Freitag, 26. Dezember 2025

Uncle Fester: grad gelesen Dezember 2025

Erik Harlandt - DoHa Zyklus

Band 3: Galaktische Übernahme

Eins passierte noch ganz am Schluss von Band 2, was jedoch hier beschrieben wird, weil es eigentlich schon den Schlussband einläutet. Denn Tukerbo Va hatte wie alle Klek ein zweigeteiltes Gehirn. So hatte er ein früheres Bewusstsein von sich mit einer KI ins Zweithirn gepackt, diesem aber jegliche Kontrolle über seinen Körper verweigert.
Wie ein Gefangener kam sich dieser vor. Das war mit dem Tod von Tukerbo Va erledigt, zumal Phil mit dieser biologischen KI Mitleid verspürte und diese in einen Nemmot Drei, einer mobilen KI inmitten eines Stahlzylinders transferiert. Tukerbo Ox wird unseren Helden bis zum Ende dieser abgedrehten Story erhalten bleiben.
Dass Futuramas Bender für Ox als Vorbild gedient hatte, bekommen unsere Helden in diesem dritten Band schnell mit. Denn Ox glänzt nicht nur durch seine analytischen Fähigkeiten und prozentual genauen Einschätzungen, sondern auch durch seine ständigen emotionellen Ausbrüche. Dann lässt er Schimpfkanonaden los, eigentlich macht er dies ständig, die häufig genug unter der Gürtellinie verlaufen.
Anders als Bender, der es bei einer groben Galligkeit belässt, haut Ox permanent neue wie fiese Beleidigungen raus, dass es nur so eine Pracht ist. Ich möchte sagen, dass Ox meinen schon umfangreichen Pöbel-Wortschatz um einige Nuancen bereichert hat. Tourette ist ja nichts dagegen, obwohl die dauernde Pöbelei irgendwann schon ermüdet.
Aber hier kann Harlandt ja locker Abhilfe schaffen, indem er eine weitere Hauptperson in die Story einführt. Und selbstverständlich den Roman auch gleich mit dieser Figur startet. Also Vorhang auf für Tiffany Nielsen, die auf dem Planeten Klasterania für DoHa eine Stelle im Marketing ausführt. Dies fließbandmäßig im Akkord; alle 17einhalb Minuten steht ihr eine Pause von 200 Sekunden zu. DoHa kennen keinen Müßiggang.
Was der Leser dagegen überhaupt nicht erwartet, ist die Alkoholabhängigkeit von Tiffany. Nur im Vollsuff fühlt diese sich frei und schießt sich nach Feierabend regelmäßig ab, um das ganze überhaupt ertragen zu können. So ganz nebenbei schluckt sie Dragees, welche die Folgen des Alkohols sekundenschnell neutralisieren.
DoHa nutzt Tiffany dadurch noch als Testerin für Pharmazeutika, die dann an Menschen verkauft werden können. Diese Dragees wie auch Kopfschmerztabletten bewirken bei ihr eine Übelkeit, die sämtliches Essen aus dem Gesicht fallen lässt. Man könnte auch sagen, dass sie mehr oder weniger vor sich hin vegetiert.
Die Art, wie genau Harlandt die Leiden von Tiffany schildert, sprengt den Rahmen der reinen Unterhaltungsliteratur. Ich kann mir gut vorstellen, dass Harlandt hier eigene Erfahrungen oder Erlebnisse aus seinem Umfeld verarbeitet hat. Dies, gleich zu Anfang des Romans, irritiert hier etwas, da die Nonchalance eines „Anhalters“ hier verloren geht.
Und wie in unserer Gesellschaft auch ist die Krankheit von Tiffany DoHa egal, Hauptsache sie funktioniert. Und Tiffany ist für das DoHa Netzwerk auf Klasterania unentbehrlich, zeigt sie doch ihr Geschick im Umgang mit dem Nachwuchs der DoHa.
Die Jungen der DoHa stellen eine weitere spannende Idee des Autors dar. Der Leib, aufgeschreckt durch die zunehmende Individualität der DoHa, setzt bei diesen einen im Erbgut verankerten Zwang um: Die Fortpflanzung. Alle Doha brüten ihre Nachkommen aus, welche sofort selber brüten, nachdem sie erwachsen geworden sind.
Wir reden da über jeweils 100 Larven, die sich so nach und nach über eine Existenz als Wurm mit zunehmender Ausbildung der Extremitäten zu geschäftigen DoHas entwickeln, welche eine Arbeit zwanghaft benötigen und natürlich brüten müssen. Und Tiffany ist für die Einweisung der DoHas an den immer knapper werdenden Arbeitsplätzen verantwortlich.
Die Fortpflanzungsrate ist enorm, ebenso der Nahrungsbedarf. Die DoHas verschlingen alles, was organisch ist. Und erst fressen sie den Spezies der Galaxis die Nahrung weg, dann die Spezies. Jeder Widerstand der einzelnen Spezies ist zwecklos. Am Ende der Entwicklung stehen dann riesige Würmer, welche die Massen der einzelnen Planeten absorbiert hatten. Diese streben zu den jeweiligen Sonnen, um Energie zu tanken und sich letztendlich über Wurmlöcher galaxisweit zu einer Entität zu verbinden.
Nun werden auch noch Phil und Jaques reaktiviert. 701 schickt die beiden mit Ox erneut zum Wurm, nebenbei sammeln diese Tiffany ein. Wie im „Anhalter“ entwickelt sich zwischen den drei Hauptpersonen ein launiger Schlagabtausch, der dank Ox noch ein wenig angeheizt wird. Harlandt setzt hier allerdings eher auf direkte sexuelle Anspielungen.
Es kristallisiert sich heraus, dass die DoHa aus der Zukunft kommen müssen. Mit Unterstützung der Charta reisen unsere Helden kreuz und quer durch Universum. Durch Raum und Zeit. Duplizieren sich und finden schließlich den verwundbaren Punkt von DoHa, dem Leib. Unmittelbar bevor dieser genug Energie für seine erste Ausbreitung in der Galaxis gesammelt hat.
Ox entpuppt sich tatsächlich als Kessryn, der aber bereits zur Frühzeit der Galaxis aktiv war. Jaques, Tiffany und Phil sind am Ende von Raum und Zeit angekommen. Und während Jaques sich dafür entscheidet, alles zu vergessen und von vorne anzufangen, wagen Tiffany und Phil den Schritt ins nächste Universum.
Eine fesselnde Romanserie mit skurrilen Einfällen im Stile eines Douglas Adams. Das alleine hat mich schon begeistert. Aber mehr noch fasziniert war ich von der Charta. Deren Prinzip, möglichst jeder Spezies den Frieden bringen zu wollen, notfalls mit Waffengewalt, erinnert mich fatal an die Partei der Grünen, die im Ukraine Krieg im Prinzip eine ähnliche Strategie anstrebt. Ob Harlandt bei der Charta auch an Anton Hofreiter gedacht hatte?

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