Dienstag, 29. September 2026

Hartmudo: Wolters

Aus aktuellem Anlass:
https://www.change.org/p/rettet-mit-uns-das-hofbrauhaus-wolters?source_location=search
Wolters macht am Jahresende zu. Weil sich der Haupteigner, die Volksbank Braunschweig Wolfsburg, übernommen oder verzockt hatte. Schlimm genug, das es kaum noch Kneipen gibt in dieser trotz allem schönen Stadt.
Und ja, Deine Unterschrift wird nichts ändern. Aber darum geht es auch gar nicht mehr. Lasst es uns „ihnen“ zeigen, dass wir Wolters haben wollen. Sie sollen sich schämen - wer immer auch „sie“ sein mögen - dass sie uns unser Wolters wegnehmen.
Dankeschön Langer!

Arschlöcher, dammische. Dann gibt es bald Krombacher dazu, wenn Du einfach nur mal schnell nen Schnitzel-Pommes Teller verdrücken möchtest. Krombacher - wer das trinkt, der hat sich schon aufgegeben. Schnapp Dir ein weißes Nachthemd und dann ab zum Krematorium. Also echt mal jetzt. Die Plürre geht gar nicht.
Gern denke ich an die schönen Momente mit diesem Bier zurück, welches im Vergleich zu vielen anderen den Begriff Premium Pilsener zu Recht auf dem Etikett stehen hatte. Mein Vater, der aus Kulmbach stammte, konnte mir mit Mönchshof, EKU, Reichel und Sandler (Kulmbacher Bierwoche - an jeder Ecke eins dieser klassischen Biere) ein wenig Kultur vermitteln.
Und darauf werde ich mich dann konzentrieren. Dort, wo es Krombacher geben wird, möchte ich darauf verzichten und notfalls Wasser, gern auch aus der Kloschüssel, trinken. Ehe ich dieses Krombacher runterwürge…
Lieber Gott, gib mir die Kraft, stark zu bleiben und Krombacher und ähnliches zu vermeiden. Bitburger, iiih. Und Kloppo, die fleischgewordene Zahnreihe, hatte dafür noch Werbung gemacht. Wenn ich das trinke, wächst mir am Ende auch noch so ne Zahnleiste. Dann lieber Corega Tabs dank Wernersgrüner.
Gut, das Leben geht weiter. Und vielleicht braut ja jemand noch etwas unter dem Namen Wolters. Warten wir mal ab.

