Samstag, 4. November 2023

GuterPlatzzumBiertrinken: deutscher Herbst

Sonntag 15 Oktober. Gern hätte ich im letzten Vierteljahr schon wieder ein paar Touren gemacht, aber irgendwie kam mir immer etwas dazwischen. Erst war es zu heiß und als es dann Ende September endlich losgehen sollte, als meine Löwin mit Berta auf der AIDA in Norwegen verweilte, fragte der Lange nach einer Radtour an und so waren wir zu fünft auf dem Ringgleis unterwegs gewesen.
Eine sehr schöne Tour übrigens, bei der wir am Ende in Marions Schinderhannes landeten und das eine oder andere Bier schlürften. Eigentlich ideal für diese Rubrik, aber alleine kann ich besser meinen Gedanken nachhängen und deshalb schreibe ich diesen Beitrag an einem anderen Tag, und mal wieder ohne Bier.
Was heute auch gar nicht passen würde, da wettermäßig der Herbst an diesem Tag begonnen hat. Bereits seit ein paar Tagen hatte ich mich diesen Sonntag auf eine Solo-Radtour geeicht, der gestrige Besuch vom Kanonier bei uns hatte mich zusätzlich bestärkt.
Denn er als gestresster Familienvater hat seit kurzem das Radfahren für sich als ideales
Entspannungsmoment entdeckt, ja sogar seine Ernährung umgestellt. Letzteres will ich auch schon das ganze Jahr über durchziehen, jedoch habe ich es bislang nicht hinbekommen.
Außer dem Besuch des Kanoniers war dieses Wochenende alles äußerst ruhig verlaufen - letztes Weekend waren wir mit dem Kegelverein in Wien und nächstes Wochenende ist Berlin angesagt. Urmel und Ilka besuchen, dazu feiern meine Löwin und ich unseren 16. Hochzeitstag. Wann also, wenn nicht jetzt?
Freudestrahlend radelte ich vorhin los. Keine 10 Grad, es weht zurzeit ein kalter Wind, gepaart mit einem lange vermissten „Irish Mist". Samstag waren es tagsüber noch 20° gewesen, die Wochen und Monate zuvor wurden eher höhere Werte gemessen. Da verwundert es nicht, dass es mich beim Einbiegen aufs Ringggleis ein wenig fröstelte.
Meine bei „Charme und Anmut" erworbene Übergangsjacke musste ich schon zuziehen, da ich lediglich ein Poloshirt drunter trug. Ursprünglich wollte ich das Cafe Magie in Gliesmarode ansteuern, aber der ständige Wechsel zwischen hellem Sonnenschein und dunklen Wolken mit dem bereits erwähnten Inselwetter erforderte ein näheres Ziel.
Daher sitze ich jetzt im Café Momento im neuen Viertel am Lampadiusring und diktiere diese Zeilen in mein Smartphone. Zwei doppelte Espresso Macchiato später ist es Zeit für die Rückfahrt. Bis dahin aber ließ ich meine Gedanken während der Hinfahrt Revue passieren.
Acht Tage zuvor, am 7. Oktober, hatte die Hamas vom Gazastreifen aus ca. 1200 Israelis brutal getötet und eine Vielzahl von Geiseln genommen. Israelische wie amerikanische Politiker sprachen relativ offen davon, die Hamas auszurotten. Unsere feministisch angehauchte Außenministerin sicherte dem Staat Israel volle Unterstützung zu, vor allem Waffen.
Auch wenn ich angesichts der Brutalität der Hamas die überschäumenden Emotionen der Israelis durchaus nachvollziehen kann, aber die fast an nationalsozialistische Propaganda erinnernde Formulierung durch führende israelische Politiker hat mich dann doch sehr betroffen gemacht. Und die Zwei Millionen Menschen zählende Bevölkerung des Gazastreifens von der Strom- und Wasserversorgung abzuschneiden und damit Unbeteiligte Zivilisten in Sippenhaft zu nehmen, halte ich für eine übertriebene Reaktion angesichts des Leids, welches die Juden durch die Nazis erleiden mussten.
Die UN hatte die Reaktion der Israelis richtigerweise als völkerrechtswidrig gebrandmarkt. Fast alle Leute in meinem Umfeld können sich nicht zu einer differenzierten Sichtweise des Konflikts durchringen. Bei der Corona-Pandemie und im Krieg gegen die Ukraine war dies leider nicht anders gewesen.
Momento

Hierzu kann ich nur Helmut Kohl zitieren: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten."
Denn kurz nach dem ersten Weltkrieg waren es die von den Nazis verfolgten Juden gewesen, die gewaltsam im Völkerbundmandat Palästina eingewandert waren und 1948 gegen den Willen der britischen Besatzungsmacht den Staat Israel gründeten.
Nach mehreren Kriegen gegen die muslimischen Nachbarstaaten und vergeblichen Friedens- und Vermittlungsbemühungen diverser Nationen und Institutionen stehen sich Juden und Palästinenser immer noch unversöhnlich gegenüber. Dies entschuldigt den Terrorakt der Hamas nicht, aber ein blindes Draufhauen auf die Palästinenser wird den Konflikt garantiert nicht lösen können.
Mittlerweile sind im Gazastreifen dank der israelischen Bombenabwürfe sogar mehr Kinder und alte Menschen als beim Hamas Attentat vom 7 Oktober gestorben. Und wenn man als Wertewesten die Ukraine sogar mit Waffen unterstützt, dann sollte man sich zumindest im Gazastreifen für einen Waffenstillstand stark machen. Alles andere ist unglaubwürdig.
Bei etwas stärkeren Regen verließ ich das Café Momento und brauchte nun nicht mehr zu überlegen, einen kleinen Umweg über die Innenstadt zu fahren. Auf dem kürzesten Weg begab ich mich nach Hause, schneller als sonst radelte ich über den Asphalt. Nass wie ein Pudel erreichte ich endlich die heimischen Gefilde.
Unnötigerweise möchte ich noch erwähnen, dass der Regen kurz vor Ende meiner Fahrt aufgehört hatte und die Sonne wieder schien. Ist das der Indian Summer? Wohl eher nicht, deutscher Herbst ist angesagt. Sowohl beim Wetter als auch in der deutschen Außenpolitik: Es wird zunehmend kälter und dunkler.

Samstag, 28. Oktober 2023

Uncle Fester: grad gelesen Oktober 2023

Andreas Brandhorst - Ruf der Unendlichkeit
Endlich ein neuer Brandhorst, da war ich gleich freudig erregt. Die Handlung basiert auf dem Omni-Universum, obwohl seitdem bereits Millionen Jahre vergangen sind.
Die Omni und die anderen großen Zivilisationen waren untergegangen und hatten ein großes Chaos hinterlassen. Das Volk der Moy hat die Rolle der Ordnungsmacht übernommen und bekämpft das Volk der Blender, welche Chaos im Universum stiften wollen. Die Herkunft dieser beiden Superzivilisationen der achten Ordnung ist nicht bekannt.
Aaron ist der letzte noch existierende Mensch und bekämpft als Agent der Moy die Blender, wo immer sich diese auch bei Zivilisationen niederer Ordnung einmischen. Unterstützt wird er hierbei von der KI seines Schiffes namens Sal.
Bei der Untersuchung auf einem Planeten, auf dem mehrere Agenten der Moy ums Leben gekommen waren, trifft Aron den Blender Curax. Der kann Aron überwältigen und zu seinem Amalgam machen. Jetzt können beide das Bewusstsein mit dem jeweiligen Partner teilen. Curax möchte Aron davon überzeugen, das nicht die Blender, sondern die Moy die wahren Bösewichte sind.
Als Beweis führt er Aron zu einer uralten Zuflucht der Menschen. Tatsächlich kann Muriel, eine Kämpferin der 14. und letzten Zivilisation der Menschen nach Äonen im Tiefschlaf wiedererweckt werden. Und es gibt sogar noch die Chance auf weitere überlebende Menschen im Andromeda Nebel. Dorthin waren die letzten Überlebenden der Menschen einst geflohen.
Der allerletzte Unterschlupf war Ultima, ein Sternensystem außerhalb des Andromeda Nebels. Das Volk der Ptoha, die Wächter der Zeit, sollte die Menschen zur Milchstraße zurückführen. Doch aus Angst, die Zeitlinien durcheinander zu bringen, ließen die Ptoha die Menschen von Ultima in der großen Leere zwischen Milchstraße und Andromeda versauern.
Curax, der ein falsches Spiel spielt, reist in die Vergangenheit und übernimmt die Kontrolle auf Ultima, um durch die Rückreise zur Milchstraße die Geschichte in seinem Sinne zu verändern. Als Aaron ebenfalls auf Ultima eintrifft, ist Muriel leider verstorben.
Es stellt sich heraus, das Jahid, Arons Chef bei den Moy, und Curax ein und dieselbe Person sind. Dank alter Omni Artefakte kann Aaron die sogenannten Chimären vernichten und die Zeitlinie dahingehend korrigieren, dass die Menschheit in der Milchstraße überlebt. Er selbst bricht am Ende mit Sal in die Weiten des Universums auf.
Dieser Roman von Brandhorst nimmt erst nach einiger Zeit Fahrt auf. Sicherlich nicht sein bester, denn dank der räumlich und zeitlich ausufernden Geschichte bleibt die Charakterisierung der einzelnen Figuren auf der Strecke. Als Fortführung des Omni-Universums hätte es ruhig eine Nummer kleiner sein dürfen.

