Sonntag, 28. März 2021

Hartmudo: Es schneit 3/3

3
Natürlich war der „Schneezauber“ nach noch nicht einmal zwei Wochen vorüber. Ebenso konnte ich am schon erwähnten Dienstag nicht ins Büro, aber, oh Wunder: Die Welt ist trotzdem nicht untergegangen. Wieder Erwarten waren meine Schreiben noch im Speicher vorhanden, so dass sich diese Befürchtung als unnötig herausstellte.
Wie Ihr Euch vorstellen könnt, verursachte dieser unfreiwillig freie Dienstag ein großes Ärgernis bei mir. Eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist nicht in der Lage, einen mehrere Tage vorher angekündigten Wintereinbruch mit starkem Schneefall zu managen. Das für ca. zwei Arbeitstage das gesamte Land in Winterstarre verharren musste, ist dem sich mit den Jahren immer stärker auswirkenden Sparzwang der öffentlichen Hand geschuldet.
Der Zugverkehr nach Lebenstedt lief da volle drei Tage nicht, obwohl es ab Dienstag kaum noch schneite. Aber die DB Netz, zuständig für das Funktionieren des Schienenverkehrs, hatte wohl nicht genügend Personal. Oder sollte es an Corona gelegen haben, weil immer nur die Hälfte der Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten darf?
nochmal... weils so schön war

Doch damit nicht genug. Für den folgenden Montag war Blitzeis angesagt. Und dieser Montag - was für eine Überraschung - war mein nächster Tag im Büro. Ein Blick in die App am Sonntag machte mir klar, dass die Bahn wohl eher nicht fahren würde. Blieb also nur der Bus. Hatte ich schon erwähnt, dass dieser nach einer Woche immer noch vermindert, d.h. nach dem Ferienfahrplan, agierte?
Dies hatte für mich zur Folge, dass ich am Montag den Schnellbus um 7:30 Uhr ab Rathaus (also vorm Lindi) erreichen musste und erst um 7.00 Uhr (da wäre ich normalerweise schon ne halbe Stunde im Büro) an „meiner“ Bushaltestelle in Lehndorf stand. Zurück 15.53 Uhr, danach fährt nur noch der Bummelbus über die Dörfer.
Das war dann auch ein sehr stressiger Montag, weil ich nach dem geplatzten Bürotag der Vorwoche gerne länger gearbeitet hätte. Der Stress und damit einhergehend ein hoch drehender Kreislauf verließ mich den ganzen Tag nicht. Erkennbar war diese Anspannung an meiner extrem schlechten Laune, zu der ich in solchen Situationen neige. Menschen aus meinem persönlichen Umfeld können da ein Lied von singen.
Schließlich fuhr ich dann mit einem Kollegen des Sicherheitsdienstes im Auto nach Braunschweig zurück, da ich diesen zufälligerweise am Feierabend auf dem Parkplatz getroffen hatte, anstatt meinen MP3 Player zu quälen. So endete dieser „Winter“ mit Schneeeinbruch dann doch ohne allzu große Bauchschmerzen. Jetzt kann der Frühling kommen.
Erschreckend bleibt für mich trotzdem die Erkenntnis, dass Deutschland abgewirtschaftet hat. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem damit einhergehenden fehlenden Gegendruck durch eine sozialistische Staatsdiktatur ist für unsere „westlichen“ Eliten die soziale Marktwirtschaft nur noch ein Begriff, den man sich als Mäntelchen umhängt.
Beginnend in der Ära Kohl hat der Neoliberalismus (nicht-ironischer Gruß an Kroll) dank PPP (Public Private Partnership) öffentliche Dienstleistungen wie Rundfunk & TV, Post- und Fernmeldewesen, Müllabfuhr und Energieversorgung und nicht zu vergessen Krankenhäuser und Pflegeheime privatisiert.
Was dem bekanntermaßen obrigkeitshörigen Deutschen in der Regel egal war. Diese Leute, die bislang der Meinung waren, dass „der Staat“ mit seinen Beamten eh zu langsam arbeitet, sollten sich jetzt nicht darüber beklagen, wenn Impftermine schleppend vergeben werden und der Lockdown pauschal flächendeckend durchgezogen wurde, weil in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Gesundheitsämtern - um nur einige zu nennen - das Personal fehlt.
Gleiches gilt auch für Schneeräumdienste, obwohl sich dies (dank des Klimawandels?) eher selten bemerkbar macht. Der von unserer Hausgemeinschaft gebuchte Winterdienst hatte tatsächlich gerade mal die vorgeschriebene eineinhalb Meter breite Schneise bis zum Hauseingang und den Garagenhof runter freigeschaufelt. Den Schnee auf dem Garagenhof haben sie übrigens original an die Garagentore herangeschoben.
Um es (mal wieder) eindeutig zu sagen: Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen führt auf alle Fälle zu geringeren Löhnen der Beschäftigten. Wie durch einen Zauber geht das Engagement und leider manchmal auch die Intelligenz zurück. Der einzige Mehrwert bei PPP besteht in den Gewinnen der meist international organisierten Konzerne.
Das gern genannte Argument der vermehrten Innovationen durch den Konkurrenzdruck greift immer nur zu Beginn der Privatisierung einer öffentlichen Dienstleistung. Denn das kritisierte Monopol des Staates wird hier lediglich durch ein privates Monopol ersetzt. Bereits nach kurzer Zeit zahlt der Kunde eher noch höhere Preise als vorher und die betroffenen Beschäftigten.... Wie gesagt: Das bringt es alles nicht.
Diese relative kurze Phase des Wintereinbruchs hat mir wie üblich aufgezeigt, dass Deutschland mittlerweile abgewirtschaftet ist. Am besten zu beobachten ist dies bei der Bewältigung der Corona Pandemie, in der uns die aufstrebenden asiatischen Gesellschaften zeigen, wie man so etwas managt. Nämlich mit straffer staatlicher Lenkung, ohne wenn und aber.

