Mittwoch, 17. Juni 2026

Hartmudo: Superwumms

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Jetzt saßen wir also an der Bushaltestelle und philosophierten vor uns hin. Über Gott und die Welt (wie in "Warten auf den Bus"), alte Zeiten und neue Grausamkeiten. Samstag Mittag, da fuhren früher schon mal mehr Autos über die Thiedestraße. Sind das die Folgen der Einschränkungen dank der Corona Epidemie?
Vor eineinhalb Jahren, am Ende des Sommers, hatte ich mit dem Langen eine schöne Radtour bis nach Groß Schwülper absolviert. Da saßen wir zusammen auf dem Hochsitz irgendwo neben der A 2, mit Bierdosen und genossen die Sonne. Bis auf die fehlende Sonne und das grad vermisste Bier war die Situation aber gleich.
Ich fühlte mich wohl, all der Nerv und Stress war ausgesperrt und ich tiefenentspannt. Es war halt einfach nur urig, an der Bushalte in Rüningen zu sitzen, um mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Fast so wie in der Schulzeit, als wir alle noch kein Auto hatten. Lediglich die Bierdosen hatten gefehlt; aber ein offener Kiosk Samstag Mittag in Rüningen ist ja auch ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst der Bäcker an dieser Haltestelle hatte schon Feierabend gemacht.
Schließlich landeten wir irgendwann doch noch im Play Off zu Currywurst oder Schnitzel; hungrig waren wir auf jeden Fall gewesen. Zu unserer Schulzeit wären wir sicherlich noch in einen der wenigen Plattenläden gegangen. Zu Govi oder auch Gabys Plattenladen; selbst Mewes hätten wir noch aufgesucht und etwas gefunden. Der Lange in der Metal Fraktion, ich bei Punk/New Wave. So unterschiedlich im Geschmack und doch so gleich.
Nach dem Essen trennten wir uns alsbald wieder. Der Lange nahm die Tram nach Stöckheim und ich den Bus nach Hause. Abends fand dann bei uns die Solo-Runde mit Dora und Herbert statt. Ein würdiger Abschluss des Tages nach dem Tagesspaziergang.
Dieser bleibt als besonderer Eindruck bei mir haften, denn trotz des diesigen Wetters stach diese "Wanderung" aus den vielen meiner Spaziergänge heraus. So wie auch die Gänge mit Pocke und Charles. Eben weil ich bei diesen Gelegenheiten nicht auf mich selbst zurückgeworfen war, sondern mich mit guten Freunden austauschen konnte.
Jahre später, mit einigem Abstand, kann ich heute konstatieren: Der Tag mit dem Langen markierte dann aber doch noch eine weitere Wegmarke in meinem Genesungsprozess. Die Zeit der langen, einsamen Spaziergänge war vorüber. Jetzt rückten wieder längere Touren mit dem Fahrrad in meinen Fokus. Nicht, weil mich der Gang gen Stöckheim überanstrengt hätte.
Eher hatte ich die Erkenntnis gewonnen, dass die Spaziergänge eher auf die nähere Umgebung in Lehndorf beschränkt waren. Erst mit dem Langen hatte ich Mal wieder was "Anderes" gesehen; ich war also aus meinem "Kiez" herausgekommen.
So startete ich gleich am Montag, dem 13. eine schnelle Fahrradfahrt in die Weststadt. Highlight war hier der Halt im Cafe Zimtschnecke in der Elbestraße. Eine Einrichtung der Lebenshilfe - mitten im Beton Urwald. Keine große Tour sicherlich, aber einfach durch die längere Strecke gab es sehr viel mehr zu sehen als einem Spaziergang. Zudem konnte ich die Gepäcktasche besser befüllen als es mir zu Fuß möglich gewesen wäre. Thomas Philipps und Co sind für mich ja gern gesehene Orte zum Verweilen und Konsumieren.
Das noch etwas frische Wetter störte mich hierbei in keinster Weise, hatte ich doch meine rote Pumperjacke übergeworfen. Irgendwelchen Tand werde ich bei Thomas Philipps schon entdeckt haben; Was und wie viel genau, ist nach all der Zeit uninteressant. Wichtig ist nur, dass ich im Anschluss mir selbst eine Begründung für den Besuch einreden konnte.
Im Cafe Zimtschnecke bestellte ich mir einen Pott Kaffee und fing auch gleich an, an meinem Blog zu arbeiten. Meinen Vorteil beim Schreiben in öffentlichen Cafes sehe ich in der Ungestörtheit dank des Fehlens von den unzähligen Ablenkungsmöglichkeiten zu Hause. Da gibt es immer etwas, was meine Aufmerksamkeit erfordert, auch wenn es nur kurz ist. Obsi und Abby beispielsweise, die ja permanent unter Hungergefühlen leiden. Arme Katzen.
Die Gegend der Weststadt hat es mir offenbar angetan. Denn bereits drei Tage später hatte es mich ins Einkaufszentrum in der Elbestraße verschlagen. Keine Ahnung, wieso es mich hierher getrieben hatte, aber in den Jahren zuvor hatte ich hier nie Station gemacht. Da war ich höchstens mal auf der Durchreise hindurch gehuscht.
Dieses Mal bog ich vom Ringgleis beim Westpark in das neue Viertel hinter dem alten Gebäude des Arbeitsamtes ein. Dort war in den letzten Jahren ein kleines Viertel von weißen Bungalow Bauten entstanden. Verkehrsberuhigt, die Vorgärten überwiegend mit Kies bepflastert und überhaupt scheint dort „Zurück zum Beton“ groß geschrieben zu werden.
Staunend fuhr ich hier die gesamte, schön verschnörkelte Strecke ab. Ich befürchtete schon, dass mich irgendeine engagierte Lastenradfahrerin erschoss, weil ich ihr Blag schräg angesehen haben könnte. Zum Glück äußerte sich mein Erstaunen nicht mit einem Sabbern über meine Lefzen. Dann wäre es wohl um mich geschehen gewesen.
Diese kleine Enklave des unteren bis mittleren Volkswagen Managements strahlt tatsächlich die Lebhaftigkeit der Produkte des Arbeitgebers aus. Steril auch ohne Persil. Vorher muss es hier hübscher ausgesehen haben. Da war - vom Cyriaksring aus gesehen - eine Filiale der Post (das gelbe Schild mit dem schwarzen Horn; da konnte man Pakete verschicken und Briefmarken kaufen; oder die bestellten Platten und/oder CDs von Malibu Records abholen) gewesen. Und dahinter....

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