Freitag, 10. April 2026

Contramann: kurz gesehen im April

Die mutmaßliche „digitale Vergewaltigung“ von Collien Fernandes durch ihren Ex-Mann Christian Ulmen schlägt ja zur Zeit hohe Wellen. Und als ich über diesen Kommentar in der TAZ gestolpert bin, muss ich meinen Senf unbedingt dazugeben. Meine Güte - bei der Verfasserin dieses Kommentars läuft so einiges nicht rund, sagt der Chauvi in mir.
„Es gilt die Schuldvermutung“ - das meint sie ernst. Gibts doch gar nicht, das heißt allerhöchstens in diktatorischen Regimes, wo Arbeiter*innen unterdrückt werden und Frauen in der Regel unfrei sind. Und dieses Rechtsverständnis sollen wir jetzt in Deutschland übernehmen oder was? Ach halt, das gilt natürlich nur für bestimmte Rechtsstreitigkeiten. Welche, bestimmt selbstverständlich die Kommentatorin. Schon klar.
Und Flinta* musste ich erst einmal googeln. In Wikipedia wurde ich fündig: https://de.wikipedia.org/wiki/FLINTA*
Auch das. Dies ist (noch) ein freies Land. Da kann man sich für Minderheiten und Randgruppen einsetzen. Finde ich auch nicht verwerflich, aber in Verbindung zum Kommentar in der TAZ… Nun gut, jeder erblödet sich so gut er kann. Meine Meinung zu dem kompletten Kommentar.
Gern arbeiten sich die „Woken“ an Nebenkriegsschauplätzen ab, während die Amis gleich zu Beginn des Irankrieges eine Mädchenschule bombardierten. 165 Tote. Zehn- bis zwölfjährige Mädchen. Kollateralschaden halt. Wo waren da die Tausende Protestierenden in Hamburg? Da blieb es aber relativ still bei Flinta* und Co.
Und am allerschlimmsten die Umkehrung eines der wesentlichen Elemente unserer Demokratie. Die Unschuldsvermutung ist aufgrund gerade der deutschen Erfahrung mit diktatorischen Regimen im 20. Jahrhundert eine wichtige Säule als Abgrenzung zu „Schurkenstaaten“. Und dann kommt eine offensichtlich übermäßig sich betroffen fühlende Journalistin auf ein derartig abwegiges Schlagwort in der Überschrift.
Es mag sein, dass Christian Ulmen schuldig ist. Doch darüber befinden in Deutschland immer noch die Gerichte und nicht die Medien. In diesem Zusammenhang erinnere ich an Jörg Kachelmann und selbst Till Lindemann. Da gab es hinterher Freisprüche bzw. keine Anklagen und vor allem keine Entschuldigungen von Medienschaffenden, welche diese an die Wand genagelt hatten. Und zuiguterletzt Gil Ofarim. Auch dank der Unterstützung durch die Medien verlor der Hotelangestellte seinen Job. Als Ofarims Lüge herauskam, war von einer Entschuldigung bei dem Hotelangestellten keine Rede.
Leute. Politisch links bedeutet, sich für Benachteiligte einzusetzen. Klassenkampf, Baby. Umverteilung nach unten und so weiter. Und nicht der Kampf für die geschlechtsneutrale Latrine.

https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/wuerden-sie-diesem-mann-ihre-milliarden-anvertrauen/
Bei Selenskjis Drohung an Victor Orban, dem ungarischen Ministerpräsidenten („andernfalls geben wir die Adresse dieses Mannes an unsere Streitkräfte weiter, damit sie ihn anrufen und in ihrer passenden Sprache mit ihm kommunizieren können.“), musste ich sofort an „Gamasche“ aus „Manche mögen’s heiß“ denken.
Wenn Putin oder der neue iranische Staatschef Chamenei eine derartige Drohung ausgesprochen hätte, wäre ein Aufschrei durch den deutschen Medienwald, inkl. sozialer Medien, erfolgt. So aber herrscht hier das Schweigen im Walde vor, lediglich eine kurze Meldung war es unseren geliebten Leitmedien wert.
Derartige Mafiaformulierungen werfen ein ganz schräges Bild auf Selenskji. Außerdem sind da noch diese faschistoiden Strukturen a la Asow-Regiment mit ihren Runen an der Uniform und der Verherrlichung von Stepan Bandera. Wer das immer noch nicht skandalös findet, dem könnte evtl. dieser Eintrag helfen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera
Zitat: „Sie trugen maßgeblich zu den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung bei und bereiteten unter anderem Verhaftungen und Massenerschießungen vor.“ Und: „Von manchen Historikern wird er dem Faschismus zugerechnet.“ Dieses „von manchen“ ist bei den vorhergehenden Sätzen im Wikipedia Artikel schon etwas zynisch, weil bewusst abschwächend.
Denn es darf nicht sein, was offensichtlich aber so ist.

https://www.telepolis.de/article/Merz-fordert-Ueberstunden-waehrend-Manager-die-Industrie-vor-die-Wand-fahren-11151625.html
Die Überschrift fasst es ja bereits gut zusammen. Zumal der andauernd beschworene Mangel an Facharbeitern bei Schulung von Arbeitslosen zu lösen sein sollte. Dreieinhalb Millionen Menschen sollen mittlerweile beschäftigungslos sein. Da wird es doch noch möglich sein, freie Arbeitsplätze zu besetzen.
Diejenigen, die jetzt noch ackern, sollen stattdessen noch mehr schuften. Teilzeit geht anscheinend gar nicht. Für Frauen: Vollzeit oder zu Hause am Herd bleiben. Wie früher in der guten alten Zeit, als es noch keine „digitale Vergewaltigung“ gab.
Und die Nieten in Nadelstreifen? Für den Kanzler hier kein Thema. Nicht dass all die „Top“manager noch ins Ausland abwandern. Wer’s glaubt. Denn dort zahlt man Spitzengehälter nur für eine entsprechende Leistung.
Gut, polemisch von mir. Aber was solls.

https://overton-magazin.de/top-story/sorge-um-den-nachwuchs-der-nation/
Ein provokanter Artikel, der beim Leser Zustimmung oder Ablehnung hervorruft. Ob die Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund purem Egoismus und Konsumwahn keinen Kinderwunsch hegen oder schlichtweg sich diese finanziell nicht leisten können, liegt sicher im Auge des Betrachters. Ich denke, dass hier beides zutrifft. Die Degeneration in unserer übersättigten Konsumgesellschaft schreitet weiter voran. Früher waren drei Kinder in einer Familie die Regel, heute gilt dies bereits als asozial. Verantwortung für so ein kleines Würmchen wollen immer weniger Menschen übernehmen. Und den Aufwand der Aufzucht scheuen sie auch.
Wer mich kennt: Ja - ich habe auch keine Kinder in die Welt gesetzt. Das liegt allerdings mehr oder weniger daran, dass ich keine Mutter dafür gefunden hatte bzw. die Szenefrauen, in welche ich mich im gebärfähigem Alter verknallt hatte, keine lahme Beziehung mit Kindern und so haben wollten. Eher den coolen Macho, der im richtigen Moment in den Kuschelmodus schaltet.
Und sagt jetzt nicht Christian Ulmen zu mir!

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

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