Samstag, 10. Juni 2023

Hartmudo: ChatGPT

Zum Schreiben meines Blogs hatte ich mir vor ein paar Jahren das Softmaker Office aus Nürnberg zugelegt, um eine optimale Kompatibilität zwischen Android Geräten und meinem Windows Rechner zu erreichen. Zur Zeit nutze ich das Abonnement Modell - jetzt haben sie Softmaker Office 2024 angekündigt.
Die wohl interessanteste Neuerung dürfte die Implementierung von ChatGPT sein, auch wenn es sich lediglich um die Gratisvariante handeln dürfte. Habe ich hier endlich eine willkommene Unterstützung zum Aufblähen meiner Texte erhalten?
Ich habe mir mal den Spaß gemacht und eine Reihe von Stichworten in den entsprechenden Teil der App eingegeben und einen „langen“ Text unter zwei von vier möglichen Autotext-Formen formulieren lassen. Und so schaut das aus:
Stichworte zum Erstellen des Textes:
Radfahren in Braunschweig, spät am Mittag losgefahren, Radfahrerin mit FFP2-Maske krass, Siedlung Lampadiusring wird immer größer, Kralenriede, Parnitzweg, dann durch die Schunteraue querfeldein nach Bienrode, Eiscafe Cristallo in Wenden, Eiscreation Eierlikörbecher, Lincolnsiedlung, Rühme, Ölper See, nach Hause
Version 1 - Humorvoll:
„Ich bin heute spät am Mittag in Braunschweig auf mein Fahrrad gestiegen und losgefahren. Dabei ist mir eine Radfahrerin aufgefallen, die eine FFP2-Maske trug. Krass, dachte ich mir, aber hey, besser zu viel Schutz als zu wenig, oder?
Als ich durch die Siedlung Lampadiusring fuhr, wurde sie immer größer und ich hatte das Gefühl, dass ich mich in einer Art Fahrrad-Labyrinth befand. Aber ich war mutig und habe den richtigen Weg gefunden, der mich schließlich nach Kralenriede und Parnitzweg führte.
Doch dann wurde es abenteuerlich: Ich entschied mich, querfeldein durch die Schunteraue zu fahren, um nach Bienrode zu gelangen. Ich fühlte mich wie ein echter Entdecker, der neue Wege erkundet. Aber Vorsicht war geboten, denn es gab einige Hindernisse zu überwinden, wie zum Beispiel kleine Bäche und Schlammpfützen. Aber ich habe es geschafft und bin stolz auf mich!
In Bienrode angekommen, konnte ich es kaum erwarten, das Eiscafe Cristallo zu besuchen. Ich hatte gehört, dass es dort die besten Eiscreations gibt. Und ich wurde nicht enttäuscht! Der Eierlikörbecher war ein Traum und hat mich in den siebten Eis-Himmel befördert.
Nach dieser köstlichen Pause ging es weiter durch die Lincolnsiedlung und Rühme. Ich genoss die frische Luft und die wunderschöne Landschaft. Und als ich schließlich den Ölper See erreichte, war ich vollkommen entspannt und glücklich.
Der Rückweg nach Hause war dann ein Kinderspiel. Ich fühlte mich wie ein echter Profi auf dem Fahrrad und konnte die Strecke mühelos bewältigen. Und als ich schließlich zu Hause ankam, war ich ein bisschen traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war. Aber ich weiß, dass ich jederzeit wieder auf mein Fahrrad steigen und neue Orte in Braunschweig erkunden kann.“
Version 2 - Professionell:
„Eine Radtour durch Braunschweig kann eine wunderbare Möglichkeit sein, um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. So auch für eine Radfahrerin, die spät am Mittag losgefahren ist und dabei eine FFP2-Maske trug. Ein verantwortungsbewusstes Verhalten, welches in Zeiten der Pandemie von großer Bedeutung ist.
Die Fahrt führte die Radfahrerin durch die Siedlung Lampadiusring, welche mit ihren vielen Häusern immer größer wurde. Weiter ging es durch Kralenriede und den Parnitzweg, bevor sie sich schließlich durch die Schunteraue querfeldein nach Bienrode begab. Eine wunderschöne Strecke, die sich besonders für Naturliebhaber eignet und mit einer atemberaubenden Landschaft belohnt.
In Bienrode angekommen, machte die Radfahrerin einen Zwischenstopp im Eiscafe Cristallo in Wenden. Hier genoss sie eine köstliche Eiscreation in Form eines Eierlikörbechers. Ein wahrer Genuss für den Gaumen und eine willkommene Abkühlung an einem heißen Sommertag.
Gestärkt setzte die Radfahrerin ihre Tour fort und radelte durch die Lincolnsiedlung und Rühme, bevor sie schließlich den Ölper See erreichte. Ein wunderschöner See, der zum Verweilen einlädt und mit seiner idyllischen Lage zum Träumen einlädt.
Nachdem die Radfahrerin den Ölper See umrundet hatte, machte sie sich schließlich auf den Heimweg. Eine wunderbare Tour, die geprägt war von einer atemberaubenden Landschaft und kulinarischen Genüssen. Eine Tour, die sich lohnt und die man jederzeit wiederholen kann.“
Mein Fazit:
Beim Vergleich der Texte fällt sofort die unterschiedliche Handlung auf. In Version 1 ist der Schreiber die handelnde Person, in Version 2 die Radfahrerin. Bei komplett ausgedachten Storys könnte dies zu witzigen wie unbeabsichtigten Texten führen. Da bin ich gespannt drauf.
Auf jeden Fall werde ich dieses Instrument häufig benutzen, weil es einfach und schnell funktioniert und immer die Chance bietet, Texte etwas aufzuhübschen. Beginnen werde ich mit den vorstehenden Texten.
Zusätzlich werde ich mir den Spaß erlauben, fortwährend einzelne Texte aus ChatGPT zu dokumentieren.

