Sonntag, 30. Juli 2023

Hartmudo: Superwumms

10
Montag, 23 Januar. Das Wochenende hatte ich dann doch gut überstanden. Um 9 Uhr saß ich bei meinem Hausarzt, dieser hatte Verständnis für meine Situation und verordnete die von mir erwünschten Schlaftabletten, auf dass ich nachts zur Ruhe kommen möge.
Er empfahl mir den Besuch eines Spezialisten, sprich Psychologen, welcher die anschließende Behandlung mit mir abklären sollte. Egal ob Depression oder Angststörung, dazu ist mein Hausarzt nicht qualifiziert genug und verwies mich daher konsequent und richtigerweise an den Facharzt. Er schrieb mir noch die Telefonnummer einer Praxisgemeinschaft im östlichen Ringgebiet auf, die sich später allerdings weigerte mich zu behandeln, weil eine Ärztin dort aufgehört hatte und sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen würden.
Diese Auskunft erhielt ich telefonisch, worauf hin ich noch einmal die Sprechstundenhilfe meines Hausarztes bemühen musste. Auf diese Weise kam ein Termin in der Praxisgemeinschaft im Schlosscarree am 13. Februar zustande. Da würde ich also noch drei Wochen lang warten müssen.
Danach ging es direkt weiter bei meinem HNO Arzt. Zu Vitamin D3 oder dem Algenöl machte er diesmal zwar keine Aussagen, jedoch diagnostizierte er Polypen in meiner Nase. Die könne man operativ veröden oder entfernen... was für eine Horrorvorstellung!
Und dann hinterher mit einer tamponierten Nase rumlaufen, nein Danke. Mit einer tamponierten Nase lag ich bereits 21 Jahre zuvor im Krankenhaus; die Erinnerung daran ist keine gute. Ich erzählte dem HNO von meiner Abneigung und er lenkte dann auch unverzüglich ein.
Als Therapie verordnete er mir ein cortisonhaltiges Nasenspray (zweimal täglich) sowie Tabletten aus dem Reich der Homöopathie, welche wie Antibiotika wirken sollten. Nun denn. Wieder mal etwas Neues, es kam somit keine Langeweile auf.
Abends hockte ich spät bei Archer und fürchtete mich vor den Schlaftabletten. Was wäre, wenn ich dann doch aufwachen würde und anschließend nicht mehr einschlafen könnte? Dann wäre ich dank der Schlaftablette hundemüde und würde mich in den Tag hinein quälen.
Diese Angst lähmte mich zum Glück nur kurzzeitig und irgendwann schmiss ich eine Schlaftablette mit Todesverachtung und Schwung in mich hinein. No Way Back - ich legte mich hin, nahm meine Kneipp Baldrian und schlief nach kurzer Lektüre in meinem Buch ein.
Mittwoch, 25. Januar. Mein Orthopäde war gefragt. Er nahm mir Verband und Gipsschiene ab und konnte mir die erfreuliche Mitteilung machen, dass der Heilungsprozess gut verlaufen sei. Endlich mal etwas Positives von ärztlicher Seite, das war ich ja gar nicht mehr gewohnt. Und auch von der “Schnarchfront" könnte ich Erfreuliches vermelden:
Dank der Einnahme der Schlaftabletten ruhte ich nun bereits die zweite Nacht über 8 Stunden. Zwar schlief ich nicht durch, aber ich hatte in meinen kurzen Wachphasen kein Herzrasen und damit keine Probleme beim Wiedereinschlafen mehr.
In den folgenden Tagen schlief ich dann zwar wieder kürzer, aber die Wachperioden mit den inneren Kämpfen ums Einschlafen - verbunden mit düsteren Gedanken - blieben mir fortan zunächst erspart.
Lediglich das morgendliche Aufstehen fiel mir jetzt äußerst schwer. Dies erschien mir aber logisch, denn die beabsichtigte Wirkung der Schlaftabletten hörte natürlich nicht mit dem Aufstehen auf. Ich brauchte nunmehr mehr als eine Stunde, in der ich dumpf und fahrig durch die Wohnung schlich oder mit meiner Löwin frühstückte.
Meine Konzentrationsfähigkeit ging in den Keller und auch sonst fragte ich mich, ob das jetzt bis an mein Lebensende so weitergehen würde. Erst im weiteren Verlauf eines Tages ging es mir wieder besser bis hervorragend, vereinzelt war ich sogar gut gelaunt.
Auch fing ich in diesen Tagen an, meine Löwin bei ihrer Tätigkeit für die Nachbarschaftshilfe zu unterstützen. Also an den Donnerstagmorgen, wenn sie für 2 ältere Herrschaften bei Kaufland oder Aldi einkaufen fuhr. Hier machte ich sehr schnell die überaus angenehme Erfahrung, dass ich mich an der frischen Luft außerhalb der Wohnung schlagartig besser fühlte.
Diese erfreuliche Erkenntnis sollte sich später als Schlüssel zur Beendigung meiner mentalen Talfahrt herauskristallisieren.
Samstag, 28. Februar. An diesem Abend stand das Weihnachtsessen 2022 unseres Kegelvereins bei Ralle und Josie in Wolfenbüttel an. Mary und Charles holten mich am frühen Abend von zu Hause ab. Meine Löwin musste hingegen passen, weil sie bereits seit Tagen ein unangenehm heftiger Husten quälte.
An den vorangegangenen Tagen nächtigte sie sogar auf dem Sofa im Wohnzimmer mit aufrechten Oberkörper, weil sie es im Liegen schon gar nicht mehr aushalten konnte. Dass ich anlässlich des Malheurs meiner Löwin den gewohnten Pfad einschlug und meine Paranoia herausholte, dürfte niemanden überraschen.
Da hatte ich dank des leicht verbesserten Schlafverhaltens einen kleinen Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels erlebt, aber nun befürchtete ich eine Ansteckung durch meine Löwin. Die Gelegenheit für mich also, an der Paranoia Schraube zu drehen und mich in meinem Elend zu suhlen.
„Warum immer ich" jammerte ich den ganzen Samstag über. Meine heutige (4 Monate später) Antwort darauf: „Weil ich doof bin. Weichei! Wärt es doch erst mal ab - Aber nein! In meinem Elend fühl ich mich wohl. Dabei habe ich doch gedient. Reiß dich zusammen, Du Arsch!"

Sonntag, 23. Juli 2023

Warum spielt denn der Poldi nicht?

