Dienstag, 20. September 2011

Udorallala: Und Abends läuft die Honky-Tonky-Show

BiRe 2001. Hallighoge. Kroll, Pocke, Udorallala und Urmel gingen aus der einzig offenen Kneipe des Nächtens zurück in unsere Ferienwohnung. Am Deich entlang, ein kühler Wind wehte uns im Dunkeln entgegen.
Der Käpt`n wankt nach Hause, er schleppt sich übern Deich.“ >Nichts haut einen Seemann um – Udo Lindenberg<
Urmel fiel auf dem Weg dieser alte Song wieder ein. Nach Ende der BiRe forschte ich nach. Udo Lindenberg kannte ich natürlich noch, ging aber immer irgendwie an mir vorbei. Eine Zeitlang hörte ich mich in die alten Sachen wie Jonny Controletti, Honky Tonk Show und – jaaaa – den unvermeidlichen Cowboysong rein. War gut, hatte mich aber wirklich nicht nachhaltig beeindruckt.
Hafengeburtstag 2004. Mit meiner Löwin und Marlis machte ich eine Bootsfahrt auf der Binnenalster mit. Der Käptn erzählte viel, was da am Ufer so los ist. Da war auch das Hotel Atlantik, wo Udo Lindenberg schon seit Jahren wohnte. Er hatte keine eigene Wohnung mehr und wohnte im Hotel. Weil er es so wollte, nicht weil er „mußte“ wie ein Taxifahrer, den ich mal kannte. Meine Löwin rümpfte da schon die Nase. Sie mochte und mag Udo bis heute nicht. Kurz sinnierte ich darüber, wie es wohl sein mag, im Hotel zu leben. Dann verwarf ich den Gedanken wieder, abends gab es Bier. In Udos Songs tauchte ich nicht wieder ein.
September 2011. Im TV läuft schon die ganze Zeit ein Video, um Udos neue Platte zu puschen. MTV unplugged – live im Hotel Atlantik. >Ein Herz kann man nicht repariern< ein Duett mit Inga Humpe. Irgendwie bleibt der Song an mir haften. Ich kriege mit, dass Stefan Raab auf 2 Songs der Platte trommelt. Montag abend höre ich in die Platte rein. Jonny Controletti und boah ey!
Der Hammer, Alter, echt jetzt. Der nörgelnde, schnoddrige Gesang, den meine Löwin überhaupt nicht mehr mag, hat er eingefroren. Zusammen mit dem straffen Arrangement kommt ein dichter Sound daher. Es macht einfach nur Spaß, Udo zuzuschaun. Wenn Du Dir auf Wikipedia  seine Bio anschaust, wirst Du entdecken, dass er nicht so platt ist, wie er immer tut. 65 ist er jetzt, ein Jahr jünger als Lemmy. Und er ist DER deutsche Rocker, nicht Maffay (würg), Westernhagen oder gar Grölemeyer. Achim Reichel, okay. Aber sag jetzt nicht Niedecken. So stumpf ist Udo nicht. Das Duett mit Frau Humpe ist einfach sensationell und hat mich richtiggehend umgehauen. Ich freu mich auf die DVD, die im Oktober erscheinen soll.