Freitag, 2. Juni 2023

Hartmudo: Obsidian

In der Nacht vom 24. Mai verstarb unser Kater Obsidian, genannt Obsi. Also exakt drei Wochen nach dem Tod von Tesla. Es gibt da einige Parallelen, auf die ich aber erst ganz am Schluss zu sprechen kommen werde.
Kümmern wir uns zunächst einmal um Obsi. Vor knapp über zwei Jahren hatten wir ihn aus dem Tierheim Salzgitter zu uns genommen, weil unsere Katze Abby sich nach dem Tod ihrer Partnerin Sushi so einsam gefühlt hatte.
Dies mag eine sehr menschliche Sicht über den Gefühlszustand von Katzen darstellen, doch hatten wenigstens wir uns seinerzeit besser gefühlt, als wir Obsi zu uns nach Hause gebracht hatten. Denn wie sich sehr schnell herausstellte, tendierte Obsis Interesse an Abby gegen Null. Obsi ignorierte Abby nach allen Kräften und lief stets grußlos an ihr vorbei.
Und wenn Abby Obsi einfach nur beschnuppern wollte, fauchte er sie an oder fuhr gar die Krallen aus. Uns gegenüber zeigte er sich dagegen stets aufgeschlossen, waren wir doch als Dosenöffner unverzichtbar für ihn. Obwohl Dosenfutter...
Dies war nicht für Obsi gemacht, bereits nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass Obsi lediglich teures Nassfutter zu fressen bereit war. Als Krönung bleibt festzuhalten, dass er es mit der Zeit geschafft hatte, uns dazu zu bringen, ihm nur noch Hähnchenfleisch zu fressen zu geben. Dieses kauften wir in der Regel bei Lidl. Meine Löwin schnitt dies noch in mundgerechte Häppchen zurecht , erst dann war Obsi bereit, dieses Essen als genießbar anzunehmen.
Obsi steuerte uns ganz raffiniert durch ein Verhalten, welches ihm seinen zweiten Spitznamen “Sir Piss-a-lot" einbrachte. Gewiss, eine Reminiszenz an Two and a half Man. Statt ins neue Katzenklo pisste er einfach auf die Personenwaage im Badezimmer, den kleinen Teppich vor dem Balkon oder auch schon mal an die Haustür.
In meinen Augen wurde Obsi legendär durch seinen Auftritt mit meinen Badelatschen. Er schaffte es doch tatsächlich, derart darauf zu pissen, dass nicht ein Tropfen auf den Teppich hinablief. Und mindestens zweimal schlüpfte ich in Socken in meine Hausschuhe, bloss um festzustellen, dass er sich in denselben erleichtert hatte.
Abgesehen von diesen Misslichkeiten, für die ich ihn oft genug verflucht hatte, war er größtenteils ein besonders lieber und schmusiger Kater. Größtenteils deshalb, weil er schon öfters dazu neigte, nachts um 3 Uhr vor meinem Bett zu stehen und zu jaulen, weil er Hunger verspürte. In diesem Momenten liest er mir keine Chance.
Erst nachdem ich aufgestanden war und ihm etwas zu fressen gegeben hatte, ließ er mich in Ruhe. Zum Glück war die Nachtruhe dann nur in sehr wenigen Nächten vorüber gewesen. Das war es dann auch schon mit den Ärgernissen. Obsi war bereits nach einer angenehm kurzen Eingewöhnungsphase sehr zutraulich gewesen.
Er platzierte sich gern direkt neben uns auf dem Sofa oder der Sitzbank im Esszimmer. Dies galt insbesondere immer dann, wenn wir irgend etwas zu Essen vor uns stehen hatten. Nicht, dass er gebettelt hätte. Aber wenn er realisierte, das er nichts abbekommen würde, ging er mit den Vorderpfoten auf den Tisch und zwang uns dadurch, ihm doch etwas von der Wurst oder dem Käse abzugeben.
Übrigens verschmähte er selbst Tee nicht - Kuchen stand bei ihm ebenfalls auf der Speisekarte. Das Trinken! Obsi war stets durstig und trank - nein soff! - das Wasser direkt vom laufenden Wasserhahn. Für Katzen ist dies ungewöhnlich. Ich denke aber, dass er Probleme mit den Nieren gehabt hatte.
Sei es drum. Trotz geklauter Schnitzel vom Küchentisch oder Verzehr vieler unbeaufsichtigter Würstchen hatten wir ihn ins Herz geschlossen. Obsi genoss es, wenn wir ihn unter dem Hals oder an den Ohren gekrault hatten. Dann schnurrte er immer sehr leise, kaum hörbar, wie es seinem überwiegend ruhigen Naturell entsprach.
Nur Nachts - und dass irgendwann seltener - jaulte und jammerte Obsi, weil er sich wahrscheinlich einsam und verlassen fühlte. Dann schlüpfte er immer in das Bett meiner Löwin und kuschelte sich bei ihr an.
Während der gesamten Zeit bei uns benötigte er Spritzen für seine Schilddrüsenunterfunktion. Zwei mal täglich hatte uns die Dame im Tierheim eingeschärft und wir hielten uns dran. Nun verstarb er also, gut betagt mit 12 Jahren, nach vier oder fünf Tagen, in denen Obsi sich unter dem Bett meiner Löwin verkrochen hatte und nur noch sporadisch zum Fressen hervorkam.
So ging er friedlich und ruhig, bescheiden und tapfer bis zum Ende in den Katzenhimmel. Ich sehe ihn immer noch ungeschützt auf der Ballustrade unseres Balkons sitzen, wie er sehnsüchtig und wachsam die Vögelchen beäugte. Dieses Bild werde ich in Erinnerung behalten.
Und die Parallele zu Teslas' Ableben? Beide hatten sich am Ende ihres Lebens mehr und mehr zurückgezogen und starben dann friedlich für sich allein an dem selbst gewählten Rückzugsort. Wobei wir da bei Tesla über viele Jahre statt 4 - 5 Tagen reden.
Tesla war depressiv veranlagt und hatte Hilfe stets abgelehnt, wenn sie ihm angeboten wurde. Das verbot ihn sein Stolz. In den letzten Jahren sah ich ihn eigentlich nur an Geburtstagen der alten Mannschaft, wo er stets gern gesehen war. Auch ließ er es sich nicht nehmen, die Mannschaft an seinem Geburtstag zu sich einzuladen.
Für Konzerte, Restaurantbesuche oder andere Vergnügungen fehlte ihm das Geld. Ob aus Stolz oder aus Scham - keiner von uns hatte es herausfinden können. Fragen nach seiner momentanen wirtschaftlichen Situation wich er stets aus.
So trauere ich jetzt über zwei geliebte Lebewesen, die zu früh in die ewigen Jagdgründe oder nach Walhalla gezogen sind.

Mittwoch, 31. Mai 2023

Uncle Fester: grad gelesen Mai 2023

Dirk van den Boom - Die Welten der Skiir: Prinzipat, Protektorat und Patronat (Band 1-3)
Die hochgelobte Triologie des deutschen Politologen. Schaun mer mal, dachte ich zunächst. Denn der erste Band legte ein sehr gemächliches Tempo vor. So richtig fesselnd wurde es jedoch im dritten Band, als die Zusammenhänge offenbar wurden und das Finale anbrach. Für mich persönlich bedeutet die eingestreute Reminiszenz an die Ringwelt von Larry Niven den Gamechanger, dazu später aber mehr.
Das Volk der Skiir beherrscht seit Jahrtausenden die gesamte Galaxis. Dank der dreigeteilten Gewalt aus Prinzipat (Religion), Protektorat (Militär) und Patronat (Verwaltung), welche für sich genommen jeweils autark sind, herrscht ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Vergleichbar mit Star Trek werden Völker, welche die Technologiestufe zur Eroberung des Weltraums geschafft haben, in dieses System integriert.
Allerdings legen die Skiir jenen Völkern eine 200-jährige Quarantäne auf, in denen etwaige Widerstände und Unruhen unterdrückt werden. Die Handlung des Romans setzt in dem Moment ein, in dem die Quarantäne für die Menschen beendet wird.
Nun entsenden die Menschen einen ständigen Botschafter und drei Mitarbeiter in den Reichsrat des Imperiums, der auf einer Sternstation im Argus System beheimatet ist. Der Tischler Flockhart Eder wird überraschend als Botschafter bestimmt.
Es stellt sich jedoch im Laufe der Handlung heraus, dass Eders Vater ein hochrangiger Vertreter der Widerstandsbewegung gegen das Imperium gewesen war und auf der Erde ein Artefakt versteckt hatte, mit dem sich Tore zu anderen Universen öffnen lassen.
Doch erst im dritten Band wird sich herauskristallisieren, dass die Skiir nicht durch natürliche Evolution entstanden waren, sondern künstlich durch das Volk der Hatta erschaffen worden waren. Gleiches gilt auch für sämtliche Völker des bekannten Universums, einschließlich der Menschheit. Ohne Scheiß, dies halte ich für einen erfrischend neuen Denkansatz in der Science-Fiction. Nicht einmal Philip K. Dick kam dieser Gedanke.
Flockhart Eder und seine drei Mitarbeiter sind an fast allen Geschehnissen während der drei Romane direkt beteiligt. Die Chinesin Bixa Li steht dem Protektorat nahe und ist eine Kämpferin - ausgebildet, um notfalls Aliens umbringen zu können.
Harkin Leybold ist Wissenschaftler und Ersatzmann für Torgen, einem genialen Xenobiologen, der vom Prinzipat ausgewählt worden war. Der Mord an Torgen wird vom Investigator Tobias Markensen untersucht. Dieser trägt im Verlauf der Romane noch wesentlich zur Handlung bei, während Leybold lediglich „dabei" ist.
So ist es Markensen, der im zweiten Band entführt wird und in der Folge als erster am eigenen Leib erfährt, dass er selbst gerade mal ein paar Jahre alt ist und seine gesamten Erinnerungen künstlich eingepflanzt worden waren. Dies im Wesentlichen dadurch, dass der eigentlich tote Markensen in einen anderen Körper transferiert wird.
Fehlt noch der dritte Mitarbeiter. Dies ist die spröde und nachdenkliche Yolana, welche vom Erfüller, dem Vertreter des Patronats auf Erden, vor Beginn der Mission noch einmal besonders indoktriniert wird.
Nachdem die menschliche Delegation im Reichsrat angekommen war, musste sie sehr schnell feststellen, dass sie als Neulinge im allgemeinen Politikbetrieb nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zum Glück geht es aber sehr schnell los mit der Action - am Ende des ersten Bandes. Bis dahin muss der geneigte Leser also durchhalten.
Der Zerstörer, ein vom Patronat künstlich erschaffenes Wesen, welches gleichzeitig ein Raumschiff ist, zerstört die Station des Reichsrates. Wie wir später erfahren, sind die drei Fraktionen der Skiir zerstritten. Außerdem sind die drei Fraktionen nicht nur autark, sondern haben komplett eigene Strukturen aufgebaut, unter anderem auch Streitkräfte.
Das Reich zerfasert somit in drei Machtbereiche. Dem Zerstörer gelingt es, einen Teil der zahlreichen Botschafter aller möglicher Völker von der Sternenstation zu retten und als Geiseln zu nehmen. Infolgedessen erhält der krebskranke Eder einen neuen Körper, dazu verpflichtet der Zerstörer Eder als Herold, auf dass dieser ihm als Sprachrohr dienen möge.
Und um das Hatta Artefakt zu schützen, errichtet der Zerstörer eine undurchdringliche Mauer um die Erde, so dass die vereint angreifenden Flotten der Skiir in Schach gehalten werden können. Zwischenzeitlich kann Eders neuer Körper das Hatta Artefakt absorbieren und der alte Skiir Wissenschaftler Xiin, der hinter der Entwicklung des Zerstörers gesteckt hatte, löst den Wall auf und setzt sich mit dem Schiff „Wahre Freude" in Richtung des Ringplaneten ab, wo er ein Tor in das Taschenuniversum öffnen will, in welches sich die Hatta zurückgezogen hatten.
Dieser Ringplanet ist allerdings unbewohnt - ganz im Gegensatz zum literarischen Vorbild von Larry Niven. Hier ist die Heimat der Hatta, der einzigen echten biologischen Lebensform der Galaxis. Der Ringplanet selbst spielt für die Handlung keine Rolle und wird auch nur lediglich über zwei bis drei Seiten beschrieben.
Die ersten Hatta strömen in unser Universum, um alle künstlichen Lebensformen - wir erinnern uns: Alle Lebensformen sind künstlich, als Xiin es gelingt, das Tor zu öffnen. Aber nicht zuletzt dank des mutigen Einsatzes der Vereinten Flotten der Skiir und des selbstmörderischen Opfers von Flockhart Eder, welcher sich selbst aufgibt und sich als Transformer in wilder Raserei den Hatta entgegenstellt, kann das Tor wieder verschlossen werden.
Ganz am Ende entdeckt Xiin seinen Irrtum und hilft den vom Zerstörer in Geiselhaft genommenen Lebewesen zur Flucht auf den Ringplaneten. Im Epilog wird deutlich, dass das Skiir-Imperium seine Macht verloren hat. Ansonsten bleibt aber alles offen.
Das riecht also nach einer Fortsetzung, obwohl ich den Eindruck habe, das van den Boom mittlerweile keine Hard Science Fiction mehr schreiben möchte. Insgesamt ist der Zyklus spannend und kurzweilig geschrieben, man sollte das Werk jedoch zügig durcharbeiten. Die vielen Charaktere und Handlungsstränge erfordern eine hohe Aufmerksamkeit, zu lange Pausen und Du bist raus.