Montag, 28. September 2026

Hartmudo: Bundeswehr 2/2

Nur wenige Male war es mir ein wenig unheimlich, besser gesagt peinlich: Am 40. Jahrestag der Kapitulation des Nazi-Staates, am 8. Mai 1985, absolvierten wir ein Nachtschießen auf der Standortschießanlage in Hötzum. Das erschien mir unangemessen.
Und während unseres Campingausfluges in Munster besuchten wir die Gedenkstätte Bergen Belsen. Stell Dir vor, unser Hauptmann wollte, dass die gesamte Batterie das KZ einheitlich im Kampfanzug und mit Barett betritt. Nur weil der Gefreite Hartmudo sein Barett nicht mithatte, mussten wir die Gedenkstätte „leider“ ohne Kopfbedeckung betreten. Alle einheitlich - das hast Du inzwischen ja kennengelernt.
Da bin ich heute noch stolz drauf. Ich habe auch noch die Blicke der Tommys, welche mit ihrer Einheit ebenfalls in der Gedenkstätte waren, in Erinnerung. Diese erschienen in Zivil und starrten uns mehr oder weniger fassungslos an. Deutsche Soldaten im Kampfanzug in der Gedenkstätte! Ging ja gar nicht. Recht hatten sie.
Doch bleiben wir bei dem Camping-Urlaub. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon die meiste Zeit beim Bund abgerissen - 97! Du Kiste! - und wusste, dass ich mich gut vorbereiten musste. Das hieß für mich: 10 Tafeln Ritter Sport Marzipan und 10 Tafeln Ritter Sport Vollnuss. Soldat! Verstehst Du jetzt den Geschenkbeutel, den ich Dir vorhin ausgehändigt habe?
Zur Erklärung. Ich war Spießfahrer gewesen und hatte als Einziger in der Batterie (Panzer-Ari - Ya know) die ATN (Ausbildungs- und Tätigkeitsnummer - nach über 40 Jahren weiß ich jetzt endlich, was ATN bedeutet. Danke Google) für den VW-Bully, mit dem ich dann mittags immer das Essen in die „Stellungen“ rausgefahren hatte.
Ansonsten hatte mich der Hauptmann ja aus dem Geschäftszimmer rausgeschmissen und in den Geschützzug gesteckt gehabt, weil ich Ihn beim Antreten nicht gegrüßt hatte. Der Penner dachte, mich damit verletzen zu können, doch ich war darüber sehr glücklich gewesen, weil ich die schlechte Atmosphäre im Geschäftszimmer eh nicht ertragen konnte.
Die Looser der Offz und Uffz hatten mich nicht greifen oder brechen können. Genau dies wünsche ich Dir auch, Soldat! Ich wünsche Dir, dass Du hinterher dort „Solid as a Rock“ rausgehst und Deinen Weg gehst. In jedem von uns steckt ein Reacher, auch in Dir.
OK, zurück zur Schoki. Pennen beim Geschützzug zwischen zwei Kohleöfen, schwarzes Ausschnauben am Morgen. Da brauchte ich für die 100 Gramm Tafel Marzipan knapp zwei Minuten, dann war sie alle. Leerlauf am Nachmittag? Ritter Sport Vollnuss!
In aller Kürze: Nach der Woche war die Schoki alle. Mein Pickel natürlich auch, aber wesentlich war der Effekt der Schoki. Ich musste in Munster nicht kacken gehen. Dafür hätte ich den Donnerbalken benutzen müssen und da hatte ich bei 5 Grad Außentemperatur keinen Bock drauf gehabt. Also hielt ich auf.
Mittendrin in der Übung musste ich aus der Kaserne Material holen und nutzte die Gelegenheit, zu Hause (ich wohnte in der Nußbergstraße) mal richtig scheißen zu gehen. Danach noch ne große Tüte mit meinem Mitbewohner, dann ging es zurück. Hey, Babe! Mein damaliger Mitbewohner hat einen Tag nach Dir Geburtstag, wird morgen 65 und da gieß ich mir richtig einen auf die Glatze! Wo war ich noch gleich?
Auf den langen Panzerstraßen in Munster. Du merkst schon, hat mich geprägt, diese 15 Monate damals. Bilder, die ich nie vergessen werde. Die 72 Stunden Übung im verschneiten Elm bei Zehn Grad Minus am Morgen, als wir uns auf der Ladefläche des Fünftonners verpieselt hatten, um nicht im Schneeanzug „Stellung“, „MG Feuer von links“ oder „ABC Alarm“ spielen zu müssen.
Und immer wieder Stubenreinigen, Technischer Dienst.. und - Yes, Sir! - GvD, KvD, Wache und Bereitschaft. Letzteres mit den Sauerländern in unserer Batterie. Als ich zum Dienst am Sonntag Mittag erschien (nach einer geilen Party bei uns zu Hause), saßen diese schon vorm Fernseher und sahen Sodomie-Filme. Sauerländer halt.
Doch ehe mir noch mehr Geschichten aus der Zeit vor der Grenzöffnung, vor Ende des kalten Krieges und… (die Gesichter der DDR Soldaten, als wir in Helmstedt über die Grenze geschaut hatten), höre ich besser auf.
Du hast genug zu tun beim Barras und wirst hinterher Deinen Weg gehen. Bleib wachsam, lass Dich nicht unterkriegen und hilf immer der alten Oma über die Straße. Sei nicht der Kämpfer aus dem Videospiel, sondern der „Bürger in Uniform“.
Rock on, Babe. Old School, ich weiß. Scheiß drauf, lass Dich nicht droppen.
Und natürlich die Schoki schmecken.

Mittwoch, 23. September 2026

Warum spielt denn der Poldi nicht?