Sonntag, 18. September 2011

Hartmudo: Die Intelligenzia

Freitag 16.09.2011. Nur noch heute, dann ist Wochenende. Abends Hagen Rether im Audimax und am nächsten Tag Eintracht gegen Cottbus mit Kroll und Randy. Und natürlich meiner Löwin und Krolls Kids. Aber zuerst …
06.15 Uhr am Bahnhof. Das Fahrrad habe ich gerade in der Radstation abgestellt und freue mich schon, jetzt noch etwas arbeiten zu dürfen. Aber vor der Zugfahrt noch nen Kaffee. Also stelle ich mich beim Bäcker an.
Und wer steht vorne in der Schlange ? Natürlich die langhaarige Bohnenstange ! Typ Pädagogin, Intelligenzia auf alle Fälle. Kultur pur, aber politisch korrekt bitte ! Nix Frauen- oder Fremdenfeindliches oder Feindliches anderen Randgruppen gegenüber. Niveau um jeden Preis, auch wenn es bedeutet, dass man/frau zum Lachen in den Keller geht.
Auf alle Fälle so intelligent, dass sie weiss, was richtig ist. Mir fallen noch mehr Klischees ein, zum Lästern finde ich da genug. Aber was mich richtig nervt, ist folgendes:
Sie steht dort, in aller Seelenruhe, und bestellt zu ihrem Milchkaffee noch nen belegtes Körnerbaguette mit Käse. Fleisch ist ja so gewöhnlich. Das Brötchen in der Tüte wird von der Verkäuferin direkt vor ihre Nase gelegt und der Kaufpreis benannt.
Das ist der Moment, in dem die Bohnenstange ihr Gehirn einschaltet. An der gesamten Körperhaltung sind ihre Gedankengänge lesbar: „ Dreieurozwanzig muß ich jetzt bezahlen. Als nächstes muss ich die Geldbörse in meiner Tasche suchen, dann diese öffnen und Dreieurozwanzig in möglichst kleinen Münzen aus der Geldbörse heraussuchen und der Verkäuferin auf die Münzablage legen. Nicht in die Hand, sie könnte krank sein. Alsdann die Geldbörse wieder schließen und verstauen.“
Und auch hier gilt natürlich …. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Und als Krönung zum Abschluss fragt sie die Verkäuferin, ob das ihre Brötchentüte ist, die da vor ihr liegt. Sie mußte sich so sehr auf den Ablauf der Bezahlung konzentrieren, dass sie innerhalb von 30 Sekunden ihre Brötchentüte nicht mehr identifizieren konnte.
Ich war danach dran. Alles eine fließende Bewegung, da wird beim Einstecken der Geldbörse mit der rechten Hand gleichzeitig der Kaffeebecher mit der linken Hand gegriffen, umdrehen und los. Und die Geldbörse war natürlich schon geöffnet in der Hand, bevor die Verkäuferin den Preis genannt hatte.
Das, liebe Bohnenstange, ist eine Form von Verstand, die Dir verschlossen bleibt. Was nützen komplizierte und hochwertige Überlegungen, wenn ich sie nur ohne Zeitlimit abrufen kann. Damit einher geht zumeist noch das Unvermögen, Sachverhalte schnell zu erfassen und überblicken.
Mädel, mit Dir möchte ich nicht verheiratet sein. Ich stell mir vor, ich krieg nen Herzinfarkt und Du stehst dann neben mir und denkst: „Ihm scheint es nicht gut zu gehen. Was könnte dies bloß sein? Ein Herzinfarkt vielleicht? Ja was macht man/frau denn da? Mal überlegen ...“
Während ich dies schreibe, läuft >Schlag den Raab< im Hintergrund. Das ist es, Bohnenstange. Mit ner verkopften Weltsicht kämst Du dort nicht weit.
Abends bei Hagen Rether hatte ich die Bohnenstange und die Intelligenzia fast vergessen, da mußte ich feststellen, dass die Intelligenzia auch dort zu finden war. Scheiß drauf. Rether war extrem gut. Arrogant zwar, aber gut. Da kann ich beruhigt meinen Ärger über die Intelligenzia vergessen. Rether hat recht. Das ist nicht wichtig.
Hier was von Rether:

Sonntag, 11. September 2011

Hartmudo: Kommunalwahl

11.09.2011. 10 Jahre nach Zerstörung der Twin Tower in Manhattan, dem amerikanischen Alptraum, findet in Niedersachsen die Kommunalwahl statt. Hartmudo war wieder bei einem Briefwahlbezirk als stellv. Vorsitzender eingeteilt. Um es vorwegzunehmen: Es gab keine Bombendrohung, geschweige denn einen Anschlag.
Da wir Freitag und Samstag zur Arbeit in unserem Haus eingespannt waren, standen wir am Morgen des 11.9. später auf. Meine Löwin mußte sich sputen, da sie noch auf dem Herbstmarkt für ihren Verein Fischbrötchen verkaufen mußte. Hartmudo war frustriert. Die Bestimmung zum Wahlhelfer war weg. Wann ging es los? 15.00 oder 16.00 Uhr? Wo war bloß dieser Sch... Zettel?
Durch Zufall fand ich ihn – er war wohl vor ein paar Tagen beim Durchlüften vom Tisch geweht. Man gut. 15.00 Uhr sollte ich erscheinen.
Vorher besuchte ich noch meine Löwin auf dem Herbstmarkt und trank mit dem Vorsitzenden 2 Bierchen. Dann schnell zur alten Waage geradelt; ich war nur 5 Minuten zu spät.
Unser Briefwahlbezirk ist ein eingespieltes Team. Wir machen das schon seit über 5 Jahren zusammen. Bis 18.00 Uhr verläuft das Ganze relativ zäh. Nur Briefe aufschlitzen – nicht reingucken – und ab damit in die Wahlurne. Aber ab 18.00 Uhr ging es zur Auszählung, und die ist bei einer Kommunalwahl immer schwieriger und umfangreicher als sonst. Es waren Rat und Bezirksräte zu wählen. Jeder Wähler hatte zu beiden Wahlen jeweils 3 Stimmen, die er beliebig auf Parteien oder Einzelkandidaten verteilen konnte. Ein Vorsortieren der Stimmzettel wie bei den anderen Wahlen ist somit wenig zielführend.
Schriftführer und Vorsitzender falteten mit einem Beisitzer die Stimmzettel auseinander; Ungültige nahmen sie gleich raus. 4 Leute hatten einen Kuli in der Hand und Zähllisten für jew. 1-2 Parteien vor sich. Hartmudo las vor.
CDU Gesamtliste 3... SPD Müller 1, Grüne Gesamtliste 2... Piraten Schmidt 1, Bibs Dr. Burbs 1, Rentner Gesamtliste ...“Nach jedem Stimmzettel das Papier mit der linken Hand in die Kiste legen. Gleichzeitig immer gucken und warten, das die Leute mit dem Abstreichen auf der Zählliste nachkommen. Dann der nächste.
Insgesamt waren es zweimal (Rat und Bezirk) über 460 Stimmzettel; das sind über 900. Voll konzentriert haben wir das über die Bühne gezogen und waren um 20.30 Uhr komplett durch.
Als wir den Koffer mit allen Niederschriften abgaben, waren viele andere Bezirke gerade mal mit der Auszählung der Stimmzettel zum Rat fertig. Wir waren mit Abstand die Schnellsten.
So macht das Spaß. Dazu fiel mir noch erfreulich auf, dass die FDP bei der Wahl zum Rat noch weniger Stimmen als die Rentnerpartei bekam. Bibs hielt sich ganz gut, ebenso die Piraten. Für die Linken hätte ich mir mehr erhofft. Sozis und CDU ziemlich stark, leider. Abewr das war zu erwarten. Die Zwischenergebnisse, die ich eben im Web gecheckt habe, gehen überraschenderweise von einem Verlust für die CDU aus. Das überrascht mich, weil Hoffmann doch eigentlich gut dasteht. Sollte es sein, dass der Wähler ihn und seine Machenschaften durchschaut haben? Ich glaube nicht, hier schlägt der Bundestrend durch. Deswegen sind die Grünen auch so stark.
Nun gut. Nachher kommt irgendwann das Endergebnis. Mal sehen, wie die Sitzverteilung dann aussieht. Hartmudo ist jedenfalls bei der nächsten Wahl als Helfer der Briefwahl wieder dabei.

