Montag, 29. Juni 2026

Uncle Fester: grad gelesen Juni 2026

Douglas E. Richards - Portale
Jetzt mal wieder nen amerikanischen Autor. Richards hatte ja bereits mit Joshua Tree einen Zweierzyklus verfasst. Außerdem ist er wohl derjenige Autor, der dem Stil der „neuen deutschen Welle“ am nächsten kommt. Ist auch nicht meine erste Begegnung mit Richards, von daher alles Tutti. Richards hat ja gute Ideen, gleitet aber gerne mal ins Triviale ab.
Noah Harris und Ashley Flynn sind Agenten der Geheimorganisation Tech Ops, welche die Erde vor einer missbräuchlichen Verwendung neuer Erfindungen schützen soll. Dank spaciger neuraler Implantate sind diese beiden Supersoldaten quasi als Superhelden einzustufen. Ach ja: Ein Paar sind beide auch noch.
Als sie von ihrer Vorgesetzten Emma Ortega den Auftrag bekommen, eine Explosion und den Tod eines Kongresses von Wissenschaftlern in Schottland zu untersuchen, kommt die Story ins Rollen. Eine Schlüsselrolle kommt dann der Psychologin Valerie Singh zu, die an einem Mittel zur Heilung von Suchtkrankheiten forscht.
Noah und Ashley können sie zunächst vor dem Zugriff durch den Bösewicht (Bond-mäßig das Ganze) Clarke Hankey nicht schützen. Bei der Verfolgung von Hankey und seinen Schergen durch den Dschungel entdecken sie dann ein Portal in eine Parallelwelt. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine von `ner Million solcher Welten.
Und auf jeder dieser Welten leben Menschen. Gottgleiche Wesen haben vor Äonen all diese Planeten mit Menschen „gesäht“, warum, wird auch am Ende nicht erklärt. Aber in dieser Parallele namens Coria ist das römische Weltreich nie untergegangen. Und der Imperator will nun „unsere“ Erde erobern. Ganz klassisch also.
Asley und Emma stellen sich als geflüchtete Corianer heraus, die sich auf der Erde verstecken. Dies trübt die Liebe von Noah zu Ashley aber nur kurzzeitig. Dies erinnert an die Silvia-Romane im Bastei Verlag. Das schmerzt dann etwas beim Lesen. Gute Science Fiction war früher nie so kitschig gewesen, aber gut.
Hankey stellt sich als Prätor , der zweite Mann auf Coria also, heraus. Ashley, Noah und Valerie Singh geraten auf Coria in Gefangenschaft, wobei Ashley dem Imperator als Zuchtstute für seine optimierten Nachkommen gedacht ist. Emma und die anderen Dissidenten auf der Erde sollen per Bombardierung ihrer Insel ausgeschaltet sein.
Sind sie aber nicht, was sich nach dem Happy End herausstellt. Valerie soll ihr Mittel für den Imperator entwickeln. Damit will dieser die Erdbewohner gefügig machen. Sie sollen ihn lieben. Doch Noah kann sich und am Ende auch Ashley befreien. Den Imperator tötet er nicht, im Innern ist er doch kein Killer.
Tech Ops macht es sich am Ende zur Aufgabe, Expeditionen durch die Portale auf andere Erden zu schicken. Noah und Ashley sind so richtig glücklich und arbeiten sicherlich am ersten Baby. Es ist gut zu wissen, dass der Autor eine glückliche Ehe führt. Doch es trübt den Genuss des Romans nicht gerade unwesentlich.

Douglas E. Richards - Unbekannt
Keine Bange - Richards konnte sich mit diesem Roman sogar noch steigern. Allerdings eher beim Kitschfaktor. Auch hier sticht einen das romantische Verhältnis der beiden Hauptpersonen ins Auge, wobei Liebe und Hass extrem ausfallen. Teenagerliebe also, welche die Wendungen im Roman überschatten.
Der Science Fiction Autor Jason Ramsey hat das Schreiben an den Nagel gehängt, weil er beweisen will, dass UFOs tatsächlich existieren. Das er befürchtet, sich dabei in Gefahr zu begeben, rekrutiert er die Söldnerin und unerbittliche Kämpferin Tessa Barrett, mit der er prächtig harmoniert. So stellen sich 13jährige Jungs ihre Traumfrau vor.
In einem Podcast behauptet er, bald Beweise für die Existenz von UFOs vorlegen zu können und stellt damit den Aliens eine Falle. Leider werden er und Tessa dabei gefangen genommen, können sich aber befreien und den Spieß umdrehen. Dies gelingt dank des Einsatzes des Colonels Brad Schoenfeld, dem ehemaligen Chef von Tessa, der die beiden mitnimmt auf eine Insel - seiner Einsatzzentrale.
Wie sich dann herausstellt, arbeiten Brad und Tessa für die 22 hochentwickelten Spezies der galaktischen Föderation, welche sich über Millionen Jahre langsam entwickelt hatten. Schneller wachsende Zivilisationen hatten sich alle selbst ausgelöscht; nur die Menschen machen da wohl eine Ausnahme und sollen die galaktische Föderation gegen einen aggressiven Schwarm aus dem Innern der Galaxis verteidigen.
Dieser Schwarm will alles Leben außer der eigenen Zivilisation vernichten; die stehen nicht so auf Multikulti. Richtig interessant wird es, als der menschliche Söldner des Schwarms namens Nicola unsere Helden stellt und Jason steckt, dass Tessa tatsächlich auf der Station der Föderation im Sonnensystem geboren und ausgewählt wurde, Jason zu bezirzen.
Denn Jason ist der von einer unfehlbaren KI der Föderation ausgewählte Retter der Menschen und der Föderation; Warum, dass konnte Nari, der Föderationssprecher, Jason nicht verraten, weil es keiner weiß, warum das so ist. Letztendlich also eine selbsterfüllende Prophezeiung, das kennen wir ja aus dem Bundestag.
Dann stößt Tessa Jason auch noch weg. Dazu ist er sauer, weil sie Jason ihre Liebe offenbar lediglich vorgespielt hatte. Donnerwetter, ich war begeistert: Was für eine Wendung, da machte der ganze Kitsch sogar Sinn. Doch leider stellt sich heraus, dass Nicola gelogen hat. Am Ende zeigt sich, dass sich Tessa wirklich in Jason verliebt hatte. Die Bösewichter werden natürlich in ihre Schranken verwiesen. Die Menschheit ist bereit, wenn der Schwarm das Sonnensystem in bald 1000 Jahren erreicht.
Das Buch liest sich ganz flüssig, die vielen Wendungen halten den Leser an Bord. So gesehen ein richtig spannendes Buch; die Lobeshymnen auf den Autor sind dahingehend berechtigt. Aber diese Liebesgeschichten, boah! Noch schlimmer als in „Portale“ - Hedwig Courths-Mahler lässt grüßen.

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