Dienstag, 23. März 2021

Hartmudo: Mutter

68
Da für mich feststand, dass Sunny sich mein Smartphone unter den Nagel gerissen hatte, war es an der Zeit zu handeln. Ich ging an meinen Schreibtisch und suchte die Nummer zum Sperren des Smartphones auf. Ich rief bei der Hotline an und liess mein Phone sperren. Nun konnte ja nicht mehr viel passieren, dachte ich.
Und da erkennt man schon meinen Denkfehler. Vom Sperren des Smartphones wird es nicht unbrauchbar. Sunny hätte es sich mit den darauf gespeicherten Daten, also meinem Adressbuch, noch sehr gemütlich machen können, also Schaden anrichten.
Doch zum Glück gibt es da ja immer noch diese Stimme im Hinterkopf, die ruhig bleibt und mir in solchen Momenten sagt, dass ich mich vielleicht doch getäuscht hatte. Denn ich hätte mich zum Vollhorst mit einem Anruf bei Sunny machen können, indem ich ihr am besten den Diebstahl meines Smartphones vorgeworfen hätte. Was wäre das für ein gefundenes Fressen für Sunny gewesen! Da wird sie von ihrem Bruder doch tatsächlich des Diebstahls bezichtigt! Sie hätte sich in allem bestätigt gesehen, was auch immer sie über mich und mehr noch über Berta denken mag.
So allmählich beruhigte ich mich. Bei allem nervlichen Stress in der Nord/LB wäre es sehr gut möglich gewesen, dass ich mein Smartphone einfach dort liegen gelassen hatte. Das konnte ich natürlich am Freitag Nachmittag nicht mehr klären. Bis Montag Morgen war die Bank geschlossen und wegen eines Handys wird auch nicht die GSG 9 alarmiert.
Zuguterletzt klammerte ich mich an die Hoffnung, dass ich mein Smartphone auf der Rückfahrt nach Hause im Auto von Berta und Bud verloren hatte. Wäre nicht dass erste Mal gewesen, dass mir im Auto irgend etwas aus der Tasche fällt und ich es nicht merke. Dieser Gedanke, ausgesprochen von der Stimme im Hinterkopf, setzte sich fest. Mantramäßig schob ich diesen Gedanken über die dunklen Wolken einer miesen Attacke seitens Sunny und beruhigte mich darüber mehr und mehr.
Der Gin Tonic und der Obstler hielten diesen Deckel auf dem Topf voller Ängste, nicht gerechtfertigter Anschuldigungen und völlig aus der Luft gegriffener Szenarien. Ich ging zurück ins Esszimmer, wo meine Löwin bereits das Spiel ausgepackt hatte. Mensch ärgere Dich nicht - eine notwendige Ablenkung. Das hat sie drauf, meine Löwin. In solchen Situationen behält sie einen kühlen Kopf und macht das Richtige.
An mein Smartphone dachte ich von Minute zu Minute weniger. Ich hatte es sperren lassen - gut. Sunny konnte nicht mehr die Zeitansage von Tokio anrufen (das hielt ich doch tatsächlich für möglich!) und damit meine nächste Rechnung in ungeahnte Höhen schnellen lassen. Das Smartphone wäre sicherlich in Buds Auto - falls nicht, könnte ich mir später darüber Gedanken machen.
Auch Berta schob da eine Paranoia vor sich her. Es ging ihr um die Rechnungen, die von uns noch beglichen werden mussten. Finanzamt, Steuerberater oder Makler - alle Post zum Nachlass von Mutter ging zu Berta. Und Berta steigerte sich in die Befürchtung hinein, dass Sunny ihren Anteil daran einfach nicht bezahlen würde.
Ich versicherte Berta, dass ich mich selbstverständlich an Bertas Schaden beteiligen würde, so denn einer auftreten sollte. Da kam ich mir sogar richtig toll vor; was für ein Schmarrn. Auf das Naheliegende kam ich einfach nicht. Da waren Berta und ich total kirre geworden ob des ganzen Ärgers, den wir in den Monaten zuvor erleben mussten.
Meine Löwin war es, die einen klaren Kopf behielt und uns aus der Gedankenfalle holte. Berta und ich würden lediglich unsere Anteile bis auf das von Sunny zu übernehmende Drittel bezahlen und die Rechnungen mit einem entsprechenden Vermerk zu Sunny schicken. Finanzamt wie Makler würden wir dies auch so schildern. Damit hätte Sunny den schwarzen Peter, so sie denn die Restbeträge nicht begleichen würde.
Endlich waren Berta und ich beruhigt, nun konnten wir aufatmen. Dank meiner Löwin konnten wir unsere Ängste zügeln und zur Abwechslung mal nach vorne schauen. Das Spielen half hierbei ungemein.
Mit Berta und Bud spielten wir öfters Mensch ärgere Dich nicht. Dieses einfache Spiel wirkt deshalb so entspannend, weil man nicht viel nachdenken muss. Mehr als alles andere ist es ein Glücksspiel mit Regeln, dass jedes Kind versteht und daher sofort spielbar ist. Man fiebert zwar mit, aber wird durch das Würfelglück immer daran erinnert, dass die beste Taktik nichts nützt, wenn Du keine Sechsen würfelst. Das ist bei Mensch ärgere Dich nicht so, aber auch im richtigen Leben.
"Drano macht das Rohr frei", hieß es in der Reklame früher immer. Genau wie Mensch ärgere Dich nicht diesem Nachmittag. Nach kurzer Zeit lachten wir, frotzelten etwas und arbeiteten uns am Obstler ab. Berta und ich wurden so wieder auf Spur gebracht. Abgelenkt von unseren düsteren Gedanken, dass uns der Himmel auf den Kopf fallen würde, gönnten wir uns eine positive Sichtweise. Nach vorn blicken ist halt immer besser als sich unter einer Decke zu verstecken. Böse, böse Welt ist der falsche Weg.
Stattdessen realisierten wir mit jedem Obstler mehr, dass die ganze Chose jetzt bis auf einige "Restarbeiten" quasi abgeschlossen war. Steckte uns am Anfang des Spielens noch der Schock ob der Anfeindungen durch Sunny nach dem Auftritt in der Nord/LB in den Knochen, so schafften wir es nach einigen Frotzeleien, die ganzen Streitereien ad Acta zu legen und uns wieder auf die Zukunft zu konzentrieren.
Oder auch: Eine Sorge weniger, wie der Sarkast in mir sagen würde. Im Nachhinein ist es jedoch traurig, dass wir an diesem Nachmittag nicht an Mutter selbst gedacht haben. Wir Geschwister waren an diesem Tag, da beziehe ich Sunny auch mit ein, ausschließlich mit uns selbst beschäftigt.
Nach vielleicht zwei Runden Mensch ärgere Dich nicht wollten Berta und Bud schließlich nach Hause. Berta verabredete mit meiner Löwin noch, dass beide eine Flasche Champagner zusammen trinken würden, wenn auch die letzten Überweisungen getätigt wären. Die beiden wollten einen sichtbaren Schlussstrich ziehen, derart symbolträchtige Aktionen waren schon immer ganz nach meinem Geschmack.
Guter Laune zogen Berta und Bud ihre Schuhe an und verabschiedeten sich herzlichst von meiner Löwin. Nicht von mir, denn ich ging noch mit auf die Straße zu ihrem Auto, um mein Smartphone zu suchen. Auf dem Weg tat es richtig gut, Berta mal locker und gelöst zu erleben. Sicherlich sollte sie öfters mal zum Obstler greifen.
Kaum hatte ich die Beifahrertür des Daimlers aufgemacht, da stach mir auch schon mein Smartphone ins Auge. Da hatte sich doch der kleine Racker während der Fahrt aus meiner Jackentasche befreit! Zwischen Mittelkonsole und Sitz lugte die Spitze gerade noch hervor. Sicher freute sich mein Phone, als ich es liebevoll aus dieser Klemme befreite und in meiner Hand festhielt.
Ich verabschiedete mich von Berta und Bud, atmete einmal stark durch und ging dann, Berta und Bud im Daimler hinterherwinkend, zurück in unsere Wohnung. "Es ist vorbei! End - lich vorbei!" ging mir durch den Kopf. Da ging mir alles Mögliche durch den Kopf, ohne dass ich es in Worte hätte fassen können. Selbst Jahre später kann ich meine Gefühle in jenem Moment nicht beschreiben.
Mit Sunny brauchte ich mich jetzt nicht mehr auseinanderzusetzen; wir würden uns nicht mehr in Rage streiten müssen - darüber war Sunny an dem Tag garantiert auch froh, obwohl wir uns darüber nicht mehr unterhalten hatten. Wir bräuchten uns nicht mehr sehen und konnten daher sicherlich beide besser schlafen.
Dank der tatkräftigen Unterstützung meiner Löwin konnten wir Berta und Bud davon überzeugen, dass sich an unserem Verhältnis untereinander nichts ändern würde. Dies war ja für Berta überaus wichtig, da sie in den letzten Monaten unter dem Dauerfeuer durch Sunny stand und sichtlich angegriffen war.
Meine Löwin und ich ließen den Tag dann vor dem Fernseher ausklingen. Meine Befürchtungen wegen des vermissten Smartphones hatten sich gottlob nicht bewahrheitet. Doch dass ich mich mal wieder mit aller Kraft in die Paranoia hineingesteigert hatte, ärgert mich bis heute.
Ich denke, dass es wohl diese Familienkrankheit ist, die uns 3 Geschwister nach Mutters Ableben befiel und zu Aktionen und gegenseitigen Anschuldigungen trieb, die bei mehr gegenseitigem Vertrauen nicht passiert wären. Und dieses Vertrauen fehlte uns leider. Zumindest zwischen Sunny auf der einen und Berta und mir auf der anderen Seite.
Am nächsten Morgen ging das Leben weiter. Da Berta und ich mit Sunny außer ein oder zwei Rechnungen nichts mehr zu verabreden hatten, konnten wir uns alle wieder auf den Alltag konzentrieren.
So endete die Story über die letzten Tage unserer Mutter und die anschließende Ordnung ihres Nachlasses mit dem unversöhnlichen Bruch zwischen Sunny und uns beiden anderen Geschwistern. Das letzte Mal sprachen wir uns im Einkaufszentrum Heidberg, besser brüllten uns an.
Ich wünschte, die Geschichte hätte ein positives Ende genommen. Allein schon unserer Eltern wegen. Leider war es uns nicht vergönnt.