Mittwoch, 7. September 2011

Dienstag, 6. September 2011

Udorallala: Happy Birthday, Pocke

Mein alter Mitbewohner und Bildungsreisenbegleiter ist heute 50 geworden. Nachher nehmen wir einen zusammen, das Video ist passend zu diesem Ereignis.
Gern erinnere ich mich an die Zeiten in der Nußbergstraße zurück. An einem Nachmittag haben wir an der Kieskuhle nen Träger gelehrt und sind dann nach Hause gefahren. Pocke bog in die Rosenstr. ein, am Frauencafe Lilith vorbei. Ich weiß nicht mehr, worüber wir gerade laberten. Aber mitten im Gespräch trat er auf die Bremse. Pocke legte den Rückwärtsgang ein und kam gegenüber dem Lilith zum Stehen. Er kurbelte das Fenster runter, hielt den Schädel raus und brüllte laut und deutlich „Fotzen“ in Richtung des Lilith.
Pocke steckte gemächlich den Kopf wieder rein, drehte die Fensterscheibe hoch und fuhr weiter; um die Ecke in die Nußbergstraße und wir waren zuhause. Das kurz unterbrochene Gespräch konnten wir jetzt fortsetzen.
Zu dieser Begebenheit, die er wie so üblich aus der Hüfte improvisierte – ansatz- und kompromißlos, paßt dieses Video:
Lemmy wird Heiligabend 66. Wie Udo Jürgens schon sang. „Mit 66 Jahren ist lange noch nicht Schluss.“
So auch Pocke. Rock on, Baby.
Happy Birthday, Pocke.

