Mittwoch, 7. Oktober 2026

Contramann: kurz gesehen im Oktober

Ein sehr guter Artikel zu den Befindlichkeiten der „Ossis“. Pflichtlektüre für die „Besserwessis“, welche sich darüber mokieren, dass die „Ostler“ nur die Hand aufhalten und jahrelang von „uns“ (den richtigen Deutschen, oder was?) gepampert worden sind. Der folgende Auszug aus dem Text in der Ostdeutschen Allgemeinen fasst es gut zusammen:
„Wenn die Politik heute am helllichten Tage und nicht im Stasi-Hinterzimmer Meldestellen einrichtet, wenn die Zeitungen über unliebsame Dinge nicht mehr berichten, wenn Spitzenpolitiker hohle Phrasen in neuen, wandlitzartigen Refugien dreschen, wenn ideologische Themen die real existierenden Lebensverhältnisse überblenden, wenn die Agitatoren hinter der Mattscheibe zur Wahl der demokratischen Kandidaten („der Einheitsfront“, denkt man sich) aufrufen, ja, dann werden unweigerlich (r)evolutionär erworbene Widerstandsrezeptoren aktiviert.“
Ob das jetzt zu polemisch, überspitzt oder wie auch immer erscheint, sei jetzt mal dahingestellt. Es ist aber leider auch so, dass die Löhne im „Osten“ nach 37 Jahren immer noch niedriger sind als im „Westen“. Ein Fakt, über den in den zumeist westdeutschen Qualitätsmedien nicht mehr berichtet wird. Für Vermögen gilt der Unterschied entsprechend.
Und dann wäre dann da noch das Verhältnis zu Russland. Wenn „die Russen“ und Putin wirklich so schlimm wären, waren wählen die Ostler verstärkt die zwei Parteien, welche zumindest offiziell für einen Ausgleich mit Russland plädieren. Alles Extremisten, undankbare Menschen oder wie soll ich das einordnen?
Nein. Wie zuvor beschrieben, haben die Ostdeutschen ein autokratisches System überwunden und müssen nun feststellen, dass sich die selben Merkmale der deutschen demokratischen Republik nunmehr in der „offenen Gesellschaft“ bemerkbar machen. Und der „Russe“ ist wieder das an die Wand geworfene Feindbild; genau wie bei Adolf.
Und die Nazigräul nicht nur an den Juden, sondern auch an den Abermillionen UDSSR-Bürgern, wurde den „Ossis“ in der Schule rauf und runter vermittelt. Im goldenen Westen - ich hatte Gemeinschaftskunde und Geschichte als Abi-Prüfungsfächer - hatte man sich auf die Interpretation von Texten der Nazi-Ideologen beschränkt. Nicht einmal ein Besuch einer KZ-Gedenkstätte stand da nicht auf dem Programm.

https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Halb-Sachsen-Anhalt-zeigt-der-Republik-den-Mittelfinger-id31275214.html
Es ist genau dieses "gesichert rechtsextrem", welches die AfD zu ungeahnten Höhenflügen führte. Der von den etablierten Parteien enttäuschte Wähler glaubt dieser Darstellung nicht mehr, hält dies für pure Propaganda.
Denn mit Propaganda kennen sich die älteren Menschen in den Ländern der ehemaligen DDR bestens aus. Die wurden schon vor 1990 verarscht; die danach versprochenen "blühenden Landschaften" haben sich seitdem auch nicht eingestellt.
Egal. Dieser Artikel ist wenigstens nicht so reißerisch wie viele andere kurz nach Veröffentlichung der ersten Hochrechnung der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dennoch schimmert auch hier die Hoffnung durch, dass die „Ossis“ zur Vernunft kommen und wieder in den Schoss der etablierten Parteien zurückfinden mögen.
Frei nach dem Motto: Argumente gehört und jetzt lasst uns wie bisher weitermachen.

https://www.infosperber.ch/politik/welt/35-jahre-unabhaengige-ukraine-das-krim-parlament-protestierte/
Hier mal wieder etwas essenzielles zum Ukraine Krieg. Natürlich liest man so einen Beitrag nur in einem ausländischen - hier schweizerischen - Alternativblatt. Schließlich ist die Annexion der Krim durch Russland 2014 die Rechtfertigung sämtlicher Sanktionen gegen Russland seit diesem Zeitpunkt.
Die Ereignisse bezüglich der Krim werden hier chronologisch aufgelistet. Hier wird erklärt, dass die russische Krim eigentlich nur dank Chruschtschow in den 50ern des letzten Jahrhunderts in die ukrainische Sowjetrepublik verschoben worden war. Hierbei wurde der Halbinsel der Status einer „autonomen Region“ zugewiesen.
Aus all den Daten möchte ich nur noch einen Punkt hervorheben: Beim Referendum 2014 des Krim-Parlaments wurden die unabhängigen OSZE-Wahlbeobachter eben nicht ausgeschlossen, was hier gerne immer wieder erzählt wird, sondern die Einladung des Krim-Parlaments wurde von der OSZE abgelehnt, weil es nach der ukrainischen Verfassung unzulässig sei.
Lest Euch die gesamte Chronologie durch und urteilt selbst. Aber wenn auch das Referendum illegal gewesen war, kann man doch die überwältigende Mehrheit zugunsten eines Anschlusses an Russland nicht ignorieren.
Die vielen Hinweise auf Einschränkungen wie Einschüchterungen bei der Wahl habe ich auch wahr genommen. Bloß… all diese Vorwürfe an Russland sind nur dann relevant, wenn diese durch die unabhängigen OSZE-Wahlbeobachter bestätigt worden wären. Mir drängt sich also eher der Eindruck auf, dass die OSZE keine Behinderung der Wahl befürchtet hatte. Andernfalls hätte sich für die Einschränkungen eine relevante Quelle sicherlich ergeben.

/article/die-gute-gewalt-wie-die-taz-den-politischen-widerstand-radikalisiert-10317523
Schade, der Artikel der Ostdeutschen ist hinter der Bezahlschranke verschwunden. Thematisiert wurde ein Kommentar der TAZ:
https://taz.de/Antifaschismus-und-Militanz/!6205765/
Hierin wird eine Gewaltausübung seitens der Antifa gegen die AfD natürlich nicht offen propagiert. Sehr, sehr vorsichtig dagegen wird die Frage in den Raum gestellt, ab welchem Punkt einer wie auch immer gesehenen Machtübernahme der AfD eine gewaltsame Reaktion moralisch vertretbar sei. Sehr schwammig, aber dennoch vergiftet.
Hierzu nur ein Zitat aus dem Kommentar der Ostdeutschen dazu, als der Link noch nicht hinter der Schranke verschwunden war:
„Jeder Schlagstock, der im Namen der „guten Sache“ geschwungen wird, ist ein Geschenk an die Gegenseite. Wer Demokratie verteidigen will, gewinnt an der Wahlurne und mit dem besseren Argument – nicht Faust, Messer und Pflasterstein. Wer das anders sieht, sollte aufhören, sich Demokrat zu nennen.“

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“


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