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Genug Zeit also, um am Nachmittag noch Wäsche zu waschen und etwas im Netz zu recherchieren. Zum Beispiel die Preise für einen neuen Crosstrainer, den alten hatte ich ja neulich dank meiner puren Masse zersägt. Der Neue sollte mindestens 120 Kg Nutzlast aushalten können, doch leider findet man im Netz nichts unter 200 Talern. Erst einmal muss natürlich auch der alte Crosstrainer verschwinden, erst danach wird es mit der Suche eines Ersatzes ernst werden können.
Als größter Aufreger heute in den Onlinemedien entpuppte sich der gestrige Kommentar von Mehmet Scholl zum Sieg über die Squadra Azzurra. Nahezu alle führenden Seiten wie Spiegel, Kicker oder die Springerpresse verurteilen Scholls Kritik scharf und versuchten gar, den Sachverstand von Mehmet zu diskreditieren. Im krassen Gegensatz dazu geben die Mehrzahl der Kommentare in den Foren eben dieser Medien Mehmet in seiner Kritik recht, er hatte es ja auch schön begründet.
Nur ganz kurz kam ich nach einem Kommentar auf Spiegel Online ins Wanken und überlegte, ob Mehmet das nicht doch falsch sieht. Doch dann sah ich Videos über frenetisch feiernde deutsche Fans, einige weinten gar vor Glück ob des historischen Sieges über die Italiener. Dem einen Dussel zitterten immer noch die Hände, so hatte ihn der Elfmeterkrimi erregt.
Was hatten die Leute nur für ein Spiel gesehen? Keine Viertelstunde der 120 Spielminuten agierte das deutsche Team geschickt und brachte die Italiener in Bedrängnis. Der ganze Rest war eines der schlechteren Spiele dieser EM und wirklich unansehnlich. Wem angesichts so eines Gurkenspiels schon die Hände zittern, der sollte mit seinem Arzt nochmals über die Dosierung seiner Medikamente reden.
Ich muss gerade daran denken, dass die Portugiesen die Spiele gegen Kroatien wie auch Polen genau wie Deutschland gestern mit einer defensiven Taktik erfolgreich bestritten hatten und letztendlich glücklich im Halbfinale stehen. Alle Medien waren sich da einig ob des unansehnlichen „Verweigerungsfußballs“ der Portugiesen und gönnten ihnen den Erfolg nicht. Wenn Deutschland haargenau so spielt, dann sind auf einmal 11 Helden unterwegs, die in einem glorreichen Spiel obsiegt haben.
Im Sport wie in der Politik hat sich spätestens dank der Privatisierung des Fernsehens eine Berichterstattung etabliert, die gezielt von fremden Interessen gesteuert wird. Selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen wird man von diesem „Qualitätsjournalismus“ nicht verschont. Außer uns fällt das vielen anderen auch auf, wie wir anhand der unterschiedlichsten Reaktionen in den einschlägigen Foren entdecken konnten. Allein ist es aber so, dass die Masse nur schnell konsumiert, was die Tagesschau sagt und nichts hinterfragt. Traurig ist das.
Und wenn es auch nur diese Sachen sind. Ganz alleine dieser vollkommen unverständliche Freudentaumel zeigt mir, das Mehmet vollkommen zu Recht Jogi Löw und seinen Trainerstab auf die grundsätzlich gemachten Fehler hinweist. Wenn nicht er, dann macht es leider keiner. Von den ganzen Mediennutten erwarte ich eh keine objektive Berichterstattung, auch bei dieser EM hatte ich schon genügend Beispiele für Fehlinterpretationen genannt. Dass selbst Olli Kahn und dann noch Holger Stanislawski in der Vorbereitungsstunde vor dem 4. Viertelfinale Frankreich gegen Island zu diesem Thema ängstlich rumeierten, hat mich dann aber doch enttäuscht.
Man stelle sich nur vor, Buffon hätte sich eine Zehntelsekunde eher bewegt. Dann wäre der Elfer von Hector nicht mehr unter ihm durchgerutscht und das Elfmeterschießen wäre weitergegangen. Oder Hectors Flanke wäre vom Italiener ins Aus abgefälscht worden statt zu Ösil, der dann das 1:0 eben nicht gemacht hätte. Das Weiterkommen hing an einem seidenen Faden und war letztlich eben glücklich, wie das bei einem Elfmeterschießen halt ist. Was hätten denn die großen Medien nach einem verlorenen Elfmeterschießen zur Kritik von Mehmet gesagt?
Fußball ist Emotion, na gut. Das sieht man bei (freude)trunkenen Fans und auch an Journalisten und leider auch Experten. Wenn eine scharfe Frau an einem Mann vorübergeht, dann denkt er schließlich auch nicht mehr daran, dass er für seine Ehefrau noch Nagellack mitbringen sollte. Also lasst Mehmet in Ruhe und flippt nicht schon wieder vor dem Halbfinale aus. Mit der Form vom Samstag ist im Halbfinale Endstation für Kroos und Company.
Wie bereits angedeutet,war ab 20.15 Uhr das ZDF wieder an der Reihe. Frankreich gegen Island, die „Les Bleus“gegen die Truppe ohne Spitznamen, nennen wir die Isländer also auch Wikinger wie die „Bild“. Holger Stanislawski durfte sich sogar auch kurz an den Tresen neben Olli und Olli setzen, ehe Claude Makelele dort Platz nahm. Einst bei Real Madrid fiel er wegen seines Afro-looks auf, heutzutage hat er seine Haare in eine polierte Platte verwandelt. Viel konnte er nicht berichten, aber schön dass er da war.
Dem rhythmischen Klatschen samt dem „Huh“ der isländischen Fans wurde nochmals gehuldigt, was ich so langsam auch nicht mehr hören kann. Noch schlimmer finde ich allerdings, das ich heute und gestern beim Spiel schon deutsche Fans sehen musste, die das isländische „Haka" schamlos kopiert hatten. Selbst im Stadion war es im Spiel gegen Italien zu hören. So ist der Deutsche, die anderen Nationen machen so etwas erst gar nicht.

Donnerstag, 17. September 2026

Hartmudo: Bundeswehr 1/2

Anfang des Monats war ich zum Geburtstag geladen gewesen. Der Sohn meines Patenkindes lud die Familie und seine Freunde ein; an diesem Tag wurde er zum Twen. Was schenkt man einem so jungen Bengel? Meine Löwin war mit ihren Freundinnen verreist, da musste ich mir alleine was einfallen lassen.
Also zunächst einmal natürlich Kohle. Cedric macht gerade seinen Führerschein, welcher von seinem Arbeitgeber mit 3000,- € bezuschusst wurde. Da braucht er die Penunse, da er den Rest - inklusive Auto - von seinem Gehalt selbst finanzieren muss. Ist eben auch schon volljährig und steht nunmehr auf eigenen Füßen.
Das Geld wollte ich nicht nur in einem schnöden Umschlag überreichen. Cedric ist schließlich kein Politiker. Das Geld verstaute ich daher in einer Tasche, welche ich mal als Utensil für Tabletten, Verbandsmaterial und ähnliches von Ali Express erstanden hatte. Letztes Jahr, als ich Probleme mit einem offenen Bein hatte.
Wohlüberlegt stopfte ich die Tasche zusätzlich mit jeweils fünf Tafeln Ritter Sport Marzipan, Ritter Sport dunkle Vollnuss und Ritter Sport Good Vibes Crispy Choko. Damit war die Tasche voll und ich konnte angenehm zum Geburtstag radeln, wo ich mit seiner Oma, also meiner Schwester Berta, und anderen Anwesenden einen angenehmen Nachmittag erlebte, bevor Cedric mit seinen Leuten aufs Magnifest verschwand.
Die Verpackung mit der Schokolade fiel mir zwangsläufig ein, denn mir fiel da eine Begebenheit mit seinem jetzigen Arbeitgeber ein, welche meine Lebenserfahrung um ein wesentliches Element bereichern konnte. Ja, auch ich war früher dort beschäftigt, wenn auch nicht so ganz freiwillig. Waren Mitte der 80er Jahre im letzten Jahrhundert auch andere Zeiten gewesen.
Ich spreche natürlich von der Bundeswehr. Nachfolgend mein Brief.