20
So. Immer noch 26. Juni

So sah Bela Rethy z. B. kein Foul und erst recht keine gelbe Karte, weil Hummels zuerst den Ball getroffen hatte. Dabei rutschte er mit ausgestreckten Beinen vorneweg, ohne Rücksicht auf die Gesundheit des Gegners, in diesen hinein. Patriotismus ist ja schön und gut, aber bei so einer klaren Angelegenheit wie in diesem Spiel kann man auch mal objektiv bleiben, das erwarte ich eigentlich von einem hochbezahlten Starreporter.
Immer noch drückend überlegen, spielte das deutsche Team fleißig weiter auf ein Tor. Erst nach über einer halben Stunde kamen die Slowaken zu einem schönen Kopfball, den der ansonsten beschäftigungslose Manuel Neuer sicher herunterpflückte. Dann, kurz vor der Pause, war es Mario Gomez, der nach toller Vorbereitung durch Draxler das 2:0 markierte.
In der Pause war es wieder mal Zeit für die Experten. Sebastian Kehl halte ich zwar nach wie vor für Sympathico, sehe ihn aber nicht als Hochkaräter wie Titan Kahn. Sicherlich brauchten sie ein Dortmunder Gegengewicht, soll ja immer alles schön ausgewogen sein.
Felix Neureuther war auch da. Ein Hochkaräter, aber kein Fußballer. Die Auflösung dieses Mysteriums dann noch vor dem Anpfiff. Da zeigten sie uns - Welke, Du Fuchs! - ein Video von Neureuther und Schweinsteiger als Kinder beim Skifahren. Die beiden waren schon als kleine Buben zusammen am Spielen. Mensch, schau an, der Basti!
Da war meine Löwin baff, damit hätte sie nicht gerechnet. Die Äußerungen zum Spiel sehen wir dem Sohn von der Rosi und dem Christian mal nach. Aber einen Spruch von ihm fand ich dann doch gut, weil es selbstironisch und witzig war: "Der Basti hätte beim Skifahren mehr Geld verdienen können. "Wer es glaubt...
Nach der Pause war von einem Aufbäumen der Slowaken nichts zu erkennen. Immerhin standen sie hinten jetzt etwas sicherer, aber offensiv brachten sie nichts zustande. So war es Draxler in der 63. Minute vorbehalten, das 3:0 in einer artistischen Bewegung zu erzielen. Ich glaube die Figur heißt beim Yoga Kranich.
Als dann kurze Zeit später auch noch Podolski für den überragenden Draxler kam, skandierten die deutschen Zuschauer dessen Namen. Der Mann ist schließlich Kult.
Im Vorfeld der EM wurde häufig geargwöhnt, das Jogi Löw den Podolski nur mitgenommen hat, damit er die Mannschaft zusammenhält. Auf Deutsch: Als Pausenclown. Dem widersprach Poldi vehement und nun war seine Stunde gekommen. Da meine Löwin und ich von ihm in den knapp 20 Minuten, die er auf dem Platz stand, nur Fehlpässe sahen, können wir nicht glauben, dass ein weiterer Einsatz von Poldi sinnvoll wäre.
Auch Schweinsteiger durfte noch mal rein, aber es blieb bis zum Schluss beim 3:0. Ein Sieg, der in keiner Phase des Spiels gefährdet schien. Das sahen die Studiogäste Kehl und Neureuther ebenso. Stanislawski mit seiner Konfirmantenkrawatte sowieso. Überhaupt Stanislawski:
Seine Sprüche kommen immer lockerer rüber und im Zusammenspiel mit Welke und Kahn setzt er ganz klar ein Highlight in der diesjährigen Berichterstattung. Trotz Mehmet hat die ARD da das Nachsehen, zumal sie Delling an der falschen Stelle eingesetzt haben. Im Mannschaftsquartier braucht es keinen Reporter, das will heutzutage keiner mehr wissen. Und Arnd Zeigler ist zwar toll, passt aber nicht rein.
Der Holger wird immer besser, wenn ich bedenke, das er nach seinem Scheitern in Hoffenheim und Köln als Trainer aufhörte, um in Hamburg einen Rewe Markt zu leiten. Respekt! Sein bester Spruch war ganz am Ende des Abends sein Kommentar zum belgischen Star Eden Hazard: Der fängt nen Zebra auch mit der Hand ein.
Quadratisch, praktisch, gut. Weiter so, Stani. Geh nicht als Trainer nach Nürnberg, bleib beim TV. Eventuell sogar mit Arnd Zeigler eine eigene Sendung machen, das stelle ich mir gut vor. Oder den Dienstags Fußball Talk auf Sport 1 leiten. Live aus der 11 Freunde Bar in Essen. Dann würde ich mir das sogar ansehen.
21.00 Uhr. Den Tsaziki mit extra frisch hineingeschnippeltem Knoblauch hatte ich in der zweiten Hälfte unseres Sieges gegen die Slowakei eingeatmet; pünktlich zum nächsten Spiel ploppte ich das nächste Pils auf. Ungarn gegen Belgien versprach, das beste Spiel des Tages zu werden.
Die ersten beiden Spiele waren ja schon sehenswert, aber jetzt erwarteten wir eine spannende Auseinandersetzung. Die Ungarn hatten in der Vorrunde beeindruckt und die Belgier haben bekanntlich als Weltranglistenzweiter das Potenzial zum Titel, zeigten es bisher aber nur noch nicht. Wie jede gute Turniermannschaft halt.
Auch hier gleich das frühe Tor. Nach 10 Minuten köpfte der belgische Innenverteidiger, dessen Namen ich mir nicht merken kann, den Ball nach schöner Hereingabe von De Bruyne in die Maschen. In der Folge lag es nicht nur an Kiraly, dem ungarischen Torhüter mit der kultigen grauen Jogginghose (von Kik?), dass die Belgier ihre Führung nicht ausbauen konnten. Nein, sie verballerten einfach klarste Gelegenheiten und so blieb das Spiel lange Zeit spannend.
Denn spätestens in der zweiten Halbzeit wurden die Ungarn mutiger und waren mit ihren Distanzschüssen stets gefährlich.
Erst in der letzten Viertelstunde brachen sie ein und kassierten noch 3 Treffer. Hierbei zeigte sich der belgische Superstar Eden Hazard von seiner Schokoladenseite, bereitete ein Tor vor und machte eine Bude selbst. Da waren die Ungarn wohl auch schon stehend k.o. und hatten sich mit dem Ausscheiden abgefunden. Das Fazit dieses 4:0 für die Belgier kann nur lauten, das sie unschlagbar sind, wenn man ihnen zu viel Räume gibt. Sie tun sich schwer, wenn sie das Spiel selbst machen müssen.
Dennoch sehe ich sie im Halbfinale, mindestens. Um die Ungarn ist es schade, zumal sie in der Vorrunde frisch nach vorne gespielt hatten. Als eine von wenigen Mannschaften übrigens. Aber das reicht halt nicht, spätestens im Viertelfinale wären sie weg gewesen.
Ich leerte in meinem Büro noch ein Pülleken Wolters und hörte dazu frühe Aufnahmen der Undertones. Morgen ist wieder Montag und Arbeit angesagt. Nicht mit Bus und Bahn werde ich fahren, sondern mit dem Auto, da ich meine Löwin ganz früh um 8.00 Uhr zum Arzt fahren muss. Die Schmerzen im Knie waren jetzt immer schlimmer geworden.

Montag, 17. Juli 2023

Contramann: kurz gesehen im Juli

Am 6. Juni wurde eine Frau wegen „Billigung des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine“ zu einer Geldstrafe von 90,- € verurteilt. Die Frau gab an, am 8. Mai „wie jedes Jahr den Sieg über den Faschismus gefeiert zu haben.“ Zudem hatte sie wohl noch das Vorgehen Russlands als „alternativlos“ bezeichnet.
Die Urteilsbegründung, die Frau habe einen „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg unterstützt“, ist ja schon mal formaljuristisch mehr als fragwürdig. Dieser Vorwurf wäre wohl doch höchstens dann gegeben, wenn die Frau zur Tötung von Ukrainern – sie ist selbst Ukrainerin - aufgerufen hätte. Und eine „Unterstützung“ setzt ein aktives Handeln voraus, eben nicht eine bloße Meinungsäußerung. Auch hatte sie ihre ukrainischen Landsleute weder rassistisch beleidigt noch als Untermenschen bezeichnet.
Letzteres ist ja bekanntlich eine typisch deutsche Spezialität. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn man die Meinung dieser Frau verteufelt. Kann sich ja jeder seine eigene Meinung zum Krieg in der Ukraine bilden.
Aber die Tendenz, von der Mehrheit abweichende Meinung zu verunglimpfen oder nun gar zu kriminalisieren, ist ja spätestens seit „Corona“ zum Standard geworden. Für mich ist es immer wieder erschreckend feststellen zu müssen, dass ansonsten hochintelligente Menschen einfach den Mainstream von Spiegel, TAZ oder Tagesschau unreflektiert nachplappern.
Nun gut, dann sind diese Leute halt doch nicht intelligent. Jedoch gruselt es mich, dass wir medientechnisch im Moment offenbar von der Spätphase der Weimarer Republik blitzschnell ins 3. Reich übergewechselt sind, nun auch von Gerichten wohlwollend begleitet.
Merkwürdigerweise haben Medien und Gerichte während der Golfkriege (Der Irakkrieg gilt bei den meisten Völkerrechtlern und Historikern wegen der Bestimmungen der UN-Charta und dem fehlenden UN-Mandat als völkerrechtswidriger, illegaler Angriffskrieg) nicht so „entschlossen“ reagiert. Wäre ja auch gegen die USA gegangen.

https://www.focus.de/politik/deutschland/der-schwarze-kanal-jan-fleischhauer-ihr-spinnt-ja-wohl-voellig_id_195936437.html
Fleischi, mein neuer (momentaner) Held. Nachdem politische Satire a la Anstalt oder Mitternachtsspitzen zum Sprachrohr der herrschenden Elite (ökologisch angehaucht hinter dem Steuer eines Elektro-SUV) verkommen ist, sind Konservative wie Jan Fleischhauer die neuen Freiheitskämpfer geworden.
„Wenn die Grünen an Einwanderung denken, dann denken sie an die junge Frau mit Migrationshintergrund, die eine Kolumne in der „taz“ unterhält und bei der Böll-Stiftung beredt über den latenten Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft referiert.“
Dem Fleischhauer geht das Gemache um die korrekte Bezeichnung (oder auch Nichterwähnung) von Migranten in einem Tweet der Zeit gehörig auf den Senkel; ich kann mich dem nur anschließen.
Dieses Bild von arabischen Migranten, die mit Vollbart im BMW sitzen und den Motor wie die Stereoanlage bei offenem Fenster aufröhren lassen, um sich als Macker präsentieren zu können, empfinden viele Wohlstandsleute als diskriminierend.
Für mich als in Salzgitter Beschäftigter steht allerdings fest, dass genau dieses Klischee die Realität korrekt abbildet. Schlimm finde ich, dass man dank der „Tugendwächter“ dies wohl nicht aussprechen darf, weil man andernfalls in die rechte Ecke gestellt wird.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“






