Dienstag, 7. Juli 2026

Contramann: kurz gesehen im Juli

https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/bevoelkerungsschutz-was-dich-und-deine-lieben-wirklich-schuetzt/
Und weiter geht es mit der Kriegstüchtigkeit; Die Zivilbevölkerung muss ja auch noch irgendwie mitgenommen bzw. überzeugt werden. Aus dem Text: „110.000 Feldbetten werden gekauft. Gesicherte Keller und U-Bahnhöfe werden registriert, jeder sollte über ein Kurbelradio, einen Camping-Grill und für zehn Tage Proviant verfügen.“
Dies wäre für den (mMn. unwahrscheinlichen) Fall eines Konflikts nur mit konventionellen Waffen als Überlegung sinnvoll. Ein derartiger Konflikt - siehe auch den aktuellen Krieg in der Ukraine - würde sich dann aber auch über viele Jahre hinziehen. Die deutsche Infrastruktur sähe dann aus wie Dresden 1945.
Da fragt man sich dann selbst im Fall eines Sieges: Wofür? Hat sich das denn jetzt gelohnt? Für die „Oberklasse“ nebst den „High-Performern“ ist das keine Frage; die hocken im Kriegsfalle eh weit weg von dem Kampfgebiet, notfalls außerhalb Europas. Die haben höchstens Angst vor einem nuklearen Konflikt. Der könnte das Golfspielen auf den Kanaren unmöglich machen.
Hhm. Also wohl doch kein nuklearer Konflikt. Dennoch - zur momentanen Wichtigkeit einer zivilen Verteidigung erinnere ich gern noch einmal an folgen Film:
https://www.youtube.com/watch?v=l7-TJriyWj8
Vor über 40 Jahren habe ich diese Dokumentation im Programmkino gesehen. Ich halte ihn in der momentanen Hysterie um den angeblich aggressiven Russen für höchst aktuell.
Und nach dem Sieg über „den Russen“?
Die Anderen - also Du und ich, sofern wir es überleben - dürfen dann noch den Schutt wegräumen und den Laden wieder aufbauen. Und sowie der Laden wieder ins Laufen kommt, nicht vorher, ist die Oberklasse wieder da und erteilt uns wieder die Order, wie die Chose erneut rentabel wird. Für die Oberklasse natürlich, wir kriegen wie üblich nur die Brosamen.
Alles also wie gehabt. All unsere Opfer führen uns nicht in ein besseres Leben als jetzt, glaubt das doch ja nicht. Es sichert lediglich die Pfründe einer Oberklasse, die unter Verteidigung der Freiheit lediglich die Wahrung ihres Besitzstandes versteht.
Natürlich würde es uns im Fall einer Niederlage wohl noch schlechter gehen. Auf einen erneuten „Marshallplan“ bräuchten wir dann nicht zu warten. Eingeschränkte Grundrechte inclusive.
Aber jetzt mal Hand aufs Herz, nicht an die Hosennaht: Wen interessieren heutzutage noch die Grundrechte? Wenn diese massiv eingeschränkt wurden wie in der Coronazeit, dann haben die meisten Bundesbürger noch Beifall geklatscht. In der DDR hatte auch niemand hungern müssen, die hatten bloß die schlechteren Autos und durften nicht auf Malle rumgröhlen.
Und die Reisefreiheit? Wird aktuell immer unwichtiger, da gestiegene Lebenshaltungskosten als Folge der Anstrengungen zur Kriegsfähigkeit die Möglichkeiten für immer mehr Menschen einschränken. Und zwar für die Menschen, die sich keinen Platz im Bunker leisten können und sich dann um die 100.000 Zelte prügeln dürfen.
Oder anders: Wenn wir unseren Laden gleich an „den Russen“ abgeben, könnte es uns nicht schlechter gehen als durch die Kahlschnitte der nächsten Jahre in den Sozialstaat. Bedenkt dies, wenn ihr demnächst wieder wählen dürft. Wählt auch nicht AfD, die wollen noch mehr Kohle in die Rüstung stopfen.