Hallo Cedric,
bei der Geschenkauswahl hatte ich dann diesen Einfall mit der Schoki, und los gehts:
Als ich zum 01.10.1984 zur Bundeswehr musste, galt noch die Wehrpflicht. Aktuell ausgesetzt, wird sie bald wohl wieder eingeführt. Zarte 23 Jahre lebte ich damals und hätte liebend gern verweigert gehabt. Nicht, weil ich Menschen töten wollte oder konnte, sondern weil ich berufliche Nachteile befürchtet hatte, bin ich zum Barras gegangen6006. Schließlich absolvierte ich von 1981 bis 1984 mein Studium zum Verwaltungsfachwirt, sprich die Beamtenlaufbahn.
Das „Nicht-schießen-können“ war seinerzeit die einzig akzeptierte Begründung, den Wehrdienst zu verweigern. Dieses musste man gegenüber einem Ausschuss erklären. Das Ganze wurde zu der Zeit auch Gewissensprüfung genannt.
Der Ausschuss wiederum traktierte den Wehrdienstverweigerer mit Fangfragen, um dessen Begründung ad Absurdum zu führen. Dadurch wurden viele Männer zum Wehrdienst gezwungen, wenn - wie in den meisten Fällen - der Ausschuss zu der Erkenntnis gelangte, dass der Verweigerer schlichtweg gelogen hatte, weil er „keinen Bock auf Bund“ hatte.
Nun gut, in der Ukraine werden die Wehrdienstleistenden mittlerweile direkt von der Straße aufgegriffen und dann eingekleidet. Ein Wehrdienstverweigerungsverfahren ist dort nicht vorgesehen. Sind jetzt aber auch andere Zeiten.
Anyway: Seinerzeit hatte ich das große Glück, meinen Wehrdienst in Braunschweig abreißen zu können. Geschickterweise hatte ich Heiratsabsichten vorgeschoben; ich musste dies noch nicht einmal nachweisen.
Ich hatte viele schöne Momente während meines 15monatigen Dienstes an der Gesellschaft erleben dürfen. Unter anderem hatte ich während eines Tages der offenen Tür in meiner Kaserne, der Leutnant-Müller-Kaserne - heute ist dort das Sozialamt untergebracht, ein Konzert mit meinen Freunden organisieren können. Und meine kiffenden Kumpels hatten sich gut zurückhalten können.
Apropos Kiffen: Saufen war ja beim Stuben- und Revierreinigen nicht erlaubt. Zum Glück wusste ich mich andersweitig zu behelfen und meine Kameraden und ich hatten deshalb immer eine Menge Spaß, wenn wir die Ketten durch den Lauf zogen oder das Reinigungsmittel, welches mit Formaldehyd versetzt war, über den Flurboden verteilten. Formaldehyd in Reinigungsmitteln ist mittlerweile verboten, weil krebserregend. Aber über solche Kleinigkeiten regte sich seinerzeit niemand auf. Und ich hatte ja auch immer Tabak, Blättchen und einen „Pickel“ am Start.