Montag, 10. Juli 2023

Hartmudo: Scheiß Urlaub 3/3

3
Eine Stunde vor Schluss brachte ich vorsichtshalber die Ausgangspost weg; auch um zu gucken, ob nicht noch etwas Post angekommen war. Und - wir sind immer noch bei Murphy's Law - dummerweise hatte der Postbote noch einigen Nachschub für mich geliefert. Zwar keine umfangreichen Sachen, aber knapp wurde es trotzdem.
Das ausgerechnet jetzt die Anwendung immer langsamer lief, passte dazu und steigerte meine ausgesprochen „gute Laune“. Um 14:57 Uhr fuhr mein Bus, die letzte Post für den Ausgang schnappte ich um 14.49 Uhr zum Wegbringen. Mütze aufsetzen, Weste anziehen, Laptop ausschalten und die Aktentasche schon mal auf den Stuhl vor der Tür abstellen - auf dem Weg zum Postzimmer war das alles eine fließende Bewegung.
Barfuss am Vormittag
Eigentlich wollte ich vor der Busfahrt noch schnell pinkeln, das konnte ich jetzt aufgrund der knappen Zeit knicken. Hierüber war ich natürlich mehr als verärgert. Diese unnötige Hektik kurz vor dem Urlaub, gepaart mit dem „warum passiert das immer nur mir" - Feeling a la Bruce Willis, wollte ich doch hinter mir haben.
Doch ich kam nicht dagegen an und astete zügig bei schwülem Wetter über den Parkplatz zur Bushaltestelle. Denn der Bus nach Braunschweig fährt nur alle Stunde, ansonsten hätte ich eher ruhig weiter gearbeitet, um stressfrei in den Urlaub zu starten.
Kurz vor der Bushalte angekommen, erkannte ich die 620 in 500 Meter Entfernung. Topp!!! Ich griff schon mal zum Handy, um das digitale 49 €-Ticket vorzubereiten. Aber wo war mein Handy? Im Büro war mein Handy! Na super, das war es mit dem Bus. Sofort sackten meine Schultern runter und ich trottete wie ein begossener Pudel ins Rathaus zurück.
Positiv denken, Alter! Wenigstens hatte ich jetzt genügend Zeit fürs Pinkeln. Mit in Falten gelegter Stirn und einem Gesichtsausdruck, bei dem man mich lieber nicht ansprechen sollte, holte ich das Smartphone aus dem Büro und ging sofort in Richtung Bahnhof - ohne zu pinkeln!
Denn ich hatte mir einen genialen Plan überlegt: Im Cafe Extraschicht würde ich ein Bier trinken und dazu die Story, die Du als Leser gerade vor Dir hast, ins Smartphone einsprechen. Mit erheblich besserer Laune stürmte ich ins Cafe Extraschicht, schmiss die Jacke auf eine Bank und setzte mich erstmal in die Toilette ab. Endlich hatte ich die Zeit dafür gefunden.
Und dann aber! Ein großes Bier, ein Jägermeister und ab ging die Luzie. Nach dem ersten Schluck schaute ich mich im Café um, wo ich einer der jüngeren Gäste war. Hier sah ich nur Deutsche - Arier welcome.
Ja, das klingt übel, aber der muslimische Bevölkerungsanteil in Salzgitter ist mit Neukölln durchaus vergleichbar und damit zum Bundesdurchschnitt überdurchschnittlich hoch. Und Muslime saufen bekanntlich nicht, von daher…
Jedenfalls kam ich mit dem Text sehr gut voran und hatte am Ende der nächsten Runde sogar noch Zeit, um mir vom Bäcker noch feste Kohlenhydrate für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren. Nach zwei Bier, zwei Jägermeistern war ich doch schon etwas angeschiggert und aufs Franzbrötchen und Schokocroissant angewiesen.
An der Bushalte wartend, packte ich den MP3 Player aus und vergrub die Kopfhörer in meinen Ohren. Gleich als erstes ertönte „Mother Night" von Family 5 - jau! „Nach all den Jahren, merkst Du, dass Du zu viel nachdenkst. Es ist doch egal warum, geht es Dir gut, dann geht's Dir gut!" Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass Peter Hein die Songs geschrieben hatte, welche mich bei dunklen Stimmungen aus der Lethargie zu reißen vermögen.
Im Bus sitzend, griff ich gar nicht erst zum Buch, sondern lauschte weiterhin den alten Songs. Leider verspürte ich einen starken Harndrang und überlegte schon, ob ich zwischendurch aussteigen sollte, obwohl ich dann nochmals eine Stunde verlieren würde. Doch ich blieb sitzhaft bis zur Endhaltestelle auf der Wilhelmstraße, wo ich mich zur Weiterfahrt nach Lehndorf zum Rathaus begeben musste.
Bei Burger King wollte ich kurz snacken und die Toilette aufsuchen. Gut gelaunt und von der Musik beflügelt, stand ich sogleich vor dem dummerweise geschlossenen Burger King. Wasserschaden dank des Unwetters am Vorabend - stimmt, das hatte ich ja live miterleben dürfen. Also Kaffee bei Steinecke. Ein kurzes Stück weiter.
Doch als ich dort die Tür öffnete, kam mir die Verkäuferin schnurstracks entgegen und machte mir diese unmittelbar vor der Nase zu. „Wir schließen gleich", rief sie mir noch entgegen. „Na toll, das hört heute ja gar nicht mit dem Pech auf", dachte ich noch.
Fruststopper
Wenigstens ließ ich mir nun die Laune nicht mehr verdrießen und ging weiter ins Lindi. Bier bestellen und Pinkeln gehen war eine einzige wie grazile Bewegung. Mit dem Bier setze ich mich nach draußen, schaute dem Treiben auf der Straße zu und sprach meinen Text weiter ein.
Vollkommen entspannt bestieg ich kurze Zeit später den Bus nach Lehndorf und machte es mir erst einmal bequem. Da hatte ich an den letzten beiden Arbeitstagen einen so üblen Nerv mitmachen müssen und den Urlaub schon verflucht gehabt. Scheiß Urlaub - in der Tat! Sind ja auch voll gepackt mit Aktion, diese zweieinhalb Wochen.
Die Tagestour in der Eifel, der Besuch bei Phil und Candela am Wochenende drauf und zum Abschluss noch die BiRe nach Lüneburg. Nach Erholung klang das nicht, eher nach gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Aber scheiß drauf, dank der Musikdusche hatte ich an den beiden letzten schlimmen Tagen meine Stimmung ins Positive ziehen können. Zugegebenermaßen war da auch Alk im Spiel, den sollte ich vielleicht mal bei vergleichbaren Situationen in der Zukunft weglassen.
Aber so lange ich wenigstens noch im Nachhinein über die vielen Misslichkeiten des Lebens lachen kann, ist Polen nicht verloren.

