach dem Unfall die Beine weggezogen hatte.
Meine Löwin konnte diesen Eindruck nur bestätigen und so plauderten wir noch ein Weilchen weiter, bis der Kanonier auch ins wohlverdiente Wochenende verschwinden wollte. Wie bereits Tage zuvor angekündigt, stattete er mich mit einer richtigen Psychopharmaka Keule aus. Das Medikament, welches ich mir noch am selben Tag anfing reinzuschrauben, hört auf den rationellen Namen Trazodonneurax.
Die vom Kanonier verordneten 200 mg täglich (kurze Zeit später erhöhte er die Dosis nach einem Telefonat auf 250) hielt ich auch brav ein. Wobei mich der Kanonier darauf hinwies, dass es egal sei, zu welchen Tageszeiten ich mir das Medikament reinschrauben würde. Hauptsache, ich halte mich an die vorgegebene Tagesdosis. Neben dem Rezept versorgte er mich auch gleich mit einer Probe des Medikaments, auf das ich gleich beginnen könnte.
Meine Löwin und ich fuhren nach diesem Gespräch auch nicht gleich nach Hause, sondern gönnten uns in der Innenstadt von Alfeld noch einen Kaffee und ließen das Geschehene beim Kanonier noch einmal Revue passieren. Und nicht nur ich, sondern auch meine Löwin war vom Gespräch beeindruckt gewesen. Somit hatte es uns beiden etwas gebracht. Mit guter Laune fuhren wir nach Hause.
Im eigentlich sehr schönen Cafe in Alfeld und danach auf der Rückfahrt hatten wir viel zu bereden gehabt. Ich war auch baff erstaunt darüber, dass die Ausführungen des Kanoniers meiner Löwin augenscheinlich mehr gebracht hatten als mir selber. Diese Story "allein auf der Insel" hatte es ihr sichtlich angetan, während ich mich ob der Einschätzung des Kanoniers schon gefragt hatte, ob er unsere spontanen Antworten nicht doch überinterpretierte.
Entscheidend für mich bleibt dieser doch spürbare Ruck, den der Kanonier in mir entfachte und der mich langfristig wieder in die Spur bringen sollte. Ganz wichtig für mich war es auch, in Form dieser Tabletten eine Hilfskrücke zur Verfügung zu haben. Siehe hierzu auch Baldriparan "stark für die Nacht".
Der Kanonier hatte sofort schallend gelacht, als ich völlig unbedarft von meiner Selbstmedikation berichtet hatte. Er bezeichnete es als Placebo, dass keinerlei Wirkung zeitigen würde. Mir diente es jedoch als moralische Stütze, sozusagen. Das Schlucken des Baldriparans beruhigte mein aufgewühltes Gemüt und regelte somit schon einmal den Puls runter. Zugegebenermaßen wars das dann auch schon. Aber immerhin; ich schlucke Baldriparan heute immer noch.
Eine weitere wichtige Hilfestellung stellte die weitere Krankmeldung für die nächsten beiden Wochen durch den Kanonier dar. Denn die bisherige Krankmeldung über meinen Hausarzt war mittlerweile abgelaufen gewesen; rein körperlich war ich zwar annähernd wiederhergestellt, aber mental war ich einfach nicht so weit, was sich an diesem Wochenende auch noch dank unserer Enkelin Jela zeigen sollte.
Dennoch ging ich mit dem Kanonier konform, als er mir bei der Medikation und Krankschreibung unmissverständlich klar machte, dass ich mich möglichst schnell wieder mein altes Leben in Angriff nehmen sollte. Das und die Medikation würden mich wieder in die Spur bringen. Praktisch bedeutete dies einen Wiedereingliederungsplan, den er für mich erstellen würde. Dieser war zur Vorlage bei meinem Dienstherren bestimmt, auf dass ich sanft in den Job einsteigen könnte.
Dank all dem sah ich endlich wieder Licht am Ende des grauen Tunnels und entspannte mich auf der Rückfahrt vom Kanonier zusehends. Meine Löwin und ich gönnten uns gar noch einen Abstecher zum Ramba Zamba Markt in Bad Gandersheim. Ohne Frage ein Geheimtipp für alle Shoppingkünstler. Alexander Walzer - bekannt aus den einschlägigen Trash TV Sendern - ist der einzig wahre Ramschkönig.
Ich hatte bei ihm mal eine 500 Gigabyte externe Festplatte für 11,73 € gekauft; 2021 oder 22 war das ein sensationeller Preis gewesen und ich habe die Platte heute immer noch im Gebrauch. Da kannst Du Tedi, Action oder auch Kik vergessen. Irgendwas findet man da immer, und sei es bei den Knabberartikeln.
Gut gelaunt kamen wir danach Zuhause an. Und kaum waren wir da, wurde uns auch schon Jela fürs Wochenende zum Einhüten überstellt. Freudenstrahlend tobte unsere frohgemute Enkelin durch unsere Wohnung und ließ sich das Wochenende über bespaßen. Da blieb mir keine Zeit zum Grübeln, im überwiegenden Teil dieses Wochenendes schwappte ihre Begeisterung auch auf mich über.
Genau wie ihre Erkältung, die sie die ganze Zeit mit sich herumschleppte. Niesen oder Abhusten? Kein Problem, stört ja auch nicht beim Herumtollen. Und dass man den Mitmenschen zuliebe die Hand vor Mund oder Nase hält, wenn es überfallartig aus einem herausbricht, weiß ein fünfjähriges Mädchen eben noch nicht.
Das Wochenende war ergo vorbei und ich am Montag richtig verrotzt. Das ganze Wochenende hatte ich deswegen Paranoia geschoben und mir bereits wieder wilde Horrorszenarien ausgemalt. Endlich ging es dank des Kanoniers wieder aufwärts, und schon ereilte mich der nächste Schicksalsschlag. So zumindest meine Befürchtung.
Und wie üblich gingen meine schlimmsten Befürchtungen nicht in Erfüllung. Das Nasenbluten durch die vertrockneten Schleimhäute war zwar ärgerlich, weil ich tagsüber durch die dann leider geschwollenen Schleimhäute eh durch den Mund atmen musste, aber des Nächtens konnte ich diese dank eines Nasensprays freibekommen und blieb diesbezüglich beschwerdefrei; des Nächtens. Dann ist das leidige Mundatmen tagsüber aushaltbar.