Dienstag, 8. September 2026

Contramann: kurz gesehen im September

https://overton-magazin.de/hintergrund/kultur/wenn-die-gemeinsame-wirklichkeit-zerfaellt/
Kommen wir zu Beginn gleich mal zu einem Effekt, der neuerdings politische Diskussionen gleich im Keim erstickt. Dank der „digitalen Revolution“ sind derartig viele sich widersprechende Informationen im Netz verfügbar, auf die sich jeder derart zurückziehen kann, dass seine eigene Meinung untermauert wird.
Da kann man dann vortrefflich „seriös“ mit Informationen und Quellangaben brillieren, gleichzeitig werden unbequeme Quellen als unseriös abgestempelt. Praktisch, oder? Irgendwie haben es die seit Jahren wechselnden Regierungen hinbekommen, die Meinungsbildung derart zu beeinflussen, dass mittlerweile quasi nur noch zwei Lager existieren, welche sich mehr und mehr voneinander abgrenzen, in dem jede Seite ihre eigene Wahrheit innehat.
Egal, ob hieran die Politik, die Medien oder Atlantikbrücke, der WWF oder Uli Hoeneß schuld ist. Wenn die gegnerische Meinung automatisch auf einer Fakemeldung basieren muss, weil ja mittlerweile dank KI alles verfälscht werden kann, dann muss „meine“ Ansicht doch auf alle Fälle richtig sein, oder?
Frage: Warum ist meine Meinung automatisch richtig? Könnten meine Quellen nicht auch durch eine KI kompromittiert worden sein? Wenn man sich diese zwei Fragen vor Augen hält, wird eine Einschätzung der „Wirklichkeit“ schwierig. Kann ich da überhaupt noch irgendeiner Quelle trauen? Warum dann überhaupt noch mit Menschen über politische Themen diskutieren, welche die andere Meinung vertreten?
Diese Fragen stelle ich mir, da ich das literarische Werk von Philip K. Dick kenne. In seinen Romanen bricht die Realität im Laufe der Handlung zusammen. Die dann „reale“ Welt dahinter ist immer düster und bedrohlich. Leichter lebt es sich mit der vorgespielten Realität - siehe auch Filme wie „Matrix“ oder mehr noch „die Truman Show“.
Ich rede mir selbst ein, dass ich da einen besseren Überblick als andere habe, weil ich mir jeden Abend die Tagesschau gebe oder online über Welt, Focus oder die TAZ rutsche. Letztendlich sehe ich keine Möglichkeit, beide Welten wirklich miteinander zu verbinden. Insofern halte ich politische Diskussionen zwischenmenschlich für gefährlich, weil schädlich.
Ich gehe diesen Diskussionen am liebsten mit „da sind wir unterschiedlicher Ansicht“ oder auch einfach „das sehe ich nicht so“ aus dem Weg. Dies ist zwar nun wirklich nicht der Anspruch an mich selbst, aber da ich die regierungskritische Mindermeinung vertrete, finde ich äußerst selten die großen Gruppen mit dem einen „Querschläger“ mit der „falschen“ Meinung.
Allzu häufig bin ich der „Querschläger“, der notfalls von mehreren Anwesenden gleichzeitig angegangen wird unter Hinweis auf die jeweils eigenen Quellen. Und da ich mich gesellschaftlich nicht vollkommen ins Abseits stellen will - da bin ich ja Egoist, vermeide ich mittlerweile derartige Streitgespräche, nach denen ich regelmäßig Herzrasen hatte.
Ach, was wäre es schön, einmal zu erleben, wenn einer mit der anderen Meinung mal von meiner Gruppe zusammengebrüllt werden würde.

https://www.welt.de/debatte/article6a37a324e6546062eaa7390a/rentenkommission-oh-tow-sehr-viele-kleine-verlierer.html
Und wieder einmal das übliche BlaBla vom demografischen Wandel. Und - zu Recht - die Befürchtung, dass sich z.B. Beamte und Selbstständige mit ihren eigenen Interessen durchsetzen, so dass die Rentner wieder allein die Zeche zahlen.
Es ist eigentlich ganz einfach: Die Gesamtbevölkerungszahl ist in den letzten 35 Jahren nahezu konstant um die 80 Millionen geblieben, während das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 19,9 TSD. auf 54,2 TSD. Euro angeschwollen ist. Dies dürfte mehr als die Preissteigerungsquote betragen. (Zahlen lt. Statista.com)
Das heißt: Rechnerisch erzeugt jeder Einwohner 2,5 mal mehr als 1991, somit müsste theoretisch jeder Einwohner entsprechend mehr für sich beanspruchen können. Oder anders: Die sinkende Zahl an Erwerbstätigen hat eine noch höhere Steigerungsrate als 2,5, da Kinder und Rentner ja überhaupt nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen können.
Frage: Wo ist das steigende Bruttosozialprodukt geblieben? Bei den gesetzlich Versicherten, den Rentnern und Arbeitslosen wohl kaum. Gesetzlich Versicherte, Beamte und Selbstständige wohl eher auch nicht so ganz.
Leute, lasst Euch nicht von den Nebelkerzen blenden. Die ganze Kohle wandert nach wie vor in wenigen Hände. Diese Leute verzichten auf nichts, sind doch keine Rentner. Marx und Engels hatten immer gegen die „Couponknipser“ gewettert. Also Finanzindustrie, auch Großkonzerne. Da versickert alles. Am Ende fällt die genaue Zuordnung schwer.
Aber der Rentner oder gesetzlich Versicherte schaut auf jeden Fall in die Röhre.