Sonntag, 2. Juli 2023

Hartmudo: Scheiß Urlaub 2/3

2
Das hatte ich dieses Jahr vermisst: Mukke über Kopfhörer und dazu ein Pils. Xao Seffcheque war ja in dieser Woche verstorben und die Aggressivität von Family 5 war genau der richtige Skill für diesen beschissenen Tag.
Bereits in der Vergangenheit hatte ich nach unschönen Erlebnissen oder Tagen dank Pils und Family 5 meine Gemütslage ins Positive verschieben können. Wie befreit machte ich hinterher gegen 1 Uhr das Licht aus, den verkürzten Schlaf nahm ich hierbei gerne in Kauf.
Umso mehr überrascht war ich am Freitag morgen, da ich doch wieder vor dem Wecker von alleine aufwachte. Da hatte mich das Mucke hören trotz des verkürzten Schlafzyklus doch mehr erfrischt, als wenn ich grübelnd rechtzeitig ins Bett gegangen wäre.
Mein Ärger und die Frustration vom Vortag waren vergessen. Gut erholt machte ich mich auf dem Weg zur Bushaltestelle, den letzten Arbeitstag vor dem Urlaub vor Augen. Um 8 Uhr würde ich im Büro sein, kurz vor 14 Uhr dann gehen und in den laut meinem Teamleiter Buck wohlverdienten zweieinhalb wöchentlichen Urlaub starten.
So der Plan, als ich bei leichtem Nieselregen die Haltestelle in der Hildesheimer Straße erreichte. Vorsichtshalber checkte ich in der DB App die Zugverbindung. Und siehe da: Der aktuelle Zug nach Lebenstedt war bereits ausgefallen und für die weiteren Züge wurde eine Warnung wegen Unwetterschäden ausgeworfen. Man sollte sich kurz vor Abfahrt informieren, das kannte ich bereits zu Genüge.
Augenblicklich wurde mir bewusst, dass ich jetzt mit dem Bus nach Salzgitter fahren musste, weil der wenigstens fuhr. Glücklicherweise konnte ich so schnell reagieren, da ich die in Frage kommenden Busverbindungen mittlerweile ziemlich gut kennenlernen durfte.
Am Cyriaksring blieb mir viel Zeit zum Umsteigen und ich setzte mich ins Wartehäuschen beim Arbeitsamt auf die Bank, um mit der Linie 620 die Fahrt in Richtung Lebenstedt fortsetzen zu können. Dieser Bus würde zwar eine Stunde benötigen, aber ich wäre immer noch um 8 Uhr im Büro erschienen. Also alles im Plan soweit.
Nach knapp über 10 Minuten Wartezeit stieg ich in den Bus und setzte mich in eine freie Reihe, packte mein Buch aus und fing an zu lesen. Der aktuelle Brandhorst ist ab Seite 100 richtig fesselnd ausgefallen und so saugte ich den Inhalt gierig in mich auf.
In Thiede bemerkte ich zu meinem Leidwesen aus den Augenwinkeln, dass eine Menge Teenager in den Bus einstiegen, die offensichtlich nach Lebenstedt ins Gymnasium unterwegs waren. Immer diese Oberschüler, dachte ich noch, als mich urplötzlich eine starke Unruhe übermannte.
Der Bus war nicht in Richtung Lebenstedt, sondern vielmehr nach Wolfenbüttel unterwegs. Meine Güte, ich hatte vollkommen aus den Augen verloren, dass der Bus ab Thiede immer zwischen Lebenstedt und Wolfenbüttel als Endziel wechselt. Dank Murphy's Law reiste ich jetzt mit den Oberschülern nach Wolfenbüttel.
Aus der Not eine Tugend machend, behielt ich Ruhe und Übersicht. An der Endhaltestelle Kornmarkt angekommen, hatte ich noch eine 24-minütige Wartezeit auf die 630 nach Lebenstedt vor mir. Da ich noch genügend Zeit hatte, zog ich mir beim Altstadtbäcker Richter einen Kaffee und Brötchen, bloß um anschließend beim Schlachter Leberwurst und Schweinebratenaufschnitt einzusammeln.
Kornmarkt Wolfenbüttel morgens Halb Acht
Meine Ankunftszeit im Büro verschob sich ergo weiter nach hinten, da wollte ich mir dort wenigstens ein Schlemmerfrühstück gönnen. Jetzt bloß nicht wieder ins Ärgern und Grübeln verfallen, irgendetwas Positives musste ich ja dem ganzen Pech entgegensetzen. Wobei…
Diese Tour nach Wolfenbüttel war eindeutig mein Fehler gewesen, da ich mir den Fahrplan wohl doch nicht richtig ins Gedächtnis gerufen hatte. Als der Bus dann endlich kam, setze ich mich entspannt hin, ohne in meinem Buch zu lesen.
Entspannt lehnte ich mich zurück und dachte an den noch weit entfernten Feierabend sowie den dann beginnenden Urlaub. Endlich, um 8:30 Uhr, saß ich an meinem Schreibtisch und schnitt das erste Brötchen auf.
Ein normales Brötchen mit vegetarischer Curry Creme und darauf eine Scheibe Krustenbraten mit Jus - lecker! Leider war ich zu meinem Verdruss auf dem Parkplatz vor dem Rathaus in eine Pfütze getreten, weshalb ich in meinem Büro als erstes Schuhe und Socken auszog und in der Folge den ganzen Vormittag barfuß über den Flur laufen musste.
Passenderweise hatten meine Löwin und ich am Vorabend „the Consultant" abgeschlossen gehabt. In dieser tollen Serie liefen am Schluss auch alle barfuß durch die Firma; und auch bei mir im Rathaus lief ja bekanntlich nicht alles rund.
Nun fühlte ich mich sogleich „besser" (eher griffig) und nahm als nächstes den Telefonhörer gut gelaunt auf, weil ein Anruf reinkam. Einer meiner Kunden war blank und brauchte noch an diesem Tag einen Lebensmittelgutschein. Das war mir zugegebenermaßen gar nicht recht, weil ich an diesem Tag einen engen Zeitrahmen hatte.
Vor dem Urlaub wollte ich doch wenigstens einen halbwegs sauberen Schreibtisch hinterlassen. Zähneknirschend bat ich ihn vorbeizukommen. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass mich bis zu seiner Ankunft noch weitere Überraschungen ereilten, die mich an der Abarbeitung der Post hinderten.
Mittlerweile war ich natürlich wieder voll genervt, schaffte es aber dennoch irgendwie, die Post endlich abzuarbeiten. Rein gedanklich hatte ich mich für die Rückfahrt schon mal auf den Bus um 15.00 Uhr eingeschossen, weil ich bis dahin trotz allem Widrigkeiten passabel durchgekommen sein müsste.

Dienstag, 27. Juni 2023

Hartmudo: Scheiß Urlaub 1/3

1
Der Donnerstag (22. Juni) fing morgens schon gut an. Vorletzter Tag vor dem Urlaub und bereits nach wenigen Minuten im Büro wurde ich gleich griffig. Meine Vertreterin Melissa wird noch weitere ein bis zwei Wochen krank sein und das Home Office soll unterbleiben, bis die IT die Probleme mit Lissa (die Software zur Sachbearbeitung) gelöst haben wird.
Diese Maßnahme des Arbeitgebers kann ich allerdings nachvollziehen, denn ohne Lissa könnte ich im Homeoffice lediglich Internetrecherche betreiben. Da trifft es sich gut, dass ich ab nächster Woche zweieinhalb Wochen lang im Urlaub verweilen werde. Mich aufregen kann ich dann immer noch, wenn ich wieder im Büro sitze und feststellen sollte, dass Home Office immer noch nicht möglich ist.
Das kriege ich sogar ganz gut hin, da haben Psychopharmaka sowie die psychologische Betreuung durch APP offenbar gut angeschlagen.
In der Folge jedoch wurde meine Geduld leider auf eine harte Probe gestellt. Hier ein dringender Anruf, dort eine wichtige Post... Das, was ich am Vortrag im Homeoffice machen wollte und nicht machen konnte, lag immer noch vor meiner Nase, weil ich mehrere Sachen sofort erledigen musste.
Um 11 Uhr war eine kurze Besprechung angesagt. Kurz davor wollte ich die Sachen aus dem Homeoffice endlich angehen. Die Folgeanträge für Melissa! Ich ging in ihr Büro, um die benötigten Akten zusammen zu sammeln und musste feststellen, dass exakt diese Akten nicht mehr im Regal hingen.
Und siehe da: eine andere Kollegin hatte diese Akten bereits zwei Tage zuvor mit in ihr Büro genommen, um nach Rücksprache mit den anderen Mitgliedern meines Mini-Teams die Folgeanträge zu bearbeiten. Eigentlich hatten wir uns darauf geeinigt gehabt, dass ich allein die Vertretung für Melissa übernehme, weil sich die anderen beiden Mitglieder des Mini Teams um die Post von Kollegin Cleo kümmern wollten.
"gut gelaunt" in den Feierabend
Irgendwie hatte die Mannschaft wohl vergessen, mir dies auch mitzuteilen. Nicht dass ich dagegen gewesen wäre - ganz im Gegenteil - aber irgendwie fühlte ich mich übergangen, ja sogar ausgeschlossen.
Unwillkürlich musste ich an die schlimmen Vorgänge vor 37 Jahren (Oh Mann, so lang her!) beim Straßenbauamt Hildesheim denken, als ich während der Probezeit entlassen wurde und feststellen musste, dass die Kollegen meine Post ohne mein Wissen bearbeitet hatten.
So etwas nennt man Deja Vu und die kurze Besprechung war nur 10 Minuten entfernt. Wie sollte ich nun reagieren? Das Klo beschmutzen, wie vor 37 Jahren? Dazu fehlte mir jetzt leider die Zeit und überhaupt: Dank APP bin ich da inzwischen weiter.
Ich blieb ruhig, da ich den Grund für das Verhalten meiner Kollegin nicht kannte und eine unnötige Explosion vermeiden wollte. Genau richtig, wie ich dann in der Besprechung feststellen durfte. Als es darin um die Vertretungsregelung der nächsten Wochen ging, sprach ich die Kollegen, welche die Akten genommen hatte, direkt an.
Ich sagte ihr, dass es gut gewesen war, dass das Homeoffice am Vortag nicht funktioniert hatte. Denn dann wäre ihre Arbeit mit den Folgeanträgen vergebens gewesen, da ich dies am Vortag bereits erledigt gehabt hätte. Auf diese kleine Spitze ging sie gar nicht erst ein und verwies auf die anderen beiden Kollegen, mit denen Sie dies abgesprochen hatte.
Sie fühlte sich wohl persönlich angesprochen, obwohl ich explizit erklärt hatte, dass dies eigentlich gar nicht schlimm gewesen war. Mit jener Aussage wollte ich eigentlich den Druck rausnehmen, aber wer „Achtsam morden" gelesen hat, erkennt auch meinen Sarkasmus.
Schön in diesem Zusammenhang war anschließend auch ihre schnippische Bemerkung, warum man die Folgeanträge nicht im Homeoffice machen sollte, da es besser sei, dabei in die Akte zu gucken. Ich kommentierte dies nicht, um eine Eskalation zu vermeiden.
Sich bei so einem Thema an der Schuldfrage abzuarbeiten ist absolut sinnlos. Denn jeder von den Kollegas hatte gute Gründe, warum sie nichts dafür konnten. Zumal ich bei meiner Selbstreflexion vor der Besprechung noch daran erinnern konnte, dass mir die Kollegin aus meinem Mini-Team ihre Hilfe bei Melissas Folgeanträgen angeboten hatte. Dieses Angebot wollte ich eigentlich diese Woche annehmen, falls ich es vor dem Urlaub nicht mehr schaffen sollte. Dank des kaum möglichen Home Offices dieser Tage war das ja wohl auch der Fall.
Egal also - am Nachmittag machte ich meine eigenen Folgeanträge und schwitzte in der Sauna meines Büros so vor mich hin. Unzufrieden stand ich dann am Feierabend an der Bushalte, weil ich weniger geschafft hatte, als ich es mir vorgenommen hatte und darüber hinaus die Unwetterwarnung eine Fahrt mit dem Zug ausschloss.
Draußen geht die Welt grad unter
Mit Recht, wie ich eine Stunde später in Braunschweig feststellen musste, als dank eines Starkregens und Gewitters die Welt unterging. Unter den Kolonnaden am Steinweg musste ich über eine halbe Stunde lang ausharren, bis endlich mein Bus Richtung Lehndorf um die Kurve beim Theater angeschlittert kam.
Währenddessen flossen armdicke Äste in dem entstandenen reißenden Strom Richtung Rathaus vorbei. Da hatte ich mich kurzfristig entschlossen, das jetzt Schluss mit lustig war und ich ein Bier in einer Kneipe trinken musste. Immer diese Scheiße vor dem Urlaub! Je - des - mal ! Da sollte ich endlich mal Skills setzen, um mit diesem Stress umzugehen.
In den letzten Monaten hatte ich mir den Alkoholkonsum verkniffen und bin Schwierigkeiten oder Probleme nüchtern angegangen. Das war sicherlich auch richtig, jedoch war mir jetzt nach Schapernack zumute. Als ich dann endlich an der Hildesheimer mit dem Bus angekommen war, ging ich auch schnurstracks zum Hotel Heyer hinüber.
Leider war das Restaurant geschlossen, ein gezapftes Pils konnte ich mir somit abschminken. Da blieben mir nur noch die letzten drei Flaschen Wolters zu Hause - gut kalt aus dem Kühlschrank. Mit meiner Löwin guckte ich noch „the Consultant" zu Ende, danach setzte ich mich vor meine Musikbox am PC und endete bei dem dritten Bier mit Family 5 aus den Kopfhörern.