Sonntag, 21. März 2021

Hartmudo: Es schneit 2/3

2
Jetzt, auf dem restlichen Weg nach Hause, musste ich an eine alte Geschichte denken, die inzwischen wohl bald an die 40 Jahre zurückliegt. Ihr wisst schon... Damals, in der guten alten Zeit.... Als im Winter noch Schnee lag. Ganz am Anfang der 80er Jahre muss das gewesen sein, als ich mein erstes Auto noch hatte.
Und dieses Auto war natürlich ein VW Käfer 1302 in Shantungelb. Die Farbe habe ich der Farbpalette des VW-Käferclubs entnommen. Übrigens: 1983 gab es für den Käfer den Farbton „negroschwarz metallic“. Das nur am Rande, aber der Käfer fuhr seinerzeit auch bei widrigen Bedingungen und mit Allwetterreifen.
Vielleicht, weil er nur 34 PS hatte? Bei den neuen Kisten habe ich den Eindruck, dass sie vor lauter Kraft nicht von der Stelle kommen. Sind ja auch viel zu schwer. Aber zurück in die 80er. Der Ring war seinerzeit auch mit einer festgefahrenen Schneedecke bedeckt und es war schon dunkel, als Urmel mich anrief und um Hilfe bat.
Er wohnte seinerzeit in der Jahnstraße und fuhr einen „Strich-Achter“. Nein, liebe Kinder, keinen Nuttentransporter, sondern einen Daimler. Mit Diesel natürlich und dieser war bei Temperaturen unter Minus 10 Grad ausgeflockt. Das bedeutete, dass er nicht mehr ansprang und auch nicht fremdgestartet werden konnte. Urmels Karre musste zuerst aufgetaut werden.
Also fuhr ich vorsichtig zu ihm hin.... Moment! Der Wagen stand bei Ilka in der Ernst-Amme-Straße! Dort fuhr ich hin und wir hängten den doch etwas schweren Daimler an meinen Käfer. Ein Abschleppseil hatte ich seinerzeit immer dabei gehabt, da man dieses häufiger mal brauchte. Damit will ich sagen, dass wir uns damit durchaus auskannten.
Der Daimler musste in eine Halle irgendeines Uni-Instituts bei der Hans-Sommer-Straße. Wir mussten den Wagen also ca. 3 - 4 km über den Neustadtring, Wendenring usw. bis in die Halle ziehen. Ich weiß noch genau, dass der Untergrund aus einer festgefahrenen Schneedecke bestand und kein anderes Fahrzeug weit und breit zu sehen war.
Ich gehe davon aus, dass wir Urmels Daimler nach 22.00 Uhr in die Halle gezogen hatten. Vorher war der erste 10er Träger ja nie alle gewesen. Nein, ein Scherz: Bei dieser Aktion waren wir nüchtern. Und der ganze Vorgang klappte reibungslos bis in die Halle, wo der Wagen dann auftauen konnte und am nächsten Tag wieder fahrbereit war. Gesoffen haben wir erst hinterher. Unsere Führerscheine hatten wir da noch nicht lange - es klappte trotzdem.
Auch vor 20 Jahren hatte ich berichtenswerte Erlebnisse im Winter gehabt. Ich wohnte um den Jahrtausendwechsel in der Gartenstraße am Amalienplatz und fuhr einen Fiat Panda. Eine geile Karre mit Campingstühlen als Sitze. Bergab fuhr der bald 125 km/h laut Tacho. Mit dieser Karre war ich bald 5 Jahre unterwegs gewesen.
Entscheidend für die Wintergeschichte ist hier die 6-Volt Batterie. Auf meiner Fahrt zur Arbeit nach Salzgitter Lebenstedt hatte ich bei dieser schwächlichen Batterie so meine Probleme, wenn es zu feucht war. Dann waren die Kontakte feucht und der Vergaser soff dauernd ab, so dass ich seinerzeit öfters den ADAC Rettungsdienst kennenlernte.
Witzigerweise sprang die Karre bei trockener Kälte sogar trotz der schwächlichen Batterie an und fuhr dann auch im Schnee dank des geringen Körpergewichts souverän über schneeverwehte Straßen. So kann ich mich erinnern, dass ich mitten in sturmartige Böen und Schneeverwehungen kurz vor Vechelde hineinfuhr, als ich von Kohlen-Siggi (auch letztes Jahr verstorben, R.I.P.) nach Braunschweig zurückfuhr.
Es war dasselbe Wetter wie jetzt in der zweiten Februarwoche, aber vor 20 Jahren war niemand so dämlich, sich in einer Schneewehe festzufahren. Ich denke, die Leute sind einfach zu dämlich geworden. Natürlich sind die Karren allesamt schwerer und breiter als noch vor 20 Jahren. Aber dank zu roher Kraft der Motoren ist gefühlvolles Fahren nicht mehr möglich.
Mit diesem Panda bin ich seinerzeit auch fast in einen anderen Wagen hineingefahren. Bei jener Aktion hatte ich erstmals mitbekommen, was ein verlängerter Bremsweg bei festgefahrener und angeeister Schneedecke bergab bedeutet. Das ganze passierte auf der A 39 beim „Thieder Berg“, falls das noch jemanden etwas sagt.
Bis zum Umbau um die Jahrtausendwende führte die A 39 in Höhe der Hochhäuser der Danziger Straße in Thiede über einen Hügel mit starker Steigung und gleich darauf entsprechendem Gefälle. Daher war ich diesen Hügel auf dem Weg zu einer Partie Billiard in Lebenstedt auch entsprechend vorsichtig hinaufgefahren, da der Schnee auf der Straße festgefahren war.
Ansonsten war außer mir quasi niemand auf der A 39 unterwegs und es schneite unentwegt. Ein einziges anderes Auto konnte ich vor mir erkennen, als ich den Scheitelpunkt des Hügels erreicht hatte. Dieser Wagen war bereits am Ende des Gefälles angekommen und ließ die Bremsleuchten erstrahlen. Warum auch immer - der Fahrer hatte seinen Wagen zum Stehen bekommen.
Ergo dachte ich mir, bei der nun folgenden Fahrt bergab die Bremse zu betätigen. Erst langsam, dann immer fester.... Ich trat und trat und nichts passierte. Lenken ging auch nicht mehr. Wie mit einem Schlitten fuhr ich genau auf das andere Fahrzeug zu und hatte mich mehr oder weniger mit einem Auffahrunfall abgefunden.
Erst im allerletzten Moment konnte ich meinen Panda stoppen. In diesen gefühlt 10 Minuten des Landeanflugs über die Schneerutsche war ich um Jahre gealtert. Insofern kann ich eine vorsichtige Fahrweise auf glattem Untergrund nur befürworten. In meinen Schichten auf dem Taxi oder bei City Car hatte ich zuvor zwar schon ähnliche Erlebnisse erfahren dürfen, aber speziell dieses knifflige Bremsmanöver seinerzeit hat sich bei mir tief eingeprägt.

Sonntag, 14. März 2021

Hartmudo: Es schneit 1/3

1
...und das unaufhörlich. So war das jedenfalls Anfang letzter Woche so. Von den Medien am Wochenende gut vorbereitet fing es Samstags vor jenem 8. Februar gegen 22.00 Uhr abends an zu schneien. Hinzu kam ein böiger wie eisiger Wind, der über Nacht die Straßen und Häuser in der Stadt mit einer weißen Hülle eindeckte.
Es war dann Sonntagmorgen ungewohnt, aber auch schön, die weiße Landschaft im sanften Schneegetümmel zu betrachten. Auf unserem Balkon hatten sich ebenfalls kleine Schneehaufen gebildet. Die Bierkiste vom Wochenende - Phil und Candela waren zu Besuch gewesen - war gottlob leer. Auf den von Kronkorken befreiten Flaschenöffnungen hatten sich weiße Hauben gebildet, ebenso auf dem Rand der Kiste selbst.
Meine Löwin brach dann auch am Vormittag zum Spaziergang auf. Ohne mich, denn ich war noch vom Vortag geplättet. Da hatte 96 das erste Mal seit 23 Jahren das Derby in Braunschweig gewonnen. Und das, obwohl Eintracht in Führung ging. Letztendlich hatten mal wieder zwei schwache Minuten ausgereicht, dass Eintracht die Punkte aus der Hand gab. War ja nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Der Klassenerhalt wird so schwierig.
Schwierig wäre der Spaziergang für mich auch geworden, weil ich einfach nicht in Gang kam. Auch der spontane Vorschlag von Mary und Charles, zusammen einen Marsch durch den Schnee zu wagen, konnte mich nicht umstimmen. Einerseits ging es mir zu plötzlich (da kam mein bekannter Dickschädel durch), andererseits habe ich nicht das richtige Schuhwerk. Mir fehlen richtige Winterschuhe. Meine Wanderschuhe von Skeechers sind zwar im Harz ganz stabil gewesen, aber ob sie auch wasserdicht sind? Aber selbst das ist eine Ausrede.
Natürlich brauchte ich in diesem Jahrtausend so gut wie nie Winterstiefel und habe mir deshalb konsequenterweise schon lange keine mehr gekauft. Nein - mir spukte da schon etwas Anderes im Kopf herum. Die Arbeit! Am Dienstag müsste ich wieder ins Büro, und das dringend. Denn meine ganze Arbeit aus dem Home Office seit Donnerstag läuft auf dem Server bei meinem Arbeitgeber auf. Sechs Tage lang bleiben die Bescheide und Schreiben dort gespeichert, dann werden sie gelöscht.
Dank der derzeitigen Corona Schutzmaßnahmen war der Dienstag mein einziger Bürotag in der Woche. Wenn ich da nicht nach Salzgitter komme, müsste ich mir die Bescheide mühsam zusammensuchen oder gar komplett neu schreiben. Da hatte ich natürlich keinen Bock drauf und ließ mich von dem Gedanken daran runterziehen.
Mein Teamleiter Buck hatte uns noch am Sonntagabend freigestellt, am Montag zu Hause zu bleiben und im Home Office zu arbeiten oder gleich frei zu nehmen. Da ich am 8. Februar selbst im Home Office eingetragen war, betraf mich das zwar nur peripher. Aber beim Blick aus dem Fenster unseres Wohnzimmers konnte ich quasi den ganzen Montagmorgen sehen, wie sich einer nach dem anderen der Autofahrer in der Schneedecke auf unserer Seitenstraße festfuhr und allein nicht mehr rauskam.
lange nicht mehr gehabt