https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/martens-frage-und-himmlers-antwort
https://www.nachdenkseiten.de/?p=154944
Ein unsäglicher Kommentar, den der Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Michael Martens Anfang August auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Wolodymyr Selenskyj und Aleksandar Vučić in Belgrad abgelassen hatte. Einen Aufschrei im deutschen Mainstream Blätterwald vermisse ich bis heute.
Hier ist der Vergleich dieser Aussage von Martens mit Himmlers Rede von 1943 leider nicht sehr hilfreich, da hier die Personen mit der „Andermeinung“ (Krieg bedeutet immer Töten des Gegners, nur so werden die Kriegsziele erreicht) durchaus nicht zu Unrecht dichtmachen und somit die erforderliche Auseinandersetzung mit der ungeheuerlichen Aussage ausbleiben muss.
Die Provokation von Wallasch ist wiederum durchaus dazu geeignet, die Aussage von Martens - ich zitiere aus dem Wallasch Artikel:
„Can you tell us Europeans what can we concretely do to help you to kill more Russians?“ – mit der raschen Ergänzung „more Russian soldiers, of course“.
Schlichtweg als das aufzuzeigen, was sie eigentlich ist: Voll daneben.
Schöner finde ich den Kommentar des russischen Historikers auf den Nachdenkseiten. Artjom Drabkin verweist hier nur indirekt auf die Gräueltaten der Nazis im zweiten Weltkrieg. Vielmehr betont er den Umgang der Russen mit den besiegten Deutschen nach dem Krieg. Da stand eben nicht Rache, sondern Verzeihung im Vordergrund.
Ungeachtet dessen, dass ich dieser Aussage nicht so ganz zustimmen möchte, bin auch ich der Meinung, dass gerade in Westdeutschland die Aufarbeitung der NS-Zeit eben nicht erfolgte. Nicht aus meiner eigenen Schulzeit, aber dank der Beschäftigung mit der Nachkriegsgeschichte der Bonner Republik weiß ich, dass es im „Westen“ eher um Verdrängung und Vergessen ging.
Und genau das fällt uns heute auf die Füße.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Mittwoch, 2. September 2026

GuterPlatzzumBiertrinken: Der lange Ritt 2/2

2
Und in der Ferne konnte ich schon Konrad sehen. Ich überquerte den Hamburger Hill (den Film habe ich nie gesehen, obwohl er mir vom Kanonier empfohlen worden war) und sah bereits die Broistedter Straße vor mir. Das Hinweisschild zeigte mir den Weg zum Ziel als geradeaus an. Ich übersprang den Asphalt und eierte eine knackige Steigung hinauf, um dann dort auf eine rissige Schotterpiste zu treffen, die erkennbar vom Ziel wegführte.
Hier kam mir die Erinnerung wieder zupass: Ich hätte die Straße Richtung Bleckenstedt entlang fahren müssen, warum hatte ich das nur vergessen? Nun gut, war ja noch nicht zu spät. Ich zog die Zügel an und Jolly Jumper führte sogleich eine 180 Grad Wendung aus. Die Steigung also wieder runter und dann Hüh.
Jetzt erst einmal unter der Autobahn hindurch und dann wieder rauf bis zur Ebenerdigkeit. Also wie durch eine Furt und dann die Böschung rauf. Und nach zwei- bis dreihundert Metern kommt dann die Stelle, wo ich mich wieder auf einen Wirtschaftsweg begab und dann parallel zur Straße mein Glück versuchte. Hier ging der Abzweig weg, das hatte ich mir bei der Grobplanung per Google Maps nicht merken können.
Ein winziger Knick, leicht bergauf und vielleicht auf 100 Metern eine unangenehme Piste. Steinig war dieser Abschnitt, wenn zum Glück auch nur kurz. Denn dann fühlte ich mich wie in Idaho: Links das große Kartoffelfeld, rechts der Highway und voraus das Endlager. In Idaho eher ein Reservat, aber ich will mal nicht so kleinlich sein.
Ich möööööcht so gern wie Konrad sein

