Mittwoch, 18. Februar 2026

Hartmudo: Winter 2/2

>>Die Fahrt würde normal schon eine Stunde dauern. Mit der zu erwartenden Verzögerung kämen hier mindestens 20 Minuten hinzu. Das Risiko, die Schmerzen irgendwann während der Fahrt nicht mehr aushalten zu können, erscheint mir sehr hoch, zumal ich mich bei all den zu erwartenden Schulkindern schon mal vorstelle, mit einer vollen und übel riechenden Hose im Bus zu sitzen. Und dann erst auf der Arbeit…<<
Ich entschied schnell. Wiederum zwei Minuten später kontaktierte ich meinen Teamleiter erneut und schilderte ihm mein Malheur. Es blieb beim Überzeitenabbau. Meine Güte, war mir das peinlich. Also das ich ihn zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit angerufen hatte, nicht der Grund meiner erneuten Absage. Denn nichts Menschliches ist mir fremd, vielleicht ist es aber auch ein Anzeichen einer nicht überwundenen Analfixierung aus der Kindheit, wenn ich dies so locker und fröhlich anderen gegenüber zu kommunizieren pflege.
Nun gut, der Tag ist frei. Ab nach Hause. Nächster Ausstieg Cyriaksring. Noch im Bus rief ich meine Löwin an, die heuer ja den Wagen zur Reparatur des Kofferraumschlosses nach Dürkop bringen wollte. Da hatte sie einen Termin. Ich fragte sie, ob sie mich auf dem Weg aufsammeln könnte. Wenns passt, hat Dürkop sicherlich ein Klo, welches für mich eher als das Heimische zu erreichen wäre.
Sie wollte mich an der Bushalte vor dem Arbeitsamt aufsammeln und war eh bereits auf dem Sprung. Da stand ich nun einsam und verlassen an der Bushalte, Busse und PKWs schlitterten an mir vorbei und ich merkte wie die Wehen stärker wurden, aber immer noch aushaltbar. So wartete ich schon seit bald einer Viertelstunde, als mein Phone klingelte.
 kam die Schräge auf unserem Garagenhof nicht hoch und sah sich gezwungen, mir absagen zu müssen. Schade, aber wenn Schiet, dann Schiet. Genau das war mein Problem, aber es half jetzt ja nichts. Ich überbrückte die Kreuzung und ordnete mich der Bushalte in der anderen Fahrtrichtung zu. Auf dem Weg durch mal wieder nicht geräumte Fußwege sah ich den von mir benötigten Bus nach Lehndorf.
Ich würde also zuhause meinen Vorrat an Toilettenpapier weiter dezimieren können. Doch, wie das so ist: Der vermeintliche Bus nach Lehndorf entpuppte sich als weiterer Bus Richtung Salzgitter, als er nichts rechts um die Ecke zu mir, sondern links zur kurz zuvor von mir besetzten Bushalte abbog.
Dies natürlich haargenau in dem Moment, wo die 426 Richtung Rudolf schon vor mir stand. Doch anstatt das ich Strunz dort einstieg, wartete ich noch die 5 Minuten, bis die 419 kam. Der Bus nach Lehndorf stand leider nicht auf der Anzeigetafel, was bedeutete: Die 431 wäre nicht vor einer halben Stunde da. In dieser Situation zeigte wieder einmal mein natürliches Gespür für das richtige Timing, denn die 419 ließ sich Zeit und benötigte ne runde Viertelstunde. Und das auch nur, weil der Busfahrer regelwidrig auf der Geradeausspur fuhr, um dann doch links abzubiegen. Die Linksabbiegerspur war selbstredend vollkommen dicht mit PKWs.
Im Bus saß ich sehr unruhig auf meinem Sitz, aber stehen war erheblich unangenehmer wegen der Schübe. Daher erschien mir der Fußweg vom Rudolfsplatz nach Hause in meiner derzeitigen Verfassung nicht angeraten, aber wo bekam ich auf die Schnelle eine Toilette her?
Fieberhaft überlegte ich meine weitere Vorgehensweise und wagte dann einen für mich typischen Schritt: Ich würde weiter bis zum weißen Ross fahren und dort die öffentliche Toilette aufsuchen. Irgendwie bescheuert, aber Hartmudo.
Gesagt, getan. An der Amalie stieg ich aus, begab mich ins gegenüber liegende Einkaufsparadies „Weißes Ross“ und ging nicht über Los direkt in die Toilette. Donnerschlag - so klang es auch. Mir ging es anschließend sofort wieder blendend, wenn auch die Papierqualität ein wenig zu wünschen übrig ließ. Eine Konsistenz wie früher das Druckerpapier, etwas breiter als die üblichen Rollen für die Kassenbons bei Aldi oder Lidl, aber genau so rund.
Anschließend kaufte ich noch bei Rewe und DM einige Artikel ein; wenn ich schon einmal da bin, dann Hüh. Draußen stieg ich in den ersten Bus, der gerade kam, ein. Die 419 brachte mich nur eine Station zum Rudolf weiter, von da aus bewältigte ich den langen Fußweg nach Hause. Das ging ja jetzt, die Krämpfe waren passe.
Der Fußweg war nun, knappe zwei bis drei Stunden später, ein wenig geräumt. Damit meine ich, dass irgendjemand mit einer Schneeschippe eine Schneise in die Schneedecke gefräst hatte. Dies allerdings ohne Streumittel, was die Rutschfestigkeit insbesondere in den Abschnitten mit dem sehr beliebten Kopfsteinpflaster nicht erhöhte.
Voll bepackt mit Aktentasche und Einkaufstasche ging ich wie auf Schienen. Nein, eher wie auf rohen Eiern. Doch nach einem etwas längerem Fußmarsch als gewöhnlich bog ich endlich in unsere Hofeinfahrt ein und siehe da: Der Winterräumdienst hatte sich noch nicht blicken lassen. Meine deshalb mit Schnee bedeckten Schuhe ließ ich natürlich im Hausflur vor unserer Wohnung zum Abtrocknen stehen.
Wenn ich mir diesen Tag vorher frei genommen hätte - warum auch immer, wäre ich sicherlich zu dieser Zeit, also ca. 9.30 Uhr, gerade aufgestanden. Stattdessen habe ich an diesem unverhofften freien Tag schon eine Menge erlebt gehabt. Tiefen und Höhen sozusagen. Auch wenn einiges an diesem Montag aus dem Ruder gelaufen war, so fühlt sich dieser Tag doch süßer als ein normaler Urlaubstag an.
Meine Psychotherapeutin würde mir da sicherlich zustimmen, obwohl sie bezüglich meiner bereits angesprochenen Fixierung sicherlich noch Fragen hätte. Und - so komisch, wie sich das jetzt anhören mag, aber ich freue mich auf den morgigen Arbeitstag. Verrückt, oder?
Heute Abend kein Toffeefee, dann bin ich im Bus safe. Eins noch: Zwischenzeitlich besiegte meine Löwin die Schräge auf dem Garagenhof und lieferte den KIA bei Dürkop ab, Rückfahrt mit Bus und Bahn.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen