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Die Fahrt auf der belgischen Autobahn erwies sich als überaus anspruchsvoll. Das lag weniger an den belgischen Autofahrern, die bis heute keinen Fahrschulunterricht zur Erlangung des Führerscheins besuchen müssen. Da ist es bereits ein Fortschritt, dass unsere belgischen Freunde seit einigen Jahren zumindest eine Führerscheinprüfung ablegen müssen.
Nein, es lag eindeutig an der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h. Edith hatte uns vorgewarnt; eine Überschreitung würde uns teuer zu stehen kommen. Daher galt meine volle Konzentration der Geschwindigkeit; nahezu permanent musste ich das Gaspedal sparsam dosieren, um die 120er Marke nicht zu überschreiten.
Anstrengend war das, keine Frage. Ebenfalls anstrengend erwies sich die Baustelle kurz vor der Abfahrt ins Stadtzentrum von Antwerpen. Bald ne Dreiviertelstunde Stop and Go, da war ich natürlich begeistert gewesen. Dann war ich aber auch froh, als wir die Autobahn verlassen hatten und ins Stadtgebiet von Antwerpen vorstoßen konnten.
Sieht man einmal von den unzähligen Kreisverkehren ab, ist das Autofahren in Belgien abseits der Autobahnen nicht anders als bei "uns". Weniger Ampeln dank der Kreisel möchte ich meinen - könnte man bei "uns" vielleicht mal ausbauen. Dass die Belgier wie die Henker auf den Straßen unterwegs seien, musste ich an diesem Tag (noch) nicht konsternieren.
Gegen halb Zwei angekommen, waren wir zwar noch etwas früh dran, um in unser Hotel einzuziehen (Check-In wurde mit 16.00 Uhr ausgerufen), doch wir fuhren trotzdem schon einmal vor, um nach einem Parkplatz beim Hotel zu schauen. Und tatsächlich hatten wir Glück, dass am Straßenrand schräg gegenüber unseres Hotels ein kostenfreier Parkplatz verfügbar war.
Leider war die Rezeption noch nicht besetzt, so dass wir Zeit und Muße erhielten, um uns schon mal vorab in Antwerpen umzuschauen. Dies verschaffte uns die Gelegenheit, uns zunächst über die Querstraßen Richtung Hafen vorzuarbeiten; Jener ist einer der größten Häfen Europas, den wollte meine Löwin natürlich begutachten.
Jedoch wollten wir uns nach der anstrengenden Fahrt etwas sammeln und nahmen einen Kaffee in einem schönen Cafe namens Cornichon. Antwerpen hat bekanntlich eine Universität und viele Studenten; dies war ein Studentencafe, welches man so auch im Prenzlauer Berg verorten könnte. Und es war tatsächlich gemütlicher als im Aachener Ronnefeldt Tags zuvor.
Nach einem äußerst leckeren Caffee Latte fühlten wir uns fit genug, um in Richtung Hafen aufzubrechen. Wie es sich dann herausstellten, war der Weg doch wesentlich länger als zunächst angenommen, so dass wir uns nach einer kappen halben Stunde des Weges entschieden, uns kurzfristig umzuorientieren und einen ersten Blick in die Innenstadt zu riskieren.
Wir hatten auf dem Weg noch einen sehr schönen Innenhof gesehen. Dunkel glaube ich mich zu erinnern, dass es sich bei der für belgische Verhältnisse extrem gut gepflegte Anlage um eine Kunstschule oder so was in der Richtung gehandelt hatte. Natürlich habe ich mir dies nicht genau gemerkt, weil mir die hohe Schule der Kunst bekanntlich ein Greul ist.
Jedoch… der Preis für den schönsten Ort des Tages geht an die Gaststätte "De Broodwinning" am Paardenmarkt 2, 2000 Antwerpen. Auf unserem Weg in die Innenstadt lachte uns diese Gaststätte förmlich an. Die Uhr hatte sich da auf irgendwas zwischen 14.30 Uhr und 15.00 Uhr eingependelt und wir waren sofort begeistert, als wir durch die schwere Holztür ins Innere dieser Gastwirtschaft traten.
Endlich normale Leute! Freitag, früher Nachmittag und die Kneipe war voller Menschen, die alle gut gelaunt an ihren Bieren nippten und richtig guter Stimmung waren. Der Frauenanteil war unerwartet hoch - das würde es in Deutschland so wohl niemals geben. Wobei ich bezweifle, ob sich heutzutage überhaupt noch eine nennenswerte Anzahl an Leuten auf ein Wochenendbierchen in einer Kneipe treffen würden. Ich selbst kenne dies noch aus Salzgitter in den 90ern; gern denke ich an diese Zeit zurück.
Vorsichtshalber bestellte ich ein Jupiler - auch hier gab es nur wieder diese Einheitsgröße 0,33. Meine Löwin hatte mehr Bock auf eine Coke Zero, erfreute sich aber ebenfalls an der angenehmen Atmosphäre. Längere Zeit wollten wir im De Broodwinning aber dennoch nicht verweilen, weil wir zunächst einmal ins Hotel einchecken mussten und selbst ich nicht die kurze Zeit, die wir in Antwerpen verbringen würden, in einer Kneipe versumpfen wollte. Im Cornichon hatte ich nämlich eine Stunde zuvor das nächste Hotel für den Samstag in Ostende gebucht.
Irgendwie doch schweren Herzens gingen wir dann die langgezogene Rotterdamstraat zum Hotel hinunter. Die stark alkoholisierten Kerle, die sich an der Seite gegenseitig angepöbelt hatten, brachten uns zu der Überzeugung, dass wir nicht nur in keiner Touristenumgebung gelandet waren, sondern stattdessen eine "exquisite" Reeperbahnatmosphäre erleben durften.
Halt, ich vergaß: Am Rande der Innenstadt fielen wir noch in den Grand Bazar, seines Zeichens ein Supermarkt, ein. Wir brauchten noch Getränke für die Nacht, Schnucki war ja dank des Intervallfasten überflüssig.
Aber meine Löwin entdeckte in der Käseabteilung noch einen von ihr lange gesuchten Käse. Der "Port Salut" ist ein dem Chaumes ähnlicher Weichkäse und in Deutschland quasi nicht zu bekommen. Ein Stück dieses Käses nahmen wir natürlich mit; nicht als Schnucki zur Nacht - eher für die Leckerei während der Autofahrt am nächsten Tag.
Da fehlte mir allerdings noch ein Messer - mein schönes französisches Taschenmesser mit Holzgriff hatte ich leider Zuhause verlegt. Also suchte ich im Supermarkt nach einem Messer, leider ohne Erfolg.
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