Mike Brooks - Dark Run(1) und Dark Sky(2)
Zwei Bände des Briten, der wohl Gitarre in einer Punkband spielt und Fußballfan ist. Wahrscheinlich war dies der Grund, weswegen ich mir beide Bücher gekauft habe. Mike Brooks aus Nottingham soll wohl den dritten Roman vorbereiten.
Die irdischen Machtblöcke sind weit in die Galaxie vorgestoßen. Dies führte zwangsläufig zu einem interstellaren Krieg, in dem (wie vor 500 Jahren) Freibeuter eingesetzt wurden. So kämpfte der Freibeuter Gabriel Drake für die Europaner gegen die Afrikaner (FAS) und ließ seine gesamte Crew sterben, als sein Schiff von der FAS gestellt worden war, um sich selbst zu retten.
Nunmehr unter seinem neuen Namen Ichabod Drift untergetaucht und als Schmuggler tätig, werden er und seine neue Crew auf dem Raumfrachter Keiko in Dark Sky von seinem ehemaligen Verbindungsoffizier Kelsier beauftragt, eine Kiste zu einer Konferenz in Amsterdam auf der Erde zu schmuggeln.
Dass es sich dabei um eine Atombombe handelt, wusste Ichabod nicht. Seine Crew und er konnten die Bombe aber noch in allerletzter Minute über dem Atlantik zur Detonation abwerfen, bevor Amsterdam zerstört worden wäre.
Zu seiner Crew gehören Tamara Rourke, Mitinhaberin der Keiko und damit seine Geschäftspartnerin. Der Maori Apirana - Kraftprotz und Kampfmaschine - geistig etwas weniger stark. Micah, ein ehemaliger Söldner, der leider schon im ersten Buch verstirbt. Jenna, eine junge Frau, die sämtliche Computersysteme hacken kann. Vervollständigt wird das Team durch die Geschwister Jia (die Pilotin) und Kuai (der Mechaniker).
Ichabod kann Kelsier in dessen Unterschlupf - einem Asteroiden - stellen und töten. Jenna und Apirana sind hierbei die entscheidenden Charaktere, welche diese Story zum Abschluss bringen. Der Grinsemann - seines Zeichens der beste Auftragskiller in der Galaxis - tötet bei dieser Gelegenheit Micah.
Im zweiten Band sollen Ichabod und seine Crew einen Entschlüsselungscode von einem Minenplaneten herausschmuggeln. Dumm nur, das die Minenarbeiter ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt einen Aufstand durchziehen. Die Crew wird getrennt und findet sich auf beiden Seiten der Bürgerkriegsparteien wieder.
Ohne es zu ahnen, bekämpfen sich Ichabod und Tamara gegenseitig bei der Unterstützung der jeweiligen Partei. Als die Crew endlich vereint ist - auch mit einer gegnerischen Freibeuter Gang - kommt es im Palast des Gouverneurs zum Showdown. Dieser will lieber den Planeten sprengen als ihn den Aufständischen zu überlassen. Schließlich wird er vom idealistischen Polizeichef, den Ichabod unterstützt hatte, gerichtet. Jetzt können alle ins Happy End fliehen.
Der dritte Band ist noch nicht auf Deutsch erschienen und wird es wohl auch nicht. Der zweite Band kam 2016 raus. Die Story ist eher dünn, aber unterhaltsam. Ich könnte mir das Ganze als Fernsehserie vorstellen. Doch du hast nichts verpasst, wenn Du an diesem Zyklus vorbei gehst.

Montag, 23. Oktober 2023

Warum spielt denn der Poldi nicht?

23
Mo. Immer noch 27. Juni

Das Spiel fing an und gleich in der vierten Minute ging der isländische Torhüter Halldorsson derart dämlich und unnötig zum Ball und auf den englischen Wirbelwind Sterling drauf, das dieser sich sofort auf Höhe des Fünfmeterraumes schlafen legte. Den fälligen Strafstoß netzte Rooney sicher zum 1:0 in die Maschen.
Meine Löwin bekam dies gar nicht mit, weil Harald gerade angerufen hatte und sich nach ihrem Befinden erkundigte. Die Empfehlung zu diesem Arzt kam von ihm. Die folgende Szene, nur 2 Minuten später, verpasste sie deshalb auch. Ein weiter Einwurf der Isländer von rechts, wie eine Flanke kam der Ball, Arnason verlängerte mit dem Kopf mitten vor das Tor, wo Sigurdsson völlig unbedrängt reingrätschte und die Murmel über die Torlinie hievte.
1:1! I wurd narrisch! Nach dem Führungstreffer der Engländer hatte ich die Partie eigentlich schon abgehakt. Aber das die Isländer so schnell wieder zurückkommen würden, damit hätte ich nicht gerechnet. Meine Löwin bekam das Geschehen aus den Augenwinkeln mit und beendete schnell ihr Gespräch mit Harald. Jetzt zitterten wir zusammen mit den Isländern und hofften, das das Spiel möglichst lange spannend bleiben würde. Die Isländer hatten sich einen glorreichen Abgang aus dem Turnier verdient.
Es zitterten aber nur die Engländer, die nach dem Ausgleich vorne nichts mehr zustande brachten, während Island mit schönen Ballstaffetten brillieren konnte. Nach einer Abfolge von mehr als 10 Stationen war Sigthorsson auf Höhe der Strafraumgrenze frei und schloss das isländische Tiki Taka mit einem Flachschuss ins rechte untere Eck ab. Ein eigentlich schwacher Schuss, aber Gary Hart, Torhüter von Manchester City, fiel noch langsamer als eine Bahnschranke. Der Ball rutschte einfach mal so eben unter ihm durch zum viel umjubelten Führungstreffer für Island.
Was ging denn hier ab? Wir trauten unseren Augen nicht. Die Engländer waren vollkommen von der Rolle und brachten bis zur Pause nichts mehr zustande. Die Pfiffe der enttäuschten englischen Fans waren gegen Ende der Halbzeit lauter als die Jubelgesänge der Isländer. Zur Pause waren die Bierstände im Stadion garantiert gut besucht.
Hodgson brachte Jamie Vardy, den Shootingstar aus Leicester, nach der Pause. Ich sah da schon schwarz für die Isländer, zumal jetzt die Ausflüge in die englische Hälfte immer seltener wurden und die wenigen Chancen dann auch unkonzentriert vergeben wurden. Mit abnehmender Kondition traten ihre technischen Schwächen deutlich zu Tage.
Doch die Engländer konnten dies nicht nutzen. Total verstört spielten sie um den isländischen Strafraum herum und warteten auf eine Lücke, um die sich ergebenden Möglichkeiten dann um so kläglicher zu vergeben. Der völlig weggetretene Rooney wurde erst in der 87. Minute gegen das 18jährige Talent Rashford ausgewechselt. Erst da wurden sie gefährlich.
Rashford ging auch einfach mal rein in das Eins gegen Eins Spiel und riss dadurch Lücken in die ansonsten kompakte Abwehr der Isländer. Doch es war zu spät. Der Schiedsrichter pfiff ab und die Engländer blamierten sich bis auf die Knochen. Die Isländer dagegen jubelten ohne Ende und liefen sofort über den ganzen Platz zur Kurve mit den 3000 isländischen Fans, die das Glück hatten, für dieses historische Match eine Karte zu bekommen.
Sigurdsson, der Schütze des Ausgleichstreffers, hielt seine kleine Tochter im Arm, die gar nicht wusste, was dort eigentlich geschah. Den wohl schönsten Moment der gesamten Europameisterschaft, da lege ich mich jetzt schon fest und ändere nur bei Bedarf meine Meinung, hat meine Löwin leider nicht mehr mitbekommen, denn da war das Spiel schon ein paar Minuten vorbei.
Zusammen mit den Spielern führten die Zuschauer ihr "Haka"auf, mit dem sie nun schon im vierten Spiel ihre Mannschaft angefeuert hatten. Ich beschreibe es mal so: Hände und die Höhe und dann langsam rhythmisch klatschen, auf den Klatsch ein donnernd grollendes "Huh"dazu. Dabei wird das Ganze immer schneller, bis es sich in lauten Jubel auflöst. Wenn dies ca. 3000 besoffene Isländer machen und das dann noch so gut klappt, dann ist Gänsehaut garantiert.
Mal sehen, wie sich die Franzosen gegen die Isländer am Sonntag behaupten können. Ich glaube es zwar nicht, das die Isländer noch einmal so eine Energieleistung fertig bringen. Aber wer weiß...
Das ist das Faszinierende an diesem Spiel. Da schlägt ein eigentlich chancenloser Außenseiter voller Zweitligakicker und Spielern aus den skandinavischen Ligen die Millionentruppe aus England, die alle in der Premier League spielen und pro Woche mehr Geld verdienen als ein isländischer Profi in einem Jahr.
Und noch eins: Hier sieht man wieder mal, das die hohen Gehälter und Unsummen, die da nicht nur in der Premier League, sondern auch in der Bundesliga, Primera Division oder der Seria A verdient bzw. umgesetzt werden, mittlerweile in keinem Verhältnis mehr zur Leistung stehen. Geht ja auch nicht, weil die Unterschiede naturgemäß eher minimal sind.
Ein Allerletztes dann doch noch zu diesem Spiel: Der von mir an diesem Abend häufig gehörte hämische Vergleich mit dem Brexit, dem Votum der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union, ist vollkommen unangebracht. Denn außer im Fußball geht es der britischen Wirtschaft, die Finanzdödel in London mal außen vor, nicht so gut. Erst mit dem Austritt haben sie die Chance, wieder auf die Beine zu kommen.
Danke für den Schlußkommentar, Contramann. Wir geben nun ab zu den Nachrichten und verabschieden uns aus Paris. Wir freuen uns auf die Viertelfinals ab Donnerstag.