Sonntag, 4. September 2011

Contramann: Zwischendurch bemerkt


Als ich Anfang 2008 anfing, meiner Enttäuschung über die politische Entwicklung in diesem Land als Contramann niederzuschreiben, nahm ich mir das große Ganze vor: Finanzindustrie, Medien, unfähige Politiker usw. Ideen, es besser zu machen, hatte ich auch.
Und ich hatte mich gefragt, warum sich nichts ändert. Alle sind enttäuscht, aber keiner wählt die Parteien, die dies ändern wollen. Ob sie es auch wirklich ändern würden sei dahingestellt. Aber wen wenn nicht „Die“ kann ich wählen, wenn die Umverteilung von Arm zu Reich umgedreht werden soll? Als „Die“ gelten für mich in erster Linie die Linke und die Piratenpartei.
Stasi-Bonzen, Chaoten und am Besten „die Kommunisten sind mit der DDR ja kläglich gescheitert“ - all dieses habe ich als Argumente dann zu hören bekommen. „Ich geh nicht mehr zur Wahl“ ist auch nen tolles Argument, als ob die „Nichtwähler“ automatisch an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt werden.
Allerdings habe ich seinerzeit einen wesentlichen Punkt meist außer Acht gelassen: Die Bequemlichkeit der Leute, speziell die der „Benachteiligten“. Wobei man die Zahl der Benachteiligten nicht zu klein rechnen sollte. Leute, denkt dran: Irgendwann wollt Ihr auch mal in Rente!
Und die wird in vielen Fällen so hoch sein wie die Grundsicherung. Schon den Namen nach ergibt sich die Höhe der Grundsicherung – nämlich als Existenzsicherung. Damit ist nicht der Lebensstandart gemeint, sondern Hartz IV oder auch Sozialhilfe. Das gilt auch für den Studenten, der nach seinem Studium über diverse Praktika (unbezahlt) mit Mitte 30 endlich einen festen Job bekommt. Zu Konditionen, bei denen er sich vorher das Studium überlegt hätte. Ausgebrannt mit Anfang/Mitte 50. Danach gelegentlich Tätigkeiten über die Bundesagentur für Arbeit (brrrr) oder das Jobcenter vermittelt und bezahlt. Zwangsrente mit 60 und dann.....
Das wäre die Karriere, wie sie mir und meiner Generation blühen würde, müßten wir heute als 20jährige ins Leben starten. Wir sind noch den Rundumservice vom Staat gewöhnt. Die heute 20jährigen sind da desillusionierter und erwarten hier – zu Recht – nichts. Das führt dazu, das sie entweder gleich aufgeben oder sich richtig anstrengen. Und wenn Du richtig Gas gibst, ist sich jeder selbst der Nächste. Nach Außen hin wird die große Einigkeit zur Schau gestellt, während unterm Tisch schon die Schienbeine punktiert werden.
So dämmern die „Looser“ dem Tod entspannt entgegen und die „Elite“ boxt sich durch bis zum Zusammenbruch. Diese beiden Wege kennt meine Generation zwar auch schon, aber sie sind nicht so zahlreich. Wie ein Ertrinkender klammern wir uns an das, was wir erreicht haben – an materiellen Dingen. Und wenn bei dem einen oder anderen das zur Schau gestellte Leben zusammenfällt, hat er ja bestimmt selbst schuld dran, bestenfalls Pech. Das so etwas systemimmanent ist, bemerkt kaum jemand. Zumindest stört es ja keinen.
Diese Gesellschafts- und Wirtschaftsform, auch Kapitalismus genannt, hat lediglich Gewinnmaximierung zum Ziel. Was des Einen Gewinn, ist des Anderen Verlust – so und nicht anders geht es zu am Finanzstandort Deutschland. Ganz platt nochmal zum Mitschreiben: Je mehr Arbeitslose, desto billiger wird die Arbeitskraft. Kostendruck, Globalisierung oder die Höhe der Löhne in China sind nicht die Notwendigkeiten von Rationalisierung oder fehlenden Lohnzuwächsen, sondern Ausreden, um Gewinne zu maximieren.
Aber das merken die Meisten schon gar nicht mehr, zumindest wollen sie es nicht wissen. Jeder kämpft für sich allein und wundert sich, warum er an schlechten Tagen keine oder kaum Hilfe erhält.
Und weil man ja schon für sich allein sorgen muß, macht es wenig Sinn, sich überhaupt für das „Allgemeinwesen“ zu interessieren. So jagt ein Event das Nächste, notfalls TV. Bloß nicht für Politik interessieren. Das geht sogar so weit, daß viele Leute nicht mal ihre eigenen Angelegenheiten regeln können.
Ja natürlich hilft Dir der Mann im T-Punkt beim Ausfüllen des Formulars für den Handy- und/oder DSL-Vertrag. Der will ja auch was verkaufen, das ist sein Job. Im Jobcenter will halt keiner die Dienstleistung verkaufen – soweit sollte das Denkvermögen eigentlich noch reichen. Wer da glaubt, denselben Service wie im T-Punkt zu bekommen, sollte vielleicht ab und zu mal den Fernseher ausschalten oder wenigstens AUFWACHEN, hallooooo......
Sicher kann man freundliches Auftreten und Hilfestellung im Amtsdschungel erwarten – auf Anfrage. Aber Angaben wie Name oder Adresse kann man schon allein hinschreiben – bist ja schon groß.
Dies ist nur ein Beispiel, andere gibt es zu Hauf. Ich bin nach wie vor erstaunt, wie viele Leute unbedarft durchs Leben gehen. Gerade eigentlich „intelligente“ Mitbürger sind häufig derart abgestumpft, daß sie nichts mehr mitkriegen. Bloß nicht nachdenken, man könnte ja auffallen.
Deshalb meidet man politische Sendungen, selbst Nachrichten, von vornherein und achtet nur noch darauf, wo die Meinung so hinläuft. Dann aber schnell hinterher, so macht man nichts falsch.
Früher schauten die Leute die Tagesschau, um am nächsten Tag mitreden zu können. Heute genügt der Blick in díe Bild oder – für Abiturienten – den Spiegel, um zu wissen, was erwartet wird. Da marschiert man dann gleich mit.
Aber genug vom Gejammer. Eben feiern SPD und Grüne den Wahlerfolg in Meck Pomm. CDU und FDP lecken ihre Wunden. NPD blieb im Landtag und die Linken hatten leichte Zugewinne, stagnieren quasi. Da kann sich Otto Normalverbraucher beruhigt zurücklehnen. Alles bleibt beim Alten, wie beruhigend.
Bis Otto Normalverbraucher feststellt, daß die Firma rationalisieren muß. Oder Lohnverzicht zum Erhalt des Arbeitsplatzes? Dann ist er allein.
Nackt im Wind......
Wolen wir hoffen, daß da nicht irgendwann einer auftaucht, der für diese Leute die richtigen Antworten parat hat und dann richtig durchstartet. Hatten wir schon.

