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Genug Zeit also, um am Nachmittag noch Wäsche zu waschen und etwas im Netz zu recherchieren. Zum Beispiel die Preise für einen neuen Crosstrainer, den alten hatte ich ja neulich dank meiner puren Masse zersägt. Der Neue sollte mindestens 120 Kg Nutzlast aushalten können, doch leider findet man im Netz nichts unter 200 Talern. Erst einmal muss natürlich auch der alte Crosstrainer verschwinden, erst danach wird es mit der Suche eines Ersatzes ernst werden können.
Als größter Aufreger heute in den Onlinemedien entpuppte sich der gestrige Kommentar von Mehmet Scholl zum Sieg über die Squadra Azzurra. Nahezu alle führenden Seiten wie Spiegel, Kicker oder die Springerpresse verurteilen Scholls Kritik scharf und versuchten gar, den Sachverstand von Mehmet zu diskreditieren. Im krassen Gegensatz dazu geben die Mehrzahl der Kommentare in den Foren eben dieser Medien Mehmet in seiner Kritik recht, er hatte es ja auch schön begründet.
Nur ganz kurz kam ich nach einem Kommentar auf Spiegel Online ins Wanken und überlegte, ob Mehmet das nicht doch falsch sieht. Doch dann sah ich Videos über frenetisch feiernde deutsche Fans, einige weinten gar vor Glück ob des historischen Sieges über die Italiener. Dem einen Dussel zitterten immer noch die Hände, so hatte ihn der Elfmeterkrimi erregt.
Was hatten die Leute nur für ein Spiel gesehen? Keine Viertelstunde der 120 Spielminuten agierte das deutsche Team geschickt und brachte die Italiener in Bedrängnis. Der ganze Rest war eines der schlechteren Spiele dieser EM und wirklich unansehnlich. Wem angesichts so eines Gurkenspiels schon die Hände zittern, der sollte mit seinem Arzt nochmals über die Dosierung seiner Medikamente reden.
Ich muss gerade daran denken, dass die Portugiesen die Spiele gegen Kroatien wie auch Polen genau wie Deutschland gestern mit einer defensiven Taktik erfolgreich bestritten hatten und letztendlich glücklich im Halbfinale stehen. Alle Medien waren sich da einig ob des unansehnlichen „Verweigerungsfußballs“ der Portugiesen und gönnten ihnen den Erfolg nicht. Wenn Deutschland haargenau so spielt, dann sind auf einmal 11 Helden unterwegs, die in einem glorreichen Spiel obsiegt haben.
Im Sport wie in der Politik hat sich spätestens dank der Privatisierung des Fernsehens eine Berichterstattung etabliert, die gezielt von fremden Interessen gesteuert wird. Selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen wird man von diesem „Qualitätsjournalismus“ nicht verschont. Außer uns fällt das vielen anderen auch auf, wie wir anhand der unterschiedlichsten Reaktionen in den einschlägigen Foren entdecken konnten. Allein ist es aber so, dass die Masse nur schnell konsumiert, was die Tagesschau sagt und nichts hinterfragt. Traurig ist das.
Und wenn es auch nur diese Sachen sind. Ganz alleine dieser vollkommen unverständliche Freudentaumel zeigt mir, das Mehmet vollkommen zu Recht Jogi Löw und seinen Trainerstab auf die grundsätzlich gemachten Fehler hinweist. Wenn nicht er, dann macht es leider keiner. Von den ganzen Mediennutten erwarte ich eh keine objektive Berichterstattung, auch bei dieser EM hatte ich schon genügend Beispiele für Fehlinterpretationen genannt. Dass selbst Olli Kahn und dann noch Holger Stanislawski in der Vorbereitungsstunde vor dem 4. Viertelfinale Frankreich gegen Island zu diesem Thema ängstlich rumeierten, hat mich dann aber doch enttäuscht.
Man stelle sich nur vor, Buffon hätte sich eine Zehntelsekunde eher bewegt. Dann wäre der Elfer von Hector nicht mehr unter ihm durchgerutscht und das Elfmeterschießen wäre weitergegangen. Oder Hectors Flanke wäre vom Italiener ins Aus abgefälscht worden statt zu Ösil, der dann das 1:0 eben nicht gemacht hätte. Das Weiterkommen hing an einem seidenen Faden und war letztlich eben glücklich, wie das bei einem Elfmeterschießen halt ist. Was hätten denn die großen Medien nach einem verlorenen Elfmeterschießen zur Kritik von Mehmet gesagt?
Fußball ist Emotion, na gut. Das sieht man bei (freude)trunkenen Fans und auch an Journalisten und leider auch Experten. Wenn eine scharfe Frau an einem Mann vorübergeht, dann denkt er schließlich auch nicht mehr daran, dass er für seine Ehefrau noch Nagellack mitbringen sollte. Also lasst Mehmet in Ruhe und flippt nicht schon wieder vor dem Halbfinale aus. Mit der Form vom Samstag ist im Halbfinale Endstation für Kroos und Company.
Wie bereits angedeutet,war ab 20.15 Uhr das ZDF wieder an der Reihe. Frankreich gegen Island, die „Les Bleus“gegen die Truppe ohne Spitznamen, nennen wir die Isländer also auch Wikinger wie die „Bild“. Holger Stanislawski durfte sich sogar auch kurz an den Tresen neben Olli und Olli setzen, ehe Claude Makelele dort Platz nahm. Einst bei Real Madrid fiel er wegen seines Afro-looks auf, heutzutage hat er seine Haare in eine polierte Platte verwandelt. Viel konnte er nicht berichten, aber schön dass er da war.
Dem rhythmischen Klatschen samt dem „Huh“ der isländischen Fans wurde nochmals gehuldigt, was ich so langsam auch nicht mehr hören kann. Noch schlimmer finde ich allerdings, das ich heute und gestern beim Spiel schon deutsche Fans sehen musste, die das isländische „Haka" schamlos kopiert hatten. Selbst im Stadion war es im Spiel gegen Italien zu hören. So ist der Deutsche, die anderen Nationen machen so etwas erst gar nicht.
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