Nach meinem Feierabend ging ich mit meiner Löwin nach draußen. Es schneite zwar immer noch, aber dieser Tag ist für uns ein besonderer: Der 8. Februar ist unser Kennenlerntag - ein Termin, den ich höher einschätze als den Hochzeitstag. Dank Corona und Lockdown konnten wir dies eh nicht richtig würdigen, aber wenigstens einen schönen Abend mit „Vesper“ wollten wir uns gönnen, wenn wir schon nicht ins Restaurant gehen konnten.
In der langen Geraden der Sankt-Ingbert-Straße war der Wintereinbruch deutlich sichtbar. Eine bald 20 cm hohe Schneedecke ließ die Konturen zwischen Fahrbahn, Fuß- und Radweg sowie den Grundstücken links und rechts der Straße nahezu verschwinden. Die Straße war lediglich durch die Fahrrinnen erkennbar, der Fußweg war plattgetreten, wo irgendwann vorher mal gefegt worden war, oder aber nur von vielen Füßen geküsst worden, so dass man immer noch tief einsinken durfte, wenn man es wollte.
Wir kauften unsere Vesper bei Edeka und dem Schlachter Neubauer zusammen. Im ständigen Schneegestöber erreichten wir nach geraumer Zeit wieder die Hannoversche Straße, auf der sich der Autoverkehr mühsam voranschob. Statt Fahren wäre hier eher der Begriff des Kriechens angezeigt.
Und da hatte sich doch tatsächlich so ein gemieteter Kleintransporter - ein Daimler - in der Einfahrt zur Luftstraße festgefahren. Dort war natürlich weder gefegt noch gestreut. Die Reifen des Transporters mussten wohl durchgedreht sein, denn er stand noch zu einem guten Teil mit dem Heck auf der Hannoverschen, wo er den Verkehr behinderte. Das Warnblinklicht war an, am Steuer des Wagens saß niemand. Der Motor war aus.
Wir wunderten uns noch, als der Fahrer bereits mit einem Eimer Sand aus einem Hauseingang hervorkam. Meine Löwin sprach ihn noch an, ob wir anschieben sollten. Der Dussel reagierte da noch nicht einmal drauf und streute etwas Sand einfach vor die Vorderräder. Danach setzte er sich rein und startete den Motor.
Ein anderer Mann stellte die Kinderkarre mit seinem Sohn an der Seite ab und half ebenfalls noch mit beim Anschieben. Da der Fahrer nach wie vor nicht auf Fragen reagierte („Vor oder zurück?“), dauerte es etwas, bis seine Karre in Schwung und er schließlich in die tief verschneite Luftstraße hineinfuhr, bloß um dort nach wenigen Metern erneut festzusitzen.
Der Vater und wir hatten inzwischen die Schnauze voll und gingen weiter. Die Hauptstraße war nun wenigstens wieder frei, so dass der Verkehr dort wieder rollen konnte. Was mich immer noch ärgert, ist die Frau des Fahrers. Die saß nämlich die ganze Zeit feist auf dem Beifahrersitz und qualmte eine Kippe. Sie beteiligte sich in keinster Weise an der Aktion. Die alte Vettel hätte ihren Arsch auch ruhig mal bewegen können.

Montag, 8. März 2021

H. Lecter: Alf

25
Und es kam, wie es kommen musste: Alf, der zwischenzeitlich immer ruhiger geworden war, wurde wieder munter und begab sich zum ersten Tisch in seiner Nähe. Er setzte sich auf einen freien Stuhl und fing sofort an, die dort sitzenden 15 – 16jährigen Mädchen anzulabern und lächelte dabei sein strahlendes Lächeln.
Ja, ich weiß, wie sich das anhört. Als ich das eben niederschrieb, musste ich auch sofort an dieses böse Wort Kinderfxxx denken. Damals hatte das keiner von uns so gesehen, auch nicht der Alt68er. Dazu war Alf einfach zu freundlich gewesen, das hätte ihm keiner, der ihn kannte, zugetraut.
Ich denke, dass er wahrscheinlich eine Neigung in dieser Richtung gehabt haben mag, aber diese nie ausgelebt hatte. Und ich sehe zwar auch ab und an „Criminal Minds“, aber trotz allem sehe ich Alf nicht als zukünftigen Vergewaltiger oder gar Serienmörder. Seit Alfs Tod ist dies eh obsolet.
Notgedrungen setzte sich der Lehrer an einen der Tische und schaute sich Alfs Gebaren resigniert an. Er schilderte mir noch kurz, dass Alf seine Schülerinnen früher schon einmal zugelabert hatte. Es blieb da aber nur beim Reden, ansonsten wäre er – und sicherlich auch der Wirt – eingeschritten.
Kurze Zeit später erlösten wir den Wirt und den Lehrer von Alf und schliffen ihn zu meinem Panda, auf das ich ihn nach Hause bringe. Zu viert rauschten wir also ab und fuhren nach nicht einmal einem Kilometer in seine Straße ein. Kaum waren wir dorthin abgebogen, meldete sich Alf zu Wort:
„Kommt doch noch mit hoch, Jungs. Meine Frau möchte Euch kennenlernen! Ach bitte, kommt doch mit“
Wenn wir eins wussten, dann dies: Alfs Frau wäre alles andere als begeistert gewesen, wenn der stark lallende Alf auch noch seine Saufkumpane mit in die Wohnung gebracht hätte. Hinzu kam, dass die auf Alf einstürmende frische Luft ihm die Beine wegriss, als er aus dem stark geheizten Panda ausgestiegen war.
Nicht zum ersten Mal brauchte Alf jemanden, der ihn stützte. An diesem Abend waren sogar zwei starke Arme erforderlich, um ihn zur Eingangstür zu wuchten. Alf wohnte im zweiten Stock. Also klingelten wir an seiner Bimmel und lehnten ihn wie einen Baumstamm gegen die Eingangstür. Und schnell wie der Wind zogen wir uns zum Auto zurück; man könnte sogar fast behaupten, dass wir gelaufen waren.
Wer aber wirklich lief, war Alf. Und zwar in dem Moment, als wir im Panda saßen und der Motor lief. Laut „Kommt zurück! Meine Frau will Euch noch kennenlernen“ rufend kam der geölte Kugelblitz auf uns zu.
Ich fackelte nicht lang und legte schnell den Rückwärtsgang ein, dann fuhr ich los. Nach vielleicht 50 Metern – Alf lief uns immer noch hinterher – bekam der Alt68er Mitleid. „Das können wir doch nicht machen, Jungs. Wir müssen ihn zu seiner Frau in die Wohnung schaffen.“
Mike und ich schauten uns nur an, dann stoppte ich den Wagen. „Dann mach Du doch“, sagte ich belustigt. „Wir kennen das schon.“ Der Alt68er stieg aus, ging Alf entgegen und schob seine Schulter unter Alfs Arm. Ich wendete meine Karre und fuhr Mike nach Hause. Umgeschaut hatten wir uns nicht mehr, denn wie gesagt: Wir kannten Alf.
Deshalb wussten wir ganz genau, dass seine Frau in Anwesenheit seiner Kumpels zwar nicht meckern würde, aber ihre Gesichtszüge in dem Moment entgleiten würden, in dem grad niemand hinschaut. Diesen Kampf müsste Alf allein ausfechten, unsere Anwesenheit hätte es für ihn nur noch schlimmer gemacht.
Am nächsten Tag waren wir wieder auf der Arbeit und putzmunter – bis auf den Alt68er. Alf kam gar nicht mehr aus dem Lachen heraus, als er Mike und mir den weiteren Hergang des vergangenen Abends schilderte.
Der Alt68er hatte Alf doch tatsächlich noch in den zweiten Stock gewuchtet und begrüßte dann erstmal Alfs Frau, die sich sicherlich freute, ihn kennenzulernen. Der Alt68er fing mit einem genuschelten wie gelallten „Hello, my Dear“ an und wechselte die Sprache gar nicht mehr. Will sagen: Während seines gesamten Aufenthaltes in Alfs Wohnung sprach er dessen Frau auf Englisch an.
Als Krönung telefonierte er noch eine geschlagene halbe Stunde mit seiner Frau – ebenfalls auf Englisch. Sie sollte ihn abholen. Leider wusste er nicht, wo er sich gerade befand, so dass Alf hier noch Unterstützung geben musste. Das Gesicht von Alfs Frau hätte ich während dieser halben Stunde gern gesehen gehabt.
Nicht gerade überraschend lehnte es die Frau des Alt68ers ab, ihren stark alkoholisierten Gatten abzuholen. Er musste wohl oder übel mit der Taxe nach Hause. Da er es am nächsten Tag nicht ins Büro geschafft hatte, ist davon auszugehen, dass er wohl noch einen kleinen Schlenker über eine von ihm sehr geliebte Gartenkantine nahm.
Es ist wirklich erstaunlich, dass ich in den bald 10 Jahren (der Alt68er starb leider Anfang des Jahrtausends auf tragische Weise) nicht mehr gemeinsame Events mit beiden zusammen erleben durfte.

Sonntag, 7. März 2021

Contramann: kurz gesehen im März

Vornweg mal etwas Anderes als Corona. Anfang Januar stürmte ein Mob von Trump Anhängern das Kapitol in Washington, was auch in Deutschland die Medien Alarm schlagen ließ. Ganz klar, hier war die Demokratie in Gefahr! Anders als eineinhalb Jahre zuvor in Hongkong, als „Demokraten“ das dortige Parlament des demokratiefeindlichen Regimes der Chinesen stürmten. So jedenfalls stellten es dieselben Medien dar.
Oder bei den Gelbwesten in Frankreich vor 2 Jahren... Oder der Wasserwerfer vor einigen Jahren bei einer Stuttgart 21 Demo, der einem Rentner ein Auge weggeschossen hatte. Vergleicht man die seinerzeitige Berichterstattung in unseren Topmedien mit deren Berichterstattung zu Demonstrationen in Weissrußland oder der Navalny-Anhänger kürzlich in Moskau, fällt schon die unterschiedliche Wertung gleicher Vorgänge auf.
Machen wir uns nichts vor: Eine wirklich unabhängige Presse gibt es nicht (mehr).