Sonntag, 15. Oktober 2023

Contramann: kurz gesehen im Oktober

https://www.neulandrebellen.de/2023/09/kuesse-und-andere-menschheitsverbrechen/
Während knapp über zwei Millionen Kinder im reichen Deutschland in Armut leben müssen, schießt unsere Regierung einen dreistelligen Milliardenbetrag in Rüstung und Waffen für die Ukraine, ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber das ist eben nicht so wichtig, denn der Präsident des spanischen Fußballverbandes hatte einer spanischen Spielerin bei der Gratulation zur unverhofften Weltmeisterschaft ungefragt auf den Mund geküsst. Das hat Roberto LaPuente wunderschön bissig beschrieben.
Damit wir uns nicht missverstehen: Der (mittlerweile ehemalige) Präsident des spanischen Fußballverbandes ist sicherlich ein übler Macho, aber f***en oder sonstwie erniedrigen wollte er die Spielerin sicherlich nicht. Auf alle Fälle aber scheint dies in unserer „woken“ Republik wichtiger zu sein als Folgendes:
In der Ukraine krepieren Menschen vollkommen sinnlos für die Interessen der USA und die satten Profite der westlichen Rüstungsindustrie. Dank russischer und jetzt auch westlicher Streumunition verzeichnet die deutsche Prothesenfirma Ottobock traumhafte Umsätze und bereitet den Börsengang vor. Allein von deren Gewinnen könnte man den ärmeren Bevölkerungsschichten (Kindern!) ein besseres Leben ermöglichen.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=103518
Lies Dir das durch und denk dann an die werte- und regelbasierte Weltordnung, mit der vor allem unsere Außenministerin argumentiert, wenn es gilt, China oder Russland in ein schlechtes Licht zu rücken.
Was eine werte- und regelbasierte Weltordnung genau sein soll, wird uns übrigens nicht erklärt. Nach dem tatsächlichen Handeln unserer Regierenden kann das ja nur die „Wokeness" sein; und natürlich die Beachtung der Menschenrechte. Den letzteren Punkt unterstütze ich gern.
Und was machen diese Chinesen? Definieren die Armutsbekämpfung einfach als Menschenrecht um und schreiben sich dies gar noch auf ihre Fahnen! Noch 1980 lebten 800 Millionen Chinesen in absoluter Armut. 40 Jahre später genießt selbst die Landbevölkerung in entlegenen Gegenden dank vom Staat neu gebauter und anfangs mietfreier Wohnungen einen wenigstens abgesicherten Lebensstandard.
Aber ich bin mir sicher, dass der gewöhnliche Mindestlöhner in Deutschland nicht auf diesen billigen Trick der Chinesen reinfällt und lieber für die Freiheit der Geschlechterwahl oder die Abschaffung von Folter und Unterdrückung von Minderheiten überall auf der Welt kämpft als zu fordern, dass der Staat bedingungslos den sozialen Wohnungsbau nicht nur fördert, sondern auch wirklich durchsetzt.
Und dann exportieren die Chinesen ihr Erfolgsmodell noch mittels der Belt and Road Initiative in die ganze Welt. Ach Leute, wo ist hier in Deutschland die politische Kraft, die erkennt, dass nur eine soziale Grundabsicherung - ich meine hier nicht das Bürgergeld auszahlen und dann sieh zu, wo Du bleibst - nicht nur die Menschenrechte, sondern auch den Klimawandel ermöglicht.

https://overton-magazin.de/kolumnen/der-baer-tobt/vom-tilburger-modell-bis-zur-enteignung-des-sozialen-eigentums/
Schön zusammengefasst. Die Privatisierungsorgien der öffentlichen Verwaltungen ab den 90er Jahren hatten zwar kurzfristig Geld in die leeren Kassen der öffentlichen Hand gespült, aber dafür wandern seitdem Gewinne aus sozialem Wohnungsbau, Bahn und Post oder auch Wasser- und Energieversorgern in die Privatwirtschaft.
Und in der Privatwirtschaft füllen diese Gewinne die Konten der Eigentümer und Aktionäre, während diese vorher unter öffentlicher Verwaltung zumindest zum großen Teil in die Aufrechterhaltung der Infrastruktur oder Verbesserung der Versorgung der Allgemeinheit geflossen waren.
Sicherlich ist das stark vereinfacht wie populistisch dargestellt, aber mit einer ausführlicheren Erklärung wenden sich die meisten Leser eher ab, weil sie das Thema langweilt. Vom „neuen Steuermodell“ samt Budgetierung, Controlling und der doppelten (kaufmännischen) Buchführung will selbstverständlich niemand etwas wissen.
Denn das kennt man aus der Privatwirtschaft.

https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/vier-frauen-auf-einem-boot/
Frau Faeser steht ja schon wegen der Entlassung von Arne Schönbohm, ehemals Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik, in der Kritik. Ihren Konkurrenten Boris Rhein von der CDU anlässlich der Landtagswahl in Hessen hatte sie per Wahlvideo in AfD-Nähe gerückt, zugegebenermaßen dieses aber schnell zurückgezogen.
Und bei der Bootspartie mit 3 SPD-Landesmüttern zur Unterstützung ihrer Ambitionen in Hessen nur weibliche Journalisten haben zu wollen (das nachgeschobene, gönnerhafte Dulden männlicher Journalisten klang eher fad), ist schon sehr abgehoben.
Meine Güte, solche Flachzangen wie Faeser bestimmen die Geschicke unseres Landes. Und zurücktreten ist auch nicht angesagt.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Samstag, 7. Oktober 2023