Dienstag, 20. Juni 2023

guterPlatzzumBiertrinken: Bienrode

Sonntag, 4 Juni. Dank meines Fahrradunfalls Anfang Januar befand ich mich knapp ein Vierteljahr lang nicht im Sattel. Erst so ganz langsam gewöhnte sich mein Popo wieder an den gepolsterten Sitz, zusätzlich kamen auch noch diverse Arztbesuche oder andere Aktionen dazwischen, so dass ich erst an diesem Sonntag die Muse fand, im neuen Jahr eine schöne Tour mit einer anständigen Pause anzugehen.
Hierbei durfte ich mich über sommerliches Wetter freuen, die Regenjacke war obsolet. Zur Sicherheit vor einer Panne pustete ich vor Fahrtantritt noch etwas Luft in meiner Reifen, auf dass ich keine böse Überraschung erleben möge. Mindestens genauso wichtig ist natürlich die bessere Straßenlage, weil ein fester Reifen Stöße durch Schlaglöcher besser abfedern kann.
Ach so, eine weitere Neuigkeit fällt mir jetzt noch ein: Dank des Unfalls bin ich ab diesem Jahr nur noch mit Fahrradhelm unterwegs. Keine 20 € bei Lidl - sondern 14,95 €, dafür aber mit Lüftungsschlitzen und sogar einer zuschaltbaren Lampe am Hinterkopf.
Fehlt ja nur noch das Ganzkörperkondom, magst du jetzt spotten. Aber ich sage Dir eins: Falls du mal einen Fahrradunfall mit gebrochener Nase und Handgelenk erlebt haben solltest, wirst auch Du nur noch mit Fahrradhelm fahren wollen.
Hinter der Autobahn
So ging es nach dem Mittagessen frohgemut los in Richtung Bienrode. Dieses Fahrziel hatte ich mir schon Wochen vorher auserkoren, als wir durch diesen Ortsteil mit dem Auto durchgefahren waren. Bienrode ist einer der Ortsteile, den ich quasi gar nicht kenne.
Und bereits an der Roggenmühle begegnete mir ein erstes Highlight. Auf der anderen Seite der Ampel war mir eine Radfahrerin aufgefallen, die eine FFP2 Maske trug. Krass, dachte ich mir, aber hey, lieber zu viel Schutz als zu wenig, oder? Nein natürlich nicht. „Diese Corona-Nazis sterben doch nie aus", dachte ich stattdessen nur.
Und solange mich niemand mehr in die rechte Ecke aufgrund meiner politischen Meinung stellen will, sollen die Leute so rumlaufen, wie sie glücklich sind. Weiter auf dem Ringgleis fahrend, vergaß ich diese kleine Anekdote ziemlich schnell und motivierte mich mit der Aussicht auf eine schöne Tour.
Nach kurzer Zeit erreichte ich schließlich die Siedlung Lampadiusring. Während meiner Genesungsphase hatte ich die Gelegenheit genutzt, mir dieses große Neubaugebiet näher anzusehen. Und an diesem Sonntag war ich darüber hinaus umso erstaunter, dass diese Siedlung dank neuer Hochhäuser mittlerweile fast an das Ringgleis heranreicht.
Gleich daneben die Brücke


Falls Ihr es noch nicht kennen solltet, kann ich euch versichern, dass sich beim Durchfahren dieser Siedlung leicht das Gefühl einschleicht, sich in einer Art Fahrradlabyrinth zu befinden. Meine Güte, hier waren früher Schrebergärten oder auch nur freie Brachfläche. Ich werde mir die Siedlung am Lampadiusring auf einer der nächsten Touren noch einmal anschauen müssen.
Heute aber ließ ich die Siedlung hinter mir und bog am Bienroder Weg Richtung Norden ab. Die Kralenriede sollte mein erstes Zwischenziel darstellen. In dem dort befindlichen Seniorenstift hatte meine Schwiegermutter bis zu ihrem Tod gelebt; Die im Anschluss weiterführende Ringstraße wollte ich einmal umfahren, um anschließend die Schleife nach Bienrode zu ziehen.
Jedoch zog sich die Strecke um einiges in die Länge. Gleichförmig folgte ein Haus nach dem nächsten, ehe ich mich entschließen konnte, umzudrehen und mein Glück in einem Seitenweg zu suchen. Der Parnitzweg führte mich in ein vollkommen unbekanntes Terrain - mein Mund war vor Erstaunen weit geöffnet.
Auf Schotterwegen bewegte ich mich in ein Waldgebiet hinein. Rechts neben und über mir befand sich die A2, welche sich alsbald dank eines Tunnels auf die linke Seite wechselte. Zu meiner großen Freude begegnete ich unterwegs so einigen Spaziergängern - dieses mir unbekannte freie Gelände zwischen Kralenriede, Bienrode und Wenden werde ich auf alle Fälle mit meiner Löwin näher erkunden müssen.
Zwei niedliche Holzbrücken über die Schunter sowie ein wahrscheinlich über 100 Jahre altes Kopfsteinpflaster, welches gerade noch so erkennbar ist, machten das Teilstück dieser Tour namens Schunteraue zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ich fühlte mich wie ein echter Entdecker, der neue Wege erkundet.
Nach der letzten Brücke radelte ich über einen umgebauten Bauernhof auf die Hauptstraße in Bienrode. Nach dem forcierten Geländeritt war ich noch so geflasht, dass ich durch Bienrode einfach nur durchrauschte und in Wenden das Eiscafe Cristallo aufsuchte.
Der Eierlikörbecher
Dort gönnte ich mir eine Pause mit einem Latte Macchiato, blickte in die Eiskarte und wurde nicht enttäuscht! Der Eierlikörbecher war ein Traum und hatte mich in den siebten Eishimmel befördert! Nach dieser köstlichen Pause ging es weiter durch die Lincolnsiedlung und Rühme.
Ich genoss die frische Luft und die wunderschöne Landschaft. Und als ich schließlich den Ölper See erreichte, war ich vollkommen entspannt und glücklich. Gerade die Woche zuvor glänzte mit Aktionen wie Geburtstagen (der Lange!), einer Doppelkopfrunde oder einem Grillabend. Heute hatte ich endlich einmal durchschnaufen können.
Da muss ich in Zukunft besonders darauf aufpassen, dass ich es nicht mit allzu viel Aktivitäten übertreibe. Die restliche Strecke nach Hause war dann ein Kinderspiel. Ich fühlte mich wie ein echter Profi auf dem Fahrrad und konnte die Strecke mühelos bewältigen. Und als ich schließlich zu Hause ankam, war ich ein bisschen traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war.
Aber ich weiß, dass ich jederzeit wieder auf mein Fahrrad steigen und neue Orte in Braunschweig erkunden kann. Dies war heute eine Tour, welche sich lohnt und die man jederzeit wiederholen kann.