Samstag, 3. September 2011

Ritchie Valens

(zuerst veröffentlicht 08.05.2002)
Richard Valenzuela wurde am 13.05.1941 in Pacoima, einem Vorort von Los Angeles geboren. Seine erste (spanische) Gitarre erhielt Ritchie mit 9, seine ersten Songs schrieb er mit 12. Der „Mariachi des Rock `n` Roll“ spielte schon sehr früh auf Schulveranstaltungen mit seiner Gitarre.
Entdeckt wurde Ritchie im Mai 1958 durch den Besitzer von DEL-FI records, Bob Keane. Dieser suchte nach Talenten für sein gerade gegründetes Label, und auf Empfehlung eines jungen Studenten namens Doug Macchia sah er sich den „Little Richard of San Fernando“ in einem Kino anläßlich eines Contests an. Keane erkannte das Potential von Ritchie Valens sofort. Stark beeindruckt, wußte er jedoch noch nicht, was er mit dem ungeschliffenen Diamanten anfangen sollte.
Im Business gab es noch keinen Latino; Und es gab auch keinen, der so sang wie Ritchie. Es gab keine fertigen Songs, lediglich einzelne Fragmente warn vorhanden. Doch die unbändige Energie des siebzehnjährigen veranlaßte Keane, Ritchie Valens unter Vertrag zu nehmen.
Doch schon bald danach war der von Valens selbstgeschriebene Song „Come on let`s go“ 750000 mal verkauft. Und dann ging es ab: Für seine Freundin Donna Ludwig schrieb er „Donna“. Die B-Seite, La Bamba, war ein Traditional, den Valens lediglich mit einem ansprechenden Beat unterlegte.
Diese beiden Millionseller machten ihn zur Legende und brachten ihn in die „Winter Dance Party“. Da er unbedingt dem Schneetreiben im Mittelwesten entkommen wollte, warf Ritchie mit Tommy Allsup, einem Bandmitglied von Buddy Holly, eine Münze, um am 3.2.1959 in dem Flieger zu sitzen (siehe auch „Big Bopper“). Er hätte Zahl nehmen sollen.... Seine Leiche fand man 20 Fuß neben dem Flugzeugwrack.
Ritchie Valens blieb der einzige Latinorocker jener Zeit, sämtlicher Coverversionen seiner Hits sind schwächer. Eine verheißungsvolle Karriere ging so schon mit 17 zuende, bevor Ritchie vollends durchstarten konnte.

Sonntag, 28. August 2011

Hartmudo meets Udorallala: Hochzeit

Freitag 26.08.2011: Meine Nichte Gundula und Gerd heiraten. Viele Vorbereitungen waren nötig, damit abends im Marineheim die Party steigen konnte. Ich selbst war eigentlich nur am Vorabend richtig involviert – Luftballons aufblasen, Tische rücken und Bier antrinken. Meine Löwin, Hut ab, hat sich da wesentlich stärker eingebracht. Sie macht das ja auch wirklich klasse, da wird nichts dem Zufall überlassen.
Donnerstag abend schmeckte das Bier gut und der Trauzeuge testete auch gleich die Anlage an. Thunderstruck hört man immer gern. Eine Band sollte Freitagabend auch spielen. Wolters im Ausschank. Außenplätze an der Oker sind ja im Marineheim auch gegeben, so dass am Freitag bei gutem Wetter eine nette Party steigen konnte.
Freitagmorgen holten wir erstmal Muttern und ihren Freund aus dem Stift ab. So nach und nach trafen dann die Gäste in der Jakob-Kemenate (ältestes Gebäude in BS) ein und die Standesbeamtin übernahm den formellen Teil. Sicher und routiniert. Danach gab es noch den Auftritt von Gundulas Kiddies aus der Schule, Sekt und dann war erstmal Pause.
Nachmittags dann noch die letzten Vorbereitungen, Muttern und ihren Freund wieder abholen und dann ging es so langsam los. Fotos, Gästebuch und Spiele mit dem Brautpaar kennt man ja. Aber zwei Auftritte stachen heraus.
Zuallererst war da der Auftritt einer befreundeten Acapellatruppe. Die Housemartins lassen grüßen; Ich war erstaunt, dass es Leute mit diesem Hobby gibt. Früher hätte Udorallala dies nicht verknusen können und wäre rausgelaufen. Aber diese Jungs und Mädels, die den gemeinsamen Gesang aus Spass betreiben, waren richtig toll. Die Darbietung fügte sich hervorragend in die Abendgestaltung ein. Chapeau.
Und dann war da noch die Band. Hochdruck aus BS. Jau.
Das Video ist natürlich bei einer anderen Gelegenheit aufgenommen. Auf Youtube ist nur das Wolfgang Petry-Cover >Wahnsinn< zu sehen, ist aber sehr dunkel.
Funpunk also. 1978 hätte ich mir nicht vorstellen können, dass es einmal einen Begriff wie Funpunk geben könnte. Und selbst als die Goldenen Zitronen noch wirkten, hätte ich mir nicht vorstellen können, den Sound auf einer Hochzeit zu hören.
Aber spätestens seit Pans Hochzeit in der Nähe von Stockholm vorletztes Jahr mit der ukrainischen Punkband als Abschluss des Abends ist das für Udorallala kein Widerspruch mehr, warum auch? >Wahnsinn< von Wolle Petry kann man da auch schon mal covern, schließlich waren auch die Dickies Ende der 70er mit >Paranoid< am Start und das war richtig gut.
Diese Latte ist für Hochdruck zwar (noch) zu hoch, aber der Gig lief flüssig runter. Es wurde nicht sehr viel gepogot, doch die meisten Gäste kannten es schon und fanden es auch gut. Auch der Freund meiner Mutter mit seinen 94 Lenzen reckte die Faust in die Höhe. Für Muttern und meine Schwestern war dies zwar etwas befremdlich, aber sie hielten alle tapfer durch.
Udorallala war begeistert und trank noch Bier und Wodka – die Kondition war ausgezeichnet. Als später die Anlage lief und Udorallala nach monate(jahre?)langer Pause wieder auf der Tanzfläche stand, war es leider schon Zeit zu gehen.
>ain`t no fun waiting round to be a millionaire< hört man nicht all zu häufig.
Ein sehr schöner Abend mit einer hervorragenden Band. Nicht zu vergessen die Acapellatruppe. Die Hochzeit war rundherum gelungen.