guterPlatzzumBiertrinken: Es ist heiß, Baby

Samstag 15. Juli. Endlich mal ein Wochenende ohne Termine, außer Doras Geburtstag am Sonntag. Der Wetterbericht sagte einen regenfreien Tag voraus. Kein Wunder, denn es wurden Temperaturen von um die 30 Grad Celsius im Schatten angekündigt.
Ich musste es also langsam angehen lassen, denn dank der momentan einzunehmenden Psychopharmaka fühlte ich mich sowieso schon schlapp. Hinzu kommt meine aktuell mangelnde Kondition, da ich mit der sportliche Betätigung in diesem Jahr bislang leider etwas nachlässig umgegangen war.
Nachdem ich mich reisefertig angezogen hatte, fehlte mir immer noch die Route der heutigen Tour. Mehr aus Zufall blickte ich auf das Festnetztelefon und stellte erstaunt fest, dass Dora Minuten vorher angerufen und eine Nachricht hinterlassen hatte. Herbert musste per Notarzt ins Krankenhaus verbracht werden, weil ihm am Bein eine Ader geplatzt war.
Sofort rief ich sie zurück; zum Glück wirkte sie am Telefon relativ gefasst und konnte auch schon wieder lachen. Eigentlich wollte sie nur erfragen, ob wir am Sonntag etwas eher kommen könnten. Von meiner Seite bestanden da keine Bedenken und ich kontaktierte umgehend meine Löwin. Nun war auch sie informiert und ich konnte endlich losradeln.
Als ich mein Fahrrad auf den Garagenhof geschoben hatte, schlug mir die Hitze wie ein Knüppel auf dem Kopf entgegen. Der Sound eines alten Prinz Buster Songs ging mir durch den Kopf. „Too hot, too hot. This town is too hot!" Wahrlich, es ist richtig heiß, Baby!
Heute würde ich keine große Runde drehen können, zumal die Temperatur über Mittag weiter steigen würde und es ab ca 16.00 Uhr stark regnen sollte. Eine Route, die ich eh nicht hatte, erübrigte sich demzufolge. Ich benötigte lediglich ein Bäckerei Café für ein schnelles Frühstück, wollte beimk örtlichen Buchladen Graff noch ein Buch für Herbert besorgen und abschließend Getränke für zu Hause einkaufen.
„Achtsam morden" von Karsten Dusse sollte es sein; dieser Roman wäre für Herbert jetzt genau der Richtige. Bei unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit, kräftiger Sonneneinstrahlung und leider nur selten wehenden wie kühlenden Wind bewegte ich mich Richtung Ringgleis. Ich hoffte, vielleicht in der Nähe des Europaplatzes beim B&B Hotel ein Frühstücks-Restaurant entdecken zu können.
Doch da hatte ich mich getäuscht, in der Beziehung ist die Gegend diesbezüglich tot. Zum Glück stellte dies für mich keinen Beinbruch dar und ich steuerte zielsicher die Innenstadt an. Das Café der Bäckerei Ziebart gegenüber von Graff würde mir genügen müssen, zumal ich dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte.
Jetzt erst einmal Frühstück

Frühstücken und das Buch kaufen, quasi an einem Ort. Zuerst das Frühstück. Zunächst sicherte ich mir einen zurückgezogenen Platz in der Nähe der Toilette, denn draußen bei der Außenbestuhlung knallte die Sonne auf die Tische und auch ansonsten liefen mir da zu viele Menschen vorbei.
Zum Frühstück mit Rührei und zwei Butterbrötchen wollte ich eigentlich diesen Text einsprechen, aber das schwüle Wetter mit der extrem hohen Luftfeuchtigkeit machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Da ich bei dem Biss ins zweite Brötchen bereits ordentlich abgeölt hatte, beeilte ich mich mit dem Frühstück und schloss dieses früher als gedacht ab.
Nur noch schnell zu Graff das Buch kaufen, danach über Rewe ab nach Hause. Ab Radeklint führte die Celler Straße ein ganzes Stück lang nur bergauf. Diese Steigung meisterte ich mit Ach und Krach im dritten Gang, was einen neuen Negativrekord für mich darstellen dürfte. Als ob mir einer den Stöpsel herausgezogen hatte. Nun ja: Es ist heiß, Baby.
Zu meiner „großen Freude" war der Rewe im weißen Ross wegen Umbauarbeiten geschlossen, so dass ich zum Rewe am Rudolfplatz eiern musste. Dieser Laden ist innen gut klimatisiert. Augenblicklich ging es mir erheblich besser. Ich konnte mir sogar vorstellen, den ganzen Tag dort drin zu bleiben.
nette Kopfbedeckung
Ich blieb natürlich nicht dort. Nachdem ich dort wie Falschgeld durch die Regale geschlendert war, bezahlte ich die von mir eroberten Getränke und sattelte mein Fahrrad für die Heimfahrt. Auf diesem letzten Teilstück quälte ich mich noch einmal besonders ab. Der Großvater war wieder unterwegs.
Zu Hause angekommen, musste ich mich erst einmal hinsetzen und danach eine kalte Limonade zu mir nehmen. Nebenbei füllte ich den Kühlschrank mit Getränken auf und holte sogar noch einen Korb mit Wäsche aus der Waschküche hinauf, was mir wohl meine letzten Kräfte geraubt haben dürfte.
In meinem abgedunkelten Zimmer aktivierte ich den Standventilator und machte es mir auf dem Schreibtischstuhl bequem. Die kühle Puste des Ventilators brachte mir einige Lebensgeister zurück, doch längst nicht alle. In kürzester Zeit zog ich einen Liter Limo weg und handelte mir einen Blubberbauch ein.
So langsam glaube ich, dass ich von meiner letztjährigen Covid Erkrankung einen bleibenden Schaden zurückbehalten habe. An dem heutigen Vormittag fühlte ich mich noch einmal schwerfälliger als in meinem vorangegangenen Urlaub, als ich bei vergleichbarem Wetter mit meiner Löwin 5 Tage bei Phil in München gewesen war und am Wochenende drauf in Lüneburg mit den Jungs von der BiRe abhing.
OK, es hat halt heute nicht sein sollen. Die nächste Tour wird länger. Es ist heiß, Baby!

Montag, 2. Oktober 2023

Die Clans des Alphamondes 2/2

2
Es gilt nun, den perfiden Plan der Menschen zur Annektierung des Alphamondes auf Kosten der Psychopathen zu durchkreuzen. Und die Lösung ist ebenso einfach wie genial: Die Gemeinschaft der Clans erklärt sich als unabhängiger Staat und bitte die Alphaner um Schutz. Jetzt endlich - ohne die Bevormundung durch den Wertewesten, äh Verzeihung Menschen - können die Psychopathen in Frieden leben.
Chuck und Mary Rittersdorf werden ebenfalls auf dem Alpha Mond verbleiben. Mary stellte im Lauf der Handlung fest, dass sie nicht manisch, sondern depressiv veranlagt ist und schließt sich der entsprechenden Gemeinschaft an. Chuck wiederum gründet seine eigenen Gemeinschaft der Normalos namens Jeffersontown. Lord-Flieh-den-Geiz und er sind die einzigen Bewohner. Ein Happy End also, für Philip K. Dick total untypisch.
Mein Lieblingsautor Philip K. Dick war beileibe kein Kommunist, auch wenn die CIA dies wohl spätestens in den 70er Jahren aufgrund seines Romans „Flow my Tears, the Policeman said" vermutet hatte.
Aber wie kein Zweiter war Dick schon zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit ein strenger Kritiker des hässlichen wie unmenschlichen „American Way of Life" gewesen. Auch in diesem Roman spießt er eine Eigenart der damaligen dekadenten amerikanischen Mittelklasse gnadenlos auf:
Dort gehörte es schon damals in den 60er Jahren zum guten Ton, zum Psychiater zu gehen. Und zu diesem Thema ist die Moral aus dieser Geschichte unzweideutig. Nicht die Verrückten sind das Problem, sondern die angeblich normalen Menschen. Und diese Ansicht unterschreibe ich auch sofort für die heutige Gesellschaft in Deutschland.
Die Psychopathen des Alphamondes sind schräg, aber dennoch liebenswert. So sieht der Paranoiker Gabriel Baines überall Gefahr und Verrat lauern, doch wenn er die dralle Poly Annette Golding erblickt, welche in ihrem krankhaft kindlichen Gemüt an einer Essstörung leidet, kann er seine Paranoia zurückstellen, weil er sie bedingungslos liebt.
Oder der zynische und äußerst aggressive Mani Howard Straw, der anscheinend jeden hasst, was ihn allerdings nicht davon abhält, für die gesamte Gemeinschaft in den Kampf zu ziehen.
Der scheinbar depressive Chuck Rittersdorf entpuppt sich am Ende als Normalo, seine starken Selbstmordgedanken und Mordgelüste konnte er mithilfe von Lord-Flieh-den-Geiz überwinden. Der ganymedische Schimmelschleim stellt sich hier als stabilisierender Faktor für Chucks temporäre psychische Dysfunktion heraus.
In diesem Roman nimmt Dick auch schon einen wesentlichen Aspekt von „Träumen Roboter von elektrischen Schafen?" vorweg. Das Simulacrum Daniel Mageboom erscheint menschlicher als seine Mitstreiter von der CIA. Überhaupt bleiben die Leute von der CIA, auch Mary Rittersdorf, äußerst blass in ihrer fehlenden Emotionalität.
Und nachdem ich „Die Clans des Alphamondes" nach bald 50 Jahren zum nunmehr zweiten Mal gelesen habe, sind mir auch die großen Parallelen zum politischen Geschehen in jüngster Vergangenheit aufgefallen. Ob in Syrien oder aktuell in der Donbas-Region - die jeweiligen Machthaber wandten sich an Russland als Hilfsmacht, weil sie sich vom Wertewesten in ihrer Existenz bedroht sahen.
Selbstverständlich standen schon 1964 Dicks Alphaner für die Sowjetunion; die perfiden Methoden der CIA dagegen, z.B. zur Einsetzung genehmer Despoten zur Wahrung US-amerikanischer Interessen, waren 1964 schon zur Genüge bekannt. Die McCarthy Ära war zu Ende gegangen und Kritik konnte nun in den USA wieder offen geäußert werden.
Rückblickend betrachtet halte ich die Sechziger und Siebziger Jahre für die wohl freieste und demokratischste Zeitspanne nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies führte zur Entspannungspolitik und damit zur Verbreitung des westlichen Freiheitsverständnisses auch in den Staaten des Warschauer Paktes.
Dieses Freiheitsverständnis, welches mir in meiner Schulzeit vermittelt wurde, stellt sich für mich zunehmend als hohle Phrase heraus. Denn je stärker die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA bedroht wird, desto aggressiver agieren die US-Amerikaner. Philip K. Dick war dies schon damals klar gewesen, nicht zuletzt bei „die Clans des Alphamondes" wird dies mehr als deutlich.
Bei dieser Rezension habe ich mich auf einige wenige Aspekte des Romans beschränkt. Die leicht angedeuteten PSI-Kräfte der Depris z.B. habe ich gleich außer Acht gelassen, da Dick dieses klassische Element der Science Fiction wohl nur schnell noch mal hinein geschrieben hatte, um beim damaligen Zielpublikum der Science Fiction Interessierten punkten zu können.
Wie also bei vielen Werken von Philip K. Dick üblich, geht der Autor mit der Vielzahl seiner Ideen äußerst verschwenderisch um. Moderne Autoren hätten aus diesem Material mehrere voneinander unabhängige Romane entwickeln können, zumindestens einen umfassenden Zyklus. Nicht so Philip K. Dick, der hatte dies nicht nötig.
Dem stand in seiner Wahnhaftigkeit eine überschäumende Fantasie zur Verfügung. Hierzu gehört auch immer wieder ein gewisses Deja Vu Erlebnis, wie wir alle es aus unserem Leben kennen. Als Bunny Hentman Chuck die Story des Mordes an seiner Ex vorschlägt, droht Chuck in ein tiefes Loch zu versinken, weil er genau dieses heimlich plant.
Ich werde „die Clans des Alphamondes" noch einmal lesen müssen, um die Komplexität der Story noch besser erfassen zu können. Ich hoffe, dies in weniger als 50 Jahren zu schaffen.