Montag, 29. Mai 2023

Contramann: kurz gesehen im Mai

Ich nehme das Fazit mal vorweg und erkläre es danach:
Lieber Rechte, die für Frieden sind, als Linke, die den Krieg wollen.
Also: Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer waren in ihrem Friedensmanifest für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zwischen Ukraine und Russland eingetreten. Die woke Linke nahm dies zum Anlass, die beiden Damen in einem rechten Umfeld zu verorten. Also genau so, wie sie es während der Coronaphase gelernt hatten:
Wer nicht für mich ist, ist ein Rechter!
Das reicht schon, um sich nicht mehr mit abweichenden Meinungen auseinandersetzen zu müssen. Welch ein Armutszeugnis! Dieser Beißreflex negiert alles, für die links denkende Menschen angeblich antreten. Als da wären Akzeptanz anderer Meinungen, Vermeidung einer Ausgrenzung von Minderheiten oder ein wohlwollendes Miteinander.
Insbesondere die Antifa fällt in den letzten Jahren durch eine zunehmend aggressive Ablehnung nicht genehmer Ansichten auf, was im Übrigen eine gute Charakterisierung faschistischen Verhaltens ist. Diese Verpeilten können mittlerweile das „Anti“ aus den Namen ihrer Gruppierungen streichen.
Es ist schon seltsam, dass sich z.B. die AfD zur Zeit mehr für den Frieden einsetzt (obwohl ich denen das nicht wirklich abnehme) als die ach so progressive Linke. Für mich als Altlinken ist dies eine bittere Erkenntnis.

https://www.rationalgalerie.de/home/ard-denunzianten
Der MDR hatte über seine Sendung „Fakt“ die Erstunterzeichner des Friedensmanifestes von Wagenknecht und Schwarzer angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Die Redaktion hatte angeblich „Rechte“ entdeckt; Eine Abgrenzung der Initiatoren des Manifestes zu den Rechten wäre somit nicht gegeben.
Die Unterzeichner wurden gefragt, ob diese das Manifest nach Kenntnis dieser Tatsache noch einmal unterschreiben würden.
Also vor Allem ist diese „Tatsache“ albern, wenn man eine derartig schwammige Behauptung („Rechte“) aufstellt und damit indirekt eine Nähe zu „Rechten“ unterstellt, wenn sich der Angeschriebene nicht distanziert.
So eine Vorgehensweise war in der Vergangenheit dem DDR-Fernsehen vorbehalten.

https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/die-neue-lust-am-petzen/
...und noch einmal die Denunzianten. Der Autor dieses Beitrages startet mit der mehr als interessanten These, das die meisten Denunziationen während der Nazi-Zeit aus rein privaten und eben nicht politischen Motiven erfolgten. Macht das jetzt die hier schon beschriebene Diffamierungskultur woker Linker als menschlich entschuldbar?
Ich glaube eher nicht und dementsprechend zieht auch der Autor in der Folge Parallelen zu dem heute erneut erkennbaren Denunziantentum. Ob es um die Vielzahl an von der Politik erwünschten anonymen Hinweise bezüglich der mutwilligen Verletzung von Coronamaßnahmen geht oder um das aktuelle „an-den-Pranger-stellen“ von „Putin-Verstehern“ geht:
Die meisten Mitbürger sind bestrebt, am Ende des Tages auf der richtigen Seite zu stehen. Und wenn Politik und Medien mit voller Power eine Meinung vertreten, dann möchte der deutsche Herr Biedermann sich nicht dagegen stellen. Andernfalls könnte man ja im Abseits stehen und jemand anders erhält die höher dotierte Stelle.
Damit aber nicht genug: Wenn ein Konkurrent - egal, worum es dabei gehen mag - eine von der Mehrheit abweichende Meinung vertritt, wittert Biedermann Morgenluft. Der Konkurrent wird angeschwärzt - natürlich alles zum Wohle der Allgemeinheit - und man selbst steht dadurch in einem besserten Licht da.
Böses tun und sich gleichzeitig im Recht wähnen - das ist der Biedermann, wie wir ihn aus der Erzählung von Max Frisch kennengelernt haben. Insbesondere Wähler der Grünen haben dies nach meiner Beobachtung perfekt umgesetzt.
Quasi ähnlich wie damals. Ich bleibe dabei: Grün ist das neue Braun.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

Dienstag, 23. Mai 2023

Warum spielt denn der Poldi nicht?

19
So. 26. Juni

Ausgeruht stand ich wieder früh auf. Eigentlich genau wie gestern. Und deshalb gab es zu den Aufbackbrötchen von Penny gleich wieder eine Folge "Die 2". Eine der bekannteren Episoden noch dazu, nämlich "das doppelte Lordchen". Danny muss sich als Lord Sinclair ausgeben, um von der Sekretärin von Harry Krane einen Mikrofilm mit den Beweisen für Krane's kriminelle Aktivitäten auf einer Auktion zu erhalten, während dieser den echten Lord gekidnappt hatte.
Krane wird von Bernard Lee gespielt, der als "M"in den James Bond Filmen weltberühmt wurde. Danny und Brett arbeiteten auch in dieser Folge gut zusammen, wie wir es heute auch von der deutschen Nationalmannschaft erwarteten. Anders als sonst an Sonntagen vergammelten wir größtenteils den Tag bis zum Beginn des ersten Spiels um 15.00 Uhr.
Vor dem ersten Spiel Frankreich gegen Irland fuhr ich noch schnell zu KFC. Das hatte ich meiner Löwin versprochen, denn sie konnte wegen ihres schmerzenden Knies die Zucchini Puffer nicht mehr machen, das ging beim besten Willen nicht. So gab es also gesundes Hühnerfleisch in Form eines "Buckets" mit Filet Bites statt zermanschtem Gemüse. Die Sondercoupons (da haben wir es wieder!) von KFC wollten wir während der Europameisterschaft noch mal schnell mitnehmen.
Bei Frankreich gegen Irland lagen unsere Sympathien eindeutig bei den Iren. Das lag größtenteils daran, dass Oliver Welke ein Handyvideo aus der Pariser Metro präsentierte, in dem einige irische Fans ein kleines Kind in den Armen seiner Mutter sanft in den Schlaf sangen. Dies rührte auch uns zu Tränen, denn wir hatten die hervorragende irische Gastfreundschaft bereits vorletzten Herbst genießen dürfen.
Ich hatte mich gerade hingesetzt und schlürfte an meiner Brause, da pfiff der Schiri auch gleich Elfmeter in der zweiten Spielminute. Für Irland und dies vollkommen berechtigt. Sowohl Kahn als auch Welke sinnierten in der Pause, das der Ire Long nur darauf gewartet hätte, das er sich bei dem heraneilenden Pogba einhaken konnte. So ein Quark! Pogba kam angerannt wie ein Büffel und darf sich nicht wundern, wenn der Schiri das abpfeift.
Unhaltbar ging der Strafstoß vom rechten Innenpfosten ins Tor der Franzosen. 1:0 und wir jubelten auf unserem Sofa, selbst Sushi fing automatisch an zu schnurren. Dabei hatte Deschamps bei der Equipe Tricolore gleich 4 Spieler ausgetauscht. Die Franzosen hatten ihr bestes Team auf dem Platz. Aber ein Ausgleich war nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Iren waren bei ihren wenigen Kontern erheblich gefährlicher als die Hausherren und die Fans sangen kurz vor der Pause so laut, das Gotthilf Fischer seine Freude gehabt hätte.
Doch der Reporter hatte es vermutet und leider kam es dann auch so. Das laufintensive Spiel der Iren rächte sich nach der Pause. Von Minute zu Minute wurden die Nachlässigkeiten in der zuvor dichtgestaffelten Abwehr immer größer. Obwohl ich bereits in der Halbzeit anfing, der drohenden Niederlage der Iren mit diversen Opferbieren zu bekämpfen, nützte das alles nichts.
So um die 60. Minute herum machte Antoine Griezmann für die Franzosen innerhalb von 120 Sekunden alles klar. Erst per Kopf, dann wunderschön mit dem linken Fuß ins rechte Eck, freigelaufen auf Strafraumhöhe. Beide Male hatte der irische Keeper keine Chance. Die Iren kassierten noch eine rote Karte und waren in den letzten 30 Minuten chancenlos gegen nun sicher stehende Franzosen.
Schade eigentlich, aber wir mussten leider zugeben, das sich die Franzosen nach anfänglichen Schwierigkeiten ins Spiel hineingearbeitet hatten und im Turnier noch ihren Weg machen werden. Das sah auch der Studiogast Christian Karembeu so. Der Altinternationale hatte die Ruhe weg und trägt immer noch seine Dreadlocks. Der Mann ist doch auch schon über 40, oder? Der altert gar nicht…
Egal, abgehakt. Schade um die Iren, aber die EM läuft weiter. Stanislawski stimmte uns kurz mit einer seiner Videoanalysen auf das nächste Achtelfinale Deutschland gegen Slowakei ein. Für mich die Gelegenheit, das mittlerweile 4. Bier zu öffnen. Es wurden auch jubelnde deutsche Fans beim Public Viewing in Frankreich gezeigt.
Auch in Braunschweig und anderswo gibt es Gelegenheiten genug, die deutschen Spiele im Public Viewing auf einer Großbildleinwand mit mehreren Hundert oder gar Tausend Gleichgesinnten zu schauen. Da stellst Du Dir sicher die Frage, warum wir dort nicht hingehen?
Schon beim Doppelkopf-Abend am spielfreien Donnerstag stellten wir, also Pocke, Angel, Ulli und ich, erstaunt fest, dass keiner von uns Lust hat, sich diese nervtötende Deutschtümelei anzutun. Du ergatterst keinen Sitzplatz, fürs Bier darfst Du noch 20 Minuten anstehen und die ganze Gröhlerei…. Nein danke. Beispielhaft sei hier der Versuch von Ulli und der Katze genannt, sich das Spiel Deutschland gegen Nord Irland im Public Viewing auf dem Altstadtmarkt anzusehen.
Sie hatten gerade den Bereich der Vorführung betreten, als ihnen ein leicht angetrunkener, junger Fan mit umgehängter Fahne, DFB-Shirt usw. – volles Programm also – entgegentrat und Ulli anblaffte: „Wie siehst Du denn aus? Hast ja keine Fanklamotten an. Bist wohl ein Ausländer!“
Wer Ulli kennt, weiß, dass der junge Mann vom Glück gesegnet war. Normalerweise hätte Ulli bei so einer Ansprache dafür gesorgt, dass dieser Fan sein Abendessen mit der Schnabeltasse zu sich nehmen müsste. Aber angesichts der gewaltigen Horde an „aufrechten Deutschen“ hielt sich Ulli wohlweislich zurück und ging nach gegenüber ins Come in, um dort mit normalen Menschen das Spiel auf mehreren Bildschirmen verfolgen zu können. Dort ist das Bier immer frisch und kommt an den Tisch.
Wie auch gegen Nord Irland kam die deutsche Mannschaft gleich in Wallung und hielt die Slowaken von jeglichen Offensivbemühungen ab. Sie waren haushoch überlegen und Boateng nahm sich nach 8 Minuten ein Herz und knallte einen Abpraller ins 20 Meter entfernte slowakische Gehäuse volley, wo der Ball unhaltbar links unten neben dem Pfosten einschlug. Ein Traumstart und Boatengs erstes Länderspieltor. Sofort eilte er zu Müller-Wohlfarth und dem Physiotherapeuten, die ihn mit vereinten Kräften noch rechtzeitig für dieses Spiel fit bekommen hatten.
Von den Slowaken kam anschließend immer noch nichts. Jogis Jungs suchten jetzt die Entscheidung. Schon 5 Minuten nach der Führung bekamen sie einen Elfmeter, den Ösil kläglich vergab. Apropos Ösil: Bela Rethy, der Sportreporter, den keiner braucht, litt mal wieder unter Wahrnehmungstrübungen. Er meinte doch allen Ernstes, das Ösil sich nicht nur stark verbessert, sondern auch ein super Spiel zeigte. Meine Löwin und ich konnten da nur mit dem Kopf ob der fehlenden Objektivität schütteln. Seitens des Reporters.

Sonntag, 21. Mai 2023

Hartmudo: Superwumms

9
Es war nichts passiert, meine Löwin lud das Gepäck und mich ein, dann waren wir endlich zu Hause. Jetzt sollte ich doch alles überstanden haben. Endlich zu Hause, am nächsten Tag einen Termin beim HNO-Arzt.
Die Gipsschiene würde normalerweise nach einer Woche abkommen. Dass diese laut der operierenden Oberärztin in meinem Fall zwei Wochen länger dran bleiben sollte, weil ich am Daumengelenk noch einen weiteren Bruch erlitten hatte, vergaß ich geflissentlich.
Abends schauten wir noch einen der gewohnt schlechten Tatort Krimis, danach saß ich wieder in meinem Zimmer vor Rechner und Fernseher. Eigentlich hätte ich jetzt jubilieren müssen, tat es jedoch nicht. Die gute Laune konnte ich leider nicht konservieren, dunkle Gedanken umnebelten mein Hirn.
Ich würde wohl noch mindestens drei Wochen mit der Gipsschiene herumlaufen müssen, wegen einer zu befürchtenden Bindehautentzündung machte ich mir auch noch einen Kopf. Ich spielte ein wenig an meinem Tablet, dazu liefen Archer und Peacemaker über die Mattscheibe. Das brachte mich etwas runter, bevor ich mich hinlegte.
Montag, 16. Januar. Ich hatte länger als gewöhnlich geschlafen; schließlich war ich gestern Abend ja auch schon todmüde gewesen. Nach einem kurzen Frühstück begab ich mich zu meinem HNO, bei dem ich um 11:30 Uhr einen Termin hatte. Da saß ich dann wieder schön mit der FFP2-Maske über eine halbe Stunde im Wartezimmer, bevor ich an der Reihe war.
Auf meinen Vitamin D3-Spiegel ging er gar nicht ein, stattdessen empfahl er mir die tägliche Einnahme von Algenöl wegen der extrem hohen Omega 3-Fettsäurenanteile. Wenigstens konnte ich jetzt die Nasensalben absetzen, „zum Glück" hatte ich ja noch Salben fürs Auge und jetzt auch noch einen Esslöffel Algenöl jeden Tag.
Dienstag, 17. Januar. Um 10:30 Uhr war ich beim Orthopäden geladen, der die weitere Behandlung meines gebrochenen Handgelenks übernehmen würde. Nach dem Röntgen und ein wenig Herumtasten konnte er mir bestätigen, dass der Heilungsprozess gut verlaufen würde. Allerdings wurde die Gipsschiene noch bis zum 1. Februar am Unterarm bleiben müssen, damit sich der Sehnenanriss oder Bruch am Daumengelenk restaurieren könne.
Zwar war mir dies bereits vorher klar gewesen, doch ich hatte es verdrängt gehabt. In der Folge ging es mir mal besser, mal schlechter. Aber immer, wenn es unter dem Verband juckte, bekam ich Herzrasen.
Die Augensalbe, die extrem hohe Vitamin D3-Ration und nun noch das Algenöl waren zusätzliche Tagesaufgaben, die meine volle Aufmerksamkeit erforderten, mich allerdings eher zum Grübeln einluden statt mir Hoffnung zu geben.
Freitag, 20. Januar. Die letzten beiden Nächte hatte ich sehr schlecht geschlafen. Immer wenn ich wach wurde, spürte ich eine große innere Unruhe mit Herzrasen und hatte in der Folge große Probleme, wieder einzuschlafen.
Rein verstandesgemäß waren mir die Zusammenhänge klar, aber ich kam nicht gegen die negativen Gefühle an. Ich hatte große Angst, war niedergeschlagen und das Wochenende stand vor der Tür. In meiner Not wandte ich mich an meinen Hausarzt, der mir Schlaftabletten verschreiben sollte.
Passenderweise war dieser am Freitag natürlich noch im Urlaub, so dass mich seine neue Sprechstundenhilfe auf den folgenden Montag vertröstete. Bis dahin musste ich also durchhalten. Dies war der Moment gewesen, an dem ich mich dazu entschied, es mit Baldriantabletten zu versuchen.
Nach einiger Zeit der Recherche im Netz entschied ich mich für Kneipp Baldrian Nacht 700 mg. Davon nahm ich ab Freitagabend eine Tablette ca. eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen; dazu noch Melatoninspray und noch etwas lesen. Irgendwann wurden meine Augen schwer. Also setze ich die Maske auf und machte das Licht aus.
Zum Glück fiel mir das Einschlafen leicht, jedoch wachte ich (wie üblich) mitten in der Nacht auf, weil ich pinkeln musste. Spätestens beim erneuten Hinlegen danach hatte sich das Herzrasen wieder eingestellt - was dazu führte, dass ich hart kämpfen musste, um wieder einschlafen zu können.
Dies klappte an dem Wochenende mehr schlecht als recht. Dies ging mit einer überaus stark niedergeschlagenen Stimmung einher. Ob Freitagabend bei unserer Solo-Runde oder kurz danach am Sonntagabend beim Kegeln: Ungewohnt nachdenklich und schweigsam verbrachte ich beide Termine.
Positiv habe ich in Erinnerung behalten, dass ich bei diesen Gelegenheiten wenigstens etwas abgelenkt wurde. Und dank meiner jeweiligen Mitstreiter hatte ich so das Wochenende gut überstanden. Ach ja: am Samstag hatten wir Jela zu Besuch welche unter einer starken Erkältung litt. Für mich alten Paranoiker war dies natürlich wie gemacht.