Mittwoch, 24. August 2011

Contramann: Heute schon den Hedgefond geshortet ?

(zuerst veröffentlicht 12.10.2008)
Jetzt ist es also soweit. Der Finanzmarkt kracht ein, die Börsenmakler weinen und der deutsche Kleinsparer hat Angst. Eben noch erzählte der freundliche Mann von der Dresdner Bank – ach ja, die gibt’s ja nicht mehr – „investieren Sie in diesen Hedgefond; Unsere Broker haben da ein Paket für Sie geschnürt...“
Und Otto Normalverbraucher war dabei. Kaufte sich vielleicht sogar Focus Money. Ja, dann kennt man sich aus. Wahrlich.
Meine Süße und ich spielen seit der EM bei bet & win. Bundesliga, Formel 1, Auch auf Eintracht. Da gewinnt man mal, da verliert man. Unterm Strich zahlt man drauf, aber es macht Spass.
Aufwachen, Leute! Das Casino macht pleite! Der DAX purzelt, in LA hat ein ehemals hochgelobter Broker erst seine Frau, dann seine 3 Söhne, die Schwiegermutter (?!) und danach sich selbst weggepustet. Was für ein Arschloch !
Aber da.... Ein Lichtstreif am Horizont. Onkel Steinbrück wird es richten. Und dann die Frau, die 1978 als Kulturfunktionärin der FDJ an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin auftrat. Was für ein Jubiläum, Frau Merkel.
Da stellt sich Dr. rer. nat. Merkel mit Onkel Steinbrück vor die Kameras und garantiert für alle Sparguthaben. Ist es schon so schlimm, mag man sich da fragen. Marschiert der Iwan bald ein ? Weit gefehlt, es ist noch schlimmer. Der Finanzmarkt bricht ein.
Erst platzt in den USA eine Immobilienblase, und im Zuge dessen geht nach und nach der
US - amerikanische Bankenmarkt in den Keller.
Das ganze pervertierte Finanzsystem entpuppt sich als ein simples Pilotenspiel, bei dem die Letzten die Hunde beißen. Mit einem Unterschied: Der Staat soll es jetzt richten. Andernfalls würde alles zusammenbrechen – Also kommt ansonsten der Iwan oder was ?
Da beruhigt es Contramann ungemein, das Frau Merkel und Onkel Steinbrück für alle Sparguthaben garantieren. Contramann sagt: Contramann garantiert auch für alle Sparguthaben und toppt das Merkel-Angebot noch. Pro Monat zahlt Contramann noch nen Euro dazu ! Na ist das was ?
Bloß eines braucht Contramann dazu noch, damit Contramann wirklich mit Frau Merkel konkurrieren kann. Contramann braucht ein Prägerecht. Das heißt: Wenn der Wind ganz, ganz kalt ins Gesicht weht und 1,4 Billionen Sparguthaben gedeckt sein wollen, muß Contramann natürlich auch Geld – nämlich 1,4 Billionen – drucken können. Vorzugsweise auf seinem Epson Stylus Color 680.
Ja hallo, wie will Angela denn sonst für so eine Summe einstehen. Wir reden da über das 4 – 5fache des Bundeshaushaltes. Aber egal, Kamelle ! Ist ja auch bald wieder Karneval.
Und dann jetzt Onlkel Steinbrück ! Er hat sich nicht vorstellen können, das sich ein Zusammenbruch der isländischen Banken auf den deutschen Markt auswirken könnte. Tätä, wolln mer ihn rei`lasse ? Wer hat denn noch bis vor 3 Wochen von der Globalisierung gefaselt ? Der Markt wird es schon richten. Dann halt Dich auch dran, Onkel Steinbrück.
Contramann ist entsetzt über die Qualitäten unseres Finanzministers. Irgendwie kann man sich diesen Mann nur mit Latex-Maske und Gummiball im Mund vorstellen. Dazu Lady Angela mit der Reitpeitsche...
Erst soll das Wohl und Wehe der Volkswirtschaft davon abhängen, das alles privatisiert wird. Auch die öffentlichenBanken wie Sparkassen und Landesbanken. Und jetzt, wo die Blase platzt und Ackermann und seine Spießgesellen die Rechnung bezahlen müßten, soll der Staat – und damit der Steuerzahler – herhalten. Schäbig ist das !
Natürlich ist Lafontaine auch nach wie vor der Buhmann. Der „Feigling“, der als Finanzminister zurücktrat, als es eng wurde. Und das seinerzeit noch damit begründete, das man den Finanzmarkt stärker kontrollieren müßte. Tzz tzz tzz.
Jetzt tritt das von ihm beschworene Horrorszenario tatsächlich ein; das muß für Lafontaine doch ein Megaorgasmus sein. Hier das Interview.
Es gäbe zur momentanen Finanzkrise noch so viel zu sagen, aber Contramann nuckelt jetzt lieber weiter an seinem Pils und verweist auf das TAZ – Interview nebst Kommentaren, unten auf der Seite erreichbar.