Montag, 12. Juni 2023

Contramann: kurz gesehen im Juni

https://taz.de/Besetzung-russischer-Ortschaften/!5933437/
Unglaublich, ein Artikel wider dem Mainstream in der TAZ! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Worum geht es?
Ende Mai überquerten wohl russische Dissidenten die ukrainisch-russische Grenze und beschossen und besetzten kurzzeitig russische Dörfer. Laut Selenskyi hatte die Ukraine nichts mit diesem Angriff zu tun gehabt - der Autor dieses Artikels glaubt dies aber nicht und findet eine Offensive der Ukrainer nur als logischen Schritt.
Ich sehe das im Großen und Ganzen auch so. So manch kriegsmüder Ukrainer ist sicherlich erfreut über einen kleinen Erfolg der schon lange angekündigten Offensive der heroisch kämpfenden ukrainischen Armee. Und dass russische Oppositionelle mit einer ukrainischen Fahne so eine militärisch offensichtlich unsinnige und wenig erfolgversprechende Aktion starten, halte ich auch für unwahrscheinlich.
Doch „zum Glück“ ist die woke Leserblase wachsam und schäumt vor „ehrlicher“ Empörtheit in den Kommentaren. Dieses Geifern und Wüten ist entlarvend für die mittlerweile stramm „auf Linie“ gebürsteten Salonlinken, deren Sprachrohr die TAZ eigentlich ist.
Daher „Gimme Five“ für Bernhard Clasen, dem Autor dieses Artikels.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1173377.vierte-gewalt-medien-im-ukraine-krieg-staatswohl-geht-vor-aufklaerung.html
Passend jetzt ein Link, der die aktuelle Medienlandschaft in Deutschland beleuchtet. Und in dem die Autorin Renate Dillmann auch gleich zwei Eigenarten der deutschen Volksseele benennt, dank derer die bekanntermaßen stark ineinander verzahnten großen Medienkonzerne die öffentliche Meinung in ihrem Sinne lenken können.
Da ist zum einen der tiefsitzende Hass auf „die Russen.“ Und selbstverständlich tendiert der „Deutsche“ gerne zur Schwarz-Weiß Malerei: Einer muss Schuld sein, und zwar an allem. Das ist in diesem Fall selbstverständlich Putin, der zum Antichrist aufgeblähte russische Staatspräsident. Und „wir“ sind die Guten (gaanz wichtig!), helfen nur aus reiner Nächstenliebe.
Deutschland rüstet die Bundeswehr zur drittstärksten Armee der Erde auf (zumindest was die Kosten angeht), liefert Waffen zur Verteidigung der ansonsten unterlegenen Ukraine (wodurch das Töten und Leiden in der Ukraine lediglich verlängert wird - ohne Aussicht auf einen Sieg der Verteidiger) und ruiniert letztendlich dank der Sanktionen die eigene Wirtschaft (während Russland sich wirtschaftlich Asien erfolgreich annähert).
Die Dämonisierung des „Regimes Putin“ - allein dieses ist ein Beispiel für die beabsichtigte Meinungsbeeinflussung und erinnert an Orwell - ist in den Medien allgegenwärtig. Richtig eklig fand ich den Auftritt der Politologin Florence Gaub, die sich im März 2022 bei Lanz zu der Behauptung verstiegen hatte, „dass Russ*innen im »kulturellen Sinn« keine Europäer seien, »auch wenn sie europäisch aussehen.“
Mehr Rassismus geht kaum. Da hätte ein Aufschrei durch die deutschen Medien gehen müssen, welche ansonsten ja immer gegen Rechtsradikale vorgehen und Worte wie Zigeunerschnitzel, Negerkuss usw. scheuen wie der Teufel das Weihwasser.
Immer geht es nur um Kriegsverbrechen der russischen Truppen - als ob die Ukrainer ihre Feinde nicht brutal und grausam bekämpfen würden. Dass Weglassen von unerwünschten Nachrichten und Überbetonung der „genehmen“ Ereignisse hat Methode und ist eigentlich für jeden, der sich ab und an die Mühe macht, einfach mal nachzudenken oder die News kritisch zu hinterfragen, leicht zu erkennen.
Aber es ist ja einfacher, kritiklos Spiegel oder der Tagesschau zu vertrauen. Eine derartige Einstellung sollte jedoch für einen intelligenten Menschen unwürdig sein.

https://paulbrandenburg.com/offener-brief/offener-brief-an-herbert-groenemeyer/
Der offenen Brief des (ehemaligen?) Schlagzeugers von Konstantin Wecker an Grönemeyer zeigt noch einmal ein weiteres Ärgernis sowohl der Coronazeit als auch der aktuellen Kriegshysterie auf. Die meisten der etablierten Künstler - ob Musiker, Schauspieler oder Autoren etc. - hatten sich schnell hinter der vorherrschenden Meinung verschanzt.
Ob sie dies aus Angst vor Ausgrenzung oder finanzieller Einbußen getan hatten, ist sicherlich von Hand zu Hand unterschiedlich, jedoch irgendwann irrelevant. Zumal viele von diesen Prominenten die Gelegenheit nutzten, sich durch Verunglimpfung von Kollegen, die jenes Spiel nicht mitmachen wollten, hervorzutun.
Und hier war Grönemeyer ganz vorne dabei. Der Appell, seine Äußerungen dahingehend zu überprüfen, ob sie vielleicht doch voreilig und falsch waren, dürfte ungehört verhallen. Denn so ist der Mensch ja nicht gestrickt, dass er Fehler zugeben kann.
Denn der Mensch ist nicht Mensch, weil er sich an dem Inhalt des Songs „Mensch“ von Grönemeyer orientiert, sondern weil er immer auf den eigenen Vorteil bedacht ist und notfalls Andersdenkende an den Pranger stellt. Herr Biedermann lässt grüßen.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Samstag, 10. Juni 2023