https://www.heise.de/tp/features/Schule-funktioniert-nicht-von-zu-Hause-5003460.html
Noch einmal etwas Anderes als Corona. Dieses wohltuend unaufgeregte Interview lenkt den Fokus auf das leidige Thema E-Learning, welches bereits seit längerem immer mal wieder aufs Tableau kommt, wenn es um die Bildung geht. Das schlechte Abschneiden des deutschen Schulsystems wird durch die Pisa Studie erkennbar gemacht und als Gradmesser herangezogen.
Immer mehr E-Learning soll angeblich die Lernkompetenz der Kinder stärken. Es gelte, jedem Kind den „Zugang zu einem Computer“ bereits im Kindergarten zu ermöglichen. „Sozial“ engagierte Unternehmen wie Microsoft und Apple helfen da gern „uneigennützig“, damit auch Kinder aus bildungsfernen Familien eine Chance haben.
Eine Chance worauf? In den vergangenen Jahren hatte ich ja bereits öfter über die vorherrschende Fehleinschätzung der Medienkompetenz von Kindern gelästert. Einfach gesagt: Kinder daddeln eher am Gerät, als dass sie sich mit Word oder Excel beschäftigen. Ich habe früher lieber Fußball gespielt, als meine Hausaufgaben zu machen. Heute begibt man sich in die virtuelle Realität.
Und genau das ist für jüngere Kinder eben falsch, weil sie den Umgang mit anderen menschlichen Wesen, auch Erwachsenen, nicht lernen, da sie sich immer ausklinken, wenn es schwierig oder langweilig wird. Der Wirtschaftsdozent Ingo Leipner meint, dass Kinder bis 12 oder 14 Jahren kein Smartphone benötigen würden. Ich würde die Altersgrenze eher bei 15 Jahren ansetzen, aber das nur aus einem sehr persönlichen Bauchgefühl heraus.
Das durch die Corona Maßnahmen erzwungene E-Schooling jedenfalls hat eben nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Mist - jetzt bin ich doch wieder bei Corona gelandet. Schluss jetzt!

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/buero-schule-bundestag-trotz-corona-jetzt-wird-wieder-in-die-haende-gespuckt-a-455f85de-3853-4bff-bc00-689c67e11552#ref=rss
Dieser Artikel vom 10. Januar ist Anfang März natürlich überholt. Nicht, weil der Lockdown jetzt zumindest größtenteils zurückgenommen wäre. Nein, weil er immer noch besteht und mittlerweile jeder zumindest irgendwo spürt, dass die handelnden Personen (Kanzlerinnen- und Ministerpräsi Runde) eher gar nicht handeln.
Immer noch sind die Schulen und der Einzelhandel wie Gastronomie und Co zu, wird Privatleben und Freizeit stark eingeschränkt. Aber Arbeiten geht (da, wo kein Kundenkontakt ist). Anfahrt zur Arbeit ist egal, Hauptsache Restaurants und Kinos sind dicht. Konzept geht anders.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/deutschland-braucht-die-ffp2-maskenpflicht-a-0a6f4051-d3f6-4eb8-9aaf-e91ec2e9e13c
Was für ein dämlicher Kommentar. Sicherlich, Söder hatte dies in Bayern bereits Mitte Januar eingeführt. Das Ganze bringt aber nur etwas, wenn man die Maske korrekt aufsetzt. Vor allem muss man den Bart abrasieren. Ich weiß nicht, das kommt mir irgendwie bekannt vor...
„ABC Alarm! MG Feuer von links!! Stellung!“ Ja, jetzt weiß ich es wieder. Die ABC Schutzmaske musste innerhalb von 7 Sekunden aufgesetzt sein, sonst „üben wir das am Wochenende.“ Ich hatte eigentlich gehofft, mit der Bundeswehr seit 35 Jahren abgeschlossen zu haben. Wie man sich doch täuschen kann.
Ein Argument noch gegen die FFP2 Maske: Eine solche ist Sondermüll und somit zu vermeiden. Der nur geringfügig verbesserte Schutz rechtfertigt eine solche Maske höchstens bei Pandemien wie Pest oder Cholera, bei der die Todeszahlen immens höher waren. Wer verdient sich eigentlich bei den FFP2 Masken eine goldene Nase?

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-gruenen-waehrend-der-corona-krise-die-regierungsbeschuetzer-a-f0309972-a3f5-469e-8fcd-07cfb9beb73d?sara_ecid=soci_upd_wbMbjhOSvViISjc8RPU89NcCvtlFcJ
Schon mal im Hinblick auf die kommenden Wahlen, insbesondere die Bundestagswahl im September. Es ist schon auffällig, wie die Grünen bei den diversen Debatten im Bundestag die Regierung verteidigen. Gott schütze uns vor Schwarz-Grün.
Einen hierzu an alle Grünwähler:
Ein Akademiker mit hohem ökologischen Bewusstsein und hohem Einkommen, der öfters eine Fernreise unternimmt, verfügt über einen höheren ökologischen Fußabdruck als eine „Umweltsau“, die sich keinen Urlaub leisten kann.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-eine-wichtige-mitteilung-und-botschaft-a-90990a39-d675-4eaa-b092-ddb0b043c08e
Genau diese Rede von Frau Merkel habe ich in der ARD auch gesehen. Kurz vor dem DFB Pokal Achtelfinale Dortmund gegen Paderborn. 3:2 nach Verlängerung, so viel zum Wichtigen. Kuzmany hat das Interview mit Merkel in diesem Kommentar gut aufgespießt. Ausgerechnet Kuzmany, der ansonsten doch mehr als 100% auf Regierungslinie lag.
Bitter allerdings auch, wie Merkel vollkommen abgehoben es schafft, mit vielen Worten nichts zu sagen.

Mittwoch, 3. März 2021

Udorallala: Noch nicht Schicht

Mittwoch letzter Woche bin ich durch Zufall über Sebastian Pufpaff gestolpert. Der sendet seine Fünf Minuten dauernde Sendung „Noch nicht Schicht“ auf 3Sat vier mal pro Woche aus seinem eigenen Home Office. Die Sendung allein ist ja schon eine Erwähnung wert, aber neben Pufpaffs schnörkelloser Performance fiel mir sofort die Titelmusik auf.
Kapelle Petra. Der Song „An irgendeinem Tag wird die Welt untergehn“ aus dem starken Album „Nackt“ von 2019 war mir bislang nicht bekannt oder nicht in Erinnerung geblieben. Für mich der Song für diese Corona-Zeiten. Wenn ich diesen Song höre, habe ich häufiger fast Pipi in den Augen. Weil er einen Optimismus verbreitet, den ich leider nicht verspüre.
„An irgendeinem Tag wird die Welt untergeh'n
Doch an allen andern Tagen halt nicht
An irgendeinem Tag ist das alles vorbei
Aber jetzt ist noch nicht Schicht
Irgendwann geh'n irgendwie die Lichter aus
Und bis dahin machen wir das Beste draus“
Der Gesang erinnert tatsächlich an Sportfreunde Stiller, welche nicht gerade zu meinen Lieblingsbands gehört - eben wegen des Gesangs. Wobei ich festhalten möchte, dass ich diese Assoziation erst nach Lektüre der Bandbiographie auf laut.de hatte. Im allerersten Moment musste ich doch tatsächlich an Rio Reiser denken.

     

Die Band stammt aus Münster und soll nach laut.de auch an die Hamburger Schule erinnern. Wobei mir ein Vergleich mit den Sternen, Palais Schaumburg oder Ede und die Zimmermänner ein wenig arg weit hergeholt wirkt. Sicher hat die Kapelle auch ungewöhnliche Texte, es fehlt aber der quasi dadaistische Ansatz. Hinzu kommen die vergleichsweise gefälligen Melodien, die jegliche Anklänge an Freejazz (würg) vermissen lassen.
Am heutigen Mittwoch, dem 3. März, tagt wieder die Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin. Dieses Gremium, welches sich anmaßt, Regelungen zu treffen und Grundrechte ohne Beteiligung des Parlaments einzuschränken, ohne dafür durch die Verfassung tatsächlich legitimiert zu sein, beschließt heute über den weiteren Verlauf des bis zum kommenden Sonntag, dem 7. März festgelegten Lockdowns.
Erfreulicherweise konnte ich bei unseren Qualitätsmedien in den letzten Tagen ein stetiges Umschwenken der offiziellen Haltung zu den Maßnahmen zur Corona Eindämmung hin zu einer baldigen Beendigung des Lockdowns feststellen. Das wird dann aber auch langsam mal Zeit; die Leute scheren sich eh immer weniger um die Einhaltung der beschlossenen Maßnahmen. Das habe ich nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei jeder Person in meinem persönlichen Umfeld festgestellt. Selbst die größten Befürworter des Lockdowns suchen in Abwesenheit jeglichen Schuldbewusstseins seit dem Jahreswechsel nach Möglichkeiten, die Maßnahmen umgehen zu können.
Es ist halt auch leider so: Durch die Corona Maßnahmen fühlen wir uns alle entmündigt. Jeder wird pauschal als potenzieller Infizierer hingestellt, vor dem man die Bevölkerung schützen muss. Gleichzeitig wird den Menschen nicht zugetraut, sich selbst schützen zu können. Mittel hierzu sind Maske und Abstand halten.
Wenigstens ist der DAX weiter angestiegen, während Selbstständige und kleine Unternehmen immer noch nicht wissen, ob sie ihrem Erwerb jemals wieder nachgehen können. Das ist der Neoliberalismus, Baby!
Aber genug davon. Kapelle Petra zeigt uns den korrekten Umgang in diesen Zeiten. Bleiben wir optimistisch und lassen uns nicht unterkriegen. Und wenn auch die finanzielle Basis für Einige wegzubrechen droht, bleibt ihnen immer noch der Megasong von Jürgen Zeltinger: „Morgen geh‘ ich aufs Sozialamt!“