Sonntag, 21. August 2011

Uncle Fester: Der Marsch der Idioten


Seit Mitte der 70er lese ich Science Fiction. Schon damals, eigentlich bis heute, gelten >1984< von George Orwell oder >Schöne neue Welt< von Aldous Huxley als „die“ SF-Romane, die eine mögliche Zukunft am realistischsten vorhersagen. Geht es im ersteren um einen brutalen Polizeistaat, wird im zweiten die perfekte Gesellschaft mit Wohlstand für Alle, keine Krankheiten, keine Kriege heraufbeschworen auf Kosten der Individualität, welches auch meiner Meinung nach noch beängstigender ist als Orwell.
Bradburys >Fahrenheit 451< oder auch Orwells >Farm der Tiere< reihen sich in diese negativen Zukunftsvisionen ein und gelten auch schon als „Hochliteratur“.
Cyril M. Kornbluth
All diese Zukunftsvisionen sind beängstigend, haben aber noch etwas gemeinsam: Sie sind von der Realität weit entfernt. Wo die Reise wirklich hingeht, hat Cyril M. Kornbluth in seiner Kurzgeschichte >Der Marsch der Idioten< aus dem Jahr 1951 bestens beschrieben.
John Barlow fällt bei einem Zahnarztbesuch 1988 nach Verabreichung eines neuen Narkosemittels ins Koma, aus dem er erst in der Zukunft von einem Töpfer geholt wird, der eine Salzglösung an die richtige Stelle im Körper spritzt.
John Barlow entpuppt sich als nerviger Charakter, fremden- und rassenfeindlich und voller Vorurteile. Viel scheint sich ja nicht verändert zu haben. Allerdings leidet die Welt unter einer Bevölkerungsexplosion (5 Billionen). Die meisten Menschen sind grenzdebile Idioten, egal ob Chef oder Arbeiter. Die wahre Macht wird von einer Elite von ca. 3 Millionen ausgeübt, die ihre Zentrale am Nordpol hat.
Diese Elite versucht bereits alles, um die sprunghaft ansteigende Bevölkerungszahl in den Griff zu kriegen. In den Kinos laufen Filme über den Vorteil der Kinderlosigkeit. Unfälle werden arrangiert. Das Alles reicht nicht aus, um die Bevölkerungsexplosion zu stoppen.
John Barlow, die Nervensäge aus der Vergangenheit, hat die passende Lösung parat. Er erpresst die Elite, ihn zum Weltdiktator zu ernennen. Kurz darauf laufen die ersten Werbespots, in denen der staunenden Bevölkerung von den Vorteilen des Lebens auf der Venus erzählt wird. Keine Überbevölkerung, saubere Umwelt – ein richtiges Paradies.
Bald danach wetteifern ganze Städte darum, möglichst schnell zur Venus zu gelangen. Das Material (Häuser etc.) wird zu Raumschiffen umfunktioniert und dann sind sie auf dem Weg.
Ganz zum Schluß der Erzählung wird John Barlow selbst in eine Rakete zur Venus verfrachtet. Der Henker wird nie zum Essen eingeladen, denkt er noch, während sein Körper von der enormen Beschleunigung zerquetscht wird.
Wunderschön und passend ist die Beschreibung, wie Barlow erfurchtsvoll staunend in den Sportwagen steigt. 250 km Spitze! Doch er merkt es noch, dass die angeblich hohe Geschwindigkeit mittels gefälschter Tachoanzeige und einer Windmaschine lediglich vorgetäuscht wird. Der technische Fortschritt muss halt weitergehen; zumindestens sollen die Idioten das glauben. Merken tun sie es eh nicht.
Die Manipulation öffentlicher Meinung durch die Medien – insbesondere durch Werbung und Unterhaltungsshows – erleben wir heute auch schon. Der Staatsterror aus 1984 kommt nicht direkt auf uns zu, sondern über RTL und Pro7.
Cyril M. Kornbluth wurde 1923 geboren und war Mitglied der Futurians, einer Gruppe von Science Fiction Schriftstellern um Isaac Asimov und Frederic Pohl. Mit Pohl zusammen schrieb er den Klassiker >Space Merchants (Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute)<, bei dem die in den 50ern durchstartende Werbe- und Fernsehwelt ebenfalls eine tragende Rolle spielt.
Viel zu früh starb Kornbluth im Alter von 34 Jahren auf einem Bahnsteig an einem Herzanfall, nachdem er gerannt war, um seinen Zug noch zu bekommen.
Trotz seiner kurzen Schaffensphase bereicherte er die Science Fiction um das Element der Satire und Gesellschaftskritik und verhalf dem Genre zu einem höheren Niveau.