Dienstag, 2. Mai 2023

guterPlatzzumBiertrinken: Halloween

Sonntag, 30 Oktober. Das nennt man wohl Indian Summer. Es sind zwar nur 15 Grad Celsius draußen, aber die Sonne hat immer noch Kraft und scheint wie im Mai vom Himmel. Kein Wölkchen zu sehen - Da wird es Zeit für eine meiner Touren.
Morgen ist Halloween und heute Mittag spielt Eintracht in Sandhausen; da kann es schon mal losgehen mit dem Radeln. Ach ja: Mein Fahrrad hatte ich letzte Woche reparieren lassen müssen, weil die Bremse festsaß. Der übliche Verschleiß sicherlich. Dafür funktioniert die Bremse jetzt sofort. Der Bremsweg wird dadurch erheblich verkürzt.
So fuhr ich vorhin also froh gelaunt los, mein Ziel fest im Blick. Dass ich jetzt hier im Cafe Meyer sitze, ist dem gestrigen Nachmittag geschuldet.
Da sind meine Löwen und ich zusammen mit Berta zu Roller nach Volkmarode gefahren, um uns nach neuen Sitzmöglichkeiten für unsere Essecke umzusehen. Die Suche verlief zwar erfolglos, doch die langgezogene Berliner Straße hatte mein Interesse geweckt; Hier war ich bislang noch nicht lang gefahren.
Und gerade auf diesem langen Stück bis zum Cafe, auf dem äußerst schmalen Fahrradweg an der viel befahrenen Straße entlang, lief mein Fahrrad hervorragend. Das war aber auch schlimm am Dienstag dem 18. vor zwei Wochen gewesen, als ich auf der Fahrt zum Sport und noch mehr auf der Rückfahrt feststellen musste, dass der Tritt in die Pedale mehr als schwergängig war.
Zunächst hatte ich dies meiner Erschöpfung zugeschrieben. Dagegen stellte ich aber eine Woche später fest, dass der Bautenzug der Vorderbremse gerissen war, so dass eine Bremsbacke ständig am Reifen klebte. Und dennoch blieb ich noch eine Woche lang untätig, weil ich nach dem Erkennen des Schadens überraschenderweise gar nicht mehr zum Fahrradfahren kam.
Egal, für 30,- € ist alles wieder okay; sogar die Lampe sitzt wieder fest. Warum der Bautenzug der Bremse abgerissen war, wurde mir letztendlich erst vor zwei Tagen klar. Denn an dem erwähnten Dienstag (18. Oktober) wurde wohl in unserem Haus ein Fahrrad geklaut. Die Geschädigte (neue Bewohnerin im Haus) erzählte dies meiner Löwin bei einem kurzen Pläuschchen in unserem Treppenhaus.
Dies soll aber nicht alles gewesen sein, genaueres wusste selbst die Geschädigte nicht zu berichten. Und noch bevor meine Löwin und ich davon überhaupt erfahren hatten, hing mal wieder einer dieser Zettel von unserer Blockwartin im Hausflur. Da wurde lediglich das geklaute Fahrrad erwähnt.
Die Blockwartin schlug vor, die Eingangstür des Hauses ab 20.00 Uhr abzuschließen und gab den einzelnen Parteien die Möglichkeit, hierüber mit Ja oder Nein abzustimmen. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass die einzige Nein-Stimme von mir kam. Denn so ein blinder Aktionismus ist mir zuwider, zumal die erwünschte Vorgehensweise gegen geltendes Recht verstößt. Für den Fall eines Brandes muss eben ein Fluchtweg offen sein.
Außer dem einen geklauten Fahrrad wurden wohl nur andere Räder umgeschmissen; ob der mich betreffende Fahrradschaden mit dem Bautenzug von dieser Aktion herrührt, vermag ich sicherlich nicht zu beurteilen, sieht man davon ab, dass mein Schaden am selben Tag aufgetreten ist.
Aber der Punkt ist doch folgender: Das Ganze sieht vielmehr nach purem Vandalismus aus; Das könnte genauso gut ein Besucher gewesen sein. Meine Löwin und ich wohnen jetzt seit 16 Jahren in diesem Haus und nie wurde sich über Diebstahl mokiert. Ich glaube, das sich unsere Blockwartin mal wieder unnötig aufbläst.
Doch ärgerlicher hingegen finde ich ihre Aktion zum diesjährigen Halloween. Hatte sie sich noch letztes Jahr darüber beschwert, dass nicht nur die Familie schräg unter ihr, sondern auch meine Löwin die Bereiche vor den Wohnungstüren schön gruselig im Halloween-Style geschmückt hatten, weil die Ansteckungsgefahr mit Corona so immens hoch wäre, so greift sie dieses Jahr mit voller Power an.
Bei Nebenan.de hatte sie dem gesamten Stadtteil unser Haus als Anlaufstelle für die Kinder zum "Süßes oder Saures" Event angeboten. Zufälligerweise bekam ich letzte Woche persönlich mit, wie sie selbst mit der Nachbarin schräg unter ihr Dekorationen zu Halloween absprach. Die einzigen, welche in die Halloween Sause offensichtlich nicht eingeweiht worden waren, sind meine Löwin und ich gewesen.
Da schlägt mal wieder das typisch deutsche Verhalten durch, welches ich abgrundtief hasse. Da wird so viel auf Demokratie Wert gelegt, doch wenn jemand tatsächlich eine andere Meinung vertritt, wird er von der Gemeinschaft gnadenlos ausgeschlossen, indem er nicht mehr in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen wird.
Situationsbezogen heißt das: Ich hatte als einziger dem "Vorschlag" des Abschließens der Haustür widersprochen und wurde mit meiner Löwin durch Nichtberücksichtigung bei der Halloween-Sause bestraft. So viel zum Demokratieverständnis, danke fürs Gespräch.
Oder, auf den Punkt gebracht: Ich kann auch andere Meinungen akzeptieren, solange die Leute mir zustimmen. Falls nicht, schrecke ich selbst vor Mobbing nicht zurück. Letzteres passt zwar nicht auf die Situation, aber falls du das deutsche Arbeitsleben kennst oder auch mal im privaten Rahmen abweichende Meinungen vertreten haben solltest, wirst du diesen Effekt auch schon verspürt haben.
Kommen wir zur Tour zurück. Noch vor der Kaffeepause weckte die rege Bautätigkeit im neuen Nordstadtviertel mein Interesse. Bei einer der nächsten Touren werde mir dies mal genauer anschauen müssen. Aber nicht heute. Gestärkt durch den Kaffee fuhr ich nach Schapen, um die große Runde über Wedel und Klein Schöppenstedt zu drehen.
Hier erlebte ich hinter Wedel einen unschönen Moment, als ich auf der langen Steigung zum Wasserturm vor Klein Schöppenstedt vom Rad absteigen musste, weil mir die Puste ausging. Den Rest des Weges bewältigte ich hingegen problemlos und erwarb zwischendurch im Café Härtle noch Dominosteine und Marzipankartoffeln für Berta und meine Löwin, die rechtzeitig zum Spielbeginn von einer Weihnachtsmesse heimkehrten.
So beende ich jetzt diesen Bericht nach einem 2:2 der Braunschweiger Eintracht sowie zwei Wolters Weizen. Heute hatte ich eine schön lange Tour stemmen können. Ich bezweifle, dass die Wetterverhältnisse mir dieses Jahr noch eine weitere Rutsche erlauben.