Samstag, 30. September 2023

Die Clans des Alphamondes 1/2

1
Einer meiner Lieblingsromane von Philipp K. Dick. Den hatte ich bereits vor bald 50 Jahren gelesen gehabt. „Kleiner Mond für Psychopathen" hieß die deutsche Übersetzung seinerzeit und wurde profan als Gesellschaftsatire angepriesen. Diese neue, mehr an das Original von 1964 angelegte Übersetzung wird der Intention des Autors eher gerecht.
Nach der alten Rückseitenbeschreibung erwartete man vielleicht einen lustigen Roman im Stile eines Robert Sheckley, der zu der Zeit eine große Popularität genoss. Doch die Schenkelklopfer oder den subtilen Humor von Sheckley sucht man hier vergebens. Im Gegenteil: Das Lachen bleibt einem eher im Halse stecken.
Der Simulacrum Programmierer bei der CIA Chuck Rittersdorf ist ein gebeutelter Mann. Nach der Scheidung hat sich seine Ex Mary alles unter den Nagel gerissen. Haus, Auto... alles weg. Chuck muss in einem heruntergekommenen Wohnblock einziehen und darf auch noch für den Unterhalt seiner Frau aufkommen. Also der Albtraum jedes Mittelklasse Amerikaners in den 60er Jahren. Philipp K. Dick selbst konnte ein Lied davon singen.
Doch natürlich ist Chucks Ex nicht dumm. Als Psychologin weiß sie, dass Chuck einen besser bezahlten Job braucht, um ihren extravaganten Lebensstil finanzieren zu können. Da kommt ihr der bekannte Fernsehkomiker Bunny Hentman, der dringend einen Gagschreiber braucht, ganz gelegen.
Hentman wiederum wird von der CIA der Spionage für die Alphaner verdächtigt. Mit dem Volk der Alphaner hatten die Menschen gerade einen interstellaren Krieg geführt. Der Frieden ist äußerst brüchig; schon allein deshalb drängt die CIA Chuck Rittersdorf zur Annahme des Jobs bei Hentman.
Und dann sind da noch zwei weitere Bewohner der Mietskaserne, die Chuck sowohl beraten als auch in ihrem Sinne beeinflussen. Hierbei entpuppt sich die Telepathin Joan Trieste gegen Ende des Romans als Spionin der Alphaner, die den Kontakt zwischen Chuck und Lord-flieh-den-Geiz, einem ganymedischen Schimmelschleim und damit auf der Erde ungern gesehenen Alien, vermittelt.
Joan Trieste kann den zutiefst frustrierten Chuck von seinen Selbstmordabsichten abhalten und Lord-flieh-den-Geiz schließlich überredet Chuck zur Annahme des Jobs bei Hentman. Und als Dr. Mary Rittersdorf im Auftrag der Regierung einen von den Menschen kontrollierten Mond im System der Alphaner aufsucht, um das Funktionieren der Selbstverwaltung der Kolonisten zu beurteilen, bekommt auch Chuck von der CIA einen besonderen Auftrag.
Er soll das Simulacrum steuern, welches von der CIA zur Begleitung und Kontrolle seiner Ex mitgeschickt wurde. Zur näheren Erklärung: Auf jenem Mond hatten die Menschen ursprünglich lediglich eine psychiatrische Anstalt untergebracht, normale Kolonisten wurden von den Alphanern nicht geduldet.
In den Wirren des Krieges brachen die Psychopathen aus der Anstalt aus und verteilten sich auf sieben Städte, welche jeweils die bekannten Persönlichkeitsstörungen wie Depri, Manische oder Paranoiker abbilden. Der Roman beginnt dann auch mit einem Treffen des Rates der sieben Städte, in welchem deutlich wird, dass sich die sieben Clans untereinander ablehnend gegenüberstehen.
Insbesondere Gabriel Baines, Delegierter der Paranoiker aus Adolfsville (sehr schön) und Howard Straw, Delegierter der Manis aus Da Vinci Heights, beharken sich voller gegenseitiger Abneigung. Falls Dr. Mary Rittersdorf nachweisen kann, dass die sieben Clans sich nicht selbst verwalten können, verlieren die Clans ihre Freiheit und könnten zur Erde deportiert werden. Die Menschen würden den Alphamond nun endgültig nach ihrem Gutdünken nutzen können.
Vor der drohenden Deportation stehend, finden die Clans auf rührende Weise zusammen und kämpfen mit ihren begrenzten Mitteln für die Erhaltung ihrer Freiheit. Doch auch Chuck möchte die Ziele seiner Ex durchkreuzen. Mit Hilfe des Simulacrums Dan Mageboom möchte er seine Ex-Frau umbringen. Diese weiß nicht, dass ihr Begleiter ein Simulacrum ist und schläft sogar mit ihm.
Chucks Job bei Bunny Hentman ist der eines Gagschreibers. Um das Chaos perfekt zu machen, soll Chuck für Hentman eine Gagserie schreiben, in der ein vertrottelter CIA Agent seine Ex-Frau mittels eines Simulacrums ermorden will.
Das ist zu viel für Chucks angeknackte Psyche. Er verrät Hentman an seinen Chef Jack Elwood. Im Gegenzug erhält er ein Raumschiff, mit dem er sofort seiner Ex zum Alphamond hinterher eilt, um den Mord persönlich ausführen zu können. Bei ihm sind die Reste von Lord-Flieh-den-Geiz, welcher bei einer Schießerei im Wohnblock zu Schaden gekommen war.
Nach der Landung auf dem Alphamond muss Chuck feststellen, das auch dort die Luft bleihaltig ist. Insbesondere die Manis von Howard Straw verspüren keine Lust, sich weiterhin von Dr. Mary Rittersdorf einseifen zu lassen, die mit dem von Jack Elwood gesteuerten Simulacrum durch die Gegend streift. Gegen einen drohenden Aufmarsch von Erdstreitkräften hätten sie keine Chance, doch diese nutzen sie und gehen aggressiv gegen das „Forschungsteam" der Erde vor.
Die Reste des Schimmelschleims wiederum können Lord-Flieh-den-Geiz erneuern und Chuck davon überzeugen, seine Ex nicht zu töten, weil dies schließlich seine Probleme nicht lösen würde. Aus der unübersichtlichen Situation auf der Mondoberfläche kann Chuck ins Raumschiff zu Bunny Hentman fliehen und wird dort über die politischen Zusammenhänge aufgeklärt.