Mittwoch, 17. August 2011

Udorallala und all time Faves

Ich erzähle es mal so: Irgendwann Anfang der 80er vertellte mir Aki eine alte Story über sich und seinen (damals schon) früheren Mitbewohner Stan. Beide wohnten in der Hugo Luther unter den üblichen Bedingungen. Diese waren Kohleheizung und Klo im Treppenhaus. Duschen war in der Badeanstalt vorzunehmen. Oder in der Küche.
Dies war noch in den 70ern und die Wohnung war billig. „So schön, schön war die Zeit...“
Die Kohle war immer knapp; nicht umsonst wohnte die Mannschaft dort. Jedenfalls waren dann die Kaffeefilter alle und Stan nahm folgerichtig Klopapier als Ersatz dafür. Kaffee war tagsüber wichtig, um die helle Sonneneinstrahlung überstehen zu können. Natürlich ergab sich dadurch ein Problem: Wenn das Klopapier als Kaffeefilter herhalten muß, was passiert dann, wenn dieses Klopapier zum eigentlichen Zweck benötigt wird, aber nicht benutzt werden kann, weil ja die Kaffeefilter alle sind...
Genau. Wie die Araber. Mit der blanken Hand wird das Gesäß nach dem Geschäft gereinigt!
Kurze Zeit später waren Aki und ich im Eintracht Stadion und er stellte mir seinen früheren Mitbewohner Stan vor. Dieser, ein sehr freundlicher Charakter, streckte mir sofort seine Hand zur Begrüßung entgegen. Hallo? Ich weiß nicht mehr, ob ich in die Hand eingeschlagen habe oder nicht, aber aufgrund der von Aki vorher erzählten Story...
Ein paar Jahre später war ich zum Geburtstag von Stan eingeladen.Ich fuhr mit UMD hin – von den üblichen Nasen war sonst keiner mit dabei. Nun mußt Du wissen, das Stan als Pfleger in Neuerkerode arbeitete und auf seiner Geburtstagsfeier eigentlich nur Erzieher der Neuerkerödischen Anstalten für Behinderte anwesend waren. Das waren alles Hippies und Teetrinker. Selbstgestrickte Pullover und Birkenstock. Nickelbrille und sanfte Musik. Tiefschürfende Gespräche und ich saß mit UMD auf dem Teppich vor dem Plattenspieler. Es lief irgendwelches Gedudel.
Ich denke, das war irgendwann auch Stan zuviel. Ansatzlos ging er zum Plattenspieler und nahm die Platte runter, um eine neue aufzulegen. R A M O N E S !
Mit dem ersten Takt sprang er auf und fing ansatzlos an zu pogoen. Ein geiles Bild, welches ich bis heute vor Augen habe. UMD und ich mußten sofort mitmachen, das waren wir ihm schuldig. Die restlichen Gäste wirkten etwas verstört, da sie mit den Ramones nichts anfangen konnten. Zu wild ?
Szenenwechsel. 1978. Oberstufe im Gymnasium. Ich hatte meine Freistunde dazu genutzt, um in der Stadt bei Govi oder Mewes die neue von den R A M O N E S – Rocket to Russia – zuzulegen.
Auf dem Weg bzw. Vorplatz unserer Schule traf ich Öhrchen; so sein Spitzname. Seineszeichens bekennender Yes- und Genesishörer. Brrrr....
Jedenfalls schaute er auf meine Plattentüte und fragte mich, was ich mir denn da gekauft hätte. Ich sagte es ihm und seine Antwort weiß ich bis heute wortgenau.
R A M O N E S ? Igitt, das ist ja Punk !“
Noch in demselben Jahr bot er am schwarzen Brett seine Yes- und Genesisplatten zum Verkauf an. Jahre später war er Frontmann von Leberschaden, einer lokalen Gruppe, der der verdiente Erfolg leider versagt blieb. „Suzy is a headbanger“ war natürlich Standard als Cover, aber auch die eigenen Sachen waren gut. Besser jedenfalls als das Gedöns, werlches dann in BS angesagt war.
Aber so läuft es halt.
Die Ramones hatten trotz aller Bemühungen die Hitparaden nicht sprengen können. Laut US Magazin Spin sind sie in einer Liste der „greatest Bands of all Times“ auf Platz 2 hinter den Beatles und vor Led Zeppelin“ gelistet. Mehr zur Biographie siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ramones .
Für mich sind sie immer noch die Größten. Der Musikladenauftritt oder die Silvesteraufnahme 1978/79 – als „It`s alive“ veröffentlicht – sind nach wie vor ein gutes Mittel zur Bekämpfung schlechter Laune. Bis heute bedaure ich es, sie nie live gesehen zu haben.
Da auch alle tot sind, bis auf Tommy Ramone, den Drummer, bleiben mir auch Reunions erspart.
one-chew-free-far“. Und ruht in Frieden. Always yours.
Hey Ho, let`s Go !