Freitag, 21. April 2023

Hartmudo: Superwumms

8
Die herbeigerufene Schwester versprach mir, sich darum zu kümmern. Sie wollte eine antibiotische Augensalbe von irgendeiner anderen Station auftreiben und tippte wie ich auf eine stinknormale Bindehautentzündung. Das schlug sich natürlich trotzdem gehörig auf meine Stimmung. Meine Löwin beklagte es auch vollkommen zurecht, dass ich stark abwesend wirken würde.
Doch ich komme da einfach nicht aus meiner Haut. Jeder kleine Rückschlag wird von mir sofort aufgebauscht. Ja, er wiegt schwer, der Fluch in meiner Familie.
Nachdem meine Löwin wieder nach Hause gefahren war und ich eine weitere Runde mit Gerd und Paul im Treppenhaus mit Spazierengehen verbracht hatte, stand ich immer noch ohne Salbe da. Meine Stimmung verdüsterte sich weiter. Aber, oh Glück, kurz vor dem Abendessen erschien die polnische Krankenschwester mit Augentropfen und der antibiotischen Salbe.
Das meine Stimmung da sofort ins Gegenteil umschlug, ist auch ein Charakteristikum, welches mir in die Wiege gelegt wurde. Mit gesegneten Appetit verspeiste ich mein Abendbrot und kam mit Gerd und Paul immer besser ins Gespräch.
Zudem freute sich Paul auf dem letzten Auftritt von Jürgen Drews, welchen die ARD zu einer großen Fernsehshow aufgebläht hatte. Und so ganz nebenbei entwickelte sich hierauf hin ein Gespräch über unsere jeweiligen Musikgeschmäcker.
Status Quo fanden wir natürlich alle gut, doch Gerd und Paul hatten es insbesondere Led Zeppelin oder Pink Floyd angetan. Bei Queen ließen wir alle drei unisono nur die Songs auf den 70er Jahren gelten. So weit waren wir demnach nicht voneinander entfernt, obwohl beide meine notorische Fixierung auf Punk und New Wave nicht teilten.
Bis zur nächtlichen Blutdruckmessung gegen 23 Uhr führten wir so eine mehr als angeregte Unterhaltung, bis die Jungs zur Nachtruhe ihr Licht über dem Bett ausmachten. Das war für mich der Startschuss, um noch einmal das Zimmer zu verlassen, weil ich draußen noch etwas lesen wollte.
Schlafen konnte ich noch nicht, die Jungs wollte ich aber auch nicht weiter stören. Ich fand meinen Platz neben der Geschirrrückgabe gegenüber dem Schwesternzimmer. Die Nachtschwester (in meinem Alter) fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Glaubhaft konnte ich ihr versichern, dass ich vor dem Einschlafen lediglich noch etwas lesen wollte.
So dauerte es wohl noch bis zu einer Stunde, ehe ich ins Zimmer zurückschlich, meine „geliebte“ Schlafmaske aufsetzte und mich zum Schlafen hinlegte.
Sonntag, 15 Januar. So gegen 5:30 Uhr stand ich auf. Die Blase drückte, aber ich war begeistert. Ich hatte doch tatsächlich geschlafen. Im Bad wusch ich mich, so gut es mit einer Hand eben ging. Ich war so gut drauf, dass ich die Brötchen sogar selber, wenn auch mit Mühe, aufschneiden und auch schmieren konnte.
Mit großem Genuss aß ich meine Brötchen auf; den Erdbeerjoghurt nahm mir Gerd dankend ab. Ich hatte gerade genug Zeit, um mich bei den Jungs für das schöne Gespräch am Vorabend zu bedanken, als auch schon die Visite und kurze Zeit später eine Schwester mit den notwendigen Entlassungspapieren im Zimmer auftauchte.
Die Zeit des Abschiednehmens war gekommen. Meine Taschen hatte ich selbstverständlich schon gepackt; Paul half mir beim Tragen in die Eingangshalle. Kurz vor dem Ausgang - ich wollte mich gerade von Paul verabschieden - geschah einer dieser Zufälle, wie er in solchen Situationen einfach passieren soll.
Einer dieser Momente, die dich auch in schwierigen Zeiten hoffnungsfroh in die Zukunft blicken lassen. Mitten in der Eingangshalle kam Mahmut auf mich zu. Mit seiner Frau zusammen hatte er in den 90er Jahren das Tantuni betrieben.
In jenem fantastischen kurdischen Restaurant hatte ich mich seinerzeit jeden Dienstag zum Zechen und Essen getroffen, des öfteren setzte er sich zu uns. Ja, wir hatten damals sehr viel Spaß zusammen gehabt.
Kurz musste ich Mahmut vertrösten; denn zunächst verabschiedete ich mich herzlich von Paul und wünschte ihm und Gerd sehr viel Glück für die anschließende Reha. Aber nun zu Mahmut.
Nachdem er sein Restaurant in der Helmstedter Straße vor ein paar Jahren aufgegeben hatte und aus Braunschweig fortgezogen war, hatte er nun im Jugendgästehaus Harz als Koch eine Bleibe gefunden. Ebenso eine neue Liebe. Jetzt befand er sich wegen eines Magengeschwürs im Krankenhaus, auch er wird halt nicht jünger.
Er nahm mir noch das Versprechen ab, ihn dort mit meiner Löwen zu besuchen. Dann verschwand er nach herzlicher Verabschiedung im Fahrstuhl und ich konnte meine Löwin anrufen, auf das sie mich abholen würde.
Auf einmal musste ich feststellen, dass ich doch noch nicht so fit war, wie ich mich fühlte. Ich hatte gerade das Telefonat mit meiner Löwin beendet, als ich mit dem linken Bein am Tisch hängen blieb und nach vorne stürzte. Gerade konnte ich mich noch am Tisch mit meiner frisch operierten Hand abstützen. Zu euphorisch ich gewesen war, noch mehr Glück ich gehabt habe.