Samstag, 23. September 2023

Warum spielt denn der Poldi nicht?

22
Mo. Immer noch 27. Juni

Aber kurz darauf war ich zu Hause und hocherfreut, das sie schon wieder besser laufen konnte. Das Punktieren des Knies hatte also schon etwas gebracht.
Wir saßen dann um halb sechs vorm Fernseher und damit vor Opdenhövel und Scholli. Italien gegen Frankreich stand an. Um 18.00 Uhr gab es also eine Wiederholung des letzten EM Endspiels, dies schon im Achtelfinale. Das versprach eine spannende Angelegenheit zu werden. Wir hofften auf das beste Spiel des bisherigen Turniers und drückten beide den Spaniern die Daumen.
Denn der Sieger würde auf Deutschland am Samstag treffen. Diese Paarung hatte meine Löwin schon einmal zu ihrer Geburtstagsfeier 1982 erlebt. Die Italiener gewannen damals das WM Endspiel mit dem legendären Dino Zoff im Tor. Mit 3:1 triumphierten sie seinerzeit die im ehrwürdigen Madrider Santiago Bernabeu Stadion.
Diese Historie ist nicht mein Beweggrund fürs Daumendrücken Richtung Spanien. Ich mag nur einfach die spanische Spielweise und den italienischen Catenaccio eben nicht. So hielten wir beide der „Furia Roja“ die Daumen und mümmelten das Mett und den Schinken nebenbei weg, während Opdenhövel und Scholli uns einstimmten. Die Italiener hatten wieder Buffon zwischen die Pfosten gestellt und traten mit Pelle und Eder im Sturm an. Bei den Spaniern gab es keine großen Veränderungen.
Pünktlich mit dem Anpfiff setzte erst einmal strömender Regen ein, der die Zuschauer auf den vorderen Plätzen von ihren Sitzen trieb. Die Wasserdusche war nach ca. einer Viertelstunde beendet, nicht aber die Angriffslust der Italiener. Denn die gingen sofort aggressiv gegen den Ball und müde wirkende Spanier. Zunächst sprangen hierbei zwar keine zwingenden Chancen heraus, aber wir hatten schon den Eindruck, das die Italiener nicht auf ein Elfmeterschießen spielten.
Anders die Spanier. Pomadig und vor allem behäbig schlichen sie über den Platz, als ob sie gestern mehrere Liter Tequila vertilgt hätten. Sie kamen nicht mal zum Tiki Taka, die Furia Roja war ein zahnloser Tiger, bei denen Fabregas, Busquets und vor allem Iniesta nicht ins Spiel fanden. Insbesondere Iniesta hatten die Italiener komplett aus dem Spiel genommen.
Bei Ballbesitz Spanien gingen die Italiener sofort ran und so war der Ball auch relativ schnell verloren. Die Spanier erspielten sich in der 1. Halbzeit nicht eine Chance und der ansonsten gute Torhüter de Gea zeigte sich reaktionsschnell auf der Linie bei einigen Weitschusses, bis er nach 30 Minuten einen Schuss der Italiener nach vorne prallen ließ. Chiellini war zur Stelle und drückte das Leder über die Linie.
Wer jetzt ein Aufbäumen der Spanier erwartet hatte, wurde mehr als enttäuscht. Dachten die etwa, die nun nötigen ein, zwei Tore gehen von alleine rein? Bis zur Pause hatten wir nicht den Eindruck, das die Spanier es eilig hatten. Der 35jährige Aduriz, den del Bosque kurz nach der Pause einwechselte, brachte dann etwas Leben in die Bude.
Immerhin zeigten sich die Iberer jetzt zielstrebiger und kamen auch zu einigen guten Chancen. So prüfte Sergio Ramos Buffon mit einem strammen Weitschuss, aber der Altmeister (38 Jahre) flog wie eine Katze in seinem 160sten Länderspiel für die Squadra Azzurra in die richtige Ecke. Bei den wenigen Kontern über die starken Pelle und Eder konnte sich de Gea mehrfach auszeichnen.
In der 91. Minute war es dann so weit. Pelle vollendete einen Querpass von Darmian zum verdienten 2:0. Die weit aufgerückten Spanier kamen da gedanklich schon nicht mehr mit. Überhaupt schien es so, das die Spanier nach einer langen Saison ausgelaugt waren und einfach nur noch urlaubsreif waren. Wie Piquet, der Ehemann von Shakira, in einigen Szenen zum Ball ging... Mannomann.
So werden wir am Samstag Italien im Viertelfinale gegen "uns"sehen. Die Spanier hatten wohl schon vorher geahnt, das sie, wenn sie gegen Italien gewinnen würden, gegen Deutschland eine ähnliche Klatsche wie die Brasilianer bei der letzten WM kriegen würden. Das wollten sie sich ersparen, die alten Herren. Damit dürfte Spaniens große Zeit auf Jahre hinaus vorüber sein.
Nach dem Spiel gab es noch die üblichen Interviews und Analysen, dann schalteten sie um ins Studio zu Bommes und.... Stefan Effenberg! Fast hätten wir den Tiger nicht wiedererkannt, aufgedunsen, wie er neuerdings aussieht. Ich tippte augenblicklich auf Cortison, meine Löwin konnte und wollte meinen Verdacht nicht ausräumen.
Sehr emotionslos gab Effe seine Kommentare zum letzten Achtelfinale England gegen Island ab. 7:0 oder 8:0 für die Engländer - so unsere Befürchtung. Irgendwann müssen die Isländer ja mal in die Knie gehen. Apropos Knie: Die Schmerzen zogen bei meiner Löwin schon wieder an, aber immer noch erheblich besser als am Vorabend.
Arnd Zeigler schaffte es dann kurz vor dem üblichen Prozedere, als da wären Rundblick ins Stadion, Mannschaftsaufstellungen und danach die Nationalhymnen, uns zum Lachen zu bringen. Er hatte Videos von Youtube herausgekramt, auf denen isländische Fußballspieler einige höchst amüsante Jubelposen vorführen. Bei den Varianten Angeln, Toilettengang und Ballgeburt brach meine Löwin in schallendes Gelächter aus. Das sich der isländische Pokalsieger bei der Siegerehrung mit Milch übergießt, hatte auch mich stark beeindruckt. Schade, das sie heute rausfliegen werden.

Sonntag, 17. September 2023

Contramann: kurz gesehen im September

https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/auf-der-reise-nach-nirgendwo/
Carola Rackete als Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl im nächsten Jahr. Nein, das ist kein Scherz. Ich empfinde es wirklich als sehr bitter, dass diese Lifestyle-Linke, die anscheinend immer noch an ihrer pubertären Rolle als Revoluzzerin festhält, jetzt für die Partei in den Ring steigt, die sich ursprünglich mal den Kampf um soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hatte.
Rackete selbst befürwortet den ökologischen Klassenkampf, aber sozial soll er sein. Ernsthaft? Wie bei den Grünen auch vernebelt das Geschwafel um den Klimawandel den Umstand, dass sich die „herrschende Bourgeoisie“ längst die Energiewende und umweltfreundliche Technologien auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Allein das Beispiel E-Auto: Da gibt es bald eine starke staatliche Förderung für E-Autobesitzer, die über ihre Photovoltaikanlage die Karre noch als Speicher nutzen. Die sprichwörtliche Verkäuferin bei Aldi hat davon nichts - im Gegenteil: Zu den immer teureren Mieten (nicht zuletzt dank der umweltgerechten Modernisierung) kommt der hohe Preis eines E-Autos, den sich die Verkäuferin einfach nicht leisten kann.
Wenn die Linke jetzt mit solchen Traumtänzern wie Rackete punkten möchte, treibt sie fatalerweise nur noch die letzten „Proletarier“ zur AfD.