Hartmudo: ChatGPT

Zum Schreiben meines Blogs hatte ich mir vor ein paar Jahren das Softmaker Office aus Nürnberg zugelegt, um eine optimale Kompatibilität zwischen Android Geräten und meinem Windows Rechner zu erreichen. Zur Zeit nutze ich das Abonnement Modell - jetzt haben sie Softmaker Office 2024 angekündigt.
Die wohl interessanteste Neuerung dürfte die Implementierung von ChatGPT sein, auch wenn es sich lediglich um die Gratisvariante handeln dürfte. Habe ich hier endlich eine willkommene Unterstützung zum Aufblähen meiner Texte erhalten?
Ich habe mir mal den Spaß gemacht und eine Reihe von Stichworten in den entsprechenden Teil der App eingegeben und einen „langen“ Text unter zwei von vier möglichen Autotext-Formen formulieren lassen. Und so schaut das aus:
Stichworte zum Erstellen des Textes:
Radfahren in Braunschweig, spät am Mittag losgefahren, Radfahrerin mit FFP2-Maske krass, Siedlung Lampadiusring wird immer größer, Kralenriede, Parnitzweg, dann durch die Schunteraue querfeldein nach Bienrode, Eiscafe Cristallo in Wenden, Eiscreation Eierlikörbecher, Lincolnsiedlung, Rühme, Ölper See, nach Hause
Version 1 - Humorvoll:
„Ich bin heute spät am Mittag in Braunschweig auf mein Fahrrad gestiegen und losgefahren. Dabei ist mir eine Radfahrerin aufgefallen, die eine FFP2-Maske trug. Krass, dachte ich mir, aber hey, besser zu viel Schutz als zu wenig, oder?
Als ich durch die Siedlung Lampadiusring fuhr, wurde sie immer größer und ich hatte das Gefühl, dass ich mich in einer Art Fahrrad-Labyrinth befand. Aber ich war mutig und habe den richtigen Weg gefunden, der mich schließlich nach Kralenriede und Parnitzweg führte.
Doch dann wurde es abenteuerlich: Ich entschied mich, querfeldein durch die Schunteraue zu fahren, um nach Bienrode zu gelangen. Ich fühlte mich wie ein echter Entdecker, der neue Wege erkundet. Aber Vorsicht war geboten, denn es gab einige Hindernisse zu überwinden, wie zum Beispiel kleine Bäche und Schlammpfützen. Aber ich habe es geschafft und bin stolz auf mich!
In Bienrode angekommen, konnte ich es kaum erwarten, das Eiscafe Cristallo zu besuchen. Ich hatte gehört, dass es dort die besten Eiscreations gibt. Und ich wurde nicht enttäuscht! Der Eierlikörbecher war ein Traum und hat mich in den siebten Eis-Himmel befördert.
Nach dieser köstlichen Pause ging es weiter durch die Lincolnsiedlung und Rühme. Ich genoss die frische Luft und die wunderschöne Landschaft. Und als ich schließlich den Ölper See erreichte, war ich vollkommen entspannt und glücklich.
Der Rückweg nach Hause war dann ein Kinderspiel. Ich fühlte mich wie ein echter Profi auf dem Fahrrad und konnte die Strecke mühelos bewältigen. Und als ich schließlich zu Hause ankam, war ich ein bisschen traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war. Aber ich weiß, dass ich jederzeit wieder auf mein Fahrrad steigen und neue Orte in Braunschweig erkunden kann.“
Version 2 - Professionell:
„Eine Radtour durch Braunschweig kann eine wunderbare Möglichkeit sein, um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. So auch für eine Radfahrerin, die spät am Mittag losgefahren ist und dabei eine FFP2-Maske trug. Ein verantwortungsbewusstes Verhalten, welches in Zeiten der Pandemie von großer Bedeutung ist.
Die Fahrt führte die Radfahrerin durch die Siedlung Lampadiusring, welche mit ihren vielen Häusern immer größer wurde. Weiter ging es durch Kralenriede und den Parnitzweg, bevor sie sich schließlich durch die Schunteraue querfeldein nach Bienrode begab. Eine wunderschöne Strecke, die sich besonders für Naturliebhaber eignet und mit einer atemberaubenden Landschaft belohnt.
In Bienrode angekommen, machte die Radfahrerin einen Zwischenstopp im Eiscafe Cristallo in Wenden. Hier genoss sie eine köstliche Eiscreation in Form eines Eierlikörbechers. Ein wahrer Genuss für den Gaumen und eine willkommene Abkühlung an einem heißen Sommertag.
Gestärkt setzte die Radfahrerin ihre Tour fort und radelte durch die Lincolnsiedlung und Rühme, bevor sie schließlich den Ölper See erreichte. Ein wunderschöner See, der zum Verweilen einlädt und mit seiner idyllischen Lage zum Träumen einlädt.
Nachdem die Radfahrerin den Ölper See umrundet hatte, machte sie sich schließlich auf den Heimweg. Eine wunderbare Tour, die geprägt war von einer atemberaubenden Landschaft und kulinarischen Genüssen. Eine Tour, die sich lohnt und die man jederzeit wiederholen kann.“
Mein Fazit:
Beim Vergleich der Texte fällt sofort die unterschiedliche Handlung auf. In Version 1 ist der Schreiber die handelnde Person, in Version 2 die Radfahrerin. Bei komplett ausgedachten Storys könnte dies zu witzigen wie unbeabsichtigten Texten führen. Da bin ich gespannt drauf.
Auf jeden Fall werde ich dieses Instrument häufig benutzen, weil es einfach und schnell funktioniert und immer die Chance bietet, Texte etwas aufzuhübschen. Beginnen werde ich mit den vorstehenden Texten.
Zusätzlich werde ich mir den Spaß erlauben, fortwährend einzelne Texte aus ChatGPT zu dokumentieren.

Freitag, 2. Juni 2023

Hartmudo: Obsidian

In der Nacht vom 24. Mai verstarb unser Kater Obsidian, genannt Obsi. Also exakt drei Wochen nach dem Tod von Tesla. Es gibt da einige Parallelen, auf die ich aber erst ganz am Schluss zu sprechen kommen werde.
Kümmern wir uns zunächst einmal um Obsi. Vor knapp über zwei Jahren hatten wir ihn aus dem Tierheim Salzgitter zu uns genommen, weil unsere Katze Abby sich nach dem Tod ihrer Partnerin Sushi so einsam gefühlt hatte.
Dies mag eine sehr menschliche Sicht über den Gefühlszustand von Katzen darstellen, doch hatten wenigstens wir uns seinerzeit besser gefühlt, als wir Obsi zu uns nach Hause gebracht hatten. Denn wie sich sehr schnell herausstellte, tendierte Obsis Interesse an Abby gegen Null. Obsi ignorierte Abby nach allen Kräften und lief stets grußlos an ihr vorbei.
Und wenn Abby Obsi einfach nur beschnuppern wollte, fauchte er sie an oder fuhr gar die Krallen aus. Uns gegenüber zeigte er sich dagegen stets aufgeschlossen, waren wir doch als Dosenöffner unverzichtbar für ihn. Obwohl Dosenfutter...
Dies war nicht für Obsi gemacht, bereits nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass Obsi lediglich teures Nassfutter zu fressen bereit war. Als Krönung bleibt festzuhalten, dass er es mit der Zeit geschafft hatte, uns dazu zu bringen, ihm nur noch Hähnchenfleisch zu fressen zu geben. Dieses kauften wir in der Regel bei Lidl. Meine Löwin schnitt dies noch in mundgerechte Häppchen zurecht , erst dann war Obsi bereit, dieses Essen als genießbar anzunehmen.
Obsi steuerte uns ganz raffiniert durch ein Verhalten, welches ihm seinen zweiten Spitznamen “Sir Piss-a-lot" einbrachte. Gewiss, eine Reminiszenz an Two and a half Man. Statt ins neue Katzenklo pisste er einfach auf die Personenwaage im Badezimmer, den kleinen Teppich vor dem Balkon oder auch schon mal an die Haustür.
In meinen Augen wurde Obsi legendär durch seinen Auftritt mit meinen Badelatschen. Er schaffte es doch tatsächlich, derart darauf zu pissen, dass nicht ein Tropfen auf den Teppich hinablief. Und mindestens zweimal schlüpfte ich in Socken in meine Hausschuhe, bloss um festzustellen, dass er sich in denselben erleichtert hatte.
Abgesehen von diesen Misslichkeiten, für die ich ihn oft genug verflucht hatte, war er größtenteils ein besonders lieber und schmusiger Kater. Größtenteils deshalb, weil er schon öfters dazu neigte, nachts um 3 Uhr vor meinem Bett zu stehen und zu jaulen, weil er Hunger verspürte. In diesem Momenten liest er mir keine Chance.
Erst nachdem ich aufgestanden war und ihm etwas zu fressen gegeben hatte, ließ er mich in Ruhe. Zum Glück war die Nachtruhe dann nur in sehr wenigen Nächten vorüber gewesen. Das war es dann auch schon mit den Ärgernissen. Obsi war bereits nach einer angenehm kurzen Eingewöhnungsphase sehr zutraulich gewesen.
Er platzierte sich gern direkt neben uns auf dem Sofa oder der Sitzbank im Esszimmer. Dies galt insbesondere immer dann, wenn wir irgend etwas zu Essen vor uns stehen hatten. Nicht, dass er gebettelt hätte. Aber wenn er realisierte, das er nichts abbekommen würde, ging er mit den Vorderpfoten auf den Tisch und zwang uns dadurch, ihm doch etwas von der Wurst oder dem Käse abzugeben.
Übrigens verschmähte er selbst Tee nicht - Kuchen stand bei ihm ebenfalls auf der Speisekarte. Das Trinken! Obsi war stets durstig und trank - nein soff! - das Wasser direkt vom laufenden Wasserhahn. Für Katzen ist dies ungewöhnlich. Ich denke aber, dass er Probleme mit den Nieren gehabt hatte.
Sei es drum. Trotz geklauter Schnitzel vom Küchentisch oder Verzehr vieler unbeaufsichtigter Würstchen hatten wir ihn ins Herz geschlossen. Obsi genoss es, wenn wir ihn unter dem Hals oder an den Ohren gekrault hatten. Dann schnurrte er immer sehr leise, kaum hörbar, wie es seinem überwiegend ruhigen Naturell entsprach.
Nur Nachts - und dass irgendwann seltener - jaulte und jammerte Obsi, weil er sich wahrscheinlich einsam und verlassen fühlte. Dann schlüpfte er immer in das Bett meiner Löwin und kuschelte sich bei ihr an.
Während der gesamten Zeit bei uns benötigte er Spritzen für seine Schilddrüsenunterfunktion. Zwei mal täglich hatte uns die Dame im Tierheim eingeschärft und wir hielten uns dran. Nun verstarb er also, gut betagt mit 12 Jahren, nach vier oder fünf Tagen, in denen Obsi sich unter dem Bett meiner Löwin verkrochen hatte und nur noch sporadisch zum Fressen hervorkam.
So ging er friedlich und ruhig, bescheiden und tapfer bis zum Ende in den Katzenhimmel. Ich sehe ihn immer noch ungeschützt auf der Ballustrade unseres Balkons sitzen, wie er sehnsüchtig und wachsam die Vögelchen beäugte. Dieses Bild werde ich in Erinnerung behalten.
Und die Parallele zu Teslas' Ableben? Beide hatten sich am Ende ihres Lebens mehr und mehr zurückgezogen und starben dann friedlich für sich allein an dem selbst gewählten Rückzugsort. Wobei wir da bei Tesla über viele Jahre statt 4 - 5 Tagen reden.
Tesla war depressiv veranlagt und hatte Hilfe stets abgelehnt, wenn sie ihm angeboten wurde. Das verbot ihn sein Stolz. In den letzten Jahren sah ich ihn eigentlich nur an Geburtstagen der alten Mannschaft, wo er stets gern gesehen war. Auch ließ er es sich nicht nehmen, die Mannschaft an seinem Geburtstag zu sich einzuladen.
Für Konzerte, Restaurantbesuche oder andere Vergnügungen fehlte ihm das Geld. Ob aus Stolz oder aus Scham - keiner von uns hatte es herausfinden können. Fragen nach seiner momentanen wirtschaftlichen Situation wich er stets aus.
So trauere ich jetzt über zwei geliebte Lebewesen, die zu früh in die ewigen Jagdgründe oder nach Walhalla gezogen sind.