Sonntag, 28. Februar 2021

Uncle Fester: grad gelesen Februar 2021

Dennis E. Taylor - Die Singularitätsfalle
Bekannt wurde er mit den bislang drei Romanen der Bobiverse-Reihe. Ein Mensch, der in einen Computer hochgeladen wird und alle Möglichkeiten einer KI hat, ohne seine Menschlichkeit zu verlieren. Das ist das Thema von Dennis E. Taylor und auch mit diesem neuen Roman, einem Einzelstück, nimmt der Kanadier das Thema wieder auf.
Ivan Pritchard heuert auf dem Asteroidenkreuzer Mad Astra an, um seiner Familie auf der kurz vor dem ökologischen Kollaps stehenden Erde ein auskömmliches Leben zu ermöglichen. Die Mad Astra hat einen Asteroiden zur Ausbeutung zugewiesen bekommen. Hopp oder Topp ist hier das Motto: Entweder wird die Crew auf der Suche nach Metallen und seltenen Stoffen fündig oder aber sie sind pleite; denn alle - auch Pritchard - mussten Anteile an dem Geologentrupp kaufen, damit das Unternehmen auch nur starten konnte.
Selbstverständlich hat die Crew tatsächlich Erfolg und kann den Asteroiden so gut an eine der Bergbaufirmen verkaufen, dass jeder Milliardär wird. Leider fasst Ivan Pritchard ein besonders schönes Stück Felsen an, welches sich als Alienartefakt entpuppt. Pritchard wird kontaminiert und sein Körper wandelt sich nach und nach um. Das Fleisch wird durch Chrom ausgetauscht.
Lediglich Pritchards Bewusstsein läuft auf diesem Computer, aber die eigentliche Kontrolle hat das Alien, welches Pritchard Ralph nennt. Ralph ist ein Vertreter der „Uploads“, ehemalige Lebewesen, die sich in diese Computer hochgeladen haben und als Schwarmintelligenz gegen ihre Feinde, die künstlichen Intelligenzen kämpfen, die die einzelnen Alienvölker einst selbst geschaffen hatten.
Ralph überlegt, ob er die Menschen uploaden und in den Kampf gegen die KIs einbeziehen oder aber vernichten soll, damit die Menschen nicht den KIs als Ressource dienen.
Während Pritchard versucht, Ralph auszutricksen, um die Menschheit zu retten, versucht das irdische Militär die Mad Astra mit Pritchard und Ralph als vermeintliche Feinde mit Atomraketen auszulöschen. Captain Jennings und Doc Kemp von der alten, inzwischen von der Seuchenbehörde evakuierten Besatzung, wollen mit der Pathologin Narang von eben dieser Behörde die drohende Katastrophe verhindern, da ein militärischer Schlag sinnlos ist.
Letztendlich arbeiten alle Menschen auch mit Pritchard zusammen und können Ralph von einer dritten Alternative überzeugen. Die Menschheit verpflichtet sich zum Upload in ungewisser Zukunft. Als Ausgleich rettet Ralph den Planeten und beseitigt ökologische Schäden, denn die Menschheit stand deshalb schon vor dem Aus.
Ein netter Zeitvertreib, dieser Roman. Er war angenehm zu lesen, aber die Handlung selbst war übersichtlich gestaltet. Sehr spannend ging es also nicht zu, da war die Bobiverse Reihe schon wesentlich interessanter.

                  

Dennis E. Taylor - Outland der geheime Planet
...und gleich der nächste Einzelroman von Taylor hinterher, wo ich grad mal so schön dabei bin. Es handelt sich hier um eine Überarbeitung seines allerersten Romans, den er vier Jahre zuvor als Selbstpublikation veröffentlicht hatte. Und warum auch nicht. Wenn man auf der Erfolgswelle reitet, sollte man das noch einmal mitnehmen.
Laut Beschreibung auf der Rückseite des Buches entdecken sechs Physikstudenten bei einem Experiment ein Portal in eine Parallelwelt. Nicht ganz zu Unrecht werden da Assoziationen an „Stargate“ wach. Quasi gleichzeitig bricht im Yellowstone Nationalpark ein Supervulkan aus, so dass die neue Erde als Rettung für die Menschheit erscheint.
Erscheint. Und deshalb war ich auch ganz gespannt auf diesen Roman. Meine Erwartungen wurden zwar nicht erfüllt, aber die Lektüre gestaltete sich dank des lockeren Schreibstils von Taylor als sehr unterhaltsam. Was nicht passte - und das ist mir leider schon sehr oft passiert - war die Beschreibung zu dem Buch.
Es geht schon mal damit los, dass wir hier lediglich über drei Physikstudenten sprechen. Richard hatte mit Kevin, dem typisch verschrobenen Genie und Einzelgänger, das Portal in eine andere Raumzeitdimension erfunden. Richards Intimspezi Bill ist der dritte Physiker, der die nötige Hardware zusammenkloppen wird. Mit ihm zusammen steigt noch Matt ins Geschehen ein. Das Computergenie wird die entsprechende Software bereitstellen und ist außerdem mit der Geologiestudentin Erin liiert.
Erin stößt erst etwas später zu der Gruppe, nachdem sie beinahe bei einem ersten Ausbruch des Supervulkans getötet worden wäre. Sie bringt dann später noch ihre beste Freundin und Zoologin Monica mit in die Gruppe. Dies erweist sich als notwendig, als sich herausstellt, das die geöffnete Parallelwelt im Pleistozän (Steinzeit bis vor 12.000 Jahren) verharrt. Dort scheint jedoch kein Supervulkan in Indonesien das Artensterben ausgelöst zu haben, weshalb Mammuts, Säbelzahntiger oder auch Riesenfaultiere die Landschaft dominieren. Von Primaten ist dort keine Spur vorhanden.
Diese Sechs planen nun, ihr Studiengeld durch Goldschürfen in der unberührten Parallelerde ein wenig aufzubessern. Beim Verkauf des Goldes ziehen sie aber die Aufmerksamkeit der Gangster Zeke und Carl auf sich. Diese wollen der Gruppe das Gold abnehmen, finden sich aber ziemlich alleingelassen auf der Parallelerde wieder, weil die Sechs die gestellte Falle durchschauen.
In einem Akt unerwarteter Aktion, ja Brutalität, werden beide später durch Monica umgebracht, als sie versuchen, die Rückkehr zur normalen Erde mittels Entführung zu erpressen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Supervulkan im Yellowstone bereits ausgebrochen; die Gruppe schafft es gerade noch, ca. 300 Leute - überwiegend Studenten - zu retten und auf der neuen Erde ein Camp zu errichten.
Immer wieder begeben sich die sechs „Toreigentümer“ zu Exkursionen auf die alte Erde, um das Camp mit Waffen und Absperrungen gegen die wilden Tiere absichern zu können. Bei einer dieser Touren gerät Bill auf der Originalerde in die Gewalt von Resten der Nationalgarde unter Lieutenant Collins und Korporalin Chavez., welche ihrerseits einige Hundert Menschen retten konnten.
Diese siedeln dann auch zur Parallelerde über. Die Nationalgarde ist bei dieser Gelegenheit behilflich, die Rebellion eines der Studenten zu bekämpfen. Die kurze Schreckensherrschaft von Adam Velitchkov (russischer Name, aha!) ist das letzte Hindernis, das es vor dem Happy End zu beseitigen galt.
Zwischendrin werden immer mal Nachrichten aus der Originalerde eingestreut. In diesen Schnitzeln wird deutlich, dass die riesige Aschewolke eine neue Eiszeit auslöst und ein großes Sterben von Flora und Fauna auslöst, was zum Zusammenbruch der Zivilisation mit Milliarden von Toten führt.
Dem ganzen Roman merkt man an, dass dies Taylors Erstlingswerk ist. Die Nebenstories wie z.B. der Aufstand der unzufriedenen Studenten oder die beiden Gangster werden notdürftig in die Haupthandlung integriert, fügen ansonsten aber keinen Mehrwert hinzu. Vergnüglich war das Lesen dennoch, aber wer nicht so ein Bücherjunkie wie meinereiner ist, verpasst nicht den nächsten Literaturnobelpreisträger.