https://www.telepolis.de/features/Stress-Existenzangst-Personalmangel-Immer-mehr-Beschaeftigte-psychisch-krank-9238986.html
Statt meines Geschreibsels hier eine Meinung aus dem Telepolis-Forum:
„Nach dem Krieg wirds wieder besser. Das langsame tröpfchenweise Erleiden von Begrenzung, Beengung, einschränken von kleinen und großen Freiheiten, die scheinbare Unmöglichkeit irgendetwas an seiner persönlichen Situation zu ändern ist eine große psychische Herausforderung für die meisten Deutschen.
Da haben sie klaglos unter Corona gelitten, alle Freiheiten ohne Gegenwehr sich nehmen lassen, haben in den Chor der Kriegstreiber miteingestimmt und gespendet, mit der Inflation 10-20 % ihres Einkommens an die tumbe Soldateka in der Ukraine geschickt. Und nun werden sie dafür mit Verarmung, drohender Arbeitslosigkeit und dem Verschwinden eines Gesundheitssystems, das aus babylonischer Sprachverwirrung zu bestehen scheint, aber nicht aus medizinischer Kompetenz, konfrontiert.
Stell dir vor, du hast Austauschschüler aus einem beliebigen Land Europas bei dir zu Gast, und sollst Ihnen erklären warum du auf dein heutiges Heimatland stolz bist?
Die innere Kündigung haben die meisten nicht nur in Bezug auf Ihren Arbeitgeber vollzogen, sondern auch dem Staat in dem sie leben ausgesprochen.“

https://www.manova.news/artikel/die-sandkastengesellschaft
Ein fantastisch guter Artikel, der mir aus der Seele spricht. Die infantile Neigung vieler Mitmenschen, es sich einfach zu machen und immer auf „die da oben“ zu vertrauen, damit man selbst nicht nachdenken muss, ist auch mir schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Das folgende Textzitat drückt es vortrefflich aus:
„Sechzigjährige Männer tragen Baseballkappen und knappe Shorts wie es auch pubertierende Jungs tun. Manager fahren im Anzug auf Elektrorollern herum und wirken dabei wie Kindergartenkinder. Mütter kleiden sich wie ihre Töchter. Frauen jenseits der Fünfzig nennen sich stolz „Mädels“. Bloß nicht in den Verdacht geraten, Verantwortung übernehmen zu müssen.“

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/ricardo-lange-an-pflegekraefte-kaempft-selbst-dafuer-nicht-ausgebeutet-zu-werden-li.379568
Richtig so! Dieser Aspekt des Personalmangels und der damit verbundenen Überlastung der Pflegekräfte sowie des entsprechend schlechten Services für die Hilfebedürftigen wurde bislang noch gar nicht ins Spiel gebracht. Doch das Dilemma lässt sich aber auch mühelos auf andere Bereiche – z.B. meinen Arbeitsbereich – übertragen.
Dieser Artikel ist leider hinter der Bezahlschranke verschwunden. Sei es drum, nur wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Von allein werden die Arbeitsbedingungen in den sozialen Berufen nicht besser werden. Vor allem eines sollte jedem uns bewusst sein:
Eine gute Versorgung im Krankenhaus oder im Pflegeheim ist für Jeden bei weitem wichtiger als eine gendergerechte Sprache oder die Bestrafung Putins um jeden Preis. Denn wenn DU! Oder DU! Oder auch DU! später im Altenheim liegst und der Pfleger Dein vollgeschissenes Bett nicht vor 5 Tagen sauber macht, dann ist es zu spät, sich für eine menschenwürdige Versorgung in der Pflege einzusetzen.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“




Dienstag, 12. September 2023

Hartmudo: Corona

Am Mittwoch, dem 06.09., war es wieder so weit: Mein Schnelltest auf Corona ergab einen positiven Befund. Der 6. September ist für mich ein wichtiger Tag im Jahr. Nicht nur, dass Pocke Geburtstag hat - der 6. September ist auch der Todestag meines Vaters. Und dieses Jahr jährte er sich zum dreißigsten Mal. Jetzt kommt Corona hinzu.
Das Ganze hatte sich schon vorher angekündigt, ich habe es nur nicht deuten können. Bereits in den Tagen zuvor klagte ich über Schmerzen im linken Oberarm, die ich mir nicht erklären konnte. Dass einer meiner Kegelbrüder gerade erzählt hatte, dass sich bei Männern ein Schlaganfall durch Schmerzen am linken Arm ankündigt, war auch nicht gerade hilfreich gewesen.
Denn ich hatte mich mal wieder sehr viel Stress aussetzen müssen. Ab Freitag, dem 8. September, war der nächste eineinhalb-wöchige Urlaub eingeplant und ausgerechnet jetzt wurde ich auf der Arbeit mit komplizierten und zeitraubenden Fällen überhäuft, nachdem ich zuvor wochenlang Vertretung für teils mehrere Sachgebiete an der Backe gehabt hatte.
Diesen Stress hatte ich dank geänderter, weil verspäteter Anfangszeiten im Büro gut abmildern können, dadurch aber den Freizeitstress erhöht. So war ich am Dienstag nach einem erneut anstrengenden Tag im Büro sofort und abgehetzt zum Geburtstag von meinem Großneffen Cedric geradelt. Dort saß ich teilnahmslos am Tisch und hatte keine Möge, mich an den Gesprächen zu beteiligen.
Weder mit meiner Nichte Gundula noch ihrem Mann Gerd, welche ich zu meinem Leidwesen auch schon seit längerem nicht mehr getroffen hatte, konnte ich eine längere Unterhaltung aufrechterhalten, weil ich einfach nur ruhebedürftig war. In der Nacht schlief ich dann nicht und musste den lange geplanten Teamtag am Mittwoch, an dem eine Schnitzeljagd durch Braunschweig mit dem Team aus meiner Arbeit angesagt war, absagen.
Die Nase und Nebenhöhlen waren komplett zu; ich musste meine Kollegas nun wirklich nicht anstecken. Zugegebenermaßen hatte sich meine Lust auf den Teamtag in sehr engen Grenzen gehalten, da ich ja ab Freitag in Urlaub zum Cousinentreffen nach Bremen fahren wollte und mir dieser Tag zum Abarbeiten meiner Post auf der Arbeit fehlte.
05. September gegen 16.00 Uhr

Aber gegen 16.00 Uhr an diesem Tag war eh alles Makulatur geworden. Nachdem ich bereits den ganzen Tag an leichtem Fieber (Höchstwert 38,4° Celsius) gelitten hatte, führte meine Löwin einen Corona-Schnelltest bei mir durch. Sie hatte noch welche aus ihrer Tätigkeit im Testcenter, die Haltbarkeit war mit Januar 2024 angegeben.
Und Voila! - keine 10 Sekunden nach Beträufeln des Messstreifens waren die markanten 2 rosa Streifen eines positiven Coronatests sichtbar geworden. Als erstes informierte ich meine Kollegas über die Whatsapp-Gruppe, danach kontaktierte ich Gundula. Aber wie war jetzt weiter zu verfahren, die Pandemie war ja für beendet erklärt worden?
Im Netz bekam ich über Google Aufklärung: Zum Hausarzt gehen und sich krank schreiben lassen. Isolation nach eigenem Ermessen - die Pandemie ist schließlich vorbei. Aktuell wird Corona wie eine Grippe gesehen. Keine Maskenpflicht, kein Abgrenzen von seinen Mitmenschen vorgeschrieben.
Erstaunlich. Noch vor einem Jahr war das Weglassen einer Maske noch ein Frevel gewesen und jetzt auf einmal ist alles easy, Baby. Ich als Kritiker der Corona-Maßnahmen müsste darüber eigentlich erfreut sein, bin es jedoch nicht.
So hatte ich schon spätestens seit dem Ende der Pandemie mitansehen dürfen, dass ausgerechnet die größten Befürworter der jahrelangen Zwangsmaßnahmen häufig dazu neigten, die Sicherheitsstandards zu vernachlässigen.
War jenen vorausschauenden Bürgern im Jahr 2020 noch der Schutz „vulnerabler Gruppen“ am Wichtigsten gewesen, so führen dieselben Leute heuer häufig keinen Coronatest mehr durch (kann vom Hausarzt angeordnet werden, kostet dann auch nichts). So gesehen nehmen diese Menschen stillschweigend die Weiterverbreitung des Virus in Kauf.
Nein, ich habe mich jetzt nicht vom Saulus zum Paulus gewandelt. Mich ärgert nur diese Scheinheiligkeit in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft. Ich hatte mich 3 Jahre lang trotz so mancher Bedenken an Isolationsvorgaben, Maskenpflicht und selbst einer Grundimpfung beteiligt, meine Bedenken aber auch öffentlich formuliert. Bis zu dem Zeitpunkt, als mir selbst von engen Bekannten blanke Ablehnung entgegenschlug.
Nach weiteren emotionalen Auseinandersetzungen bzgl. des Ukrainekriegs habe ich inzwischen politische Diskussionen weitgehend vermieden. Der erlittene emotionale Stress war ein zu hoher Preis für meine Offenheit gewesen. Seit längerem äußere ich mich lediglich online offen über meine Ansichten, mögen sie auch noch so bescheuert sein.
Zurück zur Aktualität. Am Donnerstag schrieb mein Hausarzt mich gleich für 10 Tage krank, wie es in der Pandemie nicht unüblich war. Passt einigen wahrscheinlich auch nicht, ich jedenfalls bleibe seitdem zu Hause. Meine Löwin hatte sich am Wochenende positiv getestet und am Montag eine Krankmeldung vom Hausarzt geholt, um ihre Krankheit dokumentieren zu können.
Und jetzt kommts: Der Diagnoseschlüssel J00G auf ihrer Krankmeldung bedeutet schlicht „Erkältungsschnupfen“. Hammer! Im Wartezimmer traf sie gleich auf 3 (!) Patienten mit positivem Coronatest, aber keine Panik! Die Inzidenz von 13 an diesem Tag in Braunschweig wird schon stimmen.
Um es kurz zu machen: In den Medien wird schon von einer neuen Coronavariante berichtet, der entsprechende Impfstoff soll seit Anfang September zur Verfügung stehen. Sollte die ganze Angelegenheit wieder in Richtung Impfpflicht eskalieren, haben meine Löwin und ich keinen Nachweis über die bald überstandene Infektion.
Wir wollen uns nicht mehr impfen lassen; ich für mein Teil habe diesen Text veröffentlicht, um meine Erkrankung wenigstens so dokumentieren zu können.
Gute Besserung Euch allen, die am „Erkältungsschnupfen“ leiden.