Mein Weg führte mich am Eingang dieser Gedenkstätte deutscher Atomkraftgegner (Frage: Für oder von Atomkraftgegnern?) vorbei. Ein interessierter Blick meinerseits auf das Gelände ergab für mich folgendes Bild: Hier sieht es ja fast so aus wie auf der Mülldeponie in Watenbüttel. Viele Maschinen, Kipplaster und die Männchen in Bob-der-Baumeister Kleidung. Das fühlte sich doch gleich wieder vertraut an.
Ich weiß auch nicht, was die Leute immer für ein Gewese um dieses stillgelegte Eisenerzbergwerk machen. Sieht doch richtig hübsch aus und stinkt auch nicht so wie in Watenbüttel. Hier strahlt nahezu alles. Die berühmten gelben Fässer mit diesen schwarzen Rotorblättern waren aber nirgends zu sehen. Ich habe vor einem halben Jahr gehört, dass die unterirdisch im Salzwasser eingelegt sind.
Der kurze Blick genügte mir. Die haben ja noch nicht mal einen Fanshop hier; den gibt es selbst im Vatikan. Gern hätte ich mir die Nachbildung eines gelben Fasses gekauft, als Bleistiftanspitzer wäre das nett. Für Buck hätte ich dann gleich auch ein Mitbringsel gehabt. Aber man kann bekanntlich nicht alles haben.
Konrad nunmehr im Rücken, befand ich mich auf der Zufahrtsstraße zur Anlage. Und schon war ich bei der Auffahrt zur Industriestraße. Rechts Bleckenstedt - kennt Ihr eigentlich noch Haxn Koch? Oh, wie ich dieses Restaurant vermisse. Da hätte ich nach rechts fahren müssen, aber leider gibt es den Laden schon seit Jahren nicht mehr.
Ich fuhr links und war dann zügig bei Buck at Home. Mist, kein Fahrradweg. Hier wird mein Arbeitgeber noch nachbessern müssen. Denn hier fahren ja auch Busse und so einige Töfftöffs lang. Zumindest war ich der erste Gast zu diesem Sommerspecial meines Teams.
Buck und ich hatten kaum die erste Röhre geöffnet, da kam das Team komplett angeritten. Ach, da fiel es mir ein. Unser Geschenk für den Gastgeber. Und die Dame des Hauses. Traditionell wird dies ja auch im Team übergeben. Da musste ich wie üblich aus der Reihe tanzen. Ich gefalle mir wohl selbst in der Rolle des Lonesome Cowboys.
Passiert. Das klassische italienische Mahl mit den hefegeschwängerten Weizenmehlfladen und verschiedenen Toppings, z.B. Tonno oder Salami, welches meine Favorites waren, bildeten die ideale Grundlage für die Halbliter, welche ich mir zögerlich reichen ließ, da ich ein bescheidener Mitmensch bin.
In der Folge ergaben sich charmante Gespräche in freundschaftlicher Atmosphäre. Der Kater des Hauses schlich um meine Beine herum. Richtig kuschlig, der Kleine. Am späten Nachmittag löste sich die Runde wie auf Knopfdruck auf. Da hatte ich den Haselnussschnaps schon eingeatmet gehabt. Ich blieb noch kurz bei Buck und Iris, bevor ich mich wieder in den Sattel schwang.
Vier Halbliter waren es geworden - ich hatte mich heute gut zurückhalten können. Der Himmel hatte sich geringfügig zugezogen, auf der 15 kilometerlangen Strecke nach Hause kam ich flott voran. Vereinzelte Regentropfen empfand ich eher angenehm, war halt stickig unter der Joppe. Mühsam war jedenfalls der lange Weg auf der Landstraße gen Groß Gleidingen.
War ja klar, dass ich hier an dem Bahnübergang geraume Zeit warten musste. Tatsächlich blieb der große Regen aus. Circa eine Stunde nahm der Rückweg in Anspruch, ohne dass es mich vor unlösbare Aufgaben stellen konnte. Kein Hecheln oder atemloses Schnaufen. Kondition passt schon mal.
Von Portugal gegen Kongo sah ich sogar noch die zweite Halbzeit, 1:1 ging es am Ende aus. Meine Löwin hatte ihren Doko Abend mit den Freundinnen und ich ließ den Abend gemütlich ausklingen und lutschte noch am Hasseröder.
Fast 30 km kamen da heute insgesamt zusammen. Solche Touren mag ich, kann sie aber nicht mehr jede Woche abrufen. Vielleicht kriege ich diesen Sommer noch eine Stampede hin. Aber erst nach der WM.