Dienstag, 23. Februar 2021

Hartmudo: Mutter

67
Sunnys Beleidigungen nach unserem Besuch bei der Nord/LB waren mir keine weiteren Gedanken wert, zumal ich mich ziemlich schnell auf Berta konzentrierte. Berta nahmen diese hasserfüllten Beleidigungen durch Berta sichtlich mit. Auf dem Weg zum Auto weinte sie hemmungslos.
Sanft streichelte ich ihren Arm, um sie zu trösten. Doch Berta war viel zu sehr verletzt, als dass sie meine Geste überhaupt mitbekommen hätte. Dass sie von Sunny als Lügnerin hingestellt wurde, war sicherlich zu viel für Berta. Doch zum Glück enthielt sie sich jetzt jeglichen Kommentars.
Falls sie sich umgedreht und Sunny ihrerseits angegangen hätte, wäre höchstens für die nicht vorhandenen Passanten (zum Glück) interessant gewesen. Ich glaube, dann wären die Fäuste geflogen. So aber gingen Berta und ich stumm weiter, begleitet nur von der immer leiser werdenden Stimme von Sunny, während Bertas Heulen und Schluchzen immer lauter wurde. Der DJ nennt dies wohl Fading.
Bud wartete auf dem Polizeiparkplatz auf uns. Er brauchte uns nicht zu fragen, wie es gelaufen war. Bertas Tränen waren redsam genug. Bud atmete lediglich tief durch, murmelte etwas davon, dass es jetzt endlich vorbei wäre, und fuhr los. Nach Lehndorf, wo meine Löwin bereits auf uns wartete.
Bud wie Berta nahmen meine Einladung zum Kaffee gerne an. Bei Berta und mir bestand jetzt absoluter Redebedarf; im Auto waren wir noch in einer Schockstarre gefangen ob des Theaters, welches Sunny nach der Bank im Einkaufszentrum entfacht hatte. Vor allem Berta, die am Boden zerstört war, konnte ich nach dieser Aktion nicht einfach so nach Hause fahren lassen.
Denn ihre größte Angst bestand darin, dass auch noch der Rest der Familie, also wir beide, im Streit auseinander gehen würden. Dies erwähnte sie im Auto wohl auch ausdrücklich. Derartige Befürchtungen waren zwar grundlos, doch ich konnte dies nicht lediglich durch Beteuerungen der Treue meinerseits bekunden.
Hinzu kam, dass nach diesem missglückten Nachmittag keine Notwendigkeit mehr bestand, sich weiter mit Sunny Auge in Auge auseinanderzusetzen. So pervers es sich anhört: Dies war eher ein Grund zu feiern als zu trauern. Wir brauchten einen sichtbaren Abschluss. Einen, der den Schlusspunkt setzte und uns wieder positiv in die Zukunft blicken ließ. Was gibt es da besseres als eine Tasse Kaffee?
Meine Löwin sah Berta nur kurz an und nahm sie dann sofort in den Arm. Ohne das sie wusste, was überhaupt vorgefallen war, erkannte sie an Bertas tränenreichen Augen, dass es am Nachmittag mal wieder heftig abgegangen war. Natürlich wollte sie auch über das Geschehen informiert werden. Da war selbst sie neugierig; Bei Streitigkeiten in der Familie nimmt sie grundsätzlich Anteil, zumal sie selbst mit betroffen war.
Nachdem wir alle am Esszimmertisch Platz genommen und Kaffee bzw. Tee nebst Keksen vor uns stehen hatten, begannen Berta und ich mit der Schilderung des Vorfalls. Unter Tränen brach es dann bei Berta durch. Dass Sunny sie als Lügnerin hingestellt hatte, war für sie besonders verletzend. Sie wertete dies als einen weiteren Versuch von Sunny, einen Keil zwischen mir und Berta zu treiben.
Schließlich sei es schon immer Sunny gewesen, die gelogen und Berta bereits in der Kindheit unterdrückt hätte. Und immer wieder äußerte sie ihre größte Sorge, dass der Kontakt zu mir und meiner Löwin wegen dieser ganzen Erbschaftsstreitigkeiten und den Intrigen seitens Sunny abbrechen könnte.
Da wäre für sie garantiert die Welt zusammengebrochen; das hätte sie bestimmt nicht verkraften können. Meine Löwin und ich waren über den heftigen Schwall an Gefühlen, die aus Berta hervorbrachen, sehr berührt und versuchten sofort, Bertas Ängste zu zerstreuen. Vehement versicherten wir Bud und Berta, dass sich an unserem Verhältnis zueinander nichts ändern würde. Berta brauchte von uns in dieser Situation ein klares Bekenntnis zu ihr und die Sicherheit, dass wir die ganze Angelegenheit ohne Schaden an unserem zukünftigen Umgang miteinander überstehen würden.
Für meine Löwin und mich stand dies eh nicht zur Debatte. Und so nach und nach konnten meine Löwin und ich dazu übergehen, Berta mit Buds Hilfe etwas aufzubauen. Ein Scherz hier, ein Scherz da - ganz langsam ging es Berta besser. Nach kurzer Zeit konnten wir zusammen wieder etwas lachen und entspannten uns.
Da stand der Obstler bereits auf den Tisch; Berta flössten wir zur Beruhigung den einen oder anderen ein. Auch hierbei ließ ich meine Sestra nicht im Stich, daneben nagelte ich schnell mal fünf Gin Tonic weg. Und während sich die Stimmung beruhigte und drohte, ins Positive umzukippen, wollte ich kurz auf mein Smartphone schauen und sehen, ob Sunny nicht noch eine ätzende Whatsapp abgesondert hatte.
Mein Smartphone? Wo war mein Smartphone? Es war weg. Wie ein Hammerschlag durchfuhr mich der Schock, auf einmal wurde mir ganz heiß. Wie weggewischt waren die erleichterten Gedanken der letzten Minuten, weil wir uns ausgesprochen hatten und uns jetzt bewusst wurde, dass all der Ärger der letzten Monate zu Ende gegangen war.
Sofort brach meine Paranoia wieder durch. Und sie ist stark in unserer Familie, die Paranoia. Sunny! Sunny musste mir das Smartphone weggenommen haben, als ich es auf dem Schreibtisch von Frau Peters liegen gelassen hatte, weil ich zum Geldautomaten gerannt war und die Kohle abgehoben hatte.
Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr steigerte ich mich in die Paranoia hinein. Auf meinem Smartphone war ja auch mein Adressbuch drauf. Da hätte Sunny leicht an Harald über mein Smartphone eine fiese Nachricht - in meinem Namen - senden können. Am folgenden Sonntag wollten meine Löwin und ich mit Harald und seiner Freundin Maria ins Eintracht Stadion gehen; Karten hatte ich schon.
Ich bildete mir doch tatsächlich ein, dass Sunny mich über eine Whatsapp Nachricht bei Harald madig machen würde. Dazu noch die anderen Adressen. Zu meinen Kollegen, meinen Freunden. Mein Puls ging höher und die Vernunft sank in den Keller.
Die vielen Kinder, die per Facebook von ihren Mitschülern gemobbt worden waren, fielen mir ein. Das derartige Mails, von Sunny mit meinem Smartphone abgesendet, trotz des ganzen Stresses ein absolut schwachsinniger Gedanke war, kam mir nicht in den Sinn. Solch schräge Gedanken sind meiner Familie nicht fremd. Ob Mutter, Sunny oder auch Berta: Unter Stress tendieren wir alle zu solchen Fehleinschätzungen.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Contramann: Impfen

Ein User (SoShy) aus dem Telepolis Forum vom 16.02.2021 zu folgendem Artikel:

"Lassen Sie sich impfen, dann sind Sie sicher
Und kümmern Sie sich nicht um mich. Ich kann Sie dann nicht mehr anstecken. Sie sind geimpft und somit sicher. Falls Sie sich um Andere sorgen, sorgen Sie dafür, dass diese sich impfen lassen, ignorieren Sie mich einfach.
Falls das Virus mutiert, sind Sie entweder geimpft und sicher oder wir sind beide nicht sicher. Dabei ist es völlig gleich ob ich einmal geimpft wurde oder eben nicht.
Sind Sie geimpft und werden Sie trotzdem krank, dann kann natürlich nur ich, als "nicht geimpfter Mensch" daran Schuld sein. Auf die Idee, der Impfung die Schuld zu geben oder dem Virus oder der neuen Mutation werden Sie nicht kommen wollen, denn Sie haben ja mich. Das ist die Hilfe die ich Ihnen geben kann, denn jetzt ist nicht das Leben schuld, sondern eine bestimmte Person. Sie wissen zwar nicht wann, wie und wo ich Sie angesteckt haben soll, Sie können auch den Infektionsvorgang wissenschaftlich nicht nachweisen aber ich kann immerhin theoretisch Schuld sein. Das muss reichen, mehr hatte die Inquisition auch nicht zur Verfügung. (*sIcnr).
Alles andere sind Ableitungen dieser Logik.
Ausnahmen davon wären möglicherweise:
- Alte Menschen, die man vielleicht nicht impfen sollte. Aber das ist kein Problem, die impfen wir aktuell als Erste. Diese sind also bald geschützt, so sie die Impfung, die ja zur Unzeit geschieht, überleben. Zur Unzeit, denn man impft üblicherweise nicht, solange das Immunsystem runtergefahren ist. Gegen Grippe wird man man Anfang Herbst oder Ende Sommer immunisiert, nicht mitten im Winter. Aber Covid ist ja nicht die Grippe.
- Sehr junge Menschen, die man vielleicht noch gar nicht impfen darf. Die Baby's oder Kleinkinder haben dankenswerterweise, das Lymph- und Immunsystem eines 600 Kilo schweren Ackergauls.
Als ich im Herbst das letzte Mal beim RKI nachsah, war in Deutschland ein Kind unter 10 Jahren an Covid verstorben. Ich bin mir ziemlich sicher, ich habe es nicht angesteckt. Und ich kenne auch kein Kind, das an der Nachwirkungen einer Coviderkrankung leidet. Die Wahrscheinlichkeit an Covid zu sterben oder zu erkranken scheint für die Kleinen sehr, sehr, gering zu sein. Steigt sie drastisch an, können wir neu nachdenken.
Weitere Probleme fallen mir aktuell nicht ein. Ach eines noch:
Sollten Sie Angst davor haben, dass die Impfung bei Ihnen nicht wirkt, lassen Sie sich noch einmal impfen. Am Besten mit konkurrierenden Medikamenten.
Berechnet man mit welcher Wahrscheinlichkeit sie nach zwei Impfungen erkranken könnten, dann ist diese ungefähr identisch mit der Wahrscheinlichkeit mit der ich in der Lage wäre Sie anzustecken, hätten wir beide, je eine Impfung erhalten. Gegenüber Dritten ist Ihr Schutz durch zwei Impfungen natürlich besser als einem getrennten Vorgehen.
Also, lassen Sie sich impfen, dann kann ich Ihnen nichts tun. Selbst wenn ich versuchen sollte, Sie mit Hilfe von Covid umzubringen, wäre das ein ein Vorgehen mit geringen Erfolgsaussichten. Und ich kann Ihnen versichern, ich möchte sie nicht umbringen. Ich möchte schließlich nicht mal selbst erkranken.“
 