Sonntag, 3. September 2023

Hartmudo: Superwumms

13
Donnerstag, 02. Februar. Bereits zwei Wochen zuvor war ich das erste Mal beim Orthopäden gewesen. Und der hatte mir eingeschärft, dass ich mir möglichst schnell Termine bei der Krankengymnastik besorgen sollte.
Ähnlich hatten sich meine Löwin, meine Kollegas und auch meine Schwester Berta geäußert. Der Termin zur Abnahme der Gipsmanschette stand nämlich bereits zu diesem Zeitpunkt fest. Und da ich ja auch mit reichlich Zeit gesegnet war, machte ich mich bereits kurz nach dem Besuch beim Orthopäden auf die Socken.
Hierbei war mir eine kurze Erreichbarkeit wichtig , denn ich wollte nicht mit dem Bus durch die halbe Stadt fahren müssen. Als erstes versuchte ich es in der Hilde 27 - eine Empfehlung von Berta, weil sie dort auch ihr Yoga absolviert. Ich ging da gleich persönlich vorbei. Wie gesagt, ich hatte viel Zeit zur Verfügung.
Die Dame am Tresen hörte sich meine Geschichte in aller Seelenruhe an, um mir dann zu erklären, das gerade eine Mitarbeiterin gekündigt hatte und sich die Praxis augenblicklich außerstande sehen würde, einen neuen Patienten anzunehmen. Freundlicherweise empfahl sie mir eine Praxis in der Nähe des Amalienplatzes.
Doch da hätte ich ja gleich wieder - wie schon Jahre zuvor - ins Weiße Ross gehen können. Den weiteren Weg wollte ich möglichst vermeiden, obwohl mir meine Löwin mehrfach versichert hatte, dass Termine zur Krankengymnastik gewöhnlich schwer zu bekommen sind. Als nächstes versuchte ich es in einem Nebengebäude der Roggenmühle, wo seit kurzem eine ebensolche aufgemacht hatte.
Dort bot man mir auch sofort einen Termin an - Mitte März, kurz vor meinem Geburtstag. Das ging ja nun schon mal gar nicht. Sechs bis sieben Wochen, nachdem der Gips abgenommen sein würde, bräuchte ich auch keine Krankengymnastik mehr.
So ging ich denn in die Roggenmühle zur „Krankengymnastik Kreisel", der Empfehlung einer Mitbewohnerin im Haus. Und voila, genau hier hatte ich an diesem Donnerstag meinen ersten Termin von Sechs der vom Orthopäden verordneten Krankengymnastik. Dieser Termin war mit 13.00 Uhr etwas spät angesetzt, doch diesen hatte ich nehmen müssen, weil ich ansonsten etwas länger auf diese notwendige Anschlussbehandlung hätte warten müssen.
Daher verlief der Beginn dieses Tages „entspannt" wie an vielen anderen Tagen in dieser anstrengenden Periode meines Lebens auch. Nachdem ich mich mehrmals hin und her gewälzt hatte, weil ich keine Lust zum Aufstehen verspürte, quälte ich mich aus dem Bett und schlich zum Klo, danach ins Bad.
8 Uhr morgens, meine Löwin wartete schon, auf dass wir zusammen frühstücken könnten. Dies war die Zeit, in der „Watzmann ermittelt". Meine Löwin und ich liebten diese Vorabendserie der ARD und streamten diese aus der ARD Mediathek. Der grantelnde Kommissar mit seinem dunkelhäutigen Assistenten faszinierte und entführte uns in die wunderschöne Landschaft des Königssees bei Berchtesgaden.
Zwischendurch bemerkt: Am Geburtstag meiner Löwin Anfang Juli waren wir leibhaftig vor Ort. „Watzmann ermittelt“ war das Schöne an den frühen Morgenstunden dieser Tage, ansonsten ging es mir körperlich eher mies.
Zu der für mich ungewohnten morgendlichen Appetitlosigkeit gesellte sich eine bleierne Schwere, gepaart mit einem schwindeligen Gefühl. Besser kann ich es nicht beschreiben. Begleitet wurde das Ganze üblicherweise von verstärktem Grübeln.
Besser ging es mir erst, wenn ich mich ablenkte. Z.B, als ich meine Büchersammlung auf verzichtbare Exemplare durchforstete. Oder sonstwie abgelenkt wurde. Donnerstags war dies in der Regel das Begleiten meiner Löwin beim Einkaufen für zwei ältere Herrschaften im Rahmen der Nachbarschaftshilfe.
Doch hierzu später etwas mehr, wir waren bei der Krankengymnastik. Freudestrahlend ging ich den kurzen Weg zur Roggenmühle an diesem wunderschön sonnigen Wintertag. Endlich war ich ohne die Gipsschiene unterwegs.
Weil ich es bis hierhin nicht besser gewusst hatte, betrat ich das Gebäude über den hinteren Eingang und benutzte den Fahrstuhl, um im zweiten Stock vor der Praxis der „Krankengymnastik Kreisel" zu stehen.
Am Tresen meldete ich mich an, um dann geschlagene 20 Minuten im Wartebereich vorm Tresen auf die Therapeutin zu warten. Und nachdem mich die Therapeutin endlich abgeholt hatte, gingen wir über einen langen Flur in einen der Behandlungsräume. An einem kleinen und quadratischen Ikea Tisch hatte setzten wir uns gegenüber.
„Endlich" hatte ich die Gelegenheit, meine Krankengeschichte zum hundertsten Mal zu erzählen. Meine Therapeutin richtete ihr besonderes Augenmerk auf die Narbe am rechten Unterarm, unter der die Titaniumschiene verbaut ist. Schnell hatte sie die Stelle eingeölt und diese mit einem Narbenroller voller Enthusiasmus bearbeitet.
Die ca 20 Minuten verliefen angenehm und entspannt; gegen Ende folgten diverse Dehn- und Streckübungen. Kurze Zeit später hatte ich das Gebäude verlassen und durfte auf dem Nachhauseweg feststellen, dass sich die Beweglichkeit meines rechten Handgelenks tatsächlich enorm verbessert hatte.
Und dies bereits nach der ersten Behandlung. Auch nach den folgenden fünf Terminen bei der Krankengymnastik Kreisel durfte ich mich stets über Verbesserungen am Handgelenk freuen, wenn auch nicht so wie nach dem ersten Mal. Einzig die Unregelmäßigkeit der sechs Termine ging mir gegen den Strich.
Acht Tage Pause bis zum zweiten Termin, anschließend sogar 12 Tage bis zum dritten Treffen! Die Termine 3 bis 6 fanden dann innerhalb von zwei Wochen statt. Genau umgekehrt wäre es ideal gelaufen, doch ich war ja bereits froh gewesen, die Termine noch vor dem Sommer zu bekommen.