Samstag, 7. November 2026

Contramann: kurz gesehen im November

https://taz.de/Proteste-in-Frankreich-Italien-Deutschland-Wie-waere-es-mit-einer-Politik-der-Bezahlbarkeit/!6225374/
Aha, hier wird für die Volkswirtschaftlerin Isabella Weber getrommelt. Also zur Vermarktung ihres Buches. Ihr Credo lautet „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Was das denn nun genau bedeuten soll, verschweigt uns die Autor*in dieser Kolumne bis kurz vor Feierabend.
Die „Bezahlbarkeit“ von Grundbedürfnissen (Wohnen, Lebensmittel, Gesundheit - Danke!) sollen also die Antwort auf die Jugendproteste in vielen Ländern der EU sein. Ja, aber wie denn bitte? Etwa so ein Genossenschaftsmodell, wie es Sahra Wagenknecht in ihrem Bestseller „Die Selbstgerechten“ skizziert hatte?
Ach nein, geht ja nicht. Wagenknecht ist für TAZ / Grüne ja Bäbä. Die ist ja Putinfreundin. Zum Glück ist frau in der TAZ gendergerecht feministisch orientiert, in anderen Medien fallen da schon mal kräftigere Bezeichnungen.
Von einer Volkswirtschaftlerin erwarte ich eigentlich konkrete Aussagen und kein Wischiwaschi über Allgemeinplätze. Dass viele Leute glücklich sind, wenn für alle die Grundbedürfnisse bezahlbar wären, kann selbst ich schnell konstatieren. Das bekomme ich auch auf einem Stück Klopapier hin und könnte jenes dann immer noch zum Abwischen benutzen.
Es kann natürlich ebenso sein, dass die Kolumnist*in unsauber gearbeitet hat, weil sie eine verständliche Kurzform der Lösungsvorschläge von Frau Weber nicht herausgearbeitet hat. In diesem Fall: Konnte oder wollte sie es nicht?
In allen der eben beschriebenen Konstellationen muss ich leider feststellen, dass dieser Artikel mangels Substanz überflüssig ist. Hier feiert sich das typisch hauptstädtisch - intellektuelle - urbane Bildungsbürgertum selbst. „Man müsste mal…“
Genau so. Werde ich nicht konkret, kann ich auch nichts Falsches sagen. Da könnte man ja sonst Schwierigkeiten bekommen. Im Leitmedium des wirklich wichtigen Themas würde es heißen: „Der Ball ist rund“ oder „Eine Absicherung muss da sein, wenn das Gegenpressing scheitert.“
Schwarz ist der Rappe und weiß ist der Schimmel, sie liest die Emma und braucht …eine Alternative. Mein Dank an dieser Stelle gilt Alice Schwarzer, die konsequent für die Rechte der Frauen eingestanden ist (zumeist nicht meiner Meinung), bis sie selbst in jüngster Zeit von den zeitgenössischen gendergerechten Feministinnen angegangen worden war. Alice - voller Respekt für Dein Lebenswerk. Ohne Ironie.
Und keinen Respekt für diesen Kommentar. Autsch - schlechter Rückpass. „Bezahlbarkeit“. Wäre das nicht ein Thema für Caren Miosga? Oder doch besser gleich Markus Lanz. Der Mann, der überall da hingeht, wo es Dir wehtut.
Nun gut. Die Kolumne ist ebenso sinnbefreit wie meine Stellungnahme hierzu. That’s it and quit.

https://overton-magazin.de/kommentar/gesellschaft-kommentar/anstaendig-werden-so-machen-sie-es-richtig/
Oder auch: Die 10 Gebote von Dunya Hajali. Zugegeben ist das Frau Hayali gegenüber ein wenig unfair, sie für alle Übel der neuen Medienwirklichkeit als Projektionsfläche zu nutzen. Aufgrund ihres persönlichen Backgrounds möchte ich zumindest bei ihr keine Verlogenheit annehmen oder einen Vorsatz unterstellen. Wir sind halt alle Sklaven unserer individuellen Vorgeschichten, auch Herr deLapuente.
Insgesamt aber gelingt Herrn deLapuente die Beschreibung der moralinsauren Meinungsmache der großen Medien in sarkastischer Manier ausgezeichnet. Als grobe Linie werden dort immer wieder demokratische Grundprinzipien (Verteidigung der Meinungsfreiheit, Vermeidung der Ausgrenzung Andersdenkender, Toleranz etc.) propagiert, um diese im nächsten Satz relativieren zu können.
Denn laut der vorherrschenden Meinung können demokratische Prinzipien schon mal außer Kraft gesetzt oder zumindest eingeschränkt werden, wenn die Demokratie bedroht wird. Hierbei reicht die bloße Behauptung der Bedrohung praktischerweise aus. Konkrete Belege einer Bedrohung werden häufig nicht einmal angekündigt.
König dieser Argumentationslinie ist in meinen Augen der Herr Steinmeier höchstpersönlich. Er beherrscht die Klaviatur der sich selbst widersprechenden Behauptung in Perfektion. Demokratie schützen, indem man Demokratie einschränkt. Kannste Dir nicht ausdenken.

https://www.berliner-zeitung.de/article/offener-brief-von-natascha-wodin-an-die-faz-aus-den-glutnestern-ein-flaechenbrand-10323342
Hier wird ein Brief der russisch-ukrainischen Schriftstellerin Natascha Wodin an Michael Martens, den Korrespondenten der FAZ mit der „Russen töten“ Frage an Selenskji, abgedruckt. Im vorletzten Monat hatte ich dazu schon etwas geschrieben - also zu der Frage von Martens.
Frau Wodin kann hierbei allein schon aufgrund ihrer Herkunft als halbwegs objektive Stimme punkten. Speziell den in Deutschland tief sitzenden Russenhass spießt sie emotionell auf. Und machen wir uns nichts vor: Wenn die Ukraine z.B. die Polen angegriffen hätte, würde sie von den deutschen Intellektuellen schnurstracks als russisch angesehen werden.
Aber wir Deutschen haben ja aus der Geschichte gelernt.

https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/papa-warum-gibt-es-eigentlich-den-ukraine-krieg/
Aus der Abteilung „wie erklär‘ ichs meinem Kinde“. Leider funktionieren Erwachsene nicht so. Wenn die eine andere Meinung haben (aka der Russe ist schuld), dann kommen augenblicklich Widerworte. Da bricht die Argumentationskette schnell zusammen.
Aber trotzdem hübsch.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“




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