An diesem Text eines offensichtlichen Impfgegners konnte ich nicht vorbeigehen. Es ist ein schöner Kommentar zum gegenwärtigen Irrglauben, dass die Impfung Corona besiegen kann und wir alle schnell zu unserem Leben mit Malle(diven)-Urlaub und Proseco Frühstück zurückkehren können. Dem sind einerseits die Mutationen vor, andererseits aber auch die Wirksamkeit der Impfstoffe selbst. Bislang kann diesen lediglich attestiert werden, dass sie eine schlimme und damit lebensbedrohliche Erkrankung an Covid 19 verhindert.
Das bedeutet, dass man immer noch infiziert werden kann. Somit kann man auch andere anstecken, ohne aber selbst schwer zu erkranken. Wenn das schon ausreichen sollte, um alle Maßnahmen zur Eindämmung vom Corona-Virus aufheben zu können, dann frage ich mich, warum man dann nicht die Risikogruppen (über 80jährige und Menschen mit schlechter Immunabwehr) konsequent schützt und alle anderen, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung eher vernachlässigbar ist, in Ruhe lässt. 
Nach einem Jahr sollte zumindest dies aus dem Infektionsgeschehen herauslesbar sein. Und die bei vielen vorherrschende heimliche (weil zugeben tut dies keiner - was sind wir doch alles für Heuchler) Freude über das erzwungene Home Office bei voller Bezahlung, stellenweise sogar auch der Kurzarbeit mit 90% des Lohnes, weicht so langsam der Erkenntnis, dass dies nicht ewig so weitergehen kann.


Samstag, 13. Februar 2021

Sam Phillips 2/8

2
Trotz dieses Flops sollte sich in den nächsten Jahren die Freundschaft zwischen dem eher nüchtern agierenden Sam und dem sämtlichen Räuschen zugeneigten Dewey für beide auszahlen. Dewey spielte jahrelang in seiner nicht nur lokal beliebten Show die von Sam produzierten Scheiben und zog damit die Talente für Sun Records an, die sich in der 706 Union Avenue die Klinke in die Hand gaben.
Doch bevor Sam Phillips Sun Records am 27. März 1952 Sun Records in den Räumen des Memphis Record Service gründete, produzierte er ausschließlich für andere Labels. Später bekannte wie unterschiedliche Künstler wie B:B: King oder Slim Rhodes schätzten die familiäre Atmosphäre in der Union Avenue und ließen hier ihre Sessions von Sam Phillips abmischen. Hauptsächlich produzierte er jedoch für Chess Records in Chikago.
Womit wir bei Jackie Brenston and his Delta Cats wären. Das am 3. oder 5. März 1951 aufgenommene „Rocket 88“ war dank eines Schadens am Gitarrenverstärker ein früher Erfolg der Studioarbeit von Sam Phillips. Der Song selbst wurde wohl vom eigentlichen Bandleader Ike Turner geschrieben, welcher Sam Phillips von B.B. King empfohlen wurde.
Turners Band quetschte sich mit 5 Leuten und ihrem Equipment in ihre alte Karre. Sie fuhren in Richtung Memphis, nachdem sie von Phillips den erlösenden Anruf zum Studiotermin erhalten hatten. Auf dem Weg löste sich wohl der Röhrenverstärker vom Dach, wodurch die Membran einen Riss bekam.
Warum auch immer... Sam Phillips hatte die Idee, die Membran notdürftig mit Packpapier zu flicken. Dank des dadurch entstandenen Sounds gilt „Rocket 88“ heute als erste Aufnahme mit einer verzerrten Gitarre und damit des Rock `n`Roll überhaupt. Dieser eher zufällig entstandene Sound wurde später zum Vorbild der Fuzz Guitar.
Sam Phillips überzeugte Ike Turner im Studio davon, dass der Tenorsaxofonist Brenston anstatt seiner den Gesangspart übernahm. Das damals ungewohnt raue Saxofon des 17jährigen Raymond Hill sowie Turners Klavier im Hintergrund trugen mit zum Kultstatus dieser Aufnahme bei. Sam Phillips kaufte der Band die Rechte ab und lizensierte Chess Records mit der Veröffentlichung des Titels. „Rocket 88“ hielt sich im Sommer 1951 über einen Monat lang auf Platz 1 der nationalen Rhythm & Blues Charts.
Am Mischpult

Über den Erfolg zerbrach die Band, weil sich Turner aufgrund der Namensfixierung auf Brenston übervorteilt sah. Da hatte der finanziell ständig klamme Sam Phillips bereits seinen nächsten Schützling gefunden. Howlin Wolf verzauberte Phillips mit seiner düsteren Erscheinung und mit „Moanin`at Midnight“ erreichte dessen erste Single gleich Platz 10 in den Rhythm & Blues Charts. Bis 1953 konnte Phillips Howlin Wolf bei seinem kurz zuvor gegründeten Sun Label halten, dann ging Howlin Wolf endgültig zu Chess nach Chikago.
Howlin Wolf fand ebenfalls über B B King seinen Weg zu Sun und war der Künstler, welcher Sam Philips am meisten beeindrucken konnte. Seine eher zurückhaltende Art legte er erst im Studio in der Union Avenue ab, wenn er sich mit seiner Gitarre und den düsteren Texten in eine Intensität hinein steigerte, die Sam Philips von seinen Künstlern sehen wollte.
Erwähnenswert aus dieser Frühzeit des Labels ist noch eine Doo Wop Gruppe. Die Prisonaires nannten sich so, weil sie sich genau dort befanden: Im Tennesee State Penitentiary in Nashville. Für ihren Hit aus dem Jahr 1953 „Just walkin`in the Rain“ wurden sie von bewaffneten Wächtern zur Aufnahme in das Sun Studio gefahren.
Ebenfalls 1953 verzeichnete das Label Sun Records mit „Bear Cat“ von Rufus Thomas einen ersten Hit, der es am 28. März 1953 bis auf Platz 3 der Rhythm `n`Blues Charts im Billboard schaffte. Der spätere Soul Star auf dem Stax Label spielte lediglich zwei Singles für Sun ein. „Bear Cat“ war eigentlich eine Persiflage auf Big Mama Thornton`s „Hound Dog“. Sam Philips hatte hier den richtigen Riecher und konnte sich an den Erfolg der großen alten Bluesdame anhängen.
Neben den Prisonaires hatte er mit Little Milton, Billy (the Kid) Emerson oder Doctor Ross noch weitere gute und später bekannte schwarzer Musiker unter Vertrag. Weiße Künstler wie Hardrock Gunther oder Doug Poindexter waren da eher die Ausnahme. Doug Poindexter ist überhaupt nur erwähnenswert, weil in seiner Begleitband „the Starlite Wranglers“ Scotty Moore (Guitar) und Bill Black (Bass) spielten.
Sam Phillips wartete schon seit der Gründung des Memphis Record Service auf den Musiker, der den Blues der Schwarzen mit dem Hillbilly der Weißen verbinden würde. Er hatte keine Vorstellung davon, wie das genau klingen sollte. Er hatte einfach nur dieses Bauchgefühl. Bei all den Problemen zwischen Schwarzen und Weißen war er davon überzeugt, Milliardär zu werden, wenn er nur den Weißen finden würde, der das Feeling der "schwarzen" Musik dem zahlungskräftigen weißen Publikum schmackhaft machen könnte.
Im Juni 1953 kam dieser schüchterne junge Mann zum Memphis Recording Service, um von seinem ersten Verdienst bei einem Maschinenreparaturservice (LKW Fahrer wurde er erst Ende desselben Jahres) eine Single für seine Mutter aufzunehmen. Ein Original dieser Pressung von „My Happiness / That`s when Your Heartache begins“ erzielte anlässlich einer Auktion im Jahr 2015 einen Preis von 300.000 Dollar.
Bis zu ihrem Tod 1988 blieb Marion Keisker bei der Darstellung, dass sie diese beiden Songs in Abwesenheit von Sam Philips aufgenommen hätte. Laut Sam Philips jedoch hatte er diese Session selbst abgemischt. Er gestand aber Marion Keisker zu, dass er sich den Namen Elvis Presley nur dank des Zuspruchs von ihr fortan gemerkt hatte.
Und am 26. Juni 1954 kam dann Elvis Presley ins Studio, nachdem Marion Keisker ein Jahr lang auf Sam Philips eingeredet hatte, dass er mit Elvis arbeiten sollte. Und da Philips mit Sun Records gerade stagnierte, entschloss er sich, es mit Elvis zu versuchen. In dieser ersten „richtigen“ Session stellte er Elvis lediglich Scotty Moore und Bill Black an die Seite.