Donnerstag, 17. September 2026

Hartmudo: Bundeswehr 1/2

Anfang des Monats war ich zum Geburtstag geladen gewesen. Der Sohn meines Patenkindes lud die Familie und seine Freunde ein; an diesem Tag wurde er zum Twen. Was schenkt man einem so jungen Bengel? Meine Löwin war mit ihren Freundinnen verreist, da musste ich mir alleine was einfallen lassen.
Also zunächst einmal natürlich Kohle. Cedric macht gerade seinen Führerschein, welcher von seinem Arbeitgeber mit 3000,- € bezuschusst wurde. Da braucht er die Penunse, da er den Rest - inklusive Auto - von seinem Gehalt selbst finanzieren muss. Ist eben auch schon volljährig und steht nunmehr auf eigenen Füßen.
Das Geld wollte ich nicht nur in einem schnöden Umschlag überreichen. Cedric ist schließlich kein Politiker. Das Geld verstaute ich daher in einer Tasche, welche ich mal als Utensil für Tabletten, Verbandsmaterial und ähnliches von Ali Express erstanden hatte. Letztes Jahr, als ich Probleme mit einem offenen Bein hatte.
Wohlüberlegt stopfte ich die Tasche zusätzlich mit jeweils fünf Tafeln Ritter Sport Marzipan, Ritter Sport dunkle Vollnuss und Ritter Sport Good Vibes Crispy Choko. Damit war die Tasche voll und ich konnte angenehm zum Geburtstag radeln, wo ich mit seiner Oma, also meiner Schwester Berta, und anderen Anwesenden einen angenehmen Nachmittag erlebte, bevor Cedric mit seinen Leuten aufs Magnifest verschwand.
Die Verpackung mit der Schokolade fiel mir zwangsläufig ein, denn mir fiel da eine Begebenheit mit seinem jetzigen Arbeitgeber ein, welche meine Lebenserfahrung um ein wesentliches Element bereichern konnte. Ja, auch ich war früher dort beschäftigt, wenn auch nicht so ganz freiwillig. Waren Mitte der 80er Jahre im letzten Jahrhundert auch andere Zeiten gewesen.
Ich spreche natürlich von der Bundeswehr. Nachfolgend mein Brief.

Hallo Cedric,
bei der Geschenkauswahl hatte ich dann diesen Einfall mit der Schoki, und los gehts:
Als ich zum 01.10.1984 zur Bundeswehr musste, galt noch die Wehrpflicht. Aktuell ausgesetzt, wird sie bald wohl wieder eingeführt. Zarte 23 Jahre lebte ich damals und hätte liebend gern verweigert gehabt. Nicht, weil ich Menschen töten wollte oder konnte, sondern weil ich berufliche Nachteile befürchtet hatte, bin ich zum Barras gegangen6006. Schließlich absolvierte ich von 1981 bis 1984 mein Studium zum Verwaltungsfachwirt, sprich die Beamtenlaufbahn.
Das „Nicht-schießen-können“ war seinerzeit die einzig akzeptierte Begründung, den Wehrdienst zu verweigern. Dieses musste man gegenüber einem Ausschuss erklären. Das Ganze wurde zu der Zeit auch Gewissensprüfung genannt.
Der Ausschuss wiederum traktierte den Wehrdienstverweigerer mit Fangfragen, um dessen Begründung ad Absurdum zu führen. Dadurch wurden viele Männer zum Wehrdienst gezwungen, wenn - wie in den meisten Fällen - der Ausschuss zu der Erkenntnis gelangte, dass der Verweigerer schlichtweg gelogen hatte, weil er „keinen Bock auf Bund“ hatte.
Nun gut, in der Ukraine werden die Wehrdienstleistenden mittlerweile direkt von der Straße aufgegriffen und dann eingekleidet. Ein Wehrdienstverweigerungsverfahren ist dort nicht vorgesehen. Sind jetzt aber auch andere Zeiten.
Anyway: Seinerzeit hatte ich das große Glück, meinen Wehrdienst in Braunschweig abreißen zu können. Geschickterweise hatte ich Heiratsabsichten vorgeschoben; ich musste dies noch nicht einmal nachweisen.
Ich hatte viele schöne Momente während meines 15monatigen Dienstes an der Gesellschaft erleben dürfen. Unter anderem hatte ich während eines Tages der offenen Tür in meiner Kaserne, der Leutnant-Müller-Kaserne - heute ist dort das Sozialamt untergebracht, ein Konzert mit meinen Freunden organisieren können. Und meine kiffenden Kumpels hatten sich gut zurückhalten können.
Apropos Kiffen: Saufen war ja beim Stuben- und Revierreinigen nicht erlaubt. Zum Glück wusste ich mich andersweitig zu behelfen und meine Kameraden und ich hatten deshalb immer eine Menge Spaß, wenn wir die Ketten durch den Lauf zogen oder das Reinigungsmittel, welches mit Formaldehyd versetzt war, über den Flurboden verteilten. Formaldehyd in Reinigungsmitteln ist mittlerweile verboten, weil krebserregend. Aber über solche Kleinigkeiten regte sich seinerzeit niemand auf. Und ich hatte ja auch immer Tabak, Blättchen und einen „Pickel“ am Start.

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