Freitag, 31.Juli. Zwei extrem heiße Tage liegen hinter mir. Gestern in meinem Büro in Salzgitter war es so schlimm, dass ich das Angebot meines Teamleiters, statt um 18.00 Uhr schon um 16.00 Uhr Feierabend machen zu können, gerne angenommen hatte. Denn Nachmittags knallt die Sonne unbarmherzig in mein Büro. Dazu noch windstill - da war ans Fenster öffnen nicht zu denken gewesen. Selbst der Venti bringt nicht viel. Auf volle Pulle gestellt höchstens eine Erkältung; geht also gar nicht. Lieber zwei Stunden weniger abölen.
Doch heute nach dem Home Office, welches zur Abwechslung mal reibungslos lief, so dass ich weitaus mehr schaffte als im Büro, ging es los. Es war halt immer noch warm, aber der Himmel zeigte sich leicht bewölkt und ermöglichte eine sanfte Brise. Die Temperatur belief sich immer noch auf 28 Grad, aber der Fahrtwind glich das ja wieder aus.
Mein Ziel hatte ich bereits am Vorabend abgesteckt gehabt. Ich wollte nach Gliesmarode zur Berliner Straße eiern, um dann über den Messeweg und Riddagshausen den Weg nach Hause einzuschlagen. Messeweg hatte ich noch nicht; vor geraumer Zeit packte ich dieses Ziel auf meine Agenda. Die Streckenlänge passt zu dieser Kolumne.Am Vormittag, während der routinemäßigen Postbearbeitung, kamen mir noch die Klosterbäckerei sowie der Löwengarten in den Sinn. Beides auf der Strecke. Die Klosterbäckerei wegen des wohl qualitativ hochwertigen Brotes. Man backt hier mit Dinkel- und Ackerbohnenmehl. Das gilt es zu testen. Bin ja Brotjunkie.
Und der Lö-wen-gar-ten. Guter Platz zum Biertrinken! Alles klar, knick knack? Bierpause muss sein, zumindest in dieser Kolumne. Und im Löwengarten hatte ich Anfang Mai zusammen mit Henry das 2:1 unserer glorreichen Eintracht gegen Dresden verfolgt. Dieser Sieg hatte dem Team die Klasse gehalten und das Gezapfte zeigte sich extrem süffig.
Kurz vor 15.00 Uhr pumpte ich das Volume des Reifens auf und ritt zunächst das Ringgleis in Uhrzeigerrichtung ab. Endlich saß ich wieder auf Jolly Jumper, um als einsamer Rächer über die Prärie zu ziehen. Die anstrengenden Trips während meines Jahresurlaubs hatte ich erfolgreich meistern können und der kleine Kater (12 Wochen) unserer Enkelin Jela stört mich auch nicht mehr.
Montag früh noch erfreute er mich beim Aufwachen, als er in mein Bett gepisst hatte. Sausack, Dammischer! Als ich noch drin lag und schlief! Der hat es faustdick hinter seinen großen Ohren. Konnte aber auch lieb sein, wenn es etwas zu schnabulieren gab. Jetzt, wo er Abbys Kreise nicht mehr stört, ist diese wesentlich entspannter und freut sich wieder des Lebens.
Durchatmen. Wer braucht da schon Achtsamkeitstraining, wenn er ruhig radeln und sich auf ein frisches Gezapftes freuen kann? Zweimal verfranzte ich mich allerdings - nicht schlimm. Zuerst verpasste ich den Ausstieg vom Ringgleis am Bültenweg und musste dann den Bienroder Weg bis zur ehemaligen Tommy Kaserne hoch fahren, weil ich aufgrund Baustelle nicht mehr zum Ring zurückkehren konnte.
Ein kleiner Umweg, doch nach kurzer Zeit enterte ich die Berliner und betrat kurze Zeit darauf die Filiale der Klosterbäckerei Schöningen. Das Zwiebelbrot gibt es lediglich Freitags, daher kaufte ich gleich 2. Eines davon ist für unsere Doppelkopfrunde am Dienstag und wird daher eingefroren, damit es dann frisch ist.
Hocherfreut radelte ich weiter, bis ich das Cafe der Heidebäckerei Meyer erreicht hatte. Dort wollte ich ins Viertel am Hasselteich einbiegen. Denn dort war ich noch nie gewesen. Wie es dort wohl ausschauen mag? Und selbstverständlich fuhr ich zu weit. Meyer war schon too much gewesen, hier drehte ich um.
Als ich dann wieder zurückfahren wollte, kreuzte von rechts ein Radfahrer. Und ich so: „Hey, was machst Du denn hier?“
Er schaute mich an, grinste ebenfalls. „Das ist ja ein Zufall. Wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen.“
Wir kennen uns seit mehr als zehn Jahren vom Pendeln mit dem Zug nach Salzgitter, arbeiten in unterschiedlichen Behörden. Höchstens auf dem Bahnsteig hatten wir uns in all den Jahren mal kurz unterhalten gehabt. Mehr als fünf Minuten hatte das nie gedauert. Und doch war meine Freude über dieses unerwartete Treffen groß. Und die Freude war nicht einseitig.
Wir hatten ja auch quasi die gleiche Richtung vor uns und fuhren so an den nördlichen Ufern der Teiche von Riddagshausen entlang, bis wir zur Ebertallee kamen. Mein namenloser Mitpendler bog kurze Zeit später in den Park ab, während ich noch ein Stückchen weiter fuhr und anschließend im Löwengarten landete.
Auf dem kurzen Weg hatten wir während der Fahrt nett plaudern können und sogar ein wenig voneinander erfahren. Im Gegensatz zu mir ist er noch mehr analog unterwegs, was ihm wichtig ist. Dennoch: Eigentlich ein Typ, mit dem ich gern mal ein Snakebite im McMurphys genießen würde. Das ist mir leider erst im Nachhinein aufgegangen; was solls. Nächstes Mal.
Genug des Rumschwulens. Im Löwengarten fing ich diesen Bericht an, um dann nach zwei leckeren Halben Wolters (die sind in der Insolvenz - da ist Solidarität gefragt) die Segel zu streichen und mich auf den Heimweg zu begeben.
Was für eine Tour. Schade eigentlich, dass ich von den Teichen kaum etwas mitbekommen hatte, weil der Pendler und ich wie die Waschweiber am Tratschen gewesen waren. Dann muss ich da wohl doch noch mal hin.
Zuhause zog ich meine nassgeschwitzten Klamotten aus und ließ mir das Wasser unter der Dusche über meinen dank Wolters wohlgeformten Körper rieseln. Eine Wohltat!
PS.: Ein paar Tage später verabredete ich mich mit Henry für Samstags Mittag im Löwengarten. Saisonbeginn, Eintracht startet in Magdeburg und wir hoffen,auf eine bessere Platzierung in der neuen Saison als in den letzten vier Spielzeiten. Dazu Wolters - Prost!