https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-wolodymyr-selenskyj-und-weitere-politiker-geben-polnische-orden-zurueck-a-a8176714-aa6a-4598-8245-b12926585ca9
Hier habe ich endlich Mal wieder einen Link zum Spiegel. In diesen schweren Zeiten dient der Spiegel leider nur als schlechtes Beispiel für die verstärkte Kriegspropaganda unserer Eliten.
In diesem Artikel kann man wunderschön nachvollziehen, wie Propaganda funktioniert. Durch Weglassen von wesentlichen Informationen, so dass hier der erwünschte Eindruck entsteht. Motto: Wenn die Zarin Katharina II und Mussolini den Orden behalten dürfen, dann sind die heldenhaften Kämpfer der Ukraine so enttäuscht über die Anerkennung des Ordens, dass sie diese medienwirksam zurückschicken.
Die Ursache des Ganzen - die heutige Verehrung der OUN in der Ukraine - wird hier nur kurz erwähnt, so nebenbei. Ist ja auch nicht so wichtig, dass jene Organisation während des 2. Weltkrieges mit den Deutschen zusammen Progrome an Juden und Polen durchgeführt hatten und bis zum bitteren Ende - dem Häuserkampf um Berlin - an der Seite der Wehrmacht standen.
„Der rechtsnationale polnische Präsident Karol Nawrocki“ - so der Spiegel - hatte Selenskyj diesen ihm 2025 verliehenen Orden aufgrund dieses Zusammenhangs entzogen. Der ukrainische Präsident hatte zuvor einer Armeeeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ verliehen. Hintergrund des Ordensentzuges: Die OUN firmierte nach dem zweiten Weltkrieg unter dem neuen Namen UPA (Ukrainische Aufstandsarmee).
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/nawrocki-entzieht-selenskyj-hohe-auszeichnung-ukraine-gibt-ihrerseits-zwei-orden-an-polen-zur%C3%BCck/ar-AA265iUj
Noch einmal: Erst kämpften die Mannen um Bandera gegen die Sowjets für ihre Unabhängigkeit und nahmen dafür die völkerrechtlich zu verurteilende Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland in Kauf. Nach der Niederlage der Nazis kämpften sie dann weiterhin gegen die Sowjets für eine Unabhängigkeit, die es zuvor gar nicht gegeben hatte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ukrainischer_Staat
Die Ukraine wurde also erst Anfang 2018 nach dem „Brotfrieden“ von Brest-Litowsk durch die Mittelmächte (hier Deutschland und Österreich-Ungarn) gegründet, um einen Puffer gegen die im demokratischen Westen verhassten Kommunisten unter Lenin zu schaffen. Dies sollte Truppen für die Westfront freisetzen.
Trotzki wiederum als Verhandlungsführer der Sowjets blieb gar nichts anderes übrig, als einen ukrainischen Staat im Gegenzug für das Kriegsende im Osten zu akzeptieren, standen die „Roten“ doch im russischen Bürgerkrieg gegen die „Weißen“ gehörig unter Druck. Nach der Niederlage der Mittelmächte brach der ukrainische Staat nach nur einem Jahr auch schnell zusammen.
Aus dieser knapp einjährigen Unabhängigkeit eine nationale Identität zimmern zu wollen, war von der OUN wie von der UPA schon sportlich zu nennen. Sich heute dann auch noch hierauf zu berufen, ist dann noch ne Schippe drauf.
Da diese historischen Zusammenhänge seit 2014 während des Ukrainekonflikts von den Medien zumeist ausgeblendet blieben, konnte auch das willkommene Bild des Kampfes eines unterdrückten Volkes gegen die Besatzer gezeichnet werden. Und natürlich macht sich heuer kaum jemand noch die Mühe, Hintergründe nachvollziehen zu wollen. Die Degeneration des einstigen Volkes der „Dichter und Denker“ schreitet munter voran.
Einen ukrainischen Staat hatte es jahrhundertelang nicht gegeben gehabt. Das heutige Gebiet der Ukraine befand sich abwechselnd in polnischer oder russischer Hand (teilweise aber auch Österreich-Ungarn); die Bevölkerung hatte sich dementsprechend auch als Polen oder Russen verstanden. Die ukrainische Sprache kann man in diesem Zusammenhang eher wie das Rätoromanische in der Schweiz betrachten: Als extreme Mundart einer einzelnen Region.
Solange diese Zusammenhänge hier aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten werden, sehe ich keine Chance für einen klaren Schlussstrich unter dem aktuellen Krieg. Und der Spiegel wie auch die meisten anderen Medienhäuser bleiben hier ganz auf Linie - hoffentlich nicht bis zum bitteren Ende.

Alsdann: Bleiben Sie links, bleiben Sie kritisch. Und:
„I`m so bored with the USA. But what can I do?“

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