Mittwoch, 31. Mai 2023

Uncle Fester: grad gelesen Mai 2023

Dirk van den Boom - Die Welten der Skiir: Prinzipat, Protektorat und Patronat (Band 1-3)
Die hochgelobte Triologie des deutschen Politologen. Schaun mer mal, dachte ich zunächst. Denn der erste Band legte ein sehr gemächliches Tempo vor. So richtig fesselnd wurde es jedoch im dritten Band, als die Zusammenhänge offenbar wurden und das Finale anbrach. Für mich persönlich bedeutet die eingestreute Reminiszenz an die Ringwelt von Larry Niven den Gamechanger, dazu später aber mehr.
Das Volk der Skiir beherrscht seit Jahrtausenden die gesamte Galaxis. Dank der dreigeteilten Gewalt aus Prinzipat (Religion), Protektorat (Militär) und Patronat (Verwaltung), welche für sich genommen jeweils autark sind, herrscht ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Vergleichbar mit Star Trek werden Völker, welche die Technologiestufe zur Eroberung des Weltraums geschafft haben, in dieses System integriert.
Allerdings legen die Skiir jenen Völkern eine 200-jährige Quarantäne auf, in denen etwaige Widerstände und Unruhen unterdrückt werden. Die Handlung des Romans setzt in dem Moment ein, in dem die Quarantäne für die Menschen beendet wird.
Nun entsenden die Menschen einen ständigen Botschafter und drei Mitarbeiter in den Reichsrat des Imperiums, der auf einer Sternstation im Argus System beheimatet ist. Der Tischler Flockhart Eder wird überraschend als Botschafter bestimmt.
Es stellt sich jedoch im Laufe der Handlung heraus, dass Eders Vater ein hochrangiger Vertreter der Widerstandsbewegung gegen das Imperium gewesen war und auf der Erde ein Artefakt versteckt hatte, mit dem sich Tore zu anderen Universen öffnen lassen.
Doch erst im dritten Band wird sich herauskristallisieren, dass die Skiir nicht durch natürliche Evolution entstanden waren, sondern künstlich durch das Volk der Hatta erschaffen worden waren. Gleiches gilt auch für sämtliche Völker des bekannten Universums, einschließlich der Menschheit. Ohne Scheiß, dies halte ich für einen erfrischend neuen Denkansatz in der Science-Fiction. Nicht einmal Philip K. Dick kam dieser Gedanke.
Flockhart Eder und seine drei Mitarbeiter sind an fast allen Geschehnissen während der drei Romane direkt beteiligt. Die Chinesin Bixa Li steht dem Protektorat nahe und ist eine Kämpferin - ausgebildet, um notfalls Aliens umbringen zu können.
Harkin Leybold ist Wissenschaftler und Ersatzmann für Torgen, einem genialen Xenobiologen, der vom Prinzipat ausgewählt worden war. Der Mord an Torgen wird vom Investigator Tobias Markensen untersucht. Dieser trägt im Verlauf der Romane noch wesentlich zur Handlung bei, während Leybold lediglich „dabei" ist.
So ist es Markensen, der im zweiten Band entführt wird und in der Folge als erster am eigenen Leib erfährt, dass er selbst gerade mal ein paar Jahre alt ist und seine gesamten Erinnerungen künstlich eingepflanzt worden waren. Dies im Wesentlichen dadurch, dass der eigentlich tote Markensen in einen anderen Körper transferiert wird.
Fehlt noch der dritte Mitarbeiter. Dies ist die spröde und nachdenkliche Yolana, welche vom Erfüller, dem Vertreter des Patronats auf Erden, vor Beginn der Mission noch einmal besonders indoktriniert wird.
Nachdem die menschliche Delegation im Reichsrat angekommen war, musste sie sehr schnell feststellen, dass sie als Neulinge im allgemeinen Politikbetrieb nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zum Glück geht es aber sehr schnell los mit der Action - am Ende des ersten Bandes. Bis dahin muss der geneigte Leser also durchhalten.
Der Zerstörer, ein vom Patronat künstlich erschaffenes Wesen, welches gleichzeitig ein Raumschiff ist, zerstört die Station des Reichsrates. Wie wir später erfahren, sind die drei Fraktionen der Skiir zerstritten. Außerdem sind die drei Fraktionen nicht nur autark, sondern haben komplett eigene Strukturen aufgebaut, unter anderem auch Streitkräfte.
Das Reich zerfasert somit in drei Machtbereiche. Dem Zerstörer gelingt es, einen Teil der zahlreichen Botschafter aller möglicher Völker von der Sternenstation zu retten und als Geiseln zu nehmen. Infolgedessen erhält der krebskranke Eder einen neuen Körper, dazu verpflichtet der Zerstörer Eder als Herold, auf dass dieser ihm als Sprachrohr dienen möge.
Und um das Hatta Artefakt zu schützen, errichtet der Zerstörer eine undurchdringliche Mauer um die Erde, so dass die vereint angreifenden Flotten der Skiir in Schach gehalten werden können. Zwischenzeitlich kann Eders neuer Körper das Hatta Artefakt absorbieren und der alte Skiir Wissenschaftler Xiin, der hinter der Entwicklung des Zerstörers gesteckt hatte, löst den Wall auf und setzt sich mit dem Schiff „Wahre Freude" in Richtung des Ringplaneten ab, wo er ein Tor in das Taschenuniversum öffnen will, in welches sich die Hatta zurückgezogen hatten.
Dieser Ringplanet ist allerdings unbewohnt - ganz im Gegensatz zum literarischen Vorbild von Larry Niven. Hier ist die Heimat der Hatta, der einzigen echten biologischen Lebensform der Galaxis. Der Ringplanet selbst spielt für die Handlung keine Rolle und wird auch nur lediglich über zwei bis drei Seiten beschrieben.
Die ersten Hatta strömen in unser Universum, um alle künstlichen Lebensformen - wir erinnern uns: Alle Lebensformen sind künstlich, als Xiin es gelingt, das Tor zu öffnen. Aber nicht zuletzt dank des mutigen Einsatzes der Vereinten Flotten der Skiir und des selbstmörderischen Opfers von Flockhart Eder, welcher sich selbst aufgibt und sich als Transformer in wilder Raserei den Hatta entgegenstellt, kann das Tor wieder verschlossen werden.
Ganz am Ende entdeckt Xiin seinen Irrtum und hilft den vom Zerstörer in Geiselhaft genommenen Lebewesen zur Flucht auf den Ringplaneten. Im Epilog wird deutlich, dass das Skiir-Imperium seine Macht verloren hat. Ansonsten bleibt aber alles offen.
Das riecht also nach einer Fortsetzung, obwohl ich den Eindruck habe, das van den Boom mittlerweile keine Hard Science Fiction mehr schreiben möchte. Insgesamt ist der Zyklus spannend und kurzweilig geschrieben, man sollte das Werk jedoch zügig durcharbeiten. Die vielen Charaktere und Handlungsstränge erfordern eine hohe Aufmerksamkeit, zu lange Pausen und Du bist raus.