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Nach einer ruhigen Nacht, in der wir beide gut geschlafen hatten, wachten wir so um 7.00 Uhr herum auf. Dank des im Zimmer vorhandenen Wasserkochers nebst Teebeuteln (PG Tips) gestaltete sich der frühe Morgen äußerst angenehm. Eigentlich müsste ich mir zuhause auch einen Wasserkocher neben das Bett stellen, doch da ich im Alltag zu wenig Zeit und Muße vor der Arbeit zum Teetrinken vor dem Anziehen habe, lasse ich es.
Mit gemischten Gefühlen gingen wir ins Restaurant zum Frühstück, wobei die negativen Befürchtungen ausschließlich auf meinem Mist gewachsen waren. Frühstück in Großbritannien; da hatte ich bislang eher selten etwas bekommen, was dem gewohnten Standard entspricht. Speck und Schinken vor Fett triefend, dass Rührei dank des Streckens mit Milch eher weiß statt gelb und der Toast in Butter getränkt - gerade in Irland, aber auch in Schottland hatte ich es so erlebt. Da würde ich mich an Cornflakes, evtl. Porridge und Müsli halten müssen. So dachte ich zumindest.
Doch weit gefehlt. Nicht nur der allseits beliebte Toaster mit dem „Förderband“ war vorhanden, sondern auch noch Mehrkorntoast. Der Schinken war nicht so fettig wie befürchtet, dennoch hielt ich mich davon fern. Gleiches galt auch für die Sausages, obwohl die sehr gut aussahen. Ich beließ es bei Toast, Rührei (welches richtig gut war) und einer Schale Müsli. Der Kaffee dazu reichte zum Runterspülen. Meine Löwin testete die gesamte Palette durch und war ebenfalls sehr angetan von diesem Frühstück.
Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir wollten zunächst die „Touristen Rennbahn“, also die Princess Street, erkunden und in den Nebenstraßen schauen, was da so los ist. Die Victoria Street war auf meinem Zettel notiert, weil ich da in einer Reisebeschreibung ein faszinierendes Foto gesehen hatte.
Wir kauften uns in der 19 zwei Tagestickets und schon fuhren wir los. Zusammen mit anderen Touristen stiegen wir am Halt Westend aus. Guter Orientierungspunkt war hier das Cafe Huxley im großen Gebäude auf der anderen Seite der Kreuzung in Fahrtrichtung. Das Gebäude beherbergt das Waldorf Astoria; Gegenüber ist die wuchtige St. Johns Cathedral. Hier beginnt die Princess Street, die Einkaufsmeile der Stadt.
Die Innenstadt Edinburghs besteht aus der New Town, in der wir uns gerade befanden, und der Old Town mit Castle und Viktoria Street. In Prinzip könnte man sich das Ganze auch als zwei Hügel oder parallel verlaufende Höhenzüge vorstellen. in dessen Tal mit den Princess Garden ein affengeiler Park zum Relaxen und Durchschnaufen einlädt.
Wir waren sofort hin und weg ob dieser grünen Oase in all dem frühen, morgendlichen Trubel. Wir schlenderten ein Stück durch den noch menschenleeren Park und entdeckten nach kurzer Zeit einen wunderschönen türkisfarbenen Brunnen. Darin eingearbeitete, goldfarbene Tierköpfe speisten das Wasser hinein. Dort vorstehend, war im Hintergrund das mächtige Edinburgh Castle hoch oben auf dem Felsen in Sicht. Spätestens jetzt wussten wir, dass dieser Trip nach Edinburgh kein Einmaliger werden würde.
An dieser Stelle verließen wir den Park und gingen direkt auf die Princess Street, welche direkt an den Park grenzt, so dass die Häuser lediglich auf der gegenüberliegenden Seite der Straße standen. Aber bevor wir uns in einen Shopping Rausch hineinsteigern wollten, gingen wir hinter die Häuserzeile und passierten kleine Gassen, die als Fußgängerzonen hinter der Princess Street verliefen.
Bemerkenswert an diesen Gassen und Straßen ist, dass sie nicht nur schachbrettartig angelegt sind, sondern auch immer Sichtachsen bilden. In den Hügel hineingebaut, ist auf den Kuppen stets ein Denkmal postiert. Wenn man sich auf den dazugehörigen Kreuzungen positioniert, hat man Edinburgh Castle, eine Kathedrale oder einfach mal nur den „Firth of Forth“, den Fjord zur Nordsee, im Blick.
Zurück auf der Princess Street, klapperten wir nun die Geschäfte ab. All die Geschäfte, die Kleider, Schals und Überwürfe mit Tweed verkauften, waren für meine Löwin nicht so interessant. Ein schöner Stoff, zweifelsohne, aber tragen möchte sie ihn nicht. Und nein, einen Schottenrock habe ich mir nicht gekauft.
Und zwischendurch ging unser Blick zur anderen Straßenseite zum Park, wo die Dudelsackspieler die Touristen erfreuen. Imposant außerdem das Scott Monument zu Ehren des schottischen Schriftstellers Sir Walter Scott, der im 19. Jahrhundert wirkte. Genau gegenüber auf der Ladenzeile der Princess Street befindet sich ein Ziel, welches ich zuvor im Reiseführer entdeckt hatte. Jenners Departement Store.
Jenners war bis 2005 das älteste unabhängige Kaufhaus Schottlands. Beim Betreten des Jenners fiel uns sofort die für britische Kaufhäuser typische Architektur bzw. Atmosphäre ins Auge. Hier gefiel uns vor allem der riesige innen liegende Lichthof. Durch das Glasdach fiel das Licht angenehm auf die Ständer mit den Joggingklamotten im Erdgeschoss. In den einzelnen Stockwerken befanden sich die unterschiedlichsten Abteilungen in den von oben einsehbaren Rundgängen.
Keine Rolltreppen versperrten die Aussicht. Treppen und ein (!) Fahrstuhl sind auf einer Seite konzentriert. Übrigens: Als erstes stolperten wir beim Eintreten durch die Parfümerie. Ob Macys in Manhattan oder Harrods in London - soll es edel sein, ist zunächst die Parfümerie zu durchlaufen.
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