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Dann endlich startete das Spiel und wir drückten den Isländern alle Daumen, obwohl wir das Ende bereits vorausahnten. Es begann ein munteres Treiben und zu unserer Freude spielte Island gefällig mit und schoss sogar zuerst auf das Tor der Franzosen. Die Franzosen waren ebenfalls an einem flüssigen Spielfluss interessiert und tasteten sich nach und nach ans gegnerische Tor heran.
Als ich gerade mal nicht hinsah, fiel der Führungstreffer für Frankreich in der 12. Minute, als Giroud den Ball aus spitzem Winkel durch die Beine des isländischen Torwarts schoss. Da hatte der gute Halldorsson Pech gehabt. Es war noch nicht mal unverdient, da die Franzosen stark nach vorne pressten.
Noch hofften wir auf den Ausgleich, denn es war in diesem Turnier nicht das erste Spiel, bei dem Island zurücklag. Aber das erste, bei dem sie nicht mehr ausgleichen konnten. Unser Hoffnungslämpchen glimmte grad noch so eben, als Pogba nach 20 Minuten das 2:0 wuchtig in die Maschen köpfte. Griezmann war so freundlich, den Eckball perfekt in den Fünfmeterraum zu semmeln.
Die isländischen Fans focht dies nicht an, sie feuerten ihr Team weiter munter an und die Mannschaft ihres schwedischen Trainers Lagerbäck zahlte dieses Engagement mit hoher, nicht nachlassender Laufbereitschaft zurück. Als ich mir gerade noch eine Brause holte, juchzte meine Löwin ob einer verpassten Chance der Isländer auf. Sollten Sie es doch noch drehen?
Nein. Payet in der 43. nach Pass von Griezmann und jener alles überragende Griezmann in der 45. nach Pass von Pogba machten mit dem 4:0 noch vor der Pause alles klar. Vier Tore in einer Partie, noch dazu vor der Pause, hatte bei dieser EM noch kein Team erzielen können. Das war es wohl für die tapfer kämpfenden Wikinger. Immerhin hatten die ohne jede Taktiererei agierenden Franzosen allen Kritikern von Mehmet Scholl einmal gezeigt, was dabei heraus kommen kann, wenn man sich mal nicht an der Taktik des Gegners orientiert und stattdessen mit Eiern in der Hose seine Stärken ausspielt.
Lagerbäck brachte sofort nach der Pause 2 frische Leute und versuchte das Unmögliche. Respekt, sie machten weiter, als lägen sie nur ein Tor hinten. Und der Jubel der Anhänger des Außenseiters war riesig, als Sigthorsson in der 56. Minute den Ehrentreffer erzielte. Da Giroud nur 3 Minuten später das 5:1 erzielte, war der klitzekleine Hoffnungsschimmer leider schnell erloschen.
Den Endstand zum 2:5 für Island erzielte Bjarnason vom FC Kaiserslautern mit einem schönen Kopfball in der 84. Minute. Kurz zuvor durfte der 37jährige Gudjohnsen noch mal rein, der in seiner Karriere mit Barcelona einst die Championsleague gewonnen hatte.
Ein flottes Viertelfinale war vorbei, in dem die hoffnungslos unterlegenen Isländer beileibe nicht enttäuschten und ihren Möglichkeiten entsprechend sogar 2 Tore erzielen konnten. Wir fanden es von den Franzosen sehr galant, das sie in der zweiten Halbzeit einen Gang zurückschalteten. In dieser Form sind die Franzosen nächsten Donnerstag schwer zu überwinden.
Nur wenn das Team um Jogi Löw selbst ihr Herz in die Hand nimmt und den Rat von Mehmet befolgt, werden sie die Franzosen bezwingen können. Machen sie es wie gegen Italien, können sie nur aufs Glück Vertrauen. Dies hatten Jogis Eleven im Viertelfinale schon reichlich. Wir sehen einfach mal, was am Donnerstag passiert.
Bei Wales gegen Portugal am Mittwoch ist wohl auch alles denkbar. Meine Löwin und ich trauen den Portugiesen aber mehr zu, einfach weil sie die Individualisten mit dem Nagel im Kopf haben (Danke Phil für diese Metapher) und Ramsey bei Wales gesperrt ist.
Hach, wird das spannend.
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