Montag, 17. April 2023

Hartmudo: Superwumms

7
Zwischenzeitlich war das Mittagessen gereicht worden. Gerd und Paul zeigten hierbei erhöhte Aktivität und vertilgten genüsslich Fleisch und Sättigungsbeilage mit großem Appetit. Erst jetzt bekam ich mit, dass beide jeweils am Knie operiert worden waren.
Als ich nun endlich dazu der Lage war, meinen griechischen Topf zu essen, hatten sich beide schon wieder hingelegt und dösten wieder vor sich hin. Kritharaki Nudeln mit Aubergine, Zucchini und Paprika in einer würzig-salzigen Brühe. Dieser äußerst leckere Eintopf mundete mir vorzüglich.
Wieder kam mir unsere ursprüngliche Planung in den Sinn. Auch am morgigen Tag würde ich statt Kegeln und Essen bei Freunden in Berlin mit Gerd und Paul in diesem Zimmer abhängen - ohne Bier. Jetzt hatte ich also genügend Zeit, um Gerd und Paul näher kennenzulernen.
Pauls polnische Ursprünge waren unschwer an seiner Aussprache herauszuhören. Seit kurzem in Rente, hatte er bis vor kurzem wohl im Werk gearbeitet. Vom lang aufgeschossen Gerd bekam ich nur mit, dass er aus Peine stammt und seine Frau Vegetarierin ist.
Beide waren Leidensgenossen; der eine operiert am linken, der andere am rechten Knie. Sie gingen immer zusammen zu den Mobilisierungsübungen für ihre Knie und würden auch die Krankengymnastik nach Entlassung aus dem Krankenhaus zusammen bestreiten wollen. Beide waren bereits am Dienstag eingeliefert worden und litten unter einem Lagerkoller.
Da ihre Knie Bewegung brauchten, gingen sie des Öfteren mit ihren Krücken auf den Flur und in das Treppenhaus hinaus. Da ich selbst auch ein wenig Aufmunterung gebrauchen konnte, hatte ich mich Ihnen dabei gerne angeschlossen. Mir tat die Bewegung auch gut; Alles war besser, als die ganze Zeit im Bett zu liegen.
Meine Drainage konnte ich sogar dabei in der verletzten Hand halten. Doch bevor ich an dieser Aktion teilnahm, freute ich mich über den zugegebenermaßen erwarteten Besuch meiner Löwin. Wir begaben uns nach gegenüber in den Aufenthaltsraum und unterhielten uns bald zwei Stunden lang. Das tat gut, jetzt einen geliebten Menschen zu sehen.
In der Abenddämmerung fuhr sie nach Hause - die Katzen mussten schließlich auch gefüttert werden. Außerdem war es langsam Zeit fürs Fernsehprogramm. An diesem Abend startete Deutschland um 18:30 Uhr in die Handball WM mit der Begegnung gegen Katar.
Im Zimmer verfolgten alle drei dieses Spiel; wobei ich mein Tablet bemühen musste, weil ich es nicht eingesehen hatte, für das Fernsehprogramm 9 € am Tag zu bezahlen. Über die Joyn-App könnte ich das TV-Programm schließlich auch auf dem Tablet anschauen. Der Internetzugang kostete lediglich 7 € am Tag.
Witzigerweise war die App immer zwei bis drei Minuten langsamer als die TV Schaltung, so dass Paul und Gerd des Öfteren erheblich eher in Torjubel ausbrechen konnten als ich. Das sehnlichst erwartete Abendessen kam auch irgendwann und Deutschland siegte 31:27.
Nach einem weiteren Spaziergang über den Flur und mehrere Stockwerke im Treppenhaus war es Zeit für das Abendprogramm. Auf dem Zimmer, jeweils im Bett liegend, wollte jedoch keine richtige Unterhaltung aufkommen. Gerd und Paul waren nun nach mehreren Tagen im Krankenhaus durch und wollten nur noch nach Hause, zumal beide nachts wegen ihrer operierten Knie auch nicht richtig liegen konnten.
Also schauten wir - jeder für sich auf seinem Bett - zusammen einen Film. Mission Impossible Rogue Nation lief an diesem Abend auf ProSieben. Obwohl ich diesen Teil bereits gesehen haben musste, hatte ich die Handlung anscheinend vergessen. Da werde ich mir zu Hause wohl ein paar der anderen Teile noch mal anschauen müssen.
Beim Spätfilm nach 23 Uhr wurden wir von der Schwester unterbrochen, die anscheinend bei uns dreien noch einmal den Blutdruck messen musste. Wie auch immer, das Licht war aus, nachdem Gerd mich gebeten hatte, mein Deckenlicht auch auszuschalten, damit er schlafen konnte. Das war für mich das Startzeichen, meine Schlafmaske aufzusetzen und ebenfalls eine Mütze voll Schlaf anzusteuern.
Samstag, 14 Januar. Was soll ich sagen, an Schlaf war in der Nacht nach der Operation nicht zu denken gewesen. Ruhig und still lag ich auf der rechten Seite, immer darauf bedacht, die Drainage nicht abzureißen. Links war ja noch der Zugang, den wollte ich ebenfalls nicht berühren.
Erstaunlicherweise blieb ich die ganze Zeit ruhig. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich durch die erfolgte OP einen positiven Tick bekommen hatte. Die Nachtschwester kam unnötigerweise noch zweimal in dieser Nacht ins Zimmer - das letzte Mal gegen 4 Uhr morgens - um zu schauen, ob alles in Ordnung sei.
Wäre es auch gewesen, wenn sie nicht reingekommen wäre. So waren wir alle drei aufgewacht. Kurze Zeit danach stand ich auf, weil ich aufs Klo musste. Eigentlich wollte ich dann wach bleiben, überlegte es mir aber anders und legte mich noch einmal hin. Tatsächlich schlief ich bis kurz vor 7 Uhr, bis die Schwestern zum Blutdruckmessen hereinkamen.
Die Brötchen zum Frühstück musste ich mir aufschneiden und mit Butter beschmieren lassen, essen konnte ich sie alleine. Auch nachdem die Ärztin mit den Schwestern zur Visite gegen 9 Uhr durch das Zimmer gerauscht war, fühlte ich mich hervorragend.
Dankenswerterweise nahmen sie mir den Zugang am linken Arm ab, da fühlte ich mich auch gleich besser. Die Ärztin bestätigte mir noch einmal, dass ich noch eine Nacht da bleiben werde. Doch irgendwie galt es als gesichert, dass ich am Sonntag nach dem Frühstück entlassen werden würde. Da fühlte ich mich erleichtert, der Tag konnte beginnen.
Naturgemäß geschieht im Krankenhaus nicht viel; neben dem Mittagessen latschte ich mit Gerd und Paul über den Flur und durch das Treppenhaus. Über Mittag gab es noch Biathlon, Gerd und Paul waren derweil zu einer Anwendung aufgebrochen. So ging die Zeit dahin und ich freute mich auf den Besuch durch meine Löwin.
Als sie dann am frühen Nachmittag durch die Tür trat, war bei mir die Freude groß. Ich hatte sie doch sehr stark vermisst. Unglücklicherweise war ich jedoch zu diesem Zeitpunkt mental schon wieder etwas down, denn ich hatte an meinem Körper eine neue Baustelle entdeckt.
Im rechten Auge hatte es gejuckt, passenderweise konnte ich mich nicht bergen und rieb munter dort herum, bis ich ein richtig schönes Kittauge hatte. Zuerst wollte ich es auch gar nicht wahrhaben, bis mich meine Löwin darauf aufmerksam machte.

Donnerstag, 13. April 2023

Alan Freed 4/4

4
Und dieser Unterausschuss hatte bereits Anhörungen zu Quizsendungen des TV's durchgeführt. Dies brachte die Rundfunksender ins Schwitzen, weil deren Betriebslizenzen durch ein Gerichtsverfahren in Gefahr gerieten. Sie forderten ihre Mitarbeiter, sprich DJs, zur Abgabe von eidesstattlichen Erklärungen auf, in der sie jegliche Beteiligungen an Bestechungsgeldern abstreiten mussten.
Hier ergab sich für Alan Freed natürlich ein Problem. Seinem Senderchef bei WABC machte er klar, dass er keinen Meineid leisten wollte, weil er verschiedene Geschenke erhalten hatte. Alan Freed weigerte sich also, für ABC eine eidesstattliche Erklärung zu unterschreiben. Prompt darauf reagierte ABC und feuerte Alan Freed am 21 September.
In der Folge musste Freed sein Engagement im Fernsehen ebenfalls beenden. "Big Beat" ging am 23. November 1959 zum letzten Mal über die Bildschirme. Die Anhörungen vor dem besagten Unterausschuss hatten da noch nicht einmal angefangen, die begannen erst im neuen Jahr, also 1960.
Mehrere DJs bekannten sich schuldig, für die Werbung einzelner Platten Geld und Geschenke angenommen zu haben. Entgegen dem Anraten seines Anwaltes deckte Freed Ende April seine Verbindungen zu einzelnen Plattenfirmen auf und benannte diejenigen von Ihnen, welche ihn für eine "Beratung" gebucht hatten.
Sicherlich war ihm bewusst, dass ihn diese Aussagen um Kopf und Kragen bringen konnten, denn die New Yorker Staatsanwaltschaft strengte ja bereits Strafverfahren an und hätte alles gegen ihn verwenden können.
Vielleicht zog es ihn deshalb von New York nach Los Angeles, wo sein Freund und ehemaliger Programmdirektor von WINS - Mel Leeds - bei einem Rhythm and Blues Sender namens KDAY arbeitete.
Doch da der Bezirksstaatsanwalt von New York Anklage wegen Bestechung gegen Alan Freed erhoben hatte, entschloss sich dieser, kurzfristig nach New York zurückzukehren. Dabei lag die Bestechungsaffäre mindestens zehn Jahre zurück. Dieser Fakt spielte jedoch keine Rolle, als Freed und sieben weitere Radiomitarbeiter am 19. Mai 1960 in Manhattan verhaftet und angeklagt wurden.
Insgesamt sollen sie 116.850 Dollar an Bestechungsgeldern erhalten haben. Kaum in Los Angeles zurückgekehrt, unterzeichnete Alan Freed eine Vereinbarung mit KDAY mit dem Inhalt, dass er sich von allem fernzuhalten hatte, was auch nur geringsten nach Bestechung roch. Und trotz dieser Probleme klangen seine Sendungen auf KDAY so energisch wie von ihm gewohnt.
Aufgrund der anhängigen Strafverfahren protegierte Freed einzelne Platten ausschließlich aus Leidenschaft und verhalf so über seine Radioshow mehreren Hits zum Durchbruch. Doch auch auf diesem Sender konnte Alan Freed nicht auf Dauer in Ruhe arbeiten.
KDAY feuerte ihn, weil der Sender sich weigerte, ein von Freed im Hollywood Bowl veranstaltetes Konzert zu bewerben. In all den Jahren wurden ihm Steine in den Weg gelegt; so etwas kann einem Menschen schon mal paranoid machen.
Hier kam noch erschwerend seine ewige Sauferei hinzu, bis sich Freed in seinem Bestechungsprozess zunehmend gegen die Wand gedrückt sah und im Frühjahr 1963 schließlich eine Geldstrafe von 300 $ akzeptierte, indem er sich in zwei von sieben Anklagepunkten für schuldig erklärt hatte.
Er hatte jedoch nicht bedacht, dass sich dank seines Schuldanerkenntnisses eine Unzahl von Rechnungen und sogar noch eine Anklage wegen Einkommensteuerhinterziehung ergaben. Dies kann man auch als Folge der jahrelangen Drangsalierung durch die Musikindustrie ansehen, weil Alan Freed dank seiner Widerborstigkeit die Musik spielte, die er promoten wollte..
Leider verkraftete Alan Freed derartige Nackenschläge nicht länger und wurde am Neujahrstag 1965 in ein Krankenhaus in Palm Springs, wo er inzwischen lebte, wegen Magen-Darm Blutungen infolge einer Leberzirrhose eingeliefert. Dort starb er letztendlich am 20. Januar 1965 dank eines Nierenversagens.
zuletzt in Palm Springs

