https://overton-magazin.de/hintergrund/kultur/wenn-die-gemeinsame-wirklichkeit-zerfaellt/
Kommen wir zu Beginn gleich mal zu einem Effekt, der neuerdings politische Diskussionen gleich im Keim erstickt. Dank der „digitalen Revolution“ sind derartig viele sich widersprechende Informationen im Netz verfügbar, auf die sich jeder derart zurückziehen kann, dass seine eigene Meinung untermauert wird.
Da kann man dann vortrefflich „seriös“ mit Informationen und Quellangaben brillieren, gleichzeitig werden unbequeme Quellen als unseriös abgestempelt. Praktisch, oder? Irgendwie haben es die seit Jahren wechselnden Regierungen hinbekommen, die Meinungsbildung derart zu beeinflussen, dass mittlerweile quasi nur noch zwei Lager existieren, welche sich mehr und mehr voneinander abgrenzen, in dem jede Seite ihre eigene Wahrheit innehat.
Egal, ob hieran die Politik, die Medien oder Atlantikbrücke, der WWF oder Uli Hoeneß schuld ist. Wenn die gegnerische Meinung automatisch auf einer Fakemeldung basieren muss, weil ja mittlerweile dank KI alles verfälscht werden kann, dann muss „meine“ Ansicht doch auf alle Fälle richtig sein, oder?
Frage: Warum ist meine Meinung automatisch richtig? Könnten meine Quellen nicht auch durch eine KI kompromittiert worden sein? Wenn man sich diese zwei Fragen vor Augen hält, wird eine Einschätzung der „Wirklichkeit“ schwierig. Kann ich da überhaupt noch irgendeiner Quelle trauen? Warum dann überhaupt noch mit Menschen über politische Themen diskutieren, welche die andere Meinung vertreten?
Diese Fragen stelle ich mir, da ich das literarische Werk von Philip K. Dick kenne. In seinen Romanen bricht die Realität im Laufe der Handlung zusammen. Die dann „reale“ Welt dahinter ist immer düster und bedrohlich. Leichter lebt es sich mit der vorgespielten Realität - siehe auch Filme wie „Matrix“ oder mehr noch „die Truman Show“.
Ich rede mir selbst ein, dass ich da einen besseren Überblick als andere habe, weil ich mir jeden Abend die Tagesschau gebe oder online über Welt, Focus oder die TAZ rutsche. Letztendlich sehe ich keine Möglichkeit, beide Welten wirklich miteinander zu verbinden. Insofern halte ich politische Diskussionen zwischenmenschlich für gefährlich, weil schädlich.
Ich gehe diesen Diskussionen am liebsten mit „da sind wir unterschiedlicher Ansicht“ oder auch einfach „das sehe ich nicht so“ aus dem Weg. Dies ist zwar nun wirklich nicht der Anspruch an mich selbst, aber da ich die regierungskritische Mindermeinung vertrete, finde ich äußerst selten die großen Gruppen mit dem einen „Querschläger“ mit der „falschen“ Meinung.
Allzu häufig bin ich der „Querschläger“, der notfalls von mehreren Anwesenden gleichzeitig angegangen wird unter Hinweis auf die jeweils eigenen Quellen. Und da ich mich gesellschaftlich nicht vollkommen ins Abseits stellen will - da bin ich ja Egoist, vermeide ich mittlerweile derartige Streitgespräche, nach denen ich regelmäßig Herzrasen hatte.
Ach, was wäre es schön, einmal zu erleben, wenn einer mit der anderen Meinung mal von meiner Gruppe zusammengebrüllt werden würde.
https://www.welt.de/debatte/article6a37a324e6546062eaa7390a/rentenkommission-oh-tow-sehr-viele-kleine-verlierer.html
Und wieder einmal das übliche BlaBla vom demografischen Wandel. Und - zu Recht - die Befürchtung, dass sich z.B. Beamte und Selbstständige mit ihren eigenen Interessen durchsetzen, so dass die Rentner wieder allein die Zeche zahlen.
Es ist eigentlich ganz einfach: Die Gesamtbevölkerungszahl ist in den letzten 35 Jahren nahezu konstant um die 80 Millionen geblieben, während das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 19,9 TSD. auf 54,2 TSD. Euro angeschwollen ist. Dies dürfte mehr als die Preissteigerungsquote betragen. (Zahlen lt. Statista.com)
Das heißt: Rechnerisch erzeugt jeder Einwohner 2,5 mal mehr als 1991, somit müsste theoretisch jeder Einwohner entsprechend mehr für sich beanspruchen können. Oder anders: Die sinkende Zahl an Erwerbstätigen hat eine noch höhere Steigerungsrate als 2,5, da Kinder und Rentner ja überhaupt nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen können.
Frage: Wo ist das steigende Bruttosozialprodukt geblieben? Bei den gesetzlich Versicherten, den Rentnern und Arbeitslosen wohl kaum. Gesetzlich Versicherte, Beamte und Selbstständige wohl eher auch nicht so ganz.
Leute, lasst Euch nicht von den Nebelkerzen blenden. Die ganze Kohle wandert nach wie vor in wenigen Hände. Diese Leute verzichten auf nichts, sind doch keine Rentner. Marx und Engels hatten immer gegen die „Couponknipser“ gewettert. Also Finanzindustrie, auch Großkonzerne. Da versickert alles. Am Ende fällt die genaue Zuordnung schwer.
Aber der Rentner oder gesetzlich Versicherte schaut auf jeden Fall in die Röhre.
https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/martens-frage-und-himmlers-antwort
https://www.nachdenkseiten.de/?p=154944
Ein unsäglicher Kommentar, den der Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Michael Martens Anfang August auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Wolodymyr Selenskyj und Aleksandar Vučić in Belgrad abgelassen hatte. Einen Aufschrei im deutschen Mainstream Blätterwald vermisse ich bis heute.
Hier ist der Vergleich dieser Aussage von Martens mit Himmlers Rede von 1943 leider nicht sehr hilfreich, da hier die Personen mit der „Andermeinung“ (Krieg bedeutet immer Töten des Gegners, nur so werden die Kriegsziele erreicht) durchaus nicht zu Unrecht dichtmachen und somit die erforderliche Auseinandersetzung mit der ungeheuerlichen Aussage ausbleiben muss.
Die Provokation von Wallasch ist wiederum durchaus dazu geeignet, die Aussage von Martens - ich zitiere aus dem Wallasch Artikel:
„Can you tell us Europeans what can we concretely do to help you to kill more Russians?“ – mit der raschen Ergänzung „more Russian soldiers, of course“.
Schlichtweg als das aufzuzeigen, was sie eigentlich ist: Voll daneben.
Schöner finde ich den Kommentar des russischen Historikers auf den Nachdenkseiten. Artjom Drabkin verweist hier nur indirekt auf die Gräueltaten der Nazis im zweiten Weltkrieg. Vielmehr betont er den Umgang der Russen mit den besiegten Deutschen nach dem Krieg. Da stand eben nicht Rache, sondern Verzeihung im Vordergrund.
Ungeachtet dessen, dass ich dieser Aussage nicht so ganz zustimmen möchte, bin auch ich der Meinung, dass gerade in Westdeutschland die Aufarbeitung der NS-Zeit eben nicht erfolgte. Nicht aus meiner eigenen Schulzeit, aber dank der Beschäftigung mit der Nachkriegsgeschichte der Bonner Republik weiß ich, dass es im „Westen“ eher um Verdrängung und Vergessen ging.
Und genau das fällt uns heute auf die Füße.
Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

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