Nach Palm Springs war er bereits 1963 übergesiedelt. In diesen letzten Jahren war er verzweifelt und bankrott, dazu auch häufig besoffen. Er war nicht mehr in der Lage gewesen, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen und musste bei Freunden aus dem Musikgeschäft um Geld für Miete und Lebensmittelrechnungen anfragen. Mit 43 Jahren war er ein vollkommenes Wrack und mittellos, als er starb.
Der Payola Skandal hatte die US-amerikanische Musikindustrie Ende der 50er Jahre schwer erschüttert. Die Erkenntnis, das Hits käuflich waren und ein so bekannter DJ wie Alan Freed sich daran ungerechtfertigt bereichert hatte, versetzte der noch blutjungen Rockmusik und deren jugendlichen Fans einen schweren Schlag, von der sich die Industrie allerdings schnell erholen sollte.
Der traurige Verdienst von Alan Freed bleibt es, als Mister Rock 'n' Roll jahrelang den Unmut des Establishments auf sich gezogen und dem enormen Druck der konservativen amerikanischen Gesellschaft der 50er Jahre standgehalten zu haben.
Auch die meisten anderen DJs hielten die Hand auf, doch die amerikanische Öffentlichkeit wollte sich partout an Alan Freed verbeißen. Dafür bezahlte er den Preis; Zu guter Letzt brachte dies Alan Freed frühzeitig ins Grab.
Der Erfolg des neuen Musikstils jedoch ließ sich nicht aufhalten, zumal mit den Kids sehr viel Geld zu verdienen war und bis heute ist, was die Musikindustrie sehr schnell erkannt hatte. Und wer weiß, ob es ohne eine herausragende Figur wie Alan Freed überhaupt einen Boom der Rockmusik gegeben hätte.
Denn er war einer der wenigen Persönlichkeiten (hier wäre sicherlich auch noch Dick Clark zu nennen), die Rockmusik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machten, indem sie diese in ihre eigentlich eher Pop-Musiksendungen integrierten. Sozusagen die Scorpions in der Giovanni Zarrella Show.

Montag, 3. April 2023

Contramann: kurz gesehen im April

https://petraerler.substack.com/p/krieg-oder-frieden-in-europa-wahrheit
Es geht um das Minsker Abkommen - hier die Aussage von Angela Merkel aus dem Dezember 2022. Da erklärte sie, dass das Minsker Abkommen 2014 von vorneherein dazu diente, der Ukraine Zeit zur Vorbereitung eines Krieges gegen Russland geben zu können. Im Februar 2022 taten die Russen den Nato-Staaten dann den Gefallen und überfielen die Ukraine.
Dank des Minsker Abkommens wurden der Ukraine 8 Jahre des Aufbaus einer Armee ermöglicht; 2014 wären Sie - das suggeriert eben die Aussage von Merkel - von Putins Truppen überrollt worden.
Und wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum sich Putin 2014 überhaupt auf das Minsker Abkommen eingelassen hatte und dann 8 Jahre lang mit dem Überfall gewartet hatte. Wäre es nicht vorstellbar, dass Putin 2014 eine friedliche Lösung bevorzugt hatte? Oder hatte er einfach nur Angst vor der Nato?
Bezeichnenderweise hatte keine der deutschen Qualitätsmedien diesbezüglich entsprechende Fragen gestellt. Petra Erler, ehemalige Beraterin und Freundin von Günter Verheugen in dessen Zeit als EU Kommissar, hat die Zusammenhänge in diesem Artikel schön beschrieben.

https://www.focus.de/politik/ausland/beide-seiten-lehnten-ab-usa-legten-putin-und-ukraine-brisanten-friedensplan-vor_id_184729771.html
Huch, das klang zu schön um wahr zu sein: Im Januar 2023 soll die US Regierung der Ukraine und Russland einen Friedensplan vorgelegt haben, der wohl eine Unabhängigkeit des Donbas zur Folge ermöglicht hätte. Ob die „restliche“ Ukraine dann ein Mitglied der Nato oder wenigstens der EU geworden wäre, lässt sich dieser kurzen Meldung leider nicht entnehmen.
Beide Kriegsparteien lehnten diesen Vorschlag jedoch ab. Die Ukrainer aus nachvollziehbaren Gründen - aber warum konnte Putin sich mit Bidens Vorschlag nicht anfreunden? Dieser deckte sich doch eigentlich mit den Forderungen, die Putin selbst in 2022 noch als Bedingungen für ein Ende des Krieges genannt hatte.
Der kurze Artikel gibt hierzu nichts her. Stattdessen wird suggeriert, dass Putin die Auffassung vertrete, den Krieg gewinnen zu können. Etwas dünn meiner Ansicht nach.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=93471
Artikel der Nachdenkseiten binde ich eher ungern in diese Kolumne ein. Nicht, weil diese schlecht wären - das Gegenteil ist der Fall. Der eigentliche Grund für das Auslassen der vielen hervorragenden Beiträge auf den Nachdenkseiten liegt darin, dass Du den verlinkten Artikel von Jens Berger eh schon gelesen haben wirst.
Aber zu diesem erhellenden Artikel über die Großraffinerie in Schwedt wollte ich jetzt doch noch meinen Senf dazugeben. Denn ich finde es ebenfalls unerträglich, dass sich der grüne Wirtschaftsminister Habeck vor die Belegschaft der Raffinerie hingestellt hatte und über Ersatzlieferungen an Öl aus Kasachstan oder über Danzig fabuliert hatte.
Wie hier sehr schön dargestellt ist, hatte der Wirtschaftsminister nicht wirklich konkrete Zusagen von derartigen Lieferungen als Ersatz für sanktioniertes Öl aus Russland in der Hand. Er behauptete einfach irgendetwas, um die von der Schließung bedrohten Arbeiter zu beruhigen. In unserer fortschrittlichen Demokratie erwarte ich von einem Minister da doch mehr Standing.
Und dass die Russen ihr Öl an die Saudis verkaufen, die dieses dann als Diesel vollkommen legal (zu höheren Preisen versteht sich) an die Europäer verkaufen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

https://www.neulandrebellen.de/2023/02/minsk-ii-das-endgueltige-ende-der-westlichen-seriositaet/
Roberto de Lapuente hat (leider) mal wieder recht. Er erinnert in diesem Artikel an die Aussage von Angela Merkel, dass die Abkommen Minsk I und II dazu dienten, der Ukraine Zeit zum Aufrüsten zu geben. Nachdem auch der ehemalige französische Präsident Hollande dies Ende letzten Jahres bestätigte, zieht Lapuente hier die richtigen Schlüsse.
Traurig genug, dass „unsere“ Qualitätsmedien die Aussage von Merkel als Versprecher darstellten, sofern überhaupt davon berichtet wurde. Aber die Folgen für den „Wertewesten“ werden sich mehr und mehr darin zeigen, dass immer mehr Länder die Verlässlichkeit des Westens nicht nur anzweifeln werden, sondern entsprechend handeln.
Sprich: Der behauptete Führungsanspruch der USA und seiner Verbündeten bröckelt. Und der deutsche Michel in seiner (grünen) Selbstgerechtigkeit merkt es nicht. Der Niedergang scheint vorprogrammiert.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“